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6) Mehrere der mythischen Drachen (vgl. Mähly Die Schlange in Mythus und Cultus der [1647] class. Völker, Basel 1867, 14ff. 35ff.) wurden in späterer Zeit euhemeristisch als Männer, welche den Namen D. führten, erklärt: a) der Pythondrache war ein gewaltthätiger Mann, Namens Python, mit dem Beinamen D., welchen Apollon erschoss (Ephoros, als ältester Zeuge für derartige Deutung, bei Strab. IX 422, vgl. Paus. X 6, 6. Plut. quaest. Gr. 12). b) Der thebanische Drache war ein Sohn des Ares, der als König in Theben herrschte und von Kadmos getötet wurde (Palaeph. 6. Derkylos b. Schol. Eurip. Phoen. 7). Seine Söhne raubten dem Kadmos mit andern Schätzen die von ihm nach Griechenland mitgebrachten Elefantenzähne und flohen nach verschiedenen Gegenden Griechenlands, von wo sie den Kadmos bekriegten. So seien diesem Feinde erwachsen ?κ τῶν τοῦ δράκοντος ὀδόντων, Palaeph. 6. Harmonia, welche Kadmos heiratete, war eine Tochter (Derkylos) oder Schwester dieses D. (Palaeph. 7 p. 277, 12 West.). c) Der von Herakles erlegte Hesperidendrache, ein Bruder des nemeischen Löwen (Ptol. Heph. V 192, 11 West.), wurde je nach der Auffassung der von ihm beschützten μῆλα als Äpfel oder Schafe entweder als von den Hesperiden gewonnener Wächter des Gartens, der durch Baumzucht sich Reichtümer erwarb, erklärt (Heraclit. de incred. 316, 29ff. West.), oder als Hirt der Schafe (die der Milesier Hesperos in Karien hielt, Palaeph.), der wegen seines wilden Charakters den Namen D. erhielt (Palaeph. 19, 284, 13ff. West. Diod. IV 26. Agroitas b. Schol. Apoll. Rhod. IV 1396. Myth. Vat. I 38). d) Die Gestalt der Chimaira, deren Schwanz in eine Schlange auslief, gab Veranlassung, den D. ebenso wie Leon als Bruder der Chimaira, einer Herrscherin in Lykien, zu deuten (Heraclit. de incred. 316 West.). Nach Schol. Townl. Il. VI 181 waren beide πανδοκεῖς und Genossen der Chimaira. e) Polyidos, der den Sohn des Minos, Glaukos auf wunderbare Weise ins Leben zurückrief, hatte von einem Arzte, Namens D., das Zauberkraut erhalten, mit dem er den Glaukos heilte (Paleph. 27).

In denselben Kreis gehören zwei von den Fabeleien des Ptolemaios Chennos; die später auf Augustus übertragene Erzählung, dass Olympias ihren Sohn Alexander nicht von Philipp, sondern von einem Gott in Gestalt einer Schlange empfangen hatte (Plut. Alex. 2. Lucian dial. mort. 13, 1. Mähly a. a. O. 12; vgl. eine analoge Erzählung in den inschriftlichen Verzeichnissen der Heilwunder im Asklepieion zu Epidauros, Collitz-Bechtel Griech. Dialektinschr. III nr. 3340, 117ff., auch 129ff.), führt zu der Erklärung, dass nicht Philipp, sondern ein Arkadier D. der Vater Alexanders gewesen sei (III 186, 14 West.). Der zu Xerxes Zeit lebende Eupalamos, welcher sich eine wunderbare Schlange hielt, hatte einen Sohn D., der wegen seiner Sehschärfe berühmt war (III 187, 5 West.; vgl. den scharfsichtig machenden Schlangenstein, den die Frau des Kandaules besass, V 192, 14 West. und die Ableitung des Wortes δράκων von δέρκομαι).
[Wagner.]

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft

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