ART

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Pharnakes. 1) König von Pontos. Geburtsjahr unbekannt, Regierungsantritt etwa 185 v. Chr., jedenfalls vor 183, Todesjahr 170/160 Polyb. XXVII 17.

P. ist ein Bruder des Mithradates IV. Philopator Philadelphos und also ein Sohn von Mithradates III., Or. 375 Μ. Φιλοπάτωρ καὶ Φιλαδέλφος, υἱὸς βασιλέως Μιθραδάτου. Bull. hell. XXXIV 429 (Laodike) τὴν βασιλέως Φαρνάκου καὶ Μιθραδάτου ἀδελφήν (o. Art. Mithridates Nr. 10). P.’ Herrschertätigkeit nur in groben Umrissen feststellbar, vornehmlich aus Polybios (nur Auszüge erhalten) und einigen Inschriften. Die Zeugnisse der Münzen (z. B. Handelsbeziehungen) noch nicht verwertbar, da Verzeichnisse mit genauen Fundangaben fehlen.

1. Über die ersten Jahre der Herrschaft nichts bekannt. 183 erobert P. Sinope und ist in einen Krieg mit Eumenes von Pergamon verwickelt Polyb. XXIII 9. Liv. XL 2, der sich immer mehr auswächst und vier Jahre dauert. Die Gesandtschaftsexzerpte aus Polybios beleuchten nur einzelne Phasen des diplomatischen Spiels, das Rom aus diesem Anlaß in Kleinasien trieb, doch ist der äußere Verlauf des Krieges immerhin erkennbar. Durch die Eroberung von Sinope hat P. einen festen Punkt am Schwarzen Meer gewonnen, den er nicht mehr aus der Hand läßt; von hier aus spinnt er Fäden zu den Hauptpunkten des griechischen euxinischen Seehandels, je nach den Umständen mit List oder Gewalt. Der Kampf mit den kleinasiatischen Nachbarn dauert an, von beiden Seiten nehmen zahlreiche Verbündete teil; das Ziel, ein großes Reich in Kleinasien zu errichten und auf dem Schwarzen Meere das Übergewicht zu gewinnen, erreicht P. nicht.

183 kämpfen P. und Eumenes; Rom schickt Beobachter nach Kleinasien, die dem Senat melden, P. sei im Unrecht Polyb. XXIV 1. Ariarath von Kappadokien gesellt sich zu P.’ Feinden. Polyb. XXIV 5 Anf. erwähnt einen Frieden, den P. geschlossen habe, setzt aber die Erzählung vom Kampfe des P. mit Eumenes fort, ohne einen Wiederbeginn des Krieges zu erwähnen. Der einleitende Satz dürfte eine ungeschickte Kürzung durch den zu eiligen byzantinischen Exzerptor erfahren haben (über die sinnentstellenden Kürzungen in den analogen Etymologika Reitzenstein Gesch. d. griech. Etymologika passim); jedenfalls ist die Ursache der Weiterführung des Kampfes bei P. zu suchen (u. 5). Rom liegt es offenbar nur an einer Schwächung beider Gegner, denn anstatt einen Frieden herbeizuführen, verspricht es eine Studienkommission zu entsenden Polyb. XXIV 5. Liv. XL 20. P. kümmert sich um nichts und sendet den Leokritos gegen Galatien Diod. XXIX 25. P.’ Gegner gehen über den Halys und sind zu einer Entscheidungsschlacht bereit, da kommen die Römer und bringen eine Friedenskonferenz zustande, die aber am Widerstande des P. scheitert, Polyb. XXIV 8. 9. Um 181 hat P. die kleinasiatischen Dynasten Artaxias und Akusilochos auf seiner Seite; mehrere Griechenstädte sind in den Krieg verwickelt. 180 holen Eumenes, Prusias von Bithynien und Ariarath zu einem neuen Schlage aus und siegen. P. muß Frieden schließen, alle Eroberungen abgeben und Entschädigung [1850] zahlen; in den Vertrag werden alle Kriegsteilnehmer einbezogen, so der Sauromatenfüret Gatalos und die Städte Chersonesos (Krim), Herakleia, Kyzikos, Mesembria Polyb. XXV 2. Dazu Ed. Meyer Gesch. d. Königr. Pontos 1879. Reinach Trois royaumes 1889; Mithradates Eupator² 34f.; L’histoire par la monnaie. Niese III 84ff.

2. Aus diesem Friedensschluß liegt jetzt der Vertrag zwischen P. und Chersonesos urkundlich vor, IPE I² 402. Minns 646 nr. 17 a. Der erste Herausgeber R. Loeper BCA XLV, 1913, 23 (russ.) mit Taf. I 1 hat nachgewiesen, daß der Text genau der Situation von 180/79 entspricht. Ihn und Latyschew ergänzend entnehme ich dem Text folgendes. Gatalos hat auf Anstiften des P. die Stadt angegriffen Z. 14ff. καὶ ἂν οἱ παρακείμενοι βάρβαροι στρατεύωσιν ἐπὶ Χερρόνησον ἢ τὴν κρατουμένην ὑπὸ Χερσονησιτῶν χώραν ἢ ἀδικῶσιν Χερσονησίτας) und P. suchte die Verfassung zu stürzen, Z. 22f. συνδιαφυλάξω τὴν δημοκρατίαν. Der Vertrag wurde mit aktivster Beteiligung der Römer abgeschlossen Z. 26f. τήν τε πρὸς Ῥωμαίους φιλίαν διαφυλασσόντων καὶ μηδὲν ἐναντίον αὐτοῖς πρασσόντων, ebenso Z. 3f. (auch IPE I² 351 gehört in diesen Zusammenhang: es ist die Ehrung des Menophilos von Sinope, der die Gesandten der Chersonasiten tatkräftig unterstützt hatte). Fast scheint es, als hätten die Römer dem P. das Friedensprotokoll diktiert. Die Darstellung o. Bd. III S. 2266 ist hiernach zu berichtigen. Entgegen der Meinung von Brandis geriet Chersonesos seit dem 3. Jhdt. in immer größere Schwierigkeiten. Schon der Bürgereid Syll.³ 320 (um 280) zeigt eine Minderung der Macht und inneren Stärke; in der Diophantosinschrift Syll.³ 709 (um 107) sehen wir Chersonesos in schwerem Ringen mit den übermächtig gewordenen Skythen (Suppl.-Bd. VI S. 892 Art. Skiluros; S. 1425 Art. Neapolis), in dessen Verlauf Chersonesos die Oberherrschaft Mithradates VI. Eupators annimmt. 182–180 kämpfen Chersonesos und Herakleia gegen P. und Gatalos. Wie groß für Chersonesos die Gefahr von Seiten der Skythen war, zeigt das Beispiel des Saumakos (Suppl.-Bd. VI S. 653), der sich zum Herrn des Bosporos machte. Zur Zeit des Friedensschlusses mit P. stehen sich Chersonesos und das Pontische Reich noch als formell gleichberechtigte Verbündete gegenüber.

3. Der Eid des P. ist datiert Daisios, J. 157 καθὰ βασιλεὺς Φ. ἄγει. Loeper hat gezeigt, daß diese Ära auf den Oktober 337 gestellt ist. Es scheint, daß P. als erster so zählte. Durch das Vorherrschen der Mithradateshistoriker in den Schriftquellen ist die Überlieferung der voraufgegangenen Zeit verdunkelt. Man darf aber annehmen, daß P. den Mithradates, Sohn des Ariobarzanes, der 337 Herrscher von Kios wurde, für den ersten souveränen Fürsten unter seinen Vorgängern hielt (Art. Mithridates Nr. 6).

Wie lange nach der Ära des P. gezählt wurde, ist unbekannt. Jedenfalls datiert Mithradates V. Euergetes, Sohn des P. (o. Art. Mithridates Nr. 11) schon noch dem Epochenjahr 296, βασιλεύοντος Μιθραδάτου Εὐεργέτου ἔτους αξρ’ (161 = 137), Inschrift aus Ineboli (Abonuteichos) Loeper Izv. d. russ. arch. Inst. in Kpel VIII [1851] 1–2, 1902, 153ff. (russ.) mit Abb. nach Pause (die Reinach Trois Royaumes 171 beschriebene Münze des Mithradates aus der Sammlung Vaillant vom J. 173 = 125 dürfte echt sein; Head 501 ,no coins known‘).

4. 172/71 heiratete P. Nysa, die Enkelin Antiochos III. d. Gr., Or. 771, 13. Hier gibt P. sich durchaus den Anschein, als Förderer der hellenischen Kultur aufzutreten, nur hindere ihn seine augenblickliche materielle Lage, die versprochenen Summen pünktlich auszukehren. Der Antragsteller nimmt die eben eingetroffene Nachricht von der Heirat des P. zum. Anlaß, ihm durch einen Gesandten gratulieren zu lassen Z. 45f., der dann auch gleich die versprochenen Gelder mitbringen soll (wie Z. 56 κεχειροτόνηται beziehen sich die durchgehends verwandten Perfekta alle auf soeben Geschehenes), ob aber P. die Griechen je wirklich unterstützte, sei dahingestellt.

5. Polyb. XXVII 17 nennt den P. παρανομώτατος. Diesem Urteil eines Zeitgenossen läßt sich kaum etwas hinzufügen. Nur sein Machthunger sei daneben hervorgehoben. Die als realistisches Porträt ganz hervorragenden Silbermünzen (Reinach Trois royaumes Taf. X 4; BMC [1889] Taf. VIII 3. Imhoof-Blumer Porträtköpfe Taf. V 1. Head HN² 501) zeigen ein unschönes Gesicht mit brutalen Zügen.
[Erich Diehl.]

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