ART

385) C. Iulius Philippus, Name mehrerer Männer aus angesehener Familie in Tralles. Wir können drei Generationen unterscheiden, deren Angehörigen an Rang immer mehr emporsteigen. I. Den Γ. Ἰούλιο[ν] Φίλιππον Τραλλιανὸν, τὸν Ἀσιάρχην ehrt Olympia im J. 149 n.Chr., Dittenberger-Purgold Inschr. v. Olympia 455 = Dittenberger Or. Gr. II 498. Als Ἀσιάρχης und ἀρχιερεύς (von Asia; die beiden Amtstitel bezeichnen wahrscheinlich nur verschiedene Funktionen desselben Amtes; vgl. Mommsen Österr. Jahresh. III 7. Schulten ebd. IX 66f.) Philippus wird er bei der Datierung (22. Febr. 156; vgl. Ed. Schwartz Abh. Gött. Ges. VIII 6, 1905, 127–130; Bedenken dagegen äußert allerdings Kubitschek Denkschr. Akad. Wien LVII 3, 1915, 90) des Martyriums des heil. Polykarpos in Smyrna genannt (Mart. S. Polyc, Knopf Ausgew. Märtyrerakten² 1913 S. 5 c. 12, 2. S. 9 c. 21). I. war also in zwei verschiedenen Jahren Archiereus von Asia, 148/9 und 155/6, aber auch das J. 152/3 läßt sich allem Anschein nach für seine Tätigkeit in diesem Amt nachweisen. Denn nach zwei Inschriften (Pappakonstantinu Αἱ Τράλλεις, Athen 1895 nr. 30. 31 Taf. V) war er in dieser Würde zur Zeit der 56. Olympienfeier in Tralles, die, wie Ramsay Papers of the Amer. school at Athens I 102f. (Edhem Bey Bull. hell. 1904, 80 und W. Weber Unters. z. Gesch. d. Kaisers Hadrian 1907, 222f. stimmen zu) berechnet, in das J. 153 zu setzen ist. Aus den Namen des Alytarches (P. Claudius Melito) [754] und des Epimeletes (C. Iulius Chryseros) ist zu ersehen, daß auch Le Bas-Waddington III 1652c aus derselben Olympiade ist, so daß ν[ς] zu ergänzen, und ebenso Bull. hell. X 1886, 298f., wo Ν anstatt ΝΓ zu lesen ist (es ist anscheinend dieselbe Inschrift, die bei Pappakonstantinu a. a. O. nr. 29 nicht nur in der Umschrift, sondern auch in der Zeichnung Taf. IV verkehrt zusammengesetzt und unrichtig gelesen ist). Jedenfalls sind alle diese Inschriften aus der Regierungszeit des Kaisers Pius (188–161), in die nur die Olympiadenfeste von 141–157 fallen. In zwei anderen Inschriften aus Tralles (Ath. Mitt. XXVI 1901, 239, 3. Bull. hell. XXIX 1905, 361) ist die Olympiadenziffer nicht erhalten. I. war in seiner Vaterstadt lebenslänglicher Agonothet (ἀγωνοθετης διὰ βίου) und wird dort mit dem Ehrentitel υἱὸς βουλῆς (vgl. Dittenberger Or. Gr. II 470 Anm. 6) bezeichnet. Sein Sohn ist der Folgende, wie sich aus einer Inschrift aus Tralles ergibt, in welcher auch noch sein Enkel genannt ist (Pappakonstantinu a. a. O. 102 Taf. XIV = Dittenberger Or. Gr. II 499).

II. C. Iulius Philippus, der Sohn. Seinen vollen Namen mit Angabe der Tribus (Velina) gibt die zuletzt zitierte Inschrift (Dittenberger Or. Gr. II 499). Er wurde römischer Ritter (ἱπεὺς Ῥωμαίων), Mitglied der fünf Geschworenendekurien in Rom [τῶν ἐκλεκτῶν ἐν Ῥώμῃ δικαστῶν, das entspricht dem lateinischen Ausdruck iudex selectus ex quinque decuriis; vgl. Mommsen St.-R. III 536, 2) und endlich kaiserlicher Procurator (ἐπίτροπος τῶν Σεβαστῶν, also unter einer Samtherrschaft; das würde der Zeit nach am ehesten zur gemeinschaftlichen Regierung der Kaiser Marcus und Commodus, zwischen 176 und 180, passen). Auch bekleidete er die lebenslängliche Würde eines Priesters des trallianischen Zeus Larasios (vgl. Groag Österr. Jahresh. X 298, 57). Außerdem war er λογιστής von Aphrodisias (CIG II 2790 = Le Bas-Waddington III 1609 = Dittenberger Or. Gr. II 500), vielleicht auch von andern Städten (vgl. Dittenberger a. a. Ο. Anm. 5) und eines über Ionien und den Hellespont ausgebreiteten Künstlervereins (CΙG II 2933 = Le Bas-Waddington III 605 = Dittenberger a. a. O. 501, dazu Anm. 8 und zu 508; die ersten drei Zeilen auch bei Sterrett Papers of the Amer. school at Athens II 1888, 326, 380. Pappakonstantinu a. a. O. 86 Taf. 12). Als ἀ[πὸ ἐπιτρόπων mit dem Rangtitel κράτιστος wird er Dittenberger 500, als ἐπιτροπικός auf einer unpublizierten Inschrift aus Ephesos bezeichnet; zur Datierung dieser Inschrift läßt sich nur sagen, daß sie vor Elagabal gesetzt ist, da hier Ephesos δὶς νεωκόρος τῶν Σεβαστῶν genannt wird; vgl. J. Keil Num. Ztschr. VΙΙΙ (1915) 125–130. Übrigens war auch er, nicht nur sein Vater, Agonothet in Tralles (CIG II 2932. 2933 = Dittenberger 501, s. o.). In allen den angeführten Inschriften ist ausnahmslos angegeben, daß er der Vater eines römischen Senators, des Folgenden, ist.

III. C. Iulius Philippus, der Enkel, erlangte die Würde eines römischen Senators. Genannt ist er in allen Inschriften seines Vaters, und zwar als συγκλητικός (CIG II 2932. Dittenberger [755] 499–501), ferner in der Inschrift eines seiner Sklaven, Pappakonstantinu 181 Taf. 16 = Bull. hell. V (1881) 346, 8; nur hier und in der einen ephesischen Inschrift (s. u.) ist sein Vorname angegeben. Von seinen senatorischen Ämtern ist das eines Praetors (στρατηγὸς Ῥωμαίων) noch zu Lebzeiten seines Vaters bezeugt durch Dittenberger 499 und 501; außerdem wird er in zwei unpublizierten Inschriften aus Ephesos (eine davon ist die eben erwähnte) κράτιστος πρεσβευτὴς καὶ λογιστής, bezw. κράτιστος λογιστής der Stadt Ephesos genannt (vor Elagabal, s. o.). Mit großer Wahrscheinlichkeit hat Groag a. O. 298 (nach Cagnat) auf ihn auch die in ihrem Anfang nicht erhaltene Trallianer Inschrift Athen. Mitt. XXI (1896) 112 = Dessau II 8836 bezogen, wo von seinem Namen nur Φιλίππου erhalten ist. Ist diese Zuweisung richtig, dann hat es I. zum Consulat gebracht, da er hier als κράτιστος ὑπατικός erscheint; auch erfahren wir aus dieser Inschrift seine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den vornehmsten asianischen (speziell ephesischen) Familien, deren Mitglieder die höchsten senatorischen Ämter erlangt haben.

Wohl verschieden von den hier in Rede stehenden drei Männern ist der in der Inschrift von Methone in Messenien Genannte, IG V 1, 1417: Γ. Ἰουλ. Φιλιο.
[Stein.]

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