ART

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Consilium. Mit C. wird sowohl der Beirat bezeichnet, welchen Privatpersonen vor der Entschliessung in wichtigen Angelegenheiten üblicher Weise befragten, als auch der Kreis von sachverständigen und hervorrragenden Männern, den die römischen Könige, die Beamten, dann einzelne Kaiser berufen haben, um deren Ansicht in entscheidenden Fragen anzuhören. Weder lassen sich die Ursprünge dieser Sitte bestimmen, noch ist die weitere Entwicklung dieser beiden Arten von C., an der das Gewohnheitsrecht (mos maiorum) grossen Anteil hat, im einzelnen zu verfolgen. Als grundsätzlich wichtig für die Beurteilung des Einflusses, welcher den verschiedenen C. eingeräumt war, ist hervorzuheben, dass kein Zwang bestand, dasselbe zu befragen und der Berufende nicht gehalten war, seine etwa abweichende Meinung der von den Ratmännern kundgegebenen unterzuordnen.

Consilium im Privatrechte. Es ist natürlich nicht möglich, die ausserordentliche Mannigfaltigkeit von Fällen, in denen Privatpersonen ein C. beriefen, zu besprechen; die folgenden Nachweise müssen daher genügen. In erster Linie hat der Pater familias ein C. versammelt, wenn er als Richter über Kinder oder Gattin eine Capitalstrafe verhängen musste. Die Tradition über einige solcher Urteile ist allerdings nicht einwandfrei. Bezüglich des Sp. Cassius ist das durch Plinius, Valerius Maximus, Dionysius, Livius überlieferte Hausgericht als spätere Erfindung zu beanstanden, wie schon Schwegler R. G. II 471 und namentlich Mommsen Röm. Forschungen II 174ff. zeigte. Bezeugt sind solche C. in dem von Val. Max. V 9, 1 berichteten Falle des L. Gellius: paene universo senatu adhibito in c. ... absolvit (filium) cum consilii tum etiam sua sententia. An dem C., welches L. Tarius Rufus beim Spruch über seinen Sohn beruft, nimmt Augustus teil, Senec. de clem. I 15. König Herodes hat den Spruch über seine Söhne gefällt nach römischem Beispiel unter Hinzuziehung eines C. von fast 150 Mitgliedern, aus der königlichen Familie und den höhern römischen Officieren erwählt, Joseph. ant. Iud. XVI 361–372; bell. Iud. I 535–543. Mommsen Strafrecht 25. Betreffs der Formen geht aus den Erwähnungen soviel hervor, dass Verwandte (cognati, propinqui, necessarii, sui, Belege weiterhin) und Freunde zum C. hinzugezogen wurden, Val. Max. V 8, 2 adhibito propinquorum et amicorum consilio; hatte der Ehemann über die Frau zu richten, so bildeten meist nur Familienangehörige das C., vgl. Dionys. II 25 ταῦτα οἱ συγγενεῖς μετὰ τοῦ ἀνδρος ἐδίκαζον (ebd. sind die Vergehen aufgezählt, wegen derer solch Hausgericht über Frauen zusammentrat). Liv. XXXIX 18, 6: mulieres damnatas cognatis aut in quorum manu essent tradebant, ut ipsi in privato animadverterent in eas, vgl. Val. Max. VI 3, 7. Liv. ep. 48: Publilia et Licinia, ... quae viros suos consulares necasse insimulabantur, [916] cognita causa ... cognatorum (Val. Max. VI 3, 8: propinquorum) decreto necatae sunt. Tac. ann. II 50: adulterii graviorem poenam deprecatus, ut exemplo maiorum ⟨a⟩ propinquis suis (Appuleia) ultra ducentesimum lapidem removeretur, suasit (Tiberius). Suet. Tib. 35: matronas prostratae pudicitiae, quibus accusator publicus deesset, ut propinqui more maiorum de communi sententia coercerent auctor fuit. Tac. ann. XIII 32: Pomponia Graecina ... superstitionis externae rea mariti iudicio permissa, itaque prisco instituto propinquis coram de capite famaque conjugis cognovit et insontem pronuntiavit. Plin. n. h. XIV 89: matronam ... a suis inedia mori coactam.

Freunde in einem C. zur Entscheidung über Frauen sind z. B. Val. Max. II 9, 2. V 8, 2. 9, 1. Gell. XVII 21 erwähnt. Mommsen Strafrecht 19. 26. Natürlich bestand kein gesetzlicher Zwang, ein C. zu befragen, wenn auch das Herkommen die Beachtung eines seit alten Zeiten geübten Brauches gebot. Es sind Fälle bekannt, in denen das Urteil ohne Hinzuziehung des C. erfolgte. T. Manlius Torquatus leitete gegen seinen Sohn, trotzdem derselbe nicht mehr unter patria potestas stand, Untersuchung ein und fällte den Spruch, ohne ein C. zu hören, Cic. de fin. I 24. Liv. ep. 55. Val. Max. V 8, 3: cognitione suscepta domi consedit solusque utrique parti per totum biduum vacavit ac tertio plenissime die diligentissimeque auditis testibus ... pronuntiavit; weitere Beispiele der Hausjustiz des Vaters ohne C. Liv. IV 29, 5. VIII 7, 19. Sallust. Catil. 39. 52. Cass. Dio XXXVII 36. Val. Max. VI 1, 1. 2. VIII 8, 5. Gell. XVII 21, 17. Oros. IV 13, 18 u. a. m. Ebensowenig war das Urteil des Pater familias, dem Frau und Kinder unbedingt sich fügen mussten, gebunden durch die Meinungsäusserungen des Beirates, doch gewärtigte er bei ungerechtem Spruche die Rüge des Censors, Dionys. XX 13. Val. Max. II 9, 2. Plut. Cato mai. 16. 17. Cic. de rep. IV 6. Mommsen St.-R. II 381, 5. Schriftliche Abstimmung des C. bezeugt Senec. de clem. I 15.

Dass man Freilassungen, namentlich seit sie häufiger geübt und nicht durchweg gerechtfertigt waren, mit guten Freunden vorher besprach, lag nahe. Um dem Übermass zu steuern, hat Augustus im J. 4 n. Chr. einen solchen längst gewohnheitsgemäss herangezogenen Beirat obligatorisch gemacht und damit der hausrechtlichen Gewalt Schranken gezogen. Die Lex Aelia Sentia bestimmte, sofern der Sclave noch nicht 30 Jahre, der Herr noch nicht 20 Jahre alt, dass in Rom ein C. von je 5 Senatoren und Rittern, ausserhalb Italiens ein solches von 20 durch den Statthalter ausgewählten Recuperatoren gehört werde, Gai. I 18–20. Ulp. I 13 u. ö. Instit. I 6, 4. Die Mitglieder der Sitzungen (conventus) dieser Commission hiessen auch iudices, Dig. I 21, 2. 10, 1, 2. XL 2, 16. Cod. Iust. VII 1, 1. CIL XIV 1437 (Ostia): D. Otacilius Felix fecit sibi et Otaciliae Hilarae collibertae, D. Otacilio Hilaro l(iberto), D. Otacilio Eudoxo l(iberto) in consilio manumisso ... CIL VI 1877 (Roma): Persicus lib(ertus) manumissus at consilium procuratorio nom[ine] aput Domitianum Caesarem in secund[o] co(n)s(ulatu) exercuit decurias ... Rein Privatrecht 277. [917]

Um ein solches privates C. handelt es sich in der so oft besprochenen Stelle des Plinius n. h. XXXVI 37 (vgl. Wagnon Rev. arch. XLIV 66ff.), deren Deutung durch Lachmann (Kleine philol. Schrift. II 273) Mommsen Herm. XX 285 wesentlich dahin modificierte: die Künstler der Laokoongruppe haben den Plan des Werkes im Freundeskreise erwogen, so dass die Ausführung in gewissem Sinne de consilii sententia geschah.

Consilium im öffentlichen Rechte. Zunächst eine Vorbemerkung. Dass die Beamten gehalten waren, in bestimmten Fällen nicht ohne die Willensmeinung des Senates eingeholt zu haben, zu verfahren (Mommsen St.-R. III 1031), und dass die Entscheidung dieser Körperschaft bei dem stetigen raschen Wechsel der Magistrate ausserordentlich ins Gewicht fallen musste, ist bekannt (daher Cic. pro Sest. 137 sich zu der Äusserung versteigen konnte: maiores nostri senatum rei publicae custodem, praesidem, propugnatorem collocaverunt, huius ordinis auctoritate uti magistratus et quasi ministros gravissimi consilii esse voluerunt), an dieser Stelle aber nicht des Näheren auszuführen. Vgl. die Art. Magistratus und Senatus. Deshalb ist aber der Senat noch nicht als ein C. in der hier zu erörternden Beziehung zu betrachten, obwohl er vielmals c. publicum genannt wird, u. a. Liv. III 63, 10. VI 6, 15. XXIII 2, 4. Vellei. I 8. Fest. p. 246 s. praeteriti senatores, auch dominus c. publici Cic. de leg. III 28; caput publici c. Liv. V 39, 12; publicum orbis terrae c. Cic. ad fam. III 8, 4; vgl. in Catil. I 2. 9; Phil. III 34 und die Curie als templum c. publici Cic. de domo 131; pro Mil. 90, ebenso die Senatsverhandlungen c. publicum heissen, Liv. II 23, 11. XXIII 22, 2. Cic. pro Sest. 42; vgl. Mon. Ancyr. III 3 mit Mommsens Commentar² p. 54. CIL VI 894. 895; übrigens werden auch andere Versammlungen ebenso bezeichnet, vgl. die Stellen bei Mommsen St.-R. III 1028, vgl. 843 und I 310ff., der bemerkt, dass terminologisch im technischen Sprachgebrauch niemals C. vom Senat steht. Beide Begriffe schliessen sich aus. Der Senat hat eine bestimmte Zahl von Mitgliedern, die auf Lebenszeit berufen sind, und tagt in Rom zu gewissen Zeiten; die Zahl der zu einem C. hinzugezogenen Personen ist nicht festgelegt, dasselbe wird versammelt je nach Bedürfnis und kann überall zusammentreten.

Consilium des Königs. Dass der König vor Entscheidungen über Krieg, Bedürfnisse, Rechtspruch oder andere innere Staatsangelegenheiten mit einem C. sich ins Einvernehmen gesetzt habe, wird zwar behauptet, ist aber doch nicht zu erweisen. Der dem Romulus gemachte Vorwurf: τὴν δίκην αὐτὸς μόνος δικάσας, Dionys. II 56, kann sowenig wie der gegen Tarquinius Superbus erhobene: cognitiones capitalium rerum sine consiliis per se solus exercebat (Liv. I 49, 4. Dio frg. 11, 6. Dionys. IV 42) als Beleg gelten.

Consilium der Beamten. Wie weit das Recht der Magistrate zurückgeht, bei wichtigen Entschliessungen einen Beirat sachkundiger und unparteiischer Männer zu befragen, ist nicht zu sagen; besonders während des Ständekampfes mag die Hinzuziehung eines C. häufiger geworden sein, [918] wenn die gemeinsame Stellungnahme der Collegen zur Beratung stand. Ein C. anzuhören galt weder als Pflicht im strengen Sinne – nur bei Capitalprocessen ward die Umgehung des C. als Ungehörigkeit angesehen –, noch war der Beamte gehalten, gemäss Meinungsäusserung desselben zu entscheiden; niemals kann er, wenn selbst das ganze C. seiner Ansicht beigetreten ist, der eigenen Verantwortlichkeit enthoben werden. Der Beamte soll selbständig sein und bleiben, wenn auch eine fortgesetzte Nichtbeachtung und Missachtung der C. nicht möglich erscheint. Damit sind die grossen Machtbefugnisse, welche die römische Verfassung den Beamten in die Hände gelegt hatte, zwar nicht staatsrechtlich beschränkt, aber doch gewohnheitsgemäss auf dem Wege der Befragung begrenzt worden. Namentlich bei der Rechtspflege und auf dem Verwaltungsgebiete, für Acte, wo es sich ,um Eingriffe in die persönlichen oder bürgerlichen Rechte der Bürger handelt‘, Herzog I 619, wird schon früh die Heranziehung von Beratern üblich geworden sein, damit sie in consilio seien; die Bezeichnung als consiliarii (σύμβουλοι) kommt erst unter dem Principat vor (Suet. Claud. 12: ut unus e consiliariis). Mommsen Strafrecht 138. Vgl. auch die Art. Adsessor und Consistorium.

Allgemeine Vorschriften über die nach Sitte und Brauch zu einem C. zu berufenden Persönlichkeiten hat es nicht gegeben: die Auswahl derselben richtete sich nach dem zur Beratung stehenden Gegenstand und war Sache desjenigen, der das C. zusammentreten liess. Die Aufforderung, an einem C. teilzunehmen, ward als Ehrenerweisung betrachtet, Cic. pro Flacc. 77. Der Beamte wandte sich in erster Linie an seine Collegen (s. u.), sofern sie nicht ohnehin zur Mitentscheidung befugt waren, Mommsen St.-R. I 315, 4; des weitern ist überhaupt Sachkunde (Cic. top. 65. Gell. XII 13, 2. XIV 2, 9) sowie hohe Rangstellung für die Auswahl massgebend und überhaupt der herkömmliche Brauch von Bedeutung geblieben. Stellen bei Mommsen a. a. O. 317, 2. 3. 318, 2.

Über die Formen des C., naturgemäss verschieden nach der Veranlassung desselben, ist wenig bekannt. Dass die Willensmeinung des C. nicht durch Majorität entschieden wurde, ist gewiss; Sallust. Iug. 29. Caes. b. G. III 3. Mommsen St.-R. I 319. Die Beamten erwähnen im Beschlusse die Befragung des C., dessen Mitglieder wohl, wo sie namentlich verzeichnet werden, dem Range nach aufgezählt sind, mit den Worten c(um) c(onsilio) c(onlocutus) (vgl. Gramm. Lat. ed. Keil IV 289), so CIL VI 266 im Urteil des Praefectus vigilum, X 3334 in dem des Praefectus classis Misenatis, III 4847: adhibito c., II 4125 in dem des Legaten von Hispania Tarraconensis, Cod. Iust. VII 26, 6 in einer Entscheidung des Kaisers, Acta Cypriani ed. Hartel p. CXII (im J. 258); Apostelgesch. XXV 12 heisst es vom Procurator von Judaea: συλλαλήσας μετὰ τοῦ συμβουλιόυ (betreffs der Gleichung C. = συμβούλιον in der Amtssprache sei Plut. Rom. 14 angeführt: ὠνόμαζον δὲ τὸν θεὸν Κῶνσον, εἴτε βουλαῖον–ὄντα· κωνσίλιον γὰρ ἔτι νῦν τὸ συμβούλιον καλοῦσι, ferner Corp. gloss. ed. Götz VI 263). Mommsen a. a. O. erwähnt noch Sallust. [919] Iug. 29: pro consilio imperare. Handelt es sich jedoch um ein C., dessen Votum für den Magistrat verbindlich ist, so steht die Formel de consilii sententia. Beispiele s. u.

a) C. der Consuln sind folgende hervorzuheben. Im J. 574 = 180 sollten die Consuln die apuanischen Ligurer nach Benevent verpflanzen, Liv. XL 38, 7: postulantibus ipsis quinqueviri ab senatu dati quorum ex consilio agerent. Der Consul des J. 688 = 66 prüfte die Frage der Zulassung des angeklagten Catilina zur Candidatur für das Consulat in einem c. publicum, Ascon. in or. in toga cand. p. 80. Mommsen St.-R. I 481, 3. Bezüglich des zerstörten Hauses Ciceros vgl. die Stelle superficiem aedium consules de c. sententia aestimarunt sestertio vicies, Cic. ad Att. IV 2, 5. Im Streite zwischen Pergamon und den römischen publicani sprach 632 = 122 in Rom ein Consul (oder Praetor) Recht im Auftrage des Senates mit einem C. (μετὰ συμβουλίου) von wenigstens 30 senatorischen und nichtsenatorischen Mitgliedern, Ephem. epigr. IV p. 213. Ruggiero L’arbitrato pubblico 300f. Bei der Untersuchung wegen ungerechter Steuererhebung der Publicani betreffs Oropos im J. 680 = 74 hatten die Consuln, denen der Senat die Entscheidung übertrug, ein C. von 15 Senatoren. Das Urteil, dessen Bestätigung der Senat sich vorbehalten, erfolgt de c. sententia (ἀπὸ συνβουλίου γνώμης, vgl. ἐν τῷ συμβουλίῳ παρῆσαν), Bruns Fontes p. 162. Mommsen Herm.: XX 268. 278; St.-R. II 109. Ruggiero a. a. O. 313f. Als C. darf man auch fassen die zehn Legaten, welche der Senat dem Consul beigab, um die Streitfrage zwischen Reate und Interamna Nahars wegen des Velinersees im J. 700 = 54 beizulegen, Cic. ad Att. IV 15, 5; pro Scauro 27. Ruggiero a. a. O. 323. Über andere solche Senatscommissionen, die nicht ein C. in dem hier zu behandelnden Sinne bilden, da dem Beamten obliegt, der Urteilsfällung dieser Senatsboten zu folgen, s. den Art. Legatus und Mommsen St.-R. II 675ff. 692ff. Die Rechtsprechung der Consuln vollzog sich ebenfalls unter Zuziehung eines C., so als sie im J. 616 = 138 den Briganten des Silawaldes den Process machten, Cic. Brut. 86 (de c. sententia pronuntiavissent), und beim Verfahren gegen die Anhänger des Ti. Gracchus im J. 622 = 132, Cic. de amic. 36. Val. Max. IV 7, 1.

Hier sei auch des Kriegsrates gedacht, den der Feldherr (Consul, Proconsul, Praetor, Propraetor) zwar nicht obligatorisch, aber gewöhnlich berief (Liv. IX 2, 15 in c. advocare, XLIV 2, 4 convocare, vgl. 2, 37 advocare; bei Polybius συνέδριον), wozu Senatoren der Begleitung (Sallust. Iug. 62, 4. 104, 1. Cass. Dio XLII 43. Plut. Cat. min. 59), vor allem aber alle Kriegstribunen (Polyb. I 14, 3; συναγαγὼν τοὺς χιλιάρχους I 49, 3. III 41, 8. VIII 9, 5. XI 25, 8. XX 10, 10), die ersten Centurionen (Polyb. VI 24, 2. Caes. b. G. V 28: centuriones primorum ordinum), ausnahmsweise sogar alle Centurionen (Caes. b. G. I 40), später auch alle Legaten (welche Livius dabei schon in früherer Zeit erwähnt, Mommsen St.-R. I 316) versammelt werden. Auch beim Kriegsgericht wird ein C. hinzugezogen, Liv. XXIX 20, 5. 21, 8. Mommsen a. a. O. III 1249; Strafrecht 33. [920]

Pompeius machte von seiner Vollmacht, in Spanien das Bürgerrecht zu verleihen, nach Besprechung mit einem C. Gebrauch, Cic. pro Balb. 8.

b) C. der Statthalter. Ebenso haben diese in Fragen der Verwaltung und Justiz (Mommsen Strafrecht 239, 3) vielfach einen Beirat befragt, indem sie Sachverständige aus ihrem Gefolge (vgl. den Process des Sopater, Cic. Verr. II 70ff., und den wertvollen achten Brief Frontos an Pius), namentlich Senatoren oder sonst anwesende Bürger zum C. beriefen. Erwähnungen desselben sind nicht selten, so συνβούλιον des Proconsuls im J. 610 = 144, CIG 1543, vgl. Inschr. von Pergamon II 254; nach einem Decret des Proconsuls von Sardinien im J. 69 in c. fuerunt acht Personen, zuerst der Legat und Quaestor, CIL X 7852. Mommsen Herm. II 102ff.; ferner Joseph. c. Apion. II 18. Ammian. XXIII 6, 82. Dig. I 22, 1. II 2, 2.

c) C. des Praetor. Dass der Praetor bei dem Verfahren in iure ein förmliches C. hinzugezogen habe, bezweifelt mit Recht Mommsen St.-R. I 310, 1. Vielfach bezeugt ist das C. beim regelmässigen Civilprocess, Mommsen a. a. O. 314. Hinsichtlich der quaestiones extraordinariae ist bekannt, dass beispielsweise der Praetor M. Pomponius im J. 550 = 204 die Untersuchung gegen Pleminius unter Zuziehung eines C. von zehn senatorischen Legaten, zwei Volkstribunen und eines Aedilen zu führen hatte, Liv. XXIX 20, 4. 21, 8. In ähnlicher Weise bekam der Praetor urbanus L. Cornelius Lentulus im J. 556 = 198 zur Bestrafung der am Sclavenaufstand in Latium Schuldigen fünf Legaten beigeordnet, Liv. XXXII 26, 11. Die Bedeutung des Geschworenengerichtes als C. des richtenden Beamten im weitern Sinne (so Lex Acilia repet. CIL I 198 Z. 57: de c. maioris partis sententia, Z. 60. 71 u. ö. vgl. Cic. Rosc. Amer. 151: hoc quod maiores c. publicum vocari voluerunt; pro Caec. 29; in Verr. I 30) hat neuerdings Mommsen Strafrecht 213ff. (vgl. St.-R. I 313. II 223. 582) ins Licht gesetzt, auf dessen Ausführungen sowie auf den Art. Iudex des Nähern verwiesen sei. Hier müssen wir uns auf wenige Bemerkungen beschränken.

Bezüglich der Auswahl der Mitglieder enthält das genannte Repetundengesetz Normen Z. 20–22, z. B. dass weder Verwandte des Angeklagten noch seine sodales noch Vereinsgenossen (qui in eodem collegio siet) als solche zugelassen sind. Die Geschworenen kann nur eine vom C. zu prüfende Entschuldigung vom Erscheinen befreien (Tac. Dial. 5. Cic. Phil. V 14), andernfalls erfolgt Bestrafung – suprema multa, Lex Ac. repet. Z. 45 –, noch unter Traian erwähnt, Plin. ep. V 9, 7. Die Zusammensetzung dieses C. in jedem einzelnen Falle erfolgte auf Grund des grossen Verzeichnisses aller in Betracht kommender Persönlichkeiten, und zwar durch Losung (sortitio) oder indem der Angeklagte zunächst die bei dem schwebenden Process ungeeigneten Personen namhaft macht, dann der Ankläger seiner Ansicht nach passende auswählt, von welchen der Angeklagte wiederum die Hälfte ablehnen kann (editio). Die Einzelheiten s. im Art. Iudex. Die Losung ist die älteste Form, uns näher bekannt bei den senatorischen Gerichten, welche zu diesem Zwecke wohl eine Decurie ausgelost hatten, Cic. Verr. I [921] 16. III 28, vgl. pro Cluentio 103. Über die Lex Pompeia vom J. 702 = 52, welche Asconius in Milon. p. 31ff. erläutert, Mommsen Strafrecht 199. 216. Jede Partei konnte einen Teil solcher Beisitzer ablehnen; s. den Art. Reiectio. Dem Angeklagten stand das durch ein sullanisches Gesetz deutlicher begrenzte Recht zu (Cic. Verr. II 77), eine Anzahl Mitglieder des C. namhaft zu machen (Cic. Verr. I 18), von den weitern eine Anzahl abzulehnen – ein nicht senatorischer Angeklagter allerdings nur drei. Von dem Rest lehnt der Ankläger dann so viele ab, bis die für den Process normierte Stimmenzahl verbleibt. Die Lex Vatinia (s. d.) de alternis consiliis reiciendis (Cic. in Vat. 27; pro Planc. 36. Schol. Bob. p. 321. 235) vom J. 695 = 59 gestattet, wenn eine Partei Zurückweisung geübt, der andern das ganze C. zu verwerfen, Willems Droit public⁶ 316. Lange III 283. Zumpt Criminalrecht II 2, 280ff. Falls vor Beendigung des Processes ein Mitglied des C. an der weiteren Teilnahme verhindert wird, erfolgt Ersatz bei dem senatorischen C. durch subsortitio aus einer andern Decurie. Nachweise bei Mommsen Strafrecht 217, wo weiterhin auch hinsichtlich der Zahl von Beisitzern Stellen angeführt sind. Die Formen solcher Processe sind hier nicht zu erläutern. Vgl. besonders den Art. Quaestiones perpetuae.

d) C. der Censoren, bei der Schatzung herangezogen, erwähnt Varro l. l. VI 87: praetores tribunique plebis quique in c. vocati sunt.

e) C. der Aedilen ist nur belegt durch Iuven. sat. III 162: quando in consilio est aedilibus und dem Zwecke nach nicht bestimmbar.

f) C. des Praefectus urbi bei seiner Strafrechtspflege bezeugt die Inschrift aus dem 3. Jhdt. CIL XI 6337 (Pisaurum): Ti. Claudio Zenon(i) Ulpiano v(iro) e(gregio): ... adiut(ori) a[d c]ens(us), ex sacra iussione adhibit(o) in consil(ium) praef(ectorum) praet(orio) item urb(i) – vgl. Plin. ep. VI 11, 1. Appul. apol. 2. 3 ein c. consularium virorum im Process wegen Testamentsfälschung – zugleich Beleg für das

g) C. des Praefectus praetorio, Mommsen Strafrecht 274.

h) C. des Praefectus vigilum. In der bekannten Inschrift des Fullonenprocesses aus den J. 226/244 n. Chr. (C. VI 266 = Bruns Fontes p. 328, vgl. Liebenam Vereinswesen 239ff. Mommsen St.-R. II 1058), sind drei Entscheidungen der verschiedenen Praefecti vigilum angeführt, Z. 23 mit dem Vermerk: R[est]it[utia]nus c(um) c(onsilio) c(ollocutus) d(ixit).

i) C. des Subpraefectus classis ist ganz aussergewöhnlich, CIL X 3334 (Misenum): D. Alfenius Senecio subpraef. classis pr(aetoriae) Mis. c(um) c(onsilio) c(ollocutus) dixit ...

k) C. der Decemviri agris dandis adsignandis. Dass solche Specialcommissionen zur Entscheidung über Bodeneigentum ein C. herbeizogen, darf man aus Ciceros Bemerkung de lege agr. II 33 schliessen, dass die Decemviri des Servilius Rullus cognitio sine consilio hatten.

l) C. des Curator rei publicae, Dig. I 22, 6. Vgl. Liebenam Philol. LVI 310 und den Art. Curator (rei publicae).

Eine Art Beirat bilden endlich, wie noch angemerkt sein mag, die wenn auch selten bei der [922] spectio des Magistrats aufgeforderten Auguren (Liv. IV 18. Cic. de leg. II 20), welche übrigens auch selbst bei Beobachtung der heiligen Bräuche andere Personen hinzuziehen, Cic. a. a. O. III 43. Mommsen St.-R. I 106. 312.

Das C. der Beamten gewinnt seine folgerichtige Entwicklung im C. des Princeps und gelangt hier nicht allein zu bestimmten Formen, deren Ausbildung sich in wesentlichen Zügen durch die Jahrhunderte verfolgen lassen, sondern auch zu massgebender Bedeutung. S. den Art. Consistorium.

Consilium in Landstädten. Unter den mannigfachen Bezeichnungen des Gemeinderates. (s. den Art. Ordo) findet sich auch der Name C., CIL XI 3614 (Caere): desideranti a nobis ... consilium decurion(um) coegimus ... Ferner wird analog den Bestimmungen des oben erwähnten aelisch-sextischen Gesetzes in der Lex Salpensana c. 28 verordnet: [d]um is qui minor XX annorum erit ita manumittat, si causam manumittendi iusta[m] esse is numerus decurionum, per quem decreta h(ac) l(ege) facta rata sunt, censuerit, Mommsen Stadtrechte von Salp. und Malaca 413.

Des weitern fungieren in der vielerörterten puteolanischen Verdingungsurkunde zeitige und gewesene Ratsherren als C., CIL X 1781: arbitratu duovir(um) et duovira[l]ium qui in eo consilio esse solent Puteoleis, dum ni minus viginti adsient, cum ea res consuletur, zweifellos analog dem bei Abnahme staatlicher Bauten üblichen Brauche, Mommsen St.-R. I 315. 317. Liebenam Städteverwaltung 388.

Litteratur: Mommsen St.-R. I 307ff.; Strafrecht 25. 138. 149. 213ff. 442. 449. Madvig St.-V. II 305. 519 u. ö. Lange R.-A. I 113. 235. 313. 392. II 427 u. ö. Herzog St.-V. I 65. 619. II 176. 259. 489. 756. Karlowa R.-G. I 190ff. Humbert in Daremberg-Saglio Dict. I 1451ff. Ruggiero Dizionario II 609ff.
[Liebenam.]

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