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Galilaea, Γαλιλαία (Joseph. bell. Iud. III 3, lf. u. öft. Plin. n. h. V 15. Ptolem. Strab. XVI 760. I. Makk. 5, 15 u. a. Euseb. Onom. häufig. Ev. Matth. 4, 18. Joh. 6, 1 u. a. im Neuen Testament), die nördlichste der drei Landschaften des westjordanischen Palästina. Der Name ist das hebräische gālīl, der Kreis, Bezirk, aramäisch gālīlā. Aus Jes. 8, 23 erfahren wir den vollständigen Namen, d. h. den Zusatz, der das Wort näher bestimmt: Kreis der gojim, d. h. der Heiden (vgl, I Makk. 5, 15. Γαλιλαία ἀλλοφύλων und Euseb. Onom. 247, 90 = Hieron. ebd. 129, 24 Γαλιλαία τῶν ἐθνῶν, dort allerdings die nur für einen Teil von G. verwendete Bezeichnung, s. u.). Der Zusatz fehlt aber schon bei den alttestamentlichen Schriftstellern gewöhnlich. Er bezeichnet den Distrikt als einen solchen, der von den Israeliten nicht völlig unterworfen war und in dem deshalb die Bevölkerung zu einem guten Teil wenigstens heidnisch war. Im Alten Testament war unter der Bezeichnung G. das Gebirgsland im Norden der Ebene el-Baṭṭôf verstanden (vgl. Jes. 8, 23), das Bergland Naphthali, wie der Ausdruck auch erklärt wird (Jos. 20, 7. II Reg. 15, 29).

Wie in der ältesten Zeit, so war auch später diese Gegend ein unsicherer, viel umstrittener Besitz. Gleich bei Beginn der Aramäerkriege verwüstete Benhadad I. die Gegend (I Reg. 15, 20); und wenn sie dann auch unter Ahab wahrscheinlich wieder israelitischer Besitz geworden war, so ging sie doch sehr bald wieder an Hasael verloren (II Reg. 12, 18. 13, 22). Jerobeam gewann sie dann wieder zurück, aber schon 734 schlug Tiglatpileser III. das Gebiet von G. zu seinem Reiche. Ein Teil der Bevölkerung wurde deportiert, und fremde Kolonisten traten an deren Stelle. Natürlich traf jetzt erst recht zu, daß in diesem Bezirk die heidnischen Religionen und Kulte stark hervortraten.

Wir erfahren dann erst wieder in der Makkabäerzeit etwas über G. Die wenigen dort lebenden [604] Juden führte der Makkabäer Simon 165 v. Chr., um sie vor der heidnischen Übermacht zu retten, nach Judäa (I Makk. 5, 14–23). Die Eroberung von G. scheint erst dem Aristobul gelungen zu sein; es heißt bei Josephus (ant. XIII 11, 3), daß dieser ein Stück des Ituräerlandes erobert und judaisiert habe, und damit ist jedenfalls G., das bis dahin noch nicht zum Herrschaftsgebiet der Hasmonäer gehörte, mitgemeint; ja es fragt sich, ob die Gebiete weiter nördlich überhaupt in Betracht kommen. Bei der Neuordnung der politischen Verhältnisse durch Pompeius 64 v. Chr. blieb G. mit Judäa vereint dem Hyrkan. In der Bezirksordnung des Gabinius 57 v. Chr. bildete ganz G. einen einzigen Bezirk mit der Hauptstadt Sepphoris. Doch wurde diese Einrichtung sehr bald wieder aufgehoben. Im J. 47/46 wurde Herodes von seinem Vater Antipater zum Statthalter von G. ernannt und stellte dort mit rücksichtsloser Strenge die Ordnung wieder her (Joseph. ant. XIV 9, 2; bell. Iud. I 10, 4). Als dann der vom römischen Senat zum König von Judäa ernannte Herodes sich sein Land von dem durch die Parther unterstützten Antigonos eroberte, kam es zu heftigen Kämpfen in G. (38 v. Chr.), in denen Herodes seine Gegner, die ‚Räuber‘ aus ihren unzugänglichen Schlupfwinkeln, selbst aus den Felshöhlen von Arbela (s. d.) zu vertreiben wußte (Joseph. ant. XIV 15, 4f.; bell. Iud. I 16, 2ff.). Nach dem Tode des Herodes brachen in G. neue Unruhen aus, Judas von Gamala stand an der Spitze (Joseph. ant. XVII 10, 5; bell. Iud. II 4, 1); der Legat Varus schlug den Aufstand nieder. Die Schätzung des Quirinius (6/7 n. Chr.) erregte die unruhigen Soldaten aufs neue: es kann zur Bildung der fanatischen Partei der Zeloten, deren Stifter der oben genannte Judas von Gamala und ein Pharisäer namens Sadduk waren. Ihr offenes Ziel war der Sturz der Römerherrschaft mit Waffengewalt; ihr Treiben hielt das Land nun alle die Jahre in Unruhe, sie fanden in dem freiheitsliebenden Volk immer mehr Anhang (Joseph. ant. XVIII 1 , 1. 6; bell. Iud. II 8, 1). Die Landschaft war in dieser Zeit im Besitz des Tetrarchen Herodes Antipas (4 v. Chr. – 39 n. Chr.), der sie zusammen mit Peräa nach dem Tode seines Vaters Herodes erhalten hatte. Seine Residenz- und Hauptstadt war Anfangs Sepphoris, später das von ihm neu gegründete Tiberias. Im J. 39 n. Chr. nahm ihm jedoch Kaiser Gaius Caligula seine Tetrarchie und verlieh sie dem Agrippa. Auf dessen kurze Regierung (41–44 n. Chr.) folgte die Verwaltung durch die Procuratoren von Judaea. Das schürte aufs neue die Aufregung im Volk, die sich da und dort Luft machte in allerlei Ungesetzlichkeiten, die den Frieden störten. Zwei Söhne des oben genannten Judas von Gamala namens Jakobus und Simon, die offenbar eine führende Rolle spielten, wurden von den Römern gekreuzigt. Im großen Krieg gegen die Römer wurde (66 n. Chr.) Flavius Josephus von der jüdischen Regierung in Jerusalem als Befehlshaber nach G. geschickt, um dort den Aufstand zu organisieren und die Verteidigung zu leiten. Er befestigte vor allem die wichtigeren Städte Jotapata, Tarichaeae, Sepphoris, Gischala, Tiberias, den Berg [605] Tabor u. a., aber gleich im ersten Kriegsjahr (67 n. Chr.) wurden sie alle von den Römern genommen und die ganze Landschaft bezwungen. Nach dem Aufstand wurde dann das ganze Land als römische Provinz Judäa durch Statthalter verwaltet. Über die Beteiligung Galilaes am Aufstand des Bar Kochba (132–135 n. Chr.) wissen wir nichts Genaueres.

Die Landschaft teilte von da ab ganz die Geschichte des übrigen Palästina. Waren noch zur Zeit Christi und später die Galiläer um ihrer Mischung mit der heidnischen Bevölkerung willen von den Judäern mit einer gewissen Verachtung betrachtet worden (Joh. 1, 46. 7, 52), so wurde jetzt nach der Vertreibung der Juden aus Jerusalem G. der Mittelpunkt des jüdischen Gesetzstudiums, und der Sitz der geistlichen Regierung der Juden wurde etwa um 125 n. Chr. dorthin verlegt. Das Synedrium hatte an verschiedenen Orten nacheinander seinen Sitz, längere Zeit war es in Sepphoris, schließlich wurde es nach Tiberias verlegt, wo es verblieb.

Der Umfang dieses jüdischen G. seit der Zeit des Exils war ein ziemlich größerer, als der des alten israelitischen G. Josephus, hiefür ein zuverlässiger Gewährsmann (s. o.), bestimmt die Grenzen (bell. Iud. III 3, lff.) dahin, daß G. nördlich von der ‚großen Ebene‘ (Ebene Jesreel) begann. Diese selbst gehörte also nicht mehr dazu. Die Ostgrenze bildete der See Tiberias und der Jordan. Im Westen reichte es bis zum Gebiet von Ptolemais (Akko) und Tyrus, d. h. es umfaßte so ziemlich das ganze Bergland, abgesehen vom Küstenstrich. Im Norden wird Kedes als Festung der Tyrer an der Grenze von G. bezeichnet (Joseph. ant. XIII 5, 6 ; bell. Iud. II 18, 1. IV 2, 3). Dieses G. zerfiel in zwei Teile, Unter- und Obergaliläa. Als Grenzort beider nennt Josephus das Dorf Bersaba (s. d.). Die natürliche Grenze beider Landschaften bildet die kleine Ebene von er-Rāme.

In späterer Zeit hat sich die Nordgrenze von G. mehr nach Norden verschoben. Eusebius z. B. rechnet Kades zu G. (Onom. 247, 129). Und nach dem Talmud verlief die Nordgrenze des jüdischen Landes, also auch G.s über Tiberias nach Caesarea Philippi (vgl. Hirsch. Hildesheimer Beiträge zur Geographie Palästinas).

Von der natürlichen Beschaffenheit der Landschaft wird in dem Artikel Palästina die Rede sein.

V. Guérin Description de la Palestine III Galilée 1 und 2. Paris 1880. Selah Merrill Galilee in the time of Christ, Boston 1881; The Survey of Western Palestine, Memoirs Vol. I Galilee, London 1881; ferner die betreffenden Abschnitte in der Literatur zu Gesamtpalästina. s. Art. Palaestina. H. Guthe Art. Galiläa in Protest. Realencykl. VI 336ff. T. K. Cheyne Galilee in Encycl. Biblica II 1628ff. E. Schürer Gesch. d. Jüdischen Volkes I u. II passim. Baedeker Paläst.⁶ 208

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