ART

4) Antiochener (Hieron. chron. 2289. Basil. ep. 138, 2 = Migne G. 32, 580. Liban. ep. 1396), [831] Sohn des Pompeianus (Basil. a. O. Liban. ep. 241), Nachkömmling eines Pompeianus, der sich um 272 in dem Kriege Aurelians gegen Zenobia ausgezeichnet hatte (Hieron. a. O.), jüngerer Bruder des Olympios (Liban. ep. 1388; vgl. 1101. 1474); ein anderer Bruder von ihm hieß Mikkalos (Liban. ep. 96–98. 149; pro Olymp. p. 85 bei Siebenkees Anecdota Graeca, Nürnberg 1798). Er war verwandt mit Rufinus (Liban. ep. 185) und seine Familienverbindungen reichten bis nach Ägypten (Liban. ep. 1501). Seine Mutter war 364 noch am Leben (Liban. ep. 1101; vgl. 68. 96. 254). Er war verheiratet und besaß 364 ein einjähriges und ein neugeborenes Kind (Liban. ep. 1101). Nach Sokrat. h. e. VI 3, 2 war er Schüler des Libanios; aber da dieser in den zahlreichen Briefen, die sich für ihn verwenden, niemals von einem solchen Verhältnis zu ihm redet, muß dies irrtümlich sein. Um ihn vom Decurionat zu befreien, verschaffte ihm der Praefect Sallustius im J. 363 ein Amt (Liban. ep. 1143. 1474) und 364 ein zweites höheres (Liban. ep. 1369. 1390. 1501). Doch gleich darauf wurde er wegen eines Amtsvergehens angeklagt, aber durch die Bemühungen des Sallustius und des Comes Orientis Rufinus freigesprochen (Liban. ep. 1388. 1390. 1395). Trotzdem legte ihm der Kaiser eine unerschwingliche Geldbuße auf (Liban. ep. 1388). Aber sein Sachwalter Euanthios (Liban. ep. 1413; vgl. 1387. 1395. 1407. 1409. 1502) erwirkte, durch die Briefe des Libanios 1101. 1387. 1388. 1390. 1393. 1395–1398. 1497. 1498 unterstützt, mit Hilfe des Sallustius Begnadigung (Liban. ep. 1501. 1502. 1413. 1497). Später trat er in den geistlichen Stand (Sokrat. h. e. VI 3, 2) und wurde Presbyter in Antiochia. Hier und auf seinem nahegelegenen Landgute Maronias (Hieron. vit. Malchi 2 = Migne L. 23, 53) verkehrte er mit dem jungen Hieronymus (Hieron. chron. 2289; ep. 1, 15. 3, 3. 4, 2. 5, 3. 7, 1 = Migne L. 22, 331ff.) und las ihm verschiedene Schriften vor, die er aber nicht veröffentlichte. Auch fertigte er von des Athanasius Leben des heiligen Antonius eine noch erhaltene lateinische Übersetzung an (Hieron. vir. ill. 125). Seine Kenntnis des Lateinischen, die unter den Orientalen ein seltener Vorzug war, wird der Grund gewesen sein, warum er wiederholt zu Gesandtschaften in den Occident benützt wurde und selbst am Kaiserhofe zu Mailand Einfluß gewann. So scheint er an der Römischen Synode teil genommen zu haben, welche die Verurteilung des Auxentius von Mailand wegen arianischer Irrlehren aussprach. In dem Streite um den römischen Bischofsstuhl wirkte er beim Kaiser für Damasus (Hieron. ep. 1, 15 = Migne L. 22, 331). Aus Rom zurückkehrend, unterhandelte er mit Basilios von Kaisareia (Basil. ep. 138, 2 = Migne G. 32, 580. 581). Im J. 381 erscheint er wieder in Italien als Gesandter beim Konzil von Aquileia (Ambros. ep. 8, 76 = Migne L. 16, 339). In Antiochia standen sich zwei Gegenbischöfe feindlich gegenüber, Meletius und Paulinus, und E. gehört zur Partei des letzteren. Als nun Meletius starb und an seine Stelle Flavianus gewählt wurde, suchte E. dahin zu wirken, daß dieser nicht anerkannt werde und so ‚die Einheit der Kirche‘ erhalten bleibe. Auf einen Brief, den er in diesem Sinne an Basileios von Kaisareia geschrieben [832] hatte, antwortete dieser ausweichend durch ep. 156 = Migne G. 32, 613. Doch ließ sich E., als Paulinus selbst im Sterben war, durch ihn zu seinem Nachfolger weihen, und obgleich diese Form der Wahl unkanonisch war, nahm doch der Occident unter Führung des Ambrosius von Mailand Partei für ihn (Theodor. h. e. V 23, 2–4. Ambros. ep. 56 = Migne L. 16, 1170). Nachdem er noch den Johannes Chrysostomos zum Presbyter geweiht hatte (Sokrat. h. e. VI 3, 12), stellte sein Tod die Einigkeit der antiochener Kirche wieder her (Sokrat. V 15, 1. 2. Sozom. VII 15, 1. VIII 5, 3). Dies kann nicht vor 392 geschehen sein, da Hieron. vir. ill. 125 ihn noch als lebend erwähnt. An ihn gerichtet Liban. ep. 1369. Basil. ep. 156 = Migne G. 32, 613.
[Seeck.]

Die lateinische Übersetzung der berühmten Biographie des heiligen Antonius von Athanasius, die übrigens so frei verfährt, daß sie fast eine lateinische Bearbeitung heißen könnte, hat Augustinus noch 385 in Mailand kennen gelernt (confess. VIII 14f.); sie ist in der Benedictinerausgabe der Werke des Athanasius dessen griechischem Texte beigegeben, sonst auch gedruckt in Acta Sanct. Bolland. Jan. t. II 120–141. Hieron. de vir. ill. 125 kennt noch andere tractatus diversarum ὑποθέσεων von E., die dieser indes noch nicht veröffentlicht habe; wahrscheinlich ist es nie geschehen, da keine Spur von solchen sich findet. Die Zweifel an der Echtheit jener Übersetzung aber sind ebenso veraltet wie die an der Echtheit des griechischen Textes.
[Jülicher.]

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