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452) Iulius Sacrovir, Führer des gallischen Aufstandes im J. 21 n. Chr. Er stammte aus einem vornehmen Geschlecht der Aeduer; einem seiner Vorfahren war (vielleicht von Caesar) wegen seiner Verdienste das römische Bürgerrecht verliehen worden. Die mißliche finanzielle Bedrängnis, in der sich die gallischen Gemeinden befanden, gab den Anstoß zur Abfallsbewegung, die I. zunächst bei den Aeduern anzettelte. Während dann Iulius Florus den Aufstand im belgischen Gallien leitete, übernahm Sacrovir diese Aufgabe für die übrigen Stämme der Tres Galliae, Tac. ann. III 40. Doch fehlte den Empörern ein einheitlicher Plan; vorzeitig schlugen die Andecavi (Anjou) und Turoni (Touraine) los, wurden aber von dem Statthalter der Lugdunensis, Acilius Aviola, mit nur einer Kohorte (es ist wahrscheinlich die Cohors XVII urbana, vgl. Hirschfeld Kl. Schr. 593, dazu eine neue Inschrift Dessau III 9077) und einer den niedergermanischen Legionen entnommmenen Vexillation, die der Legat C. Visellius Varro schickte, leicht besiegt, wobei einige vornehme Gallier, darunter auch I., zum Schein an der Seite der Römer kämpften, Tac. III 41; vgl. 46. IV 19.

Ebenso rasch wie dieser erste Aufstand, wurde auch die Erhebung der Treverer unter Florus unterdrückt (Tac. III 42), während die der Aeduer einen etwas größeren Umfang annahm, als Sacrovir sich offen an die Spitze der Bewegung stellte. Er besetzte Augustodunum, wo die vornehme gallische Jugend ihren Studien oblag, und gewann so Einfluß auf die angesehensten Kreise der Bevölkerung. Rasch wurde die Jungmannschaft der Aeduer mit Waffen ausgerüstet, gegen 40 000 Mann wurden aufgestellt, von denen freilich nur der fünfte Teil regulär bewaffnet war. Dazu scharten sich noch Freiwillige aus den Nachbargauen, [797] sowie schwergepanzerte, aber unbeholfene, dem Sklavenstand angehörige gallische Fechter (die sog. cruppellarii). Die Rüstungen konnten zunächst ungestört vor sich gehen, da die Statthalter der beiden Germanien sich nicht gleich darüber einigen konnten, wer den Krieg führen sollte, bei dem billige Lorbeeren winkten. Schließlich gab der alte und schwächliche C. Visellius Varro seinem Kollegen in Obergermanien, C. Silius (A. Caecina Largus) nach, Tac. III 43. Dieser rückte mit zwei Legionen (zum obergermanischen Heer gehörten damals vier Legionen: II Augusta, XIII Gemina, XIV Gemina und XVI Gallica) und den entsprechenden Auxilien in das Gebiet der Sequaner und hierauf gegen Augustodunum. Zwölf Millien von dieser Stadt kam es zu einem Treffen mit Sacrovirs Truppen, die rasch überwältigt wurden. Sacrovir flüchtete in die Stadt und von da mit wenigen Getreuen in ein Landhaus, wo er sich selbst den Tod gab, Tac. III 44–46; vgl. IV 18 (Silius wird als Sacroviriani belli victor bezeichnet). 19. 28; hist. IV 57.

Die große Gefahr, die durch Sacrovir Rom gedroht hatte, übertreibt (vgl. auch die wilden Gerüchte in der Stadt, wie sie Tac. III 44 verzeichnet) der hyperloyale Velleius (II 129, 3), der die wunderbare Schnelligkeit preist, mit der diese Rebellion unterdrückt worden sei. Zu seinen verherrlichenden Worten ut ante populus Romanus vicisse se quam bellare cognosceret nuntiosque periculi victoriae praecederet nuntius ist zu vergleichen der nüchterne Tatbestand, wie ihn Tac. III 47 gibt: tum demum Tiberius ortum patratumque bellum senatu scripsit.

Auf die Niederwerfung der gallischen Rebellen beziehen sich vielleicht auch die Inschriften des Triumphbogens von Arausio (Orange), wie zuerst Lenormant (Comptes rendus de l’acad. des inscr. 1857, 232–249) vermutet hat Die Epistylinschrift CIL XII 1230 (vgl. p. 824) nennt, wie Hirschfelds Lesung bestätigt (die Inschrift selbst ist verschwunden, nur die Spuren der Nägel, mit denen die Metallbuchstaben befestigt waren, sind erkennbar), den Kaiser Tiberius, und auf einer der Inschriften in den Schilden des Bogens (CIL XII 1231) liest man den Namen Sacrovir; es wäre auch hinzuweisen auf Tac. ann. III 47, wonach der Senat außer vota pro reditu eius supplicationesque auch alia decora beschloß.

Der Bogen selbst (b. Baumeister Denkm. III 1884–1886. Desjardins Géogr. de la Gaule III 270–277 tab. XII und XIII. Springer-Wolters Kunstgesch. I10 485, 912. Espérandieu Rec. gén. des bas-reliefs de la Gaule I 1907, 188–205) scheint älter zu sein (obgleich auch diese Ansicht bekämpft wird; vgl. aber Frothingham Rev. arch. VI 1905, 224), da die Reliefs auch auf einen Seesieg hinweisen, was S. Reinach Comptes rendus de l’acad. des inscr. 1909, 513–518; Rev. arch XIX (1912) 337-342 (Abb. 8. 339) ohne zwingenden Grund auf die Kämpfe Caesars um Marseille bezieht. Doch kann es keineswegs als ausgemacht gelten, daß die erwähnte Schildinschrift I. meint; denn da wenigstens auf einem der Schilde der Name des Künstlers zu stehen scheint, so dürfte dies auch von den übrigen gelten; überdies kommt der keltische Name Sacrovir auch sonst vor (vgl. Holder [798] Altcelt. Sprachsch. II 1282. Espérandieu l9 Zur Literatur ist noch hinzuzufügen Jullian: Hist. de la Gaule IV (1914) 154–160.

Die einjährige Belagerung von Turoni (πόλει Τυρηνῶν) durch die Germanen (Κελτῶν), von in einem Fragment des Historikers und Poliorketikers Eusebios (FHG V 23) erzählt wird, wohl nichts mit dem Aufstand des I. zu zun, wie C. Müller z. St. zweifelnd vermutet, sondern bezieht sich eher auf die Zeit des gallischen Gegenreiches im 3. Jhdt. n. Chr., vgl. v. Gutschmid Kl. Schr. V 563f.
[Stein.]

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