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40) Diogenes Laertios. Seit der hellenistischen Epoche war es in gelehrten Kreisen bei Philologen und Philosophen üblich, dem Namen, sonderlich, wenn es ein sehr gewöhnlicher war, einen Spitznamen zuzusetzen: Δημήτριος Ἰξίων, Διονύσιος Σκυτοβραχίων, Διόδωρος Κρόνος, Ἀθηνόδωρος Κορδυλίων. Das aus dem homerischen διογενὲς Λαερτιάδη gebildete σημεῖον (v. Wilamowitz Philol. Unters. III 163; Herm. XXXIV 629) gehört in diese Kategorie, verrät aber durch die den signa und σημεῖα (Mommsen Herm. XXXVII 443ff.) eigentümliche Endung, dass der D., welcher dieses Distinctiv sich gab oder erhielt, nicht vor dem 3. Jhdt. n. Chr. gelebt haben kann. Schon Steph. Byz. hat Laertiow falsch mit der karischen Stadt Λαέρτη zusammengebracht (s. Χολλεῖδαι: Διογένης ὁ Λαερτιεύς; S. Ἐνετοί: Διογένης s. Δρυίδας ist Διογένης Λαέρτιος und Λαέρτιος Διογένης überliefert; vgl. noch s. Λαέρτης), daher ältere Philologen nicht selten ,D. von Laerte‘ citieren; falsch ist auch die von den Hss. und Sopatros (Phot. cod. 161 p. 104 a 2) in dem Titel des gleich zu erwähnenden Buchs gebotene Form Λαερτίου Διογένους; dagegen schreiben der Lemmatist (VII 95) und der Corrector (VII 620) der palatinischen Anthologie Διογένους Λαερτίου, letzterer allerdings auch Λαερτίου Διογένους (Schol. zu VII 89).

D. gab eine Sammlung eigener Epigramme (I 39) heraus; in dem ersten Buch behandelte er die Todesarten berühmter Männer in Distichen und anderen Metren, daher er diesem Buch den Sondertitel Πάμμετρος gab (I 63. VII 31. VIII 75. IX 43; I 120. IV 65. VI 79. VII 164 giebt er die Namen der Metra an). Soweit Philosophen in Frage kommen, hat er diese Pammetros in seine Philosophengeschichte aufgenommen, aus dieser wiederum ist sie mit anderen in ihr angeführten Epigrammen erst in byzantinischer Zeit, nach Agathias, in die der palatinischen Anthologie zu Grunde liegenden Sammlungen gelangt (Weisshäupl Abhdl. des archäol. epigr. Seminars in Wien VII 34ff.). Er benutzte bei der Pammetros dasselbe Material wie in dem grossen Werk, nicht etwa Hermippos ausschliesslich oder direct (vgl. II 144. V 90. VΙΙI 75. 91).

Dieses grosse Werk über Philosophengeschichte, bei dessen Vorbereitung er sich mit der Pammetros die Zeit vertrieben haben mag, ist erhalten; sein Titel lautet nach der Subscription des letzten Buches in den besten Hss.: Λαερτίου Διογένους φιλοσόφων βίων καὶ δογμάτων συναγωγῆς τῶν εἰς ι (Ἐπίκουρος), dafür sind die jeweiligen Buchzahlen einzusetzen). Sopatros Λαερτίου Διογένους φιλοσόφων βίων ist daraus abgekürzt, Stephanos φιλοσόφου ἱστορίας ist ungenau. Jener Titel charakterisiert treffend die für das Buch bezeichnende [739] Mischung von Biographie und Demographie (vgl. III 47) und hat jedenfalls bessere Gewähr als derjenige, welchen die Hss. an die Spitze stellen: Λαερτίου Διογένους βίοι καὶ γνῶμαι τῶν ἐν φιλοσόφοις εὐδοκιμησάντων καὶ τῶν ἑκάστηι αἱρέσει ἀρεσκόντων ἐν ἐπιτόμωι συναγωγή (so in Paris. 1759, über dem alten Inhaltsverzeichnis); ob er aber von dem Verfasser selbst herrührt, ist wegen der falschen Stellung der beiden Namen sehr fraglich. Ein Prooimion fehlt, obgleich die Anrede III 47 φιλοπλάτωνι δὲ σοὶ δικαίως ὑπαρχούσηι καὶ παρ’ ὁντινοῦν τὰ τοῦ φιλοσόφου δόγματα φιλοτίμως ζητούσηι eine Widmung voraussetzt. Nach diesem Thatbestand ist die wiederholt ausgesprochene Meinung, dass der Anfang des Buchs schon im Altertum verloren gegangen sei, nicht ungegründet; doch wird die nähere Betrachtung des Werkes zeigen, dass der von fremder Hand zugesetzte Titel und das Fehlen des Prooimions auch auf andere Weise erklärt werden können.

Antike Anführungen des Buches giebt es nicht, benutzt ist es auch nicht (Wachsmuth irrt Sillogr. gr. 33). Dagegen ist es Sopatros (Phot. cod. 161) und Stephanos bekannt; auch dieser hat es selbst excerpiert, dabei sich von einem Itacismus irre führen lassen (vgl. Meineke Anmerkung zu Ἐνετοί). Im Mittelalter ging in dem einen Exemplar, das erhalten geblieben war, der Schluss des VII. Buches verloren; doch sind die Überschriften der einzelnen Viten in dem Inhaltsverzeichnis des Paris. 1759 und seiner Sippe erhalten (zuerst veröffentlicht von Valentin Rose Herm. I 370, nach einer jüngeren Abschrift des Parisinus; nach diesem selbst von Martini Leipz. Stud. XIX 86). Darnach folgten auf Chrysippos, mit dem jetzt das VII. Buch schliesst: Ζήνων Ταρσεύς· Διογένης· Ἀπολλόδωρος· Βόηθος· Μνησαρχίδης· Μνησαγόρας· Νέστωρ· Βασιλείδης· Δάρδανος· Ἀντίπατρος· Ἡρακλείδης· Σωσιγένης· Παναίτιος· Ἑκάτων· Ποσειδώνιος· Ἀθηνόδωρος· Ἀθηνόδωρος ἄλλος· Ἀντίπατρος· Ἀρείος· Κορνοῦτος. Da der Text keine Geschichte im Altertum hatte, ist die Überlieferung im wesentlichen einheitlich und hat erst durch die Interpolationen der byzantinischen und italienischen Humanisten eine nur die oberflächliche Betrachtung täuschende Mannigfaltigkeit erhalten. Diese herrscht in den Ausgaben, auch in den meist gebrauchten von Hübner (Leipzig 1828) und Cobet (Paris 1850), bis auf den heutigen Tag; dagegen sind die für die recensio unentbehrlichen Hss. durch Bonnet (Rh. Mus. XXXII 583f.), Usener (Epicurea VIff.) und Wachsmuth (Sillogr. Gr. 51ff.) ausgesondert und einzelne Partien von Usener in den Epicurea, von Diels in Poetarum philosophorum frg. und den ‚Fragmenten der Vorsokratiker‘ (hier ohne Apparat) in geradezu vorbildlicher Weise ediert. Die Überlieferung ist zu entnehmen aus dem Borbonicus 253 s. XII (B), dem Laurentianus LXIX 13 s. XII (F, von Martini leider zu L umgetauft; schon in der Vorlage der Hs. fehlte das Stück I 65 – II 17) und dem Parisinus 1759 s. XIII/XIV (P), in den die interpolierte Vulgata hineincorrigiert ist; vorher wurde aus ihm der Parisinus 1758 abgeschrieben. Das Richtige ist oft nur in B erhalten; doch giebt auch F nicht selten das Echte, daneben freilich auch Autoschediasmen. Ob B P F direct oder ob B P und [740] F auf einen Archetypus zurückgehen, ist eine irrelevante Frage. Es ist möglich, bis jetzt aber nicht bewiesen, auch von Martini Rh. Mus. LV 619 nicht, dass in der grossen Masse der interpolati, von denen der Vaticanus 1302 genannt sein mag, neben richtigen Conjecturen, die hier den Humanisten ebenso oft gelungen sind wie anderswo, und argen Schlimmbesserungen, die den Text bösartig verwüstet haben, einige Lesungen, die sich in B P F nicht finden, überliefert sind; viel sind es keinenfalls, und Martini (Leipz. Stud. XIX 73ff.; Rh. Mus. LV 612ff.; dagegen Gercke Herm. XXXVII 401ff. mit richtigen Principien, aber nicht ganz ausreichendem Material) kommt von dem Versuch, aus den interpolati eine ,Classe‘ zu construieren und P F zu Mischcodices zu degradieren, hoffentlich zurück, ehe er die von ihm angekündigte Ausgabe veröffentlicht. Dringend nötig ist eine exacte Untersuchung über das Verhältnis der Excerpte bei Suidas zu unseren Hss. Durch die arge und bei der verhältnismässig einfachen recensio noch weniger verzeihliche Saumseligkeit, mit der die classische Philologie den Text des für die griechische Philosophie unentbehrlichen Buches seiner tralaticischen Verlotterung überlassen hat, ist nicht nur eine methodische Emendation bis jetzt unmöglich gemacht (trotz glänzender Conjecturen; am meisten ist geleistet von Reiske s. u., Roeper Philol. I 652ff. III 22ff. IX 1ff. XXX 557ff., auch von Cobet in seiner Ausgabe), sondern auch die Erkenntnis aufgehalten, dass das Werk des D. eigentlich nichts ist als ein Haufe von Excerpten, die, provisorisch und unordentlich zusammengeschrieben, in Umlauf gesetzt sind, ehe sie zu einem Buch auch nur leidlich abgerundet waren. Schon Reiske ahnte das Richtige (Herm. XXIV 304): forsitan descriptum hoc opus est ex eius adversariis. unde tot alieno loco inferta, tot repetitiones, tot transsultus et illi ὀρχηθμοί (geschrieben 1757, veröffentlicht 1889), einzelnes klärte v. Wilamowitz auf (Philol. Unters. IV 324ff.); aber erst Usener (Epicurea XXIIff.) ordneten sich die Thatsachen, die er auf Grund des hsl. Materials bei der Herstellung des Textes im X. Buch beobachtete, zu einem Gesamtbild, das dann andere (W. Volkmann Quaestionum de Diogene Laertio I. II. Jahresber. des Maria-Magdalena-Gymnasiums in Breslau 1890. 1895. Gercke De quibusdam Laertii Diogenis aactoribus, Beilage z. Vorlesungs-Verzeichnis v. Greifswald 1899) zur Fortsetzung angeregt hat. Zu voller Wirksamkeit wird das Princip freilich erst gelangen können, wenn die wahre Überlieferung des Textes bekannt ist. Hier müssen einige Beispiele zur Illustration genügen; jeder, der D. zu lesen versteht, wird neue finden.

Das Testament Epikurs ist X 16–21 im Wortlaut mitgeteilt. Auf die letzten Worte Epikurs folgt ἤδη δὲ τελευτῶν γράφει πρὸς Ἰδομενέα τήνδε ἐπιστολήν (X 22), darnach der Brief selbst; erst nach diesem erscheinen die Worte, welche das Testament abschliessen sollen: καὶ διέθετο μὲν ὧδε. Arg geht es X 117ff. (vgl. Usener Epicurea XXVIIff.) zu. Den einleitenden Worten 117 περὶ δὲ τῶν βιωτικῶν καὶ ὅπως χρὴ τὰ μὲν ἡμᾶς αἱρεῖσθαι, δὰ δ’ ἐκφεύειν, οὑτωσὶ γράφει· πρότερον δὲ διέλθωμεν ἅ τε αὐτῶι δοκεῖ περὶ τοῦ σοφοῦ καὶ τοῖς ἀπ’ αὐτοῦ entsprechen als Abschluss [741] 135 τοσαῦτα καὶ περὶ τῶν βιωτικῶν· καὶ ἐπὶ πλείω διείλεκται ἀλλαχόθι. Thatsächlich steht da, zunächst (117–120 ἐν ταῖς θεωρίαις) ein Haufe von ungeordneten Sätzen über den epikureischen Weisen; 120 beginnt unvermittelt mit einem unvollständigen Satz (ἁμαρτήματα ἄνισον εἶναι) ein Passus über epikureische Ethik, der mit der Lehre vom Weisen nichts zu thun hat; am Schluss steht μετιτέον ἐπὶ τὴν ἐπιστολήν (vgl. X 29). Aber der Brief folgt erst, nachdem ein zweites Stück über den epikureischen Weisen nachgetragen ist; unmittelbar vor ihm ist ein verstümmelter und unverständlich gewordener Avis an die Schreiber stehen geblieben: τὸ ἑξῆς δοκεῖ αὐτοῖς; nach ihm und vor dem Abschluss 135 ist noch ein Fetzen über Mantik eingeklebt.

Dieser Rest epikureischer Doxographie ist von Usener gesäubert und aufgeschlossen; die Excerpte über die kyrenaeische Doctrin (II 87ff.) sind noch ein wüstes Trümmerfeld, dessen Chaos durch die Harmonistik der systematisierenden modernen Historiker der Philosophie noch ärger geworden ist. Auf D.s scheinbare Ordnung Kyrenaiker (II 86–93), Schule des Hegesias (93–96), Annikereer (96–97), Theodoreer (97–99) ist kein Verlass; z. B. sind mehrere Sätze der Annikereer in die kyrenaeische Lehre hineingestopft, wie der Vergleich mit Antiochos bei Clem. strom. II 130 zeigt: Diog. II 87. 88 δοκεῖ δ’ αὐτοῖς – – κατὰ μέρος ἡδονάς und 89 die mit ἡ δὲ τοῦ ἀλγοῦντος ὑπεξαίρεσις einsetzende und mit τοὺς ἁμαρτάνοντας 90 abbrechende Polemik gegen Epikur. In dieser wiederum sind auszuscheiden als Embleme 89 ἀλλὰ μὴν οὐδέ – Ἐπικούρωι und 90 μέσας τε – ἀπονίαν, ferner auch das zu 88 πίστιν δ’ εἶναι – ἀλγηδόνα gehörende Stück 89 δύνασθαι – κατὰ διαστροφήν u. s. w. VIII 85 (Diels Fragmente der Vorsokratiker 243) ist zu verbinden: (Philolaos) γέγραψε δὲ βιβλίον ἓν ⟨περὶ⟩ φύσεως οὗ (ὧν codd.) ἀρχὴ ἥδε. Nach der Überlieferung folgt auf βιβλίον ἕν eine Anekdote aus Hermippos mit einer Variante, dann eine Notiz aus dem Magnesier Demetrios τοῦτόν φησι Δημήτριος ἐν Ὁμωνύμοις πρῶτον ἐκδοῦναι ⟨τὰ⟩ τῶν Πυθαγορικῶν ⟨βιβλία⟩ (vgl. VIII 54. 55. Iamblich. vit. Pyth. 199), dann erst der Titel und der Anfang des Buchs. V 21 ist die Parenthese φέρεται γὰρ καὶ οὕτως in der mit πρὸς τὸν αἰτιασάμενον beginnenden Anekdote unverständlich, wenn diese nicht als Variante unmittelbar auf 17 ὀνειδιζόμενός ποτε – ἠλέησα folgt. I 106 ist der für Myson völlig unzutreffende Satz φασὶ δὲ αὐτὸν καὶ τυράννου πατρὸς εἶναι der Rest einer Auseinandersetzung, weshalb Myson für Periander unter die sieben Weisen aufgenommen sei, vgl. I 41. Diodor. IX 7. Nicht selten sind Zettel ins falsche Capitel verschlagen; so bezieht sich I 25 das Kallimachoscitat auf Pythagoras, nicht auf Thales, ebenso auf Pythagoras die Zeitangabe ἀκμάσαντα – τύραννον die II 2 mit der Chronologie Anaximanders verbunden ist.

Mit diesen Thatsachen hat die Analyse bis jetzt nicht genügend gerechnet. Nur zu viel nicht lebensfähige Hypothesen sind emporgeschossen, die sich gegenseitig schnell umgebracht haben und wohl noch weiter umbringen werden; andererseits ist sehr Erhebliches geleistet, erstens durch das Herausschälen einzelner Primärquellen (Diels [742] Rh. Mus. XXXI 1ff. über Apollodor und Sosikrates, jetzt ausgebaut von Jacoby Philol. Unters. XVI. Diels Doxogr. gr. 161ff. von principieller Bedeutung für das Doxographische. Hiller Rh. Mus. XXXIII 518ff. über Lobon. Freudenthal Hellen. Stud. III, wichtig für D.s Vita Platons. Maass Philol. Unters. III, erfolgreich für Diokles und, von der Favorinhypothese abgesehen, die Homonymenlisten sowie die Viten des Platon und Pythagoras. v. Wilamowitz Philol. Unters. IV Antigonos von Karystos; indirect kommt auch Rohde Rh. Mus. XXVI 554f. XXVII 23ff. = Kl. Schr. II 102ff. in Betracht), zweitens durch die Förderung der Analyse im einzelnen (ausser dem eben und weiter oben Angeführten mache ich noch besonders aufmerksam auf Bahnsch Quaestionum de Diogenis Laertii fontibus initia, Diss. Königsberg 1868, methodologisch vortrefflich, nur ist D. zu sehr isoliert, v. Wilamowitz Epistula ad Maassium Philol. Unters. III; Herm. XXXIV 629ff. Gercke De quibusdam L. D. auctoribus, wissenschaftl. Beilage z. Vorlesungsverz. von Greifswald 1899. Leo Griech.-röm. Biographie 35ff.).

Schon Bahnsch hatte unterschieden zwischen der ungeheuren tralaticischen Masse und dem wenigen, was von D. selbst zugesetzt ist; der Gesichtspunkt ist energisch weiter verfolgt von v. Wilamowitz (Epist. ad Maass., Philol. Unters. III). Mit Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit sind D. zuzuweisen.:

Die Zusätze aus Plutarch. IX 60 (nur bis φησίν, obgleich die Construction weiterläuft) = Alex. 24. IV 4 (das Citat ἐν τῶι Λυσάνδρου βίωι καὶ Σύλλα ist gut) = Sull. 36, die Anmerkung, die sich nur auf Kallisthenes beziehen kann, ist verstellt und gehört zu V 5. Ohne Citat ist aus Plut. Dio 35 abgeschrieben der Zettel IV 5 πρὸς τοῦτον γράφει καὶ Τιμωνίδης (σιμωνίδης vulgo) τὰς ἱστορίας ἐν αἷς κατατετάχει τὰς πράξεις Δίωνος (τε καὶ βίωνος, darin steckt die später corrigierte Verschreibung βίωνος für δίωνος).

Μυρωνιανὸς ὁ Ἀμαστριανὸς ἐν τῶι ᾶ τῶν ἱστορικῶν Ὁμοίων κεφαλαίων (so IV 14). D. hat nur zwei κεφάλαια dieses, sehr inferioren, Sammelbuches benutzt, eins über philosophische Sclaven (IV 14, wo ὄντα τοιοῦτον den mechanischen Einschub zeigt; dazu gehört IV 8 ἀλλὰ καὶ ⟨τὸ⟩ ὑπ’ Ἀντιπάτρου πεμφθὲν μὴ προσέσθαι, mehr stammt nicht aus Myronian; V 36 auch dies deutlich Emblem; X 3), und eins über Sprichwörter (III 40. I 115 vgl. Suid. s. Ἐπιμενίδης. Prov. Bodl. 875, das Citat des Sosibios hatte Myronian aus der paroemiographischen Überlieferung aufgelesen). Die Benutzung Myronians weiter auszudehnen empfiehlt sich nicht.

Epiktet (X 6 = Epict. III 24, 38); er fehlt in dem übernommenen Katalog der Gegner Epikurs X 4. Über Epiktets Popularität vgl. Orig. in Cels. VI 2. Auch die vereinzelten Citate aus Phlegon Περὶ μακροβίων (I 111) und Sabinos (III 47 καὶ Δημοσθένην Σαβῖνος λέγει [καὶ] Μνησίστρατον Θάσιον παρατιθέμενος ἐν δ Μελετητικῆς ὕλης, zu D. Zusatz καὶ εἰκός ἐστι vgl. II 40), einem Rhetor hadrianischer Zeit (Suidas), werden am besten dem persönlichen Wissensschatz des D. gutgeschrieben.

[743] Pamphila. Lehrreich ist I 68. In das Citat aus Sosikrates, das lauten muss γένονε δὲ (Chilon) ἔφορος κατὰ τὴν νς ὀλυμπιάδα ἐπὶ Εὐθυδήμου ὥς φησι Σωσικράτης ist nach ὀλυμπιάδα eingeschoben Παμφίλη δέ φησι κατὰ τὴν ς [καὶ] πρῶτον ἔφορον γενέσθαι. Diese Notiz, die richtig ist, wenn man sie nur nicht auf Chilon bezieht (Jacoby Philol. Unters. XVI 138ff.), ist eine Anmerkung des D. zu einer sehr thörichten, aber von ihm vorgefundenen Behauptung, welche im Text auf das Citat des Sosikrates folgt: καὶ πρῶτος ἐσηγήσατο (τὸ Reiske) ἐφόρους τοῖς βασιλεῦσι παραζευγνθναι, Σάτυρος δὲ Λυκοῦργον. Der Unsinn wird auf dem Missverständnis eines Ausdrucks wie Χίλων τῶν ἑπτὰ σοφῶν πρῶτος (vgl. Lobon bei Diog. I 73) ἔφορος beruhen. I 98 ist καὶ Παμφίλη ἐν τῶι ε τῶν Ὑπομνημάτων von D. in das Citat des Sotion und Herakleides eingesetzt. Ausserdem wird sie noch citiert I 24. 76. 90 (anders Hesych. bei Suid. Κλεοβουλίνη), vgl. v. Wilamowitz Herm. XXXIV 219f.). II 24. III 23 (= Aelian. v. h. II 42). V 36.

Favorins Ἀπομνημονεύματα und Παντοδαπὴ ἱστορία, sehr oft (die Stellen bei Marres De Favorini vita studiis scriptis, Leyden 1853); die Citate in dem doxographischen Abschnitt IX 70–108 sind nicht von D. eingelegt, sondern gehören dem skeptischen Hypomnema an, das er abschreiben liess oder lassen wollte. Durch den von Bahnsch begonnenen und von v. Wilamowitz zu Ende geführten Nachweis, dass die Favorincitate Embleme des D. sind, sind V. Roses (De Aristot. libr. ordine) und Maass (Philol. Unters. III) Hypothesen beseitigt. Es lässt sich an manchen Stellen noch erkennen, wie die von D. angeleimten Citate Favorins das ältere Material, aus dem Favorin selbst geschöpft hatte, verdrängt haben; vgl. III 57 mit III 37 (Aristoxenos), VIII 15 mit Porphyr, vit. Pyth. 4 (Timaios), VIII 63 mit Athen. XIV 620 d (Dikaiarch), III 62 mit Athen. XI 506 c (Nikias von Nikaia, den D. aber nicht kennt und der auch aus älterem Material schöpfte), III 48 (aus Favorin ist nur ἢ Τήιον, dies haben auch Nikias und Sotion Athen. XI 505 c), V 9 mit Aristoteles vita Marciana p. 435 Rose (Brief des Aristoteles). II 20 bemerkt D. selbst die Übereinstimmung zwischen Favorin und Idomeneus. Ferner ist wohl zu beachten, dass oft nur Nebenumstände aus Favorin belegt werden, die Fragmentsammlungen führen hier leicht irre. Das meiste ist schon von v. Wilamowitz Philol. Unters. III 143ff. erledigt; ich füge hinzu VIII 12 καὶ πρῶτόν γεΕὐρυμένην καθά φησι Φαβωρῖνος ἐν τρίτωι τῶν Ἀπομνημονευμάτων (die Tradition war auch Antonius Diogenes bekannt, Porphyr. vit. Pyth. 15), und gleich darauf ἀλλὰ καὶ πυροῖς .. καθάπερ ὁ αὐτὸς Φαβωρῖνος ἐν ὀγδόηι Παντοδαπῆς ἱστορίας φησίν (die Haupterzählung des D. kehrt überall ohne den Zusatz Favorins wieder, vgl. Antonius Diog. a. a. O. Porphyr. de abstin. I 26. Apollonios v. Tyana bei Iamblich. vita Pyth. 25). Der eigentümliche Publicationsmodus des diogenischen Werkes verrät sich darin, dass diese Embleme aus Favorin manchmal den Zusammenhang total zerstören. Ein Fall wie IV 54 ist noch verhältnismässig einfach; hier genügt es, das Citat καὶ ἠκολούθει (γε αὐτῶι (Bion schloss sich dem Tross des Antigonos [744] an) ἐν φορείωι καθά φησι Φαβωρῖνος ἐν Παντοδαπῆι ἱστορίαι auszuscheiden, um den Zusammenhang der Haupterzählung herzustellen, welcher die Notiz Favorins nur ganz im allgemeinen verwandt ist. Bösartiger sind Stellen wie II 38, wo ich die Haupterzählung nach dem Zusammenhang so herstelle, ἀπηνέγκατο μὲν οὖν τὴν γραφὴν ὁ Μέλητος, εἷπε δὲ τὴν δίκην Ἄνυτος, ὥς τινες, προητοίμασε δὲ πάντα Λύκων ὁ δημαγωγός. Dazu gehört erstens die Anmerkung συνέγραψε δὲ τὸν λόγον Πολυκράτης ὁ σοφιστής, ὥς φησιν Ἕρμιππος und zweitens die Correctur dieser Anmerkung (vgl. was 39 aus Favorins Ἀπομνημονεύματα angeführt wird): Πολύευκτος ὥς φησι Φαβωρῖνος ἐν Παντοδαπῆι ἱστορίαι. Was jetzt dasteht, ist eben solcher Unsinn, wie er V 76 überliefert ist: hier verbinde ich καίπερ (schliesst an das Vorhergehende nicht an) οὐκ εὐγενὴς ὢν ἀστῆι καὶ εὐγενεῖ συνώικει. Δίδυμος δὲ ἐν Συμποσιακοῖς καὶ Χαριτοβλέφαρον καὶ Κανοθτὼ καλεῖσθαι αὐτόν φησιν ἀπό τινος (ἀντὶ?) ἑταίρας. Den Zusammenhang giebt das, was Hesychios (Suidas Δημήτριος) aus ähnlicher Vorlage über die Schönheit des Demetrios erzählt. Aus Favorin sind eingeschaltet 1. ἦν γὰρ ἐκ τῆς Κόνωνος οἰκίας ὡς Φαβωρῖνος ἐν πρώτωι τῶν Ἀπομνημονευμάτων φησίν (= Aelian. v. h. XII 43), 2. Λαμίαι τῆι ἐρωμένηι καθάπερ ὁ αὐτὸς ἐν τῶι πρώτωι φησίν (Atticistenweisheit, vgl. Diogenian bei Choiroboskos Cramer Anecd. Oxon. II 239, 13. Hesych. λάμβαι. Et. m. p. 555, 54; im letzten Grunde steckt eine Confusion mit Demetrios Poliorketes dahinter), 3. ἀλλὰ καὶ ὑπὸ Κλέωνος πεπονθέναι ἐν τῶι δευτέρωι ἱστορεῖ. II 23 gehört zu ἀλλὰ καὶ εἰς Ἰσθμόν (vgl. Plat. Criton 52 b) das Sätzchen διὰ θαλάττης· πεζῆι γὰρ οὐκ ἐνῆν τοῦ πολέμου κωλύοντος, das jetzt kurz vorher an verkehrter Stelle steht. III 40 dürfte das Citat Theopomps Favorin zuzuweisen sein, aber es ist sinnlos verstümmelt. IX 50 ist ἐκαλεῖτο [τε] Σοφία ὥς φησι Φαβωρῖνος ἐν Παντοδαπῆι Ἱστορίαι eine Anmerkung zu dem unmittelbar voraufgehenden Δημοκρίτου und darf nicht auf Protagoras bezogen werden. Wo sich zwei Citate unmittelbar folgen, wie V 77 und VIII 48, liegt die Annahme am nächsten, dass sie aus verschiedenen Stellen der Bücher Favorins excerpiert sind. Bei der Art, in welcher Favorin in die diogenische Materialsammlung hineingeraten ist, fällt es schwer, zu vermuten, dass ausser den durch Citate gekennzeichneten Notizen viel von ihm bei D. vorliegt, und nur sehr wenig ergiebt sich durch leidlich sichere Combination, wie z. B. II 14 ἔδοξε – κοινολογίας = IX 34f. Dass der Dichter der Pammetros Sammlungen von Epigrammen zur Hand hatte, versteht sich von selbst; es ist auch sehr möglich, dass er citierte Verse öfter nachgeschlagen und vervollständigt hat.

Von Autoren, die speciell über Philosophengeschichte geschrieben haben, kann nur bei dem Magneten (VII 48. 162) Diokles, der von dem Knidier, dem Verfasser von Διατριβαί (Numenios bei Euseb. praep. ev. XIV 6, 6), zu unterscheiden ist, die Frage aufgeworfen worden, ob er in die Reihe der direct citierten Schriftsteller gehört; es ist allerdings nicht unmöglich, dass seine Βίοι τῶν φιλοσόφων (II 54. 82) und die Ἐπιδρομὴ τῶν φιλοσόφων (VII 48. X 11) D. vorgelegen haben (v. Wilamowitz Philolog. Untersuch. [745] III 154ff. Gercke De Diogenis auctorib. 26ff.). Besonders die doxographischen Entlehnungen VI 12. 13 und VII 42 (interpretiert von Diels Doxogr. gr. 162) –83 sprechen dafür und das lange Zeit hindurch rätselhafte Μελεάγρου τοῦ κατ’ αὐτὸν γενομένου VI 99. Der grammatische Zusammenhang zwingt unter αὐτόν Menipp zu verstehen; das ist unmöglich. Da ein Citat aus Diokles vorhergeht, ein Diokles ferner als ἐρώμενος Meleagers bekannt ist, so leuchtet die geistreiche Combination von Maass (Philol. Unters. III 18f.) ein, dass κατ’ αὐτόν von D. aus einem καθ’ ἡμᾶς des Diokles umgesetzt ist. Es ist auch nicht nötig, mit Gercke a. a. Ο. noch ein Mittelglied einzuschieben; wie nachlässig D. umsetzt, kann z. B. ein Vergleich seiner Excerpte aus dem Pseudonymen Buch des Phalereers Demetrios Τῶν ἑπτὰ σοφῶν ἀποφθέγματα (I 37 φιλῶν – παρὰ τῶν τέκνων. 60 τοῖς τε ἀνθρώποις – αἰδοῦ, das Citat ὥς φησιν Ἀπολλόδωρος ἐν τῶι Περὶ τῶν φιλοσόφων αἱρέσεων steht an falscher Stelle. 69. 70 προσέταττε δέ - χρῆσθαι 78 ὃ μέλλεις – ἐπιμέλειαν. 87. 88 συνεβούλευε – κτημάτων. 92. 93 συνεβούλευε – φέρειν. 97. 98 ἔλεγε – κόλαζε) mit den Auszügen bei Stob. flor. I 172 und anderwärts (vgl. Brunco Act. sem. philolog. Erlang. III 299ff.) lehren, oder das Sotioncitat VI 26, aus dem nur mit Mühe der Ausspruch des D. τὸν Πλάτωνα ὁ κύων (scil. πατῶ) herausdestilliert werden kann. Diokles mag noch hier und da stecken, wie z. B. die Versuchung gross ist, das Emblem II 92 Μελέαγρος δὲ ἐν τῶι β Περὶ δοξῶν καὶ Κλειτόμαχος ἐν τῶι α Περὶ τῶν αἱρέσεων – ἐκμεμθηκότα (nicht mehr) auf ihn zurückzuführen; aber man hüte sich, zu weit zu gehen.

Dass D. selbst die drei Briefe Epikurs X 35–83. 84–116. 122–135 sowie die Κύριαι δόξαι 139–154 zum Abschreiben hergegeben hat, folgt schon daraus, dass die Rollen, ich möchte sagen, mit Haut und Haar, mit Scholien, Marginalien u. s. w. copiert sind. Ausserdem sind die oben erörterten Unordnungen 117–121 ein starkes Indiz dafür, dass D. dies Material nicht aus der bio- oder doxographischen Tradition übernommen hat.

Nach Ausscheidung dieser und ähnlicher Zusätze müsste sich namentlich bei dem unfertigen Zustand des Werks die Analyse der übrigbleibenden Masse verhältnismässig glatt durchführen lassen, wenn D. einen oder auch einige aus der Reihe der bekannten Schriftsteller über Διαδοχαί einfach abgeschrieben hätte. Nietzsche (Rh. Mus. XXIII 632ff. XXIV 181ff. XXV 217ff.; Beitr. z. Quellenkunde d. L. D. Progr. d. Paedagog. v. Basel 1870) hat das zuerst mit papierener Dialektik versucht, und findet, obgleich er längst widerlegt ist (Freudenthal Hell. Stud. III 305. Diels Doxogr. gr. 161ff. Maass Philolog. Unters. III 8ff.), immer wieder Nachahmer, von denen dann jeder den Vorgänger bekämpft; es hat sich geradezu eine, die Sache keineswegs klärende, Terminologie – ,Biograph‘, ,Compilator‘, ,Vorlage‘, ,Unterlage‘ – entwickelt; Resultate sind auf diesem Wege nicht gewonnen, es sei denn für Primärquellen wie Antigonos von Karystos, Apollodor, Sosikrates. Die Unordnung, welche erweist, dass das Buch eine der abschliessenden [746] Redaction entbehrende Sammlung von Excerpten ist, tritt nicht nur da auf, wo D. einen Zettel aus Favorin oder Pamphila oder dgl. eingelegt hat. Aus den zahlreichen Wiederholungen in den Apophthegmen Diogenes des Kynikers (VI 24ff.) schloss Bahnsch, dass D. mehr als eine Sammlung benutzt hätte, mit Recht, nur darf der Schluss nicht auf die Apophthegmen beschränkt werden. Ich lasse die Thatsachen sprechen. II 119 bemerkt D. zu der Einlage aus Favorin, dass Sokrates rhetorischen Unterricht gegeben hätte: λέγει δὲ τοῦτο καὶ Ἰδομενεὺς ἐν τοῖς Περὶ τῶν Σωκρατικῶν. Vorher geht eine Reihe von Citaten, die sich an Timons Ausdruck ῥητορόμυκτος anschliessen, an der Spitze ἦν γὰρ καὶ ἐν τοῖς ῥητορικοῖς δεινός, ὥς φησι καὶ Ἰδομενεύς. Das ist dasselbe Citat; D. hat es in zwei Büchern gefunden und zweimal abgeschrieben; dass Idomeneus Περὶ τῶν Σωκρατικῶν in die biographische Tradition hineingearbeitet wurde, zeigt die II 35 vorliegende Umbildung des platonischen Kriton, die nur begreiflich wird, wenn man sie mit dem Citat des Idomeneus II 60 = III 31 vergleicht. Das Citat des Hipponax über Bias fand D. combiniert einmal mit einem Vers des Demodikos (I 84), ein anderesmal mit einer Stelle Heraklits (I 88); da begnügt er sich mit einer Verweisung. VI 14 scheidet das Epigramm des Athenaios zwei Parallelstellen, die D. aus zwei Vorlagen hintereinander abgeschrieben haben muss:
τοῦτον μόνον (Antisthenes) ἐκ πάντωνΣωκρατικῶν Θεόπομπος ἐπαινεῖ καί φησι δεινὸν τε εἶναι καὶ δι’ ὁμιλίας ἐμμελοῦς ὒπαγαγέσθαι πάνθ’ ὁντινοῦν· δῆλον δ· ἐκ τῶν συγγραμμάτων κἀκ τοῦ Ξενοφῶντος Συμποσίου. δοκεῖ δὲ καὶ τῆς ἀνδρωδεστάτης Στωικῆς κατάρξαι. οὖτος ἡγήσατο καὶ τῆς Διογένους ἀπαθείας καὶ τῆς Κράτητος ἐγκρατείας καὶ τῆς Ζήνωνος καρτερίας αὐτὸς ὑποθέμενος τῆι πολιτείαι (πόλει codd., verbessert von Reiske Herm. XXIV 313 und v. Wilamowitz Philol. Unters. III 156) τὰ θεμέλια. ὁ δὲ Ξενοφῶν ἥδιστον μεὲν εἶναι περὶ τὰς ὁμιλίας φησὶν αὐτόν, ἐγκρατέστατον δὲ περὶ τἄλλα.

In der zweiten Fassung ist das aus Xenophon richtig abstrahierte Urteil zu einem verkehrten Citat geworden; tralaticisches Material wird leicht entstellt; man sehe nur, was I 99 aus Aristot. pol. V 1304 a 32. 1311 a 39 und Plat. Prot. p. 343 a geworden ist. I 116 ist das ganze Stück πολλὰ δὲ καὶ θαυμάσια – ἑαλωκέναι aus Theopomp, dazu gehört das Citat ἔνιοι – περιάπτουσι ταῦτα, das nach Porphyrios bei Euseb. praep. ev. X 3, 6ff. aus Androns Τρίπους stammt. Vor diesem Stück steht ein Citat Theopomps, ein zweites spaltet das Citat Androns von der Masse ab, zu der es gehört. Sie sind also aus anderen ,Vorlagen zu dem ebenfalls auf Theopomp im letzten Grund zurückgehenden, aber mit seinem Namen nicht gekennzeichneten Stück hinzugekommen; Citate aus Theopomps 8. Buch fanden sich in jedem βίος des Pherekydes, wie auch des Epimenides. Hier steckt in λέγουσι δέ τινες – ⟨προ⟩γνωστκώτατον (verbessert von Reiske) γεγονέναι (I 114) dasselbe Theopompcitat, das 115 ausdrücklich gegeben wird; D. setzt auch καθάπερ προείρηται [747] hinzu. In einem andern βίος fand er noch ein Excerpt, daher die auf den ersten Blick wunderliche Bemerkung καὶ γὰρ τοῦτό φησι Θεόπομπος. IX 12 wird der Grammatiker Diokles in einer Zusammenstellung über den Titel von Heraklits Buch citiert; dasselbe Citat kehrt IX 15 wieder in so verschiedener Form und so anderem Zusammenhang, dass D. es bei demselben Autor wie das erste nicht gefunden haben kann. Die Viten der älteren Akademiker und Menedems machen einen verhältnismässig einheitlichen Eindruck, weil die Tradition hier früh zum Stehen kam; aber auch diese nicht sehr variierte Tradition hat D. in mehrfachen Fassungen vorgelegen. IV 39 πολλῶν δὲ καὶ τὸν Ἀντίγονον θεραπευόντων καὶ ὅτε ἥκοι ἀπαντώτων, αὐτὸς (Arkesilaos) ἡσύχαζε μὴ βουλόμενος προεμπίπτειν εἰς γνῶσιν φίλος τε ἦν μάλιστα Ἱεροκλεῖ τῶι τὴν Μουνιχίαν ἔχοντι καὶ τὸν Πειραιᾶ ἔν τε ταῖς ἑορταῖς κατήιει πρὸς αὐτὸν ἑκάστοτε ist deutlich Doublette zu dem, was nach Einschub von ein paar Sätzen folgt, das Excerpt ist in der Fuge in Unordnung geraten und etwa so einzurenken: τὸ πᾶν δὴ διέτριβεν ἐν τῆι Ἄκαδημίαι τὸν ⟨Ἀθήνησι⟩ πολιτισμὸν ἐκτοπίζων καὶ ⟨πρὸς τὰς θέσεις λέγων⟩ καί ποτε καὶ [δὴ καὶ Ἀθήνησι] ἐν τῶι Πειραιεῖ [πρὸς τὰς θέσεις λέγων] ἐχρόνισεν οἰκείως ἔχων πρὸς Ἱεροκλέα. IV 16 finden sich zu dem Satz ὥστε καὶ – τῶν ἐπιθυμιῶν (= Philodem. ind. Acad. p. 48 Mekler) zwei Anmerkungen, beide mit ἀλλὰ καί eingeleitet; jener Satz geht auf Antigonos von Karystos zurück, aber das, was bei Philodem im richtigen Zusammenhang des Excerpts aus Antigonos dabei steht φυγεῖν δὲ δίκην αἰσχρὰν κακώσεως ὑπὸ τῆς γυναικός, folgt bei D. als nachträgliches Citat; man sieht, wie Antigonos und Erweiterungen des Antigonos ihm in mannigfaltigen Formulierungen vorlagen, die er in seiner provisorischen Materialsammlung neben einander rückte.

D. bemerkt gelegentlich, dass ein Schriftsteller mit einem anderen übereinstimme: II 143 τὰ ὅμοια τούτωι (Herakleides Serapions S.) καὶ Ἀντίγονος ὁ Καρύστιος ἱστορεῖ: Antigonos ist älter als Herakleides; ähnlich folgt Ι 98 τοῦτο καὶ Νεάνθης φησίν, ein die Construction unterbrechendes Emblem, auf Σωτίων δὲ καὶ Ἡρακλείδης (καὶ Παμφίλη); IX 27 nach einer Citatengruppe, die mit Antisthenes Διαδοχαί schliesst, ταῦτα δὲ σχεδὸν οἱ πλείους λαλοῦσιν (θρυλοῦσιν?); VIII 36 καὶ ταῦτα μέν φησιν ὁ Ἀλέξανδρος ἐν τοῖς Πυθαγορικοῖς ὑπομνήμασιν εὑρηκέναι (vgl. 24) καὶ τὰ ἐκείνων ἐχόμενβίοι Πυθαγόρου tralaticischen aus Ps.-Aristoteles Περὶ Πυθαγορείων getreten, wobei nur zu beachten ist, dass Alexander Ps.-Aristoteles benutzte; IX 5 ταῦτα δὲ καὶ Ἱππόβοτός φησι nach einem Citat Sotions, dasselbe IX 40 nach Excerpten aus Antisthenes und dem Magneten Demetrios und V 90 zwischen zwei Excerpten aus Demetrios und Hermippos. Das erklärt sich alles so, dass D. wirklich, nachdem er eine Compilation abgeschrieben hatte, in einer anderen dasselbe als Excerpt aus Hippobotos, Antigonos, Neanthes oder als die Vulgata fand; es wird auch oft ein Zusammenhang zwischen den Autoren obwalten, aber die beliebte Behauptung, dass in solchen Fällen z. B. Demetrios [748] durch Hippobotos in D.s Buch ,hineingekommen‘ wäre, verdunkelt den Thatbestand und führt nicht weiter. Instructiv ist VIII 67ff. An erster Stelle steht ein grosses Excerpt aus Herakleides dem Pontiker Περὶ τῆς ἄπνου. Dazu gehört die Polemik des Timaios 71. 72, die nur auf Herakleides zielt (τούτοις führt irre); trotzdem folgt sie nicht unmittelbar auf das Excerpt des Herakleides, sondern vorher ist erstens eine Anmerkung aus Hermippos eingeschoben, dann aus Hippobotos eben dasjenige Stück des Herakleides, gegen das Timaios polemisiert, als Wiedergabe von Herakleides dadurch charakterisiert, dass πρὸς τοῦθ’ ὁ Παυσανίας ἀντέλεγεν nur auf Herakleides Dialog passt. Hier ist ganz deutlich, wie D. in einem Buch Herakleides + Timaios, in einem anderen Hippobotos, der Herakleides excerpierte, fand und in dem Citat des Herakleides das wegliess, was er auch als Citat des Hippobotos gelesen hatte. Dies musste er vor Timaios stellen, damit dessen Polemik verständlich würde; eine selbständige Notiz des Hippobotos spaltete er ab und stellte sie hinter Timaios (72), weil allerdings dieser damit bekämpft werden sollte. Hätte er Hippobotos direct benützt und nur bei ihm Herakleides und Timaios gefunden, so würde die Unordnung nicht entstanden sein. Nicht nur die Citate sind tralaticisch, sondern auch die κεφάλαια. Schwerlich hat es einen βίοςg Heraklits gegeben, der nicht von seiner μεγαλοφροσύνη redete, die charakteristischen Züge des ὑπερόπτης zusammenstellte. Es ist ein Abbild dieser Mannigfaltigkeit in der Einheit des Schemas, wenn bei D. die μεγαλοφροσύνη immer von neuem auftaucht, weil er in jedem Buch, das er liest, wieder etwas findet, um seine Zettel zu mehren: IX 1–3 ist die ganze, mit Ausnahme der Einlage ἔλεγε δὲ καὶ – τείχεως einheitliche Vita nach diesem Gesichtspunkt componiert; 6 erscheint ein neuer Beleg, aus Antisthenes Διαδοχαί, den Zusammenhang störend; 12–15 wird der Stoff zum drittenmal behandelt. Empedokles politische Gesinnung ist zweimal, und beidemal mit Benutzung des Timaios, dargestellt, unmittelbar hinter einander, IX 64. 65 und 66 67; man sieht deutlich aus dem Satz ὥστε – φρονούντων (66), dass das Vorhergehende nicht vorausgesetzt wird; ὕστερον ist eine sinnlose Flickpartikel. Die Geschichte von dem Meteorstein am Ziegenflusse steht II 10. 11. 12 in zwei Fassungen, an zwei verschiedenen Stellen, die einander nicht voraussetzen; jene Fassung findet sich bei Plinius (II 149), diese bei Plutarch (Lys. 12) wieder.

Weil die Excerpte aus verschiedenen Büchern unverarbeitet zusammengetragen und bei dem unfertigen Zustand des Buches in und durcheinandergeraten sind, ist es oft schwer oder unmöglich, den Zusammenhang wiederherzustellen, aus dem sie herausgerissen sind; gelegentlich klärt die Parallelüberlieferung auf. Aus Apul. de Plat. p. 64 Goldb. geht hervor, dass das III 5 (λέγεται δ’ – ὄρνιν) berichtete Wahrzeichen eine Beziehung zur Akademie hatte. Der folgende Satz bekommt erst einen Sinn und entspricht den sonstigen Citaten Alexanders, wenn man ihn so herstellt: ἐφιλοσόφει δὴ τὴν ἀρχήν [ἐν Ἀκαδημείαι εἶτα ἐν τῶι κήπωι τῶι περὶ τὸν Κολωνόν], ὥς φησιν Ἀλέξανδρος ἐν Διαδοχαῖς, καθ’ Ἡραάκλειτον. Die ausgeschiedenen [749] Worte – εἶτα ist Flickwort – sind der Rest eines Excerpts über den Ort von Platons Lehrthätigkeit, das eine Doublette zu III 7 bildete; das Citat selbst ist ein Gegenstück zu III 6 προσεῖχε – φιλοσοφοῦντι, vgl. Apul. p. 64, 24. Olympiodor. vit. Plat. 4. Proleg. Plat. 4. Die Verleumdungen, mit denen der Pythagoreer Lykon Aristoteles heimgesucht hatte, stehen bei Aristokles (Eus. praep. ev. XV 2, 8) noch zusammen, bei D. findet sich die eine total verstümmelt, so dass man sieht, wie sie durch mehrere ungeschickte Hände gegangen ist, V 4, die andere V 16, mit dem Citat zwar, aber so, dass dies Citat nicht alles umfasst, was es umfassen soll. In der Compilation über Pythagoras Ende (VIII 39ff.) ist das Stück συνεδρεύοντος – συνέβη. [οὕτω δὲ καὶ falsch, denn vom Verbrennen, das verlangt wird, steht vorher nichts] τοὺς πλείους – ἀσιτήσαντα eine ähnliche Combination von Neanthes und Dikaiarch, wie sie bei Porphyrios (vit. Pythag. 55ff.) und Nikomachos (Iambl. vit. Pyth. 252) vorliegt; die Variante τινὲς – εὐλαβουμένους taucht bei Arnobius (I 40) wieder auf. Aber dazwischen steht ein rätselhaftes Gerede, durch plötzlichen Wechsel der directen und indirecten Rede in zwei Hälften zerlegt. In der zweiten bringt εἰπὼν ἁλῶναι μᾶλλον ἢ πατῆσαι ἀναιρεθῆναι δὲ κρεῖττον ἢ λαλῆσαι auf die richtige Spur; die beiden, durch arge Verstümmelung des Excerpts zusammengeratenen Aussprüche kehren wieder in der Geschichte von Myllios und Timycha, die bei Hippobotos und Neanthes zu finden war (Porphyr. vit. Pyth. 61. Iambl. 189ff., vgl. besonders 193. Tertull. de an. 31). Diese steckt also in καὶ πρός τινι – ἀπισφαγῆναι; mit Pythagoras hat das alles nichts zu thun. Was übrig bleibt τὸν δὴ Πυθαγόραν καταλειφθῆναι διεξιόντα, dürfte ein Fetzen der Variante sein, die bei Porphyrios (57) mit οἳ δέ φασιν eingeleitet wird; dazu konnte die Geschichte von Myllios und Timycha einen vortrefflichen Commentar abgeben. IX 39 unterbricht der Satz in directer Rede ὡς δέ – ἠξιώθη das Excerpt aus Antisthenes; man braucht ihn nur zu entfernen, um einen glatten Zusammenschluss herzustellen. Er ist der Rest einer Erzählung über Prophezeiungen Demokrits, wie sie in verschiedenen Fassungen umlaufen, vgl. Suidas (Hesych.) ἦρξε δὲ ἐν Ἀβδήροις διὰ τὴν ἑαυτοῦ σοφίαν τιμηθείς und die von Diels Frg. d. Vorsokr. 370f. nr. 17. 18 gesammelten Stellen.

D. hat von den Diadochenschriftstellern und Biographen höchstens Diokles direct benutzt, alle anderen Citate abgeschrieben; aber daraus folgt noch lange nicht, dass er die Traditionsketten nur aus einem Buche kannte. Bei dieser Hypothese bleibt der Zustand seines Werkes ein unlösbares Rätsel; er zwingt zu der Annahme, dass D. sich aus verschiedenen Büchern über Philosophengeschichte Excerpte machte, aus Büchern, die nicht selbständiger waren als sein eigenes auch, und die mit Autorennamen verzieren zu wollen, ein müssiges und fruchtloses Beginnen ist und bleiben wird. Es ist falsch und verhängnisvoll, D.s Buch zu isolieren, es ist nur ein Exemplar einer Gattung, die Jahrhunderte hindurch in Unmassen von Exemplaren existiert hat. Die Zusammenstellung von Varianten, Citatennester, [750] aneinandergereihte Excerpte sind der hellenistischen Biographie ebenso eigen wie der Mythographie und Paradoxographie; eigen ist ihnen allen auch die seltsame Mischung von aufspeichernder Gelehrsamkeit und fabulierender Romandichtung, und für alle genannten Gattungen sind die Formen schon im 3. Jhdt., im Zeitalter des Zenodot und Kallimachos ausgeprägt. Bei den Mythographen hat nach vergeblichen Anläufen der Grundsatz gesiegt, keine directen Vorlagen zu suchen, damit zu rechnen, dass diese halb gelehrte, halb unterhaltende Litteratur zahllose Exemplare erzeugte, die das Material immer wieder durcheinander warfen, vermehrten und verdünnten, ordneten und verdarben, je nach dem Fleiss, dem Wissen und der Intelligenz dessen, der aus einem Dutzend Bücher ein neues machte oder auch nur ein altes glossierte. Bei den Biographen liegt mutatis mutandis die Sache ebenso. Für die Pythagoraslegende bilden zufällig Apollonios von Tyana, Nikomachos, Antonius Diogenes feste Etappen; aber man vergleiche nur einmal das Material, über welches diese verfügen, mit dem, was bei D., und dem sog. anonymen Gewährsmann des Porphyrios (Rohde Kl. Schr. II 126), der Vita bei Photios (cod. 249), Hesych (Schol. Plat. rep. p. 600 b. Suid. Πυθαγόρας) umherschwimmt, und man wird finden, dass die benannten Compilatoren mit demselben Material arbeiten wie die unbenannten. Nichts berechtigt, diesen Grundsatz auf bestimmte Viten zu beschränken; er gilt durchweg, und wenn in den βίοι Platons, Pythagoras, Zenons z. B. sich mehr Alluvien übereinandergeschichtet haben als in denen Menedems und Polemons, so hat das historische Gründe, die zu untersuchen sehr viel wichtiger und interessanter ist als die ganze Quellenriecherei, aber seinem Wesen nach bleibt der Schichtungsprocess derselbe, mag er viel oder wenig übereinander gelagert haben. Auch den, welcher die Mühe scheut, die Litteratur der Kaiserzeit durchzulesen, können schon Menagius Commentar zu D. und Diels Sammlungen in den Poetarum philosophorum fragmenta und den Fragmenten der Vorsokratiker darüber belehren, dass jeder halbwegs Gebildete Biographien der Philosophen las und verwertete; die zahllosen Verwechslungen, Übertragungen, Verschiebungen erklären sich daraus, dass der biographische Stoff immer wieder durch compilatorische biographische Bücher und Büchlein in die allgemeine Bildung hineingeleitet wurde. Nicht die einzelnen secundären, tertiären u. s. w. Vorlagen sind zu reconstruieren, sondern die gesamte Stoffmasse ist zu sammeln, κεφάλαια sind auszusondern, auf ihre Ursprünge zurückzuführen und in ihren Umbiegungen und Verzweigungen zu verfolgen; nicht der Quellenforschung bedarf es, sondern einer Geschichte der Fundamente und Motive, der Erfindungen und Berichte, aus denen die biographische Tradition und, worauf es nur zu oft hinauskommt, der biographische Roman sich, mannigfaltig wie eine zweite Sage, gebildet hat. Die biographische Überlieferung über die Philosophen ist überall hin verstreut. Aber, abgesehen von den βίοι, die gesondert vorliegen, denen des Platon, Aristoteles, Pythagoras, existieren auch mehr oder minder zusammenhängende Stücke, [751] die mit D. zusammengehalten werden können, die in den herculanischen Papyri erhaltenen Geschichten der Akademie und der Stoa, Diodor. IX 1–13. X 1–12. Clem. strom. I. Hippolytos refut. 1. Ps.-Galens Historia philosopha, Numenios und Aristokles in Euseb. praep. ev. sowie der von Eusebios benutzte anonyme Biograph (Diels Doxogr. 169, 1), Hesychios Ὀνοματολόγος. Die Vergleichung kann hier im einzelnen nicht durchgeführt werden; ich stelle nur einige Bemerkungen von methodologischem Interesse zusammen. IV 3 ist die richtige, im Ind. Academ. p. 38f. Mekler erhaltene Tradition über Xenokrates Wahl zum Scholarchen durch eine Erfindung verdrängt, die bei den Epistolographen wiederkehrt; der Roman in Briefform spielt in Speusipps Leben eine Rolle (IV 2. Athen. VII 279 e = XIII 546 d), und Leo bringt das wohl richtig mit der Polemik der Isokrateer zusammen (Griech.-röm. Biographie 57). Vergleicht man Diod. IX 13 mit Diog. I 82. 31, so erhellt, dass bei Diodor Satyros vorliegt, bei D., der freilich bis zur Unverständlichkeit kürzt, eine Parallelversion aus Phanodikos, in welche eine Variante aus Satyros eingeschaltet ist. Die Diatriben bei Diog. I 55f. und Diod. IX 2, 5 sind nicht identisch, da sie in verschiedene Pointen auslaufen, aber sie sind doch ähnlich genug, um zu erweisen, dass ein Ausfall gegen die Athleten stehendes κεφάλαιον eines βίος Σόλωνος war. Aristokles (Euseb. praep. ev. XV 2) giebt eine Geschichte der persönlichen Polemik gegen Aristoteles; die, welche er für die gehässigste erklärt, erscheint in zwei Vorlagen des D. (V 4. 16) wieder. Aristokles bemerkt am Schluss: τὰ μὲν οὖν ἄλλα προδήλως, πέπλασται· δύο δὲ ταῦτα δοκεῖ πιστεύεσθαι δι’ ἃ ψέγουσί τινες αὐτόν, das Verhältnis zu Hermeias und der Undank gegen Platon. Beides ist in den βίοι des D. und Hesychs vertreten, und bei beiden ist in den Nachrichten über Hermeias Pythias Herpyllis eine gewaltige Verwirrung angerichtet; deutlich ist, dass der Magnete Demetrios längst vor ihnen in die Tradition gelangt war. Aber die Rechtfertigung des Aristoteles aus seinen Briefen, die erst im ersten vorchristlichen Jhdt. publiciert zu sein scheinen (vgl. Aristokles a. a. O. und den Katalog des Ptolemaios p. 22 Rose), fehlt; ihr einziger Reflex ist das Emblem aus Favorin bei Diog. V 9; dafür haben sie die dumme Fabel des Peripatetikers Eumelos (Diog. V 6. Hesych. p. 10 Rose). Clemens muss Bücher über Philosophengeschichte benutzt haben, die denen, welche D. zu Gebot standen, ausserordentlich ähnlich waren; sie repräsentieren beide die gleiche Stufe der Tradition, so dass die Parallelen aus Clemens in einer wissenschaftlichen Ausgabe des D. unter den Text gesetzt werden müssen. Ich gebe ein Verzeichnis der Parallelstellen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

>Diogenes I 1 = Clem. strοm. I 71 (die Excerpte aus Plut. Numa 8 und Megasthenes bei Strab. XV 713 sowie die Bemerkung über Βούττας scheiden natürlich aus). Bei Clemens ist zu lesen Σαναβαῖοι Βάκτρων καὶ Κελτῶν ⟨οὐκ ὀλίγ⟩οι (vgl. Cyrill. c. Iulian. IV 133) φιλοσοφήσαντες; ich bemerke ferner, dass weder für Sotion noch für Ps.-Aristoteles [752] Kenntnis der Druiden vorausgesetzt werden darf.

I 12 (das Citat aus dem Pontiker Herakleides ist auf ἢ Φλειασίων zu beschränken; VIII 8 wird für dasselbe Sosikrates citiert, der Herakleides Ponticus oft benutzt, vgl. I 49 τὸν συγγενῆ ὥς φησι Σ. mit Plut. Sol. 1) = Clem. strοm. I 61 a. E.
I 12 = Clem. strom. I 24.
I 13 vgl. 41 = Clem. strom. I 59.
I 22 (das Citatennest verstellt, richtiger Hesych. Schol. Plat. rep. 600 a) = Clem. strom. :I 62. Die Verschreibung Λέανδρος oder Λεάνδριος ist alt, sie kehrt Diog. I 28. 41 wieder; sie zeigt, dass die ,Vorlage‘ kein Schriftsteller von Ruf war.
I 23 (καὶ τροπάς ist falscher Zusatz, Hesych. ist mit I 24 τὴν ἀπὸ τροπῆς ἐπὶ τροπὴν πάροδον εὕρεν zusammen zu stellen) = Clem. strom. I 65.
I 27 (οὐδείς – συνδιέτριψεν) = Clem. strom. I 62.
I 30 Ἄνδρων ἐν τῶι Τρίποδι citiert, dasselbe Buch Clem. strom. I 129.
I 40 (= Hesych. Schol. Plat. rep. 600a). 63 (= Hesych. Schol. Plat. rep. 599 e). 73. 79. 88. 93. 99 = Clem. strom. I 60. 61; hier viel gelehrter.
I 62 = Clem. strom. I 65 (vulgär).
I 116 καθά φησιν Ἀλέξανδρος ἐν Διαδοχαῖς Πιττακοῦ διακήκοε (Pherekydes) ist Variante zu Clem. strom. I 62 a. E. = Hesych. bei Suid. s. Φερεκύδης.
II 11 = Clem. strom. I 78, die gleiche Entstellung des bei Plut. Nic. 23 Berichteten (vgl. Diels Vorsokr. 312); trotz der Übereinstimmung von Clemens mit Favorin bei Diog. VIII 83 glaube ich nicht, dass der Consensus Clemens = Diogenes auf Favorin zurückläuft.
II 16 (οὗτος – Ἀθήναζε, von Diels Vorsokr. 335 richtig ausgeschieden) = Clem. strom. I 63; dagegen steht das Timoncitat bei D. vollständiger und in anderem Zusammenhang, diese Berührung ist also fernzuhalten.
VI 1 = Clem. strom. I 66.
VIII 1 Clem. strom. I 62 (vgl. Porphyr. vit. Pyth. 1); die vulgäre Tradition wird bei D. durch ein Citat Hermipps, bei Clemens durch eins des Hippobotos belegt. Der erscheint oft bei D., aber auch bei Porphyrios (vit. Pyth. 61) und in einem Citatennest bei Anatolios Theolog. Arithm. p. 40. Es ist also nicht daran zu denken, dass D. ein besonderes Verhältnis zu ihm hätte, wie etwa zu Diokles.
VIII 3 (ἀλλὰ καὶ ἐν Αἰγύπτωι εἰς τὰ ἄδυτα) = Clem. strom. II 66, die Tradition war Apollonios von Tyana bekannt (Iambl. vit. Pyth. 18).
VIII 8 = Clem. strom. I 131.
VIII 45. II 2 (Emblem ἀκμάσαντα – τύραννον) = Clem. strom. I 65 (vulgär).
IX 1 = Clem. strom. I 129, die chronologische Ausdeutung ist von Clemens hineingebracht. :IX 12ff. = Clem. strom. I 65.

IX 26ff. = Clem. strom. IV 56 (vulgär). Ebenda citiert Clemens für das heroische Ende des[753]

Pythagoreers Theodotos und des Lakydeers Praylos (Πραύλος aus παῦλος verbessert von v. Wilamowitz Philol. Unters. IV 107) Τιμόθεος ὁ Περγαμηνὸς ἐν τῶι Περὶ τῆς τῶν φιλοσόφων ἀνδρείας καὶ Ἀχαϊκὸς ἐν τοῖς Ἠθικοῖς. Das Ende des Praylos erzählt D. nach Phylarch, also Wechsel des Citats bei gleichem κεφάλαιον: Τιμόθεος ὁ Αθηναῖος ἐν τῶι Περὶ βίων (vgl. über ihn v. Wilamowitz a. a. O., nur ist V 1 das zweite ὥς φησι Τιμόθεος zu entfernen; die Tradition Hesychs hat ihn gehabt, vgl. vit. Aristot. p. 10 Rose) ist vielleicht fern zu halten; Achaikos Ἠθικά, ein spätes (vgl. Zeller III 1, 779) Buch, erscheint bei Diog. VI 99 wieder.

Noch engere Beziehungen verknüpfen D. mit Hesychios Ἀνοματολόγος ἢ Πίνξ τῶν ἐν παιδείαι ὀνομαστῶν, den Steph. Byz., die Platonscholien und vor allem Suidas benutzt haben; direct erhalten ist der Βίος Ἂριστοτέλους, die sog. Vita Menagiana (Nietzsche Rh. Mus. XXIV 210ff. Rohde Kl. Schriften I 162 = Rh. Mus. XXXIII 205. Diels Archiv f. Gesch. d. Philos. III 452. W. Volkmann Quaest. de Diogene Laertio I, Progr. d. Maria-Magdalena-Gymn. v. Breslau 1890. Wentzel Herm. XXXIII 275; Texte und Unters. herausg. v. Gebhardt und Harnack XIII 3). Die Behauptung, dass Hesychios D. selbst vor sich gehabt hätte, ist jetzt abgethan; die grösseren Excerpte des Suidas aus D. (gutes Beispiel αἵρεσις – Diog. I 19) sondern sich leicht ab; unleugbar aber ist auch der Text der βίοι selbst gelegentlich aus D. von Suidas (oder seinen Abschreibern?) interpoliert. Ehe nicht kritische Ausgaben des Suidas und des D. vorliegen, wird die Entscheidung im einzelnen oft schwanken; der Herausgeber des D. wird die diesem und Hesychios gemeinsame Traditionsstufe reconstruieren und vorlegen müssen. Ich beschränke mich auch hier darauf, einiges anzumerken. Der Schol. Plat. rep. 600 b intact vorliegende Hesych beweist, dass das Stück bei Diog. VIII 6. 7 von ἔνιοι – καθηγησαμένου ein zusammenhängendes Ganze ist; die Fälschung des ionischen Pythagorasbuchs ist mit einer Polemik gegen ein anderes eingeführt. Läge D. allein vor, würde sein Context zum Beweis nicht ausreichen. Die Vita Demokrits ist bei D. durch grosse Einschübe aus Thrasyllos (IX 37 ἐμπειρίαν – 38 συγγενονέναι. 41. 42 – γεγονέναι. 45–49) aus den Fugen geraten; dass aber nicht D. selbst ihn ,hineingebracht‘ hat, zeigt die chronologische Notiz bei Suidas, die nicht aus D. interpoliert sein kann. Den thrasyllischen Katalog hat Suidas keine Lust gehabt abzuschreiben, dafür aber eine Variante dazu erhalten, die bei D. unterdrückt ist. Im Βίος Ἐπικούρου ist Philodemos ἐν τῶι ι τῆς τῶν Φιλοσόφων συντάξεως D. (X 3) und Hesych gemeinsam, ebenso Apollodors Chronik (Diog. X 14. 15 = Suid.), wofür auch sonst zahlreiche Belege vorhanden sind (jetzt bequem zu übersehen bei Jacoby Philol. Unters. XVI); dagegen findet sich bei Hesych keine Spur von Herakleides dem Epitomator Sotions, dessen Excerpt Diog. X 1. 2 mit dem Apollodors nicht zusammengeht. Dem geht parallel, dass Hesych richtig Herakleides den Pontiker zur Akademie rechnet, Diog. V 86 falsch zum Peripatos, nach einer vereinzelten Notiz Sotions; [754] nur junge Doxographen (Aetios III 2, 5. 17, 1) teilen den Irrtum; was Sotion Diog. VIII 86 über Eudoxos, II 113 über Stilpon und den Eristiker Thrasymachos bietet, weicht von Hesych (Suid. s. Εὔδοξος. Στίλπων. Εὐκλείδης) gänzlich ab. Darnach ist es, so gefährlich auf diesem Gebiet Schlüsse ex silentio sind, wohl kein Zufall, wenn bei Hesych keine sichere Coincidenz mit Sotion oder seinem Epitomator aufzutreiben ist: Diog. I 25 (= Schol. Plat. rep. 600 a) ist der Pontiker gemeint, und IX 5, wo zum Überfluss Coincidenz mit Hippobotos angemerkt ist, deckt sich nicht genau mit Suidas Ἠράκλειτος. Natürlich folgt daraus nicht, dass D. Sotion oder Herakleides direct benützt hat; aber sie stammen bei ihm aus einer gesondert laufenden Tradition. Besonders wichtig ist die Stelle Suid. Ἐπίκουρος: καὶ διέμεινεν ἡ αὐτοῦ σχολὴ ἕως Καίσαρος τοῖ πρώτου ἔτη σκζ ἐν οἷςδιάδοχοι αὐτῆς ἐγένοντο δ, die Usener (Epicurea 378) richtig auf das Intervall zwischen dem Tode Epikurs (271/0) und dem Tode Caesars (45/4) gedeutet hat; sie muss unter Augustus geschrieben sein. Ihre Pointe springt heraus, wenn man sie mit der Verteidigung Epikurs bei Diog. X 9 zusammenstellt, wo als Argument angeführt wird ἡ διαδοχή, πασῶν σχεδὸν ἐκλιπουσῶν τῶν ἄλλων, εἰς ἀεὶ διαμένουσα καὶ νηρίθμους ἀρὰς ἀπολύουσα ἄλλην ἐξ ἄλλης τῶν γνωρίμων. Diese Verteidigung ist von dem Katalog der Lästerer Epikurs (X 4) nicht zu trennen; von denen sind die jüngsten, Nikolaos von Damaskos und Dionys von Halikarnass, augusteischer Zeit und zugleich solche Schriftsteller, deren Auftauchen in der biographischen Litteratur nur durch die Annahme verständlich wird, dass ein Zeitgenosse sie des Interesses für wert hielt.

Einer besonderen Erörterung bedarf die Anordnung der διαδοχαί (Diels Doxogr. 144ff. Rohde Kl. Schr. I 231ff. = Verhandl. der 34. Philol.-Vers. z. Trier 81. v. Wilamowitz Philol. Unters. III 151ff.; Herm. XXXIV 629ff. Gercke De Diogenis auctoribus 45ff.). Die eigentümlichste steht I 12–15; von kleineren Zusätzen abgesehen, liegt kein Grund vor, das Stück zu spalten. An der Spitze stehn die σοφοί; es folgt die φιλοσοφία in doppelter, streng durchgeführter Diadoche, der ionischen und italischen. In den grossen attischen Schulen, der Akademie, dem Kepos, der Stoa (vgl. Diog. VII 18) ist dieser verdrehte Gedanke, der das echteste Erbe Athens unter die Ionier des Ostens und des Westens verteilt, nicht gewachsen (vgl. Demetrios des Phalereers Ἀπολογία Σωκράτους VIII 37. IX 15. 52. Herakleides II 43; auch die merkwürdige Stelle V 76). In der ionischen διαδοχή sind die Endpunkte: 1. Lakydes ὁ τὴν νέαν Ἀκαδημίαν φιλοσοφήσας; dasselbe steht nicht nur I 19. IV 59 = Hesych. bei Suid. s. Λακύδης, sondern auch Ind. Academ. p. 76, 37ff. Mekler. Lakydes starb 206/5 oder 205/4 (Jakoby Philol. Unters. XVI 346f.); andererseits ist es unwahrscheinlich, dass er nach der Mitte des 2. Jhdts. noch Stifter der neuen Akademie hiess; dieser Titel ging auf Karneades über. Dass D. Karneades und Kleitomachos einschaltet, hat nichts zu sagen; wie dürftig diese Weisheit ist, erhellt daraus, dass die in den Βίοι selbst (IV 60) wenigstens zum Teil erwähnten, [755] nicht behandelten Zwischenglieder zwischen Lakydes und Karneades fehlen; bei Clem. strom. I 63/64. Ps.-Galen. hist. philos. 3 wird Hegesinus, bei Euseb. praep. ev. XIV 7, 14 Euandros genannt. Darin aber, dass bei D. in den Βίοι Kleitomachos am Schluss der Reihe steht, dass die sog. vierte und fünfte Akademie unter Philon und Antiochos fehlen, steckt auch ein Urteil, natürlich ein um Jahrhunderte jüngeres als das, welches mit Lakydes eine neue Epoche der Akademie begann; die Abwendung von der Skepsis gilt als der Untergang der akademischen Tradition. Antiochos ist das oft vorgehalten, ich begnüge mich Cic. ad Att. V 10, 5 anzuführen; was Philon anbetrifft, so erinnere ich an die Polemik Ainesidems gegen ihn (v. Arnim Philol. Unters. XI 74ff., mit Unrecht von Zeller III 2⁴, 13 bestritten). 2. Chrysipp, gestorben 208–204 (VII 184); der Schlusspunkt ist in der Stoa derselbe wie in der Akademie; dass der Gegner des Karneades, Antipater von Tarsos, fehlt, ist zu beachten. Hier ist nun freilich D. in den Viten ganz andere Wege gegangen, indem er die Reihe bis Cornutus hinunterführte; da aber alle, die auf Chrysipp folgten, verloren sind, muss man sich damit begnügen, diese Discrepanz zu constatieren. Die Stoa wird in diesem System, das in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. aufgestellt sein muss, als Filiale der Kyniker aufgefasst; das ist durchaus nicht so selbstverständlich, wie es der vulgären Auffassung erscheint. Für Antiochos war Zenon der schlaue Phoinikier, der mit dem Gut der alten Akademie ohne neue Gedanken eine neue Schule gegründet hatte (vgl. z. B. Cic. acad. post. I 35ff.; de fin. IV 3ff. 56ff.); dazu passt die Anekdote VII 25 (φασί – μεταμφιεννύς, durch ὥστε in einen ganz anderen Zusammenhang eingezwängt: συνδιέτριψε – ἀτυφίας, καὶ – δοῦναι, τούς τε Ἡσιόδου – πρᾶξιν bilden ein ἐγκώμιον auf Zenons φιλομάθεια τοσοῦτον ἤσκει φιλομάθειαν, d. h. die Angabe des Themas, ist mitten hineingeraten). Demetrios von Magnesia vertritt allerdings den Zusammenhang mit den Kynikern (VII 32); er variiert eine ältere Erzählung, die VII 2. 3 steht, und auch diese schliesst mit dem Abfall von Krates. Dagegen sehen Herakleides der Epitomator Sotions (II 120) und der stoische Biograph Apollonios von Tyros in Zenon den Dialektiker (VII 24. 2, das Citat aus Hekaton und Apollonios ist scharf von τῶι ζοῦν Κράτηι κτλ. zu trennen) und den directen Erben der Sokratik; dazu stellt sich die merkwürdige Stelle Hesychs bei Suidas Σωκράτης, wo Zenon zu den Διαλεκτικοί gerechnet wird; seit Chrysipp waren die Stoiker die Dialektiker κατ’ ἐξοχήν. Hippobotos scheint durch die Construction Bryson-Krates-Zenon den kynischen und den dialektischen Stammbaum ausgeglichen zu haben (VI 85 s. u.). 3. Theophrast. Man erwartet, dass die Reihe mindestens bis Lykon fortliefe; da D. die Viten bis zu diesem weiterführt, hat er I 14. 15 nichts gestrichen. Andererseits ist es nicht wohl denkbar, dass D. an eben diesen Stellen die Diadoche des Peripatos anderswoher eingeschaltet haben sollte. Hat aber der Mann, der die Akademie bis Lakydes, die Stoa bis Chrysipp fortlaufen liess, den Peripatos mit Theophrast geschlossen, so hat er damit ein Urteil über die Nachfolger Theophrasts gefällt, das [756] in gewissem Sinn dasjenige anticipierte, welches über 100 Jahre später von Antiochos und seinem Kreis in Kurs gesetzt wurde (Cic. de fin. V 12ff.; acad. post. I 33f. Strab. XIII 609 nach Boethos und Xenarchos, mit von Strabon zugesetzter stoischer Färbung). Von diesem Gesichtspunkt aus fällt wenigstens etwas Licht auf die merkwürdige Apologetik, die D. gerade in den Viten Stratons und Lykons entwickelt (V 64. 74).

Die Construction der italischen Reihe ist darum singulär (doch vgl. August. de civ. dei VIII 2. Epiphan. de fide 9 p. 590 D.), dass sie Xenophanes durch Telauges von Pythagoras ableitet. Sotion ist an diesem Gedanken unschuldig, für ihn ist Xenophanes Skeptiker (IX 20) und Parmenides viel mehr Schüler des Pythagoreers Ameinias als des Xenophanes (IX 21, vgl. Diels Herm. XXXV 197). Die Reihe Demokrit–Nausiphanes–Epikur wird I 15 ohne Zwischenglieder gegeben, doch scheint es, als würde hier Nausiphanes als Demokriteer gerechnet wie bei Cicero (de nat. deor. I 73) und Antiochos (Clem. strom. II 130). Die Viten selbst folgen einem anderen System, dessen wesentliche Charakteristika die sind, dass die Verbindung zwischen Xenophanes und Pythagoras gelöst wird, wodurch die italische διαδοχή in zwei Reihen gespalten wird, und dass die Pyrrhoneer zwischen Demokrit und Epikur eingelegt werden. Dieses System war in den Philosophenbiographien der Kaiserzeit weit verbreitet; es findet sich wieder bei Clem. strom. I 62ff. und wenigstens die Spaltung der italischen Philosophie bei Ps.-Galen. hist. philos. 3. In der Kette, die von Demokrit zu Pyrrhon führt, auf die ich hier im einzelnen nicht eingehen kann, bildet Diogenes von Smyrna ein Glied (Clem. strom. I 64. Euseb. praep. ev. XIV 17, 10. Epiphan. de fide 9 p. 591 Diels. Diog. IX 58): dieser wurde mit Diogenes von Apollonia verwechselt, und daher steht bei D. dessen βίος (IX 52) zwischen Protagoras und Anaxarch, zusammengeflickt aus einem doxographischen Excerpt, einer Wiederholung der Homonymenliste VI 81 und einer biographischen Notiz des Antisthenes, die aus dem βίος des Anaximenes oder Anaxagoras (vgl. Augustin. de civ. dei VIII 2) stammt; das Citat aus Demetrios - des Phalereers Diatribe gegen die Athener in der Ἀπολογία Σωκράτους (vgl. VIII 37. IX 15) geht geradezu auf Anaxagoras. Ist dies ein Irrtum, ob des D. selbst oder eines seiner Vorgänger, ist gleichgültig, so wird nicht ohne Absicht das System dadurch gesprengt, dass die Pyrrhoneer über Timon weit hinuntergeführt werden und der zu erwartende βίος des Nausiphanes fehlt. Auf diese Weise wird Epikur isoliert; man zog aus seinen Prätentionen die Consequenz, ohne sie darum günstig zu beurteilen (vgl. Ps.-Galen. hist. phil. 3, wo nichts umgestellt werden darf, und Sext. adv. math. I 2f).

Neben und im Gegensatz zu dem System der ionischen und italischen Philosophie hat ein anderes gestanden, das der 10 αἱρέσεις. Dies wird I 19 entwickelt; als Variante wird die Modification des Hippobotos hinzugefügt, dem dies System also bekannt war; es liegt auch der Schülertafel des Sokrates bei Hesych (Suidas s. Σωκράτης) zu Grunde:

[757]
Diogenes

Hesych
1. Akademie (τῆς μέσης
– Λακύδης falsche
Wiederholung aus I 14). 1. Akademie.
2. Peripatos.
3. Κυρηναϊκή
2. Κυρηναϊκή. 4. Ἡλιακή, daraus
3. Ἡλιακή. 5. Ἐρετριακή.
4. Μεγαρική. 6. Κυνική.
5. Κυνική. 7. Μεγαρική, daraus
6. Ἐρετρική. 8. Διαλεκτική, daraus
7. Διαλεκτική. 9. Στωική.
8. Περιπατητική. 10. Θεοδώρειος.
9. Στωική.
10. Ἐπικούρειος
Epikur fehlt, da er
von Sokrates nicht abgeleitet
werden sollte; dafür
sind die Theodoreer
eingetreten, die bei Hippobotos
als besondere Secte geführt wurden.

Für das System sind bezeichnend das starke Hervortreten der kleinen sokratischen Schulen und der Versuch, Bryson und Kleinomachos (bei D. zu Κλειτόμαχος entstellt) mit der Sokratik zusammen zu bringen. Im einzelnen ist hier ein starkes Schwanken gewesen, das sich bis in die unmittelbaren Vorlagen von D. und Hesych fortgesetzt hat (vgl. ausser den angeführten Stellen Suid. Εὐκλείδης. Στίλων. Diog. II 112. 113); dazu kommt, dass das Citat aus Alexanders Διαδοχαί IX 61 ebenso wie die Parallelstelle bei Suid. s. Πύρρων, wie es scheint, unrettbar zerstört ist; ich glaube auch nicht an den ,Achaeer‘ Bryson in dem Hippobotoscitat VI 85, sondern nehme nur einen Bryson an, den aus Aristoteles und den platonischen Briefen bekannten Bryson von Herakleia, den Ephippos mit Thrasymachos dem Korinthier zusammenstellt (Athen. XIII 509 c). Mit ihm mühte sich das System der zehn Secten ab, wesentlich um Stilpons willen, durch den Zenon an die Διαλεκτικὴ αἵρεσις angeschlossen wird (s. o.), ferner aber auch wegen der pyrrhonischen Skepsis; die Diadoche Bryson–Pyrrhon (IX 61. Suid. s. Πύρρων. Σωκράτης) ist, zum Unterschied von der Anknüpfung Pyrrhons an Demokrit, für dies System charakteristisch. Daneben erscheint als Variante bei Hesych der Anschluss Pyrrhons an die Ἡλιακὴ αἵρεσις, weil Pyrrhon in Elis lehrte (IX 109); eine Spur dieses Stammbaumes ist in dem Wirrwarr bei Ps.-Galen. hist. philos. 3 noch zu entdecken und rechtfertigt dort die Überlieferung. Die Pyrrhoneer werden zu den 5 Sokratikern gerechnet bei Cic. de orat. III 62 (aus Antiochos) und Areios Didymos (Stob. ecl. II 7, 4 Wachsm.).

In den Viten selbst tauchen die zehn Schulen noch einmal auf, bezeichnenderweise da, wo der Übergang von Sokrates zu den Sokratikern gemacht wird; die Stelle (II 47) ist zwar arg verwirrt, lässt sich aber leidlich in Ordnung bringen: τῶν δὲ διαδεξαμένων αὐτὸν [τῶν λεγομένων Σωκρατικῶν] οἱ κορυφαιότατοι μὲν Πλάτων Ξενοφῶν Ἀντισθένης, τῶν δὲ [φερομένων δέκα] ⟨λεγομένων Σωκρατικῶν⟩ οἱ διασημότατοι τέτταρες Αἰχίνη;Φαίδων Εὐκλείδης Ἀρίστιππος· λεκτέον δὲ πρῶτον περὶ Ξενοφῶντος, εἶτα περὶ Ἀντισθένους (ἐν τοῖς Κυνικοῖς), ἔπειτα περὶ τῶν Σωκρατικῶν, εἴθ’ οὕτω περὶ Πλάτωνος ἐπεὶ κατάρχει τῶν ⟨φερομένων⟩ δέκα αἱρέσεων καὶ τὴν πρώτην ἀκαδεημίαν αὐτὸς συνεστήσατο. Das ist ein provisorischer Zettel, [758] dem die thatsächliche Ordnung der βίοι vornehmlich darin widerspricht, dass Antisthenes nicht nur hinter Platon und die Akademie, sondern sogar hinter die Peripatetiker geschoben ist. Die Discrepanz ist sehr ungeschickt durch den, vielleicht gar nicht von D. herrührenden Zusatz ἐν τοῖς Κυνικοῖς angedeutet; ebenso wird es mit der Unfertigkeit des Werkes zusammenhängen, wenn im βίος des Aristipp (II 65) der Platons (III 36) so citiert wird, als sei er schon geschrieben. Über II 85 s. u. Endlich ist die διαδοχή der späteren Skeptiker (IX 116) zwar von D. selbst nicht zusammengestellt, aber doch auf sein persönliches Conto zu setzen; s. u. Am Schluss dieser Erörterung, die den wichtigen und schwierigen Gegenstand nicht erschöpfen kann und will, warne ich noch einmal nachdrucklich davor, sich mit der Reconstruction der unmittelbaren ,Vorlagen‘ unnütz abzuquälen. Die alten, mit Urteil und Überlegung ersonnenen Constructionen wirken in den jüngeren Compilationen alle nach und so, dass immer etwas anderes, aber nur scheinbar Neues, herauskommt, weil die Anordnung sich am leichtesten ändern lässt und so sehr rasch sich eine Fülle von Möglichkeiten herausbildete, zwischen denen die, welche aus Compilationen von neuem compilierten, die Auswahl hatten, ähnlich wie bei den nach Genealogien disponierenden Mythographen. Der Wirrwar ist nur aufzudröseln, wenn man zu den Ursprüngen hinaufgeht, und gerade dafür sind die ungeordneten Zettel des D. mit ihrem Rohmaterial sehr wertvoll.

Dass D. Apophthegmensammlungen vorlagen, sah schon Bahnsch; diese Untersuchungen lassen sich nur auf Grund handschriftlichen Materials weiterführen.

Für das Doxographische hat Diels Doxogr. 161ff. den Grund gelegt und für die Vorsokratiker gezeigt, dass D. die dürftigen Excerpte, die bei den Biographen umliefen, durch wertvolles, im letzten Grunde auf Theophrast zurückgehendes Material ergänzt hat. Davon wiederum zu sondern sind die zum Teil sehr umfangreichen ὑπομνήματα, die D. bei den Stiftern von wirklichen αἱρέσεις seinem Werke einverleibt hat. Das sind:

1. Die δόξαι des Potamon, des Stifters der ἐκλεκτικὴ αἵρεσις I 21. Die Ekloge steht für sich, an unpassender Stelle nach dem Abschluss des Prooemions eingeschaltet.

2. Die δόξαι der Kyrenaiker (II 86–93), Hegesiaker (93–96), Annikereer (96. 97), Theodoreer (97–99). Die ganze Partie ist eingelegt, wie die Unordnung am Anfang zeigt (II 85): ἡμεῖς δ’ ἐπειδὴ τὸν βίον ἀνεγράψαμεναὐτοῦ, φέρε, νῦν διέλθωμεν τοὺς ἀπ’ αὐτοῦ [κυρηναικοὺς οἵτινες ἑαυτοὺς οἳ μὲν Ἡγησιακούς, οἳ δὲ ἀννικερείους,, οἳ δὲ Θεοδωρείους προσωνόμαζον], οὐ μὴν ἀλλὰ καὶ τοὺς ἀπὸ Φαίδωνος [ὧν τοὺς κορυφαιοτάτους Ἐρτρικοὺς ἔχειν οὕτως]. Das thörichte erste Emblem scheidet leicht aus, das zweite sind Trümmer, die sich nicht zusammensetzen lassen; in welchen Zusammenhang κορυφαιοτάτους gehört, zeigt II 47. Es folgt zunächst, was man erwartet, die διαδοχή Aristipps (zu ergänzen aus Hesych bei Suid. s. Ἀννίκερις, dagegen ist der Artikel Ἀρίστιππος wertlos), im einzelnen freilich verwirrt; ich stosse mich weniger an Ἀννίκερις ὁ Πλάτωνα λυτρωσάμενος, wo der Fehler leicht [759] zu beseitigen ist, als an Αἰθίοψ Πτολεμαεύς: unmöglich kann ein Schüler des ersten Aristipp Bürger von Ptolemais gewesen sein. Dann müsste die διαδοχή Phaidons gegeben sein; statt dessen wird der grosse doxographische Abschnitt eingelegt, auf ihn folgt nicht die διαδοχή, sondern der βίος Phaidons, der nach strenger Interpretation von II 85 und II 47 vor Aristipp stehen müsste und in irgend einer von D.s Vorlagen wohl auch gestanden hat. Die doxographische Partie selbst ist ein Haufe ungeordneter Zettel (s. o.), die aber, wenn es gelingt, sie richtig zu sondern, sehr wertvoll werden können. Kyrenaiker, Annikereer, Theodoreer differenziert Hippobotos (119); Kyrenaiker und Annikereer werden auch sonst unterschieden (Antiochos bei Clem. strοm. II 130. Strab. XVII 837); die Theodoreer werden nach einer anderen Tradition zu den Dialektikern gestellt (Hesych bei Suid. Σωκράτης, wo αὐτοῦ auf Bryson zu beziehen ist, vgl. den confus excerpierten Artikel Θεόδωρος; es läuft darauf hinaus, dass Theodoros, Pyrrhon, Zenon alle aus der Διαλεκτική hervorgehen; vgl. auch Antisthenes bei Diog. II 98, der den kyrenaeischen und dialektischen Stammbaum combiniert); δόξαι Aristipps, des Theodoros und Hegesias lässt Epiphanius (Diels Doxogr. 591) aufeinander folgen. Die grosse doxographische Einlage des D. setzt voraus, dass man in seiner Zeit noch sich für die Kyrenaiker interessierte; in welchen Kreisen das der Fall war, verrät das Capitel des Sextus Empiricus (Pyrrhon. hypotyp. I 215ff.; vgl. adv. math. VII 191ff.) τίνι διαφέρει τῆς Κυρηναικῆς ἡ Σκέψις und Aristokles (Euseb. praep. ev. XIV 19) Polemik gegen die kyrenaeische Skepsis.

3. Platon. D. hängt der Vita drei Abhandlungen an:

a) eine Einleitung in das Studium der platonischen Schriften (III 47–66); sie geht auf ein Original zurück, das auch der Platoniker Albinos in seinem Πρόλογος benutzte, von dem ein Auszug erhalten ist; vgl. Freudenthal Hell. Stud. III. Merkwürdig ist die persönliche, sorgfältig stilisierte Anrede, mit der dies Stück eingeleitet wird (III 47); φιλοπλάτωνι δὲ σοὶ δικαίως ὑπαρχούσηι καὶ παρ’ ὅντινοῦν τὰ τοῦ φιλοσόφου δόγματα φιλοτίμψς ζητούσηι ἀναγκαῖον ἡγησάμην ὑπογράψαι καὶ τὴν φύσιν καὶ τὴν φύσιν κα]τὴν τάξιν τῶν λόγον τῶν διαλόγων (um des Reims willen vorangestellt, in der Abhandlung selbst steht dieser Abschnitt an dritter Stelle) καὶ τὴν ἔφοδον τῆς ἐπαγωγῆς ὡς οἷόντε στοιχειωδῶς καὶ ἐπὶ κεφαλαίων πρὸς τὸ μὴ ἀμοιρεῖν αὐτοῦ τῶν δογμάτων τὴν περὶ τοῦ βίου συναγωγήν· γλαῦκα γὰρ εἰς Ἀθήνας, φασίν,εἰ δεῖ σοὶ τὰ κατ’ εἶδος διηγεῖσθαι . Etwas Ähnliches findet sich nur noch X 29, aber an einer gleichartigen Stelle, bei dem Übergang vom βίος Epikurs zu seiner Lehre: ἃ δὲ αὐτῶι δοκεῖ ἐν αὐτοῖς (der Katalog geht voran), ἐκθεσθαι πειράσομαι τρεῖς ἐπιστολὰς αὐτοῦ παρθέμενος, ἐν αἷς πᾶσαν τὴν ἑαυτοῦ φιλοσοφίαν ἐπιτέτμηται· θήσομενδὲ καὶ τὰς Κυρίας αὐτοῦ δόξας καὶ εἴ τιἔδοξεν ἐκλογῆς ἀξίως ἀνεφθέγχθαι, ὥστε σὲ πανταχόθεν καταμαθεῖν τὸν ἄνδρα κἂν (Usener κἀμὲ Hss.)κρίνειν εἰδέναι (greift auf X 12 a. E. zurück). Diese zweite Stelle kann D. nicht abgeschrieben haben, und was ihr recht ist, ist jener billig. Natürlich bedurfte die Anrede, die, wie [760] die Stilisierung zeigt, für die Öffentlichkeit bestimmt ist, einer Widmung am Anfang, um verständlich zu sein, wenn das Buch fertig war. Das ist es notorisch nicht; was hindert anzunehmen, dass D. der allgemeinen Gewohnheit folgte, die Vorrede bis zuletzt aufzuschieben und sie noch nicht geschrieben hatte, als sein Material, auf welche Weise auch immer, herausgegeben wurde? Bei dieser Annahme ist er auch für den Titel nicht verantwortlich.

b) Περὶ τῶν Πλάτωνι ἀρεσκόντων (III 67–80). Solche ὐπομνήματα hat es natürlich in Massen gegeben; ich kann mich hier auf eine Einzeluntersuchung nicht einlassen und merke nur an, dass jede Spur von ,neuplatonischer‘ Doctrin fehlt.

c) Die pseudoaristotelischen διαιρέσεις (III 80–109). Eine christliche Überarbeitung des Büchleins ist hsl. erhalten und von Valentin Rose Aristoteles pseudepigraphus 679ff. veröffentlicht. Rose bemerkt mit Recht, dass das von D. und dem christlichen Aristoteliker benutzte Original aus hellenistischer Zeit stammen muss; die Sache verdient eine genauere Untersuchung.

4. Die δόξαι des Aristoteles (V 28–34) charakterisieren sich als Einlage dadurch, dass das, was auf sie folgt (V 34), auf den Schriftenkatalog (V 21–27) und die Apophthegmen (V 17–21) zurückgreift. Das sehr mässige Elaborat hat zu Areios Didymos (Stob. ecl. II p. 166ff. Wachsm. Diels Doxogr. 448ff.) keine Beziehungen.

5. Die Kyniker hatten, streng genommen, keine Lehre, sondern nur Maximen; von denen giebt D. verschiedene Zusammenstellungen: VI 10. 11; 12. 13 (–λογισμοῖς), Zusatz aus Diokles; 70–73, deutlich Einlage, da 74 auf 69 zurückgreift; 103–105 (schwerlich aus Diokles).

6. Die Lehre der Stoa (VI 38–160, 49–83 ist Einlage aus Diokles), eine ausserordentlich wertvolle und reichhaltige Abhandlung; die Beziehungen zu Areios Didymos müssen noch aufgeklärt werden.

7. Die Lehre der Pythagoreer nach Alexanders Φιλοσόφων διαδοχαί (VIII 25–35). Es ist für D. charakteristisch, dass er über den Pythagoreismus der Kaiserzeit hinaus zurückgreift auf eine Doxographie, die von aller Zahlenmystik und theologischer Moral frei ist. Ob im 3. nachchristlichen Jhdt. viele eines so kühlen Urteils fähig gewesen sind, ist sehr die Frage, unfraglich aber, dass es für D. sehr viel leichter gewesen wäre, sich eine Darstellung des damals modernen Pythagoreismus zu verschaffen als dies Document des längst vergessenen hellenistischen Synkretismus; denn das Buch Alexanders selbst hat er sicher nicht gehabt.

8. Die pyrrhoneische Skepsis (IX 69–108), zusammenzurücken mit der διαδοχή der Skeptiker (IX 116), die bis zu einem Schüler des Sextus Empiricus, also ungewöhnlich tief hinabgeführt wird. Hier hat D. zweifellos sich bemüht, das umlaufende Material zu vermehren, den Grund giebt er selbst an in dem Citat IX 109 Ἀπολλωνίδης ὁ Νικαεὺς ὁ παρ’ ἡμῶν ἐν τῶι πρώτωι τῶν εἰς τοὺς Σίλλους ὐπομνημάτων ἃ προσφωνεῖ Τιβερίωι Καίσαρι. Freilich hat schon Reiske unter ὁ παρ’ ἡμῶν das verstanden, was meines Erachtens griechisch heissen müsste τῆς ἡμετέρας πόλεως; in neuerer Zeit stützt sich die Hypothese, [761] dass Nikias von Nikaia die ,Unterlage‘ des D. gewesen wäre (Diels Hermes XXIV 324, zurückhaltend; mit energischer Betonung Usener S.-Ber. Akad. Berl. 1892, 1023ff.), wesentlich auf diese Stelle. Dass diese Hypothese durch das wenige, was wir von Nikias wissen, in keiner Weise bestätigt wird, hat Gercke (De Diogen. auctor. 11f.) gut entwickelt. Die andere Erklärung, dass ὁ παρ’ ἡμῶν vom Standpunkt eines Skeptikers gesagt sei, wie Strabon οἱ ἡμέτεροι von den Stoikern sagt, hat den Sprachgebrauch für sich und erklärt die auffallende Berücksichtigung der Skepsis bei D. so vortrefflich, dass ich kein Bedenken trage, nicht nur diese Interpretation zu acceptieren, sondern auch D. selbst für den Skeptiker zu halten, der in Apollonides einen Anhänger seiner Secte sieht; wieviel D. von der Skepsis gewusst und verstanden hat, ist eine Frage für sich. Das ὑπόμνημα, zu dem I 20 (vgl. Sext. hypotyp. I 17. 16) und wahrscheinlich auch VII 32–34 die Angriffe gegen die alte Stoa (vgl. für den Zusammenhang mit der Skepsis Sext. hypot. III 200–207. 245ff.) gehören, steht den pyrrhoneischen Hypotyposen des Sextus sehr nahe, so dass diese gelegentlich den durch zu starkes Excerpieren unklar gewordenen Zusammenhang aufhellen (vgl. Sext. hyp. I 29 mit IX 108, auch hypot. II 185ff. mit IX 91 a. E.); andererseits ist die Methode der ἐποχή nicht genau die gleiche wie bei Sextus und es ist unmöglich anzunehmen, dass D. Sextus vor sich gehabt hätte. Die Citate IX 87 sind übernommen.

9. Zur Kenntnis der epikureischen Lehre legt D. ein:

a) Περὶ διαιρέσεως τῆς φιλοσοφίας καὶ κριτηρίου (X 29–34);
b) den Brief Epikurs an Herodot (35–83);
c) den Brief Epikurs an Pythokles (84–116);
d) Excerpte über den epikureischen Weisen mit einer Einlage über epikureische Ethik 41 (117–121, s. o.);
e) den Brief Epikurs an Menoikeus (122-135);
f) Excerpte über die Differenzen zwischen Epikur und den Kyrenaikern (136–138);
g) Epikurs Κύριαι δόξαι (138–154).

Es zeugt von richtigem Verständnis der die epikureische Gemeinde zusammenhaltenden Orthodoxie, dass D. dem Stifter der Schule einen so breiten Raum in der Doxographie einräumt; ich habe schon oben darauf hingewiesen, dass er sich selbst nach den Briefen des Meisters umgesehen haben muss. Der gesamte Überblick aber lehrt unwiderleglich, dass D. ein erhebliches Quantum von Mühe und Zeit darangesetzt haben muss, um sich ein so mannigfaltiges Material für die Doxographie der verschiedenen Schulen zu verschaffen; in einer einzigen Compilation fand er das nicht alles zusammen.

D. muss geschrieben haben nicht nur nach Favorin, der um die Mitte des 2. Jhdts. starb, sondern auch mindestens eine Generation nach Sextus, den man, nach freilich nicht stringenten Argumenten, an den Schluss des 2. Jhdts. setzt (Zeller III 2⁴, 10). Keinenfalls darf er tief in das 3. Jhdt., in die Zeit hinabgerückt werden, in welcher der Platonismus die gesamte hellenische Philosophie absorbiert; sein Vordringen kann er sehr wohl noch erlebt haben. An die Frage [762] nach der Zeit knüpft sich die andere nach der schriftstellerischen Individualität des D. Man thut ihm Unrecht, wenn man sie vollständig leugnet und alle Indicien hinweganalysiert, aus denen für die Persönlichkeit des Schriftstellers etwas geschlossen werden kann: ganz unpersönliche Compendien pflegen pseudonym zu sein. D.s Werk ist nicht fertig geworden, nur seine Zettel liegen vor, oft in wüster Unordnung. Das ist vielen ärgerlich und beschwerlich; andere werden es für ein Glück halten, dass das Rohmaterial der Compilation noch erkennbar vorliegt, statt dass eine glatte, die Fugen verstreichende Darstellung über die Mannigfaltigkeit der Tradition täuscht; beides sind subjective Empfindungen des auf das Werk angewiesenen Forschers, auf denen ein geschichtliches Urteil nicht aufgebaut werden kann. D.s. Buch ist nur ein Glied einer grossen und langen Tradition. Damit ist von vornherein gesagt, dass auf diesem Gebiet eine eminent persönliche Leistung nicht zu erwarten ist, auch des grossen Kritikers Porphyrios $Φιλόσοφος ἱστορία ist das nicht. Wer aber zugiebt, dass D. nicht eine Compilation einfach abgeschrieben hat, der giebt damit auch die Möglichkeit zu, dass er in der Art, wie er sein Material sammelte und auswählte, ein persönliches Wollen und Können documentierte. Bei der Discussion dieser Möglichkeit müssen das Doxographische und das Biographische zusammengenommen werden. Von den ,Alten‘ abgesehen, für welche Theophrasts Sammelwerke kanonisch bleiben, ist die Doxographie eine Domäne der neueren Akademie (Usener Epicurea LXVff.); von dieser ist sie auf Antiochos und seine Schule, aber auch auf die Skepsis Ainesidems übergegangen. Ich will kein Gewicht darauf legen, dass die bei D. in den doxographischen Teilen beliebte Scheidung zwischen κεφαλαιωδῶς und κατὰ μέρος (Diels Doxogr. 163ff.) sich ähnlich bei Sextus wiederfindet (hypot. I 5 τῆς Σκεπτικῆς οὖν φιλοσοφίας ὁ μὲν λέγεται καθόλου λόγος, ὁ δὲ εἰδικός); es ist auch ohne das evident, wie die sehr ausgedehnte und die verschiedenen Schulen mit einer gewissen unparteiischen Gleichmässigkeit behandelnde Doxographie des D. ein Gegenstück zu den Arbeiten des Sextus bildet. Doxographische Beilagen sind ein stehendes κεφάλαιον der Philosophenbiographie; für D. charakteristisch ist, dass er sich damit nicht begnügt und anderswoher reicheres Material heranschleppt. Das ordnete sich in das biographische Rahmenwerk nicht glatt ein, und weil D. nicht dazu gekommen ist, die Fugen zu verstreichen, lassen sich die doxographischen Partien so oft noch als Einlagen nachweisen. Dieser Sammeleifer erklärt sich mühelos, sobald man dem Selbstzeugnis des D. über sein Verhältnis zur Skepsis den Glauben nicht verweigert. Darum kann er doch sein Werk einer für Platon schwärmenden Dame haben widmen wollen, Panegyriken auf die Kyniker excerpieren und eine Verteidigung von Epikurs Persönlichkeit abschreiben; es scheint, dass in jener Zeit, vor dem religiösen Platonismus, sich mancher zur Skepsis bekannte, der sich nicht dogmatisch festlegen lassen mochte und doch nicht für einen philosophischen Laien gelten wollte. Um von Favorin zu schweigen, obgleich dessen Beispiel [763] genügt, am davor zu warnen, dass man in Sextus den einzigen Typus der Skepsis sehe, Lucian folgt in dem einzigen Dialog, in dem er den Anspruch erhebt, ernsthaft zu philosophieren, der Skepsis; daneben schreibt er einen Panegyrikus auf einen Platoniker, macht Kyniker zu Helden seiner Gespräche und dediciert eine Schrift gegen einen Orakelpfaffen einem Epikureer.

Favorin und Lucian sind immer Rhetoren geblieben; ich will nicht entscheiden, ob D. durch seine Skepsis davor geschützt ist, das hellenistische Griechisch der Diadochenschriftsteller zu verachten, jedenfalls setzt er im Biographischen die Traditionen der hellenistischen Philologie fort, denen er schon um seiner litterargeschichtlichen Epigramme willen, so witzlos und hölzern sie sein mögen, ebenso angehört wie der Skepsis. Ich habe schon oben darauf hingewiesen, wie von Anfang an in dieser Litteratur Gelehrsamkeit und Roman, Urkundenforschung und Fälschung neben einander liegen. Das setzt sich bis zu D. fort, geschwunden ist nur das hellenistische Raffinement, das feine Parfüm einer Witz mit Wissen paarenden, exclusiven Gesellschaft, so dass die Linien schwer sichtbar werden, die von den geistreichen Litteraten des Hellenismus zu dem Pedanten der decadenten Kaiserzeit führen. D. kann nur sammeln; er schweisst Hermipps Bosheiten und Apollodors sorgfältig berechnete Daten zusammen, freut sich an den dümmsten Brieffälschungen und geht auf so erlesene Documente aus wie die Testamente Platons und der Peripatetiker, er scharrt triviale Apophthegmen zusammen und müht sich um Bücherkataloge, die er in extenso abschreibt. Individuell ist daran der Sammelfleiss, der zwar nie zu den Quellen aufsteigt, aber auch nie nur ein Buch abschreibt, individuell ist auch, am Massstab jener flachen, schwatzenden Zeit gemessen, das gelehrte Interesse an Documenten und Büchertiteln; individuell ferner, so paradox es klingt, eine gewisse kritische Ader in der Auswahl des Materials; D. nahm z. B. für den Katalog der aristotelischen Schriften, wo der Vergleich einmal möglich ist, ein besseres, auf älteren Gewährsmännern beruhendes Buch als Hesych. Dem Roman steht dieser skeptische Pedant kühl gegenüber; keine Biographie des Pythagoras ist so nüchtern und darum so wertvoll wie die des D. Und doch ist er nicht ohne Wärme; die tralaticischen Rubriken der σεμνότης und μεγαλοφροσύνη des echten Philosophen, der sich im Leben und Sterben bewähren soll, einerlei, welche δόξαι er sich gewählt hat, werden von ihm gepflegt, nur charakterlose Witzbolde wie Bion und Menipp oder Herakleides, den er nach der Tradition für einen Charlatan hielt, sind ihm unangenehm. Mit den Massen, die er zusammengelesen hatte, konnte er mit Leichtigkeit ein Sammelbuch à la mode fabricieren, wie es Pamphila, Favorin, Myronian, Aelian u. s. w. gemacht hatten; er scheint diesen billigen Lorbeer nicht begehrt, den Ehrgeiz eines grossen Stoffes besessen zu haben. Es hat ihm alles nichts geholfen. In das Los, ein Esel gescholten zu werden, muss er sich finden, wie alle Pedanten, unverdient ist es, dass man ihm nicht einmal seine Pedanterie hat glauben wollen.
[E. Schwartz.]

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