ART

485) C. Iulius C. f. Fabia Severus, Consul des J. 155 n. Chr. (der vollständige Name in der Inschrift aus Ankyra; C. Iulius Severus in Consulatsangaben CIL VI 2086 X 1208. Not. d. sc. 1883, 14; Iul Severus CIL III 7505; sonst Severus). Daß er ein Sohn des Vorausgehenden und der Claudia Aquillia (die früher irrig für seine Gattin gehalten wurde, s. Nr. 484) gewesen sei, dafür sprechen Name, Zeit, Heimat und die militärischen Stellungen, die er unter dem Kommando seines Vaters bekleidete (s. u.; vgl. Mommsen S.-Ber. Akad. Berl. 1901, 30. Dittenberger Or. gr. II 543, 1); er führte demnach seine Abkunft sowohl von Vaters- als von Mutterseite auf die Könige und Tetrarchen Galatiens zurück (s. Nr. 484). Die Inschrift einer Statue, die der auch sonst (IGR III 186) bekannte Trebius Cocceius Alexander in Ankyra seinem ,Wohltäter‘ errichtete, gibt seinen Cursus honorum bis zur palästinensischen Statthalterschaft (CIG III 4029 = Cagnat IGR III 172 = Dessau II 8829): γενόμενον πρῶτον μὲν πεντεκαιδέκανδρον (unrichtig statt δέκανδρον, der Fehler ist durch die weiter [821] unten folgende Übersetzung von XVvir s. f. veranlaßt worden) τῶν ἐκδικαζόντων τὰ πράγματα (Xvir stlitibus iudicandis), ἵππῳ δημοσίῳ τιμηθέντα (equo publico exornatus; Mommsen St.R. III 470, 4 nimmt hier ein Versehen des Konzipienten an, ebenso Dessau Pros. imp. R. II 214 n. 372 und Inscr. sel. II 8829, 3, der vermutet, I. sei sevir equitum Romanorum gewesen; aber unrichtig dürfte nur die Stelle sein, an der die Bezeichnung in der Ehrenreihe erscheint: sie wird an den Anfang gehören, denn I. war vor der Aufnahme seines Vaters in den Senatorenstand – wohl bald nach 123 n. Chr., s. Nr. 485 – römischer Ritter ohne Senatorenrang, hatte demnach Anspruch auf das Staatspferd), χιλίαρχον λεγιῶνος δ’ Σκυθικῆς (tribunus militum und zwar offenbar bereits laticlavius unter dem Befehl seines Vaters, der um 132 die Legio IV. Scythica in Syrien kommandierte), ταμίαν κανδιδάτον (quaestor candidatus wohl noch des Kaisers Hadrian, der also die Wertschätzung, die er dem Vater erwies, auch auf den Sohn übertragen hat), δήμαρχο[ν] κανδιδάτον (zum Volkstribunat wurde er vermutlich von Antoninus Pius vorgeschlagen), ἱερέ[α] πεντεκαιδέκανδρον ἐπὶ τ[ῶν] ἱεροποιϊῶν (XV vir sacris faciundis; Severus ist demnach noch vor der Praetur in eines der amplissima collegia Roms aufgenommen worden – eine bei Männern, die nicht dem senatorischen Adel angehörten, seltene Auszeichnung, deren Wert daraus erhellt, daß sein Vater als Consular ungefähr um dieselbe Zeit in eine andere dieser Priesterschaften Aufnahme fand), στρατηγὸν οὐρβανόν (praetor urbanus um das J. 143), πρεσβευτὴν λεγιῶνος λ’ Οὐλπίας Νικηφόρου (Legat der Legio XXX. Ulpia Victrix, die in Castra Vetera (Xanten) lag und dem damals von seinem Vater befehligten niederrheinischen Heere angehörte; Severus wird eine Reihe von Jahren, vielleicht von 145 bis 149, an ihrer Spitze gestanden haben [vgl. Nr. 484]; sein Vorgänger war, wie es scheint, Cn. Iulius Verus [Nr. 525]), ἐπιμελητὴν ὁδοῦ Ἀππίας (curator viae Appiae zwischen 150 und 155, mutmaßlich zur gleichen Zeit, da sein Vater Asia verwaltete; daraus erklärt sich, daß er diesen nicht, wie dies sonst üblich war, als Legat begleitete), ὕπατον (Consul ordinarius des J. 155 mit M. Iunius Rufinus Sabinianus: CIL VI 2086 Acta Arv. vom 3. und 7. Januar. X 1208. Not. d. sc. 1883, 14 und sonst; Cod. Iust. II 1, 1 [Sabiniano II et Severo conss.]; in den Consulfasten Severo [oder falsch Vero] et Sabino [statt Sabiniano], Mommsen Chron. min. III 509. Vaglieri Diz. epigr. II 1028f. Liebenam F. cos. z. J.; im Mai fungierten andere Consuln, CIL VI 2086. 23), πρεσβ(ευτὴν ἀντιστράτηγον Συρίας Παλαιστείνης) (legatus Augusti pro praetore provinciae Syriae Palaestinae) wohl unmittelbar nach seinem Consulat. Wie lange er dieser Provinz vorstand, ist nicht überliefert (zu Anfang der Regierung des Marcus und Verus war, nach CIL III 6645, [Com]modus Consularlegat von Palästina, vielleicht C. Iulius Commodus Orfitianus, s. Ritterling Arch.-epigr. Mitt. XX 28).

Von einem Veteranen der Legio V. Macedonica berichtet seine (in Troesmis gefundene) Grabschrift: funct(us) ex[pedi]t(ione) Orientali sub St[at(io) Pri]sco, Iul(io) Severo, M[art(io) Vero] [822] c(larissimis) v(iris) (CIL III 7505 = Dessau I 2311). Ist hier unser Severus gemeint (wie in der Regel angenommen wird; es könnte freilich auch an L. Iulius Severus cos. suff. 155 [Nr. 487] gedacht werden), so führte dieser im orientalischen Kriege des Verus und zwar im J. 163/164 das Kommando über eine Truppenmacht, zu welcher auch die von P. Martius Verus befehligte Legio V. Macedonica gehörte (s. Stein o. Bd. III S. 1843. Premerstein Klio XIII 1913, 89). In welcher Stellung er am Kriege teilnahm, ist unbekannt, am ehesten wird man sich für die Statthalterschaft von Kappadokien entscheiden dürfen (Ritterling Rhein. Mus. LIX 1904, 193; Stein spricht sich dagegen aus, weil I. dann der Nachfolger des rangjüngeren Statius Priscus cos. 159 leg. Capp. 162/163 gewesen wäre, doch finden sich in Kriegszeiten solche Anomalien, vgl. z. B. o. Bd. VII S. 303; allenfalls möglich wäre ein selbständiger Heeresbefehl als legatus Augusti pro praetore und comes des Kaisers Verus). Severus gebührt vermutlich ein Anteil an der siegreichen Beendigung des armenischen Feldzuges, die freilich in unserer (sehr lückenhaften) Überlieferung dem Statius Priscus und Martius Verus allein zugeschrieben wird (s. o. Bd. III S. 1842f.). Ob Severus noch zum Proconsulat von Asia oder Africa gelangt ist, wissen wir nicht, ebensowenig, ob er Nachkommen hinterließ. Im Lager von Carnuntum fand sich ein Altar, den zwei Aedilen des Munizipiums im J. 178 der Bona Valetudo eines A. Iulius Severus weihten (Röm. Limes in Öst. V 1904, 127f.); überzeugend erkennt Bormann in diesem einen Mann von Rang (vielleicht war Severus Comes Marc Aurels) und bringt ihn mit den galatischen Iulii Severi in Verbindung (seine Vermutung empfängt dadurch eine Stütze, daß der daneben gefundene Altar dem Iupiter optimus maximus Tavianus, dem Hauptgott des galatischen Stammes der Trokmer, dediziert ist; ebd. 1311). Auch die Vestalin Iulia Aquilia Severa, die zweite Gemahlin Antonius Elagabals, stammte vielleicht von Severus ab (vgl. Reinach Rev. celt. 1901, 8): wenigstens kehren in ihrem Namen die seines Vaters und seiner Mutter wieder.
[Groag.]

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