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Phidias, (griechisch Φειδίας Pheidias, * um 500 v. Chr. in Athen; † um 432 v. Chr. ebenda), war ein griechischer Bildhauer und Toreut. Besondere Bedeutung erlangte er durch seine 12 Meter hohe Zeusstatue in Olympia, welche zu den Sieben Weltwundern der Antike gehört.

Pheidias

Über das Leben des Phidias, der als der größte Bildhauer der Antike gilt, ist sehr wenig bekannt. Eine Biographie im modernen Sinn kann nicht geschrieben werden. Allein durch die Beschreibung des vollständig vernichteten, heute nur in Kopien greifbaren Werkes von Phidias kann ein ungefährer Schattenriss dieses Lebens sichtbar gemacht werden.

Ausbildung

Phidias wurde um 500 v. Chr. als Sohn des Charmides[1] in Athen geboren. Er erhielt eine erstklassige Ausbildung bei den Bildhauern Hegias sowie Ageladas von Argos, der auch Lehrer von Myron und Polyklet gewesen sein soll. Die Ausbildung umfasste nicht nur die Bildhauerei in Stein, sondern auch den Bronzehohlguss mit Hilfe von Wachs, das den Raum zwischen einem Tonkern und einem Tonmantel ausfüllte. Aufbauend auf diese Verfahren entwickelte Phidias später die Kunst weiter, in seinen Bildwerken unterschiedliche Materialien wie Marmor, Bronze, Glasfluss, Gold und Elfenbein zu einem Ensemble zu vereinigen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit stand Phidias im engen persönlichen Kontakt zu den Radikaldemokraten, die 462/61 v. Chr. in Athen an die Macht gelangten. Die bekanntesten sind Ephialtes und Perikles.

Das früheste Werk, mit dem Phidias sein Können unter Beweis stellte, war ein Athenastandbild aus Gold und Elfenbein für den Tempel von Pellene in der nördlichen Peloponnes. Es dürfte um 465 v. Chr. entstanden sein.

Das Marathonweihegeschenk der Athener in Delphi

Phidias′ erstes großes Werk war ein Bronzebildwerk, das aus dem traditionell den Göttern vorbehaltenen Zehnten aus der Schlacht bei Marathon (490 v. Chr.) finanziert wurde. Es umfasste die zehn Bronzestatuen der attischen Phylenheroen, (Aias, Aigeus, Akamas, Antioches, Erechtheus, Hippothoon, Kekrops, Leos, Oineus und Pandion). Darüber hinaus befanden sich dort vielleicht auch die Schutzgöttin Athens, Athene, und der Schutzgott Delphis, Apollon. Sie standen auf einer 16 m langen Basis vor dem Schatzhaus der Athener in Delphi. Die 10 Phylenheroen waren Ausdruck des Sieges der jungen Demokratie über alle inneren und äußeren Feinde. Gleichzeitig setzte man sich mit dem Monument unter Verweis auf die kleisthenischen Reformen bewusst von dem politischen System der Tyrannis ab. Weitere Heroen sowie sogar ein Standbild des Miltiades, über welche Pausanias uns unterrichtet, müssen als spätere, propagandistische Ausschmückung und Nutzung des Monumentes angesehen werden wie auch die Anfügung von drei ptolemaischen Königen, die sich im Hellenismus gerne als Phylenheroen in die Nähe des Marathonsieges rücken ließen. Wenn auch das Werk selbst verloren ist, so liefert uns seine Ausformung doch sehr wichtige Informationen bezüglich der Marathonschlacht. Als Weihgeschenk aus der Beute des Sieges sollen die Heroen gegossen worden sein. Damit wurde das Überleben der Demokratie gefeiert, mit der es im Falle eines persischen Sieges vorbei gewesen wäre. Unmittelbar nach der Schlacht kam Marathon also eine lokal auf Attika beschränkte Bedeutung zu. Wenn Herodot Athen im fortschreitenden 5. Jahrhundert also als "Vorkämpfer der Griechen" bezeichnet, greift er damit eine gezielt gestreute Propaganda auf, die so effizient war, dass sie bis heute wirksam ist. Das Phylenmonument des Phidias jedoch liefert uns den chronologisch ersten und entscheidenden Beweis, dass Marathon für Griechenland längst nicht die Bedeutung hatte, die ihm später zugemessen wurde.
Athena Areia in Platää

Die etwa 3,50 m hohe Athena Areia stand im Tempel, den die Athener auf dem Schlachtfeld bei Platää zu Ehren des Sieges über die Perser errichtet hatten. Gewand und Waffen waren aus Gold, die nackten Hautpartien der Göttin aus Marmor.

Im Typus der Athena Medici ist das Standbild in römischen Kopien überliefert. An der Basis befand sich das Bildnis des Arimnestos, der in den Schlachten von Marathon und Platää das Kontingent der Plataier befehligt hatte.

Phidias′ Standbild war Zentrum eines Ensembles, zu dem die Maler Polygnotos und Onasias mit Wandgemälden beigetragen hatten. Auf Polygnotos′ Gemälde war die Tötung der Freier durch Odysseus dargestellt, auf dem von Onasias der erste Feldzug der Sieben gegen Theben.

Das bildliche Programm dieses Ensembles richtete sich vor allem gegen die inneren Feinde Athens. Athena, die Schutzgöttin der Stadt, usurpierte die Insignien Ares′, des Schutzgottes von Theben, das während der Perserkriege auf der Seite des Gegners gestanden hatte und ein Verbündeter Spartas war. Onasias′ Gemälde zeigt, wohin Bruderzwist führt, nämlich zum Untergang der Herrscher Thebens; Polygnotos verdeutlicht die Bestrafung jener, die göttliche Gesetze übertreten.
Athena Promachos in Athen

Phidias begann wahrscheinlich um 460 v. Chr. an der neun Meter hohen Bronzestatue zu arbeiten; etwa um 450 v. Chr. dürfte das Werk vollendet gewesen sein. Es schmückte die Akropolis in Athen. Die 5 x 5 m große Basis für die Statue ist heute noch zu erkennen. Reste der Inschrift, die berichten, dass die Statue aus Beutegeldern finanziert wurde, sind erhalten.

Die Athena Promachos (ὁ Πρόμαχος = der Vor- oder Vorauskämpfende) ist sehr schlecht überliefert. Auf Münzbildern ist zu erkennen, dass sie den rechten Arm ausgestreckt hielt, auf dem Nike, die Siegesgöttin, steht. Gegen das linke Bein der Göttin lehnte ein Schild, gegen ihre linke Schulter die Lanze. Auf dem Schild war der Kampf der Griechen gegen die Kentauren dargestellt. Gearbeitet hatten ihn der Toreut Mys und der Maler Parrhasios. Nach den Perserkriegen verstand man den Kampf gegen die Kentauren als Metapher für den Kampf gegen die Perser.


Athena Parthenos in Athen
Varvakion Statuette, Athen (Nationalmuseum), Nachbildung der Athena Parthenos
Die Statue

Sie ist in zahlreichen verkleinerten römischen Kopien überliefert. Die Statue ist 11,5 m groß. Bei der Erschaffung von Athena Parthenos hat Phidias Elfenbein benutzt, und für die Kleidung, Sandalen und den Helm wurden ca. 1000 kg Gold verbraucht.
Der Schild

Auf der Außenseite des 4,80 m messenden Rundschildes war der Kampf der Athener und Amazonen im Relief dargestellt, auf der Innenseite die Schlacht der Götter und Giganten als Malerei zu sehen. Von der Malerei ist nichts überliefert, das Relief kann aber mit großer Sicherheit rekonstruiert werden.

In der Mitte sah man ein Gorgonenhaupt, um das sich Schlangen wanden. Darum gruppierten sich in zwei Kreisen 28 Kämpfende (davon 15-16 Amazonen), meistens in Zweier-, seltener in Dreierkonstellation. Die Amazonen waren mit einem Chiton bekleidet, die meisten Athener nackt dargestellt. Mit großer Kunst hat Phidias in einem gehobenen, idealisierenden Realismus, wie er dem heroischen Geschehen angemessen ist, das Sterben, das Verwunden und den Angriff der Kämpfenden geschildert.

In der Darstellung eines greisen Steinwerfers sah die Antike ein Selbstporträt von Phidias. Auf dem Gesicht des Theseus dagegen meinte man die Gesichtszüge von Perikles zu erkennen.

In Nashville (Tennessee) steht eine maßstabsgetreue Nachbildung des Parthenon mitsamt der 13 m hohen Kolossalstatue der Athena Parthenos (engl. Wikipedia).
Phidias und der Parthenon

Die Frage, inwieweit Phidias an der Planung und Ausführung des Skulpturenschmucks am Parthenon beteiligt war, hat in der früheren Phidias-Forschung eine große Rolle gespielt. Plutarch berichtet, Phidias habe aufgrund seiner Freundschaft mit Perikles die Leitung oder Aufsicht über alle Arbeiten auf der Akropolis innegehabt. Einige Forscher haben daraus abgeleitet, dass Phidias das Programm der Bilder entworfen habe, das dann – daran lässt die Forschung keinen Zweifel – von mehreren Meistern ausgeführt worden sei, Phidias in gewissem Sinne also der Schöpfer des Skulpturenschmucks sei.

Heute ist die vorherrschende Meinung, dass Phidias eher eine Vermittlerfunktion zwischen den verschiedenen Bildhauern besaß. Da die Stadt Athen Auftraggeber des Parthenon war, wurden alle damit in Zusammenhang stehenden Fragen (auch die künstlerischen) der Volksversammlung vorgelegt, die auf demokratische Weise darüber befand. Man kann sich vorstellen, dass ein so hervorragender Künstler und einflussreicher Politiker wie Phidias ein von ihm entwickeltes Programm der Volksversammlung zur Entscheidung vorgelegt und sich damit durchgesetzt hat. Phidias war also nicht das große, alles überragende Genie, das nur seinem eigenen Gesetz gehorcht und in unüberwindlichem Gegensatz zu einer es kaum oder gar nicht verstehenden Volksmasse Kunst geschaffen habe, sondern eingebunden in Athens demokratischen Strukturen; nicht das eigene Kunstgesetz war ihm oberstes Prinzip, sondern der Wille, Athen und dessen Demokratie zu dienen. Insofern muss man den Skulpturenschmuck am Parthenon als das Gemeinschaftswerk aller Athener ansehen.


Athena Lemnia in Athen
Atena Lemnia Bologna

Die helmlose, überlebensgroße Athenastatue aus Bronze dürfte um 450 v. Chr. entstanden und auf der Akropolis in Athen aufgestellt worden sein. In der Inschrift wurden die Kleruchen der Insel Lemnos als Stifter genannt. Kleruchen waren Athener, die in die verbündeten Territorien entsandt wurden und dort Land erhielten und Athens Interessen wahrnahmen.

Die Göttin ist nicht behelmt, also nicht bereit zum Kampf. Sie betrachtet den Helm, den sie in der rechten Hand hält, in ruhiger Haltung. Der Speer lehnt ihr jedoch gegen die linke Schulter; er verdeutlicht ihre Kampffähigkeit.

Wohl wegen ihrer wenig kampfbegierigen Erscheinung galt die Statue in der Antike als Phidias′ schönste. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben sich Kopien erhalten. Eine Rekonstruktion, die auf Adolf Furtwängler zurückgeht, ist in Dresden zu sehen.
Die Zeusstatue von Olympia
Die Zeusstatue (Abbildung auf einer Münze aus Elis)

Die 12 m hohe Statue ruhte auf einem inneren Gerüst aus Eisen, Gips und Holz, war außen mit Goldblech, Elfenbein und Ebenholz verkleidet und wurde in der sogenannten Chryselephantin-Technik errichtet. Dabei werden vor allem bei Götterbildern Gesicht, Hände und Füße der hölzernen oder marmornen Figuren mit Goldblech und Elfenbein verkleidet und mit Edelsteinen und gegossenem farbigem Glas verziert.

Bei Ausgrabungsarbeiten in Olympia in der Nähe des Zeustempels fand man die Überreste der Werkstatt des Phidias und darin Materialreste, Werkzeug etc., außerdem einen Keramikbecher, in dessen Boden die Worte zu lesen waren: ΦEIΔIOY EIMI (Φειδίου εἰμί; PHEIDIOU EIMI = (des) Pheidias (Eigentum) bin ich).

siehe: Zeus-Statue des Phidias
Amazone in Ephesos

Antike Schriftsteller berichten über ein Amazonenmonument im Artemistempel in Ephesos. Phidias, Polyklet, Kresilas, Kydon und Phradmon haben je eine Amazonenstatue gefertigt. Nach dem Stil der Bronzestatuen zu urteilen, dürfte das Monument in den 430er Jahren errichtet worden sein. Die Statuen des Polyklet, des Phidias und des Kresilas sind in Kopien fassbar. Die Forschung hat die Sosikles-Amazone Polyklet, den Statuentypus Mattei Phidias und den Typus Sciarra Kresilas zugeordnet. Leider ist für den Typus Mattei der Kopf nicht zweifelsfrei überliefert. Phidias′ Amazone ist am linken Oberschenkel verwundet. Sie hat deshalb den Chiton nach oben geschürzt und unter den Gürtel gezogen. Mit der rechten, über den Kopf erhobenen Hand stützt sie sich auf den Speer, um das linke Bein zu entlasten.

Die Amazonen waren der Legende nach aus Osten kommend in Attika eingefallen und von den Griechen besiegt worden. Die Überlebenden hatten in Ephesos Zuflucht gefunden. Dort waren aus den "männermordenden" Kriegerinnen Frauen geworden, die Ehen mit Griechen eingingen und hinfort ein häusliches Leben führten. Die Amazonen wurden von der damaligen Öffentlichkeit als Sinnbild der besiegten Eindringlinge verstanden. Sie standen für das Schicksal derer, die sich gegen Athen zu stellen wagten.
Aphrodite Urania in Elis bei Olympia -

Pausanias berichtet von einer Aphrodite Urania aus Gold und Elfenbein, die im Aphroditetempel in Elis aufgestellt war. Der linke Fuß der Statue ruhte auf einer kleinen Schildkröte. Ein römischer Marmortorso im Pergamonmuseum in Berlin (Inventarnummer Sk 1459) überliefert vielleicht die Statue. Stilistisch kann man das Werk den 430er Jahren zuordnen.
Tod

Über Phidias′ Tod gibt es zwei Theorien:

Gemäß der einen Vermutung konnte er nach Elis fliehen.

Andere Quellen geben an, Phidias sei von den Gegnern des Perikles angeklagt worden, Gold von der Statue der Athena Parthenos gestohlen zu haben. Dieser Beschuldigung konnte er sich jedoch entziehen. Daraufhin warfen ihm Perikles' Gegner Gotteslästerung vor, da er sich selbst sowie Perikles auf dem Schild der Athena Parthenos dargestellt hatte, und er wurde eingekerkert. Angeblich starb er kurz darauf an einer Vergiftung.

Keine der beiden Behauptungen gilt jedoch als gesichert.

Literatur

Pheidias und der Zeus von Olympia: Annäherungen Gebundene Ausgabe – 5. Oktober 2016, n Klaus Huneke (Autor)

Christoph Höcker - Lambert Schneider, Phidias, Rowohlt-Monographie Nr. 505, Reinbek 1993
Volker Michael Strocka: Pheidias (I). In: Künstlerlexikon der Antike. Bd. 2. München, Leipzig 2004, S. 210-236.
Buschor, Ernst: Phidias der Mensch, München 1948
Schrade, Hans: Phidias, Frankfurt am Main 1924

Anmerkungen

↑ Nicht zu verwechseln mit Charmides, einem Athener Politiker

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