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Costa-Gavras (griechisch Κωνσταντίνος Γαβράς oder Konstantínos Gavrás; * 12. Februar 1933 in Loutra Iraias, Arkadien, Griechenland) ist ein griechisch-französischer Filmregisseur und Drehbuchautor. Er wurde im Filmgeschäft international bekannt vor allem mit seinen vielfach ausgezeichneten politisch engagierten Arbeiten und ist damit bis in die Gegenwart erfolgreich.

Leben

Costa-Gavras’ Vater war Regierungsbeamter, der in dem von Kommunisten geprägten Widerstand gegen die deutschen Besatzer vorging. 1945 zog die Familie nach Athen, ehe der Vater nach Ausbruch des Griechischen Bürgerkriegs 1946 seine Arbeitsstelle verlor.[1]

Costa-Gavras wanderte 1954 nach Frankreich aus, nachdem er in seiner Heimat keinen Studienplatz erhalten hatte. 1956 erhielt er die französische Staatsangehörigkeit. Er begann ein Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Pariser Sorbonne, lernte aber am privaten Filminstitut Cinémathèque française eine Vielzahl anspruchsvoller Filme kennen und wechselte an das Institut des hautes études cinématographiques. Dort erwarb er ein Diplom in Regie und Filmproduktion.[1] Ab 1965 war er als Regisseur tätig. Seine Filme bilden meist eine von politischen Missständen geprägte Gesellschaft ab, gegen die Costa-Gavras Stellung bezieht. Von 1982 bis 1987 leitete er bereits die Cinémathèque française, seit Juli 2007 tut er dies wieder.

Unter seiner Regie entstanden mehrere Klassiker des politisch engagierten Films (vgl. Politthriller), darunter Z (Oscar für den besten ausländischen Film 1969), der die Hintergründe der Errichtung der griechischen Militärdiktatur unter dem Obristenregime in den 1960er Jahren thematisiert; Der unsichtbare Aufstand, der den Widerstand der Tupamaros gegen die von den Vereinigten Staaten unterstützte Militärdiktatur in Uruguay zum Thema hat; oder Missing (deutscher Titel: Vermißt), der vor dem Hintergrund des Militärputsches 1973 in Chile erneut das US-amerikanische Engagement zugunsten eines postfaschistischen Regimes kritisch aufgreift.

In vielen seiner Filme vermeidet es Costa-Gavras, die Vereinigten Staaten, die den Hintergrund für seine Themen bilden, konkret zu benennen, um durch die Anonymisierung seine Sozial- und Gesellschaftskritik über das konkrete Beispiel hinausgehend als allgemein gültig darzustellen.

2002 verfilmte er unter dem Titel Amen das Theaterstück Der Stellvertreter von Rolf Hochhuth aus dem Jahr 1963 die auf Tatsachen basierende Geschichte des SS-Mannes Kurt Gerstein, der aus christlichen Motiven heraus versuchte, die katholische Kirche gegen den Holocaust zu mobilisieren, nachdem er selbst durch seine wissenschaftliche Beteiligung an der Giftgasentwicklung zum Mitwisser und unter Gewissensbelastungen zum Mitverantwortlichen am Holocaust geworden war. Der Film brachte Costa-Gavras zusammen mit Jean-Claude Grumberg 2003 einen César für das Filmskript ein. Eine weitere César-Nominierung erhielt der Filmemacher zwei Jahre später für die Satire Die Axt, in der José Garcia als arbeitsloser Ingenieur, der seinen Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt nach dem Leben trachtet, zu sehen ist.

Bei der Berlinale war Costa-Gavras 2008 Präsident der Internationalen Jury.[2] 1990 wurde er bei dem Berliner Filmfest für seinen Thriller Music Box – Die ganze Wahrheit mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

1968 heiratete Costa-Gavras in zweiter Ehe das frühere französische Mannequin Michèle Ray, die sich einen Namen als Journalistin und Filmproduzentin machte. Aus der Beziehung stammen drei Kinder, darunter Romain Gavras und Julie Gavras, die wie ihr Vater beide im Filmgeschäft Fuß fassen konnten.[1]
Filmografie (Auswahl)
Costa-Gavras bei den Filmfestspielen von Cannes 2011

1965: Mord im Fahrpreis inbegriffen (Compartiment tueurs)
1966: Ein Mann zuviel (Un homme de trop)
1968: Z
1969: Das Geständnis (L’ Aveu)
1972: Der unsichtbare Aufstand (État de siège)
1975: Sondertribunal - Jeder kämpft für sich allein (Section spéciale)
1979: Die Liebe einer Frau (Clair de femme)
1982: Vermißt (Missing)
1983: Hanna K.
1986: Ehrbare Ganoven (Conseil de famille)
1988: Verraten (Betrayed)
1989: Music Box – Die ganze Wahrheit
1993: Die kleine Apokalypse (La Petite Apocalypse)
1997: Mad City
2002: Der Stellvertreter (Amen.)
2005: Die Axt (Le Couperet)
2009: Eden is West (Eden à l’ ouest)
2012: Le Capital

Auszeichnungen (Auswahl)

1969: Jurypreis der Filmfestspiele von Cannes für Z
1969: New York Film Critics Circle Award für Z – Beste Regie
1970: Zwei Oscar-Nominierungen für Z – Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch, mit Jorge Semprún
1970: Edgar Allan Poe Award für Z – Bestes Filmdrehbuch
1971: Nastro d’Argento für Das Geständnis – Beste Regie eines ausländischen Films
1971: Premio Sant Jordi für Das Geständnis – Bester ausländischer Film
1972: Louis-Delluc-Preis für Der unsichtbare Aufstand
1975: Regiepreis der Filmfestspiele von Cannes für Sondertribunal
1982: Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes für Vermißt
1983: Writers Guild of America Award für Vermißt – Bestes adaptiertes Drehbuch, mit Donald Stewart
1983: Oscar für Vermißt – Bestes adaptiertes Drehbuch, mit Donald Stewart
1983: British Academy Film Award für Vermißt – Bestes adaptiertes Drehbuch, mit Donald Stewart
1983: London Critics Circle Film Award für Vermißt – Beste Regie und Bestes Drehbuch, mit Donald Stewart
1990: Goldener Bär der Filmfestspiele Berlin für Music Box
1995: Ehrenpreis des Human Rights Watch International Film Festival
2003: Prix Lumière für Der Stellvertreter – Bester Film
2003: César für Der Stellvertreter – Bestes Drehbuch
2003: Ehrenpreis des Filmfestivals des Neuen Lateinamerikanischen Films
2005: Preis für das Lebenswerk des Internationalen Filmfestivals von Kopenhagen
2005: Film- und Literaturpreis des Film by the Sea International Film Festival für Die Axt
2013: Preis von Sofia für sein Lebenswerk beim 17. internationalen Filmfestival von Sofia [3]

Weblinks
Commons: Costa-Gavras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Costa-Gavras in der Internet Movie Database (englisch)
Der Sarkasmus des Schwarzweißmalers in Der Spiegel vom 13. Februar 2003
Porträt/Biografie über Costa-Gavras auf prisma-online.de
«Wie die Machtpyramide funktioniert – das ist Politik» – Interview mit Martin Walder bei nzz.ch, 21. September 2008
Links zu einigen Filmbesprechungen über Werke (Regie und/oder Drehbuch) von Costa-Gavras auf zelluloid.de

Einzelnachweise

↑ Hochspringen nach: a b c Costa-Gavra. In: Internationales Biographisches Archiv 46/2009 vom 10. November 2009 (abgerufen via Munzinger Online).
↑ Berlinale 2008: Internationale Jury
↑ englischsprachige Website des 17. internationalen Filmfestivals von Sofia

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