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Römischer Kaiser Tiberius
Amtszeit 14– - 37
Vorgänger Augustus
Nachfolger Caligula

Vater Tiberius Claudius Nero (Maior)
Mutter Livia Drusilla

Tiberius Caesar Augustus (* 16. November 42 v. Chr. in Rom; † 16. März 37 n. Chr. am Kap Misenum; sein Name seit der Geburt bis zur Adoption durch Augustus lautete Tiberius Claudius Nero) war römischer Kaiser von 14 bis 37 n. Chr. Sein vollständiger Name zum Zeitpunkt seine Todes war Tiberius Caesar Divi Augusti filius Augustus, Pontifex maximus, Tribuniciae potestatis XXXLLX, Imperator VIII, Consul V.

Leben

Frühes Leben

Nach seinem Stiefvater Augustus war Tiberius der zweite Kaiser des römischen Reiches und wird wie dieser zur sog. julisch-claudischen Dynastie gezählt. Seine Regierungszeit war eine der längsten Alleinherrschaften eines römischen Kaisers. Vereinzelt wird er auch als Tiberius I. bezeichnet (Tiberius II. regierte 576–582, Tiberius III. 698–705).

Tiberius war von Geburt her ein doppelter Claudier: Sein Vater war Tiberius Claudius Nero, seine Mutter Livia Drusilla war ebenfalls Claudierin, deren Zweig der Familie allerdings durch Adoption in das plebejische Geschlecht der Livier übergegangen war. Octavian (der spätere Kaiser Augustus) erzwang im Jahr 38 v. Chr. Livias Scheidung vom älteren Tiberius Claudius Nero und heiratete sie, wodurch der vierjährige Tiberius sein Stiefsohn wurde.

Tiberius’ Vater blieb gebrochen zurück. Er musste jetzt auch noch den völlig verstörten Tiberius, der den plötzlichen Liebesentzug nicht verkraftete und den neugeborenen Drusus (bei der Heirat mit Octavian war sie im sechsten Monat schwanger gewesen) versorgen.

Tiberius exiles Print by Felix Joseph Barrias

Tiberius exiles, Felix Joseph Barrias

Auch Tiberius’ weiteres Privatleben verlief wenig glücklich. 12 v. Chr. musste er sich auf Anordnung seines Stiefvaters von seiner ersten Frau Vipsania Agrippina, der Tochter des Feldherrn Marcus Vipsanius Agrippa, scheiden lassen und Julia, die Tochter des Augustus (und deshalb auch seine eigene Stiefschwester) heiraten. Diese Verbindung sollte die Einheit des regierenden Hauses stärken. Ihre unterschiedlichen Charaktere (sie lebenslustig, er eher ernst mit einer gewissen Neigung zur Düsternis) trugen dazu bei, dass diese Ehe nicht glücklich war. 6 v. Chr. zog sich Tiberius in ein freiwilliges Exil nach Rhodos zurück und unterbrach damit seine Laufbahn. Tiberius selbst habe später erklärt, dass er sich zurückgezogen habe, um den Caesares nicht im Weg stehen zu wollen.[1] Tiberius fühlte sich wohl wegen der Beliebtheit des Gaius Caesar und dessen Bevorzugung in seiner Persönlichkeit verletzt. Als Tiberius im Jahr 2 n. Chr. nach Rom zurückkehrte, hatte Augustus Julia wegen unsittlichen Lebenswandels und politischer Intrigen in die Verbannung geschickt. Tiberius hatte sich allerdings vorher in mehreren Briefen aus vergeblich für seine Gattin eingesetzt. Schließlich wurde er von Augustus gezwungen, sich von Julia scheiden zu lassen.

Heerführer unter Augustus

Tiberius war ein hervorragender Heerführer: Er nahm in den Jahren 26 bis 24 v. Chr. an den Kämpfen in Spanien teil. Im Jahre 20 v. Chr. führte er einen Feldzug gegen Armenien an, durch den er Tigranes II. auf den armenischen Thron brachte. 20 v. Chr. gewann er durch Diplomatie die römischen Feldzeichen zurück, die Crassus 53 v. Chr. in der Schlacht bei Carrhae verloren hatte.

In den Jahren 15 bis 13 v. Chr. brachte Tiberius gemeinsam mit seinem Bruder Drusus Rätien und das im Norden befindliche Vindelicien unter römische Herrschaft. Von 12 bis 9 v. Chr. leitete er die Eroberung Pannoniens und eilte schließlich 9 v. Chr. zu seinem sterbenden Bruder Drusus nach Germanien und brachte den Toten dann nach Rom. Nach dem Tod des Drusus übernahm Tiberius für die folgenden beiden Jahre den römischen Oberbefehl in Germanien. Er unterwarf die Germanen zwischen Rhein und Elbe und siedelte etwa 40 000 Sugambrer und Sueben ins linksrheinische Gebiet um.

Als der potentielle Augustusnachfolger Gaius Caesar starb, übernahm Tiberius 4 n. Chr. erneut den Oberbefehl, wo er im folgenden Jahr von Gallien aus bis ins Rheinmündungsgebiet zog. In seinem Gefolge befand sich der Historiker Velleius Paterculus, der die Stelle eines Kavallerieobristen (praefectus equitum) innehatte. Tiberius drang bis zur Weser vor, wo er in einem der Lippe-Kastelle ein Winterlager errichtete; dies war das erste Mal, dass eine große römische Armee in Germanien überwinterte. Im Frühjahr des Jahres 5 n. Chr. besiegte er zusammen mit der römischen Flotte die Langobarden an der Unterelbe. Er zog daraufhin weiter elbwärts und gelangte an der mittleren Elbe zu den Semnonen und schließlich zu den Hermunduren, wo er ein Lager aufschlug und germanische Gesandte empfing. Der Feldzugteilnehmer Velleius Paterculus kommt schließlich zur Schlussfolgerung: Nichts blieb mehr in Germanien, das hätte besiegt werden können, außer dem Stamm der Markomannen.[2]

Im Jahre 6 begann unter dem Oberbefehl des Tiberius die Aufrüstung gegen Marbod, den König der Markomannen. Es wurden insgesamt zwölf Legionen und Auxiliarien aufgestellt, was die Hälfte des gesamten Militärpotentials der Römer zu der Zeit darstellte. Tiberius brach im Frühjahr des Jahres 6 auf. Der Feldzug wurde von Tiberius abgebrochen, als er die Nachricht vom pannonischen Aufstand erhielt. Allerdings schloss Tiberius noch einen Freundschaftsvertrag mit Marbod, um sich vollkommen auf die schwere Aufgabe in Pannonien zu konzentrieren.

Von 6 bis 9 n. Chr. unterwarf er den Pannonischen Aufstand in Pannonien und Illyrien. Nach der Niederlage des Varus wurde Tiberius von Augustus wieder mit dem Kommando in Germanien betraut. Allerdings konnte er sich im Jahre 10 n. Chr. noch nicht entschließen, den Rhein zu überqueren.[3] Tiberius tat nichts ohne das Urteil des Kriegsrates, sprach mit mehreren Personen über die Kriegsführung und ließ somit noch mehr Sorgfalt walten als gewöhnlich.[4] Die große Vorsicht und Sorgfalt des Tiberius deuten eher gegen den Plan einer sofortigen Rückeroberung des Raumes zwischen Elbe und Rhein.[5] In den folgenden Jahren soll Tiberius allerdings, nach dem Bericht des Velleius, den Rhein überschritten haben und tiefer in das Landesinnere vorgedrungen sein, militärische Wege offen gelegt haben, Felder verheert, Häuser niedergebrannt und jeden niedergeschlagen haben, der sich ihm in den Weg gestellt habe. Schließlich sei er mit größtem Ruhm bedeckt in das Winterlager zurückgekehrt.[6]

Der Erfolg dieser Feldzüge des Tiberius unmittelbar nach der Varusniederlage wird allerdings in den Quellen und in der Forschung anders bewertet. Nach Dio kam es zu keinen militärischen Auseinandersetzungen, da die Römer aus Furcht vom Rhein aus nicht weit vorrückten.[7] Auch in der Forschung wird Velleius’ Darstellung der Feldzüge angezweifelt, da als bekannt gilt, dass Velleius von Tiberius begeistert war und stark dazu neigte, die Leistungen des Tiberius zu übertreiben. Außerdem sind keine Spuren von Militärwegen oder Anzeichen von Holzkohleschichten entdeckt worden, die man bei einem großflächigen Abbrennen von Siedlungen erwarten würde.[8]

Anfang 13 n. Chr. kehrte Tiberius nach Rom zurück und hielt den Triumph wegen der Niederschlagung des Pannonischen Aufstands ab, den er wegen der Varusniederlage verschoben hatte.

Zeit bis zur Nachfolge

Der Tod der designierten Nachfolger des Augustus, seiner Enkelkinder und Adoptivsöhne Gaius Caesar und Lucius Caesar, machte Tiberius zum einzig möglichen Nachfolger des Augustus. Mit der Adoption durch Augustus am 26. Juni 4 n. Chr. wurde Tiberius (mit dem Namen Tiberius Iulius Caesar) in das Geschlecht der Julier aufgenommen. Die nachfolgenden Kaiser bis hin zu Nero gehörten in unterschiedlichen Graden beiden Familien an und waren so Mitglieder einer Doppeldynastie. Tiberius selbst musste Germanicus, den Sohn seines Bruders Drusus, adoptieren. Außerdem erhielt er auch die beiden zur Nachfolge in der Herrschaft notwendigen Amtsgewalten, das imperium proconsulare und die tribunicia potestas. 13 n. Chr. – also ein Jahr vor dem Tod des Augustus –wurden diese Amtsgewalten auf weitere zehn Jahre verlängert.

Drusus, Bruder von Tiberius

Der Prinzipat des Tiberius

Innenpolitik

Als Tiberius im Jahr 14 n. Chr. die Nachfolge des Augustus antrat, war er 55 Jahre alt. Tiberius war ein tüchtiger Verwalter des Reiches und vermied größere Kriege zu dessen Ausdehnung. 27 n. Chr. zog er sich auf die Insel Capri zurück und überließ seinem Freund und Gardepräfekten Seianus die Kontrolle über Rom. Als dieser immer mehr Macht an sich zog und schließlich einen Umsturzversuch plante, ließ Tiberius ihn 31 n. Chr. hinrichten.

Unter Tiberius wurde in Rom erstmals eine größere Geheimpolizei organisiert, die unter Augustus noch seltenen Anklagen wegen Majestätsbeleidigung nahmen merklich zu.

Der antike Klatsch sagte Tiberius zahlreiche Laster nach. Schon als junger Mann habe er wegen seiner Trunksucht von den Legionären den Beinamen Biberius Caldius Mero („Glühweinsäufer“) erhalten; auf Capri habe er vor allem sexuellen Ausschweifungen gefrönt.

Tiberius, Philae Ägypten

Der „Verzicht auf Germanien“

Die Katastrophe des Varus (im Jahre 13 v.Chr. mit Tiberius zusammen Consul) und die von Germanicus 14 vorgefundene Situation (Militärrevolten) ließen Tiberius von der Grenzverschiebung in Richtung Weser und Elbe endgültig Abstand nehmen.

Der nüchterne und illusionslose Germanienkenner Tiberius ging zu einer defensiven Grenzpolitik über, die die Germanen ihrem inneren Streit überließ und sich auf die Behauptung eines der Grenze vorgelagerten Gebietes beschränkte. Indirekte, die germanischen Stämme und Parteien gegeneinander ausspielende Kontrolle des Vorfeldes trat an die Stelle einer aufwändigen Niederwerfungsstrategie, die ins Unendliche zu eskalieren gedroht hatte. Paradoxerweise hat gerade die Katastrophe der Varusschlacht die Haltbarkeit der römischen Grenze am Rhein erwiesen, um deretwillen die Besetzung Germaniens begonnen worden war.

Unter Augustus und zu Beginn der Herrschaft des Tiberius wollte Rom die clades Variana korrigieren, zumindest aber die aufrührerischen Germanenstämme formell unterwerfen und die Deserteure bestrafen, allein schon zur Abschreckung künftiger Aufrührer. Dies gelang aber nicht. Im Gegensatz zu Germanicus erkannte Tiberius höchstwahrscheinlich 15 n. Chr. (möglicherweise aber schon früher), dass Rom die Arminius-Koalition allein schon aufgrund der logistischen Gegebenheiten mit überschaubaren Mitteln nicht besiegen konnte. Die römischen Truppen konnten sich nicht aus dem Lande ernähren und die Landkriegführung war durch die weiten Wege und Transporte bei den kurzen Feldzugszeiten nahezu unüberwindbaren Schwierigkeiten und Gefährdungen ausgesetzt. Die Notwendigkeit für die Römer, das mitzunehmen, was es im Lande nicht gab, und die Beutegier der Germanen, das zu bekommen, was diese selbst nicht hatten, schlossen sich zu einem Teufelskreis.

Die Römer hatten Glück, dass die anderen Fronten während dieser Zeit ruhig blieben. Denn über so viele Legionen verfügten die Römer nicht, um auf Dauer acht Legionen an der Germanenfront bereit zu halten. Die Beschaffung der Lebensmittel sorgte in Gallien für nicht wenig Unruhe, die schließlich zum Aufstand des Sacrovir (21 n. Chr.) führen sollte. Spätestens mit der Abberufung des Germanicus (16 n. Chr.) galt offiziell die neue Linie des Tiberius, die in den Tabula Siarensis (19 n. Chr.) ihren Niederschlag finden sollte: Befriedung Galliens, Rache für Varus, Rückgewinnung der Feldzeichen, aber keine Eroberung des rechtsrheinischen Germanien mehr. Diese Politik endete aber mit dem Tod des Tiberius (37 n. Chr.).

Nachleben

Tiberius in der Bibel

In der Bibel wird Tiberius’ Name nur einmal im Lukasevangelium (Lk 3,1–2EU) erwähnt, im Rahmen des sogenannten lukanischen Datums, das auf das Jahr 28 hinweist:

Es war im 15. Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa [...] Hohepriester waren Hannas und Kajafas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.

Während Tiberius’ Regierungszeit wirkte auch Jesus Christus. In seinen Predigten und Gleichnissen gibt es viele Bezüge zu Caesar (bzw. dem Kaiser in einigen Übersetzungen), ohne namentlich auf Tiberius einzugehen.

Die Stadt Tiberias an der Westküste des See Genezareth erhielt ihren Namen vom oben genannten Tetrarchen Herodes Antipas zu Ehren des Kaisers.

Livia Drusilla als Priesterin

Tiberius im heutigen Geschichtsverständnis

Das Bild, das wir noch heute von Tiberius haben, ist weitgehend von Tacitus geprägt, dessen vernichtendes Urteil jedoch von der modernen Wissenschaft mehr und mehr angezweifelt wird.

Tiberius, Chiaramonti 1642

Familie

Ehefrauen

Vipsania Agrippina

Vipsania Agrippina 16 v. Chr.

Julia 11 v. Chr. (geschieden 2 v. Chr.)

Kinder

Drusus der Jüngere (mit Vipsania Agrippina)

ein Sohn mit Julia, starb kurz nach der Geburt

Literatur

Manfred Baar: Das Bild des Kaisers Tiberius bei Tacitus, Sueton und Cassius Dio. Teubner, Stuttgart 1990, ISBN 3-519-07456-7 (Beiträge zur Altertumskunde, Bd. 7).

Claudia Kuntze: Zur Darstellung des Kaisers Tiberius und seiner Zeit bei Velleius Paterculus. Lang, Frankfurt/Main 1985, ISBN 3-8204-7489-7 (Europäische Hochschulschriften, Reihe 3, Bd. 247).

Mehran A. Nickbakht: Tiberius’ Adoption durch Augustus: rei publicae causa? In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 1 (1998), S. 112–116 (PDF).

Paul Schrömbges: Tiberius und die Res Publica Romana. Untersuchungen zur Institutionalisierung des frühen römischen Principats. Habelt, Bonn 1986, ISBN 3-7749-2207-1.

Ronald Syme: History or Biography. The Case of Tiberius Caesar. In: Historia 23 (1974), S. 481–496.

Zwi Yavetz: Tiberius. Der traurige Kaiser. dtv, München 2002, ISBN 3-423-30833-8.

Anmerkungen

Sueton, Tiberius 11,5.

↑ Velleius 2,108,1.

↑ Dio 56,24,6.

↑ Sueton, Tiberius 18,1.

↑ Ralf Günter Jahn, Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.), Dissertation Bonn 2001, S. 195.

↑ Velleius 2,120,2.

↑ Dio 56,25,2.

↑ Peter S. Wells, Die Schlacht im Teutoburger Wald (2006), S. 205f. Ähnlich auch: Reinhard Wolters, Römische Eroberung und Herrschaftsorganisation, S. 228f.

Personen in Sueton's De vita Caesarum

Julius Caesar - Augustus - Tiberius - Caligula - Claudius - Nero - Galba - Otho - Vitellius - Vespasian - Titus - Domitian

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