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Cohors. [1] Militärisch.

a) C. als Unterabteilung der Legion, s. Legio.

b) Cohors sociorum der republicanischen Zeit, s. Socii.

c) C. als Truppenabteilung der Garde, s. Praetoriae cohortes, Urbanae cohortes, Vigiles.

d) C. als selbständige taktische Formation, der Truppenkörper der regulären Auxiliarinfanterie im römischen Kaiserheere (griechisch σπεῖρα oder χῶρος), im Gegensatz zu den Cohorten der Legion eine in sich geschlossene Einheit. Ebenso wie die alae, die Cavallerie der Auxilien, sind die Cohorten teils den einzelnen Legionen als Hülfstruppen attachiert, deren jeder ca. 5–7 beigegeben sind, teils bilden sie, vor allem in den procuratorischen Provinzen, zusammen mit den alae die ausschliessliche Besatzung.

Die Gesamtzahl der Auxiliarcohorten ist nicht bekannt und lässt sich nicht einmal auch nur annähernd genau vermuten. Wir kennen, und zwar überwiegend durch Inschriften, vor allem die Militärdiplome, – von Schriftstellern wird nur ganz vereinzelt einmal eine Cohorte erwähnt – noch etwa 450 solche Cohorten, zu denen noch gegen 100 weitere hinzutreten, die, wenn auch nicht direct bezeugt, doch mit Sicherheit daraus zu erschliessen sind, dass gleichnamige Abteilungen mit höherer Regimentsnummer vorkommen. Wir können also z. B., weil die coh. II Cantabrorum bekannt ist, auch die Existenz einer coh. I Cantabrorum als bestimmt annehmen, obgleich diese Truppe nirgends erwähnt wird. Da [232] fast alljährlich neue Namen zu den bekannten dazukommen und wir die Besatzungstruppen einer ganzen Reihe von Provinzen noch sehr wenig kennen, darf mit Bestimmtheit ausgesprochen werden, dass die Gesamtzahl der Auxiliarcohorten, die es in dem für uns in Betracht kommenden Zeitraum, von Augustus bis Diocletian, gegeben hat, eine noch sehr viel grössere als die obige gewesen ist und wohl zwischen 600 und 700 betragen haben wird. Allerdings haben diese Abteilungen nicht alle gleichzeitig nebeneinander bestanden, da viele von ihnen erst von den späteren Kaisern, zumal den Flaviern, sowie Traian und Hadrian, errichtet worden sind, während manche andere schon vorher zu bestehen aufgehört hatten, sei es, dass sie vom Feinde vernichtet, sei es, dass sie, wie z. B. zahlreiche Abteilungen des niedergermanischen Heeres durch Vespasian, von der kaiserlichen Regierung selbst aufgelöst worden waren.

Die Bezifferung der Cohorten ist ebensowenig wie die der Legionen oder der Alen eine durchgehende gewesen, nicht einmal bei den nach ein und demselben Volksstamm benannten Abteilungen war dies der Fall. Fortlaufend gezählt werden, abgesehen von besonderen Kategorien, wie z. B. den cohortes Voluntariorum, immer nur diejenigen Cohorten, die zu ein und demselben Zeitpunkt aus einem bestimmten Volke formiert worden waren. Bei jeder Neuerrichtung weiterer Cohorten aus dem betreffenden Stamme beginnt aber die Zählung wieder mit I, und so kommt es, dass eine ganze Anzahl von Abteilungen mit genau demselben Namen und derselben Nummer nebeneinander, oft sogar in ein und derselben Provinz bestanden haben. So hat es z. B. je drei cohortes II und IIII Gallorum und gar je sieben verschiedene cohortes I Hispanorum und I Thracum gegeben. Naturgemäss ist dies am häufigsten bei Truppenkörpern mit der Nummer I der Fall.

Die Benennung der Cohorten ist im wesentlichen der der alae gleichartig und nicht weniger bunt als diese.

1. Die grosse Mehrzahl der Abteilungen ist auch hier nach den Volksstämmen benannt, aus denen sie ursprünglich gebildet waren und aus denen sie sich zunächst auch noch rekrutiert hatten. Als solche Völkernamen begegnen uns die von cohortes Afrorum, Alpinorum, Antiochensium, Apamenorum, Aquitanorum, Ascalonitanorum, Asturum, Ausetanorum, Bactasiorum, [Baeticae], Batavorum, Belgarum, Bessorum, Biturigum, Bosporanorum, Bracaraugustanorum, Breucorum, Britannicae, Brittonum, Callaecorum, Canathenorum, Canninefatium, Cantabrorum, Carietum, Celtiberorum, Chalcidenorum, Cilicum, Cirtensium, Cisipadensium, Coll(?), Commagenorum, Cornoviorum, Corsorum, Cretum, Cugernorum, [Cypriae], [Cyrenaicae], Dacorum, Damascenorum, Dardanorum, Delmatarum, Dongonum, Frisiavonum, Gaetulorum, Galatarum, Gallorum, Germanorum, Hamiorum, Helvetiorum, Hemesenorum, Hispanorum, Ituraeorum, Latabiensium, Ligurum, Lingonum, Lucensium, Lusitanorum, [Macedonicae], Mattiacorum, Maurorum, Menapiorum, Montanorum, Morinorum, Musulamiorum, Nemetum, Nerviorum, [233] Noricorum, Numidarum, Nurritanorum, Pannoniorum, Paphlagonum, Petraeorum, Raetorum, Rauracorum, Sardorum, Sebastenorum, Sequanorum, Silauniensium (?), Sugambrorum, Sunucorum, Syrorum, Thebaeorum, Thracum, Treverorum, Trumplinorum, Tungrorum, Tyriorum, Ubiorum, Usiporum, Vangionum, Varcianorum, Vardullorum, Vasconum, Veniaesum, Vindelicorum. Einzelne der betreffenden Cohorten sind nach zwei verschiedenen Stämmen benannt, hatten also anfänglich Leute aus zwei verschiedenen Völkern umfasst. Es sind dies die cohortes Asturum et Callaecorum, Aquitanorum Biturigum, Callaecorum Lucensium, Carietum et Veniaesum, Ligurum et Corsorum, Ligurum et Hispanorum, [Maurorum et Afrorum], Pannoniorum et Delmatarum, Raetorum et Vindelicorum, Sardorum et Corsorum, Sequanorum et Rauracorum. Wie ein Blick auf diese Reihe zeigt, handelt es sich dabei regelmässig um zwei nahe verwandte oder benachbarte Stämme.

Die im allgemeinen überwiegende Form ist bei den Stammesnamen die, dass der Name des betreffenden Stammes im Genitiv Pluralis gesetzt wird, doch findet er sich auch nicht selten als Adjectivform im Nominativ. So steht Alpina neben Alpinorum, Apamena, Hispana, Lucensis, Sugambra, Voluntaria u. a. neben Apamenorum, Hispanorum, Lucensium, Sugambrorum, Voluntariorum. Da diese verschiedenen Formen oft bei ein und derselben Cohorte gebraucht werden, bezeichnen sie nicht etwa jedesmal verschiedene Abteilungen, sondern sind, wie dies auch bei den alae (s. d.) vorkommt, nur eine bequemere, wohl vulgäre Umgestaltung der officiellen Namensform. Nicht anders ist es, wenn z. B. Arrian in der Ektaxis von einer cohors Italica bald als von der σπεῖρα Ἰταλική, bald als von οἱ Ἰταλοί spricht.

Unter dieser ersten Namensclasse sind auch die ursprünglich aus römischen Bürgern formierten cohortes Civium Romanorum, Ingenuorum, Italicae und die cohortes Voluntariorum einzureihen.

2. Nicht zu verwechseln mit den unter 1. besprochenen Stammesnamen sind einige nur als Zusatz zu einem anderen Hauptnamen tretende geographische Beinamen wie Dacica, Germanica, Macedonica, Malvensis, Syriaca. Diese sind jeweils von einer Provinz hergenommen, in der die betreffende Truppe lag oder früher lange gelegen hatte, und dienen meist zur Unterscheidung von einer anderen gleichnamigen Abteilung; innerhalb der Provinz, von der der Name hergeleitet ist, werden sie fast nie gebraucht. Bei mehreren Cohorten, so der Baetica, den Cypriae, Cyrenaicae und der I Macedonica ist nicht ohne weiteres zu entscheiden, welche der beiden Namensarten (ob 1. oder 2.) vorliegt.

3. Eine Benennung, die bei den Alen nicht selten ist, nämlich die nach irgend einem männlichen Eigennamen, vermutlich dem eines Officiers, der die Abteilung errichtet oder zuerst commandiert hatte, findet sich bei den Cohorten nur ganz vereinzelt, nämlich bei den coh. Apuleia, Flaviana und Lepidiana.

4. Sehr zahlreich sind Namen, die, nach dem eines Kaisers gebildet, teils als Beinamen zu dem eigentlichen Namen der Truppe treten, teils [234] als selbständige Hauptnamen geführt werden und die den gleichartigen bei den alae (s. d.) erscheinenden völlig entsprechen. Auch hier sind die älteren, vor allem Augusta und Claudia, als Auszeichnungen verliehen, während die jüngeren, Flavia, Nerviana, Ulpia, Aelia, Aurelia, Septimia, einfach die Errichtung der Abteilung durch den betreffenden Kaiser andeuten. Eine besondere Stellung nimmt der Ehrenbeiname Domitiana ein, den einige Cohorten des niedergermanischen Heeres als ausserordentliche Auszeichnung unter Domitian erhalten, aber nur bei dessen Lebzeiten geführt haben.

Ganz verschieden hiervon und nicht im mindesten individuell ist der Kaiserbeiname, den im 3. Jhdt. wie alle Truppenkörper des Reichsheeres, so auch die Cohorten nach dem jeweils regierenden Herrscher annehmen (z. B. Antoniniana, Severiana, Maximiniana, Gordiana, Philippiana, Valeriana u. a. m.) und der dann mit dem Regierungsantritt jedes neuen Kaisers wechselt.

5. Benennung nach besonderer Bewaffnung oder Ausrüstung findet sich bei den Cohorten sowohl als Haupt- wie als Beiname, jedoch nicht sehr häufig. Es sind hier anzuführen die Namen Gaesatorum, Sagittariorum, Scutata und vielleicht auch Expedita.

6. Von taktischen Verhältnissen der verschiedensten Art sind eine grosse Zahl von Cohortennamen oder Beinamen entlehnt. So heissen die Truppen nach ihrer Zusammensetzung equitatae oder peditatae, nach ihrer Stärke miliariae oder quingenariae, nach ihrem Alter veteranae, bezw. veteranorum, oder novae; nach der Entstehung geminae bezw. gemellae, falls sie durch Vereinigung zweier älterer Cohorten gebildet waren. Nach den besonderen Mannschaften, aus denen sie formiert waren, sind die cohortes Classicae, Singularium, Voluntariorum benannt. Auch Beinamen wie Praetoria und Campestris bezw. Campana oder Campanorum werden hierher gehören.

7. Eine ganze Reihe von Ehrenbeinamen, die aber immer nur als Zusatz zu dem Hauptnamen hinzutreten und die auf den Inschriften nicht selten weggelassen werden, sind einzelnen Abteilungen für hervorragende Tapferkeit oder bewiesene Treue erteilt worden. Am häufigsten findet sich der Beiname civium Romanorum (c. R.), der auf eine früher einmal erfolgte Verleihung des römischen Bürgerrechts an sämtliche Soldaten der betreffenden Cohorte hinweist, während der gleichartige civium Latinorum (c. L.) nur bei der einzigen coh. II Tungrorum begegnet, weiter pia fidelis (p. f.), der zumal bei niedergermanischen Abteilungen – von Domitian verliehen – vorkommt, ferner fida, pia constans (p. c.), victrix, velox, sowie endlich torquata der coh. I Breucorum, die sich auf Inschriften ausdrücklich als bis torquata ob virtutem appellata bezeichnet.

8. Mehrere Namen gestatten eine bestimmte Erklärung überhaupt nicht, so die der coh. Maritima, Naut., Pilatorum, Servia Iuvenalis, nova Tironum, doch handelt es sich hier um lauter Abteilungen, von denen es sehr zweifelhaft ist, ob sie überhaupt reguläre Auxiliarcohorten gewesen sind.

Stärke der Cohorten. Von den uns bekannten Cohorten ist der bei weitem grösste Teil, [235] beinahe dreiviertel aller, als cohortes quingenariae zu nominell 500 Mann formiert gewesen, welche Zahl aber factisch natürlich nicht immer genau einzuhalten war; so zählte die coh. I Augusta Lusitanorum (s. d.) im J. 156 n. Chr. 505 Leute. Der Rest sind cohortes miliariae zu nominell 1000 Mann, darunter die Mehrzahl der seit Beginn des 2. Jhdts. neu errichteten Abteilungen.

Die Zusammensetzung der Cohorten ist eine verschiedene. Die cohortes peditatae bestehen ausschliesslich aus Infanteristen, die equitatae dagegen sind combinierte Regimenter, die sowohl Fussgänger, als Reiter umfassten und somit als in sich geschlossene Detachements von beiden Waffengattungen eine besonders für selbständige kleinere Unternehmungen hervorragend brauchbare und schlagfertige Truppe darstellten. Wir können noch gegen 120 der uns bekannten Abteilungen als equitatae nachweisen, aber deren Zahl ist zweifellos noch sehr viel grösser gewesen. Nach Hygin de castr. mun. 27 zählte die cohors miliaria equitata 760 pedites und 240 Reiter, die cohors quingenaria equitata dagegen 380 pedites und 120 Reiter. Genauer sind wir über die Zusammensetzung einer solchen cohors quingenaria equitata jetzt durch die Stammrolle der oben erwähnten coh. I Augusta Lusitanorum (BGU 696, vgl. Mommsen Ephem. epigr. VII p. 456f.) unterrichtet. Diese Truppe zählte im J. 156 n. Chr. ohne die Centurionen und Decurionen 363 pedites, 114 Reiter und 19 dromedarii. Die letzteren, die wir erst aus der genannten Stammrolle als Bestandteil einer Cohorte kennen gelernt haben, können selbstverständlich nur in Abteilungen vorhanden gewesen sein, die im Orient stationiert waren.

Die Einteilung der Cohorten ist, je nachdem sie peditatae oder equitatae waren, verschieden. Die ersteren zerfallen wie die Legionscohorten in Centurien, und zwar zählte nach Hygin c. 28 die cohors miliaria peditata deren 10, die quingenaria peditata dagegen 6. Bei den cohortes equitatae sind nur die Infanteristen in Centurien eingeteilt, während die Reiter, wie die Cavallerie überhaupt, in turmae formiert waren. Hygin giebt für die cohors miliaria equitata je 10 Centurien, für die quingenaria equitata je 6 an. Als Zahl der turmae, die bei ihm ausgefallen ist, vermutet Mommsen Ephem. epigr. V p. 31 je 8, v. Domaszewski in seiner Ausgabe des Hygin p. 50 je 10 für die miliariae und je die Hälfte für die quingenariae. Allein wenigstens die coh. I Augusta Lusitanorum equitata hat, wie die Zahl der Centurionen und Decurionen in ihrer Stammrolle beweist, zwar die 6 Centurien, die Hygin angiebt, dagegen nur 3 turmae gehabt, und danach würde für die cohors quingenaria equitata eine Zahl von 3, für die miliaria equitata also eine solche von 6 turmae anzunehmen sein.

Befehlshaber einer Cohorte ist entweder ein praefectus cohortis, griechisch ἔπαρχος (seltener πραιφέκτος) σπείρας, oder ein tribunus, griechisch χιλίαρχος oder τριβοῦνος, wofür aber auf den Inschriften auch nicht selten ungenau ἔπαρχος gebraucht wird. Was den Unterschied dieser beiden Chargen anlangt, so bleibt die seinerzeit von Grotefend Bonn. Jahrb. XXXII 61f. aufgestellte Regel im wesentlichen auch heute noch zu Recht bestehen. [236] Danach werden die cohortes quingenariae von Praefecten, die miliariae von Tribunen befehligt. Die sich findenden Ausnahmen sind nicht zahlreich; vielfach beruhen sie nur auf ungenauer Anwendung von ἔπαρχος und χιλίαρχος, zuweilen ist aber auch der Fall eingetreten, dass ein Praefect einer cohors quingenaria unter Belassung in diesem Commando den Titel tribunus erhielt, vgl. z. B. den militans tribunus in praefecto dono principis CIL VII 759. Dass umgekehrt eine cohors miliaria von einem Praefecten commandiert wird, kommt ganz selten einmal vor; nur die cohortes I und II Tungrorum miliariae nehmen eine Sonderstellung ein, insofern sie stets unter Praefecten stehen. Die Stellung als praefectus cohortis ist die unterste Stufe in der ritterlichen Officierscarriere, die als tribunus cohortis dagegen entspricht als gleichwertig der nächsthöheren, nämlich dem Legionstribunat und wird nicht selten an dessen Stelle bekleidet. Etwa von der Mitte des 3. Jhdts. an ist dann insofern eine Änderung eingetreten, als die Befehlshaber aller Cohorten, auch die der quingenariae, den Rang eines tribunus bekommen haben. Zuweilen finden wir als Befehlshaber von cohortes quingenariae ältere Legionscenturionen oder Decurionen abcommandiert, die dann aber meist nur den Titel praepositus führen. Der curator pro praefecto und der subpraefectus sind wohl stellvertretende Commandanten.

Die einzelnen Centurien unterstehen je einem centurio, die turmae je einem decurio. An sonstigen Chargen (vgl. die betreffenden Artikel bei Ruggiero Dizionario epigrafico, sowie die Zusammenstellung von Vaglieri ebd. II 335f.) begegnen signifer, imaginifer, vexillarius bezw. vexillarius equitum; bucinator, cornicen, tubicen, diese letzteren drei auch zusammengefasst als aeneatores (s. coh. I Sequanorum et Rauracorum); ferner optio, tesserarius, cornicularius, beneficiarius praefecti oder tribuni, princeps (s. coh. Thracum) oder princeps equitum (s. coh. Ligurum), duplicarius, actarius, librarius, mensor, magister (? s. coh. I mil. Hemesenorum) und quaestionarius (? s. coh. I Belgarum). Schliesslich wird, wie jede ala, so auch jede Cohorte ihren Arzt gehabt haben: denn es kommen medici und medici ordinarii cohortis vor. Als singulares consulares und stratores consulares finden wir Soldaten der Cohorten zum Stab der Statthalter abcommandiert. Die Gemeinen werden, je nachdem sie Dienst zu Fuss oder zu Pferde thun, als milites (in den Diplomen auch als pedites) oder als equites cohortis bezeichnet. Dabei gilt die Stellung des eques als die bevorzugtere, und nach Tacitus hist. IV 19 haben 69 n. Chr. die revoltierenden batavischen Cohorten u. a. verlangt augeri equitum numerum. Eine Auszeichnung bedeutet natürlich für den Soldaten oder Unterofficier einer Cohorte die Versetzung in eine Legion, während umgekehrt, wie die mehrfach erwähnte Stammrolle der coh. I Augusta Lusitanorum beweist, Legionare oder Reiter einer ala strafweise in Auxiliarcohorten versetzt werden konnten.

Über Rekrutierung, Dienst, Bewaffnung der Cohorten s. Auxilia.

Litteratur. Eine Geschichte sämtlicher Auxiliarcohorten giebt es bis jetzt nicht. Die [237] Dissertation von R. Hassencamp De cohortibus Romanorum auxiliariis, Göttingen 1869, behandelt nur die Cohorten von Afrorum bis mit Lusitanorum und die sie fortsetzende gleichbetitelte Dissertation von O. Schünemann, Halle 1883, reicht nur bis zu den cohortes Tyriorum; beide Arbeiten sind zudem längst veraltet. Ein Verzeichnis der Cohortennamen geben Mommsen Ephem. epigr. V p. 164ff. und Vaglieri bei Ruggiero Dizionario epigrafico II 325ff.; für die mit den Buchstaben A – C beginnenden Cohorten sind die inschriftlichen Zeugnisse bei Ruggiero unter den betreffenden Stichworten zusammengestellt. Für die cohortes Thracum haben wir eine Specialuntersuchung von E. Keil De Thracum auxiliis, Berlin 1885. Die nachstehende Übersicht über die römischen Auxiliarcohorten bis auf Diocletian beruht auf dem epigraphischen Material, in dem Umfange wie es zu Beginn des J. 1898 vorliegt. Sie muss sich selbstverständlich darauf beschränken, die Geschichte der einzelnen Abteilungen zu geben, während für die Erklärung der Namen, zumal der von Volksstämmen hergeleiteten, auf die betreffenden Artikel zu verweisen ist.

cohors Aelia: vgl. coh. I Brittonum, I Classica, I Dacorum, Expedita, (I) Gaesatorum, [I Gallorum], I Hispanorum, I Sagittariorum, I Singularium.

cohors I Afrorum c. R. equitata wird nur ein einzigesmal, im Cursus honorum des L. Praesentius Paetus CIL IX 5841, genannt. Denkbar wäre es, dass sie identisch ist mit der

cohors Afrorum in Dacia⟨m⟩, von der ein Praefect in dem stadtrömischen Cursus honorum CIL VI 3529 erscheint.

cohors I Ulpia Afrorum equitata. Ausdrücklich bezeugt ist sie zwar nur durch den griechischen Cursus honorum aus Nicaea, Bull. d. Inst. 1848, 74, wonach sie equitata gewesen ist und in Alexandria in Garnison gelegen hat. Allein ihr Name darf jetzt wohl auch noch in einer Papyrusurkunde aus dem Faijûm BGU 241 vom J. 177 n. Chr. ergänzt werden, dem Schreiben eines προτομαφόρου (d. i. imaginiferi) σπείρης …ς Ἀφρῶν. Die von den Herausgebern gebotene Erklärung ⟨δευτέρα⟩ς ist, da eine cohors II Ulpia Afrorum überhaupt nicht bekannt ist, durchaus unbegründet. Es ist vielmehr, da ja die I Ulpia Afrorum gerade in Unterägypten bezeugt ist, ⟨πρώτη⟩ς zu lesen.

[cohors II Ulpia Afrorum]. Über diese vermeintliche Cohorte s. coh. I Ulpia Afrorum und coh. II Ulpia equitata.

cohors [III] Flavia Afrorum erschliesst Mommsen zu CIL V 6584 vgl. add. p. 1087 aus einer Inschrift von Novaria, auf der er miss. cen[t. coh.] III • Fl. Afr. liest. Allein wenigstens die Ziffer dürfte dabei nicht unbedingt sicher sein, da die beiden ersten Hasten auch zu H von COH gehören können und also auch I oder II Fl. Afr. dagestanden haben kann.

cohors Afrorum: vgl. auch coh. Maurorum et Afrorum.

cohors I Alpinorum. Hier ist die Schwierigkeit deshalb gross, weil lange Zeit hindurch zwei coh. I Alpinorum in ein und derselben Provinz, anscheinend sogar an zwei ganz nahe bei einander liegenden Orten gestanden haben; sie werden officiell durch die Beinamen peditata und equitata [238] unterschieden. Die eine von ihnen ist bereits in Diplom II unter dem J. 60 in Illyricum, d. h. in Pannonien, aufgeführt. Dann kehren in einer Reihe von pannonischen Diplomen regelmässig beide Cohorten nebeneinander wieder, so in Diplom XIII (80 n. Chr.), XVI (84 n. Chr.), XVII (85 n. Chr.) in der noch ungeteilten Provinz, und in Diplom XXXIX (114 n. Chr.) in Pannonia inferior. Auch das unvollständig erhaltene Diplom LVIII (zwischen 138 und 146) hatte neben der Z. 2 genannten coh. I Alpinorum vielleicht noch den Namen der anderen geboten. Erst in der späteren Zeit lassen sich dann die beiden Cohorten scheiden:

a) cohors I Alpinorum peditata steht mit diesem Zusatz in den Diplomen LXXIV vom J. 167 und XC (zwischen 216 und 247?), beidemal wieder in Pannonia inferior, verzeichnet. Dazu stimmt die unterpannonische Inschrift III 3318 aus Bölcske bei Lussonium, die im J. 163 von der coh. I Alpinor. ped. zu Ehren des Kaisers Marcus errichtet ist.

b) cohors I Alpinorum equitata erscheint mit diesem Beinamen in Diplomen zwar nur in dem einem ihrer Reiter, einem geborenen Eravisker, erteilten LXVIII (zwischen 145 bezw. 154 und 160) von Pannonia inferior, ist dafür aber durch eine grössere Anzahl von Inschriften aus der Provinz bezeugt. Noch dem ersten Jahrhundert gehört der bekannte Stein des T. Calidius CIL III 11213 an, der zuerst als eques und decurio in einer coh. I Alpin. (also der equitata) gedient hatte. Im 2. Jhdt. muss die Donaufestung Lussonium Standlager der Truppe gewesen sein, wo zwei Inschriften sie ausdrücklich nennen, die eine CIL III 3316/17, die Weihung eines Centurionen, die andere, ebd. 3315, eine officielle Inschrift der Cohorte und ihres Praefecten aus einem Jahre duobus Augg. dd. nn. cos., also wohl 161 oder eher 202. Vielleicht ist auch die Weihung eines praef. CIL III 10297’ des Fundorts Lussonium wegen der Cohorte zuzuweisen. Sonst haben wir noch aus Stuhlweissenburg in Pannonia inferior den von einem eq. buc. der Cohorte einem optio derselben Truppe gesetzten Grabstein, CIL III 3352. Bei der Dedicationsinschrift eines [praef. co]h. I A[l]p. aus Bélye bei Mursa zu Ehren des Septimius Severus und seiner Söhne, CIL III 10269, ist dagegen nicht zu entscheiden, welche der beiden pannonischen Cohorten gemeint ist, und bei anderen gleichfalls niederpannonischen Steinen, z. B. dem späten aus Környe, CIL III 10967 = 4284, ferner ebd. 3406 und 3552 ist es überhaupt ungewiss, ob sie sich auf eine coh. Alpinorum beziehen. Dagegen möchte ich in dem dalmatischen Cursus honorum (ebd. 8762) eines Soldaten, der zuerst als eques coh. I ...lp. gedient hatte, unsere Cohorte wiedererkennen und I [A]lp., nicht wie Hirschfeld I [U]lp., ergänzen.

cohors I Alpinorum equitata (so ausdrücklich CIL III 1183 genannt) stand im östlichen Dacien und zwar im Castell von Sóvárod, wo Ziegel von ihr (CIL III 1633, 23 und Suppl. 8074, 8, vgl. Arch.-epigr. Mitt. III 116) gefunden sind und wo auf der verstümmelten Inschrift CIL III 6256 aus dem ersten Drittel des 3. Jhdts. mit der [co]hor .. [A]n[tonini]ana wohl nur sie gemeint sein kann. Andere Ziegel sind in dem benachbarten [239] Castell von Mikháza zu Tage getreten. Auf der Weihinschrift dacischer Auxilien von Veczel, CIL III 1343, erscheint die Cohorte an dritter Stelle. Sonst haben wir nur noch den Grabstein eines ihrer Veteranen aus Apulum, ebd. 1183. Dass sie mit der gleichnamigen pannonischen identisch ist, ist nicht ausgeschlossen, aber nicht gerade wahrscheinlich.

cohors I Alpinorum. Von den pannonischen Cohorten gleichen Namens muss ferner verschieden sein die coh. I Alpinorum, die in Diplom XXXII unter dem J. 103 als Teil des britannischen Heeres erscheint. Jene sind nämlich beide sowohl 85 als 114 in Pannonien nachzuweisen, und an eine zeitweilige Abcommandierung von der Donau nach Britannien, die an sich schon wenig wahrscheinlich wäre, ist gerade während der dacischen Kriege nicht zu denken. Welche coh. I Alpinorum der im Cursus honorum CIL XI 4748 genannte Praefect commandiert hat, lässt sich nicht entscheiden.

cohors I Alpinorum miliaria. Eine solche würde neben den übrigen coh. I Alpinorum, die, von Praefecten befehligt, sicher quingenariae waren, anzunehmen sein, wenn in der Inschrift CIL XIII 922 = Mém. des antiq. II p. 379 aus Aquitanien, dem Grabstein eines miles ex cohor. Alpinor. I das Zeichen vor Alpinor. als miliaria aufzulösen ist. Vgl. übrigens auch CIL III 10967 = 4284.

cohors II Alpinorum equitata (CIL III 3646. 3647) hat, soviel wir sehen können, den grössten Teil der Kaiserzeit in Pannonien gelegen. In der noch ungeteilten Provinz verzeichnen sie die Diplome II (Illyricum) und XVI für die J. 60 und 84, dann in der oberen Provinz die Diplome XLVII, LX, LXI und LXV für die J. 133, 148, 149 und 154. Die früheste Inschrift von ihr ist der Soldatengrabstein CIL III 3261 aus Cserevich in Pannonia inferior, wo sie vielleicht im 1. Jhdt. gestanden hat; da der Mann geborener Dalmater ist, könnte die Cohorte vorher ebenso wie die coh. III Alpinorum in Dalmatien stationiert gewesen sein. In Pannonia superior scheint ihre Garnison dann Cirpi am Donauknie gewesen zu sein, da wir von dort die officielle Weihung der Cohorte und ihres Praefecten CIL III 3646 und die Inschrift eines eq(ues) tub(icen) von ihr ebd. 3647 = 10589 haben. Einen Soldaten von ihr nennt ein Familiengrabstein aus Acsa bei Stuhlweissenburg, ebd. 10349 = 6454, und in derselben Gegend ist bei Eskö das einem ihrer Veteranen erteilte Diplom LXV gefunden worden. Auf dem italischen Steine CIL XIV 3903, wo ein (praef. coh.) II Alpinor. erscheint, ist es, da der Bruch gerade durch die Zahl geht, ungewiss, ob die coh. II oder III Alpinor. gemeint ist. Dass auch in dem kaiserlichen Rescript vom 1. Nov. 197 (Cod. Iust. II 50, 1), das einen centurio cohortis XII Alpinorum betrifft, die II Alpin. gemeint und diese somit für jenes Jahr in Pannonia superior bezeugt ist, hat Ritterling Arch.-epigr. Mitt. XX 34f. gezeigt.

cohors III Alpinorum (equitata vgl. CIL III 2012. 2058. 2759. 8495. 8739. 13906) hat lange Zeit zur Besatzung von Dalmatien gehört, unter der sie Diplom XXIII im J. 93 verzeichnet, wo sie aber vielleicht durch die Inschrift eines Praefecten aus Bovianum CIL IX 2564 schon für die Mitte des [240] 1. Jhdts. erwiesen wird. Die beträchtliche Zahl ihrer Inschriften aus Dalmatien verteilt sich auf nicht weniger als neun verschiedene Fundorte, so dass es schwer ist, über ihre Dislocation innerhalb der Provinz ein sicheres Urteil zu gewinnen. Die meisten stammen aus der Hauptstadt Salonae, wo ausser dem erwähnten für einen Soldaten der Cohorte, einen geborenen Daverser, ausgestellten Diplom Grabsteine eines dec. equit. CIL III 8739 (hier als III Alpina bezeichnet), eines vexil. equi. ebd. 2012, eines eques ebd. 2058, eines eq. ex sing. ebd. 13906 (= 8725 + 8755), eines mil. Arch.-epigr. Mitt. XVI 148 und eines Veteranen, CIL III 2003, gefunden sind und wo die Truppe demnach gewiss zeitweilig gelegen hat. Vereinzelte Funde sind gemacht im Norden der Provinz zu Andetrium (Grabstein eines centurio CIL III 2746), Verlicca (Grabstein eines mil. coh. II[I] Alpinor. ebd. 2748), im nahen Kadina (Weihung eines dec. eq. ebd. 2759) und zu Burnum (Grabstein eines Soldaten ebd. 9907 = 14321⁵ von Hirschfeld mit Sicherheit auf die Truppe bezogen). Aus dem Süden haben wir zwei frühe Grabsteine, den eines tubicen aus Kutac, ebd. 6366 = 8491, und den eines eques, ebd. 8495 vgl. p. 2322, aus dem nahen Humac; die Cohorte wird also im 1. Jhdt. wohl in jener Gegend gelegen haben. Auch der Stein von Narona ebd. 1810, auf dem ein cohortis III genannt wird, bezieht sich, wie Mommsen erkannt hat, auf die coh. III Alp.; bei 9886 aus Scardona scheint mir dies dagegen sehr unsicher. Einen praef. nennt in üblicher Weise das Diplom XXIII. In späterer Zeit muss die Cohorte von Dalmatien nach Pannonien verlegt worden sein, wo sie die Not. dign. Occ. XXXII 57 zu Siscia verzeichnet und wo mehrere Inschriften von ihr gefunden sind. Da sie aber in all den pannonischen Diplomen des 2. Jhdts. noch fehlt und auch der eine dalmatische Stein CIL III 2748 frühestens erst Ende dieses Jhdts. gesetzt ist, kann die Verlegung erst im 3. Jhdt. erfolgt sein. Die ursprüngliche pannonische Garnison der Cohorte lässt sich mit Sicherheit nicht feststellen; Ziegel von ihr sind nämlich nicht nur an mehreren Orten von Pannonia inferior (Ban und Bellye ebd. 3759), sondern auch in der oberen Provinz in der Gegend von Arrabona (zu Baratföld und Assonyfa ebd. 4665) zu Tage getreten, und ebenso haben wir je eine Inschrift von ihr aus Niederpannonien (Baracska: Grabstein eines m. cho. t[ert.] Alpinoru ebd. 10371) und aus Oberpannonien (ebd. 4374), auf der des Fundorts Arrabona wegen in der coh…] Alp. equ. wohl die III erblickt werden muss. Bezüglich des Steines aus der Nähe von Tibur CIL XIV 3903 s. coh. II Alp.

cohors III Alpinorum. Neben der vorigen führt die Not. dign. Or. XXXVII 35 noch eine andere coh. III Alpinorum unter der Besatzung von Arabien apud Arnona auf, die also von jener verschieden war und vermutlich stets im Orient gelegen hatte.

cohors III Alpinorum Dardanorum ist gleichfalls nur aus der Notitia dignitatum bekannt, die sie Occ. XXXII 53 in Pannonia secunda verzeichnet, aber nach ihrem Namen zu schliessen eine alte Truppe. Von den beiden anderen in der Notitia dignitatum genannten cohortes III Alpinorum ist sie sicher verschieden. [241]

cohortes Alpinae oder Alpinorum werden mehrfach ohne Ziffer genannt. Ein cent. coh. Alpinae erscheint z. B. auf der frühen Inschrift CIL V 4951; da diese aber aus dem ursprünglichen Recrutierungsbezirk der cohortes Alpinorum stammt, lässt sich nicht bestimmen, welcher von ihnen der betreffende Mann angehört hatte. Dagegen wird der Stein CIL XII 15 aus Vintium in den Seealpen eines mil. chor. (.. Al)pinorum wegen der Worte qui [occidi- (so ich), militavi- (Hirschfeld) t in Pannunia auf eine der pannonischen coh. Alpinorum zu beziehen sein. Bezüglich des Valerianus centurio cohortis XII Alpinorum aus dem J. 197, der sich Cod. Iust. II 50, 1 findet, hat Ritterling Arch.-epigr. Mitt. XX 34f. nachgewiesen, dass die pannonische coh. II Alpinorum gemeint ist.

cohors Amiorum: vgl. coh. Hamiorum.

cohors I Antiochensium ist erst durch das neue Diplom aus Bulgarien (vgl. Bormann Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.) bekannt geworden, das sie im J. 93 unter den Auxilien von Moesia superior aufführt.

[cohors Antoniniana (?) vgl. coh. Treverorum].

cohors I Apamenorum sagittariorum equitata. Alle sicheren Spuren der Cohorte weisen nach Ägypten. Zunächst finden wir sie mehrfach in ägyptischen Papyrusurkunden erwähnt, so BGU 462, dem Schreiben eines ihrer Soldaten an einen Epistrategen, dann Brit. Mus. Greek Papyr. CLXXVIII, einer Quittung an denselben Soldaten vom J. 145, und BGU 423, einem Brief des 2. Jhdts., dessen Adresse lautet ἀπόδος εἰς χώρτην πρίμαν Ἀπαμηνῶν. Der Garnisonort scheint also, wie es auch sonst im Reiche öfters vorkommt, den Namen von der dort liegenden Truppe erhalten zu haben. Noch in der Not. dign. Or. XXXI 60 erscheint die coh. I Apamenorum in Ägypten mit der Garnisonangabe Silili. Von Ägypten aus wird auch ihr Praefect M. Valerius Lollianus sein aus Reitern verschiedener orientalischer alae und cohortes equitatae zusammengesetztes Cavalleriecorps (s. CIL III 600) in Traians Partherkrieg geführt haben. Die coh. I Apamena im Cursus honorum CIL XIV 171 ist trotz der verschiedenen Form des Namens von der ägyptischen coh. I Apamenorum gewiss nicht verschieden.

cohors Apuleia c. R. Die Not. dign. Or. XXXVIII 34 nennt als Besatzung von Hyssiportus (unweit von Trapezunt) in Armenia, d. h. in der alten Provinz Cappadocien eine cohors Apule[i]a [codd. Apuleta] civium Romanorum, die sich schon durch ihren Namen als eine alte Truppe kennzeichnet. Eine gewisse Bestätigung hierfür lässt sich aus Arrians Ektaxis gewinnen, wo § 7 und 14 unter Arrians Truppen im Alanenkriege eine Hoplitenabteilung (also reguläre Auxiliarinfanterie) von Ἀπλανοι πεζοί unter einem römischen Officier Ἐσκουλῖνος ὅσπερ τῶν Ἀπλανῶν ἡγεῖται erscheint. Der verderbte Name, für den Grotefend Philol. XXVI 26 Λεπιδιανοί (s. coh. I Lepidiana c. R.) lesen wollte, ist bereits von Seeck und von Mommsen Ephem. epigr. V p. 248 richtig mit der coh. Apuleia in Verbindung gebracht worden, und es wird bei Arrian unbedenklich Ἀπ⟨ου⟩λ⟨ηι⟩ανοί corrigiert werden dürfen.

cohors I Aquitanorum veterana (equitata [242] Diplom XXI vgl. CIL X 5831) ist in nicht weniger als fünf Diplomen (XI, XIV [hier ohne den Beinamen], XXI, XL, L) teils von Germania, teils von Germania superior für die J. 74, 82, 90, 116, 134 bezeugt. Von diesen ist XIV einem pedes, XXI einem eques der Cohorte verliehen, und da letzterer ein geborener Thraker ist, Diplom XIV aber bei Nikopolis ad Istrum in Moesien gefunden wurde, schliesst Ritterling Korr. d. Westd. Ztschr. XVI 236 wohl richtig, dass die Truppe, bevor sie nach Germanien kam, in Moesien gelegen hatte. Ob die Heimat Ancyra des in XIV genannten Soldaten nicht noch weitere Folgerungen gestattet und etwa eine Teilnahme der Cohorte an den Partherkriegen unter Nero nahe legt, verdient wenigstens in Erwägung gezogen zu werden. Über die germanischen Garnisonen der Truppe ist es schwer ein Urteil zu fällen, da in der Provinz nur Ziegel von ihr, diese aber an einer ganzen Reihe von Orten gefunden worden sind. Allerdings liegen letztere fast alle in nur geringer Entfernung von einander, in dem nach Norden vorspringenden Winkel des Limes, nördlich von Frankfurt. Die Fundorte sind die Castelle von Arnsburg (CIRh 1422 b), Alteburg bei Arnsburg (Bonn. Jahrb. 95, 201. Limesbl. 9, 269), Friedberg (Limesbl. 12, 357. CIRh 1417 d), Kleestadt (nach Mitteilung von Zangemeister), und auch die Ziegel aus dem nahe gelegenen Butzbach mit QV†A sind mit Recht auf die coh. I Aquitanorum bezogen worden. Die coh. I Aquitanor. equit., von der ein Praefect im Cursus honorum aus Ferentinum, CIL X 5831, begegnet, ist wohl die obige; zwei andere Praefecten nennen die Diplome XIV und XXI.

cohors I Aquitanorum. Schon die Thatsache, dass die eben besprochene coh. I Aquitanorum den Beinamen veterana trägt, nötigt zu der Annahme, dass neben ihr noch eine andere, jüngere coh. I Aquitanorum bestanden hat, und zwar, da jener Beiname bereits 74 n. Chr. in Diplom XI erscheint, zum mindesten seit dem genannten Jahre. Wir werden diese dann wohl in einer Cohorte des Namens zu erkennen haben, die gerade im 2. Jhdt. mehrfach in Britannien bezeugt ist. Diplom XLIII nennt sie dort im J. 124, und zwei Inschriften von ihr sind, die eine CIL VII 176, eine Weihung eines Praefecten an Mars, zu Haddon, südöstlich von Manchester, die andere ebd. 620 a, das Fragment anscheinend einer Bauinschrift der Cohorte, zu Procolitia am Hadrianswall gefunden worden. Endlich muss die Cohorte noch gemeint sein auf einem meines Wissens unpublicierten Steine aus Viminacium, von dem ich durch die Freundlichkeit des Herrn Weiffert in Belgrad eine Photographie besitze. Es ist der Grabstein eines ehemaligen Veteranen der legio VII Claudia, der, nachdem er bereits decurio von Viminacium gewesen war, als praef. coh. I Aquet. in das Heer zurücktrat. Da er nämlich, wie die Inschrift ausdrücklich sagt, in Britt(annia) den Tod gefunden hat, kann er nur die britannische, nicht die germanische Cohorte des Namens befehligt haben.

cohors I Aquitanica nennt die stadtrömische Inschrift CIL VI 2131 vom J. 240, die zu Ehren einer Vestalin als Dank pro conlatis in se beneficiis equestr. ord. item secundae militiae Aemilius Pardalas trib. coh. I Aquitanicae petito [243] eius ornatus errichtet hat. Zwar könnte man in dem Commando durch einen Tribunen ein frühes Beispiel von der Verleihung des Tribunentitels an alle Cohortenpraefecten erkennen und in der Cohorte dann eine der beiden obigen coh. I Aquitanorum erblicken wollen, allein die ausdrückliche Bezeichnung der Charge als secunda militia, die in dem Legionstribunat oder dem Tribunat einer cohors miliaria besteht, legt doch wohl die Erwägung nahe, ob hier nicht eine weitere, von den beiden anderen verschiedene cohors I Aquitanica miliaria gemeint sein könnte.

cohors II Aquitanorum (equitata, s. Diplom LXXIII; der Beiname p. f., den Zangemeister nach Diplom XL für sie annimmt, bezieht sich dort vielmehr auf die coh. II Hispanorum). Die Truppe hat zunächst in Germania superior gestanden, wo sie in den Diplomen XIV unter 82 n. Chr. und XXI unter 90 n. Chr. erscheint. Aus dieser germanischen Zeit haben wir Ziegel: von ihr aus den benachbarten Castellen Alteburg (Limesbl. 9, 269) und Arnsburg (unpubliciert, nach Mitteilung von Zangemeister), also von zwei Orten, an denen auch Ziegel der coh. I Aquitanorum vorkommen. Zwischen 90 und 166 ist die Cohorte dann nach Raetien verlegt worden, wo sie für letzteres Jahr Diplom LXXIII nennt. Dass sie zeitweilig in Regensburg stationiert gewesen ist, möchte man aus den dortigen Ziegeln von ihr CIL III 6537 und wegen der dort erfolgten Auffindung des einem ihrer Reiter gehörenden Diploms LXXIII schliessen.

cohors III Aquitanorum equitata (vgl. CIRh 1728. ORL 40, 37. 3. Limesbl. 3, 68) c. R. gehört zusammen mit den übrigen aquitanischen Cohorten zum obergermanischen Heere. Die Diplome der Provinz verzeichnen sie in den J. 74 (XI), 82 (XIV), 90 (XXI), 134 (L), und auch in Diplom XL von 116 darf ihr Name mit Bestimmtheit ergänzt werden, s. Mommsen CIL III Suppl. p. 1976. Als Standlager der Truppe erweisen wenigstens für das 3. Jhdt. die Funde das Castell von Osterburken in Baden. Dort hat sie, wie die beiden Votivaltäre ORL 40, 37, 2 u. 1 zeigen, sowohl unter Septimius Severus wie auch noch unter Philippus gestanden, und dort wird sie ausserdem durch die Weihinschrift eines [vex. e]qui[tum ebd. 37, 3 bezeugt. Auch die Osterburkener Weihinschrift ohne den Namen der Truppe, die ein decurio dem Genius seiner Turma errichtet, ebd. 4, hat Schumacher mit Recht auf die ja als equitata bekannte coh. III Aquitanorum bezogen, und vielleicht gehören dieser dann auch die drei Bronzetäfelchen (ebd. p. 31, 1 u. 3. 32, 4) aus demselben Castell an, die einen cornice[n] und zwei Centurien nennen. Aus dem westlich von Osterburken in der zweiten Castelllinie gelegenen Neckarburken besitzen wir zwei Inschriften mit dem gleichen Wortlaut coh. III Aquit. eq. c. R., CIRh 1728 und Limesbl. 3, 68, aus denen auf Anwesenheit der Truppe daselbst zu schliessen ist. Sonst sind nur noch zu Stockstadt am Main Ziegel der Cohorte zu Tage getreten, CIRh 1761 b, vgl. Conrady Westd. Ztschr. V 352, die des Beinamens Ant(oniniana) wegen in die Regierung des Caracalla oder Elagabal gehören; dagegen sind die früher angenommenen Ziegel aus Rückingen, CIRh 1436 b, irrtümlich auf sie bezogen worden, [244] vgl. Suchier Westd. Ztschr. III 175. Der coh. III Aquitanorum möchte ich schliesslich eine Inschrift aus Zellhausen bei Seligenstadt (CIRh 1408 = Korr. d. Westd. Ztschr. XVI 172f.) vom J. 219 zuweisen, die Weihung eines praef. coh… Aquit. castris E … id.; wenigstens ist in dem nahen Stockstadt eben die III Aquitanorum bezeugt, während von den übrigen aquitanischen Cohorten keine in jener Gegend vorkommt.

cohors IIII Aquitanorum equitata c. R. Auch sie hat in Germania superior gelegen, wo wir sie durch die Diplome XI, XIV, XXI, XL, L in den J. 74, 82, 90, 116, 134 nachweisen können. Die Mehrzahl der inschriftlichen Funde von ihr stammt aus dem Castell Obernburg am Main. Dorther besitzen wir die von einem Arzt der Cohorte zu Ehren des Praefecten L. Petronius Florentinus gesetzte Weihinschrift CIRh 1747, ferner eine Weihinschrift eben dieses Praefecten selbst, ebd. 1748, sowie Ziegel mit …] A Q, die Zangemeister des Fundorts wegen mit vollem Recht auf die Cohorte bezieht. Auch die CIRh 1750 veröffentlichten Obernburger Ziegel mit COH IIII VO gehören nicht, wie bisher angenommen wurde, der coh. IIII Vo[luntariorum] an, sondern sind, wie J. Göhler treffend bemerkt, rückwärts zu lesen als = coh. IIII Aq.; andere Ziegel aus Friedberg s. Korr. d. Westd. Zeitschr. II 5. Aus Mainz endlich stammt die Weihung eines Angehörigen der Cohorte vom J. 210, CIRh 1284. Da durch diese die Anwesenheit der Truppe am Rhein noch für den Anfang des 3. Jhdts. gesichert ist, kann die zu Latobici in Pannonien 204 n. Chr. zu Ehren eines p[raef] coh. IIII Aqu. gesetzte Inschrift CIL III 3913 zu Schlüssen für den Standort der Cohorte nicht verwendet werden. Dasselbe gilt von der frühen Inschrift aus Aquitanien CIL XIII 17 = Bull. des antiq. 1884 p. 151, die auf Grund des Testamentes eines Centurionen chort. Aquit. quart. offenbar in seinem Heimatsort errichtet worden war.

cohors Aquitanorum. Ausser den obigen bezifferten Cohorten nennen eine Anzahl Inschriften cohortes Aquitanorum ohne Nummer. Unter diesen heben sich zwei Soldatengrabsteine aus Dalmatien hervor, der eine aus Salonae, CIL III 2053, der andere ebd. 9760 aus Aequum, die, beide der früheren Kaiserzeit angehörend, erkennen lassen, dass die betreffende Cohorte einmal in der Provinz Dalmatien gelegen hat. Die germanische Heimat des einen der beiden Soldaten legt die Vermutung nahe, dass die Truppe vorher in Germanien gewesen war. Es könnte also eine der vier in Germanien stehenden aquitanischen Cohorten gemeint sein, die dann zeitweilig nach Dalmatien verlegt gewesen wäre. Ferner hat im 1. Jhdt. eine cohors Aquitanorum auf der Insel Sardinien gestanden, wo zu Carales ein Soldatengrabstein von ihr, CIL X 7596, gefunden ist. Auch hier kann eine der später am Rhein nachweisbaren aquitanischen Abteilungen gemeint sein. Dagegen lässt sich über den in einem kleinasiatischen Cursus honorum (Wolfe-Sterret nr. 440) erwähnten Praefecten nichts Näheres vermuten. Über den praef. coh. Aquit. CIRh 1408 s. coh. III Aquitanorum. Allgemeines über die cohortes Aquitanorum giebt Ritterling Korr. d. Westd. Ztschr. XVI 236f. [245]

cohors Aquitanorum, vgl. auch coh. I Biturigum.

cohors I Ascalonitanorum felix (equitata) erscheint in der Inschrift aus Byllis CIL III 600 unter den Truppenabteilungen, die Reiter zu dem combinierten Cavalleriecorps des Valerius Lollianus – wahrscheinlich für Traians Partherkrieg – stellten, und wird dann wie alle diese Regimenter im Orient, etwa in Syrien, stationiert gewesen sein.

cohors I Asturum (equitata, vgl. CIRh 1231) hat lange Zeit in Germanien gestanden. Im dortigen Heere nennen sie Diplom XI für 74 und XIV für 82, dann für Germania superior XXI und L aus den J. 90 und 134; aber auch in dem unvollständig erhaltenen Diplom XL von 116 n. Chr. muss, wie Mommsen CIL III Suppl. p. 1976 bemerkt, ihr Name gestanden haben. Das älteste ihrer Denkmäler in Germanien dürfte der Grabstein zweier ihrer Leute, eines mensor und eines optio, aus Mainhardt in Württemberg sein, CIRh 1621, vgl. CIL III Suppl. p. 1617. Daraus, dass beide Soldaten geborene Dalmater sind, darf wohl der Schluss gezogen werden, dass die Truppe vorher in Dalmatien gestanden hatte und von dort nach Germanien verlegt worden war. Von Mainhardt wird die Cohorte dann an den Rhein vorgeschoben worden sein. Zeitweilig wird sie Mainz als Garnison gehabt haben, da dort der Grabstein eines Reiters CIRh 1231 gefunden ist; dieser muss, da es sich bereits um einen in Germanien geborenen Soldaten handelt, jünger sein als jener württembergische. Zahlreich sind die Ziegel der Cohorte in der Provinz; solche sind nachgewiesen zu Gernsheim (südlich von Darmstadt) Korr. d. Westd. Ztschr. V 75 (vgl. auch IV 70), zu Heddernheim Lim.-Bl. 28, 782 und Arch. Anz. 1898, 22, und vor allem in den antiken Ziegeleien von Nied-Höchst, über die ausführlich G. Wolff Archiv für Frankf. Gesch. u. Kunst III. Folge, III 212f. handelt. Über die späteren Schicksale der Truppe sei wenigstens eine Vermutung geäussert. Wir finden seit dem 3. Jhdt. in Britannien eine coh. I Asturum, die in sämtlichen Diplomen dieser Provinz noch fehlt und offenbar erst spät dorthin gekommen ist. Die Not. dign. Occ. XL 42 setzt sie zu Aesica an und die Zahl I darf keinesfalls, weil zu Aesica auch Inschriften der britannischen coh. II Asturum gefunden seien, zu II geändert werden. Vielmehr sichert der der Mitte des 3. Jhdts. angehörende Cursus honorum des Gargilius Martialis CIL VIII 9047 (vgl. Cichorius Leipziger Stud. X 319f.), in welchem ausdrücklich praef. coh. I Astyrum pr. Brittaniae steht, die überlieferte Ziffer. Da nun andererseits kein Denkmal der germanischen coh. I Asturum über das J. 134 n. Chr. hinabreicht, so ist diese wohl später nach Britannien verlegt worden. Ich würde es dabei für möglich halten, dass die Cohorte dazwischen noch eine Zeit lang dem niedergermanischen Heere angehört hatte, wenigstens würden sich dann die Ziegel aus Xanten mit CHO I ΛSTVR (Bonn. Jahrb. 87, 95. vgl. Westd. Ztschr. IV 222), die Ritterling Westd. Ztschr. XII 214 auf die coh. II Asturum beziehen will, einfach erklären.

cohors I Asturum. Von der germanisch-britannischen Cohorte dieses Namens wird notwendig [246] eine gleichnamige andere unterschieden werden müssen, die, soviel sich erkennen lässt, dauernd in Noricum gestanden hat[2]. Wenigstens sind alle Inschriften, die sie nennen, in dieser Provinz gefunden, so zu Virunum die eines Soldaten CIL III 4839 sowie der Grabstein ebd. 4842 = 11508 und bei Celeia die anscheinend dem 3. Jhdt. angehörende Grabschrift ebd. 5292 = 11708. Auch der Grabstein eines coh. Asturu(m) aus Iuvavum ebd. 5539, ist, ebenso wie der coh. I A … auf einer Inschrift aus Solva ebd. 5330, wohl auf diese coh. I Asturum zu beziehen. In ihr wird ferner noch der auf dem stadtrömischen Grabstein CIL VI 3588 genannte Soldat, da er aus Noricum selbst gebürtig ist, gedient haben. Bei welchem Anlass er nach Rom gekommen war (ob etwa in den J. 69/70?), ist nicht zu entscheiden. Auch den auf einer Familieninschrift aus Aquincum, CIL III 10507, vorkommenden Mann qui milit. in coh. I Astor. wird man eher der norischen Cohorte dieses Namens zuweisen wollen, als der germanischen. Endlich hat vielleicht die in der Not. dign. occ. XXXIV 45 als Cohortenlager verzeichnete norische Station Astura (so ist nach Eugippius vita S. Sever. I 1 und I 5 das überlieferte Austura zu verbessern) ihren Namen von der dort liegenden cohors I Asturum in ähnlicher Weise erhalten, wie dies bei den nach ihrer Besatzung benannten Stationen Commagena, Batava, Petrianae u. a. der Fall ist. In welcher der beiden coh. I Asturum der Cagnat L'ann. épigr. 1895, 36 = Arch. Triest. 1894/95 p. 189 genannte curat. pro praef. chor. I Astur. gedient hat, ist ungewiss.

cohors II Asturum stand im 1. Jhdt. in Germanien, da ein Cursus honorum der flavischen Zeit aus Tarraco CIL II 4251 einen praef. cohor. secund. Astur. in Germ. nennt und wir thatsächlich aus Brohl in dieser Provinz die Weihinschrift einer vexelatio cortes II Astur. CIRh 666 (vielleicht auch Bonn. Jahrb. 81, 115) besitzen. Noch vor dem Ausgang des 1. Jhdts. muss die Truppe dann nach Britannien verlegt worden sein, wo sie die Diplome XXXIV (die Zahl hier sicher ergänzt) für 105, XLIII für 124 und LV (ihr Name steckt hier wie ich glaube in dem II A …) vor 138 verzeichnen. Zunächst scheint sie im Süden der Provinz stationiert gewesen zu sein, da wir aus Llanio in Wales zwei Inschriften von ihr Ephem. epigr. VII 859 (= CIL VII 150) und 860 (diese richtig von Watkin auf sie bezogen) besitzen. Später ist sie dann weiter nach Norden vorgeschoben worden, denn der africanische Cursus honorum CIL VIII 2766 = 18131 bietet ausdrücklich praef. coh. II Astu. prov. Britt. infer. Ihr Standort war dort Aesica, die zehnte Station am Hadrianswall (vgl. oben coh. I Asturum), wo nicht nur Ziegel, CIL VII 1228, sondern vor allem auch eine Bauinschrift von ihr aus dem J. 225 ebd. 732 gefunden sind. In Britannien wird der CIL XIV 3955 genannte Praefect die Cohorte befehligt haben, da er unmittelbar [247] darauf censitor civium Romanorum der britannischen Colonie Camulodunum war. Dagegen lässt sich von den Praefecten der Cursus honorum CIL V 539. VI 1850 und XI 1437 nicht entscheiden, in welcher der beiden coh. II Asturum sie gedient haben.

cohors II Asturum. Neben der britannischen cohors II Asturum haben wir eine andere in Ägypten anzunehmen, wo die Not. dign. Or. XXVIII 36 zu Busiris coh. II Astarum nennt; Astarum wird hier für Asturum ebenso verschrieben sein, wie wir anderwärts dafür Astorum, Astirum und Astyrum finden.

cohors III Asturum equitata c. R. begegnet im Cursus honorum des Sex. Ticiasenus Allianus CIL XI 4371 (= Orelli 2211) aus Ameria. Man darf die Truppe wohl in der coh. III Asturum wiedererkennen, die die Not. dign. Occ. XXVI 19 zu Tabernae in Mauretania Tingitana verzeichnet. Auf letztere Abteilung möchte ich übrigens auch eine Inschrift aus Teos (Le Bas-Waddington III 104) beziehen, auf der ein ἔπαρχος σπείρης τρίτης ἐν Μαυρητανίᾳ genannt ist; wenigstens kennen wir in beiden mauretanischen Provinzen keine einzige andere Cohorte mit der Nummer III.

[cohors IIII Asturum] ist zwar nicht ausdrücklich bezeugt, muss aber allein schon wegen des Vorkommens je einer cohors V und VI Asturum mit Bestimmtheit angenommen werden. Zu erwägen wäre, ob sie nicht etwa auf dem Steine aus Andernach CIRh 678 gemeint sein könnte, der Weihung eines imaginif. coh. IIII Asturum p. f. D(omitianae) (so lautet der Text nach Zangemeister, vgl. Westd. Ztschr. XII 206; Ritterling bezieht dies zwar auf die cohors II Asturum, allein ganz abgesehen davon, dass letztere auf keinem ihrer vielen Denkmäler p. f. heisst, würde IIII dem verfügbaren Raum besser entsprechen. Auf jeden Fall hat aber die betreffende Truppe unter Domitian in Germania inferior gelegen.

cohors V Asturum muss zeitweilig gleichfalls in Germania inferior gestanden haben. Dies beweisen der Bonner Grabstein eines signifer der Cohorte CIRh 478, der etwa der Mitte des 1. Jhdts. angehört, sowie aus Grimlinghausen stammende Ziegel des Bonner Provincialmuseums mit , die Zangemeister sehr ansprechend als co(h.) V A(st.) erklärt. Sonst erscheint die Truppe nur noch in der Weihung eines Praefecten vom Grossen St. Bernhard CIL V 6874 = Mommsen Inscr. Helv. 35.

cohors VI Asturum ist einzig bezeugt durch den aus der Zeit der Flavier stammenden Cursus honorum eines Praefecten aus Asturica CIL II 2637.

cohors Asturum. Nicht zu entscheiden ist es, welche der verschiedenen cohortes Asturum der CIL XI 6337 (= Henzen 6519) erwähnte Praefect befehligt hat; die von den Herausgebern vorgeschlagene Ergänzung I ist ganz unsicher.

cohortes Asturum et Callaecorum. Ausser den einfach als cohortes Asturum bezeichneten finden sich mehrere coh. Asturum et Callaecorum, die sich ursprünglich aus diesen beiden Stämmen gemeinsam rekrutierten, bei denen aber eine klare Scheidung nicht ganz leicht ist.

cohors I Asturum et Callaecorum wird nur [248] ein einzigesmal in Diplom II genannt, wonach sie 60 n. Chr. in Illyricum, d. h. in Pannonien gestanden hat.

cohors II Asturum et Callaecorum ist in den pannonischen Diplomen XIII und XVII der noch ungeteilten Provinz unter den J. 80 und 85, dann in den Diplomen LXVIII / LXIX und LXXIV von Pannonia inferior aus der Zeit zwischen 145 (bezw. 154) und 160 sowie unter 167 verzeichnet. Wir dürfen auf sie vielleicht die Ziegel CIL III 10674 aus Batina in dieser Provinz beziehen, obwohl sie nur coh. II Ast. und [coh]ortis II Hastr. bieten.

cohors Asturum et Callaecorum. Eine solche, deren Nummer (… I Astur. et Call.) nicht mehr zu bestimmen ist, hat zu den noch wenig bekannten Auxilien der Provinz Mauretania Tingitana gehört. Ihr Standquartier scheint sie in der Gegend von Volubilis, westlich von Fês, gehabt zu haben, da sie dort unter ihrem Praefecten ein Praetorium gebaut hat, Bull. com. 1891, 136 = Cagnat L'année épigr. 1891, 115. Die weiteren Zeugnisse für den Aufenthalt der Cohorte in Mauretanien hat bereits Cagnat L’arm. Rom. d’Afr. p. 320 beigebracht und richtig erklärt. Es sind einmal das Fragment eines Cursus honorum aus Rom, CIL VI 3654, in dem ein [praef. coh.. Ast. et] Gallaec. in Maur. erscheint. Ferner ist die Cohorte zweifellos in dem nur handschriftlich überlieferten Texte eines Cursus honorum aus Tarraco, CIL II 4211, gemeint, wo die verderbten Worte cohort. Astur. Callaeciae et Mauretan. Tingit. von Hübner treffend zu cohort. Astur. et Callaec. Mauretan. Tingit. verbessert sind. Cagnat a. a. O. hält die Cohorte für die früher in Illyricum stehende coh. I Asturum et Callaecorum; wenn dies richtig ist, müsste letztere, da das Commando des erwähnten Officiers in Mauretanien in die Zeit Traians anzusetzen ist, noch zu Ende des 1. Jhdts. dorthin verlegt worden sein.

cohors Asturum et Callaecorum. Völlig unklar ist das Verhältnis, in dem eine am Rhein nachweisbare Cohorte dieses Namens zu den übrigen coh. Ast. et Call. gestanden hat. Bezeugt ist sie einzig durch den der frühen Kaiserzeit angehörenden Grabstein CIRh 1232 aus Mainz, der einem Soldaten ex cohorte Aestureru et Callaecoru gesetzt ist und aus dem sich eine zeitweilige Anwesenheit der Cohorte in Germanien ergiebt. Die Truppe kann ebensowohl mit einer der beiden pannonischen coh. I oder II Ast. et Call. identisch sein, als auch mit der mauretanischen, falls diese von jenen verschieden sein sollte. Ungewiss ist es endlich auch, welche von all diesen Abteilungen der im Cursus honorum aus Ephesus CIL III 6065 genannte Praefect befehligt hat.

cohors I Augusta wird als coh. Aug. I in dem Cursus honorum des Q. Aemilius Secundus (CIL in Suppl. 6687 = Pais CIL Suppl. Ital. 475) erwähnt, der sie als Praefect unter Augustus befehligt hatte; sie muss damals in Syrien gestanden haben, da der Officier dem Statthalter dieser Provinz P. Sulpicius Quirinius unterstellt gewesen war. Dann wird sie aber gewiss nicht verschieden sein von der σπεῖρα Αὐ(γούστη), von der ein Praefect auf der griechischen Inschrift aus Eitha in der Batanaea, Le Bas-Waddington 2112, vorkommt. Letztere [249] Truppe hat bereits Waddington a. a. O. in der σπεῖρα Σεβαστή wiedererkannt, welcher der den Apostel Paulus nach Rom geleitende Centurio Iulius Act. apost. 27, 1 angehörte, und die, da die Entsendung des Paulus von Caesarea aus erfolgte, zweifellos dort oder in der Nähe gestanden haben muss.

[cohors II Augusta] haben wir wegen des Vorkommens einer coh. III Augusta anzunehmen.

cohors III Augusta wird in der stadtrömischen Inschrift CIL VI 3508, einem Cursus honorum der frühen Kaiserzeit, genannt. Da dort kein Buchstabe weiter fehlt, hat die Cohorte wie die I Augusta nur diesen einen Namen geführt.

cohors Augusta: vgl. auch coh. II Nervia Pacensis miliaria Brittonum, II Cyrenaica, III Cyrenaica, II Dacorum p. f. miliaria, I Ituraeorum, I Praetoria Lusitanorum, I Nervia velox, I Nerv[ia], I Pannoniorum, I Thracum, II Thracum, III Thracum.

cohors Aurelia: vgl. coh. I Dardanorum.

cohors I Ausetanorum. So wird von den Herausgebern in dem Cursus honorum aus Hispalis CIL II 1181 das erhaltene praef. cohort. primae Ause … zweifellos richtig ergänzt.

cohors I Baetasiorum c. R. hat anscheinend die ganze Kaiserzeit hindurch in Britannien gestanden. Dort nennen sie wenigstens Diplom XXXII im J. 103, Diplom XLIII im J. 124 und noch die Not. dign. Occ. XXVIII 18, die als ihren Standort Regulbium am Litus Saxonicum angiebt. Zuvor muss die Cohorte aber längere Zeit in Uxellodunum gelegen haben, woher wir nicht weniger als fünf Weihinschriften von ihr besitzen, zwei, CIL VII 391 und 395, unter dem Praefecten Ulpius Titianus (frühestens 2. Jhdt.), drei, ebd. 386. 390. 394, unter dem Praefecten Attius Tutor, dessen Commando auch in seinem Cursus honorum aus Solva in Noricum, CIL III 5331, erwähnt ist.

cohors Baetica. Ausdrücklich bezeugt nur durch die Bronzetafel von Bergomum, CIL V 5127 u. add. p. 1082, die das Ehrendecret einer unbekannten Colonie für M. Sempronius Fuscus praefectus cohortis Baeticae enthält. Dieses ist beschlossen worden bei Gelegenheit der Ablösung des Officiers durch seinen Nachfolger, und der ganze Inhalt zeigt klar, dass die Cohorte als dauernde Besatzung in der betreffenden Gegend gelegen haben muss. Vielleicht ist der Name der Abteilung auch in dem Cursus honorum CIL X 1493 zu ergänzen, wo nur praef. coh. ...icae erhalten ist. Denn da nicht mehr als vier Buchstaben fehlen, ist [I oder II Class]icae ausgeschlossen, und da [Ital]icae schon wegen des praef. statt trib. unmöglich ist, verbleibt als einziger passender Name eben [Baet]icae. Dagegen darf CIL II 2552 mit der Truppe nicht in Beziehung gebracht werden.

cohortes Batavorum bildeten in der ersten Kaiserzeit eine der Kerntruppen unter den Auxilien des germanischen Heeres. Noch zu Neros Zeit aus nationaler Rekrutierung hervorgehend und von einheimischen Officieren befehligt, waren sie, wie aus Tacitus hist. IV 19 hervorgeht, als equitatae formiert. Schon in den Feldzügen des Germanicus begegnen sie uns, vgl. Tac. ann. II 8, und hist. IV 12 bezeichnet sie Tacitus ausdrücklich [250] als diu Germanicis bellis exerciti. Sie wurden später nach Britannien verlegt, wo sie sich von neuem auszeichneten (ebd. IV 12), und zwar sind sie dann wohl die octo auxiliarium cohortes, die nach Tac. ann. XIV 38 im J. 61 aus Germanien nach Britannien gesandt waren, wenigstens treten sie uns weiterhin stets als eine geschlossene Masse von gerade acht Cohorten entgegen. Als Auxilien der legio XIV Gemina wurden sie von Nero für seinen geplanten Albanerkrieg aus Britannien herangezogen, scheinen sich aber für Galba erklärt und ihre Legion an einem Eintreten für Nero verhindert zu haben, denn Tacitus hist. II 27 lässt sie sich rühmen coercitos a se quarta-decumanos, ablatam Neroni Italiam. Sie trennen sich dann von der Legion und treten den Rückmarsch nach Britannien an, schliessen sich aber noch unterwegs auf die Nachricht von Galbas Tod in der Civitas Lingonum, wo sie sich gerade befanden, dem Heere des Fabius Valens an. Schon hier beginnen Reibereien zwischen ihnen und den Legionaren des Armeecorps, Tac. hist. I 59. Als Avantgarde der Vitellianer rücken sie im Frühjahr 69 in Oberitalien ein, überschreiten als erste den Po und verbreiten überall Schrecken unter den Othonianern, ebd. II 17. Unter den cohortes Germanorum, die sich dann beim Sturme auf Placentia rühmlich hervorthun, ebd. II 22, werden wieder die Bataver zu verstehen sein. Freilich machen sie sich auch hier wieder durch ihren Übermut und ihre absichtlich herbeigeführten Streitigkeiten mit den Legionären lästig, sodass Valens den Entschluss fasst, durch Entsendung eines Teils der Cohorten nach Gallia Narbonensis Ruhe zu schaffen; dies führt jedoch zu neuem Tumult und Aufruhr, ebd. 27–29. Die Bataver nehmen dann unter Alfenus Varus an der ersten Schlacht bei Bedriacum teil, ebd. 43, und erhalten nach der Schlacht den Auftrag, ihre alte, bisher auf Othos Seite befindliche Legio XIV Gemina nach Britannien zu escortieren. Allein schon in Turin kommt es zwischen beiden zu ernstem Streit, so dass schliesslich die Bataver allein nach Germanien zurückgesendet werden, ebd. 66 und 69; sie befanden sich bereits in Mainz, als Civilis die ersten Schritte zu seiner Erhebung unternahm, ebd. IV 15. Von Vitellius nach Italien zurückbeordert, treten sie den Marsch dorthin an, werden aber unterwegs von Boten des Civilis eingeholt und für diesen gewonnen. Sie marschieren nun nach Niedergermanien, liefern bei Bonn der dortigen Legion ein siegreiches Gefecht und vereinigen sich mit Civilis, ebd. IV 19–21, von dessen Heere sie von nun an den Kern bilden. Was das spätere Schicksal der Cohorten war, wird in dem erhaltenen Teil der Historien nicht mehr berichtet, allein dass von diesen acht Cohorten, die die allerschwerste Schuld auf sich geladen hatten, Vespasian, als er die vielen am Aufstand beteiligten Truppenteile cassierte, auch nur eine geschont haben sollte, ist völlig undenkbar. Deshalb halte ich es auch für ganz ausgeschlossen, dass die später bei Schriftstellern und auf Inschriften erscheinenden cohortes Batavorum mit welchen von jenen acht identisch sind. Dies gilt zunächst von den (drei, wenn man die schon von Rhenanus gegebene, mir absolut geboten scheinende Lesung cohortes [251] ⟨tres⟩ annimmt) batavischen Cohorten, die Agricola 84 n. Chr. in Britannien in seinem Heere hatte und die sich in der Schlacht am Berge Graupius auszeichneten, Tac. Agric. 36. Es werden dies neu gebildete Abteilungen mit neuer von I an beginnender Zählung sein, während von der ursprünglichen Reihe nur die wohl immer von den anderen getrennt gewesene coh. IX Batavorum bestehen geblieben war.

cohors I Batavorum miliaria p. f. wird zuerst in Diplom XXVII von Pannonien genannt, wonach sie 98 n. Chr. in dieser Provinz gestanden hat. In keinem der übrigen pannonischen Diplome, deren wir gerade aus flavischer Zeit mehrere besitzen, kommt die Truppe vor, und es liegt daher die Vermutung nahe, dass sie erst kurz vor dem J. 98 von auswärts in die Provinz verlegt worden ist. Da nun noch im J. 83 batavische Cohorten im britannischen Heere nachweisbar waren, die dann ausser einer einzigen dort verschwinden, und eben zwischen 83 und 98 die legio II Adiutrix aus Britannien nach Pannonien verlegt worden war, wäre es denkbar, dass mit deren Auxilien auch die coh. I Batavorum an die Donau gekommen wäre (vgl. coh. II Batavorum). Keinesfalls aber hat ihr Aufenthalt dort lange gewährt, denn keines der pannonischen Diplome des 2. Jhdts. führt sie auf. Da dagegen mehrere Inschriften von ihr in Dacien zu Tage getreten sind, wird man annehmen dürfen, dass die Cohorte für den Dakerkrieg Traians aus Pannonien abberufen worden und dann in der neu eroberten Provinz als Besatzung verblieben ist. Vielleicht hat sie in der Gegend von Romlot im äussersten Nordwesten des Landes ihr Standquartier gehabt, wenigstens ist dort der Grabstein eines activen Centurionen coh. I Bat. CIL III 839 gefunden worden. Aus Potaissa stammen der Grabstein der Frau eines sig. coh. I Bat., ebd. 13 760 = Arch.-epigr. Mitt. XVII 17, und ein Fragment, ebd. 13 766 = Arch.-epigr. Mitt. XVII 20, in dem HTBΛI‘ von Cumont richtig als [co]h. I Bat. gelesen wird. Ob ein Stein aus Magyar Egregy ebd. 841 mit Mommsen auf die Cohorte bezogen werden darf, erscheint fraglich, da hier auch die ala I Batavorum (s. Bd. I S. 1234) gemeint sein könnte.

cohors I Batavorum. Von der vorigen Truppe muss verschieden sein eine anscheinend dauernd in Britannien verbliebene coh. I Batavorum, und zwar schon deshalb, weil sie von Praefecten befehligt wurde und also eine quingenaria gewesen ist. Sie erscheint zuerst in Diplom XLIII vom J. 124 in der Provinz, kann aber doch vielleicht schon an den Kriegen des Agricola teilgenommen haben und in den von Tacitus erwähnten cohortes Batavorum inbegriffen gewesen sein. Noch in der Not. dign. Occ. XL 39 finden wir die Cohorte unter dem Besatzungscorps des Hadrianswalles, und zwar mit der Garnison Procolitia, der siebenten Wallstation. Dort muss sie aber schon lange Zeit vorher ihr Standquartier gehabt haben, denn wir haben dorther eine ganze Reihe von Denkmälern der Truppe, darunter eine datierte Bauinschrift aus dem J. 237, CIL VII 621. Weihinschriften der Cohorte mit ihrem Praefecten ebd. 617 und eines Praefecten allein Eph. ep. III 185, sowie Grabsteine eines signifer Eph. ep. III 106 [252] und eines unbestimmbaren Angehörigen der Cohorte, ebd. 107. Bei anderen dortigen Steinen (z. B. Eph. ep. III 105. 187. 201) ist eine Beziehung die Cohorte zu unsicher. Sonst findet sich ihr Name nur noch auf einem bestimmt (CIL VII 777) und auf einem wahrscheinlich (Eph. ep. VII 1065) aus Magnae am Hadrianswall stammenden Steine, während sie auf dem schottischen CIL VII 1101, wie schon Hübner bemerkt, schwerlich gemeint ist.

cohors II Batavorum miliaria erscheint zusammen mit der coh. I Batavorum miliaria in dem pannonischen Diplom XXVII vom J. 98, kehrt aber wie jene in keinem der älteren und jüngeren Diplome der Provinz wieder. Sie wird also wie die I Batavorum erst kurz vor 98 und zwar vielleicht gleichfalls aus Britannien nach Pannonien gekommen und dann anlässlich Traians Dakerkrieges wieder von dort abgezogen sein. Ausser in dem Diplom wird sie nur noch einmal genannt und zwar auf dem neugefundenen Grabaltar von Adamklissi, dessen eine Columne unter der Überschrift coh. II Bat. eine Reihe von Namen gefallener Soldaten der Cohorte verzeichnet, CIL III 14214. Da die Bestimmung der Schlacht oder des Krieges, auf den sich das Denkmal bezieht, erst durch die noch im Gange befindlichen Ausgrabungen ermöglicht werden wird, muss eine Vermutung hierüber vorläufig noch zurückgehalten werden.

cohors III Batavorum miliaria (equitata ?, vgl. CIL III 3676) ist zwar zunächst durch das Diplom XXXV für 107 n. Chr. in Raetien bezeugt, kann aber schwerlich noch lange in dieser Provinz verblieben sein; in den späteren raetischen Diplomen fehlt sie nämlich, dafür taucht in Pannonia inferior eine früher dort nicht nachweisbare coh. III Batavorum auf, die – von Tribunen befehligt – genau wie die raetische eine miliaria war. Es ist also wohl einunddieselbe Truppe zu erkennen, die dann unter Traian oder Hadrian von Raetien nach Pannonia inferior verlegt worden ist. In letzterer Provinz nennt sie das zwischen 138 und 146 anzusetzende Diplom LVIII, und auch in Diplom LXIX (zwischen 145 bezw. 154 und 160) ist für die coh .. Batavorum wohl die Nummer III zu ergänzen, da eine andere batavische Cohorte im 2. Jhdt. in Pannonien nicht vorkommt. Als Garnison lässt sich mit Sicherheit Adony an der Donau, südlich von Pest, feststellen. Dort sind ausser zahlreichen Ziegeln mit coh. III B., coh. III Bata. und coh. III B. An(toniniana), CIL III 3760 und 10 671, der Grabstein eines Tribunen der Cohorte ebd. 10 329 und eine von Domaszewski richtig auf sie bezogene Soldateninschrift ebd. 10 330 gefunden worden. Auch der auf einer aus Stuhlweissenburg, westlich von Adony, stammenden Inschrift genannte [mi]l. coh. III B. vom J. 211, ebd. 3345, wird zweifellos der Cohorte angehören, während mir die Beziehung eines Fragments von der Insel Szalk, ebd. 10 322, zu unsicher erscheint. Auf unsere Cohorte möchte ich endlich die interessante, in Pannonia inferior an unbekanntem Orte gefundene metrische Grabschrift CIL III 3676 beziehen. Der Verstorbene nennt sich Pannoniis quondam notissimus oris inter mille viros fortis primusque Batavos Hadriano potui qui iudice vasta profundi aequora Danuvii cunctis transnare sub armis u. s. w. Es ist [253] längst erkannt, dass hier auf den von Dio LXIX 9 erzählten Vorgang, die Durchschwimmung der Donau durch τὸ ἱππικὸν τῶν καλουμένων Βαταούων bei Anwesenheit Hadrians, Bezug genommen wird; auch dass eine coh. miliaria Batavorum gemeint ist, hat schon Mommsen gesehen. Es kann dies dann aber meiner Ansicht nach nur die III Batavorum miliaria sein, als die einzige in jener Zeit in Pannonien nachweisbare coh. Batavorum, umsomehr als sie gerade schon in den ersten Jahren des Pius dort erscheint. Auch ihre Garnison, das an der Donau gelegene Adony, würde gut zu der Annahme passen.

[cohortes IIII. V. VI. VII. VIII Batavorum] werden einzeln nicht erwähnt; vgl. über sie oben unter cohortes Batavorum.

cohors VIIII Batavorum miliaria equitata (CIL III 11918) wird, wie ihre Nummer schliessen lässt, zu der Reihe der oben erwähnten acht cohortes Batavorum gehört haben, mit denen sie dann gleichzeitig formiert sein muss. Ihre Spuren weisen alle nach Raetien. Dort nennt sie Diplom LXXIII im J. 166, und noch die Not. dign. Occ. XXXV 24 verzeichnet trib. coh. nonae (so ist mit Mommsen das überlieferte novae zu verbessern) Batavorum Batavis. Danach war also Passau Garnison der Cohorte und verdankt dieser seinen Namen. Einen Votivaltar der coh. IX Ba[t.] eq. EXPB (nach Mommsen ex provincia Belgica?), CIL III 11918, haben wir aus Weissenburg, wohl ihrer früheren Garnison; ein Tribun erscheint in dem griechischen Cursus honorum aus Massilia, IGI 2433.

cohortes Belgarum haben wir für das J. 68 n. Chr. im Heere von Germania superior anzunehmen nach Tac. hist. IV 17, wo dem Civilis die Worte in den Mund gelegt werden: fuisse inter Verginii auxilia Belgas; diese Cohorten (oder Cohorte) waren also an dem Feldzuge gegen Vindex beteiligt. Vielleicht darf auf eine von ihnen der nur handschriftlich überlieferte, anscheinend frühe Grabstein CIRh 1101 aus Mainz, dem Hauptquartier eben des obergermanischen Heeres, bezogen werden, der einen Aprilis Sol. f. (?) cho. I Belgica natione Lig. Austr. nennt. Dagegen sind die Ziegel aus Langenhain, die Zangemeister als coh. I B(e)l. lesen möchte, wohl eher der I Bi(turigum) (s. d.) zuzuweisen. Nicht unmöglich wäre es, dass die germanische coh. Belgarum identisch gewesen ist mit der

cohors I Belgarum (equitata, s. CIL III 2744. 8762. 9739), die durch zahlreiche Inschriften in Dalmatien bezeugt ist. Freilich verteilen sich diese auf so viele verschiedene Fundorte, dass es schwer ist, sich über die Garnisonen der Truppe in der Provinz ein bestimmtes Urteil zu bilden. Dass sie zeitweilig in der Gegend von Humac (zwischen Novae und Narona) gelegen hat, beweist die Thatsache. dass sie dort 173 n. Chr. einen Libertempel neu aufgebaut hat (CIL III 8484 = 6362 = 1790). Aber auch in jenen beiden benachbarten Stationen nennen Inschriften die Cohorte, in Narona der Grabstein eines tubicen, ebd. 8437, bei Novae die Weihinschrift eines Centurionen leg. I M(in.) praepositus cho. I Belg. hoc in loco … servatus. Ferner lassen die Grabsteine eines vexill. equit. aus dem alten Militärorte Delminium, ebd. 9739, und die Weihung eines [254] anderen vexil., ebd. 2744 (der Name der Cohorte ist von Mommsen richtig hergestellt) aus Andetrium einen Aufenthalt der Truppe dort als möglich erscheinen, während das Vorkommen von Inschriften der Cohorte (Grabstein einer Soldatenfrau ebd. 2067, einer Centurionengattin ebd. 8756, bei Lebzeiten gesetztes Grabdenkmal eines decurio ebd. 8762) in der Provincialhauptstadt Salonae nicht unbedingt zu der Annahme nötigt, die Abteilung habe dort in Garnison gelegen. Sonst haben wir noch die Weihinschrift eines Centurio von der Insel Brattia, ebd. 3096, den Grabstein eines Veteranen aus Duboj im Binnenlande der Provinz, ebd. 8376 b, vgl. Arch.-epigr. Mitt. XVI 79, und endlich wird die Cohorte auf einer dalmatischen Inschrift unbekannten Fundorts, ebd. 3162 b, genannt. Auch auf den Steinen aus Mediolanum Santonum in Aquitanien, CIL XIII 1042–1045, will Hirschfeld im Cursus honorum cohort. [I Belg]arum ergänzen.

cohors I Septimia Bel[garum] oder Bel[gica] wird einzig auf einer dem 3. Jhdt. angehörenden Inschrift aus Mainz, CIRh 1030, erwähnt, die in h(on.) d(om.) d(iv.) genio chor. I Septimie Bel[g.] A(lexandrianae) oder A(ntoninianae) von einer Anzahl Leute gesetzt ist. Selbst wenn diese Cohorte nicht, wie man aus dem Namen schliessen muss, von Septimius Severus neu errichtet sein sollte, wird sie doch mit der im 1. Jhdt. in Mainz nachweisbaren coh. I Belg. (s. d.) schwerlich identisch sein.

[cohors I (Flavia?) Bessorum] kann vorläufig nur aus der folgenden Truppe erschlossen werden.

cohors II Flavia Bessorum. Dem Namen nach von einem der flavischen Kaiser errichtet. Diplom XXXIII nennt sie 105 n. Chr. in Moesia inferior, Diplom XLVI dagegen im J. 129 in Dacia inferior, wohin sie also in der Zwischenzeit verlegt worden war. Sonst wird nur noch in einem dem 2. Jhdt. angehörenden Cursus honorum aus Thyatira, CIG 3497, ein Commandeur von ihr genannt.

cohors I (Aquitanorum) Biturigum. In Diplom XI kommt unter dem J. 74 n. Chr. in Germanien eine coh. I Aquitanorum Biturigum vor. Später kehrt diese nie wieder; dafür begegnet uns aber eben in Germanien eine coh. I Biturigum, und es ist längst erkannt, dass beidemal einunddieselbe Truppe gemeint sein muss, die nur, ähnlich wie z. B. die coh. V Callaecorum Lucensium (s. d.), später den einen Namen abgeworfen hat. Als coh. I Biturigum ist sie in den Diplomen XXI und L von 90 und 134 n. Chr. für Germania superior bezeugt und auch in Diplom XL vom J. 116 mit Bestimmtheit zu ergänzen. In dem Limescastell Langenhain ist ein Bronzeplättchen der coh. I Bit. vom J. 177 (ORL 13, 8 = Limesbl. 1, 23) gefunden, und danach dürften wohl auch die dort zu Tage getretenen Ziegelstempel COH·I·BL eher mit Kofler I Bi[tur.] als mit Zangemeister I B[e]l. gelesen werden. Andere Ziegel der Cohorte stammen aus der Gegend von Rottweil in Württemberg, Limesbl. 18, 515, Bonn. Jahrb. 102, 90, vgl. Haug D. röm. Inschr. u. Bildw. Würtemb. 58; ein Praefect erscheint im Cursus honorum CIL II 4203.

cohors II Biturigum. Einzig aus einem Mainzer [255] Cursus honorum des 1. Jhdts., CIRh 1120, bekannt.

cohortes Bosporanorum. Ursprünglich wohl die Landestruppen der bosporanischen Könige, aber schon als solche römisch bewaffnet, denn Tacitus ann. XII 16 zählt unter dem J. 49 bei einem Gefecht in der Krim als Centrum der römischen Schlachtordnung auf cohortes et Bosporani ... nostris in armis. Diese Truppen sind dann wohl als reguläre Auxilien in das römische Heer aufgenommen worden, und aus ihnen werden die folgenden Cohorten hervorgegangen sein.

cohors miliaria Bosporiana wird in der Not. dign. Or. XXXVIII 29 als Besatzung von Arauraca in Armenien verzeichnet. Es darf wohl als sicher angesehen werden, dass dies dieselbe Truppe ist, die Arrian in der Ektaxis § 3 und 18 als Βοσπορανοὶ πεζοί und als οἱ πεζοὶ τοξόται οἱ τῶν ... Βοσποριανῶν unter den Auxilien seines cappadocischen Heeres aufführt.

cohors I Bosporiana ist erst ganz kürzlich durch das neu gefundene Diplom von 116 (Arch.-epigr. Mitt. XX 157) als Truppenkörper des oberpannonischen Heeres bekannt geworden und muss von der cappadocischen Cohorte notwendig verschieden sein. Ihr möchte ich die beiden Praefecten zuweisen, die als ἔπαρχος σπείρης πρώτης Βωσποριανῆς Inschr. v. Olympia nr. 447 S. 538 = Arch. Zeit. XXXVII 136 und als ἔπαρχος σπείρης Βοσποριανῆς πρώτης Bull. hell. XVII 35 in griechischen Cursus honorum vorkommen. Die in Cappadocien stehende coh. miliaria Bosporiana, auf die Ritterling beide bezieht, kann nicht in Betracht kommen, denn da beide Officiere das Commando als erstes führen und erst nachher Legionstribunen werden, müssen sie eine cohors quingenaria befehligt haben. Ich ergänze daher auch in dem neuen Diplom Bos[poriana] und nicht, wie Ritterling, Bos[poranorum].

cohors II Bosporanorum. In dem Cursus honorum aus Misenum CIL X 270* eines Ti. Claudius Ilus* wird dieser u. a. praef. coh. II Bosforanorum genannt. Die Inschrift ist zwar sicher teilweise interpoliert (vgl. Hirschfeld R. Verw. I 180), doch sind die beiden in ihr genannten Truppennamen durchaus unverdächtig.

cohors I Bracaraugustanorum. Eine solche wird zuerst auf einem Steine der frühen Kaiserzeit aus Narona CIL III 1773 erwähnt, der Weihung des Praefecten Ti. Claudius Claudianus (derselbe Mann ist, wie die Herausgeber vermuten, vielleicht auch mit dem CIL II Suppl. 5613 genannten Ti. Clau.. [.praef.] cho. Bra[car.] gemeint. Aus späterer Zeit findet sich in Dalmatien keine Spur der Cohorte mehr, und sie wird daher wohl bei der Reducierung der dortigen Armee wegverlegt worden sein. Wahrscheinlich kam sie nach Moesia inferior, wo eine coh. I Bracaraugustanorum in den Diplomen von 99 (XXXI), c. 112 (XXXVIII) und 134 (XLVIII) erscheint. Diese moesische Cohorte wird CIL XII 1358 gemeint sein in dem Cursus honorum eines Unbekannten. der pra[ef. coh… Brac]arum Augustanorum und praepositus vexillationi exercitus M… gewesen ist; wenigstens ist, soweit wir zu erkennen vermögen, M[oesia inferior] die einzige mit M beginnende Provinz, in der eine cohors Bracaraugustanorum gestanden hat. [256]

cohors I Bracaraugustanorum. Ziegel von einer Cohorte dieses Namens haben sich in dem wichtigen, den Ojtoz-Pass deckenden Castell von Berezk in Dakien gefunden, CIL III Suppl. 8074, 9. Wenn nun auch die oben besprochene moesische Cohorte etwa während Traians Dakerkriegen dort gebaut haben könnte, ist es doch schon in Anbetracht dessen, dass wegen der zwei verschiedenen coh. III Bracaraugustanorum auch zwei coh. I Bracaraugustanorum angenommen werden müssen, vielleicht richtiger, hierin eine von der moesischen verschiedene Truppe zu erkennen. Der einen dieser beiden Cohorten gehörte dann der Praefect auf dem späten Cursus honorum aus Caesarea CIL VIII 9358 an, wo der Name als coh. I Augusta Bracarum wiedergegeben wird.

cohors II Bracaraugustanorum wird nur ein einziges Mal, nämlich in dem stadtrömischen Cursus honorum des A. Atinius Paternus CIL VI 1838 erwähnt, der sie unter Traian befehligt hatte.

cohors III Bracaraugustanorum ist im 2. Jhdt. in Raetien nachweisbar, wo sie nach Diplom XXXV im J. 107 und nach Diplom LXXIII im J. 166 gelegen hat. Auch ein stadtrömischer Cursus honorum CIL VI 1822 nennt einen praef. coh. III Bracar. August. ausdrücklich mit dem Zusatz q(uae) e(st) in Raetia. Desgleichen wird der mil. cho. III Braca[r]u[m], der seinem in der kaiserlichen Leibwache der equites singulares dienenden Freunde, einem geborenen Raeter, zu Rom den Grabstein CIL VI 3228 gesetzt hat, gewiss in der raetischen coh. III Bracaraugustanorum gedient haben.

cohors III Bracaraugustanorum. Von der vorigen unbedingt verschieden ist die britannische Cohorte gleichen Namens. Dies ergiebt sich schon daraus, dass die britannischen Diplome XXXII, XLIII und LVII (die Zahl ist hier aus der Reihenfolge sicher zu ergänzen) sie gerade für die Zeit, wo jene andere in den raetischen Diplomen erscheint, im britannischen Heere aufführen, nämlich für die Jahre 103, 124, 146. Inschriften der Cohorte sind in Britannien bis jetzt noch nicht gefunden, aber ich möchte die zu Castlefield bei Manchester gefundenen Ziegel mit C III BR (CIL VII 1230) auf sie beziehen und nicht mit Hübner auf eine in Britannien gar nicht nachweisbare coh. III Brittonum. Auch die Inschrift aus Braga bei Bellino Inscrip. Rom. de Braga p. LXII, in der ein coh. Bracarum in Britannia erscheint, muss sich auf unsere coh. beziehen, da eine andere Bracarercohorte in Britannien nicht vorkommt. In mehreren Fällen, wo im Cursus honorum je ein praef. (bezw. centurio) coh. III Brac. genannt wird, ist die Entscheidung, ob die raetische oder die britannische Truppe gemeint ist, unmöglich; es sind dies CIL VI 3536. XII 672. VIII 3005 und ev. Pais 189, wo aber auch III Br[euc.] oder Br[itt.] ergänzt werden kann.

cohors III Bracaraugustanorum. Eine solche führt endlich noch das neue Diplom vom J. 139 (Cagnat l’ann. épigr. 1897, 106) unter den Truppen von Syria Palaestina auf. Es kann dies sehr wohl eine der beiden obigen, etwa die raetische Cohorte des Namens sein, die dann von Hadrian zum jüdischen Kriege zeitweilig nach dem Orient verlegt [257] und zunächst auch nach dessen Beendigung im Lande verblieben wäre. Ebenso möglich ist aber auch, dass hier eine dritte, von jenen verschiedene, dauernd im Orient stehende coh. III Bracaraugustanorum zu erkennen ist.

[cohors III Valeria Bracarum.] Über diese in der Not. dign. Or. XL 49 zu Drasdea in der Provinz Thracia verzeichnete Cohorte ist das Urteil ganz unsicher, und es lässt sich nicht einmal feststellen, ob sie überhaupt eine alte Truppe gewesen ist.

cohors IIII Bracaraugustanorum hat in Judaea gestanden, wie der Cursus honorum des C. Aufidius Maximus aus Cirta CIL VIII 7079 ausdrücklich besagt (praef. cohort. IIII Bracarum in Iudaea). Eine Bestätigung bietet das neue Diplom vom J. 139 (Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106), das sie unter den Auxilien der Provinz Syria Palaestina aufzählt.

cohors V Bracaraugustanorum. Sie findet sich genau wie die III Bracaraugustanorum in den raetischen Diplomen XXXV von 107 n. Chr. und LXXIII von 166. Sonst nennt nur noch der stadtrömische Cursus honorum CIL VI 3539 einen praef. coh. V Bracar. Augustánorum in Germania. Obgleich auch hier die Möglichkeit besteht, dass sowohl in Germanien wie in Raetien je eine coh. V Bracaraugustanorum gleichzeitig gewesen ist, ist doch – zumal bei den vielfachen Truppenverschiebungen gerade zwischen den Provinzen Raetien und Germanien – die grössere Wahrscheinlichkeit die, dass beidemal ein und dieselbe Abteilung gemeint ist, die dann erst in Germanien gestanden haben und später von dort nach Raetien verlegt worden sein wird. Denkbar wäre, dass die raetische Donaustation Quintana Not. dign. Occ. XXXV 23 ihren Namen von der coh. V Bracaraugustanorum als der einzigen mit der Ziffer V in Raetien nachweisbaren Truppe in derselben Weise bekommen hätte, wie gerade in Raetien und Noricum die Stationen Batava, Astura, Commagena u. a. nach den dort liegenden Auxiliarregimentern benannt worden sind.

cohors I Breucorum D (= quingenaria) Val(eria) Vi(ctrix) bis torquat(a) ob v(irtutem) appella(ta) (equitata [?], vgl. CIL III 5918 = 11929). Die nicht wenigen Denkmäler von ihr weisen alle nach Raetien. Dort stand sie nach Diplom XXXV im J. 107 und nach Diplom LXXIII im J. 166. Mehrere Inschriften aus dem Castell von Pfünz beweisen, dass sie zeitweilig daselbst ihr Standlager gehabt hat. Es sind dies eine Reihe von Dedicationen, an Pius CIL III 11930 und 11931 = 5918 a, an Commodus vom J. 183/84 ebd. 11933, an Caracalla vom J. 211 ebd. 11934 = 6530, event. auch 11935, endlich die undatierten Steine 5918 = 11929 und wohl auch 5918 b = 11936, wo Mommsen Korr. d. Westd. Zeitschr. VI 161 zweifellos richtig den Namen der Cohorte eingesetzt hat. Bei welchen Gelegenheiten die Truppe ihren Ehrenbeinamen Valeria Victrix, den sie mit der legio XX Val. Vict. teilt, und den zweimaligen Titel torquata (vgl. ala torquata Bd. I S. 1267) erworben hat, lässt sich nicht erweisen.

cohors I Breucorum equitata c. R., die in dem aquilejischen Cursus honorum des C. Minicius Italus CIL V 875 vorkommt (in der schlecht copierten alexandrinischen Inschrift desselben Mannes [258] Cagnat L’ann. épigr. 1893, 91 ist coh. I Brit. verlesen), muss von der raetischen coh. I Breuc. doch wohl unterschieden werden. Diese nämlich, die in den beiden besprochenen, sicher jüngeren Pfünzer Inschriften offenbar ihre sämtlichen Namen aufführt, würde den besonders ehrenvollen Beinamen civium Romanorum, gewiss nicht weggelassen haben. Die coh. I Breuc. eq. c. R. könnte dann diejenige Truppe des Namens sein, von der ein Officier aus der ersten Hälfte des 1. Jhdts. zu Tarsus begraben liegt (CIL III 13622 = Heberdey-Wilhelm Reisen in Kilikien S. 4) und die dann auch im Orient gestanden haben wird, denn an die raetische wird man hier nicht denken wollen. Bei anderen Officieren einer coh. I Breuc. (CIL II 4136. X 4619. V 6478) ist eine Entscheidung zu treffen unmöglich.

cohors II Breucorum hat zum mindesten während des 2. und 3. Jhdts. zur Besatzung von Mauretania Caesariensis gehört; unter dieser zählt sie 107 n. Chr. Diplom XXXVI auf, und als ihre Garnison erweisen die Inschriften das Castell von Hr. Suik (Tagremaret) im Südwesten der Provinz. Dort muss sie lange Zeit gelegen haben, da der Ort selbst schliesslich officiell cohors Breucorum heisst. Er war von grosser militärischer Bedeutung (vgl. Cagnat L’arm. rom. d’Afr. 649f.) als der Ausgangs- und Knotenpunkt verschiedener Strassen. Meilensteine mit a coh. Breuc. sind aus den Jahren 270 und 282/83 erhalten, s. Ephem. epigr. VII 670 und 671 (vgl. auch 672). An Inschriften der Cohorte haben wir aus dem Castell die im J. 243 gesetzte Weihung (Ephem. epigr. V 1047 = CIL VIII 21560) eines dec. praepositus coh. II Breucoru[m] Gordiane, den Grabstein eines signifer (Ephem. epigr. V 1048 = CIL VIII 21561) und endlich eine metrische Grabschrift (Ephem. epigr. V 1049 = CIL VIII 21562) anscheinend eines im Kampfe gefallenen Centurio, die des Fundorts wegen gewiss auf die coh. II Breucorum zu beziehen ist. Aus der Provinzialhauptstadt Caesarea stammt der Grabstein eines Soldaten, der translatus in praetorio (ex) coh. II Breucorum genannt wird, CIL VIII 9391. Einem Praefecten begegnen wir im Cursus honorum CIL IX 5066, einem anderen vielleicht ebd. VII 1054, wo freilich die Zahl nicht ganz sicher ist.

cohors III Breucorum ist nur durch mehrere ihrer Praefecten bekannt aus den Cursus honorum CIL X 3847. IX 4753 und III 731 = Suppl. 7395, wo Mommsen den schlecht überlieferten Text zu III Breucorum verbessert hat.

cohors IIII Breucorum wird auf mehreren Inschriften aus Britannien genannt, aus denen hervorgeht, dass sie im 3. Jhdt. dort gelegen hat. Zu Ebchester sind die Weihung eines actar. coh. IIII Br. aus der Zeit des Caracalla, CIL VII 458, und Ziegel mit .HIBR ebd. 1229 gefunden worden, die wohl nicht mit Hübner als [co]h. I Br[itt.], sondern des Fundorts wegen als coh. I] III Br[euc.] aufzulösen sind. Noch klarer ist dies bei den Ziegeln aus Slack mit coh. IIII BRE, ebd. 1231 = Ephem. epigr. VII 1127, bei denen Hübners Erklärung Bri[ttonum] völlig unverständlich ist. Endlich ist der Name der Cohorte schon von Hassencamp richtig auf einer Inschrift aus Hopton bei Manchester, CIL VII 177, hergestellt worden. [259]

cohors V Breucorum. Diplom XIII zählt sie 80 n. Chr. unter den pannonischen Besatzungstruppen auf, und dazu würden die Ziegel aus Brigetio Arch.-epigr. Mitt. III 147 stimmen, falls auf diesen thatsächlich COH V BR steht. Inschriften der Cohorte sind aber nur aus Noricum bekannt, sodass – zumal sie in all den zahlreichen pannonischen Diplomen der Folgezeit fehlt – die Annahme berechtigt erscheint, sie sei schon bald nach dem J. 80 von Pannonien nach Noricum verlegt worden. Die dortigen Inschriften von ihr sind der Stein eines Soldaten aus dem Thal Lavantina, CIL III 5086, und der Grabstein eines Veteranen aus dem Thal der Mur, ebd. 5472. Auch der Angehörige einer co[h…] Breuc., der zu Weihmörting in Noricum eine Inschrift, ebd. 5613, geweiht hat, hat wohl eben in der coh. V Breucorum gedient. Ein Praefect von dieser erscheint auf einem Steine aus Formiae, CIL X 6102.

cohors VI Breucorum muss, da sich noch je eine coh. VII und VIII Breucorum nachweisen lassen, notwendig bestanden haben. Ich möchte auf sie die Bonn. Jahrb. 87, 95 veröffentlichten Ziegel aus Xanten mit ..H VI BR beziehen. Von den beiden hier möglichen Auflösungen als [co]h. VI Br[eucorum] oder [co]h. VI Br[ittonum] scheint mir nämlich die erstere aus dem Grunde vorzuziehen zu sein, weil durch die Xantener Ziegel mit coh. Breucorum CIRh 223 p erwiesen ist, dass dort thatsächlich eine coh. Breucorum gestanden hat, deren Nummer wir nur bisher nicht kannten.

cohors VII Breucorum c. R. equitata (CIL III 10278, vgl. ebd. 215) ist nach Diplom XVII im J. 85 in Pannonien, nach Diplom LXXIV im J. 167 in Pannonia inferior gewesen. Ihren Namen werden wir aber für letztere Provinz wohl auch in Diplom LXVIII (zwischen 145 oder 154 und 160) zu ergänzen haben, wo coh. VII weder mit Mommsen zu III geändert werden, noch auf die VII Lusitanorum bezogen werden darf. Aus der in fünf auf einander folgenden Namen genau mit Diplom LXXIV übereinstimmenden Reihenfolge der Truppen ergiebt sich vielmehr, dass an dieser Stelle eben die VII Breucorum zu erwarten ist. Vom J. 201 besitzen wir eine Inschrift der Cohorte zu Ehren des Septimius Severus aus dem römischen Castell auf der Donauinsel von Mohacs, CIL III 10278, die den Schluss nahe legt, dass die Truppe damals dort in Garnison gelegen hat. Überaus zahlreich sind die Ziegel der Cohorte, die an den verschiedensten Punkten der Provinz zu Tage getreten sind und vermuten lassen, dass die coh. VII Breucorum in Pannonia inferior eine ähnliche Rolle gespielt hat, wie die coh. IIII Vindelicorum in Germania superior. Solche Ziegel – zum Teil durch die beigesetzten Kaisernamen nach den Regierungen von Caracalla bis Gordian datiert – haben wir aus Aquincum, Bellye, Ban, Batina, Baracs, Mitrovic, Esseg, Szeksö, Paks, Duna-Pentele und aus dem damals bereits zu Pannonia inferior gehörenden Brigetio CIL III 3757. 6472. 10668. Ein früherer Praefect der Cohorte begegnet auf einer Inschrift aus Worms CIRh 897, ein anderer, der unmittelbar im Anschluss an das Commando ein Detachement von Auxilien der Provinz Pannonia inferior zu irgend welchem auswärtigen Kriege [260] führt, erscheint im Cursus honorum, CIL III 1464. Ein ähnlicher Anlass mag eine zeitweilige Anwesenheit der ganzen Cohorte auf der Insel Cypern verursacht haben, die durch die Inschrift aus Knodara ebd. 215 bewiesen wird. Dass hier nicht etwa eine andere gleichnamige Truppe gemeint sein kann, zeigt schon die Übereinstimmung der Beinamen c. R. equitata. Vielleicht ist die Cohorte während des grossen jüdischen Aufstandes von 117 dorthin geschickt worden und könnte dann vorher schon mit einer der pannonischen Legionen an Traians Partherkrieg beteiligt gewesen sein.

cohors VIII Breucorum ist bis jetzt nur durch zwei rheinische Soldatengrabsteine bekannt, einen aus Birten CIRh 159 und einen aus Köln ebd. 232, die den Beweis dafür liefern, dass die Cohorte im 1. Jhdt. zu den Auxilien von Germania inferior gehört hat.

cohors Breucorum ohne Ziffer findet sich ausser auf den unter coh. VI Breucorum angeführten rheinischen Ziegeln auch in einem Cursus honorum traianischer Zeit aus Piemont CIL V 7153; eine Beziehung auf eine der verschiedenen bekannten cohortes Breucorum ist unmöglich.

cohors I Britannica miliaria c. R. (mit letzterem Beinamen nur in den Diplomen von 105 und 110, als nur in denen von 85 und 105) kehrt zunächst in den pannonischen Diplomen XIII, XVI, XVII und XCVIII aus den Jahren 80, 84, 85 und 105 wieder. Ob der ziemlich alte Grabstein eines eq. imag. coh. I Brit., eines geborenen Britanniers, aus Titel in Pannonia inferior CIL III 3256 ihr oder der pannonischen coh. I Brittonum miliaria zugehört, lässt sich nicht entscheiden. Im Januar 105 ist die Cohorte, wie das einem ihrer Soldaten erteilte Diplom XCVIII schliessen lässt, noch in Pannonien gewesen, noch in dem selben Jahre wird sie aber bei Ausbruch des zweiten dakischen Krieges nach dem Kriegsschauplatze abgegangen sein, denn den Krieg hat sie offenbar mitgemacht, da wir sie 110 n. Chr. in dem die Occupationstruppen der neuen Provinz aufzählenden Diplom XXXVII wiederfinden. In Dacien ist sie dann aber auch weiterhin verblieben und hat im Szamosthale in dem Castell von Alsó-Kosály in Garnison gelegen. Von dort besitzen wir nämlich eine officielle Weihung der ch. prima Brittanica für zwei unbekannte Kaiser CIL III 821, und auch von den übrigen dortigen Soldateninschriften ohne Angabe der Truppe mag die eine oder die andere, z. B. ebd. 830, ihr angehören; ihren Namen findet Mommsen ferner auf dem Fragment aus Alsó-Kosály ebd. 829 wieder. Dass der Soldat einer (coh.) I Britta.., dessen Grabstein, CIL III Suppl. 7634, in dem unweit von Alsó-Kosály gelegenen Vád gefunden ist, in derselben Truppe gedient hat, ist wohl nicht zu bezweifeln. Endlich wird der tribun. coh. I Britt., der als solcher Vexillationen dacischer Truppen zu einem Partherkriege führt und dessen Cursus honorum, CIL III 1193, in dem dacischen Apulum zu Tage getreten ist, wohl eben die dacische cohors I Britannica befehligt haben. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass deren Name meiner Ansicht nach auch in dem Diplom LXX (aus der Zeit zwischen 145 und 161) zu stehen scheint, wo ich die im Subscript genannte coh. I Ulp. Brittonum in der ersten Cohorte der Liste, der I Ulp... [261] wiedererkennen und das an siebenter (?) Stelle stehende I BRITT , zumal es nicht wie dort Britton. abgekürzt ist, als coh. I Britt[annica] ergänzen möchte. Über das verlesene coh. I Britann. auf einer alexandrinischen Inschrift s. coh. I Breucorum c. R.

cohors II Britann[ica] oder Britann[orum] miliaria equitata ist bis jetzt nur aus Ziegeln zu erschliessen. In Dacien sind solche mit dem Stempel und , CIL III 1633, 2 = Suppl. 8074, 11, im Castell von Romlot und in dem von Alsó Ilosva gefunden worden, die gewiss ein und derselben Truppe angehören. Wo diese vor der Eroberung Dakiens gestanden hatte, ist zunächst ungewiss. Allein wenn wir aus Germania inferior Ziegel mit (aus Vechten, im Leidener Museum, nach freundlicher Mitteilung von Zangemeister) besitzen, die meiner Ansicht nach nur als II Br(it.) m(il.) e(qu.) gelesen werden können, so liegt die Vermutung nahe, dass diese von derselben Cohorte herrühren, die dann zunächst in Germanien gestanden hätte und später, etwa mit der niedergermanischen legio I Minervia, nach Dakien gekommen wäre.

cohors Britannica ohne Nummer findet sich in dem griechischen Cursus honorum aus Attaleia CIG 4340 b (= Le Bas-Waddington 1364 = Lanckoroński I S. 158, 9) erwähnt (ἔπαρχον σπε[ίρας] Βρετταννικῆς).

cohors III Britannorum. Diese ungewöhnliche Form des Namens statt des nach Analogie der übrigen Cohorten zu erwartenden Britannica oder Brittonum ergiebt sich aus der Vergleichung der Stellen, wo der Stammesname vollständig ausgeschrieben ist: Britannorum und Brittan⟨i⟩norum in Diplom XXXV, Britann. in Diplom LXXIX, Britannorum CIL V 7717 und Brittorum Not. dign. Occ. XXXV 25. Die Cohorte hat anscheinend die ganze Kaiserzeit zum raetischen Heere gehört. Nicht nur zählen sie in diesem die Diplome XXXV im J. 107, LXXIII im J. 166 und LXXIX nach 145 (in letzteren beiden ist die Zahl mit Sicherheit zu ergänzen) auf, sondern sie heisst auch in der Inschrift CIL V 7717 ausdrücklich exercitus Raetici, und noch die Not. dign. Occ. XXXV 25 verzeichnet sie als Besatzung von Abusina in Raetien. Hier in Abusina, dem heutigen Eining, sind nun auch thatsächlich Inschriften der Cohorte zu Tage getreten, nämlich Ziegel mit cho. III Br., CIL III 11996, und die Weihung eines praef. vom J. 211, ebd. 5935; die Truppe muss also dort schon lange vorher gelegen haben. Ob auch das zu Eining gefundene Diplom LXXIX, das einem Soldaten einer [coh…] Brittonum erteilt ist, auf die dortige III Britannorum bezogen werden darf oder ob eine von der III Britannorum verschiedene, gleichfalls in Raetien liegende aber sonst unbekannte coh. Brittonum gemeint ist, bleibt ungewiss. Ziegel der Cohorte sind neuerdings auch in dem raetischen Castell Theilenhofen zu Tage getreten, vgl. Hettner Arch. Anz. 1893, 177. Ausserhalb Raetiens ist noch ein interessantes Denkmal der Cohorte gefunden, nämlich der aus Augusta Bagiennorum im westlichen Oberitalien stammende, sicher noch dem 1. Jhdt. angehörende Grabstein [262] Catavigni Ivomagi f. (also eines geborenen Kelten) milit. coh. III Britannorum ... exercitus Raetici, CIL V 7717. Die Cohorte muss sich also zeitweilig einmal in Oberitalien befunden haben. Den Zeitpunkt glaube ich wenigstens als möglich nachweisen zu können. Im Anfang 69 hatte sich das raetische Heer dem Vitellius angeschlossen (Tac. hist. I 59) und gleichzeitig mit Caecina den combinierten Angriff gegen die Helvetier unternommen (ebd. I 67 und 68). Caecina schickt dann nach Italien als Avantgarde Gallorum Lusitanorumque et Britannorum cohortes voran und folgt diesen selbst über die poeninischen Alpen, um Oberitalien zu besetzen (ebd. I 70). Damals mag auch die raetische coh. III Britannorum den Zug mitgemacht und der Soldat dabei 69 zu Augusta Bagiennorum den Tod gefunden haben. Ja, es ist nicht unmöglich, dass Tacitus mit Britannorum coh. eben sie meint. Über zwei ältere eventuell auf die Cohorte zu beziehende Grabsteine aus Oberitalien s. coh. III PR. In dem Cursus honorum Pais 189 ist bei coh. III BI ebenso gut Brit. als Breuc. oder Brac. zu ergänzen möglich.

cohors I Brittonum miliaria steht 85 n. Chr. in Diplom XVII neben der I Britannica miliaria verzeichnet und muss demnach von dieser verschieden sein. Der oben citierte Grabstein aus Titel kann sich ebensogut auf sie beziehen wie auf jene. Von den weiteren Schicksalen der Truppe lässt sich nichts sagen; es ist aber von vorn herein wahrscheinlich, dass sie mit einer der verschiedenen coh. I Brittonum miliariae identisch ist, die uns später in anderen Provinzen begegnen. Am ehesten käme da meiner Ansicht nach in Betracht die

cohors I Brittonum miliaria (equitata?), die an verschiedenen Stellen der Wallachei, also in der Provinz Dacia Malvensis, erscheint. Zunächst nennt sie eine noch unpublicierte Bauinschrift aus dem den Vulcanpass von Süden her sperrenden Castell von Bumbesti am Schyl (vgl. darüber Cichorius Reliefs d. Traianss. II S. 239f.), von der ich eine freilich wohl hier und da der Berichtigung bedürftige Copie der Freundlichkeit des Herrn Director Al. Stefulescu in Targu Jiu in Rumänien verdanke. Sie ist im J. 201 errichtet und betrifft die Neuerbauung der Castellmauern PER • I • COH • BRITTORVM EOS, was wohl zu lesen ist per coh. I Britto(n)um (miliariam) eq(uitatam). Auf dieselbe Cohorte, die also damals zu Bumbesti gestanden zu haben scheint, werden dann die Ziegel mit COH • I • BR • aus Orsova, CIL III Suppl. 8074, 10, zu beziehen sein und ebenso die bei Boroneasa am Alt gefundenen mit CORS M B, Arch.-epigr. Mitt. XIX 84, die schon von den Herausgebern richtig als co[ho]rs m[il.] B[ritt.] erklärt sind. Eine gewisse Schwierigkeit bereitet die Inschrift aus Thessalonike ebd. XVII 117, die zu Ehren eines Praeses der Provinz Dacia Malvensis gesetzt ist von seinen Söhnen Philippus und Cassianus trib. coh. I F. M[il.] Bryttonum Malvensis. Damit soll offenbar eine in Dacia Malvensis stehende coh. I mil. Brittonum näher gekennzeichnet werden, und dies würde auf die vorstehende ja trefflich passen, wenn nicht der als F[lavia] zu deutende Beiname, der auf der officiellen Inschrift aus Bumbesti keinesfalls hätte fehlen dürfen, sich damit schwer vereinigen liesse. [263] Ausser jener aber noch eine weitere von ihr verschiedene coh. I Flavia Brittonum miliaria in der Provinz anzunehmen, wird man sich nur schwer entschliessen (vgl. übrigens noch coh. I Flavia Brittonum). Ist auf dem Stein von Bumbesti EO wirklich als EQ aufzufassen, so dürfte ihr vielleicht nicht nur der mehrerwähnte Stein eines Reiters aus Titel, CIL III 3256, zuzuweisen sein, sondern auch der trib. coh. I Br. eq. im Cursus honorum aus Turin, ebd. V 6995; hier ist nämlich eher an eine coh. Br[ittonum] zu denken, wie an eine coh. Br[eucorum], die Mommsen ergänzen wollte, denn nur von Brittones, nicht aber von Breuci sind cohortes miliariae nachweisbar.

cohors I Aelia Brittonum (miliaria). Schon durch den Beinamen von den übrigen coh. I Brittonum verschieden und als Aelia wohl von Hadrian errichtet. Sie wird nur auf zwei Inschriften erwähnt, der Weihung eines s. c. vom J. 238 aus Virunum, CIL III 4812, die vermuten lässt, dass sie zur Besatzung von Noricum gehört hat, und einem Cursus honorum aus Firmum Picenum, CIL IX 5357, der einen Tribunen der Cohorte nennt; da der Officier das Commando an Stelle des Legionstribunats führt, muss die I Aelia Brittonum eine cohors miliaria gewesen sein; vgl. auch coh. I Flavia Brittonum.

cohors I Flavia Brittonum begegnet uns zunächst in Dalmatien, wo zu Salonae der anscheinend frühe Grabstein eines als Activen verstorbenen Soldaten, CIL III 2024, gefunden ist. Dass sie zeitweilig in dem Castell von Crkvenica bei Doboj gelegen hat, hat Patsch Arch.-epigr. Mitt. XVI 78 und 79 wahrscheinlich gemacht, indem er zwei dort gefundene Inschriftenfragmente, das eine I • I • FL...VM zu coh.] I Fl. [Britton]um, das andere COH ... MILIAR – freilich nicht so überzeugend – zu coh. [I Fl. Brittonum] miliar. ergänzt. Die Cohorte dürfte dann aber aus Dalmatien wegverlegt worden sein und zwar wohl nach Noricum, wo wir in der späteren Kaiserzeit gleichfalls eine coh. I Flavia Brittonum finden. Ein Officier dieser (trib. chor. I Fl. Brit.) hat 267 n. Chr. zu Virunum anlässlich eines Sieges die Weihinschrift CIL III 4811 = 11504 errichtet, und der miles chor. I Fl. BT, dessen Grabstein aus Melk ebd. 5668 publiciert ist, hat gewiss in derselben Truppe gedient. Dagegen ist es bei einem Familiengrabstein aus dem Murthal, ebd. 5455, auf dem ein mil. chor[ti]s I Brit. erscheint, nicht ohne weiteres zu entscheiden, ob darunter die I Flavia Brittonum oder die gleichfalls in Noricum stationierte I Aelia Brittonum zu verstehen ist. Ein trib. coh. I Fl. Britton. wird endlich in dem dem 3. Jhdt. angehörenden Cursus honorum aus Pisaurum, CIL XI 6337 = Henzen 6519, erwähnt. Vgl. auch coh. I Brittonum miliaria.

cohors I Ulpia Brittonum miliaria hat unter Pius zur Besatzung von Dacia superior gehört, wie das in den Jahren 145/161 anzusetzende Diplom LXX beweist, das einem ihrer Leute, einem geborenen Brittonen, erteilt ist und als damaligen Befehlshaber den L. Nonius Bassus nennt. Wenn man aus dem Namen Ulpia den Schluss ziehen darf, den die übrigen coh. Ulpiae nahe legen, so würde die Cohorte überhaupt erst von Traian formiert worden sein. [264]

cohors II Augusta Nervia Pacensis miliaria Brittonum erscheint ein einziges Mal und zwar in dem Diplom XXXIX vom J. 114 unter den Truppen von Pannonia inferior; für ihren ungewöhnlichen Namen ist eine befriedigende Erklärung noch nicht gefunden.

cohors II Flavia Brittonum equitata (CIL XI 5632) ist schon durch ihren Namen, dann aber dadurch, dass sie, von Praefecten befehligt, als quingenaria erkennbar ist, von der vorigen verschieden. Sie gehörte nach Diplom XXX im J. 99 zum Heere von Moesia inferior und ist wohl auch in der Folgezeit dauernd in dieser Provinz verblieben. Wenigstens haben wir noch aus dem J. 230 eine Inschrift aus Rustschuk (Sexanta Prista) CIL III Suppl. 7473, die den Wiederaufbau der balnea coh. II Fl. Britt. Alexandrianae betrifft und die Rustschuk als damalige Garnison der Truppe erweist. Aus dem nahen Durostorum haben wir den Grabstein eines ihrer Centurionen ebd. 7478, und auch die Inschrift unbekannten Fundorts aus Moesia inferior ebd. 7594 = 6227, die einen praeposit. [coh. … Brit]tonum nennt, wird auf sie zu beziehen sein. Endlich kennen wir einen Praefecten der Cohorte aus hadrianischer Zeit durch den Cursus honorum CIL XI 5632.

cohors II Brittonum, ohne jeden Zunamen, ist in Diplom XXXVI vom J. 107 in Mauretania Caesariensis verzeichnet. Sie kann mit der vorigen keinesfalls identificiert werden, da sonst eine Verlegung der 99 in Moesia inferior stehenden Cohorte von der Donau nach dem friedlichen Mauretanien gerade während des dakischen Krieges stattgefunden haben müsste, wo umgekehrt aus allen Gegenden Verstärkungen an die Donau gezogen wurden. Dagegen ist die Cohorte vielleicht in dem Cursus honorum CIL V 6995 des L. Alfius Restitutus gemeint, der praef. coh. II Br. eq. trib. coh. I Br. eq. heisst. Br. muss beidemal denselben Volksstamm bezeichnen, und da an der zweiten Stelle wegen des nur an eine cohors Brittonum gedacht werden kann, muss eine solche auch an der ersten Stelle gemeint sein, die Ergänzungen Breucorum (so Mommsen) oder Bracaraugustanorum sind demnach ausgeschlossen.

cohors III Brittonum Veteranorum equitata ist nur aus einer Inschrift von Ariminum CIL XI 393 bekannt, die einen ihrer Praefecten nennt. Wie aus dem Namen geschlossen werden darf, hat sich die Cohorte durch den Zusatz Veteranorum von einer gleichnamigen jüngeren Truppe unterscheiden wollen. Diese ist vielleicht die

cohors III Brit[tonum], die seit Traian in den unteren Donauländern nachweisbar ist. Zunächst sind Ziegel von ihr in den Pfeilern von Traians 103 bis 105 erbauter steinerner Donaubrücke bei Turn Severin gefunden worden. CIL III 1703, und die Cohorte würde also damals zum Heere von Moesia superior gehört haben. Nach den dakischen Kriegen wird sie in die neu eroberte Provinz Dacia vorgeschoben worden sein, aus der wir Ziegel mit COH III BRIT (im Bukarester Museum, unbekannten Fundorts, aber gewiss aus der Wallachei) und mit C III B aus dem Castell von Kleinschenk im Altthal, CIL III Suppl. 8074, 12, besitzen. Ebenso möglich ist freilich, dass diese Donaucohorte die cohors III Brittonum Veteranorum [265] ist und eine andere, unbekannte coh. III Brittonum Veranlassung zu dem Namenszusatz gewesen ist.

[cohortes IIII und V Brittonum] sind vorläufig noch nicht direct bezeugt (über eine vermeintliche coh. IIII Brittonum s. unter coh. IIII Breucorum), aber bestimmt zu erschliessen aus der Existenz der

cohors VI Brittonum. Diese ist durch die Inschriften zweier ihrer Praefecten gesichert, eine africanische, CIL VIII 5363, und eine spanische, ebd. II 2424 aus der Zeit Traians. Die Xantener Ziegel mit [co]h. VI Br. beziehen sich wohl nicht auf sie, sondern auf die coh. VI Br[eucorum] (s. d.).

cohors Brittonum. Eine solche ohne erhaltene Nummer betrifft Diplom LXXIX von Raetien (nach 145), falls dort nicht etwa die coh. III Britannorum (s. d.) gemeint ist. Ferner könnte eine coh. Brittonum auch in dem Fragment eines Cursus honorum, CIRh 1394, erwähnt gewesen sein.

coh. Caes. s. coh. I Ael. M(aur.) Sag. bezw. coh. I Aelia miliaria Sagittariorum.

cohors I Callaecorum ist bisher nur in Spanien nachgewiesen worden. Dort haben sich in dem gallaecischen Castell von San Cristobal (vgl. coh. I Celtiberorum) auch Mannschaften der coh. I Callaecorum als abcommandiert befunden und zu Ehren der Kaiser Marcus und Verus die Inschriften CIL II 2555 und 2556 errichtet. Der auf letzterer genannte Centurio Valerius Flavus kehrt auch in der dortigen Weihung ebd. 2553 vom J. 167 wieder als Befehlshaber einer vexillatio der coh. III Celtiberorum. Nach alledem gehörte die Cohorte im 2. Jhdt. zur Besatzung von Hispania Tarraconensis.

[cohortes II. III. IIII Callaecorum] sind bis jetzt inschriftlich noch nicht bezeugt. Höchstens wäre auf einem Steine aus Viseu in Lusitanien, CIL II 403, eines imaginifer chor. III ...AL die Ergänzung [C]al[laec.] neben der von Hübner gewählten [G]al[lor.] denkbar.

cohors V Callaecorum Lucensium (equitata Diplom LIX). Der Name wird verschieden wiedergegeben, die Diplome haben meist Callaecorum Lucensium, zweimal aber Lucensium et Callaecorum, die Inschriften Gallaecorum Lucensium oder einfach Lucensium. Die Cohorte ist durch mehrere Jahrhunderte hindurch in Pannonien bezeugt. Schon 60 n. Chr. nennt sie Diplom II in Illyricum, dann 84 und 85 n. Chr. die Diplome XVI und XVII in Pannonia, endlich im 2. Jhdt. nach der Teilung der Provinz mehrere Diplome in Pannonia superior, so XLVII und das neugefundene Arch.-epigr. Mitt. XX 156 für 133, LIX zwischen 138 und 146, LX für 148, LXI für 149, LXV für 154. Zwei dieser Diplome (LIX und LXI) sind für einen Reiter und einen pedes der Cohorte ausgestellt und nennen in üblicher Weise ausser diesen Veteranen noch die betreffenden Praefecten der Truppe. Der Standort der Cohorte wird Crumerum an der Grenze der beiden pannonischen Provinzen gewesen sein, woher die beiden einzigen Inschriften von ihr stammen, CIL III 3664 = 10602, eine Dedication der Truppe für Septimius Severus vom J. 198, und ebd. 3662, die Weihung ihres Praefecten für Caracalla oder Elagabal. [266]

cohors Callaecorum s. auch coh. Asturum et Callaecorum.

cohors Campana (bezw. I Camp[estris]). Eine Truppe dieses Namens ohne Ziffer wird durch zwei Steine aus Dalmatien als zeitweilig dort stationiert erwiesen, und zwar scheint die Hauptstadt Salonae selbst ihr Standort gewesen zu sein. Dort ist der Grabstein eines Soldaten Cagnat L’ann. épigr. 1897, 104 = CIL III 14246¹ gefunden, und von dort aus war wohl auch der CIL III 8693 als custos Traguri bezeichnete Soldat zum Wachdienst nach dem nahen Traú commandiert worden. Dass beidemal nicht der volle Name der Cohorte wiedergegeben ist, darf als gewiss gelten, und da Campestris bezw. Campana bis jetzt nur als Beiname einer Voluntariercohorte (s. coh. I Camp. Vol.) bekannt ist, wird wohl an eine solche zu denken sein. Mommsen wollte darin die dalmatische coh. VIII Voluntariorum wiedererkennen, allein diese führt auf all den vielen Inschriften, die wir von ihr aus der Provinz besitzen, nie diesen Beinamen. Ich möchte meinerseits den Stein eher auf eine coh. I Camp. beziehen, die eben in Dalmatien bezeugt ist durch den Grabstein eines Centurionen, CIL III 8438, aus Narona. Wenn auch der Mann, der vorher als mil. leg. XIII in einem unbekannten Kriege decoriert worden war, bei seinem im 60. Jahre erfolgten Tode nicht mehr activ gewesen sein wird, so hat doch seine Truppe wohl in der Provinz gestanden. Diese coh. I Camp. wird dann nicht verschieden sein von der genannten coh. I Campestris Voluntariorum c. R. (s. d.), die uns später in Pannonia inferior begegnet, und ist also wohl von Dalmatien nach Pannonien verlegt worden.

cohors III Campestris c. R. erscheint in Diplom XXXVII, das 110 n. Chr. für die nach Beendigung der dakischen Kriege in der neuen Provinz Dacia verbleibenden Occupationstruppen ausgestellt ist, hat also den Krieg selbst zweifellos mitgemacht. Später wird die Cohorte dann die Besatzung von Drobetae gebildet und die dortige grosse Donaubrücke gedeckt haben. Wenigstens haben wir dorther zwei Inschriften von ihr, den Grabstein der Frau eines Centurionen, CIL III 1421610 = Arch.-epigr. Mitt. XIX 217, und den eines Soldaten, CIL III 14216⁸ = Arch.-epigr. Mitt. XIX 215, der bf. trib. gewesen ist. Man hätte aus letzterer Inschrift also wohl zu schliessen, dass die Cohorte, ebenso wie dies bei der I Campestris Voluntariorum c. R. der Fall ist, eine miliaria war. Sonst ist nur noch zu Athen der Grabstein eines ihrer Soldaten, CIL III 7289, zu Tage getreten; der Mann war aus Scupi in Moesia superior gebürtig und vielleicht nur von dem moesischen Heere nach Athen abcommandiert gewesen.

cohors VII Campestris p. f. So liest Mommsen überzeugend die nur durch eine ungenügende Copie bekannte Inschrift CIL III 132 (coh. VII CAIMP) aus Hatne zwischen Damascus und Palmyra, eine Dedication der offenbar dort in Garnison liegenden Cohorte an die Kaiserin Sabinia Tranquillina. Die Truppe würde an jener Stelle schon ein volles Jahrhundert früher bezeugt sein, wenn sich auf sie – was mir nahezu sicher scheint – die in Hatne gefundene Dedication an Pius ebd. 131 vom J. 138 beziehen liesse, die ebenfalls von einer coh. VII ... errichtet ist. [267] Wenn die durch die coh. I Campestris Voluntariorum c. R. nahe gelegte Gleichsetzung der coh. Campestres mit den coh. Voluntariorum wirklich berechtigt ist, wäre es übrigens nicht unmöglich, dass auch der Officier, der in dem numidischen Cursus honorum (Mél. d’arch. XIII 1893, 509 vgl. Ephem. epigr. VII 740) [trib.] co[h. .. civi]um Ro[mano]rum Volun[ta]rior. piae [fid.] heisst und dessen weitere militärische Carrière sich ausschliesslich im Orient abgespielt zu haben scheint, in der coh. VII Campestris als der einzigen mit dem Beinamen p. f. bekannten gedient hätte.

cohors Campestris vgl. auch coh. I Voluntariorum c. R.

cohors I Flavia Canathenorum miliaria. Vollständig ausgeschrieben erscheint ihr Name nur in den den Cursus honorum des Sertius M. Plotius Faustus aufzählenden Inschriften aus Thamugadi, CIL VIII 2394. 2395. 17904. Danach kann er aber mit Sicherheit auch in dem raetischen Diplom LXXIII vom J. 166 als [I Fl. Ca]nath. ergänzt werden. Dass die Truppe wirklich in Raetien gestanden hat, bestätigen zahlreiche Ziegel mit dem Stempel COH I CAN oder C I F C (coh. I Flav. Canath.), CIL III 6001 und 11992, die an verschiedenen Orten der Provinz, zu Straubing, Regensburg, Eining, Biburg, Kösching gefunden sind. Auch die Weihung eines vete.. [coh.] I Ca[n]a. aus Straubing, ebd. 5973 = 11976, ist von Ohlenschläger richtig auf die I Canathenorum bezogen worden, während mir Mommsens gleiche Vermutung bezüglich des Steines ebd. 5911 zweifelhaft erscheint.

cohors Canninefatium. Tacitus berichtet hist. IV 19 aus dem J. 69, dass zusammen mit den batavischen auch Canninefatium cohortes auf Befehl des Vitellius den Marsch von Mainz nach Italien angetreten hatten. Durch Sendboten des Civilis eingeholt und zum Abfall verleitet, kehrten sie jedoch um und rückten nach Germania inferior, um sich dem Civilis anzuschliessen. Es müssen damals also eine, vielleicht aber auch mehrere coh. Canninefatium bestanden haben, die jedoch dann nach Niederwerfung des Bataveraufstandes als Hauptschuldige wohl zu den in erster Linie cassierten Regimentern gehört haben werden. Wenigstens fehlt in der Folgezeit jede weitere Spur von ihnen. Inschriftlich glaubte man zwar bisher eine

[cohors I Canninefatium] durch Diplom LI bezeugt als im J. 138 zur Besatzung von Pannonia superior gehörend, allein jetzt ist durch Bormann Arch.-epigr. Mitt. XX 161 nachgewiesen, dass an der betreffenden Stelle vielmehr die in jener Provinz liegende ala I Canninefatium (s. Bd. I S. 1236) gemeint ist.

[cohors I Cantabrorum] fehlt noch.

cohors II Cantabrorum wird ausser in Diplom XIX, das sie 86 n. Chr. unter den Besatzungstruppen von Judaea aufzählt, nirgends erwähnt.

cohors Carietum et Veniaesum errichtete zu Brixia die in der frühen Kaiserzeit anzusetzende Ehreninschrift CIL V 4373 für einen offenbar dorther stammenden Officier, ohne dass sich irgend etwas Näheres über die Truppe vermuten liesse.

cohors I Celtiberorum finden wir in den 105 und 146 n. Chr. ausgestellten Diplomen XXXIV [268] und LVII unter den Auxilien von Britannien, doch haben sich in dieser Provinz keine Inschriften der Cohorte erhalten. Höchstens könnte man vielleicht zweifelnd die Ziegel aus Caersws mit dem Stempel C I C T, CIL VII 1243 c, auf sie beziehen und als c(oh.) I C(el)t. lesen.

cohors I Celtiberorum (equitata CIL II 2552). Mit der vorigen schwerlich zu identificieren ist eine coh. I Celtiberorum, die uns im 2. Jhdt., ganz kurz nach der Zeit, während der die andere in Britannien nachweisbar ist, unter den Auxilien von Hispania Tarraconensis begegnet. Denn dass von dem im Laufe der Kaiserzeit immer mehr verstärkten britannischen Besatzungsheere eine Abteilung nach dem völlig pacificierten Spanien verlegt sein sollte, dessen Besatzung umgekehrt stetig vermindert wurde, erscheint ganz ausgeschlossen. Eine Inschrift dieser spanischen Cohorte, CIL II 2552, stammt aus dem Castrum San Cristobal in Gallaecia, wo ein anscheinend jährlich abwechselnd von den verschiedenen Besatzungstruppen der Provinz Hispania Tarraconensis gestelltes Commando in Garnison lag. Der Stein enthält eine Weihung vom 10. Juni 163 für die Kaiser Marcus und Verus durch eine vexillatio der leg. VII Gemina unter verschiedenen Officieren, darunter einem Lucretius Paternus dec. coh. I Cel[tiberorum] (so liest Mommsen den nur hsl. und sehr verderbt überlieferten Text). Derselbe Officier erscheint ebendort auch CIL II 2555 in einer Weihung für Marcus und Verus, und der Cohorte wird dann wohl auch der tesserar. c. I • C. auf der dortigen Inschrift ebd. 2553 zugehören. Weiter besitzen wir aus Tarraco den Grabstein eines praef. coh. I Celtiberor., CIL II 4141, womit hier in ihrer Garnisonprovinz gewiss die spanische, nicht die britannische coh. I Celtiberorum gemeint ist.

[cohors II Celtiberorum] ist bis jetzt noch nicht nachgewiesen.

cohors III Celtiberorum hat ebenso wie die I Celtiberorum im 2. Jhdt. in Hispania Tarraconensis gestanden. Auch sie kennen wir nur aus einer einzigen Inschrift von jenem Castell San Cristobal in Gallaecien, CIL II 2553, einer Weihung, die ein von ihr dorthin gestelltes Commando (vexillarior. coh. III Celtib.) am 15. October 167 für die Kaiser Marcus und Verus dargebracht hat.

cohors Celtibera. Eine coh. Celtibera, Brigantiae, nunc Iuliobriga führt die Not. dign. Occ. XLII 30 in Callaecia auf. Da aber gerade aus dieser Gegend die Inschriften der coh. I und III Celtiberorum stammen, ist damit gewiss eine dieser beiden gemeint, wenn sich auch nicht entscheiden lässt, welche von ihnen.

cohors I Chalcidenorum equitata (CIL VIII 17588 = 10658) ist durch eine Reihe von Inschriften als Besatzungstruppe der Provinz Numidien gesichert, und zwar muss sie, da diese bis auf eine sämtlich zu Bir um Ali bei Theueste gefunden sind, an jenem Platze in Garnison gelegen haben. Zwei davon sind Ehreninschriften für die Kaiser Marcus und Verus, im J. 164 von der coh. I Chalcidenorum equitata errichtet, CIL VIII 17587 und 17588 = 10658, eine dritte ebd. 17589 = 2090 ist der Grabstein der Frau eines ihrer Praefecten. Weiter hat Dessau mit vollem Recht die am gleichen Orte entdeckte metrische Weihinschrift, [269] ebd. 17586, eines praefectus cohortis auf die I Chalcidenorum bezogen. Ein aus der syrischen coh. III Thracum in die I Chalcidenorum versetzter Palmyrener erscheint auf einem Steine aus El-Kantara in Tunis Cagnat L’ann. épigr. 1896, 35, und auch der praef coh. Chalciden. in Africa, CIL VI 3538, hat wohl eben diese Cohorte befehligt. Schließlich dürfte sich wohl auch der nur hsl. überlieferte Cursus honorum aus Urgavo in Baetica, CIL II 2103 auf die africanische cohors I Chalcidenorum beziehen, wo allerdings praef. coh. I Chalcedonen. überliefert, aber wohl Chalciden. zu lesen ist.

cohors I Flavia Chalcidenorum equitata sagittariorum. Nur aus der Inschrift CIL III 129 = Suppl. 6658 bekannt, die sie im J. 162 im Castell von Admedera, östlich von Damaskus, offenbar ihrer Garnison, zu Ehren des Kaisers Verus gesetzt hat. Von der africanischen coh. I Chalcidenorum ist notwendig verschieden, da diese um dieselbe Zeit (164 n. Chr.) in ihrer Provinz bezeugt ist und eine Verlegung einer Truppe von Syrien nach Africa gerade während des Partherkrieges völlig ausgeschlossen ist.

cohors II Chalcidenorum hat nach den Diplomen XXX und XLVIII in den Jahren 99 und 134 in Moesia inferior gestanden, ohne dass bisher dort irgend welche Inschrift von ihr zu Tage getreten wäre.

[cohors III und cohors IIII Chalcidenorum] werden zwar nirgends erwähnt, sind aber aus der Existenz der V Chalcidenorum bestimmt zu erschliessen.

cohors V Chalcidenorum (equitata) muss im Orient gelegen haben, da sie Reiter zu dem mehrfach erwähnten, aus orientalischen Abteilungen combinierten Cavalleriedetachement des Lollianus, CIL III 600, gestellt hat.

cohors I Flavia Cilicum equitata (CIL III 6025. 14147 3. 4. CIG 4713 f. Corp. Pap. Rain. XVIII) lässt sich durch eine ganze Anzahl datierter Zeugnisse beinahe ein Jahrhundert hindurch in Ägypten verfolgen. Unter den Flaviern errichtet, wie ihr Name zeigt, ist sie wohl aus dem Contingent der 74 von Vespasian eingezogenen Cilicia Trachaea hervorgegangen. Jedenfalls fällt ihre Formierung vor das J. 83, wo sie bereits in Diplom XV unter den Auxilien der Provinz Ägypten erscheint. Damals wird ihr Standort bei Hamamât gewesen sein, wo die Inschrift eines Soldaten, CIG 4716 d⁹ = Lepsius 100, 568, aus der Regierung Domitians, sowie eine weitere vielleicht auch auf die Cohorte bezügliche, Lepsius 100, 583, gefunden sind. Am 23. April 118 ist ein Centurio von ihr in die von dort nicht allzu entfernten ἔργα des Mons Claudianus commandiert, der zu ὔδρευμα Τραιανόν die Inschrift CIG 4713 f setzt, und aus dem J. 124 haben wir einen Auszug ἐκ τόμου ὑπομνηματισμῶν eines Praefecten von ihr aus dem Faijûm, Corp. Pap. Rain. nr. XVIII. All dies beweist, dass die Truppe damals noch in der nördlichen Hälfte der Provinz gelegen hat. Wenn wir ihr dann schon 140 im äussersten Süden derselben begegnen, so ist mit Mommsen (Ztschr. d. Savignystift. 1892, 284f.) anzunehmen, dass Hadrian sie um 130 nach Oberägypten verlegt hat. Dort muss sie in Syene in Garnison gestanden haben, wo sie bereits 140 n. Chr. anlässlich der Erbauung [270] einer Basilika zu Ehren des Pius die Inschrift CIL III 6025 setzt und wo noch eine zweite Ehreninschrift von ihr für denselben Kaiser etwa aus dem J. 155, Cagnat L’ann. épigr. 1896, 41 = CIL III Suppl. 14147³, gefunden ist. Gleichfalls aus Syene stammt dann noch eine Kaiserinschrift der Cohorte vom J. 162, Cagnat ebd. 42 = CIL III Suppl. 14147⁴. In allen drei Inschriften untersteht die Truppe jedesmal einem Centurio der legio II Traiana. Sonst finden wir noch in der dem J. 156 angehörenden Stammrolle der coh. I Aug. Praet. Lusitanorum einen in diese Cohorte versetzten Soldaten der I Fl. Cil. eingetragen, und ihr Name wird endlich wohl auch noch auf der Inschrift aus Hiera Sykaminos an der Südgrenze der Provinz, CIG 5110, ergänzt werden dürfen, auf der ein Angehöriger (σπείρης) α' Φλα … genannt wird.

cohors I Cilicum, von der I Flavia Cilicum sicher verschieden, stand zu Ende des 1. Jhdts. in Moesia superior, wo das neue Diplom aus Bulgarien (vgl. Jahresh. d. österr. arch. Instit. I 170f.) sie 93 n. Chr. ansetzt und wo zu Naissus der Grabstein eines Soldaten von ihr CIL III Suppl. 8250 gefunden ist. Wahrscheinlich von Hadrian ist sie nach Moesia inferior verlegt worden, unter dessen Auxilien sie 134 in Diplom XLVIII erscheint. In die Zeit ihres dortigen Aufenthalts würde dann der Grabstein zweier Soldaten fallen, der aus Chersonesos in der Krim stammt, S.-Ber. Akad. Berl. 1895, 522 = CIL III 13751 b, denn so gut Legionare des niedermoesischen Heeres nach der Krim detachiert wurden, könnte dies auch mit einer Auxiliarcohorte der Fall gewesen sein. Den praef. cohor. Cil. in dem spanischen Cursus honorum, Ephem. epigr. VIII p. 415, wird man lieber auf die moesische Cohorte beziehen wollen, als auf die ägyptische I Flavia Cilicum.

[cohors I Cilicum miliaria?]. Ob neben den beiden besprochenen Cohorten nicht noch eine coh. I Cilicum miliaria anzunehmen wäre, verdient wenigstens in Erwägung gezogen zu werden. Wir kennen nämlich aus einem Cursus honorum des 2. Jhdts. CIG 3497 einen χιλίαρχος σπείρας πρώτης Κιλίκων, und dass hier nicht etwa χιλίαρχος fälschlich für ἔπαρχος gebraucht ist, geht daraus hervor, dass der betreffende Officier das Commando zwischen Cohorten- und Alenpraefectur, also an Stelle des Legionstribunats, bekleidet hat, die Truppe also eine coh. miliaria gewesen sein muss. Dürfte man die Ziegel aus Szerb Poszeszena am linken Donauufer – noch im Militärbezirk von Obermoesien – mit C I 8 C I C (Arch.-epigr. Mitt. IV 178) als c(oh.) I Ci⟨li⟩c. lesen, so würde man sie auf dieselbe Truppe zu beziehen haben. Ob diese dann aber von der bekannten obermoesischen coh. I Cilicum verschieden gewesen ist oder etwa letztere eine miliaria war, würde sich mit dem jetzt vorliegenden Material nicht entscheiden lassen.

[cohors I Cirtensium] kann zunächst nur wegen der folgenden Cohorte vermutet werden.

cohors II Cirtensium ist bisher nur ein einziges Mal in einer Inschrift aus Zuccabar in Mauretania Caesariensis, CIL VIII 9631, genannt, wo COH II CIRT ⟩ VI wohl richtig als coh. II Cirt(ensium) VI gelesen ist und wonach sie dann in jener Provinz gestanden haben muss. [271]

cohors I Cisipadensium. Ihr Name ist erst in dem neu gefundenen Diplom von Moesia superior (Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.) vollständig überliefert. Danach stand die Cohorte 93 n. Chr. in dieser Provinz; das Diplom ist einem ihrer Soldaten ausgestellt und nennt ausser diesem, einem geborenen Larisener, noch, wie üblich, den Praefecten. Sonst finden wir nur noch einmal einen (s)ignifer cho. (.C)isipadensium auf einer Inschrift aus Rovigno in Istrien, CIL V 8185.

cohors c(ivium) L(atinorum) s. coh. II Tungrorum miliaria.

cohors I Civium Romanorum equitata (CIL VI 3520) p. f., ist im 2. Jhdt. in Germania superior nachweisbar, wo sie die Diplome XL und L für 116 und 134 bezeugen. Aus ihrem Fehlen in den obergermanischen Diplomen des 1. Jhdts. (von 74. 82. 90) schliesst Ritterling Westd. Ztschr. XII 214 mit Recht, dass sie damals noch nicht in der Provinz gewesen war und erst unter Traian dorthin verlegt worden ist. Sie ist dann gewiss identisch mit der coh. primae equitatae Civae (!) Roman. in Germ. inferior., von der ein Praefect CIL VI 3520 genannt wird. Auf eine ursprünglich niedergermanische Truppe passt auch der Beiname p. f. gut, den sie auf der Inschrift aus Grosskrotzenburg führt, vgl. Ritterling a. a. O. Aus dieser früheren Periode würde dann die Weihung einer vexillatio der Cohorte an den Hercules Saxanus aus Burgbrohl stammen, CIRh 670, wo cohortis T C R als I C(iv.) R(om.) aufzulösen ist. Früher hatte man wegen der in Traians Donaubrücke gefundenen Ziegel mit coh. I CRE, CIL III 1703, 2, die man als I C(iv.) R(om.) e(qu.) las, eine Anwesenheit der Cohorte an der unteren Donau unter Traian und eine Teilnahme an dessen dakischen Kriegen annehmen zu müssen geglaubt, allein seit wir durch das neue Diplom von 93 n. Chr. (Jahresh. der öst. arch. Inst. I 170f.) eine coh. I Cretum im Heere von Moesia superior kennen gelernt haben, sind jene Ziegel natürlich dieser zuzuweisen. In Germania superior ist das Castell von Grosskrotzenburg das Standlager der Cohorte gewesen, wie die Dolichenusweihung eines Praefecten (Wolff D. Römercastell zu Grosskrotzenburg 1882, 53) und dort gefundene Ziegel von ihr beweisen. Auch in der Nähe von Grosskrotzenburg sind Ziegel mit ihrem Stempel zu Seligenstadt, CIRh 1407 b, zu Kesselstadt, ORL 24, 10, und auf dem Salisberg bei Kesselstadt, Westd. Ztschr. VII 288, zu Tage getreten. Aus anderen Gegenden der Provinz besitzen wir solche Ziegel aus Ems, Bonn. Jahrb. 88, 111, und dem nahen Arzbach, CIRh 1542 c, dann aber aus dem Limescastell Alteburg, Limesbl. 9, 269, und – von Zangemeister allerdings bezweifelt – von der Saalburg, CIRh 1431 c.

cohors II Civium Romanorum equitata (CIL VIII 18097. 18217) p. f. hat, wie die Weihung aus Andernach CIRh 676 beweist, zu Ende des 1. Jhdts. in Germanien gestanden. Nach den Ausführungen von Ritterling Westd. Ztschr. XII 207f. wird ihr der Name D(omitiana), den sie nur in der genannten Inschrift führt, sowie der Ehrentitel p. f. von Domitian anlässlich des Saturninusaufstandes verliehen worden sein. Danach ergänzt Ritterling auch in dem Cursus honorum eines Unbekannten aus Iuvanum, CIL [272] IX 2958 [praefe]cto coh. II Civiu[m Rom]anorum Germ[aniae infe]rioris. Allein, da inzwischen auch in Obergermanien, in der Gegend von Butzbach, Ziegel der Cohorte zu Tage getreten sind (vgl. Limesbl. 4, 111), ist [supe]rioris ebenso möglich. Zwei weitere Praefecten der Cohorte werden genannt, der eine CIL VIII 18217 und 2623 = 18097, der andere CIL II 4114, ein centurio endlich auf einem Stein aus Tergeste CIL V 522.

[cohors III Civium Romanorum] soll auf Ziegeln von Seligenstadt CIRh 1407 c (COH·III· C·R) genannt sein, allein diese Angabe erscheint sehr bedenklich, und schon längst hat man an eine Verwechselung mit der eben in Seligenstadt liegenden coh. I Civium Romanorum gedacht, vgl. Suchier und Ritterling Westd. Ztschr. XII 239.

Die beiden Tribunen einer coh.... Civium Romanorum, CIL XI 392 und 709, können auf die von Praefecten befehligten coh. I und II Civium Romanorum nicht bezogen werden und haben wohl vielmehr den coh. Voluntariorum (s. d.) angehört.

cohors c(ivium) R(omanorum): c. R. als Ehrenbeinamen s. unter coh. I Afrorum, Apuleia, III Aquitanorum, IIII Aquitanorum, III Asturum, I Baetasiorum, I Breucorum, VII Breucorum, I Britannica, III Campestris, I Corsorum, I Ulpia Traiana Cugernorum, IIII Cypria, III Delmatarum p. f., I Flavia, I Gallica, V Gemina, I Germanorum, I Hemesenorum, I Flavia Ulpia Hispanorum, II Hispanorum, I Italica, I Ingenuorum, VI Ingenuorum, I Lepidiana, I Ligurum et Hispanorum, I Montanorum, III Nerviorum, I Pannoniorum et Dalmatarum, II Raetorum, VIII Raetorum, Scutata, I Thracum Germanica, III Thracum, II Ulp. equit. (?), I Fida Vardullorum, II Vasconum, I Campestris Voluntariorum, IIII. VIII. XVIII. XXIIII. XXV. XXVI. XXXII. [XXXIII] Voluntariorum.

cohortes Classicae sind, wie ich glaube, aus den Flottenmannschaften formiert, die zeitweilig der Landarmee für den schweren Dienst, Wegbahnen u. s. w. zugeteilt waren, Hygin de mun. castr. 24. vgl. Cichorius Die Reliefs der Traianssäule III Bild XCII und XCVII. Es sind mehrere der artige Abteilungen nachweisbar.

cohors I Classica. Wie zwei ziemlich frühe Grabsteine von Soldaten, CIL XIII 923 und 924 = Henzen 5225, aus dem Gebiete der Nitiobroges beweisen, hat sie zeitweilig in Aquitanien in Garnison gelegen. Ein Veteran von ihr war als solcher nach Antium deduciert, wo sein Grabstein, CIL X 6672, erhalten ist. Einen praef. sem. coh. I Classicae nennt der Cursus honorum aus Trebula CIL IX 4885 und 4886.

cohors I Aelia Classica ist, wie ihr Name Aelia beweist, erst von Hadrian errichtet und also schon deshalb von der vorigen verschieden. Sie wird überhaupt nur zweimal erwähnt, zunächst in Diplom LVII vom J. 146 unter den britannischen Auxilien und dann in der Not. dign. Occ. XL 51 als Besatzung von Tunnocelum am Hadrianswalle. Demnach darf angenommen werden, dass sie seit ihrer Errichtung dauernd in Britannien gelegen hat.

cohors II Classica wird zunächst in der Inschrift [273] des Q. Aemilius Secundus, CIL III Suppl. 6687, genannt, der sie unter dem syrischen Legaten P. Sulpicius Quirinius in den letzten Jahren des Augustus befehligt hat. Sie muss damals also in Syrien gelegen haben, und vielleicht hat Secundus seinen in der Inschrift genannten Feldzug gegen die Ituraeer im Libanon eben als Befehlshaber der Cohorte geführt. Später erscheint nur noch einmal ein Praefect der Truppe in einem Cursus honorum aus Forum Novum CIL IX 4855 a.

Welche der drei cohortes Classicae in dem unvollständigen raetischen Cursus honorum, CIL III 5775, bei [praef. coh. .. Cla]ssicae zu ergänzen ist, lässt sich nicht mehr entscheiden.

cohors I Claudia equitata (miliaria?) wird in der Not. dign. Or. XXXVIII 36 zu Sebastopolis in Armenien, d. h. im alten Cappadocien, verzeichnet. Mit Hülfe dieser Notiz lässt sich meiner Ansicht nach nun auch in einem Cursus honorum aus Iuvanum, CIL IX 2958, tribuno … udiae equitate … docia mit Sicherheit ergänzen zu tribuno [coh. I Cla]udiae equitatae [in Cappa]docia, und es würde damit erwiesen sein, dass die Truppe die ganze spätere Kaiserzeit hindurch im östlichen Kleinasien gelegen hat. Da der betreffende Officier vorher schon eine cohors quingenaria als Praefect befehligt hatte, muss die I Claudia eine cohors miliaria gewesen sein.

cohors II Claudia ist vorläufig nur aus einer Inschrift aus Temenothyrai, dem Cursus honorum eines Griechen, bekannt, der u. a. ἔπαρχος σπείρας β' Κλαυδίας gewesen war, s. Bull. hell. XIX 557.

cohors Claudia miliarensis. So erklärt Mommsen die sehr unsichere Lesung auf dem Grabstein aus Aquileia, CIL V 898, eines Soldaten, der militavit in CLND MILIARENSE. Bei dieser Annahme könnte dann vielleicht die I Claudia equitata miliaria gemeint sein.

cohors Claudia s. auch coh. I Sugambrorum veterana.

cohors III Coll... muss im 3. Jhdt. in der Gegend von Kutlovica in Moesia inferior in Garnison gestanden haben, wo 258 n. Chr. ihr Befehlshaber die Porta praetoria ihres Lagers nebst Turm erbaut hat, CIL III Suppl. 7450. Die Lesung ist ganz sicher, und man darf daher – falls man nicht einen Irrtum des Steinmetzen annehmen will – nicht etwa zu Callaec., Gallor., Commag. oder dgl. ändern.

cohors I Flavia Commagenorum. Wie der Name beweist, von einem der flavischen Kaiser errichtet, ebenso wie die II Flavia Commagenorum. Da uns 70 n. Chr. im Heere des Titus in Judaea auxilia regis Antiochi (von Commagene) begegnen (Tac. hist. V 1), dürften diese wohl bei der im J. 71 erfolgten Einziehung des commagenischen Reiches von Vespasian als reguläre römische Auxiliarcohorten formiert worden sein. Die I Flavia Commagenorum finden wir 105 n. Chr. in Moesia inferior (Diplom XXXIII), dann 157 in Dacia superior nach Diplom LXVI, wo in dem nach den Nummern geordneten Verzeichnisse mit Sicherheit [I Flav.], nicht wie Ritterling vorschlägt [II Flav.], zu ergänzen ist. In die moesische Zeit werden die aus der Regierung des Hadrian oder Pius stammenden Ziegel mit COH. COMA, Arch.-epigr. Mitt. XIV 15, fallen, [274] die zusammen mit denen der drei niedermoesischen Legionen I Italica, V Macedonica, XI Claudia in Draschna de sus in der grossen Wallachei, also innerhalb der militärischen Zone des niedermoesischen Heeres gefunden sind und ihr zweifellos angehören. Bei ihren Ziegeln aus Slaveni am Alt, CIL III 1421626 = Arch.-epigr. Mitt. XIX 83, ist dagegen eine Entscheidung, ob sie in die moesische oder in die dacische Zeit anzusetzen sind, zweifelhaft. In Dacien selbst ist die Truppe nicht direct bezeugt, doch ist vielleicht in der Weihung der oberdacischen Auxilien von Veczel, CIL III 1343, wo wir als letzte Truppe eine COH I ...G finden, ihr Name einzusetzen, wenigstens würde er genau den sieben ausgefallenen Buchstaben entsprechen. Sonst begegnen noch Praefecten von ihr im Cursus honorum CIL IX 1132 und wohl auch VI 3504, wo trotz des Fehlens von Flavia gewiss die obige Cohorte zu verstehen ist.

cohors II Flavia Commagenorum (equitata CIL III 1355) hat in Dacien, wohl solange die Provinz überhaupt existiert hat, gelegen und dort den wichtigen Posten Micia-Veczel im Maroschthal, an der Einfallspforte von der ungarischen Tiefebene her, innegehabt. Ausser Ziegeln (CIL III Suppl. 8074, 14) sind nicht weniger als fünfzehn Inschriften der Cohorte in Veczel oder in dessen unmittelbarer Umgebung zu Herepe, Maros-Németi, Cetatje gefunden worden. Zunächst ist die Truppe in der gemeinsamen Weihung verschiedener dacischer Auxiliarabteilungen aus Veczel, CIL III 1343, genannt. Allein hat sie Kaiserinschriften für Hadrian (ebd. 1371), für Marcus (1372) und Verus (1373), beide im J. 164, und für Philippus (1379) im J. 245 n. Chr. gesetzt. Den Wiederaufbau eines Bades im J. 193 betrifft 1374. Andere der Inschriften sind Weihungen teils der Cohorte mit ihrem Praefecten (CIL III Suppl. 7848. [7849]. 7854), teils einzelner Officiere, so eines Praefecten (7855), eines Centurio (1347 = 7850) und eines Decurio (1355). Zwei weitere der Denkmäler sind Grabsteine, 6267 eines Veteranen und 7873 der Familie eines Centurionen; wenn auch auf beiden die Nummer nicht erhalten ist, dürfen sie doch des Fundorts wegen bestimmt auf die II Flavia Commagenorum bezogen werden. Ausserhalb von Veczel sind – abgesehen von einem Fragment unbekannten dacischen Fundorts (ebd. 1619), das aber sehr wohl gleichfalls aus Veczel stammen kann (vgl. ebd. 7854) – nur noch an zwei Stellen der Wallachei, zu Pini bei Rečka und zu Piatra bei Slatina, Ziegel mit dem Stempel COH II COW zu Tage getreten, CIL III 8074, 14, die gewiss derselben Cohorte angehören. Bemerkenswert ist der Cult des Deus Commagenus oder I.O.M. Commagenorum (CIL III 7832. 7834. 7835) in dem unweit von Veczel gelegenen Ampelum, der doch wohl auf unsere coh. Commagenorum zurückzuführen sein wird.

[cohors III Commagenorum] ist zwar so nicht ausdrücklich bezeugt, hat aber, da es eine cohors VI Commagenorum gegeben hat, zweifellos existiert. Vielleicht hat auch sie, wie die I und II Commagenorum, in Dacien gestanden, wenigstens lässt sich eine Inschrift aus Héviz am oberen Alt, CIL III 955 = Suppl. 7721, auf der nach der einen Abschrift prae[f.] coh. III , [275] nach der anderen III C/OM gestanden hat, am ehesten als III Commagenorum auflösen.

[cohors IIII und cohors V Commagenorum]. Von beiden Cohorten fehlen noch jegliche Zeugnisse.

cohors VI Commagenorum equitata (CIL VIII 2532 = 18042 und Ephem. epigr. V 1043) zählte zum numidischen Heere. Ihre Garnison war zunächst wohl der Strassenknotenpunkt Zarai nahe der mauretanischen Grenze. Dort ist der Grabstein eines ihrer Soldaten, CIL VIII 4526, gefunden und dort wohl hat Hadrian am 15. Juli des J. 128 die Cohorte inspiciert. In seinem berühmten Tagesbefehl, ebd. 2532 = 18042, sind hierüber zwar zunächst nach den Eingangsworten Non. Iul. Zarai coh. [VI Comm.] nur wenige Worte erhalten, dafür aber fast vollständig der Passus, der an die Reiter der Cohorte gerichtet ist und deren Leistungen die grösste Anerkennung zollt. Später ist die Cohorte von Zarai wegverlegt worden, wo an ihre Stelle die coh. I Flavia equitata getreten zu sein scheint. Auf diese und nicht auf die VI Commagenorum werden sich dann auch die Worte post discessum cohortis in der Zollliste vom J. 202, ebd. 4508, beziehen. Der spätere Standort der Truppe muss die Oase Mesarfelta (El Uthaïa) am Westabhang des Auresgebirges gewesen sein, wo sie zwischen 177 und 180 unter ihrem Praefecten Aelius Serenus ein Amphitheater wiederaufbaut, ebd. 2488; von dort aus hat sie sich auch wohl an der Expedition beteiligt, die 174 n. Chr. ein aus verschiedenen numidischen Truppenteilen zusammengesetztes Detachement nach dem Süden von Mauretania Caesariensis unternommen hat (vgl. Bd. I S. 1242 s. ala Flavia), denn auf der von einem Officier dieses Detachements zu Aflû bei Géryville gesetzten Inschrift, Ephem. epigr. V 1043, ist auch ein dec. coh. VI C[omm.] genannt. Für die Geschichte und Dislocation der Cohorte ist ohne Bedeutung der aus Batna bei Lambaesis stammende Grabstein eines Officiers der leg. III Aug., den T. Atilius Iuvenalis praef. coh. VI Comm. amico et municipi gesetzt hat.

[cohors Commagenorum]. Eine weitere cohors Commagenorum dürfte aus dem Fragment eines stadtrömischen Cursus honorum, CIL VI 3654, zu erschliessen sein. Dieser bietet u. a. [praef. coh....] ag. in Cappad. Da der bestimmt zu berechnende Ausfall zu Beginn der Zeilen je vierzehn Buchstaben beträgt, ist die wohl einzig mögliche Ergänzung, die schon Henzen vorschlug, [praef. coh… Comm]ag. in Cappad(ocia); wir hätten dann anzunehmen, dass ausser den bekannten cohortes I. II. III. VI Commagenorum noch eine weitere im cappadocischen Heere existiert hatte, und es liegt nahe, in dieser dann eine der noch nicht nachgewiesenen coh. IIII oder V Commagenorum zu vermuten.

cohors I Cornoviorum. Die Not. dign. Occ. XL 34 führt, in einer Reihe von lauter alten Cohorten, zu Pons Aelius am Hadrianswalle eine coh. I Cornoviorum auf, und da ein Volksstamm dieses Namens thatsächlich in Britannien bezeugt ist (Eph. ep. VII 922 c(ivis) Cornovia; vgl. auch die Stadt Durocornovium im Süden der Provinz), wird man auch sie als eine alte Truppe anzusehen haben, von der nur zufällig kein inschriftliches [276] Zeugnis erhalten ist. In dem in geringer Entfernung nördlich von Pons Aerius gelegenen Binchester ist übrigens eine nur in ungenügender Copie erhaltene Inschrift, CIL VII 425, gefunden, deren Text einen trib. OI ... CARTOV nennt. Nicht unmöglich wäre es, dass hierin trib. c]OH·I·CoRnOV. versteckt ist.

cohors [I] Corsorum. Auf einer der ersten Hälfte des 1. Jhdts. angehörenden Inschrift aus Praeneste, CIL XIV 2954, kommt ein praefectus cohortis Corsorum et civitatum Barbariae in Sardinia vor. Daraus ergiebt sich als sicher, dass eine cohors Corsorum damals in Sardinien gestanden hat und zwar wohl eine I Corsorum, denn kann nur als primae aufgelöst werden. Da wir nun Ende des 1. Jhdts. auf der Insel eine coh. I Gemina Sardorum et Corsorum finden, die nach ihrem Namen zu schliessen durch Vereinigung einer coh. Corsorum und einer coh. Sardorum entstanden war, dürfen wir wohl die eine ihrer beiden Stammtruppen in jener coh. [I] Corsorum wiedererkennen.

cohors I Corsorum c. R. wird, da sie 107 n. Chr. in Diplom XXXVI unter den Auxilien von Mauretania Caesariensis aufgeführt ist, von der vorigen Cohorte wohl verschieden sein. Sie dürfte auch in dem Cursus honorum CIL IX 2853 gemeint sein, wo bereits Mommsen, noch ehe jenes Diplom bekannt war, das überlieferte … ORSOR C· richtig als coh…] Corsor. c. [R. erklärt hatte.

cohors Corsorum s. auch coh. II Gemina Ligurum et Corsorum und coh. I Gemina Sardorum et Corsorum.

cohors I Cretum ist jetzt durch das neue Diplom von Obermoesien (Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.), nach dem sie 93 n. Chr. in dieser Provinz gestanden hat, gesichert. Dadurch sind wir auch in den Stand gesetzt, die Ziegel mit (co)H. I CRE, CIL III 1703, 2. Arch.-epigr. Mitt. XIX 219, die sich zu Turn Severin, sowie in Traians dortiger steinerner Donaubrücke, also gerade in Moesia superior, finden und die man bisher auf die germanische coh. I Civium Romanorum equitata bezogen hatte, richtig zu erklären. Ich glaube sie mit Sicherheit als I Cre(tum) lesen zu dürfen. Auch die Inschrift aus Apulum, CIL III 1163, wo im Cursus honorum ein PR... I CRETV vorkommt, braucht nun nicht mehr corrigiert zu werden. Es ist ganz einfach ein pr[aef. coh.] I Cretu[m] gemeint.

cohors II Cretensis wird Not. dign. Or. XXXIV 47 als in Palaestina, am Jordan, in Garnison liegend aufgeführt. Seit die coh. I Cretum beglaubigt ist, darf wohl auch diese II Cretensis (oder Cretum?) als eine alte Truppe angesehen werden.

cohors I Ulpia Traiana Cugernorum c. R. (so mit vollem Namen nur in Diplom XLIII genannt) ist durch die Diplome XXXII und XLIII für die Jahre 103 und 124 als Besatzungstruppe von Britannien bezeugt. Zu Beginn des 3. Jhdts. scheint ihr Standquartier in Schottland gewesen zu sein, wo in Inglistown eine Dedicationsinschrift von ihr, CIL VII 1085, gefunden ist. Ob aus der späten Weihinschrift der Cohorte aus Procolitia, Eph. ep. III 186 (coh. I Cubernorum), geschlossen werden darf, dass sie später dort gelegen [277] hat, bleibe dahingestellt. Die Ziegel aus Caersws mit C I CT, CIL VII 1243 c, bei denen man auch an c(oh.) I C(ugernorum) T(raiana) denken könnte, sind vielleicht eher der coh. I Celtiberorum (s. d.) zuzuweisen.

[cohors I Cypria] ist zwar wegen der coh. IIII Cypria bestimmt anzunehmen, aber noch nicht direct bezeugt. Möglicherweise gehören ihr Ziegel aus Tihó in Dacien, CIL III 1633, 4 = Suppl. 8074, 13, deren Stempel C I CY ebenso c(oh.) I Cy(pria) wie c(oh.) I Cy(renaica) bedeuten kann.

[cohors II. III Cypria] vgl. coh. Cypria.

cohors IIII Cypria c. R. erscheint in dem für die dacische Occupationsarmee ausgestellten Diplom XXXVII vom J. 110, war also wohl vorher schon an der Eroberung des Landes beteiligt. Auch später noch scheint sie in der Provinz verblieben zu sein und zeitweilig in der kleinen Wallachei im Castell von Bumbesti am Südausgang des Vulcanpasses gelegen zu haben. Wenigstens hat die von mir seiner Zeit vorgeschlagene Erklärung der dort gefundenen Ziegel (Arch.-ep. Mitt. XIX 85 = CIL III 1421627) mit CIVC als c(oh.) IV C(ypria), soviel ich sehe, überall Aufnahme gefunden.

cohors Cypria. Auf die vorige Cohorte hat man auch eine Inschrift aus Pantikapaion in der Krim, Latyschew II 293, beziehen wollen, die einen Γάιος Μέμμιος σπείρης Κυπρίας nennt. Allein in Moesia inferior, von wo aus die Besatzung der Krim nach der herrschenden Anschauung detachiert wurde, ist die IV Cypria überhaupt gar nicht nachweisbar. Es liegt daher, wie ich glaube, viel näher, an eine der cohortes I. II. III Cypriae zu denken, deren Existenz ja aus dem Vorkommen der IV Cypria zu erschliessen ist; ich möchte diese dann aber lieber für eine ständig im bosporanischen Reiche liegende Truppe halten.

cohors I Cyrenaica wird nur auf dem dem 1. Jhdt. angehörenden Cursus honorum des C. Antestius Severus aus Mainz, CIRh 1120, erwähnt. Vielleicht mit Recht bezieht v. Domaszewski die Ziegel mit C I CY aus dem dacischen Castell Tihó, CIL III 1633, 4 = Suppl. 8074, 13, auf sie, wenn er auch selbst daneben die Erklärung als I Cy(pria) für möglich hält.

cohors II Augusta Cyrenaica equitata (CIRh 1708) gehört zu den obergermanischen Auxilien, unter denen sie in den Diplomen der Provinz aus den J. 74 (XI), 90 (XXI), 116 (XL) und 134 (L) erscheint. Ihre Garnison ist zeitweilig sicher das Castell von Neuenheim-Heidelberg gewesen (vgl. Schumacher Neue Heid. Jahrb. VIII 110), wo Ziegel mit COH·II·CYR (citiert ORL 14, 26, vgl. Arch. Anz. 1898, 22), eine verstümmelte Inschrift (CIRh 1708) mit coh. II Aug. Ciren. eq. und vor allem ein Beil der Cohorte mit ihrem Namen, Westd. Ztschr. XII 303, gefunden sind. Sonst sind Ziegel von ihr (COH·II·A und II·AV·CYR ..) noch zu Butzbach zu Tage getreten (ORL 14, 26, vgl. Limesbl. 4, 111), und auch die Weihinschrift aus Heddernheim, CIRh 1456, eines Soldaten ex coh. II Aug. Q oder QV wird ihr angehören. Dagegen scheint mir die von Zangemeister Westd. Ztschr. XI 303 vorgeschlagene Beziehung eines eisernen Brennstempels mit CC aus Castell [278] Alteburg, auf die coh. II Augusta Cyrenaica zweifelhaft.

cohors III Cyrenaica sagittariorum, mit letzterem Beinamen zwar nur im Cursus honorum des Publilius Memorialis (Not. d. Scav. 1895, 342 = Cagnat L’ann. épigr. 1896, 10) genannt, aber gewiss auch in dem Cursus honorum aus Philippi, CIL III 647, gemeint, wo ein prae(f.) coh. III Cyrenei. erscheint.

cohors III Augusta Cyrenaica ist in dem Cursus honorum des C. Aelius Domitianus Gaurus, Röm. Mitt. III 77, aufgeführt, der sie in der Zeit Marc Aurels als Praefect befehligt hatte. Ob sie mit der vorigen Cohorte identisch gewesen ist, wage ich nicht zu entscheiden; der doch wohl unterscheidende Beiname sagittariorum, den jene führt, scheint dagegen zu sprechen.

cohors Cyrenaica (equitata). In Arrians Armee gegen die Alanen befanden sich auch Κυρηναῖοι, und zwar sowohl Reiter (ect. § 1), als auch Hopliten (ebd. 3 u. 14), d. h. reguläre Auxiliarinfanterie. Es handelt sich also offenbar um eine coh. Cyrenaica equitata, die aber, wie die Worte Κυρηναίων οἱ παρόντες zeigen, nicht vollzählig zugegen war, sondern nur eine Vexillation zum Expeditionscorps gestellt hatte. Dass unter Hadrian eine coh. Cyrenaica in der Provinz Cappadocien gestanden hat, darf damit als gesichert gelten, es kann dies aber sehr wohl irgend eine der oben aufgezählten coh. Cyrenaicae sein, nur nicht die gerade 134 in Germanien nachweisbare II Augusta Cyrenaica, mit der Hassencamp a. a. O. 41 sie identificieren will.

cohors Cyrenaica, vgl. auch coh. II Hispanorum scutata und coh. I Lusitanorum.

cohors Dacica, s. coh. I Gallorum.

cohors I Aelia Dacorum (miliaria). Die, wie der Name beweist, von Hadrian errichtete Abteilung ist ausschliesslich in Britannien nachweisbar, wo sie bereits 146 n. Chr. in Diplom LVII erscheint und noch in der Not. dign. Occ. XL 44 zu Amboglanna verzeichnet steht. Dass diese am Hadrianswall gelegene Station schon seit dem 2. Jhdt. die Garnison der Cohorte gewesen ist, beweisen nicht weniger als dreissig Inschriften von ihr, die dort gefunden sind und die uns die Namen von nicht weniger als siebzehn ihrer Tribunen nennen. Damit dürfte dann aber zugleich erwiesen sein, dass die Cohorte eine miliaria gewesen ist. Die Mehrzahl jener Inschriften sind officielle Weihungen der Cohorte oder einzelner Tribunen und zum Teil durch die Kaiserbeinamen datiert auf die Zeit des Caracalla CIL VII 837. [818], Elagabal ebd. 838 verglichen mit 964, Maximinus, v. 237 n. Chr., ebd. 808, Gordian 819, Postumus 820. 822 [vgl. 821], Tetricus 823. Undatierte Weihinschriften sind CIL VII 803. 806. [807]. 809. 810. 811. 812. 813. 814. 815. 816. 817. [824?]. 826. [829]. Eph. ep. VII 1071. Den Grabstein eines ihrer Angehörigen dorther siehe CIL VII 867, ein unbestimmbares Fragment ebd. 868. Einige Inschriften aus Amboglanna nennen zwar nicht ausdrücklich die Cohorte, können aber doch, da bis jetzt noch keine andere Truppe dort nachgewiesen ist, mit grosser Wahrscheinlichkeit auf sie bezogen werden, so der Grabstein des Kindes eines Tribunen (865), der eines Soldaten (866), der schon, wie Hübner sah, durch seinen Namen [279] Decibalus als geborener Daker erwiesen wird; ferner 831, wo vielleicht ein bereits aus 826 bekannter Tribun der Cohorte (das verkehrte praef. ist wohl auf Rechnung der schlechten Abschrift zu setzen) wiederkehrt. Der einzige Stein, der aus einer anderen Gegend Britanniens der Cohorte zugewiesen werden kann, ist eine Weihung der coh. I Dac. aus Bewcastle (ebd. 975, ob auch 974?), bei der aber das Fehlen von Ael. sehr auffällig ist. Zwei andere Inschriften, ebd. 886 aus Petrianae und 1055 aus Bremenium, auf denen nur coh. I Da dasteht, möchte ich beide, nicht nur die zweite, wie Hübner thut, lieber auf die I Da(lm.) beziehen.

cohors I Ulpia Dacorum stand zur Zeit der Notitia dignitatum (s. Or. XXXIII 33) zu Claudiana in Syrien, ist aber, wie aus ihrem Beinamen Ulpia hervorgeht, schon von Traian errichtet worden.

cohors II Augusta Dacorum p. f. miliaria equitata wird nur auf der Weihinschrift eines Tribunen aus Teutoburgium in Pannonia inferior (CIL III 6450 = 10 255) genannt, nach der sie dort in Garnison gelegen zu haben scheint. Über den Anlass, aus dem sie den Beinamen p. f. erhalten hat, lässt sich nichts mehr vermuten.

cohors III Dacorum (equitata) ist in der Inschrift des Valerius Lollianus aus Byllis, CIL III 600, unter den Abteilungen aufgezählt, die Reiter zu dem von Lollianus, wahrscheinlich in Traians Partherkrieg, befehligten Cavalleriecorps gestellt hatten, und hat daher wohl, wie alle diese, im Orient gestanden.

cohors Gemina Dacorum ist erst neuerdings durch eine Inschrift aus dem römischen Castell bei Belimel in Bulgarien (Rev. arch. 1896 II 258 = Cagnat L’ann. épigr. 1896, 116) bekannt geworden, eine Weihung der Cohorte zu Ehren der Kaiserin Sabinia Tranquillina, der Gemahlin Gordians. Sie scheint demnach im 3. Jhdt. in jenem Castell gelegen und also zur Besatzung der Provinz Moesia inferior gehört zu haben. Wenn sie, wie dies für die übrigen cohortes und legiones geminae anzunehmen ist, durch Vereinigung zweier ursprünglicher Cohorten hervorgegangen ist, so würden dies wohl zwei ältere cohortes Dacorum gewesen sein.

Eine cohors Dacorum ist auf einer Inschrift aus Caesena (CIL XI 558) zu ergänzen, wo ein [praef.] .. Dacor. genannt wird; denn da diese die einzige militärische Würde des Mannes ist, kann an eine ala Dacorum nicht gedacht werden. Welche der obigen dakischen Cohorten gemeint ist, lässt sich natürlich nicht entscheiden.

cohortes Dalmatarum s. cohortes Delmatarum.

cohors I Flavia Damascenorum miliaria equitata sagittariorum (so vollständig nur CIRh 1412) ist von einem der flavischen Kaiser errichtet und anscheinend sofort nach Germania superior verlegt worden, wo sie seit 90 in den Diplomen erscheint (90 n. Chr. in Diplom XXI, 116 in XL und XLI und 134 in L). Da sie aber andererseits in den Diplomen von 74 und 82 noch fehlt, darf ihr Eintreffen in der Provinz wohl in die J. 82 bis 90 angesetzt werden. Inschriften von ihr sind in Germanien nur zwei erhalten, der Grabstein eines zum Stabe des Statthalters abcommandierten Soldaten aus Alsheim, [280] CIRh 914, und die Weihung an Mars und Victoria aus Strassheim, ebd. 1412, eines cornicularius, wie sein Name Soemus beweist, eines geborenen Orientalen. Ziegel der Cohorte sind im Castell Friedberg, CIRh 1417 e und Limesbl. 12, 357, aber auch auf der Saalburg gefunden worden. Bei dem Inschriftfragment aus Rottweil CIRh 1645, vgl. Korr. d. Westd. Ztschr. VII 1 und VIII 36, ist es ganz unsicher, ob überhaupt eine coh. Flavia gemeint ist.

cohors I Damascenorum. Neben der I Flavia Damascenorum muss noch eine einfach I Damascenorum benannte Cohorte existiert haben, wie mehrere Inschriften von Praefecten einer solchen beweisen, die auf jene von Tribunen befehligte cohors miliaria nicht bezogen werden können. Dazu kommt, dass, während die I Flavia Damascenorum noch 134 in Germanien bezeugt ist, wir im J. 139 in Syria Palaestina eine coh. I Damascenorum ohne Beinamen finden (vgl. das neue Diplom aus Nazareth, Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106). Diese im Orient stehende Truppe ist es dann wohl, von der ein früherer Praefect in zwei ägyptischen Papyrusurkunden BGU 73 und 136 erwähnt wird und die zu Beginn des 2. Jhdts. der Freund des jüngeren Plinius, C. Cornelius Minicianus, nach seinem Cursus honorum aus Bergomum, CIL V 5126, befehligt hatte. Auch in dem tusculanischen Cursus honorum, CIL XIV 2618, wo Dessau praef. coh. I Da[corum] ergänzt, möchte ich eher Da[mascenorum] einsetzen, da bisher zwar je eine coh. I Aelia Dacorium und I Ulpia Dacorum, aber keine I Dacorum nachweisbar ist.

cohors I Aurelia Dardanorum, die einzige Truppe mit dem Kaiserbeinamen Aurelia und also von Pius oder von Marcus errichtet. Da nun aber gerade von letzterem vit. 21 berichtet wird, dass er latrones etiam Dalmatiae atque Dardaniae milites fecit, so möchte ich eher ihn für den Begründer der Truppe ansehen und jene Notiz eben auf die Formierung unserer Cohorte beziehen. Wir haben von ihr den Grabstein eines Soldaten aus Naissus in Moesia superior, CIL III Suppl. 8251, und dürfen danach wohl annehmen, dass sie in dieser Provinz in Garnison gestanden hat. Identisch mit ihr wird die σπεῖρα Δαρδάνων sein, von der ein Praefect in dem griechischen Cursus honorum IGI 2433 aus Massilia genannt wird.

cohors Dardanorum s. auch coh. III Alpinorum.

cohors I Delmatarum nennt das Diplom XLIII vom J. 124 unter den Auxilien von Britannien. Aus dieser Provinz stammt auch die Mehrzahl der Inschriften, die die Truppe nennen, und da nicht weniger als sechs davon zu Uxellodunum oder in dessen Nähe gefunden sind, kann es wohl als sicher gelten, dass sie längere Zeit dort in Garnison gestanden hat. Fünf dieser Inschriften, CIL VII 367. [388]. 387. 400 und Eph. ep. III 93. sind Weihungen der Cohorte oder einzelner Praefecten, darunter zwei pro salute des Pius, die sechste Eph. ep. VII 976 ist ein Fragment, das einen Praefecten nennt. Noch zwei weitere Steine, einen aus Petrianae, CIL VII 886 (OH • I • DA). und den Grabstein eines im(agin.) ex coh. I Da aus Bremenium, ebd. 1055, möchte ich mit Hübner auf die I Dalmatarum, nicht etwa auf die [281] I Aelia Dacorum (s. d.) beziehen. Im Cursus honorum werden Praefecten der Truppe noch CIL IX 1618 und VI 1607 genannt. Nicht weniger als achtmal also sind durch die angeführten Inschriften für die Cohorte Praefecten bezeugt, und es darf deshalb wohl als sicher gelten, dass sie eine quingenaria war und demnach nicht identisch sein kann mit der

cohors I miliaria Delmatarum, die durch eine Reihe von Steinen in Dalmatien selbst beglaubigt ist. Diese hat im J. 170 n. Chr. zusammen mit der II miliaria Delmatarum die Mauern von Salonae gebaut, CIL III 1979, vielleicht anlässlich des Marcomannenkrieges. Die Weihung eines Tribunen pro salute eines Kaisers, dessen Name eradiert ist, haben wir aus Užice in der Provinz, ebd. 8353, die eines anderen Tribunen, CIL V 707, aus der Gegend von Tergeste, unweit der Grenze von Dalmatien. Dieser coh. I miliaria Delmatarum möchte ich ferner mehrere Inschriften aus Dalmatien zuweisen, wo Soldaten einer coh. I miliaria genannt werden; wenigstens hat eine andere solche in der Provinz nicht gestanden, und der heimische Name Delmatarum, der gerade innerhalb Dalmatiens entbehrlich war, konnte in diesen Privatinschriften – denn um solche handelt es sich – um so leichter ausgelassen werden, als der Name miliaria bei unserer Cohorte regelmässig vor Delmatarum steht. Es sind zwei späte Grabsteine, der eines Centurionen def(unctus) Sirmi, CIL III 2006, und der eines Veteranen, ebd. 8731, beide gerade aus Salonae, und eine Weihinschrift eines Centurionen, ebd. 9829, aus Teplju pro salute eines Kaisers (des Septimius Severus?). Über die vermeintlich von Iuvenal befehligte coh. I Delmatarum s. u. coh. Delmatarum.

cohors II Delmatarum nennt die Not. dign. Occ. XL 43 in Britannien zu Magnae am Hadrianswall, und thatsächlich besitzen wir von dort die Inschrift eines imag. coh. II Delmat., CIL VII 760. Vielleicht darf dann ihr Name auch in dem britannischen Diplom XXXIV vom J. 105 ergänzt werden, wo eine coh… Delmatarum erscheint, die ihrer Stelle nach nur die Nummer II oder eine höhere gehabt haben kann, also entweder die britannische II oder IIII Delmatarum gewesen sein muss. Letztere kann aber hier kaum in Betracht kommen, da sie in dem für die Auxilien einer anderen britannischen Legion ausgestellten Diplom XXXII unter 103 erscheint, und so bleibt einzig die II Delmatarum übrig. Von dieser bis in die späte Kaiserzeit in Britannien verbliebenen Cohorte muss dann verschieden sein die

cohors II miliaria Delmatarum, die im J. 170 in Dalmatien gelegen hat und, wie die Inschrift CIL III 8655 = 6374 beweist, damals zusammen mit der I miliaria Delmatarum an den Mauern und Türmen von Salonae gebaut hat.

cohors III Delmatarum p. f. hat zunächst in Germania inferior gestanden, wie die Inschrift eines Praefecten aus Köln, Korr. d. Westd. Ztschr. XV 129, beweist, und im niedergermanischen Heere wird sie sich auch den Ehrenbeinamen p. f. erworben haben, wie bereits Ritterling, noch ohne Kenntnis der obigen Inschrift, vermutet hatte; von dort muss sie dann nach Germania superior verlegt worden sein, wo sie zuerst in dem Diplom XXI von 90 n. Chr. erscheint und noch 116 in [282] Diplom XL und 134 in Diplom LXX wiederkehrt. Am häufigsten ist sie in der Provinz bezeugt im Castell Rückingen an der Kinzig, wo von ihr zahlreiche Ziegel mit verschiedenen Typen (CIRh 1436 c. Limesbl. 8, 243. Mitt. d. Han. Bez.-Ver. X 256, vgl. Westd. Ztschr. XII 215 und IV 407. Korr. d. Westd. Ztschr. II 71), sowie eine Inschrift, Westd. Ztschr. III 174 und Taf. 4, 17, gefunden sind. Sonst haben wir noch Ziegel von ihr aus dem Wiesbadener Castell, CIRh 1537 h, sowie aus dem von Oberscheidenthal an der Mümlingslinie, ORL 52, 13, zu Tage getreten. Dass sie quingenaria war, dürfen wir aus der Erwähnung jenes Praefecten schliessen.

cohors III Delmatarum miliaria equitata c. R. p. f. Wie neben der coh. I und II Delmatarum quingenaria je eine gleichnamige miliaria bestanden hat, ist das gleiche anscheinend auch bei der coh. III Delmatarum der Fall gewesen. Wir finden nämlich ausser der germanischen quingenaria im 3. Jhdt. in Dacien eine III Delmatarum miliaria, die in dem Castell von Plugowa bei Mehadia gelegen und den wichtigen Pass daselbst gedeckt hat. Auf einer dort gefundenen Inschrift, CIL III 1577 = Suppl. 8010, zu Ehren Galliens aus den J. 257/260, nennt sie sich Valerian. Galliena eqq. c. R. p. f. Sie kann also wohl nicht mit der germanischen Cohorte identisch sein, obwohl beide denselben Beinamen p. f. führen. Ihr gehören dann auch die Ziegel mit an (CIL III Suppl. 8074, 15 = 1633, 24), die bei Mehadia und auf der Donauinsel Alt-Moldava gefunden sind und die auf Zugehörigkeit der Cohorte zum obermoesischen Heere schliessen lassen.

cohors IIII Delmatarum ist zunächst durch mehrere Soldatengrabsteine, die noch geborene Dalmater betreffen, für das 1. Jhdt. in Germanien bezeugt, und zwar muss sie dort zu Bingerbrück gestanden haben, wo zwei der Steine, CIRh 741 und 742, gefunden sind. Auch der Grabstein aus Bingen, ebd. 869, eines mil. coh. IIII .. ist schon seit Hassencamp richtig auf die Cohorte bezogen worden, zumal es sich wieder um einen Mann dalmatischer Herkunft handelt. In den germanischen Diplomen der flavischen und traianischen Zeit fehlt die Cohorte dann; dies würde sich einfach erklären, wenn wir sie in derjenigen coh. IIII Delm. wiedererkennen dürften, die in Diplom XXXII unter 103 n. Chr. im britannischen Heere erscheint. Freilich müsste sie dann später wieder nach Germanien zurückverlegt worden sein, denn 134 n. Chr. finden wir wieder eine coh. IIII Delm. in dem obergermanischen Diplom L erwähnt; gerade damals würde aber die Verlegung einer Truppe von Britannien an den Rhein sehr auffällig erscheinen. Auf die Cohorte wird endlich der praef. cohortis IIII Dalmatarum zu beziehen sein, den wir aus dem Cursus honorum CIL II 3583 kennen. Dagegen wird das Fragment eines africanischen Cursus honorum, CIL VIII 4678 = 16 870, wo der Herausgeber den Namen einer coh. IV Delm. herstellen will, kaum eine solche angehen.

cohors IIII Delmatarum miliaria. Dass eine solche neben der durch den Praefecten bezeugten quingenaria des Namens bestanden haben könnte, wäre denkbar, da in dem Cursus honorum CIL III 1474 ein trib. co(h.) IIII De(l)ma(t)arum [283] genannt ist. Allerdings könnte hier ja auch ein frühes Beispiel der späteren Rangordnung vorliegen, nach der alle Cohortencommandeure den Tribunentitel führen, allein das Vorkommen je einer coh. I. II. III Delmatarum miliaria neben den betreffenden quingenariae lässt jene Annahme doch zum mindesten als erwägenswert erscheinen.

cohors V Delmatarum ist ausschliesslich in Germanien nachweisbar, wo sie Diplom XI im J. 74 in der ungeteilten Provinz, Diplom XXI für 90, XL für 116 und L für 134 in der Provincia superior nennen. Dazu stimmen die inschriftlichen Funde, Ziegel mit COH V DEL aus Böckingen, ORL 56, 17. Arch. Anz. 1898, 20, und je ein Soldatengrabstein aus Mainz, CIRh 1069, und Wiesbaden, ebd. 1518; letztere beiden gehören, wie schon die dalmatische Heimat der Soldaten beweist, noch der frühen Kaiserzeit an. Steimle bezieht auf die Cohorte auch noch den Stein eines pr(aef.) oder pr(aep.) aus Böckingen, ORL 56, 14.

cohors VI Delmatarum (equitata), bis jetzt nur durch den frühen Grabstein eines Reiters, noch eines geborenen Dalmaters, aus Caesarea, CIL VIII 9377, bekannt, der beweist, dass die Truppe im 1. Jhdt. in Mauretania Caesariensis gestanden hat.

cohors VII Delmatarum war wie die VI Delmatarum eine equitata und hat wie sie im 1. Jhdt. in Mauretanien in Garnison gestanden. Die beiden Grabsteine von Reitern, auf denen sie genannt wird, CIL VIII 9384 und 21 040 (= Eph. ep. VII 516), stammen gleichfalls, wie der der VI Delmatarum, aus Caesarea; sie betreffen ebenfalls geborene Dalmater und sind wohl mit jenem ungefähr gleichzeitig. Auf eine der beiden Cohorten ist vielleicht auch noch ein Inschriftfragment aus Caesarea, ebd. 21058, zu beziehen, wo … ATA · RVM in Anbetracht des Fundorts wohl sicher zu [coh. . Delm]atarum zu ergänzen ist.

cohors Delmatarum. Eine solche wird ohne Ziffer in der Weihung an Ceres aus Aquinum, CIL X 5382, genannt, die von einem ...nius Iuvenalis trib. coh. Delmatarum, nach der herrschenden Ansicht von dem Dichter Iuvenal, gesetzt ist. Mommsen u. a. ergänzen, da die Nummer nicht fehlen dürfe, vor Delmatarum die Ziffer I, weil die coh. I Delmatarum in der Iuvenal aus eigener Anschauung bekannten Provinz Britannien gestanden habe. Aber ganz abgesehen davon, dass nach dem Beispiel nicht weniger Inschriften (ein besonders eclatantes, CIL XI 6009, verglichen mit Diplom II, siehe unter coh. II Hisp. scut. Cyr.) die Zahl durchaus nicht unbedingt beigefügt gewesen sein muss, würde die Ergänzung von I doch schon deshalb sehr unsicher sein, weil in Britannien nicht nur jene I Delmatarum gestanden hat, sondern auch noch die coh. II und IIII Delmatarum und diese dann mit ebenso grossem Recht in Betracht kämen. Allein ein anderes Bedenken spricht, wie mir scheint, überhaupt gegen eine Beziehung auf eine der britannischen coh. Delmatarum, das ist der Rang des Officiers als tribunus, der auf eine cohors miliaria deutet, während die genannten Truppen (s. d.) von Praefecten befehligt worden sind. Dagegen kennen wir in anderen Provinzen thatsächlich verschiedene coh. Delmatarum miliariae, die unter Tribunen standen (s. coh. I Delm. mil., II Delm. [284] mil., III Delm. mil., IIII Delm. mil.), und auf eine von diesen wird man dann folgerichtig die Inschrift von Aquinum zu beziehen haben. Der Dichter Iuvenal kann immerhin darin gemeint sein, aber zu den bisher daraus gezogenen Schlüssen auf sein Leben und speciell auf seinen Aufenthalt in Britannien darf der Stein meiner Ansicht nach nicht mehr verwendet werden.

cohors Domitiana s. coh. [IIII] Asturum, II Civium Romanorum p. f.

[cohors I Dongonum] ist zwar nicht bezeugt, aber durch die Existenz der coh. II Dongonum erwiesen.

cohors II Dongonum wird nur ein einzigesmal in Diplom XLIII genannt, wonach sie 124 n. Chr. in Britannien gestanden hat.

cohors I equitata wird in der Not. dign. Or. XXXIV 43 zu Calamona in Palaestina verzeichnet. Nach Analogie der coh. II equitum und der VI equestris dürfen wir eine alte Truppe annehmen. Sie könnte übrigens auch in der Papyrusurkunde BGU 447 = 26 gemeint sein, einer κατ’ οἰκίαν ἀπογραφή vom J. 175, worin die Freigelassene eines στρ. σπείρης α’ [ἱπ]πι[κῆς] vorkommt.

cohors II equitum. So heisst CIL III 600 eine der – durchweg im Orient stehenden – Abteilungen, die zu einem combinierten Cavalleriecorps, wohl für Traians Partherkrieg, Mannschaften detachiert hatten. Dieselbe Truppe wird auch in dem Cursus honorum aus Patavium, CIL V 2841, gemeint sein, wo ein praef. coh. secundae equit⟨at⟩um erscheint.

[cohortes III. IIII. V equitatae bezw. equitum oder equestres] müssen notwendig als Voraussetzung für die Zählung der coh. VI equestris angenommen werden und sind dann vielleicht auch wie die I, II und VI im Orient stationiert gewesen.

cohors VI equestris. Plinius empfiehlt ep. ad Trai. 106 von Bithynien aus dem Traian den P. Accius Aquila centurio cohortis sextae equestris, der eine Bittschrift an den Kaiser richtet, und Traians Antwortschreiben 107 enthält dann die Bewilligung dieses Gesuchs. Da sich nun mit einer solchen Bitte an den Statthalter einer Provinz doch nur ein Soldat einer in eben dieser Provinz stehenden Truppe wenden kann, darf wohl geschlossen werden, dass die Cohorte zu Beginn des 2. Jhdts. in Bithynia-Pontus gelegen hat.

cohors Aelia expedita. Ein Tribun dieser ihrem Namen nach von Hadrian formierten Cohorte begegnet uns in einem dem 3. Jhdt. angehörenden Cursus honorum, CIL VIII 9358, aus dem mauretanischen Caesarea. Vielleicht ist dieselbe Truppe auf einem unvollständig erhaltenen Stein aus Safar in Mauretanien (Bull. trim. VIII p. 92 = IX p. 275) gemeint, wo COH · EXP steht.

cohors Felix s. coh. I Ascalonitanorum.

[cohors VIII Fida]. Zu Talalati in Africa ist kürzlich eine Inschrift vom J. 295 gefunden worden, Compt. rend. 1894, 472 = Cagnat L’ann. épigr. 1895, 17, in der es heisst castra coh. VIII Fidae opportuno loco a solo instituit operantibus fortissimis militibus suis ex limite Tripolitano. Eine Cohorte der legio III Augusta, an die Cagnat (a. a. O. im Index) zu denken scheint, [285] ist schwerlich darin zu erkennen; vielleicht ist es eine von Diocletian neu formierte Abteilung.

cohors Fida s. coh. I Vardullorum.

cohors I Flavia equitata wird so ausdrücklich bezeichnet sowohl in dem stadtrömischen Cursus honorum des L. Domitius Rogatus, CIL VI 1607, der sie unter Hadrian befehligt hatte, als auch auf zwei africanischen Inschriften. Die eine von letzteren, CIL VIII 2844 aus Lambaesis, der Grabstein einer Frau, unter deren Söhnen sich ein coh. I Fl. eq. nennt, ist für die Garnison der Truppe belanglos. Der andere dagegen, ebd. 4527, der Grabstein eines imaginifer von ihr aus Zarai in Numidien, dürfte wohl beweisen, dass die Cohorte zeitweilig dort in Garnison gelegen hat. Sie wird dann an Stelle der coh. VI Commagenorum (s. d.) dorthin gekommen sein, und vielleicht beziehen sich auf ihre eigene Wegverlegung von Zarai die Worte in der dortigen Lex portus vom J. 202, ebd. 4508, die post discessum cohortis instituta war.

cohors I Flavia (equitata CIRh 645). Eine coh. I Flavia hat auch in Niedergermanien gestanden, denn wir besitzen von dort zahlreiche Ziegel einer solchen mit dem Stempel COH I FLA (im Leidener und Utrechter Museum, vgl. CIRh 60 d). Diese ist dann zweifellos auch gemeint auf einer im J. 250 von einem sacerdos Dolicheni den equitibus cohortis I F. gesetzten Inschrift aus Remagen, ebd. 645. Danach muss also auch sie equitata gewesen sein, und dann liegt die Vermutung nahe, dass diese in älterer Zeit in Germanien nicht nachweisbare coh. I Flavia equitata von der africanischen gleichen Namens nicht verschieden ist. Diese könnte etwa gegen Ende des 2. Jhdts. von Africa nach dem Rhein verlegt worden sein, und es könnte sich eventuell sogar darauf jener discessus cohortis von Zarai beziehen.

cohors I Flavia c. R. (equitata CIL III 600). Neben der (bezw. den beiden) im Westen des Reichs stehenden coh. I Flav. equ. hat eine weitere solche, die sich von jener schon durch ihren Beinamen c. R. unterscheidet, offenbar die ganze Kaiserzeit hindurch im Orient gestanden. Zunächst finden wir CIL III 600 in dem Verzeichnis der orientalischen Truppen, aus deren Reitern sich das Cavalleriedetachement des Valerius Lollianus in Traians Partherkrieg zusammensetzte, eine coh. I FLOR. Mommsens Erklärung Fl(av.) c. R. ist glänzend bestätigt worden durch das neugefundene Diplom von Syria Palaestina, Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106, das im J. 139 thatsächlich unter den Auxilien dieser Provinz die coh. I Flavia c. R. aufführt. Endlich nennt auch noch die Not. dign. Or. XXXIV 45 als Besatzung von Moleatha in Palaestina eine coh. I Flavia, womit gewiss die obige gemeint ist. Diese orientalische Cohorte und nicht die africanische bezw. germanische möchte ich in einer griechischen Inschrift aus Alexandria wiedererkennen, einer Weihung an Isis vom 26. August 158 (Neroutsos Ἐπιγρ. τῆς Ἀλεξ., Athen 1875 nr. 36), wo ein Ägypter als gewesener ἔπαρχος σπείρης α' Φλαουίας erscheint.

cohors Flavia: s. auch coh. III Afrorum, II Bessorum, I Brittonum, II Brittonum, I Canathenorum miliaria, I Chalcidenorum sagittariorum, I Cilicum, I Commagenorum, II Commagenorum, I Damascenorum, I Hispanorum [286] miliaria, I Hispanorum, I Ulpia Hispanorum miliaria c. R., I Musulamiorum, I Numidarum, II Numidarum.

cohors Flaviana. Wie es sich mit dieser Truppe verhält, die nur aus vier zu Ehren einunddesselben Mannes gesetzten Inschriften von Ilium (CIG 3615. 3616. 3617 [vgl. 3618]. Lebas-Waddington III 1040) bekannt ist, lässt sich nicht sagen.

cohors I Frisiavonum ist zum mindesten seit Traian bis in die späteste Zeit, und zwar anscheinend ununterbrochen, in Britannien gewesen. Dort stand sie nach Diplom XXXIV im J. 105, nach Diplom XLIII im J. 124 und noch zur Zeit der Notitia dignitatum (Occ. XL 36). Die wenigen sicheren Inschriften der Cohorte, vier Centuriensteine, CIL VII 178. 213. 214 (ob auch 215?) und Ephem. epigr. IV 674, stammen aus Manchester und dessen nächster Umgebung, sodass die Truppe wohl in jener Gegend zeitweilig gelegen haben wird. Als ihre spätere Garnison giebt die Not. dign. Vindobala am Hadrianswall an; es wäre möglich, dass auch die beiden dort gefundenen Weihungen von Praefecten ungenannter Truppen, CIL VII 541 und 542, sich auf die I Frisiavonum beziehen, wenigstens ist eine andere Cohorte dort bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Ob die Ziegel aus Caersws in Wales, ebd. 1243 a, mit C I F als c(oh.) I F(risiavonum) gelesen werden dürfen, ist nicht zu entscheiden.

cohors I [Aelia] Gaesa[torum] miliaria. Das auf Dacien bezügliche, aus der Zeit zwischen 145 und 161 stammende Diplom LXX (vgl. CIL III Suppl. p. 1990) nennt unter den Cohorten, die die Nummer I führen, eine coh… Gaesa[torum] miliaria. Auf diese Cohorte möchte ich nun die bisher als coh. prima Gall. gelesenen Ziegel mit , CIL III Suppl. 8074, 26 aus dem römischen Castell von Sebesváralja beziehen und sie als c(oh.) p(rim.) G(ae)s(a)t auflösen. Aus demselben Castell besitzen wir aber noch andere Ziegel mit dem retrograden Stempel (also CHIAEG), ebd. 8074, 16; man hielt das früher für coh. I Aeg(yptiorum), während v. Domaszewski coh. I Ae(lia) G(allorum) vermutete. Allein es scheint mir unzweifelhaft, dass damit dieselbe Truppe gemeint ist, die im Castell schon bezeugt ist und dass man also c(o)h. I Ae(lia) G(aesatorum) aufzulösen hat. Genau so ist der Sachverhalt bei dem Inschriftfragment aus Sebesváralja, CIL III Suppl. 7648, wo von einer coh. die Rede ist und ich gleichfalls [I] AEL • GAEsat. lese. Vgl. übrigens auch coh. I Ael. Sagitt. miliaria.

cohors Gaetulorum. Eine solche ohne Nummer wird zunächst auf einem pompeianischen Cursus honorum, CIL X 797, aus der Zeit des Claudius genannt. Dann haben wir den Grabstein eines ihrer Leute (coh. Gaet ...), CIL V 7895, aus Cemenelum in den Seealpen, wo sie also zeitweilig in Garnison gelegen haben muss und zwar, da der Mann noch geborener Africaner ist, nicht später als im 1. Jhdt. n. Chr. Auch eine andere Soldateninschrift aus Cemenelum, ebd. 7898, deren sicher verderbte Abschrift m]il. CCXLTVL bietet, wird einfach zu mil. C(oh.) GAETVL zu verbessern sein, ebenso ist vielleicht ebd. 7820 (aus dem nahen Tropaea Augusti) mi[l.] cohortis [G]ae[t.] zu lesen.

[287] cohors I Gaetulorum. Neben der vorigen, stets ohne Nummer genannten cohors Gaetulorum finden wir eine coh. I Gaetulorum, die übrigens von jener nicht notwendig verschieden zu sein braucht. Sie erscheint zweimal im Cursus honorum (CIL VIII 7039 und CIG 3497) und ist wohl dieselbe, die die Not. dign. Or. XXXV 32 zu Thilla⟨z⟩amana in Osrhoene aufführt.

cohors I Ulpia Galatarum wird mit ihrem Kaiserbeinamen zwar nur auf der griechischen Inschrift eines Praefecten aus Kleinasien (CIG 3953l, wohl identisch mit Pap. of the Amer. school II nr. 33) genannt, ist aber gewiss auch mit der coh. I Galatarum gemeint, die das neu gefundene Diplom (Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106) im J. 139 in Syria Palaestina verzeichnet. Wenigstens heisst in diesem auch die coh. II Ulpia Galatarum zwar im Subscript so, im Texte aber nur coh. II Galatarum.

cohors II Ulpia Galatarum erscheint neben der I Galatarum im Diplom von 139 (s. o.) und stand danach damals in Syria Palaestina. Das bei Nazareth gefundene Diplom ist einem Soldaten der Truppe, der aus Nicaea gebürtig ist, erteilt und nennt infolgedessen auch noch den betreffenden Praefecten. Noch in der Not. dign. or. XXXIV 44 finden wir sie in Palaestina mit der Garnison Arieldela (d. h. Arindela) vermerkt.

cohors III Galatarum hat nach den coh. I und II Ulpia Galatarum zu schliessen, vielleicht auch den Beinamen Ulpia getragen. Sie wird nur in der Not. dign. Or. XXVIII 35 und zwar als Besatzungstruppe von Ägypten mit der Garnisonangabe Cefro genannt, ist aber sicher eine alte Truppe.

cohors Gallaecorum: s. coh. Callaecorum.

cohors I Gallica c. R. equitata lässt sich durch Combinieren mehrerer Inschriften erschliessen. Zunächst lesen wir in einem Cursus honorum aus Sagunt, CIL II 3851 ... cohort. I Gallicae [c]ivium Romanorum ... Diesen Namen möchte ich dann auch in der Inschrift eines Cornelianus, ebd. 2913, aus der Gegend von Tarraco, einsetzen, der praefectus C. P. G. E. C. R. heisst. Hübner liest dies zwar als c(oh.) p(rim.) G(allaecorum) e(quitatae) c(ivium) R(omanorum); aber da eine solche Truppe nicht bekannt ist, dürfte es wohl näher liegen, nach obigem Stein c(oh.) p(rim.) G(allicae) e(quitatae) c(ivium) R(omanorum) aufzulösen. Die Truppe würde dann in Hispania Tarraconensis gestanden haben und ist dann gewiss dieselbe cohors prima Gallica, die die Not. dign. Occ. XLII 32 zu Veleia in der Provincia Tarraconensis verzeichnet und die in dem Lyoner Cursus honorum (CIL XIII 1807 = Boissieu Inscr. d. Lyon p. 241) des Timesitheus (praef. coh. I Gallic. in Hispan.) erscheint. Die obige Combination findet eine volle Bestätigung durch die soeben von Hübner Ephem. epigr. VIII p. 398 veröffentlichte Weihinschrift der mil(ites) c(o)h. I Gallicae eq. c. R. aus Villa Pouca d’Aguiar, wonach die Cohorte zeitweilig an diesem Platze gestanden haben muss.

cohors II Gallica. In der Not dign. Occ. XLII 28 steht in einer Reihe von lauter alten Truppen unter Callaecia verzeichnet: tribunus cohortis secundae Gallicae ad cohortem Gallicam. Sowohl der Name selbst als auch die Bezeichnung [288] des Standorts nach dem Cohortennamen lassen auf eine alte, seit langer Zeit an dem betreffenden Platze liegende Truppe schliessen.

cohortes I Gallorum. Es muss, da nicht weniger als je drei verschiedene cohortes II und IIII Gallorum gleichzeitig neben einander bestanden haben, auch mehrere, mindestens drei cohortes I Gallorum gegeben haben, doch ist, da gerade von ihnen nur sehr wenige Inschriften erhalten sind, eine Scheidung hier besonders schwierig. Eine

cohors I Gal(lorum) würde im 1. Jhdt. in Aquitanien anzunehmen sein, wenn der Grabstein eines K. I Gal. aus der Gegend von Aulnay de Saintonge, Bull. com. 1888, 417 = Espérandieu Épigr. rom. du Poit. et de la Saint. nr. 76, den allerdings Hirschfeld CIL XIII 119* für verdächtig hält, echt sein sollte.

cohors [I] Gallorum Dacica hat nach Diplom LXVI im J. 157 in Dacia superior gestanden; die Zahl ist im Diplom zwar ausgefallen, aber mit Bestimmtheit zu ergänzen. Die Cohorte will sich durch ihren Beinamen von den anderen coh. I Gallorum unterscheiden, kann dabei aber sehr wohl z. B. mit der vorigen identisch sein.

cohors I Gal(lorum ... miliaria?) scheint auf der nur hsl. erhaltenen Inschrift aus Nyon (Mommsen Inscr. Helv. 116 = CIL XIII 5007) genannt zu sein, die ein Vater zu Ehren seines Sohnes, eines trib. mil. coh. I GALIIIIBSP (oder ↃP) setzt. Mommsens Erklärung I Gall. I Hisp. vermag ich nicht anzunehmen, aber auch selbst keine befriedigende zu geben. Vielleicht könnte entweder ein Beiname darin stecken, der, wie oben bei der I Gallorum Dacica, die Garnisonprovinz der Truppe nennt, oder aber der Name gab, wie mehrfach bei anderen Cohorten, zwei Volksstämme an, etwa I Gallorum et Hispanorum oder I Gallorum et Bosporanorum, ähnlich wie wir z. B. eine ala Gallorum et Bosporanorum (s. Bd. I S. 1245) kennen.

[cohors I Aelia Gallorum] wollte v. Domaszewski aus den dacischen Ziegeln mit (CIL III 1633, 7 vgl. Suppl. 8074, 16) erschliessen, allein diese beziehen sich wohl eher auf eine coh. I Aelia Gaesatorum (s. d.).

Ein praef. cohort. I Gallor. im Cursus honorum aus Bologna, CIL XI 709, kann einer bestimmten Cohorte des Namens nicht zugewiesen werden.

cohors II Gallorum nennen drei Diplome (XXXI. XXXIII. XXXVIII) in den J. 99. 105 und c. 112 in Moesia inferior; sie hat also während Traians ganzer Regierung in dieser Provinz gelegen und kann dieselbe höchstens behufs Teilnahme an den dacischen Kriegen zeitweilig verlassen haben. Aber auch schon geraume Zeit vor Traian muss sie sich dort befunden haben, denn das aus dem J. 99 stammende, zu Oltina in der Provinz gefundene Diplom XXXI ist einem ihrer Soldaten erteilt, der bereits aus Moesia inferior gebürtig und also daselbst in die Truppe eingetreten war. Als Praefecten nennt das Diplom für 99 den Visulanius Crescens. Sicher von dieser Cohorte verschieden ist die zu derselben Zeit in den Nachbarprovinzen vorkommende

cohors II Gallorum Macedonica equitata (CIL II 3230), die ihrem Beinamen nach zu schliessen ursprünglich in Macedonien gestanden hatte. Sie hat 93 n. Chr. in Moesia superior gelegen (s. das [289] neue Diplom aus Bulgarien, Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.) und dann offenbar Traians dacische Kriege mitgemacht, denn im J. 110 finden wir sie in dem für die Occupationstruppen der neuen Provinz ausgestellten Diplom XXXVII genannt. Dass sie aber auch später noch in Dacien verblieben ist, geht aus dem Cursus honorum des P. Licinius Maximus, CIL II 3230, hervor, der praef. cohortis II Gallorum equitatae in Dacia heisst. Ein anderer Praefect T. Varius Clemens wird in mehreren Inschriften aus Celeia, CIL III 5211. 5212. 5214. 5215, und in einer aus Trier, Bonn. Jahrb. 50/51, 218, erwähnt.

cohors II Gallorum. Keinesfalls darf mit einer der beiden vorigen coh. II Gallorum die gleichnamige Abteilung identificiert werden, die 107 n. Chr. in Diplom XXXVI unter den Auxilien von Mauretania Caesariensis erscheint. Denn dass von der Donaugrenze, die im Laufe der Kaiserzeit militärisch immer mehr verstärkt wurde, gerade in der kritischen Zeit der Dakerkriege, an denen eben die moesischen Truppen in erster Linie beteiligt waren, eine Cohorte nach dem damals vollständig pacificierten Mauretanien geschickt sein sollte, ist unbedingt ausgeschlossen. Endlich finden wir eine

cohors II Gallorum equitata (CIL VII 317. XI 1303) in Britannien. Sie wird in dieser Provinz unter 146 n. Chr. in Diplom LVII aufgeführt und hat nach Ausweis ihrer Inschriften zu Plumptonwall in Garnison gelegen. Dorther stammen eine Weihung von ihr und ihrem Praefecten, CIL VII 317, und eine Bauinschrift ebd. 324, aber auch auf mehreren anderen dortigen Steinen ist ihr Name mit Sicherheit wiederherzustellen, so auf der Bauinschrift ebd. 316 (...oh. II..) und der Weihung 315 (coh... Gallo.), durch die dann erwiesen wird, dass die Truppe sich noch unter Philippus, also um die Mitte des 3. Jhdts., in Britannien befunden hat. Zwei weitere Soldatensteine aus Plumptonwall, eine Weihung eines actor praefecti und den Grabstein der Tochter eines imaginifer, wird man, so lange andere Cohorten auf jener Militärstation nicht nachgewiesen werden können, wohl gleichfalls auf obige beziehen dürfen. Sicher diese britannische Abteilung hat L. Naevius Verus Roscianus befehligt, der bei Placentia den Stein CIL XI 1303 weiht mit den Worten praef. coh. II Gall. eq. votum ex Britannia rettulit. Eine der moesischen Cohorten kann man in der britannischen II Gallorum keinesfalls wiedererkennen, dagegen wäre es möglich, dass sie mit der mauretanischen identisch ist und etwa Hadrian sie nach den schweren Verlusten in Britannien dorthin verlegt hat.

Nicht zu entscheiden ist, auf welche der drei bezw. vier obigen Cohorten die Praefecten zu beziehen sind, die als Commandeure einer coh. II Gallorum in den Cursus honorum CIL XI 4084. X 270* (interpoliert, doch sind die Truppennamen ganz unverdächtig, vgl. coh. II Bosporanorum) und auf dem Grabstein einer Frau aus Capua, CIL X 3889, genannt werden.

cohors III Gallorum hat ursprünglich zum germanischen Heere gehört, in dem sie in Diplom XI unter dem J. 74 n. Chr. erscheint. Nach 74 (wegen der germanischen Heimat des im J. 105 entlassenen Soldaten von Diplom XXXIII vielleicht [290] sogar erst nach 79), aber vor 82 ist sie zusammen mit der coh. V Hispanorum und der ala Claudia nova (s. Bd. I S. 1238) nach Moesien abcommandiert worden, und als abcommandiert wird sie daher in dem germanischen Diplom XIV vom J. 82 aufgeführt. Allein aus der zeitweiligen Detachierung wurde, anscheinend noch unter Domitian, ein vollständiger Übertritt zur niedermoesischen Armee, denn in dieser nennen die Cohorte dann die Diplome XXX. XXXIII und XXXVIII in den J. 99. 105 und c. 112. Endlich wird Hadrian sie dann über die Donau nach Dacia inferior vorgeschoben haben, wo sie nach Diplom XLVI im J. 129 n. Chr. stand. In keinem von all diesen Ländern sind Inschriften der Truppe erhalten, nur ein Praefect erscheint im Cursus honorum CIL II 1180. Denn da der betreffende Officier in unmittelbarem Anschluss an die praefectura noch zwei weitere Commandos in Dacia inferior geführt hat, ist hier gewiss die unterdacische Truppe gemeint. Einen Praefecten nennt ausserdem noch das für einen Soldaten der Cohorte ausgestellte Diplom XXXIII.

cohors III Gallorum. Dass neben der vorigen noch andere cohortes III Gallorum bestanden haben, ist wegen der sicher erwiesenen Existenz von mindestens je drei cohortes II und IIII Gallorum unbedingt vorauszusetzen. Die eine von ihnen dürfte in Spanien gestanden haben. Wenigstens besitzen wir aus Italica in der Baetica einen dem 1. Jhdt. angehörenden Grabstein eines activen Soldaten ... cohor]tis III Gallorum, CIL II 1127. Ob auf der nur hsl. überlieferten Weihinschrift aus Viseu in Lusitanien, CIL II 403, die von einem m]il. imaginifer chor. III. al . gesetzt ist, mit Hübner [G]al[lorum] zu ergänzen ist oder nicht eher [C]al[laecorum], lässt sich nicht entscheiden. Auf eine coh. III Gallorum könnte sich endlich noch ein Inschriftfragment aus Ostia Not. d. scav. 1897, 528 beziehen, auf dem wir [co]h. III G[allorum?] lesen.

cohors IIII Gallorum. Eine Cohorte dieses Namens hat zum mindesten seit Traian bis hinab in die späte Kaiserzeit zum Heere von Moesia inferior gehört. Unter diesem verzeichnet sie Diplom XXXIII im J. 105 und zählt sie noch die Not. dign. Or. XL 46 auf, die als ihre Garnison Ulucitra angiebt.

cohors IIII Gallorum. Von der vorigen ist unbedingt zu scheiden die coh. IIII Gallorum, die sowohl 107 wie 166 n. Chr. in den raetischen Diplomen XXXV und LXXIII (vielleicht auch in LXXIX) erscheint und die im Cursus honorum eines Praefecten aus Caesarea, CIL VIII 9374, ausdrücklich als coh. IIII Gallor. in Raetia bezeichnet wird. Denn dass etwa die moesische Cohorte zwischen 105 und 107, gerade während des zweiten dacischen Krieges, von dem Kriegsschauplatze weg nach dem friedlichen Raetien verlegt worden sein sollte, ist ganz ausgeschlossen.

cohors IIII Gallorum equitata (CIL VII 877. 1001). Eine dritte coh. IIII Gallorum hat in Britannien gestanden; von der moesischen ist sie verschieden, weil die Not. dign. Occ. XL 41 sie neben jener aufführt, und von der raetischen, weil sie gerade zu der Zeit, wo diese in Raetien war, selbst in Britannien nachzuweisen ist. Sie begegnet uns in der Provinz zuerst 146 n. Chr. in Diplom LVII und [291] ist dann in ihr bis zu der in der Notitia dignitatum behandelten späten Zeit verblieben. Da sie in allen früheren Diplomen der Provinz noch fehlt, ist sie wohl überhaupt erst im 2. Jhdt. dorthin verlegt worden, etwa bei der Verstärkung der britannischen Besatzung unter Hadrian. Eine Vermutung über ihre frühere Garnisonprovinz gestattet jetzt eine soeben von Hübner Ephem. epigr. VIII p. 408 veröffentlichte Inschrift aus Spanien, der Grenzstein pratorum coh. IIII Gall., aus dem sich als sicher ergiebt, dass eine coh. IIII Gallorum im 1. Jhdt. zu den Besatzungstruppen von Hispania Tarraconensis gehört hat; diese ist dann später dort nicht mehr nachweisbar und kann also sehr wohl im 2. Jhdt. nach Britannien verlegt worden sein, genau in derselben Weise, wie die ihr in Spanien unmittelbar benachbarte (Ephem. epigr. a. a. O.) ala Sabiniana (s. Bd. I S. 1259) später gleichfalls im britannischen Heere erscheint. Nach Ausweis der Inschriften hat die Cohorte in Britannien nacheinander in einer ganzen Reihe von Garnisonen gelegen. Die früheste nachweisbare dürfte das Castell von Templebury in Yorkshire sein, wo Ziegel von ihr (C·IIII·G), Ephem. epigr. IV 697, zu Tage getreten sind. Später dürfte sie an den Hadrianswall verlegt worden sein und, wie ich glaube, zunächst Petrianae als Station erhalten haben. Dorther haben wir zwei officielle Weihungen der Cohorte, CIL VII 877 und 878, während bei anderen dortigen Inschriften (z. B. ebd. 885. 887. 888. 889) nicht zu bestimmen ist, ob sie der coh. IIII Gallorum oder der gleichfalls dort liegenden coh. II Tungrorum angehören. Noch später muss die Truppe nach Schottland vorgeschoben worden sein und dort zeitweilig in Habitancium gelegen haben, woher eine dem 3. Jhdt. angehörende Weihinschrift von ihr, ebd. 1001, stammt. Zeitweilig wird sie auch die Station Castlehill am Piuswall besetzt gehalten haben, da dort eine Weihung eines ihrer Praefecten, ebd. 1129, gefunden ist. Als späteste ihrer britannischen Garnisonen werden wir Vindolana am Hadrianswall anzusehen haben, wo sie die Notitia dignitatum ansetzt, und wo thatsächlich die Weihungen zweier ihrer Praefecten, ebd. 703 und 704, gefunden sind; auch die dortige Kaiserinschrift einer ... Gallor., ebd. 715, ist ihr wohl sicher zuzuweisen.

Verschiedene Praefecten einer coh. IIII Gallorum, die in den Cursus honorum CIL IX 5357. X 4873 (coh. IIII Gall. equitat.), IGI 2433 und vielleicht Cagnat L’ann. épigr. 1893, 54 vorkommen, lassen sich auf keinen bestimmten unter den obigen drei Truppenkörpern beziehen.

cohors V Gallorum hat zunächst in Pannonien gestanden, wie die Diplome XVI und XVII für 84 und 85 n. Chr. bezeugen. Noch unter Domitian muss sie dann nach Moesia superior verlegt worden sein, wo sie schon 93 in dem neuen Diplom, Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f., erscheint; denn dass hier beidemal dieselbe Truppe zu erkennen ist, geht schon daraus hervor, dass die coh. V Gallorum in sämtlichen pannonischen Diplomen nach 85 fehlt. In Moesia superior ist die Cohorte anscheinend auch fernerhin verblieben, denn wir haben den Grabstein eines Veteranen von ihr aus Drobetae, Arch.-epigr. Mitt. XIX 213 = CIL III 14216⁴, und Ziegel mit [292] COHVGI aus Szerb-Pozsezsena am linken obermoesischen Donauufer, Arch.-epigr. Mitt. XIV 111 = CIL III 12436; bei den Ziegeln aus Golubatz dagegen mit COH V, CIL III 1702, möchte ich lieber an die cohors Ubiorum denken.

cohors V Gallorum. Schwerlich ist mit der moesischen Cohorte dieses Namens diejenige identisch, die während der späteren Kaiserzeit in Britannien nachweisbar ist und dort in South Shields am östlichen Ende des Hadrianswalles gelegen hat. Letzteres ergiebt sich vor allem aus der an diesem Platze gefundenen Bauinschrift des Alexander Severus (Cagnat L’ann. épigr. 1893, 97), der aquam usibus mil. coh. V Gallo. induxit, dann aber auch aus zahlreichen Ziegeln, Ephem. epigr. III 122. IV p. 207. VII 1003. Bonn. Jahrb. 64, 31. Zeitweilig war die Truppe auch nach Schottland vorgeschoben, da wir eine officielle Weihung von ihr, CIL VII 1083, aus Cramond besitzen. Wenn man den Ziegel aus Köln, Bonn. Jahrb. 82, 20, mit dem Stempel als c(oh.) V G(allorum) lesen dürfte, würde die Cohorte, bevor sie nach Britannien kam, in Germania inferior gestanden haben.

Als Praefect einer coh. V Gall. equit(ata), doch ungewiss welcher der beiden obigen, wird C. Minicius Italus im Cursus honorum CIL V 875 und Cagnat L’ann. épigr. 1893, 91 genannt.

cohors VI Gallorum wird nur einmal im Cursus honorum des M. Macrinius Avitus Catonius Vindex, CIL VI 1449, erwähnt.

cohors VII Gallorum hat während der Regierung Traians in Moesia inferior gestanden. Dort nennt sie Diplom XXX für 99 und Diplom XXXVIII c. 112 n. Chr., und von dort haben wir auch aus Tomi die Grabschrift eines ihrer Soldaten, CIL III Suppl. 7548, während ein Praefect im Cursus honorum ebd. III 1193 erscheint.

[cohortes VIII. IX. X Gallorum] fehlen noch.

cohors XI Gallorum (equitata) muss zeitweilig in Dalmatien gelegen haben, da zu Narona in dieser Provinz der Grabstein eines d(ec.) cho. XI Gall. domo Patavi, CIL III 8439, gefunden worden ist. Die früher vielfach angezweifelte Zahl ist ganz sicher.

cohors Gemella: s. coh. II Thracum.

cohors V Gemina c. R. ist erst durch das neue Diplom von Syria Palaestina, Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106, bekannt geworden, demzufolge sie 139 n. Chr. in dieser Provinz gelegen hat. Es wäre übrigens nicht unmöglich, dass wir in ihr eine Voluntariercohorte zu erkennen hätten.

cohors Gemina: s. auch coh. Dacorum, II Ligurum et Corsorum, I Sardorum et Corsorum.

cohors I Germanica. Auf einem dem 3. Jhdt. angehörenden Grabstein aus Lugdunum, CIL XIII 1892 = Allmer Rev. épigr. II 220. erscheint unter verschiedenen Verwandten, die ihn gemeinsam errichten, ein M. Valer. Silvanus coh. I Germanicae [in] Ger. inf. Damit ist eine Cohorte dieses Namens als Bestandteil des niedergermanischen Heeres in der späteren Kaiserzeit gesichert. Hirschfeld möchte darin die obergermanische coh. I Germanorum wiedererkennen; unmöglich ist dies natürlich nicht, allein abgesehen von der verschiedenen Namensform spricht dagegen doch wohl, dass jene gerade im 3. Jhdt. in Germania superior bezeugt ist, und die Fassung [293] scheint durch den Zusatz in Ger. inf. sie eher eben von der obergermanischen I Germanorum unterscheiden zu wollen.

cohors I Nervana Germanorum miliaria equitata (CIL VII 937. 1063. 1066) ist anscheinend unter Nerva errichtet und nach ihm benannt. Wir kennen sie nur aus britannischen Inschriften, deren verschiedene Fundorte einen mehrmaligen Garnisonwechsel innerhalb der Provinz vermuten lassen. So muss die Cohorte eine Zeit lang zu Gabrosentum am Hadrianswall gestanden haben, von wo wir eine officielle Weihinschrift von ihr, CIL VII 937 (ob auch 936?), besitzen. Später wird sie nach Schottland vorgeschoben worden sein, wo Blatum Bulgium ihr Standort wurde. Wenigstens haben wir von dort zwei Weihinschriften der Truppe, ebd. 1063 und 1066. Die weitere eines Tribunen, ebd. 953, ist zu Netherby nördlich vom Hadrianswall gefunden, während es bei dem Stein aus Magnae, ebd. 796, nicht ohne weiteres sicher ist, ob die Cohorte gemeint ist.

cohors I miliaria Germanorum. Eine Cohorte dieses Namens haben wir neben der I Nervana Germanorum miliaria im Orient anzunehmen. Sie wird als coh. miliaria Germanorum in der Not. dign. Or. XXXVIII 30 zu Sisila in Armenia, d. h. im alten Cappadocien, aufgeführt; dass sie aber schon viel früher in jenen Gegenden gestanden hat, darf meiner Ansicht nach aus einem in der Dobrudscha gefundenen griechischen Cursus honorum des 3. Jhdts. (Arch.-epigr. Mitt. VIII 22) gefolgert werden. Der betreffende Officier heisst τριβοῦνος χώρτης α' Γερμανῶν (also einer coh. miliaria) und unmittelbar im Anschluss daran ἡγησάμενος στρατιωτικοῦ ἐν παρατάξει Ἀρμηνιακῇ στρατιωτῶν ἐπαρχείας Καππαδόκων. Danach kann also die britannische Cohorte kaum gemeint sein, zumal deren Beiname nicht gefehlt hätte. Aus letzterem Grunde wird man auch den im Cursus honorum CIL XIV 160 erscheinenden trib. coh. I Germanor. lieber auf die orientalische als auf die britannische Cohorte beziehen.

cohors I Germanorum c. R. nennen die Diplome XIV für 82 in Germanien, XL und L für 116 und 134 in Germania superior; den Beinamen c. R. giebt nur Diplom XL. Alle directen Denkmäler der Cohorte stammen aus dem württembergischen Neckarkreis, wo zu Olnhausen die Weihinschrift eines Centurionen, CIRh 1616, gefunden ist, während wir aus Jagsthausen, das im 3. Jhdt. bestimmt Standquartier der Cohorte gewesen ist, mehrere Inschriften von ihr haben, so die Weihung eines Tribunen an die Fortuna Balinearis aus dem J. 248 (Korr. d. Westd. Ztschr. V 227, vgl. Westd. Ztschr. VI 76), ein Fragment aus der Regierung des Alexander Severus, ebd. 77, vgl. Korr. d. Westd. Ztschr. VI 194, und eine gleichfalls in das 3. Jhdt. zu setzende Bauinschrift des balneum coh. I Germ..., CIRh 1608, auf der ein Tribun genannt wird. Das Vorkommen von Tribunen beweist in jener späten Zeit natürlich noch nicht, dass die Cohorte eine miliaria gewesen ist, und es können sich daher immerhin mehrere ältere Cursus honorum, in denen praefecti einer coh. I Germ. bezw. einer coh. German. erscheinen, auf sie beziehen, wenn auch freilich daneben noch die Möglichkeit besteht, dass es [294] ausserdem eine cohors quingenaria des Namens gegeben hat. Jene Cursus honorum sind CIL XI 5745 aus Sentinum, XIV 2960 aus Praeneste, ferner Arch.-epigr. Mitt. VIII 21 aus der Dobrudscha, wo mit ... σπείρης α' Γερμανῶ[ν] als erstem Amt der ritterlichen Officierscarrière nur das Commando einer cohors quingenaria gemeint sein kann, und endlich das Fragment aus Brixia, CIL V 8884, wo ich praef. [coh. I] Germa[nor.] ergänzen möchte.

cohors I Hamiorum sagittariorum ist nur in Britannien nachweisbar. Dort wird sie in Diplom XLIII vom J. 124 aufgeführt, und dort sind mehrere Inschriften von ihr gefunden, aus denen sich Magnae am Hadrianswall als ihr Standort ergiebt. Die früheste davon ist die Weihung eines Praefecten für L. Aelius Caesar aus den J. 136–138, CIL VII 748, andere Weihungen von Praefecten sind ebd. 758. 773 und ein unbestimmbares Fragment 774. Auch der Altar für die dea Hammi(a) aus Magnae 750 und ebenso die metrische Inschrift ebendaher 759 werden mit Recht auf sie bezogen. Endlich wird der Stein eines Fl. Secund... pref. unbekannten Fundorts im Museum von Newcastle, ebd. 502 c, gleichfalls aus Magnae stammen und der coh. I Hamiorum angehören, denn der Officier ist offenbar derselbe, der auf 748 als ihr Praefect genannt ist, und gerade letztere Inschrift befindet sich ebenfalls im Museum von Newcastle. Sonst haben wir noch aus Schottland zwei Inschriften von Praefecten der Cohorte vom Piuswall, die eine, ebd. 1110, ein Grabstein, die andere, Cagnat L’ann. épigr. 1898, 152, eine Weihung an Silvan. Es kann darnach wohl nicht bezweifelt werden, dass die Truppe zeitweilig auch am Piuswalle gelegen hat.

cohors II (H)amiorum. Auf dem Grabstein einer Frau aus der Gegend von Theueste in Numidien, CIL VIII 10654, wird deren Sohn Iulius Securus mil. coh. II Amiorum genannt. Ein sicherer Schluss kann daraus für die Garnison der Cohorte nicht gefolgert werden, wenn es auch wahrscheinlich ist, dass sie eben in Numidien gelegen hat.

cohors I Helvetiorum hat in Germania superior gestanden und dort nach Ausweis der Funde nacheinander zwei verschiedene Garnisonen gehabt. Zunächst wird sie im Castell Böckingen am Neckar gelegen haben, wo sie für das J. 148 durch die Weihinschrift an Fortuna eines sie als praepositus befehligenden Centurionen der legio VIII Augusta, CIRh 1583 = ORL 56, 13, bezeugt ist und von wo wir noch eine weitere undatierte Weihinschrift (CIRh 1586, vgl. Ihm Bonn. Jahrb. 83, 131. ORL 56, 14) besitzen. Später wird sie dann nach Osten vorgeschoben worden sein und von da ab zusammen mit einem numerus Brittonum die Besatzung des Limescastells Öhringen gebildet haben. Aus diesem stammen vor allem zahlreiche Ziegel der Cohorte, teils diese allein, teils mit ihr die Brittones nennend, CIRh 1563 c. d und wohl auch 2002. ORL 42 und 42¹ p. 20 und 23 (über andere angeblich in dem Nachbarcastell Jagsthausen gefundene Ziegel s. Nass. Ann. II 3, 264). Dann aber nennen dort die Cohorte auch noch zwei Inschriften, anscheinend des 3. Jhdts., CIRh 1559 und 1560 = ORL 42/42¹ p. 27. [295]

cohors I miliaria Hemesenorum sagittariorum equitata (CIL III 3328 = 10303. 3331) c. R. begegnet uns erst seit der Mitte des 2. Jhdts., dann aber sogleich häufiger und zwar ausschliesslich in Pannonia inferior. Von den Diplomen dieser Provinz nennen die Cohorte das einem ihrer Soldaten, einem geborenen Syrer, erteilte LVIII zwischen 138 und 146 und XC zwischen 216 und 247 (?). Sämtliche neun Inschriften, die wir von ihr besitzen, sind zu Duna-Pentele an der Donau, dem alten Intercisa, gefunden, das damit als Garnison der Truppe, zum mindesten für das 3. Jhdt., erwiesen ist. Es sind Weihungen teils der ganzen Cohorte, so die im J. 240 zu Ehren des Kaisers Gordian, CIL III 3331, teils der Veteranen, so ebd. 10304 zu Ehren des Alexander Severus, aber auch solche einzelner Soldaten, so 10306 eines bf. cos. vom J. 213 n. Chr. pro salute des Caracalla und Genio coh. Hem. Antoninianae, ferner 3328 = 10303 eines eques, 10307 eines mag. coh. An Grabsteinen sind in Intercisa gefunden solche von Veteranen ebd. 3334 = 10316 und 10318, von einem signifer 10315, und auch der Tribun, dessen Frau zu Intercisa gestorben war, 10321, darf unbedenklich der coh. Hemesenorum, zugewiesen werden. Den Meilenstein ebendaher aus den J. 235/238 einer coh. ... Maximiniana, ebd. 10636 = 3728, hat schon v. Domaszewski richtig auf sie bezogen. Die auf den verschiedenen Inschriften erhaltenen Namen der Soldaten beweisen klar, dass die Cohorte sich auch im 3. Jhdt. noch aus geborenen Orientalen rekrutiert hat. Ein Tribun von ihr wird in einem Cursus honorum aus Capua, CIL X 3847, genannt. Der Stein aus Burdigala CIL XIII 595 darf kaum auf eine coh. Hemesenorum bezogen werden, vgl. Mommsen Eph. ep. V p. 194.

cohors Hispana: s. coh. II Vasconum c. R.

cohors I Aelia Hispanorum miliaria equitata (CIL VII 954. 964. 965) ist nach ihrem Namen zu schliessen erst von Hadrian errichtet und thatsächlich auch nicht vor dem Ende des 2. Jhdts. nachweisbar. Die vier Inschriften, die sie nennen, stammen sämtlich aus Britannien und zwar aus Netherby nördlich vom Hadrianswall und beweisen, dass die Cohorte dort bis mindestens auf Alexander Severus hinunter in Garnison gelegen hat. Es sind die Weihung eines Tribunen, CIL VII 954, je eine Dedication für die Kaiserin Iulia und für ihren Sohn Caracalla, ebd. 963 und 964, und endlich eine Bauinschrift vom J. 222, die sich auf die Herstellung einer basilica equestris exercitatoria bezieht, ebd. 965.

cohors I Flavia Hispanorum miliaria equitata erscheint 93 n. Chr. unter den Auxilien von Moesia superior in dem neugefundenen Diplom dieser Provinz, Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f. Dann wird noch ein Tribun von ihr in einem Cursus honorum aus Circeii, CIL X 6426, genannt, der wegen der darin vorkommenden ala I Ulpia Singularium sicher der nachtraianischen Zeit angehört. Trotz scheinbarer Namensverschiedenheit halte ich die Cohorte für identisch mit der

cohors I Flavia Ulpia Hispanorum miliaria c. R. equitata, in der ohne weiteres eine ursprüngliche coh. I Flavia Hispanorum zu erkennen ist, die dann unter Traian noch den weiteren Beinamen Ulpia erhalten hat. Falls auch der Ehrenbeiname [296] c. R. erst nach 93 erworben worden wäre, würde sein Fehlen in dem Diplom dieses Jahres (s. o.) nicht auffallen und eine Gleichsetzung beider Truppen als ganz unbedenklich erscheinen. Für eine solche spricht nun alles, was wir von den Schicksalen der I Flavia Ulpia Hispanorum wissen. Sie muss unter Traian dessen dacische Kriege mitgemacht haben, da sie in Diplom XXXVII vom 17. Februar 110 unter den noch in der neuen Provinz stehenden Occupationstruppen verzeichnet ist. Dazu stimmt der Meilenstein aus Ajton zwischen Potaissa und Napoca, CIL III 1627, der im J. 109/110 gesetzt ist und sich auf den Bau der betreffenden Strasse per coh. I Fl. Ulp. Hisp. mil. c. R. eq. bezieht. Noch unter Pius ist dann die Cohorte in Diplom LXX (zwischen 145 und 161) unter den dacischen Auxilien aufgeführt.

cohors I Flavia Hispanorum – als quingenaria von der vorigen Cohorte verschieden – gehörte nach Diplom XXXVI im J. 107 zu den Auxilien von Mauretania Caesariensis. Das einzige sichere Denkmal von ihr aus dieser Provinz ist eine Inschrift aus Caesarea, CIL VIII 9360, die zu Ehren eines Statthalters von Tib. Cl. Licinius ex [p]raef. coh. I Fl. Hisp. gesetzt ist. Vielleicht darf aber auch auf dem Fragment aus dem unweit von Caesarea gelegenen Manliana, ebd. 9612, COH·I ... VN .. HISP zu coh. I [Fla]vi[ae] Hisp. ergänzt und auf obige Cohorte bezogen werden. Sicher ist diese gemeint in dem stadtrömischen Cursus honorum CIL VI 3506, wo wegen des praef. nur die mauretanische coh. I Fl. Hisp., nicht aber die miliaria dieses Namens verstanden werden kann. Möglicherweise könnte auch der CIL VIII 853 = 12370 genannte frühere Centurio einer coh. I Hisp., dessen Dienstzeit in die Regierung Hadrians fällt, ihr angehören, da er ausserdem noch in der mauretanischen coh. IIII Sugambrorum gedient hatte.

cohors I Flavia Hispanorum equitata p. f. wird in einem Cursus honorum unbekannten Fundorts (Bull. d. Inst. 1868, 60) genannt, aus dem klar hervorgeht, dass sie eine quingenaria gewesen ist. Die Möglichkeit, sie mit der vorigen zu identificieren, besteht zweifellos, wahrscheinlicher dürfte es aber doch sein, dass hier eine von jener verschiedene, sonst unbekannte Truppenabteilung zu erkennen ist.

[cohors I Hispanorum c. R.] hatte Mommsen aus dem oberpannonischen Diplom LI vom J. 138 erschlossen, wo er I HIS ... R auf eine Cohorte beziehen zu müssen glaubte. Allein inzwischen hat Bormann Arch.-epigr. Mitt. XX 161 gezeigt, dass darin der Name einer ala und zwar der bekannten oberpannonischen I Hispanorum Arvacorum (s. d. Bd. I S. 1229) enthalten ist. Die Cohorte scheidet also aus der Reihe der Auxilien aus.

cohors I Hispanorum p. f. begegnet uns ausschliesslich in Dacien. Dort wird sie bereits unter 110 n. Chr. in Diplom XXXVII aufgeführt, hatte also sicher schon an der Unterwerfung des Landes mit teilgenommen. Aber auch mit der coh. I Hispan ..., die in dem dacischen Diplom LXX aus der Zeit des Pius erscheint, wird sie gemeint sein, ebenso wie auf den Ziegeln mit C(oh.) I HISP B (= quingenaria) ΤΡΓ (p. f.?) IBc, [297] CIL III 6283 = Suppl. 8074, 18, die zu Magyar Egregy im äussersten Nordwesten der Provinz Dacien zu Tage getreten sind, denn die dacische coh. I Flavia Ulpia Hispanorum miliaria ist durch den ausdrücklichen Zusatz B ausgeschlossen, der vielleicht gerade deshalb zugefügt ist, um die Truppe von jener anderen zu unterscheiden.

cohors I Hispanorum veterana (equitata, vgl. Arch.-epigr. Mitt. XIV 14) war in den unteren Donauprovinzen stationiert und hat sich durch den Beinamen veterana wohl von einer jüngeren, vermutlich gleichfalls in jenen Gegenden stehenden coh. I Hispanorum unterscheiden wollen. Wir finden sie mit diesem Namen 99 n. Chr. in Diplom XXXI von Moesia inferior; bald darauf muss sie – zweifellos anlässlich Traians dacischen Kriegen – über die Donau verlegt worden sein, wenigstens fehlt sie in allen niedermoesischen Diplomen der traianischen Zeit, begegnet uns dafür aber 129 n. Chr. in Diplom XLVI in Dacia inferior. Ihr möchte ich dann das Silberplättchen zuweisen, das in dieser Provinz im Castell von Bivolari am Alt gefunden ist, Arch.-epigr. Mitt. XIV 14 und das einen eq. lib. chor. I Hisp. nennt. Hier mit den Herausgebern an die britannische oder an die ägyptische coh. I Hispanorum zu denken, geht nicht an. Endlich, halte ich es für nicht unmöglich, dass die Ziegel mit dem Stempel COH • HIS … aus dem Castell von Bereczk in der Háromszék, CIL III Suppl. 8074, 17, von ihr herrühren, da die betreffende Gegend noch zu Dacia inferior gehört zu haben scheint; vgl. auch coh. I Hispanorum.

cohors I Hispanorum equitata (CIL VII 373. 377. 383. 384. 385. XI 5632) ist bis jetzt nur in Britannien nachzuweisen, wo sie die Diplome XXIX. XXXII. XXXIV. XLIII. LVII für die Jahre 98. 103. 105. 124. 146 nennen und wo sie noch die Not. dign. Occ. XL 49 zu Uxellodunum verzeichnet. Diese Garnison hatte die Cohorte übrigens bereits unter Hadrian innegehabt, und einen sehr langen Aufenthalt daselbst beweist schon die grosse Zahl ihrer Inschriften von dort. Wir besitzen aus Uxellodunum ausser Ziegeln, CIL VII 1232, nicht weniger als fünfzehn Weihungen an Iuppiter, teils von der Cohorte mit ihren Commandeuren, teils von letzteren allein dargebracht. Es sind dies CIL VII 371–385, wobei freilich auf mehreren Steinen die Truppe selbst nicht genannt ist, aber durch die anderweit bezeugten Namen der weihenden Officiere gesichert wird; so ist z. B. die Weihinschrift an Vulcan, ebd. 398, von demselben Praefecten gesetzt wie 378. Auch den Grabstein aus Uxellodunum, ebd. 406 = 919, dessen Relief einen römischen Reiter zeigt, wird man vielleicht auf die einzige dort nachweisbare coh. equitata, eben die I Hispanorum, beziehen dürfen, ebenso wie das Fragment 402. Sonst besitzen wir nur noch von einem einzigen Punkte der Provinz eine Inschrift der Cohorte, nämlich aus Ardoch in Schottland den Grabstein eines ihrer Leute, die nördlichste römische Inschrift, die überhaupt bis jetzt gefunden ist. Die Truppe mag bei Gelegenheit eines Krieges so weit nach Norden gekommen sein und der Mann dann dort den Tod gefunden haben. Sicher ist die Cohorte an dem britannischen Kriege unter Hadrian beteiligt gewesen, da es von dem auch aus der [298] oben erwähnten Weihung von Uxellodunum 379 bekannten M. Maenius Agrippa in seinem Cursus honorum aus Camerinum, CIL XI 5632 = Orelli 804, heisst: electo a divo Hadriano et misso in expeditionem Britannicam trib. coh. I Hispan. equit. Auffällig erscheint es, dass dieser Officier und ebenso noch der CIL VII 374. 375. 376 vorkommende C. Caballius Priscus tribuni heissen, während die Cohorte sonst – abgesehen von dem als praepositus coh. fungierenden Legionscenturionen CIL VII 371 – stets von Praefecten (ebd. 373. 377. 378. 383. 384. 385. 398) befehligt wird. Bei Maenius, der bereits praef. coh. gewesen war und der als hospes des Kaisers diesem persönlich nahe stand, liesse sich allerdings, zumal während des Krieges, die Verleihung des höheren Ranges auch bei dem Commando einer cohors quingenaria erklären.

cohors I Hispanorum equitata. Von den sämtlichen bisher besprochenen cohortes I Hispanorum ist diejenige verschieden, die wir in den Jahren 83 und 98 in Ägypten finden; denn während sich die Mehrzahl der anderen von ihr schon durch ihre Zunamen unterscheidet, sind die beiden einzigen, die mit ihr im Namen I Hispanorum equitata übereinstimmen, die eine gerade 98 in Britannien, die andere 99 in Moesien, bezeugt, also mit ihr unmöglich identisch. Unter den ägyptischen Auxilien führt sie Diplom XV vom J. 83 auf, das einem ihrer Centurionen erteilt ist und den damaligen Praefecten M. Sabinius Fuscus nennt. Ihr Standort muss im äussersten Süden der Provinz gewesen sein, da sie zu Syene mit den beiden dort liegenden coh. II Ituraeorum und I Thebaeorum gemeinsam 99 n. Chr. eine Inschrift zu Ehren Traians, CIL III 14147², setzte; als ihr Befehlshaber erscheint dabei der Praefect Ti. Claudius Africanus. Auf diese coh. I Hispanorum werden nun mit Sicherheit die verschiedenen oberägyptischen Inschriften einer coh. Hispanorum ohne Zifferangabe bezogen werden dürfen, umsomehr als die Erwähnung von Reitern und turmae die betreffende Cohorte als equitata erweist. Diese Inschriften, von denen die eine auf das J. 84 datiert ist (CIG 5043 = Lepsius 97, 436; ebd. 5047 = Lepsius 97, 454; ebd. 5046 und Lepsius 97, 460) stammen sämtlich aus dem alten Talmis, wo die Truppe also gestanden haben muss. Möglich ist es, dass auch von den sonstigen ohne Angabe der Truppe zu Talmis vorkommenden Soldaten einzelne der coh. I Hispanorum angehört haben. Im Norden von Ägypten ist der Grabstein eines Soldaten, CIL III Suppl. 6590, aus Alexandria auf die Cohorte bezogen worden, auf dem allerdings die Ziffer ergänzt ist. Dagegen wird ihr, wie ich glaube, eine Inschrift auf der Memnonssäule, CIL III 50, zugehören, die bisher auf eine coh. II oder III Hispanorum bezogen wurde. Sie lautet Sabinius Fuscus praef. coh. II(?) Hisp. eq. audi VII idus Mart. anno III III S(?) imp. Aug. h. II bis und wird von Mommsen ins J. 195 gesetzt. Allein der Praefect ist eben derselbe Sabinius Fuscus, den das oben erwähnte Diplom als Praefecten der coh. I Hispanorum equitata im J. 83 nennt. Das dritte Jahr ist dann also nicht das des Septimius Severus, sondern das Domitians, d. h. eben das J. 83, für das Sabinius Fuscus bereits in Ägypten nachgewiesen [299] ist. Er hat die Memnonssäule offenbar auf der Hinreise zu seiner Cohorte, die ja gerade 84 n. Chr. in Talmis bezeugt ist, am 9. März 83 besucht und bald darauf das Commando übernommen, das er am 9. Juni dieses Jahres im Diplom bereits führt.

cohors I Hispanorum. Mehrfach werden auf Inschriften Cohorten dieses Namens erwähnt, ohne dass eine Beziehung auf eine der oben behandelten Truppen möglich wäre; so erscheinen Praefecten im Cursus honorum CIL V 7425 und III 6450 = 10255 (coh. I Hispan. eqq.) und ein verabschiedeter Centurio in der africanischen Inschrift CIL VIII 853 = 12370 (s. unter coh. I Flav. Hisp.). Auch die in Diplom II unter 60 n. Chr. in Illyricum, d. h. in Pannonien, verzeichnete coh. I Hispanorum lässt sich nicht ohne weiteres mit einer der sonst bekannten identificieren; am nächsten läge es vielleicht, in ihr die moesische coh. I Hispanorum veterana zu erkennen. Ob bei dem Steine aus Nyon, Inscr. Helv. 116, mit Mommsen überhaupt an eine coh. I Hispanorum zu denken ist, scheint mir fraglich, vgl. coh. I Gallorum.

cohors II Hispanorum scutata Cyrenaica (equitata CIL III 843) erscheint mit diesen Beinamen nur in dem dacischen Diplom LXX aus der Zeit des Pius. Sie wird damals ihr Standlager in Sebesváralja im Nordwesten der Provinz gehabt haben. Wenigstens sind dort der Grabstein eines dec. coh. II His., CIL III 843, und Ziegel mit coh. II His. (ebd. III 1633, 8 und 9 = Suppl. 8074, 19) bezw. coh. His. (Arch.-epigr. Mitt. III 115) gefunden worden. Die frühere Geschichte der Truppe lässt sich nur vermutungsweise reconstruieren. Sie wird wohl die coh. II Hispanorum equitata sein, die von Nero bis Domitian (60. 80. 84. 85 n. Chr.) in Pannonien bezw. Illyricum bezeugt ist durch die Diplome II. XIII. XVI und XVII. Diplom II ist für einen Reiter der Cohorte, einen geborenen Varcianer, ausgestellt (ein weiteres, gleichfalls einem Reiter der Cohorte erteiltes und den damaligen Praefecten nennendes Diplom hat soeben Bormann Jahresh. d. öst. arch. Instit. I 162f. veröffentlicht; wie er vermutet, gehört dasselbe in die Zeit vor 60 n. Chr. und bezieht sich gleichfalls auf die Provinz Pannonien), und nennt neben diesem noch den Praefecten C. Caesius Aper, den schon Borghesi in dem praef. coh. Hispanor. equitatae gleichen Namens auf einer Inschrift aus Sestinum, CIL XI 6009 = Borghesi Oeuvr. VIII 542, wiedererkannt hat. Bald nach 85 wird die Cohorte aus Pannonien wegverlegt worden sein und zwar anscheinend nach Moesia superior, wo zu Uj Palanka, der Übergangsstelle Traians über die Donau zu Beginn des ersten dacischen Krieges, Ziegel mit COH II HISP, CIL III Suppl. 8074, 20, gefunden sind. An diesem Kriege hat die Cohorte gewiss teilgenommen, und mit dem einzigen Auxiliaren, der auf der Traianssäule statt des Rundschildes das scutum der Legionare trägt (Bild XXXVIII), ist, wie ich Reliefs d. Traianss. II 191f. zu zeigen versucht habe, ein Soldat eben der coh. II Hispanorum scutata Cyrenaica, dargestellt. In den Jahren 103–105 hat die Cohorte dann an der steinernen Donaubrücke Traians bei Turn Severin mitgebaut, wie die in den Brückenpfeilern [300] gefundenen Ziegel mit coh. II Hisp., CIL III 1703, 1, beweisen; sie gehörte also auch damals noch zum obermoesischen Heere. Den zweiten dacischen Krieg wird sie gleichfalls mitgemacht haben, und 108 n. Chr. finden wir sie dann als vorgeschobenen Posten gegen das eben noch bekämpfte Jazygenland zu Werschetz im Banat, wo sie eine Weihung an Mars, ebd. 6273, darbringt; von da aus wird in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. ihre Verlegung nach Sebesváralja erfolgt sein.

cohors II Hispanorum equitata p. f. Zu derselben Zeit, wo die II Hispanorum Cyrenaica an der unteren Donau stand, ist in Germanien gleichfalls eine coh. II Hispanorum bezeugt, die also von jener notwendig verschieden ist. In dem der Zeit Traians zuzuweisenden Cursus honorum aus Dyrrhachium, CIL III 607, heisst nämlich ein Officier praef. coh. II equitat. Hisp. Germ. sup. Dieser Truppe dürften dann die Ziegel aus Oedheim bei Neckarsulm, CIRh 1615 = Haug D. röm. Inschr. in Württ. Frank. p. 20, mit COH·II·IS und die von Zangemeister und Schumacher mit Recht auf sie bezogenen Ziegel aus dem nahen Wimpfen (Limesbl. 31, 854) angehören. Ihr Name ist ferner, meiner Ansicht nach unbedingt richtig, von Mommsen in dem obergermanischen Diplom XL des J. 116 hergestellt worden, wo wir [coh. II ...]nor. p. f. lesen. Gegen das von Zangemeister CIL III Suppl. p. 1976 dafür vorgeschlagene [II Aquita]nor(um) p. f. spricht der Umstand, dass die coh. II Aquitanorum nie mit dem Beinamen p. f. vorkommt, während dieser sich gerade bei einer coh. II Hispanorum findet. In dem Cursus honorum aus Nicaea (Bull. d. Inst. 1848, 74) wird nämlich ein ἔπαρχο]ς σπείρης β' Σπανῶν εὐσεβοῦς πιστῆς erwähnt. Ritterling Westd. Ztschr. XII 215 hat nun, wie mir scheint durchaus zutreffend, auf die germanische coh. II Hispanorum p. f. auch noch eine Inschrift vom J. 158 aus Remagen bezogen (vgl. Klein Bonn. Jahrb. 93, 219f.), auf der eine cohors .. Hisp. equitata p. f. genannt ist; wir dürfen hier gewiss die Nummer II ergänzen und danach annehmen, dass die Cohorte unter Hadrian oder Pius von der oberen Provinz nach der unteren verlegt worden ist. Neuerdings sind zu Heddesdorf Bruchstücke von Cohortenstempeln gefunden worden (vgl. Limesblatt 31, 840), die nach Ritterling auf die coh. II Hispanorum equ. p. f. hinzudeuten scheinen.

cohors II Hispanorum (equitata CIL VIII 2787). Während die beiden eben besprochenen Cohorten unter Traian in Dacien und Germanien nachweisbar waren, finden wir unter Hadrian in Numidien eine coh. II Hispanorum equitata, die von jenen deshalb notwendig verschieden sein muss, weil eine Verlegung einer Cohorte von der Donau oder dem Rhein nach Numidien in damaliger Zeit ganz ausgeschlossen ist. Hadrian hat sie im Juli 128 inspiciert und rühmt in seinem bekannten Tagesbefehl CIL VIII 2532 = 18042 – falls sich dort B b auf die Cohorte bezieht – besonders ihre Schnelligkeit und Sorgfalt im Lagerbau. Dessau vermutet, dass sie in der Hauptstadt Lambaesis selbst gelegen habe, und in der That stammt dorther der Grabstein eines decurio der Truppe, ebd. 2787, der, sicher der nachhadrianischen Zeit angehörend, den Beweis dafür liefert, [301] dass die Cohorte auch später noch in der Provinz verblieben ist. Zuzuweisen sein dürfte ihr endlich noch die Weihinschrift eines dec. coh. Hispanor. (also gerade einer equitata) aus Vazaivi, ebd. 2226 = 17619, denn eine andere coh. Hispanorum kommt sonst in Numidien nicht vor.

cohors II Hispanorum. Aus Ancyra, also aus dem Militärbereich der Provinz Cappadocien, haben wir den Teil eines Verzeichnisses, das (Centurionen und) Decurionen anscheinend mehrerer cohortes equitatae nennt, CIL III Suppl. 6760. Darin findet sich als Überschrift auch der Name einer [co]h. II Hispanor., und eine solche muss also zeitweilig in der Provinz gelegen haben. Thatsächlich begegnet uns nun in einem Cursus honorum aus Aesernia, CIL IX 2649, ein praef. coh... Hispanor. in Cappadoc(ia). Da nur etwa zwei Buchstaben ausgefallen sein können, und eine andere coh. Hispanorum in Cappadocien nicht vorkommt, dürfen wir darin wohl jene II Hispanorum wiedererkennen. Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, dass diese mit einer der anderen bekannten Cohorten gleichen Namens identisch ist.

cohors II Hispanorum equitata c. R. (miliaria). Eine solche ergiebt sich aus dem Cursus honorum des T. Statius Praetuttianus, CIL IX 5066, der, nachdem er praefectus cohortis gewesen war, als tribu. coh. II Hispanorum eq. c. R. bezeichnet wird und also allem Anschein nach eine cohors miliaria befehligt hat. Auf dieselbe Cohorte möchte ich einen Cursus honorum aus Corduba, CIL II 2213 = Eph. ep. VIII p. 395, beziehen, in dem ein p]raef. cohort. II Hi[sp. m]iliar. [eq]uit. PR · IMP · ET · LEG · XII·f] VLM erwähnt ist. Das unverständliche PR ist vielleicht ein Fehler des Steinmetzen statt C R und dann wäre die obige Cohorte zu erkennen, vgl. auch coh. Hisp. mil.

cohors II Hispanorum ist in der Not. dign. Occ. XXVI 14 zu Duga in Mauretania Tingitana verzeichnet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass damit eine der bereits behandelten Cohorten gemeint ist. Am ehesten würde die II Hispanorum miliaria c. R. passen, deren Provinz bis jetzt unbekannt ist, oder etwa die früher numidische coh. II Hispanorum equitata.

cohors II Hispanorum bezw. Hispana. Welche von all den verschiedenen coh. II Hispanorum die beiden im Cursus honorum genannten Praefecten Tib. Claudius (Bull. hell. XIX 113) und Tib. Antistius Marcianus (Boissieu Inscr. d. Lyon 269 = CIL XIII 1680) befehligt haben, muss dahingestellt bleiben.

[cohors II oder III Hispanorum equitata] wurde bisher irrtümlich aus einer Inschrift von der Memnonssäule, CIL III 50, für die Provinz Ägypten erschlossen; allein es ist dort, wie oben gezeigt wurde, vielmehr die ägyptische I Hispanorum equitata (s. d.) gemeint.

cohors III Hispanorum wird zwar nur auf einer einzigen Inschrift aus Mevania, einem dem 1. Jhdt. angehörenden Cursus honorum (CIL XI 5028 = Orelli 3839; vgl. Bormann Arch.-epigr. Mitt. XV 29), genannt, doch wird durch eine ganze Reihe von Ziegelfunden Germania superior als ihre Garnisonprovinz erwiesen; dort scheint sie am oberen Rhein gestanden zu haben, denn Ziegel mit C(oh.) III· HI(sp.) haben wir aus Thingen [302] und Vindonissa (Mommsen Inscr. Helv. 344, 12, vgl. CIRh p. 306 Anm., sowie neuerdings bei den dortigen Ausgrabungen gefundene laut Meldung der Tageszeitungen), aus der Gegend von Geislingen (unpubliciert, nach freundlicher Mitteilung von Zangemeister). Wahrscheinlich gehört ihr auch der Grabstein eines Soldaten aus Stockstadt am Main, CIRh 1759, an, der einen mil. coh. II … ISP nennt. Da nämlich nach Zangemeister nur III oder IIII dagestanden haben kann und die IIII Hispanorum für Germanien nicht in Betracht kommt, verbleibt nur die eben in der Provinz bezeugte coh. III Hispanorum.

cohors IIII Hispanorum equitata (CIL III 946 und 6257) hat im 2. Jhdt. in Dacia superior gelegen, wo sie Diplom LXVII unter 158 n. Chr. aufzählt und wohl auch in Diplom LXVI für das J. 157 an letzter Stelle ihr Name ergänzt werden darf. Ihr Standort war das im Osten der Provinz liegende Castell von Enlaka, woher drei Inschriften von ihr stammen, während eine vierte in unmittelbarer Nähe des Ortes, in Szent-Mihály, gefunden ist. Es sind Weihungen, teils von Praefecten der Cohorte, CIL III 948 = Suppl. 7718. 945 und 946, teils von der Cohorte selbst mit Nennung des Praefecten, ebd. 6257.

cohors V Hispanorum equitata (CIL XI 1597 = VI 3519. VIII 4416) gehörte unter Vespasian zum germanischen Heere, in dem sie Diplom XI im J. 74 nennt. Schon bald nachher, vermutlich zwischen 79 und 82 (s. coh. III Gallorum), ist sie dann, zunächst nur als abcommandiert, nach Moesien verlegt worden (vgl. Diplom XIV), aber noch unter Domitian vollständig in den Verband der dortigen Besatzungsarmee übergetreten. Denn schon 93 erscheint sie in dem neuen Diplom von Moesia superior (Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.), und noch in der späten numidischen Grabschrift CIL VIII 4416, die ein Bruder dem anderen, einem im Kriege gefallenen decurio der Cohorte, setzt, wird diese durch den Zusatz provinciae Moesiae sup. bezeichnet. Ihr Commandeur wird der im Cursus honorum, CIL XI 1597 = VI 3519 genannte praef. coh. V eq. Spanor. sein, und einen weiteren möchte ich in dem griechischen Cursus honorum aus der Dobrudscha Arch.-epigr. Mitt. VIII 22 erkennen, wo ἔπαρχον χώρτης überliefert ist. Ich lese dies nämlich nicht mit den Herausgebern als Ἑσπανῶν, was ganz ungewöhnlich wäre, sondern als ε' Σπανῶν, genau wie gerade unsere Cohorte auf der vorher genannten Inschrift aus Florenz V Spanorum heisst oder wie wir oben β' Σπανῶν fanden.

cohors VI Hispanorum dürfte durch Combinieren zweier Cursus honorum gesichert sein, eines griechischen aus Eumenia, CIG 3902 c, in dem [ἔπαρ]χον χώ[ρτης] ἕκτης Ἱσ[πανῶν] erhalten ist, und eines lateinischen aus Ameria, CIL XI 4376 = Grut. 1104, 3, auf dem überliefert ist praef. coh. VI Hispan⟨iae⟩.

cohors Hispanorum miliaria. Eine cohors Hispanorum miliaria endlich haben wir im 3. Jhdt. in der Provinz Mauretania Caesariensis anzunehmen auf Grund des 260 n. Chr. gesetzten Cursus honorum aus Auzia des Q. Gargilius Martialis, CIL VIII 9047 (vgl. Cichorius Leipz. Stud. X 319f.). Dieser war, nachdem er vorher praef. coh. I Asturum [303] in Britannien gewesen war, also an Stelle des Legionstribunats, trib. co(h). Hisp. pr(ovinciae) Maur(etaniae) Cae(sariensis); es kann also nicht etwa ein frühes Beispiel des Tribunentitels bei Praefecten sein, sondern sich wirklich nur auf eine coh. miliaria beziehen. Fraglich ist nur, ob dies dann eine der sonst bekannten coh. Hispanorum miliariae ist oder ob neben ihnen eine weitere zu constatieren sein wird. Die dacische coh. I Flavia Ulpia Hispanorum miliaria c. R. und die britannische I Aelia Hispanorum miliaria können nicht in Betracht kommen, wohl aber könnte die II Hispanorum miliaria c. R. gemeint sein. Von der in Mauretania Caesariensis stehenden I Flavia Hispanorum, die von Praefecten befehligt war, ist die Truppe sicher verschieden. Ob der Soldatengrabstein aus Auzia, CIL VIII 20754, auf dem miles c[ohor]tis …an doch wohl nur zu [Hisp]an. ergänzt werden kann, der Hispanorum miliaria oder der I Flavia Hispanorum zugehört, ist nicht zu entscheiden.

cohortes Hispanorum ohne Nummer begegnen auf Inschriften öfters, doch lässt sich eine Beziehung auf eine bestimmte Truppe meist nicht vorschlagen. Ein silbernes Gefäss im Belgrader Museum, CIL III Suppl. 8278, trägt den Namen eines pr(aef.) cor(tis) Hi(spanorum), gewiss von einer der vielen in den unteren Donauländern stationierten spanischen Abteilungen. Eine von diesen möchte ich auch auf dem macedonischen Soldatengrabstein Bull. hell. IV 103 erkennen, wo ich das überlieferte ΡΑΝΩΤΟΥ σπείρης als [στ]ρα[τι]ώτου σπείρης Ἱσ[π]ανῆς auflöse. Chorte H[ispana] ergänzt ferner Hübner in einer metrischen Inschrift aus Lusitanien CIL II Suppl. 6333, während auf dem Grabstein eines miles … Hisp., CIL III 1316 aus Ampelum in Dacien, meiner Ansicht nach eher der in Ampelum auch sonst nachzuweisende numerus Hispanorum gemeint ist. In der griechischen Inschrift aus Neapel IGI 752, vgl. p. 735, bezieht sich dagegen Ἱσ[π]ανῶν überhaupt kaum auf eine militärische Abteilung.

cohors Hispanorum s. auch coh. I Ligurum et Hispanorum c. R. und coh. I Lucensium.

cohors I C(ivium) R(omanorum) Ingenuorum. Eine Inschrift aus dem Pagus Arusnatium, CIL V 3936, anscheinend der Zeit des Claudius angehörend, ist zu Ehren eines Statthalters von Raetien errichtet von C. Ligurius L. f. Vol. Asper coh. I C. R. Ingenuor. Es kann sich dabei, zumal so dicht an der raetischen Grenze, doch nur um eine eben in Raetien stehende Truppe handeln, und da wäre dann wohl in Erwägung zu ziehen, ob hier nicht etwa die im Cursus honorum eines Unbekannten (CIL IX 5362 aus Firmum Picenum), eines praef. co[h... C]ivium Romano[rum i]n Raetia, erwähnte Cohorte gemeint sein könnte. Darüber, ob diese dann mit der germanischen coh. I Civium Romanorum in Verbindung zu setzen ist, wage ich keine Vermutung. Hirschfeld möchte den Namen der coh. I Ingenuorum auch in einer Inschrift aus Nemausus, CIL XII 3177, wiederfinden, auf der er tribuno cohort. [I ci]v. [Rom.] Ingenuorum ergänzt; allein meiner Ansicht nach ist wenigstens die Zahl hierbei unsicher.

[cohortes II. III. IIII. V Ingenuorum]. Ob [304] diese wegen der coh. VI Ingenuorum anzunehmen sind, oder mit anderen, etwa Voluntariercohorten oder cohortes civium Romanorum, zusammenfallen, ist zur Zeit nicht zu beantworten.

cohors VI Ingenuorum Civium Romanorum. Durch zwei zu Köln gefundene Soldatengrabsteine, CIRh 2033 und 2034 ist sie für das 1. Jhdt. als zur Besatzung von Germania inferior gehörend erwiesen. Ob der Stein aus Heddesdorf mit COH · VI, ebd. 704 b, sich auf sie oder etwa auf die VI Breucorum bezieht, ist nicht zu entscheiden.

cohors I Italica civium Romanorum Voluntariorum wird nur einmal im Cursus honorum eines Tribunen, des C. Nasennius Marcellus Senior, CIL XIV 171, genannt. Mit der I Campestris civium Romanorum Voluntariorum ist sie keinesfalls identisch, und die Beinamen Italica und Campestris sollen wohl überhaupt zwei verschiedene Reihen von Voluntariercohorten unterscheiden.

cohors II Italica civium Romanorum Voluntariorum miliaria. Eine solche Cohorte lässt sich durch Combinierung verschiedener Inschriften gewinnen. Zunächst haben wir aus Carnuntum den interessanten Grabstein, Arch.-epigr. Mitt. XVIII 218 = CIL III 13483 a, eines Proculus Rabili f. Col. Philadel. mil. optio coh. II Italic. c. R. F[aus]tini ex vexil. sagit. exer. Syriaci. Danach hat also eine coh. II Italica c. R. im 1. Jhdt. in Syrien gestanden und zu einer nach dem Westen entsendeten Vexillation Bogenschützen – deren sie demnach eine Anzahl umfasste – gestellt. Bormann vermutet sehr ansprechend, dass der Soldat zu der von Tacitus hist. II 83 erwähnten orientalischen Vexillation von 13000 Mann gehörte, die Mucianus 69 n. Chr. mit an die Donau brachte, und dass er damals zu Carnuntum seinen Tod gefunden hat. Auch die weitere Vermutung Bormanns, dass die hier erscheinende coh. II Italica die aus der Apostelgeschichte 10, 1 bekannte σπεῖρα Ἰταλική sei, die zu Caesarea lag und in der der vom Apostel Petrus getaufte Centurio Cornelius diente, scheint mir sehr beachtenswert. Als ganz unzweifelhaft betrachte ich es nun aber auch, dass dieselbe syrische coh. II Italica in einem von Bormann nicht herangezogenen Cursus honorum aus Forum Sempronii (CIL XI 6117 = Mur. 701, 4) gemeint ist, wo ein trib. coh. mil. Italic. Volunt., quae est in Syria erscheint. Damit würde der vollständige Name der Truppe gewonnen sein. Auch der von Bormann übersehene trib. milit. coh. II Italicae C. Paccius Firmus, dessen Grabstein wir aus Rom, CIL VI 3528, besitzen, ist ihr bestimmt zuzuweisen.

cohors Italica. Eine coh. Italica, die übrigens von der I Italica (s. d.) nicht verschieden zu sein braucht, muss ferner unter Hadrian in der Provinz Cappadocien gestanden haben. Arrian nennt nämlich ect. 13 in seinem gegen die Alanen marschierenden Heere οἱ τῆς σπείρης τῆς Ἰταλικῆς πεζοί sowie einen Ποῦλχερ ὅστις καὶ τῆς σπείρης τῆς Ἰταλικῆς ἄρχει. Auch § 3 meint er dieselbe Cohorte, wo er von οἵ τε Ἰταλοί und von Ποῦλχερ ὅσπερ ἄρχει τοῖς Ἰταλοῖς spricht. Wenn die cohortes Italicae, wie nach dem Beispiel der I und II Italica c. R. Voluntariorum zu schliessen scheint, wirklich Voluntarierabteilungen waren, werden wir die cappadocische cohors Italica vielleicht auch in dem stadtrömischen Cursus honorum, CIL [305] VI 3654, wiederfinden dürfen, in dem ich [trib. coh… Volun]t. c(iv.) R(om.) in Cappad. ergänzen möchte. Dagegen ist auf dem unvollständig erhaltenen Cursus honorum aus Samos, Athen. Mitt. IX 262, wo der Herausgeber χειλί[αρχος σπείρη]ς Ἰταλικῆς liest, wohl überhaupt an keine cohors Italica zu denken, sondern einfach ein Tribun der legio I Italica zu erkennen.

cohors I Augusta Ituraeorum sagittariorum (so nur in Diplom XXXVII) wird zuerst in den beiden pannonischen Diplomen XIII und XXVII von 80 und 98 n. Chr. aufgeführt, von denen das zweite einem ihrer Soldaten erteilt ist und neben diesem, der aus Cyrrhus stammt, den damaligen Praefecten L. Callidius Camidienus nennt. Dann hat die Cohorte offenbar Traians Dakerkriege mitgemacht, da sie 110 n. Chr. in Diplom XXXVII unter den in der neuen Provinz stehenden Auxilien erscheint. Sie ist aber auch fernerhin dort verblieben, denn noch 158 kehrt sie in Diplom LXVII von Dacia superior wieder, und auch in Diplom LXVI von 157 dürfte ihr Name mit Sicherheit zu ergänzen sein. Die einzige Inschrift, auf der die Cohorte sonst noch erwähnt wird, ist ein Cursus honorum aus Mainz, CIRh 1099.

cohors I Ituraeorum. Dass die einfach I Ituraeorum benannte Cohorte von der I Augusta Ituraeorum verschieden ist, beweist schon die Thatsache, dass Diplom XXXVII sie neben dieser verzeichnet. Die Truppe hat zunächst in Germania superior gelegen, wo zu Mainz drei Soldatengrabsteine von ihr, CIRh 1233. 1234. 1289, gefunden sind, die noch lauter geborene Orientalen betreffen. Der eine lässt durch die Reliefdarstellung eines Bogenschützen darauf schliessen, dass auch sie aus sagittarii bestanden hat. Dagegen gehören die früher auf sie bezogenen Ziegel aus Rottweil mit CO .. ITVR (Korr. d. Westd. Ztschr. VII 2) nicht ihr, sondern der coh. I Biturigum an, vgl. Herzog Bonn. Jahrb. 102, 90. Die Cohorte hat dann wie die I Augusta Ituraeorum unter Traian in Dakien mitgefochten und befindet sich 110 unter den in Diplom XXXVII aufgezählten, im Lande verbleibenden Occupationstruppen. Später verschwindet sie vollständig. Eine in der Not. dign. Or. XXVIII 42 zu Castra Judaeorum in Ägypten verzeichnete coh. I Epiraeorum ist schwerlich mit ihr identisch, zumal dort die Änderung Seecks zu Ituraeorum durchaus nicht sicher ist.

cohors I Ituraeorum. In der Not. dign. Occ. XXVI 16 lesen wir unter Mauretania Tingitana trib. coh. primae Ityraeorum Castrabariensi (?). Dass eine Truppe dieses Namens in späterer Zeit in der Provinz gelegen hat, darf danach nicht bezweifelt werden. Denkbar wäre übrigens, dass diese mit der vorigen Cohorte identisch ist, die dann etwa im 2. Jhdt. nach Mauretanien verlegt worden sein könnte. Wenigstens anführen möchte ich hier eine Inschrift aus der Byzacena, CIL VIII 11176, die einen [pr]aefectus coh. I I… [pro]vinciae Ting(itanae) nennt, und wo Ituraeorum und Ingenuorum die einzigen in Betracht kommenden Namen sein würden.

cohors II Ituraeorum equitata (CIL III 14147² und 14147⁷) lässt sich mehr als drei Jahrhunderte hindurch in Ägypten verfolgen und hat dort an der Südgrenze ihre Standquartiere gehabt. [306] Das früheste auf sie zu beziehende Zeugnis ist eine Inschrift aus Syene, zu Ehren des Kaisers Gaius am 28. April 39 gesetzt von einer coh. Ituraeor. cui prae⟨e⟩st L. Eienus L. f. Fal. Saturninus, CIL III 14147¹ = Cagnat L’ann. épigr. 1896, 39; zwar ist keine Nummer angegeben, aber v. Domaszewski bemerkt richtig, dass die zu Syene liegende II Ituraeorum zu verstehen ist, zumal von dieser auf demselben Stein noch eine weitere Inschrift steht. Dann erscheint die Cohorte 83 in Diplom XV unter den ägyptischen Auxilien, und im J. 98 hat sie wieder zu Syene auf dem gleichen Stein, der die Inschrift vom J. 39 trägt, unter ihrem Praefecten Ti. Claudius Berenicianus gemeinsam mit der I Hispanorum equitata und der I Thebaeorum equitata eine Inschrift zu Ehren Traians, CIL III 14147² = Cagnat L’ann. épigr. 1896, 40, geweiht. Die nächsten datierten Zeugnisse von ihr sind die Inschriften eines ihrer Soldaten vom J. 136 aus Pselkis (CIG 5081 und Add. p. 1240 = Lepsius 95, 386) und die eines andern Soldaten vom J. 147 aus Talmis (CIG 5050 = Lepsius 97, 437), während sich von dem Grabstein eines decurio aus Pselkis (CIL III 14147⁷) und einer Weihinschrift aus Hiera Sykaminos (Lepsius 96, 418 = CIG 5110), alles Posten im äussersten Süden der Provinz, die Zeit nicht bestimmen lässt. Dass die Cohorte aber noch bis in die späte Kaiserzeit in Ägypten verblieben ist, beweist die Notitia dignitatum, die sie Or. XXVIII 44 zu Alyi in Ägypten nennt. Ein Praefect von ihr begegnet uns in dem Cursus honorum CIL XI 3101.

cohors III Ituraeorum stand wie die II Ituraeorum nach Diplom XV im J. 83 in Ägypten. Inschriften von ihr sind dort gleichfalls zu Talmis im Süden der Provinz zu Tage getreten, s. Lepsius 97, 439 und 445. Dass sie zeitweilig den Wachdienst in den Steinbrüchen am Nil bei Ptolemais Hermiu zu leisten hatte, beweist die dortige Inschrift Ephem. epigr. VII p. 427, nach der sie die coh. Scutata Civium Romanorum (s. d.) dort abgelöst zu haben scheint. Sonst wird sie nur noch in einem Cursus honorum hadrianischer Zeit aus Benevent, CIL IX 1619, sowie auf den drei ein und denselben Mann betreffenden Steinen aus Thamugadi, ebd. VIII 2394. 2395 und 17904, erwähnt.

[cohortes IIII. V. VI Ituraeorum]. Von allen drei Cohorten, deren Existenz aus der der VII Ituraeorum gefolgert werden muss, fehlt noch jedes directe Zeugnis.

cohors VII Ituraeorum. Auch sie wird durch die Inschrift eines ihrer Praefecten von der Memnonssäule, CIL III 59, als eine zur Besatzung Ägyptens gehörende Truppe erwiesen, ohne dass jedoch über ihre Garnison innerhalb der Provinz etwas zu vermuten möglich wäre.

cohors Ituraeorum (sagittariorum) equitata. Neben den bisher besprochenen cohortes Ituraeorum haben wir eine weitere in der Provinz Cappadocien anzunehmen, denn Arrian erwähnt ect. 18 in seinem gegen die Alanen aufgestellten Heere πεζοὶ τοξόται οἱ τῶν … Ἰτουραίων und ebd. 1 ituraeische Reiter. Damit kann nur eine coh. Ituraeorum sagittariorum equitata gemeint sein, die dann unter Hadrian in jener Provinz gestanden haben muss und die eine der sonst [307] noch nicht nachgewiesenen coh. IIII. V. VI Ituraeorum gewesen sein könnte. Ob sie auch auf dem Stein aus Clusium, CIL XI 2113, eines [praef. (?) coh…] Ituraeorum sagittarior., qui in bello cecidit gemeint ist, bleibt fraglich, obwohl die Möglichkeit zuzugeben ist.

cohors Ituraeorum. Eine coh. Ituraeorum ohne Ziffer wird im Cursus honorum aus Pessinus, Athen. Mitt. XXII 38, genannt, während sich die bei Le Bas-Waddington 2120 veröffentlichte Inschrift aus Eïtha schwerlich auf eine reguläre coh. Ituraeorum des römischen Heeres bezieht.

[cohors Iuvenalis s. cohors Servia.]

cohors Latabi(ensium, so ergänzt Zangemeister Westd. Ztschr. XI 272 den Namen) ist erst durch den zu Köln gefundenen Grabstein, Bonn. Jahrb. 82, 23, eines ihrer Soldaten, eines geborenen Cannanefaten (mil. cho. I Latabi.) bekannt geworden, aus dem hervorgeht, dass die Abteilung im 1. Jhdt. in Germania inferior gelegen hat.

cohors I Lepidiana equitata c. R. hatte 80 n. Chr. in Pannonien gestanden (Diplom XIII), ist dann aber offenbar noch unter Domitian nach Moesia inferior verlegt worden, wo wir sie im J. 99 (Diplom XXX) und gegen 112 (Diplom XXXVIII) finden. Auch dort kann sie aber nicht sehr lange geblieben sein, sondern muss – etwa anlässlich Traians Partherkrieg – nach dem Orient abgezogen sein. Wenigstens verzeichnet sie die Not. dign. Or. XXXVIII 35 zu Caene-Parembole in Armenien, d. h. im alten Cappadocien, und aus dieser Provinz wird auch der ohne Angabe des Fundorts von Leemans (Griek. Opschr. uit Klein-Azie, Amst. 1890 nr. XX p. 21 = Cagnat L’ann. épigr. 1890, 159) publicierte kleinasiatische Grabstein des L. Calpurnius Valens optio coh. I Lepid. eq. c. R. t(urma) Pontici stammen. Grotefends Versuch, den Namen der Cohorte bei Arrian ect. 7 u. 14 aus dem überlieferten Ἀπλανοί herzustellen, ist verunglückt, s. coh. Apuleia c. R.

cohors I Ligurum bildete im 1. Jhdt. die Besatzung der Provinz Alpes maritimae mit dem Standort Cemenelum. Dort nennt sie mit der Ziffer I der Grabstein eines Soldaten, CIL V 7899, sowie eine ganze Reihe weiterer Grabsteine (ebd. 7889. 7890. 7891. 7897) einfach als coh. Ligurum, ohne dass an der Identität beider gezweifelt werden könnte. Unbedingt von derselben Cohorte spricht ferner auch Tacitus hist. II 14, wo er erzählt, es sei den Truppen, die zum Schutze der von Othos Flotte bedrohten Provincia Narbonensis 69 n. Chr. von Fabius Valens abgeschickt wurden, auch adiuncta Ligurum cohors, vetus loci auxilium. Da es sich eben um die Küstenstrecke der Alpes maritimae handelt, wird damit erwiesen, dass jene Cohorte damals schon seit langer Zeit dort gelegen hatte. Ausser in Cemenelum sind noch zwei Inschriften der Truppe gefunden, die eine, CIL V 7822, eines missicius der coh. I Lig., aus dem nahen Monoecus, die andere, ebd. 7426, der Grabstein einer Frau, den ein Centurio coh. Lig. zu Libarna in Ligurien gesetzt hat. Ob mit dieser später verschwindenden coh. I Ligurum die dann an ihrer Stelle in Cemenelum sich findende coh. I Ligurum et Hispanorum c. R. (s. d.) zusammenhängt, ist nicht zu entscheiden.

cohors I Ligurum (miliaria?). Auf eine solche [308] scheinen zwei Inschriften zu führen, in denen je ein trib. coh. pri(m.) Ligurum (bezw. Liguri[cae]) genannt werden. Die eine ist ein Cursus honorum aus Mutina, CIL XI 838, die andere der zu Ephesus gefundene Grabstein eines aus Rom gebürtigen, als Activen gestorbenen dreiundzwanzigjährigen Officiers (CIL III 435 = Suppl. 7131), der einzig auf der Reise nach seiner Garnison zu Ephesus gestorben sein kann. Danach würde anzunehmen sein, dass die Cohorte in einer der orientalischen Provinzen gestanden hat. Dass sie mit der vorigen identisch ist, von der nicht ausdrücklich bezeugt ist, ob sie miliaria oder quingenaria war, ist zwar möglich, aber nicht wahrscheinlich.

cohors I Ligurum et Hispanorum c. R. stand 116 und 134 n. Chr. in Germania superior, wo sie die Diplome XL (und XLI ?) sowie L verzeichnen. Aus der Thatsache, dass zwei Grabsteine, der eines vexillarius und der eines miles der Cohorte (CIL V 7896 und 7900), aus dem lange Zeit mit Auxiliarbesatzung belegten Cemenelum in den Seealpen stammen, darf doch wohl geschlossen werden, dass die Truppe früher dort ihre Garnison gehabt hatte; es müsste denn sein, dass beide Soldaten während des J. 69 mit ihrer Truppe an die Riviera gekommen und dort gestorben wären.

cohors II Gemina Ligurum et Corsorum erscheint 88 und 96 n. Chr. in den die Provinz Sardinien betreffenden Diplomen XX und XXVI; das letztere ist einem ihrer Soldaten erteilt und nennt ausser diesem noch den damaligen Praefecten. Wie der Name Gemina zeigt, ist die Cohorte durch Verschmelzung zweier älterer Abteilungen, vermutlich einer coh. Ligurum und einer coh. Corsorum gebildet worden; die eine dieser Stammtruppen wird die sardinische coh. Ligurum equitata (s. d.) gewesen sein, die andere vielleicht die sardinische I Corsorum (s. d.), die eventuell zur Bildung zweier neuer cohortes Geminae geteilt worden ist.

cohors Ligurum equitata. Eine coh. Ligurum equitata haben wir im 1. Jhdt. als Besatzung von Sardinien anzunehmen auf Grund eines Inschriftsteines aus Olbia (Not. d. scav. 1892, 105 = Cagnat L’ann. épigr. 1892, 137), der einen C. Cassius Blaesianus dec. coh. Ligurum, princeps equitum u. s. w. nennt. Wir haben in ihr vielleicht die eine der beiden Cohorten zu erkennen, durch deren Vereinigung die sardinische coh. II Gemina Ligurum et Corsorum (s. d.) entstanden ist. Auf der nur in einer ungenügenden Copie erhaltenen Grabschrift aus Rom (CIL VI 3925) eines mil. coh. … V· LIG VI, worin man eine coh. Ligurum erkennen wollte, ist eine solche wohl überhaupt nicht gemeint, sondern einfach coh… V(i)GILVM verlesen.

cohors I Lingonum equitata (CIL VII 1041. XI 6033) gehörte zum britannischen Heere, in dem sie Diplom XXXIV unter dem J. 105 verzeichnet. Die älteste ihrer erhaltenen Inschriften, CIL VII 1041, stammt aus Bremenium, nördlich vom Hadrianswall; sie ist unter Pius (kurz vor dem J. 143) gesetzt und beweist, dass die Cohorte damals zeitweilig dort in Garnison gelegen hat. Auffallenderweise sind dagegen alle jüngeren Steine der Truppe südlich vom Walle gefunden und zwar der Mehrzahl nach zu Lanchester, wo früher die [309] coh. I Vardullorum miliaria gelegen hatte. Meiner Ansicht nach erklärt sich dies so, dass im 3. Jhdt., wo die Garnisonen im Norden der Provinz verstärkt werden mussten, die coh. I Lingonum mit der doppelt so starken coh. I Vardullorum miliaria, die wir dann an ihrer Stelle in Bremenium finden, die Garnison getauscht hatte. Zu Lanchester ist die Cohorte in der Zeit des Gordian durch mehrere Steine eines und desselben Praefecten M. Aurelius Quirinus bezeugt; es sind dies zwei Bauinschriften, eines Bades, CIL VII 445, und der principia et armamentaria, ebd. 446, sowie eine Weihung an Silvan aus dem nahen Eastgate 450, letztere wohl wie die gleichartige 451 (vgl. ala II Gallorum Sebossiana Bd. I S. 1246) anlässlich eines Jagdausflugs errichtet. Auch die Weihung eines Praefecten ohne Angabe der Truppe aus Lanchester (ebd. 433) wird der Cohorte zuzuweisen sein, da die von Tribunen befehligte I Vardullorum nicht in Betracht kommen kann. Die späteste Erwähnung der Cohorte findet sich in der ebendorther stammenden Weihung eines Tribunen an den genius praetori, ebd. 432, also aus der Zeit, wo auch den Befehlshabern der cohortes quingenariae bereits der Titel tribunus verliehen war. Sonst ist nur noch ein Cursus honorum aus Pitinum Pisaurense, CIL XI 6033 = Fabretti 486, 164, anzuführen, der einen praef. coh. I Lingonum equitat. nennt.

cohors II Lingonum equitata (CIL XI 6123) hat gleichfalls in Britannien gestanden; sie ist dort für 98 n. Chr. durch Diplom XXIX, für 124 durch Diplom XLIII und noch für die späteste Zeit durch die Not. dign. Occ. XL 48 bezeugt, die als ihren Standort das seiner Lage nach unbekannte Congavata angiebt. Inschriften von ihr sind in zwei verschiedenen Gegenden der Provinz gefunden; zu Ilkley, wohl dem alten Olicana, ist die Weihung eines Praefecten Clodius Fronto, CIL VII 208, zu Tage getreten, aus der auf zeitweilige Anwesenheit der Cohorte daselbst zu schliessen ist, und auch die dortige Weihinschrift eines praef. coh., ebd. 209, ist von Hübner mit Recht auf sie bezogen worden. Der zweite Fundort ist das Küstencastell von Moresby in Cumberland; dorther stammt die officielle Weihung der Cohorte mit ihrem Praefecten, ebd. 359, und aus dem nahe gelegenen Harrington die zerstörte Inschrift eines Praefecten, Ephem. epigr. VII 969. Hübner hält Moresby für das alte Congavata, wohin die Cohorte später von Olicana verlegt sein würde. Einen praef. coh. II Ling. eq. kennen wir endlich noch aus dem Cursus honorum CIL XI 6123 = Orelli 4039.

cohors III Lingonum equitata. Die Abteilung wird nur ein einzigesmal in einem Cursus honorum aus Pitinum Mergense, CIL XI 5959 (= Muratori 1122, 4) erwähnt; über ihren Standort ist nichts bekannt.

cohors IIII Lingonum equitata (Korr. d. Westd. Ztschr. XI 82). Auch sie hat wie die I und II Lingonum in Britannien gelegen und zwar bereits im J. 103 nach Diplom XXXII (von den Varianten III und IIII ist jetzt die letztere Ziffer als richtig gesichert), dann 146 nach Diplom LVII, und noch in der Notitia dignitatum erscheint sie (Occ. XL 33) mit der Garnison Segedunum, der östlichen Endstation des Hadrianswalles. Dort, [310] bei dem heutigen Wallsend, ist eine Weihung der Cohorte an den Iuppiter O. M. gefunden (Korr. d. Westd. Ztschr. XI 82), während eine andere eines Praefecten von ihr aus dem unweit gelegenen Tynemouth stammt (CIL VII 493). Ferner begegnet uns noch ein Praefect in dem stadtrömischen Cursus honorum CIL VI 1523.

cohors V Lingonum ist neuerdings durch den Cursus honorum des P. Cominius Clemens (Not. d. scav. 1890, 173 = Cagnat L’ann. épigr. 1890, 151) bezeugt und damit ist auch die Überlieferung auf dem Steine aus Porolissum in Dacien CIL III Suppl. 7638 gesichert, auf dem Z. 3 zweifelnd COH V LING gelesen war. Dieser ist eine unter der Regierung des Caracalla oder Elagabal gesetzte Weihinschrift eines Praefecten der Cohorte und beweist, dass diese damals zum Heere von Dacien gehört hat.

cohors I Lucensium equitata (CIL III 600. 8486. 6320 = 8335). Die ältesten von ihren Inschriften stammen aus Dalmatien und zwar aus dem immer mit Militär besetzten Humac, westlich von Narona, wo die Cohorte also im 1. Jhdt. gestanden haben muss. Dort sind die Grabsteine eines Reiters, CIL III 8486, und eines Soldaten, ebd. 8492, gefunden worden, während mir die Ergänzung eines Steines aus Kutac (8494) als eq. coh. I [Luc.] zu unsicher erscheint. Aus dem Norden der Provinz haben wir den sehr alten Grabstein eines Soldaten, noch eines geborenen Lucensis, aus Teplju, dem alten Promona (9834), und auch der Grabstein aus Salonae (8736) mit dem Cursus honorum eines offenbar in diesem Commando dort gestorbenen praefect. [coh...] L[u]cen. ist von Hirschfeld mit Recht auf obige Cohorte bezogen worden. Endlich möchte ich noch die nur handschriftlich überlieferte Weihinschrift aus dem Castell bei Čačak im dalmatischen Binnenlande, CIL III 6320 = 8335, eines dec. eq. COHORFISIL, die v. Domaszewskiauf die cohor. I Del. bezieht, lieber der I Lucensium zuweisen und COHORTIS · I · L(uc.) lesen; jedenfalls passt auf diese Abteilung, die als equitata bekannt ist, der decurio besser als auf die I Delmatarum miliaria. Wenn aus späterer Zeit Denkmäler von ihr aus Dalmatien fehlen, so liegt dies offenbar daran, dass die Cohorte noch im 1. Jhdt. nach Pannonien verlegt worden ist, wo sie Diplom XIII bereits für das J. 80 nennt. Auch dort aber kann sie nicht lange verblieben sein, da sie in keinem der übrigen pannonischen Diplome wiederkehrt. Vielleicht ist sie von Traian zusammen mit der legio XV Apollinaris nach dem Orient geschickt worden, wo wir sie jedenfalls während des Partherkrieges bereits vorfinden, denn sie hat damals Reiter zu dem unter dem Commando des Valerius Lollianus stehenden combinierten Cavalleriecorps gestellt, CIL III 600. Ein Praefect von ihr begegnet in dem Cursus honorum ebd. VI 31 863 = Not. d. scav. 1893, 197.

cohors I Lucensium Hispanorum (p. f.), von der vorigen notwendig verschieden, ist zunächst nur durch den dem 1. Jhdt. angehörenden Mainzer Grabstein, CIRh 1235, bekannt. Mommsen möchte sie wiedererkennen in einer [coh...] Lucensium p. f., die in den J. 104–111 zu Roomburg in Holland gestanden und damals zu Ehren Traians die Inschrift ebd. 6 b gesetzt hat. Dies ist umso [311] wahrscheinlicher, als nach der Zahl der ausgefallenen Buchstaben dort wirklich nur I ergänzt werden kann. Die Cohorte wäre dann also noch im 1. Jhdt. von Obergermanien nach Germania inferior verlegt worden und würde sich, wie so viele andere Truppenkörper dieser Provinz, unter Domitian den Ehrennamen p. f. erworben haben. Dass sie dann noch im Laufe des 2. Jhdts. Roomburg wieder verlassen hat, dürfen wir aus dem Umstande schliessen, dass in den J. 196–198 die damals in Roomburg liegende coh. XV Voluntariorum die Rückseite des oben erwähnten Steines der Cohorte für eine eigene Inschrift (ebd. 6 a) verwendete, was doch nur geschehen konnte, wenn die ältere Truppe damals nicht mehr dort weilte.

cohors II Lucensium nennen die Diplome XXXIII und XXXVIII in Moesia inferior unter 105 und gegen 112 n. Chr. Später hat die Truppe in der zur Provinz Thracia gehörenden Gegend von Dubnica gelegen, wo zu Banja eine Inschrift von ihr aus dem J. 199, CIL III Suppl. 7418, erhalten ist und wohl auch die Cohorteninschrift Arch.-epigr. Mitt. XVII 216 nr. 117 sich auf sie bezieht, während aus dem nahen Musibeg ein Stein von ihr aus den J. 217–218, Arch.-epigr. Mitt. XV 95 = XVII 216 nr. 118, stammt.

cohors III Lucensium. Zu Lucus Augusti in Callaecia ist der späte Grabstein, CIL II 2584, eines mili. corti tertia Luces., also anscheinend von einer dort in Garnison liegenden Truppe, gefunden. Nun verzeichnet die Not. dign. Occ. XLII 29 eben in Lucus eine coh. Lucensis als Besatzung, und wir werden darin dann unbedingt jene coh. III Lucensium wiedererkennen dürfen. Dieselbe Abteilung scheint auch in dem Cursus honorum aus Tarraco, CIL II 4132, gemeint zu sein, wo das überlieferte praef... III LVG wohl als praef. [coh.] III Luc(ensium) zu lesen ist.

cohors IIII Lucensium equitata ist uns, wie so viele orientalische Auxilien, nur durch den zufälligen Umstand bekannt, dass sie für einen Partherkrieg Leute zu dem combinierten Reitercorps des Valerius Lollianus abgegeben hat und deshalb in dessen Ehreninschrift aus Byllis, CIL III 600, mit erwähnt wird.

cohors Lucensium; vgl. auch coh. V Callaecorum.

cohors I Augusta Praetoria Lusitanorum equitata (so vollständig genannt BGU 696) hat nach Diplom XIX im J. 86 in Judaea gestanden, ist aber später von dort nach Ägypten verlegt worden, wo wir sie bereits 156 und zwar mit dem Standquartier Contrapollonopolis maior in der Thebais durch den interessanten Papyrus BGU 696 (behandelt von Mommsen Ephem. epigr. VII p. 456f.) bezeugt finden. Es ist dies eine Stammrolle der Cohorte vom J. 156, in der ausser dem Praefecten und seinem Vorgänger sowohl ihr damaliger Bestand an Mannschaften, als auch der Zugang von Leuten verzeichnet ist. Danach zählte die Truppe damals 505 Mann, nämlich 6 Centurionen, 3 Decurionen, 114 Reiter, 19 Dromedarii und 363 Pedites. Sie war also nicht nur equitata, sondern umfasste auch noch ein Detachement Kamelreiter. Der Zugang besteht in 9 freiwillig eintretenden Rekruten (darunter 1 Reiter und 1 Dromedarius), sowie in mehreren aus anderen Cohorten oder der legio II Traiana Versetzten, [312] endlich in einem strafweise zum Infanteristen degradierten Reiter einer ala. Das nächste Zeugnis der Cohorte ist die Bauinschrift ihres Lagers zu Hierakonpolis vom J. 288, CIL III 22; wie Mommsen vermutet, war die Truppe gerade damals aus ihrer früheren Garnison dorthin verlegt worden. Zu Hierakonpolis verzeichnet sie noch die Not. dign. Or. XXXI 58 (cohors prima Lusitanorum Theraco). Sonst wird nur noch einmal auf einer britannischen Inschrift, CIL VII 1054, im Cursus honorum ein [praef. coh. I] Aug. Lusitanor. genannt.

cohors I Lusitanorum lässt sich ein volles Jahrhundert lang in Pannonien verfolgen. Die Diplome der ungeteilten Provinz II. XVI. XVII. XXVII nennen sie in den J. 60, 84, 85 und 98, ferner die Diplome von Pannonia inferior XXXIX. LXXIV und LXIX in den J. 114, 167 und 145–160; in letzterem fehlt zwar die Zahl, ist aber, da zwei cohortes Lusitanorum im Diplom aufgeführt sind, mit Sicherheit zu ergänzen, schon wegen der Übereinstimmung der Reihenfolge mit Diplom LXXIV. Auffallenderweise ist bis jetzt keine einzige Inschrift und kein Ziegel der Cohorte in Pannonien gefunden worden. Nur ein Praefect und ein aus Iasus in Karien gebürtiger Soldat von ihr werden in dem für letzteren ausgestellten Diplom XVII genannt. Vgl. coh. I Lusitanorum Cyrenaica.

cohors I Lusitanorum Cyrenaica ist, ganz abgesehen von ihrem Beinamen, der sie von andern gleichnamigen Cohorten unterscheiden soll, schon deshalb von der vorigen coh. I Lusitanorum verschieden, weil diese sowohl 98 als 114 n. Chr. in Pannonien nachweisbar ist, während sie selbst in den J. 99 und 105 durch die Diplome XXX und XXXIII in Moesia inferior beglaubigt ist. Bisher unpublicierte Ziegel mit [c]oh. I Lus. (CIL III 13 616) aus Moesia superior könnten ihr, ebenso gut aber auch der niederpannonischen coh. I Lusitanorum angehören, und auch bei dem Praefecten im Cursus honorum aus Libarna (ebd. V 7425) ist eine Entscheidung, ob die pannonische oder die moesische Cohorte gemeint ist, unmöglich. Das gleiche dürfte von der Inschrift zu Ehren des [Cn. T]arutius Celer [pra]ef. coh. [. Lu]sitanorum aus Genf gelten (Mommsen Inscr. Helv. 79 = CIL XII 2603), wo bei dem sicheren Ausfall von je drei Buchstaben mit Wahrscheinlichkeit I ergänzt werden darf.

cohors II Lusitanorum (equitata? s. CIL III 8733) hat 107 n. Chr. in Oberägypten gestanden, wie eine vorläufig noch unvollständig publicierte Inschrift aus Talmis zu Ehren des M. Horatius Numisianus mil. coh. II Lusitan. (CIL III 13582) zeigt.

cohors II Lusitanorum (equitata? s. CIL III 8733). Eine Cohorte dieses Namens finden wir auch auf einer Weihinschrift aus der Civitas Igaeditanorum in Lusitanien (Cagnat L’ann. épigr. 1896, 1 = Ephem. epigr. VIII p. 360) genannt, die von einem dorther gebürtigen (vgl. Cagnat a. a. O. 2) miles signifer coh. II Lus. der Victoria errichtet ist. Eine Beziehung auf die ägyptische Cohorte dieses Namens ist natürlich nicht unmöglich, doch möchte ich eher an eine von ihr verschiedene, in Lusitanien selbst liegende Truppe denken, umsomehr als es ja [313] z. B. sicher auch mehrere cohortes I Lusitanorum gegeben hat. Dass übrigens eine coh. Lusitanorum wirklich zeitweilig in jener Provinz gestanden hat, dürfte ein Grabstein militi cortis Lusitanorum aus Porto de Mós, CIL II Suppl. 5238 beweisen. Welche von beiden Abteilungen dann der praefect. cohort. II Lusitanor. equitatae befehligt hat, der in einem Cursus honorum aus Salonae CIL III 8733 genannt wird, ist ungewiss.

cohors III Lusitanorum equitata erscheint in den beiden niederpannonischen Diplomen XXXIX und LXXIV unter 114 und 167 n. Chr., aber auch in dem zwischen 145 und 160 anzusetzenden Diplom LXIX dieser Provinz ist, wie die genau übereinstimmende Reihenfolge in Diplom LXXIV mit Bestimmtheit erkennen lässt, an erster Stelle coh. [III] Lusitanorum zu ergänzen. Inschriften der Truppe sind bis jetzt in Pannonien noch nicht gefunden. Da sie übrigens in allen pannonischen Diplomen des 1. Jhdts. noch fehlt, wird sie, wie schon Ritterling Westd. Ztschr. XII 240 vermutet, erst später, etwa unter Traian dahin verlegt worden sein und ist dann wohl – dies hat bereits Hassencamp a. a. O. 68 erkannt – identisch mit einer coh. III Lusitanorum, die im 1. Jhdt. in Germania inferior gelegen hatte und von der wir einen Soldatengrabstein aus Köln (CIRh 312) besitzen. Hassencamp vermutet dabei sehr ansprechend, dass die Cohorte eine von jenen Gallorum Lusitanorumque et Britannorum cohortibus des germanischen Heeres gewesen sei, die Caecina im J. 69 nach Italien vorausgeschickt hatte (Tac. hist. I 70). Ein subprae[f.] coh. III Lusitanorum wird in einem Cursus honorum aus Aquileia (Pais CIL suppl. Ital. I 185) erwähnt, ein [praef.] chor. III Lusit. auf einem anderen, gleichfalls aus Aquileia stammenden (Cagnat L’ann. épigr. 1895, 36).

cohors III Lusitanorum equitata. Von einem eques chor. III Lusitanorum besitzen wir eine frühe Weihinschrift aus Freixo in Portugal, CIL II 432, ohne dass man entscheiden könnte, ob damit die germanisch-pannonische Cohorte oder eine von ihr verschiedene im Lande selbst liegende (vgl. oben coh. II Lusitanorum) gemeint ist.

[cohortes IIII. V. VI Lusitanorum] sind bis jetzt noch nicht direct bezeugt.

cohors VII Lusitanorum (equitata CIL VIII 3147 = 2887) finden wir im 1. Jhdt. in Numidien. Dort hatte etwa unter Nero L. Calpurnius Fabatus, der 112 n. Chr. in hohem Alter verstorbene Grossvater von des jüngeren Plinius Gemahlin als pr]aef. cohortis VII Lusitan. [et] nation. Gaetulicar. sex quae sunt in Numidia (CIL V 5267) gedient, und Inschriften von ihr sind an verschiedenen Stellen der Provinz zu Tage getreten, so zu Lambaesis die Grabsteine eines miles (CIL VIII 3101) und eines eques (3147 = 2887), zu Mascula eine Weihinschrift eines Centurionen (17631 = 10721) und in dem unweit von dort gelegenen Vazaivi das Stück einer grossen Inschrift, derzufolge ein leg. Aug. pr. pr. irgendwelchen Bau (per?) coh. VII Lusita[nor]um ... restituit (10733 = 17673). Vor dem Ende des Jahrhunderts wird die Truppe aber aus Numidien nach Raetien verlegt worden sein, denn wenn wir in den raetischen Diplomen XXXV und LXXIII (die Zahl ist hier mit Sicherheit ergänzt) von [314] 107 und 166 eine cohors VII Lusitanorum finden, werden wir schwerlich neben der numidischen noch eine andere mit dieser hohen Nummer statuieren dürfen, sondern beide für identisch halten müssen.

cohors Lusitanorum. Ausser den beiden ohne Ziffer überlieferten Zeugnissen einer coh. Lusitanorum aus Genf und aus Portugal, die unter I und II Lusitanorum besprochen sind, haben wir noch zwei gleiche Steine, bei denen sich eine Beziehung auf eine bestimmte Truppe nicht vorschlagen lässt. Der eine, CIL X 7884, bei Austis im inneren Berglande Sardiniens gefunden, ist der der frühen Kaiserzeit angehörende Grabstein des Ubasus Chilonis f. Niclinus tubicen ex coho. Lusitan. Der Mann ist als activer Soldat dort gestorben; sein Truppenteil muss also damals auf der Insel gelegen haben, und es wäre gar nicht unmöglich, dass es eine der noch nicht nachgewiesenen cohortes IV. V. VI Lusitanorum gewesen ist. Die zweite Inschrift, aus Stratonicea in Karien, Bull. hell. XIV 624, ist gleichfalls ein Grabstein eines Soldaten (militi c[o]hortis Lusitanorum), der ebenfalls bei seinem Tode noch im Dienste stand und dessen Cohorte sich also damals in Karien befunden haben muss. Da der Stein wegen des Namens Flavius des Mannes frühestens dem letzten Drittel des 1. Jhdts. zugewiesen werden kann, ist es wenig wahrscheinlich, dass darin eine der uns aus anderen Provinzen bekannten cohortes Lusitanorum zu erkennen ist, doch sei darauf hingewiesen, dass auch bei der I Lusitanorum die Heimat Iasus eines Soldaten auf Beziehungen zu Karien schliessen lässt. Wegen der bei Tacitus hist. I 70 erwähnten cohortes Lusitanorum des germanischen Heeres s. coh. III Lusitanorum.

cohors I Macedonica wird nur einmal auf einer Inschrift aus Tarraco, CIL II 4232, erwähnt, die zu Ehren eines aus der Stadt gebürtigen L. Numisius Ovinianus tribuno chort. I Macedanicae gesetzt ist.

cohors Macedonica: s. coh. II Gallorum equitata.

cohors Malvensis: s. coh. I Flavia Brittonum miliaria.

cohors Maritima. Eine Inschrift aus Corduba, CIL II 2224, ist zu Ehren eines L. Iulius Gallus Mummianus trib. militum coh. Maritimae gesetzt. Mommsen Ephem. epigr. V p. 249 hält dies für keine römische Auxiliartruppe, allein ich würde es z. B. nicht für unmöglich halten, dass der Name irgendwie mit der Provinz der Alpes maritimae zusammenhinge. Eine Beziehung zum praef. orae Maritimae, an die Hübner denkt, scheint mir dagegen ausgeschlossen.

[cohors I Mattiacorum] ist vorläufig nur aus der folgenden Truppe zu erschliessen.

cohors II Mattiacorum. Alle Zeugnisse, die wir von dieser Cohorte besitzen, weisen nach der Provinz Moesia inferior. Unter deren Auxilien führen sie zunächst die Diplome XXXI und XLVIII aus den J. 99 und 134 auf, und Ziegel von ihr aus dem bei Gertina an der Mündung des Sereth in die Donau gelegenen römischen Castell (CIL III Suppl. 7620 = 785, 2) beweisen ihre Anwesenheit dort. Auch zwei Grabsteine von Angehörigen der Truppe sind in Moesia inferior, der eine zu Rustschuk, Arch.-epigr. Mitt. [315] XV 221, der andere zu Tenča im Bezirk von Tirnowa, ebd. 212, gefunden worden; denn trotz der fehlenden Ziffer darf auch der letztere auf die coh. II Mattiacorum bezogen werden.

cohors miliaria Maurorum (equitata CIL III 3444) hat in Pannonia inferior und zwar wohl im Castell von Batta südlich von Pest gelegen, wo ausser Ziegeln von ihr (CIL III 10673) auch eine aus den J. 235–238 stammende Dedicationsinschrift der Cohorte zu Ehren des Maximinus gefunden ist (ebd. 10375). Weitere Inschriften sind in der nahen Provincialhauptstadt Aquincum zu Tage getreten, nämlich die Weihung eines eques (ebd. 3444) und die Grabsteine eines Veteranen (3545), sowie der Frau eines Soldaten (3542). Auch die nur handschriftlich überlieferte Inschrift aus dem dicht bei Batta gelegenen Tétény (3398), auf der angeblich mil. coh. N gestanden hat, möchte ich eher auf die coh. M(aurorum) als auf die I Noricorum (s. d.) beziehen. Der Hist. Aug. trig. tyr. 32 erwähnte tribunus Maurorum hat schwerlich die pannonische Cohorte befehligt. Eigentümlich ist bei der Truppe die constante Voranstellung von miliaria vor den Stammesnamen.

cohors miliaria Maurorum ist nach neuerer Lesung des Steines CIL VIII 4323 aus Casae in Numidien gesichert, der 208 n. Chr. zu Ehren der Familie des Septimius Severus gesetzt ist, und auf dem ein Centurio coh. m(il.) Maur.. (nicht II Maur., s. d.) genannt wird. Die Cohorte hat also damals in Numidien gestanden und ist vielleicht nicht verschieden von der dortigen coh. miliaria (s. d.).

cohors quingenaria Maurorum (equitata CIL III 3668). Neben der coh. miliaria Maurorum hat in Pannonia inferior noch eine weitere nur 500 Mann zählende coh. Maurorum gestanden, die sich zum Unterschied von jener ungewöhnlicherweise coh. quingenaria Maurorum nennt, und zwar mit derselben charakteristischen Voranstellung der Ziffer vor den Stammesnamen. Direct bezeugt ist sie zunächst durch den Grabstein eines vet. ch. B Maur. d(omo) Africa aus Gyorköny im Binnenlande der Provinz (CIL III 3324), der von einem anderen Veteranen derselben Cohorte gesetzt ist. Danach scheint mir in der an unbekanntem Orte der Provinz gefundenen Weihung ebd. 3668 mit Sicherheit als eq. coh. (quingenariae) Ma[ur.] gelesen werden zu können. Ebenso ist der Cohorte dann wohl auch die gleichfalls von unbekanntem Orte aus Pannonia inferior stammende Inschrift zu Ehren des Alexander Severus vom J. 225, ebd. 3675, zuzuweisen, die von einer coh. I ///B EQ AL, also M[aur.?] (quingenaria) eq(uitata) Al(exandriana) gesetzt ist.

[cohors Maurorum et Afrorum?]. In einer Inschrift aus Carales in Sardinien, CIL X 7600, dem Cursus honorum eines Sex. Iulius ..., heisst dieser praef. cohor. Maur. et . Da die aus zwei verschiedenen Stämmen formierten Cohorten regelmässig wenigstens einander nahe verwandte oder benachbarte Völker umfassen, würde A]FRORVM, worauf die erhaltenen Buchstaben meiner Ansicht nach zu führen scheinen, auch sachlich alle Wahrscheinlichkeit für sich haben. [316]

[cohors I Ael(ia) Caes. M(aurorum) Sag(ittariorum)] las man bisher nach Mommsens Vorgang den Namen einer in dem pannonischen Diplom XLVII vom J. 133 vorkommenden, aber in keinem der vielen anderen Diplome der Provinz wiederkehrenden Cohorte. Allein jetzt hat Bormann Arch.-epigr. Mitt. XX 161 gezeigt, dass das betreffende Zeichen nicht M, sondern , d. h. miliaria, zu lesen ist und also die pannonische coh. I Aelia miliaria Sagittariorum (s. d.) gemeint ist.

[cohors II Maurorum] beruht nur auf falscher Lesung (COH II MAVR) des numidischen Steines CIL VIII 4323, auf dem vielmehr COH M MA, also m(iliaria) Ma[urorum], steht (vgl. coh. miliaria Maurorum und coh. miliaria).

cohors I Menapiorum. Die einzige Erwähnung dieser Cohorte findet sich in Diplom XLIII, wonach sie 124 n. Chr. zu den Auxilien des britannischen Heeres gehört hat.

cohors miliaria (equitata CIL VIII 17 980). Eine coh. miliaria ohne jeden weiteren Zusatz – analog den verschiedenen alae miliariae – hat es anscheinend im numidischen Heere gegeben. Aus Gemellae in dieser Provinz, südlich vom Auresgebirge, haben wir nämlich den Grabstein eines dec. coh. mil. (CIL VIII 17 980) und auch auf dem Inschriftfragment aus Vazaivi (ebd. 17 640), wo wir I·COH·MILI lesen, könnte ihr Name enthalten sein. Ob diese Cohorte nicht etwa mit der in Numidien einmal vorkommenden coh. m(iliaria) Maurorum (s. d.) zusammenhängt und ob sie nicht vielleicht nur als einzige miliaria der Provinz, ähnlich wie z. B. in Dalmatien die I miliaria Delmatarum (s. d.), im Lande selbst kurz miliaria genannt wurde, verdient wohl in Erwägung gezogen zu werden. Auf dem Steine von Vazaivi könnte übrigens ebensogut coh. mili[ar. Maur.] ergänzt werden (vgl. coh. II Maurorum).

cohors miliaria. Eine weitere derartige Truppe ohne Stammesnamen muss in Syrien angenommen werden, wo zu Tell ech-Chehab die Inschrift eines στρατ. χωρτ. μιλι(αρίας)), Bull. hell. XXI 45, gefunden ist. Diese Cohorte ist dann möglicherweise auch auf dem nur handschriftlich erhaltenen späten Grabstein aus Trier, CIRh 787, gemeint, der für einen Centurio .. c]hortis Rhamae milliariae in Syria errichtet ist. Ich möchte in Rhamae nicht einen Namen der betreffenden Cohorte, sondern – wie mehrfach gerade bei syrischen Truppen deren Standort zugefügt wird – ihre Garnison Rhama erkennen, die nur der Steinmetz an die falsche Stelle gesetzt hätte.

cohors I Montanorum. Unter den Cohorten dieses Namens hebt sich zunächst eine heraus, die im 1. Jhdt. n. Chr. in Noricum, und zwar offenbar in der Hauptstadt Virunum selbst gelegen hat. Von dort haben wir nämlich mehrere wohl noch der ersten Hälfte des Jahrhunderts angehörende Soldatengrabsteine, deren Mehrzahl (CIL III 4844. 4846. 4847. 4849) den Namen übereinstimmend in der ungewöhnlichen Folge coh. Montanorum pri(ma) bietet. Dass auch auf dem der gleichen Periode angehörenden dortigen Grabstein eines miles coh. Montan. ebd. 11 554 die coh. I Montanorum gemeint ist, kann als sicher gelten, und vielleicht darf auch noch CIL III 4838, der frühe Grabstein eines mil. coh. I… [317] aus Virunum, auf sie bezogen werden. Später findet sich in Noricum keine Spur der Truppe mehr, und es darf daher wohl angenommen werden, dass sie aus der Provinz wegverlegt worden ist. Unzweifelhaft ist sie dann die eine der beiden coh. Montanorum, die zu Ende des 1. Jhdts. in der Nachbarprovinz Pannonien gleichzeitig nachweisbar sind.

cohors I Montanorum c. R. (mit diesem Beinamen nur in Diplom XXVII) verzeichnen die Diplome XIII. XVI. XVII. XXVII für die J. 80, 84, 85, 98 in der noch ungeteilten Provinz Pannonien, dann XXXIX und LXXIV für 114 und 167 in Pannonia inferior. Die Diplome XIII und XVI sind für Angehörige der Cohorte selbst ausgestellt und nennen daher auch deren damalige Praefecten. Die Heimat der betreffenden Soldaten, eines geborenen Bessers und eines Dalmaters, lässt auf einen früheren Aufenthalt der Truppe in den Ländern der Balkanhalbinsel schliessen.

cohors I Montanorum wird neben der vorigen als gleichfalls 85 n. Chr. in Pannonien stehend in Diplom XVII genannt. Da sie in allen übrigen pannonischen Diplomen fehlt, hat sie offenbar nur kurze Zeit dort gelegen und könnte sehr wohl mit der früher in Noricum nachzuweisenden gleichnamigen Truppe identisch sein. Anscheinend ist sie später nach Dacien verlegt worden, wo zu Mühlbach Ziegel mit dem Stempel III MO (CIL III Suppl. 8074, 21) gefunden sind, die bereits Gooss Archiv d. Vereins f. Siebenbürg. Landesk. XII 172 richtig als co]H·I·MO[nt] erklärt hat. Auch in der Weihinschrift aus Veczel in Dacien (CIL III 1343), die eine Reihe von dacischen Auxiliarregimentern aufzählt, könnte in den Buchstaben .MO..I der Name der coh. I] Mo[n]t. stecken.

cohors I Montanorum findet sich endlich auch in dem neuen Diplom von Syria Palaestina aus dem J. 139, vgl. Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106. Ob hier eine der oben besprochenen gleichnamigen Cohorten, etwa die pannonische, zu erkennen ist, die dann für den jüdischen Krieg von Hadrian zeitweilig nach dem Orient abcommandiert sein müsste, oder ob daneben noch eine weitere im Orient stehende Cohorte des Namens angenommen werden muss, lässt sich nicht entscheiden. Ungewiss bleibt auch, welche coh. I Montanorum die in verschiedenen Cursus honorum, CIL V 7425. X 6426. IX 5439, vorkommenden Praefecten befehligt haben. Die letztgenannte Inschrift ist dadurch interessant, dass sie noch den Zusatz P. C. (d. i. pia constans) zum Namen der Cohorte giebt.

cohors I Morinorum hat, soweit wir erkennen können, wohl die ganze Kaiserzeit hindurch in Britannien gestanden; 103 n. Chr. findet sie sich in dem britannischen Diplom XXXII, und noch die Notitia dignitatum nennt sie Occ. XL 52 und giebt als ihre Garnison Glannibanta am Hadrianswall an. Ein Praefect der Cohorte wird in einer Inschrift aus Salonae CIL III 2049 erwähnt.

cohors I Flavia Musulamiorum. Diese Cohorte ist zweimal ausdrücklich für Mauretanien bezeugt, zunächst durch Diplom XXXVI vom J. 107 für Mauretania Caesariensis, dann durch einen Grabstein aus Thubursicum in Numidien (CIL VIII 4879), auf dem C. Cornelius Flaccus praef. cohor. I Musulam. in Maur. heisst. [318]

cohors Naut[…]. Vier Inschriften aus Cemenelum an der Riviera nennen Soldaten einer coh. Naut. (CIL V 7887. 7888. 7892) bezw. coh. Na. (ebd. 7884). Die Steine gehören sämtlich der frühen Kaiserzeit an und beweisen, dass die betreffende Cohorte damals zeitweilig dort gestanden hat. Da sie vollständig militärisch organisiert ist, Centurien und Centurionen, duplicarii und tubicines besitzt, werden wir doch wohl eine reguläre Auxiliartruppe darin zu erkennen haben. Ob aber die naheliegende Auflösung Nautarum richtig ist, oder ob in Naut. der Name eines unbekannten Volksstammes steckt – wie solche ja gerade bei den Auxilien mehrfach vorkommen –, ist nicht ohne weiteres zu entscheiden.

cohors Nemetum. Aus dem im J. 50 n. Chr. gegen die Chatten geführten Kriege berichtet Tacitus ann. XII 27: P. Pomponius legatus auxiliares Vangionas ac Nemetas addito equite alario immittit. Wie zumal das Wort alario beweist, können damit nur reguläre cohortes Vangionum und Nemetum gemeint sein, und da eine coh. I Vangionum thatsächlich bekannt ist, werden wir aus der Stelle mit Sicherheit auch mindestens eine coh. Nemetum zu erschliessen haben.

cohors Nervana: s. coh. I Germanorum.

cohors Nervia: s. coh. II Augusta Pacensis miliaria Brittonum.

cohors I Augusta Nerviana velox hat 107 n. Chr. zur Besatzung von Mauretania Caesariensis gehört, vgl. Diplom XXXVI.

cohors I Aug. Nerv. … ist in dem zwischen 145 und 161 erteilten, auf Dacia superior bezüglichen Diplom LXX genannt, ohne dass ihr Name sich mit Sicherheit herstellen liesse. Mommsen Ephem. epigr. V p. 178 denkt wegen der II Augusta Nervia Pacensis miliaria Brittonum (s. d.) an eine coh. Brittonum, doch wäre auch eine Identifizierung mit der mauretanischen I Augusta Nerviana velox durchaus nicht ausgeschlossen.

cohors I Nerviorum stand nach Diplom XXXIV im J. 105 in Britannien und ist dort auch durch die Inschrift eines ihrer Soldaten aus Caer-gai in Wales (Ephem. epigr. VII 863) bezeugt.

cohors II Nerviorum kehrt in den drei britannischen Diplomen XXIX. XLIII. LVII aus den J. 98, 124, 146 wieder. Ihre Garnison scheint Vindolana am Hadrianswall gewesen zu sein, woher wir die Weihung eines ihrer Praefecten (CIL VII 701) haben. Später muss sie allerdings von dort wegverlegt worden sein, da die Not. dign. Occ. XL 41 an ihrer Stelle zu Vindolana die coh. IV Gallorum nennt. Eine Weihinschrift der Texand(ri) et Sunic(i) vex. cohor. II Nerviorum (Ephem. epigr. III 103) ist in dem unweit von Vindolana gelegenen Procolitia gefunden. Ausserdem haben wir noch eine Anzahl Bleitesserae mit der Aufschrift C·II·NER (CIL VII 1269. 1269 add.), nach Hübners überzeugender Erklärung Erkennungsmarken der Soldaten.

cohors III Nerviorum c. R. hat gleichfalls zum britannischen Heere gehört. In diesem erscheint sie 124 n. Chr. in Diplom XLIII und noch in der Not. dign. Occ. XL 53, wo als ihr Standort Alio angegeben wird. Von den drei bezw. vier Inschriften der Cohorte stammen zwei bezw. drei aus Whitleycastle, südlich vom Hadrianswall, das wohl eben jenes Alio gewesen ist. [319] Die eine dieser Inschriften (CIL VII 310) ist von der Cohorte in den J. 213–217 zu Ehren des Caracalla gesetzt, die andere (Ephem. epigr. III p. 128 = CIL VII 309) ist die Weihung eines ihrer Angehörigen an Apollo, während in der dritten, die anscheinend gleichfalls zu Ehren Caracallas gesetzt ist (CIL VII 311), Hübner den Namen der Abteilung mit grosser Wahrscheinlichkeit hergestellt hat. Sonst besitzen wir nur aus Vindolana am Hadrianswall eine Weihinschrift der Cohorte und ihres Praefecten an Mars Victor (CIL VII 706), die aber auch anlässlich eines Krieges errichtet sein kann und nicht notwendig die Annahme erfordert, dass die Cohorte zeitweilig dort in Garnison gelegen hatte.

[cohortes IIII und V Nerviorum] kommen einzeln nirgends vor, vgl. unten coh. Nerviorum.

cohors VI Nerviorum. Auch sie hat wie die I. II. III Nerviorum in Britannien gelegen, wo sie die Diplome XLIII und LVII für 124 und 146 aufführen und wo die Not. dign. Occ. XL 56 als ihren Garnisonsort Virosidum nennt. Vielleicht lag dieses bei dem heutigen Bainbridge, wenigstens ist dort eine aus den letzten Jahren des Septimius Severus stammende Bauinschrift der Cohorte gefunden worden (CIL VII 269). Zwei Weihungen von ihr, die eine an die Victoria (ebd. 1092) aus Schottland, vom Piuswall, die andere an die Victoria Augusta (726) aus Aesica am Hadrianswall, können wiederum während gelegentlicher Anwesenheit der Truppe dort in einem Kriege errichtet sein und dürfen für Ansetzung ihrer Garnisonen nicht verwertet werden.

cohortes Nerviorum. Nach Tac. hist. IV 33 waren unter den Truppen des Vocula, die dieser in der Schlacht gegen Civilis befehligte, auch Nerviorum cohortes, die aber metu seu perfidia latera nostrorum nudavere und dadurch beinahe die Niederlage der Römer verursacht hätten. Es müssen demnach 69 n. Chr. mehrere cohortes Nerviorum zum Heere von Germania inferior gehört haben. Dies können ja freilich auch die später in Britannien erscheinenden cohortes I. II. III. VI Nerviorum gewesen sein, aber näher liegt doch wohl die schon von Hartung vertretene Annahme, dass es die sonst nicht nachweisbaren cohortes IIII und V Nerviorum gewesen seien, die dann zu den von Vespasian cassierten Abteilungen gehört haben würden.

cohors I Noricorum (equitata? CIL III 10279) ist bis jetzt nur in Pannonien nachzuweisen. In der noch ungeteilten Provinz nennen sie die Diplome XIII. XVI. XVII für die J. 80. 84, 85, in Pannonia inferior Diplom LXXIV für das J. 167 und vielleicht schon LVIII aus der Zeit zwischen 138 und 146. Ausserdem heisst L. Volcacius Primus in seinem Cursus honorum CIL IX 5363 und 5364 praef. coh. I Noricor. in Pann(onia). Mehrere Inschriften aus Niederpannonien lassen sich vielleicht – allerdings keine einzige mit ganz unbedingter Gewissheit – auf die Cohorte beziehen. Am gesichertsten erscheint mir noch die Dedication für Caracalla aus dem römischen Castell auf der Donauinsel von Mohács, CIL III 10279, die von der coh. Antoniniana eq. gesetzt ist. Ferner möchte ich auf dem für die Garnison der Truppe freilich belanglosen Familiengrabstein aus Aquincum, CIL III 3545, mil. coh. N(oricor.) [320] ergänzen, während bei der Weihinschrift ebd. 3616 eine Beziehung auf die Cohorte zu problematisch ist. Endlich könnte man noch den Familiengrabstein aus Tétény, ebd. 3398, auf dem ein mil. coh. N. erscheint, auf die Cohorte beziehen wollen. Allein ganz abgesehen davon, dass die coh. I Noricorum ja bestimmt eine quingenaria war, spricht neben dem Fehlen der Ziffer vor allem die ungewöhnliche Voranstellung von vor den Namen eher dafür, dass in dem nur hsl. überlieferten Text N statt M verlesen worden und die pannonische coh. miliaria Maurorum (s. d.) gemeint ist, bei der jene Voranstellung der Zahl die Regel ist.

cohors Nova: s. coh. I miliaria Surorum sagittariorum, coh. Tironum.

cohors I Flavia Numidarum (equitata Diplom LXXVI) bildete zum mindesten 178 n. Chr. die Besatzung der Provinz Lycia Pamphylia. Aus diesem Jahre besitzen wir das für einen ihrer Leute ausgestellte Diplom LXXVI, das aber auffallenderweise in Bulgarien gefunden worden ist. Ob aus der Thatsache, dass im Diplom als Befehlshaber ein Tribun genannt wird, zu schliessen ist, dass die Cohorte eine miliaria gewesen ist, oder ob hier besondere Verhältnisse vorliegen, sei dahingestellt. Sonst kehrt die Truppe nur noch in dem griechischen Cursus honorum aus Brundisium, CIG 5783 c, wieder, wo die Ergänzung χωρ. α' [Φλ. Ν]ουμιδῶν durch die folgenden Worte Πέργ(ης) τῆς [Παμ]φυλίας gesichert wird. Ob der in einem Cursus honorum aus Samos (Athen. Mitt. IX 262) genannte ἔπαρχος σπείρης πρώτης Νουμιδῶν auf die I Flavia Numidarum oder auf eine neben dieser anzunehmende I Numidarum zu beziehen ist, lässt sich zur Zeit nicht entscheiden.

cohors II Flavia Numidarum. Zweifellos gleichzeitig mit der I Flavia Numidarum von einem der flavischen Kaiser errichtet, hat sie im 2. Jhdt. in Dacien gestanden. Diplom XLVI nennt sie 129 unter den Truppen von Dacia inferior; Ziegel von ihr sind dagegen in der oberen Provinz zu Marosporto am Marosch und im Castell von Varmezö im äussersten Nordwesten des Landes gefunden worden (CIL III 1633, 5 = Suppl. 8074, 22. Arch.-epigr. Mitt. XVI 256). Ein Praefect. der Cohorte erscheint in dem griechischen Cursus honorum aus Thyatira, CIG 3497.

[cohors III Numidarum] ergiebt sich aus dem Vorkommen einer coh. IIII Numidarum.

cohors IIII Numidarum wird zwar nur in der Not. dign. Or. XXVIII 46 als Besatzung von Narmunthi in Ägypten genannt, ist aber doch allem Anschein nach eine alte Truppe.

cohors Numidarum. Eine solche darf für die Regierungszeit Hadrians in Cappadocien angenommen werden. Arrian hatte nämlich in seinem gegen die Alanen aufgestellten Heere unter den ὁπλῖται, d. h. der regulären Auxiliarinfanterie, auch Νομάδες … ὑποτεταγμένοι Βήρῳ τῷ σφετέρῳ ἄρχοντι (ect. 3), also ganz deutlich eine coh. Numidarum, die dann, wie die Worte οἱ πεζοὶ τοξόται οἱ τῶν Νομάδων ebd. 18 zeigen, zum mindesten teilweise aus Bogenschützen bestand. Es wäre nicht unmöglich, dass diese Cohorte etwa mit der I Numidarum (s. d.) oder aber mit der bis jetzt noch nicht nachgewiesenen III Numidarum identisch ist. [321]

cohors I Nurritanorum zählte nach Diplom XXXVI im J. 107 zur Besatzung von Mauretania Caesariensis, ist aber sonst nur durch den Cursus honorum zweier ihrer Praefecten, CIL XI 6010 = Muratori 677, 1 und VIII 4292, bekannt.

cohors I P. P. Ein später Grabstein aus Potaissa in Dacien, CIL III 908, ist von einem mil. ch. I P. P. seinen Angehörigen gesetzt, doch ist es bis jetzt noch nicht gelungen, den Namen der Cohorte sicher festzustellen. Dass diese mit dem schon von Mommsen herangezogenen gleichfalls in Dacien stehenden n(umerus) P. P. (ebd. 803) in Zusammenhang steht und vielleicht aus ihm hervorgegangen ist, dürfte wohl nicht unmöglich sein; dagegen kann die Inschrift Arch.-epigr. Mitt. XVII 19 (= CIL III 13764) nicht, wie Cumont thut, herangezogen werden. Das zweite P hält Bormann (zu letzterer Stelle) für Abkürzung von P(hilippiana). Mir würde immer noch am wahrscheinlichsten die Erklärung als coh. I P(almyrenorum) erscheinen, da ja ein numerus Palmyrenorum in Dacien wirklich vorkommt.

cohors Pacensis: s. coh. II Augusta Nervia miliaria Brittonum.

cohors I Ulpia Pannoniorum miliaria equitata (CIL III 6302 = Suppl. 8162. 3350). Ihrem Namen nach ist sie von Traian errichtet und wird durch eine Reihe von Diplomen für Pannonia superior bezeugt. Dort lag sie 133 (Diplom XLVII), 138 (Diplom LI), 148 (Diplom LX), 149 (Diplom LXI), 154 (Diplom LXV), ferner in einem nicht genau festzustellenden Jahre, wahrscheinlich 133, nach dem neuen Diplom Arch.-epigr. Mitt. XX 156, und auch in dem weiteren, ebd. 158 veröffentlichten Diplom jener Provinz von 116 möchte ich in der coh... miliaria eq. nicht mit Ritterling die damals wohl schon in Dacien stehende I Britannica, sondern die I Ulpia Pannoniorum erkennen. Diplom LX ist für einen Soldaten der Cohorte, einen geborenen Azaler, ausgestellt und nennt ausser diesem noch den damaligen Commandeur. In Pannonia superior setzt die Truppe endlich auch eine Inschrift aus Brixia, CIL V 4343, voraus, da sie ein trib. coh. prim. Pann. einem Statthalter von Pannonia superior als seinem praesidi optimo errichtet. An Denkmälern der Cohorte haben wir aus Pannonia superior einen Grabstein aus Carnuntum, CIL III 11227, wo .. cho. I Ulp .. doch nur auf sie als die einzige den Beinamen Ulpia tragende Cohorte in der Provinz bezogen werden kann, ferner Ziegel aus Gran (ebd. 3756) und einen Soldatengrabstein aus Acsa an der Grenze beider Pannonien (6454 = 10349). Aus Pannonia inferior stammen Ziegel aus Aquincum (3756, vgl. 10667) und der späte Grabstein eines decurio aus Stuhlweissenburg (3350). Die Weihinschrift eines aus der coh. XVIII Voluntariorum in die I Ulpia Pannoniorum versetzten Tribunen aus Moesia superior (CIL III 6302 = Suppl. 8162) ist für die Garnison der Truppe ohne Belang. Ein anderer Tribun erscheint in dem stadtrömischen Cursus honorum Not. degli scav. 1887, 537 = CIL VI 31856.

cohors I Pannoniorum ist für das 1. Jhdt. durch mehrere sehr alte Grabsteine in der Provinz Germanien bezeugt. Drei von diesen, CIRh 740. 743. 744, stammen aus Bingerbrück, wo demnach die Cohorte zeitweilig ihr Standquartier gehabt [322] haben muss. Ein weiterer, ebd. 1519, ist zu Wiesbaden gefunden, und auch auf einem unvollständigen Stein aus der Nähe von Mainz mit miles ... nioru. (ebd. 1368) ist, wie bereits Schünemann a. a. O. 21 gesehen hat, wohl [coh. I Panno]nioru[m] zu ergänzen. Wohin die Cohorte von Germanien aus gekommen ist, lässt sich zunächst nicht bestimmen. Wohl aber dürfen wir annehmen, dass sie einmal, und zwar anscheinend im 1. Jhdt., vorübergehend in Oberitalien geweilt hat. Aus Aquileia haben wir nämlich den Grabstein eines mil. coho. I Pannoniorum (CIL V 885), und dass dies die germanische Cohorte des Namens ist, dürfte die germanische Heimat des erst elf Jahre zuvor in den Dienst getretenen Soldaten beweisen. Nun wissen wir aber thatsächlich von einer coh. Pannoniorum, die einmal in Oberitalien gewesen ist; Tacitus erzählt nämlich hist. II 17 aus dem J. 69, dass eine zu Othos Heere gehörende Pannoniorum cohors bei Cremona von den vorausgesandten Truppen des Vitellius gefangen genommen worden sei. Auf Grund jenes Grabsteines liegt dann die Vermutung nahe genug, dass dies eben unsere I Pannoniorum gewesen ist. Nach Germanien ist die Cohorte dann gewiss nicht wieder zurückgekehrt, dagegen könnte sie nach Britannien verlegt worden sein, wo nach dem Cursus honorum CIL IX 2649 (praef. coh. I Pannoni[or.] in Britannia), im 2. oder 3. Jhdt. eine Cohorte des Namens gelegen hat. Ob der stadtrömische Cursus honorum eines praef. coh. I Pan. (CIL VI 3540) diese oder eine andere gleichnamige Cohorte meint, ist ungewiss.

cohors I Pannoniorum. Von der vorigen Cohorte zweifellos verschieden ist eine coh. I Pannoniorum, die nach Diplom XXXVI im J. 107 in Mauretania Caesariensis gestanden hat und dort auch durch mehrere Inschriften bezeugt ist. Zunächst sind es zwei Steine aus der Zeit des Septimius Severus und seiner Söhne (Cagnat L'ann. épigr. 1892, 116 und 1893, 105), die die Aufstellung neuer Meilensteine an der Strasse von Timziouine nach dem Westen der Provinz durch die coh. I Pannoniorum betreffen, sodann ein Grabstein (CIL VIII 21033 = Ephem. epigr. V 991), den ein Vater zu Caesarea seinem Sohne, einem Angehörigen ... coh. I Pann. setzt. Auch der frühe Grabstein eines geborenen Pannoniers aus Caesarea, ebd. 21041 = Cagnat L’ann. épigr. 1894, 42, wird, obwohl hier coh. Pannonior. ohne Nummer steht, ihr als der einzigen pannonischen Cohorte in der Provinz angehören; die Truppe würde in diesem Falle schon im 1. Jhdt. in Mauretanien nachgewiesen sein.

cohors I Pannoniorum. Einem Soldaten einer coh. I Pannoniorum Valerio Valeri f. Valenti Ratiar(ia) ist das auf eine unbekannte Provinz bezügliche Diplom LXXII vom 18. Februar 165 erteilt, das neben diesem noch den betreffenden Praefecten nennt. Welche der verschiedenen cohortes I Pannoniorum hier gemeint ist, bleibt – zumal nicht einmal der Fundort des Diploms feststeht – ganz unsicher. Wenn die Heimat des Soldaten einen Anhalt gewähren könnte, würde Moesien in erster Linie in Betracht kommen.

cohors I Augusta Pannoniorum ist in der Notitia dignitatum (Or. XXVIII 41) zu Tohu (oder Thou) in Ägypten angesetzt. Sie wird dann identisch [323] sein mit der coh. I Pannoniorum, die schon 83 n. Chr. in dem ägyptischen Diplom XV genannt ist, und hat also wohl die ganze Kaiserzeit hindurch in Ägypten gestanden. Eine Erwähnung der Cohorte möchte ich noch in einer aus Cuicul in Numidien stammenden Inschrift des J. 160 n. Chr. (Ephem. epigr. VII 798), dem Cursus honorum des L. Claudius Honoratus, finden, der u. a. trib. m[il.] ..., … I Aug. Pan. (Variante P· AN) equo publ. exorn. ab imp. Antonin[o heisst. Da die Aufzählung der Ämter in absteigender Folge gegeben ist, war das Commando der Truppe das erste, das der Mann nach Verleihung des Ritterpferdes innehatte, und demnach kann nicht, wie die Herausgeber glauben, eine ala, sondern unbedingt nur eine Cohorte gemeint sein; in dieser ist dann aber natürlich eben die ägyptische zu erkennen.

cohors I Pannoniorum et Dalmatarum equitata c. R. ist vorläufig nur durch den Cursus honorum des T. Pontius Sabinus, CIL X 5829, bezeugt, der sie unter Traian befehligt hatte.

cohors II Pannoniorum wird ausser in einem Cursus honorum hadrianischer Zeit aus Benevent, CIL IX 1619, ausdrücklich genannt nur auf einem Steine aus dem römischen Castell von Malbray in Britannien, CIL VII 417 = Ephem. epigr. VII 978 (.. praef. coh. II Pannon. fecit); danach dürfte die Cohorte zeitweilig dort gelegen haben. Vielleicht ist ihr Name aber auch in dem britannischen Diplom XXXIV vom J. 105 einzusetzen, wo eine coh... Pannoniorum zwischen der coh. II Asturum und einer coh... Delmatarum steht. Mit letzterer kann, wie unter II Delmatarum gezeigt ist, nur die coh. II Delmatarum gemeint sein, und damit wäre dann auch für die coh. Pannoniorum die Ziffer gesichert; zwischen zwei cohortes II stehend muss nämlich auch sie diese Nummer getragen haben. Dagegen ist auf dem Stein von Borcovicium CIL VII 692, der Grabschrift eines mi[les coh..] PAN, nicht zu entscheiden, ob die Zahl I, II oder III dagestanden hat. Vgl. auch coh. II Veterana ... iorum.

cohors III Pannoniorum möchte ich aus dem britannischen Diplom LV (unbestimmter Zeit, aber vor 138) erschliessen, wo eine coh. III P ... erscheint und P[annoniorum] die einzig mögliche Ergänzung sein dürfte (vgl. übrigens coh. II Pann.). Die von Schünemann a. a. O. 23 (vgl. Mommsen im Index von CIL III) auf eine coh. III Pannoniorum bezogenen Ziegel aus Adony in Pannonia inferior mit HIIIPA (CIL III 3752) können derselben Truppe angehören, dagegen wird die in der Not. dign. Occ. XXXV 30 in Raetien verzeichnete coh. III Herculea Pannoniorum mit der älteren coh. III Pannoniorum wohl schwerlich zusammenhängen.

cohors IIII Pannoniorum war bisher nur aus einer schlecht überlieferten Inschrift aus Alba Fucens (CIL IX 3924) bekannt gewesen. Neuerdings sind nun zu Apulum Ziegel mit dem Stempel COHIIIIP (Arch.-epigr. Mitt. XVI 255) gefunden, die meiner Ansicht nach einzig als coh. IIII P(annoniorum) aufgelöst werden können und also die Zugehörigkeit der Cohorte zum dacischen Heere erweisen.

cohors Pannoniorum. Ausser von der auf Seite Othos stehenden cohors Pannoniorum, in [324] der wir die germanische I Pannoniorum (s. d.) zu erkennen haben werden, spricht Tacitus hist. II 14 zu Beginn der Feindseligkeiten des J. 69 noch von quingenti Pannonii nondum sub signis, die, unter den Truppen des Vitellius befindlich, an dem Küstenschutz der Provincia Narbonensis und an dem Gefecht gegen die Flottenmannschaften Othos beteiligt sind. Damit scheint doch wohl eine neu zu bildende coh. Pannoniorum quingenaria gemeint zu sein, die dann mit einer der übrigen uns bekannten cohortes Pannoniorum identisch sein könnte.

[cohors I Ulpia Paphlagonum] darf nach den cohortes II und III Ulpiae Paphlagonum mit Bestimmtheit angenommen werden.

cohors II Ulpia Paphlagonum (equitata). Nach dem Namen zu schliessen von Traian errichtet, stellt sie zu dem, wahrscheinlich für den Partherkrieg dieses Kaisers formierten, combinierten Cavalleriecorps, dessen Bestandteile die Inschrift CIL III 600 aufzählt, eine Anzahl Reiter.

cohors III Ulpia Paphlagonum (equitata) ist wie die vorige und zwar gewiss gleichzeitig mit ihr von Traian formiert worden und hat wie jene Mannschaften für das Corps des Valerius Lollianus abgegeben (CIL III 600). Ein Praefect von ihr begegnet im Cursus honorum CIL VIII 21037 = Ephem. epigr. V 994.

cohors I Ulpia Petraeorum (equitata) war von Traian aus der neuen Provinz Arabien ausgehoben und wie die beiden eben behandelten Cohorten durch eine Vexillation von Reitern am Partherkriege des Kaisers beteiligt (CIL III 600). Vermutlich war sie wie die coh. II und III Ulpia Petraeorum eine coh. miliaria.

cohors II Ulpia Petraeorum miliaria equitata wird nur in dem Cursus honorum des C. Camurius Clemens, CIL XI 5669 = Orelli 516, erwähnt, der als einer ihrer ersten Commandeure noch unter Traian Tribun der Cohorte war.

cohors III Ulpia Petraeorum miliaria equitata (s. u.) steht in der Not. dign. Or. XXXVIII 27 in Armenien (d. h. Cappadocien) zu Metita verzeichnet. Es liegt dann nahe, auf sie die ἱπποτοξότας τοὺς Πετραίους zu beziehen, die sich in Arrians Heer gegen die Alanen befanden, ect. I. Da diese nämlich unter δεκαδάρχαι, d. h. Decurionen. und nicht unter einem Praefecten stehen, wird es sich um die Vexillation einer coh. equitata handeln. Die Truppe hat dann also wohl die ganze Kaiserzeit hindurch in Cappadocien gestanden. Einen Tribunen von ihr nennt ein Cursus honorum aus Sestinum, CIL XI 6010 = Muratori 677, 1.

cohors IIII [Ulpia?] Petraeorum ist erst durch das neue Diplom von Syria Palaestina, Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106, bekannt geworden, das für das J. 139 ihre Zugehörigkeit zum Heere dieser Provinz bezeugt. Der Name Ulpia darf nach Analogie der cohortes I. II. III. V Ulpia Petraeorum für sie und die coh. VI Petraeorum vermutet werden, obgleich er im Diplom fehlt, aber dieses giebt, wie das Beispiel der II Ulpia Galatarum beweist, im Texte die Beinamen der Truppenabteilungen überhaupt nicht vollständig an.

cohors V Ulpia Petraeorum equitata. Sie hat gleichfalls wie die I Petraeorum Mannschaften [325] zur Bildung eines Reitercorps für Traians Partherkrieg abgegeben (CIL III 600). Den Grabstein eines erst 21jährigen Praefecten von ihr haben wir aus Ostia, CIL XIV 162; ob dies die Heimat des Officiers war oder ob er auf der Ausreise nach seiner Garnison dort gestorben ist, bleibt ungewiss.

cohors VI [Ulpia?] Petraeorum. Nach dem neu gefundenen Diplom, Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106, hat sie im J. 139 zusammen mit der IIII Petraeorum in Syria Palaestina gestanden. Den Namen Ulpia wird sie ebenso geführt haben wie die übrigen fünf cohortes Ulpiae Petraeorum, mit denen sie offenbar gleichzeitig von Traian errichtet worden war.

cohors p(ia) c(onstans): s. coh. I Montanorum.

cohors p(ia) f(idelis): s. coh. I Batavorum miliaria, VII Campestris, I und II Civium Romanorum, II Augusta Dacorum miliaria, III Delmatarum, III Delmatarum miliaria, I Hispanorum, I Flavia Hispanorum, II Hispanorum, [I] Lucensium.

cohors Pilato(rum). Aus Tarraco besitzen wir eine Inschrift (CIL II 4240) zu Ehren eines Q. Porcius Vetustinus aus Iuliobriga, der praefec. chor. Pilato[rum] genannt wird. Mommsen Ephem. epigr. V p. 249 bezweifelt mit Recht, dass dies eine Truppe des römischen Kaiserheeres gewesen ist.

cohors II Pr... Die Veroneser Inschrift CIL V 3356 zu Ehren des Ti. Claudius Alpinus (des späteren Bellicius Sollers) nennt diesen praef. alae Gallic. trib. leg. II Aug. praef. coh. II Pr. don. don. bello Germ. Hier kann, ganz abgesehen von dem praefectus statt tribunus, an eine der stadtrömischen cohortes praetoriae keinesfalls gedacht werden. Da das Commando als erstes in einem ganz normalen ritterlichen Cursus honorum aufgeführt ist, haben wir darin vielmehr – falls nicht etwa ein Versehen des Steinmetzen vorliegt – eine coh. quingenaria zu erwarten, und es wird daher eine unbekannte Auxiliarcohorte II Pr... anzunehmen sein, deren Name allerdings vorläufig nicht erklärt zu werden vermag.

[cohors III Pr...]. In einem Londoner Codex des 16. Jhdts. sind zwei Grabsteine aus Vicetia in Oberitalien erhalten (Pais CIL Suppl. Ital. 610 und 611), die beide je einen mil. coh. III Pr. betreffen und bisher auf cohortes praetoriae bezogen wurden. Davon erweckt vor allem der zweite, die allerschwersten, auch schon von Mommsen betonten Bedenken. Der betreffende Mann würde nämlich unter vielen Hunderten von bekannten Praetorianern das einzige Beispiel peregriner Herkunft bieten (in dem unerklärten Namen der Heimat TENS steckt wohl der Volksstamm der Denselatae), und ebensowenig stimmt zur Garde die 20jährige Dienstzeit des Soldaten. Da nun die ganze Inschrift durchaus fehlerhaft abgeschrieben ist, erscheint mir als einfachste Lösung die Annahme, dass der Anonymus in beiden Inschriften sich verlesen hat und in dem Pr. der Name irgend einer Auxiliarcohorte steckt. Denkbar wäre es z. B., dass die ganz in der Nähe liegende raetische coh. III Br(itannorum) gemeint ist, von der wir schon einen Soldatengrabstein aus Oberitalien besitzen und die also erwiesenermassen einmal diesseits der Alpen geweilt hat. [326]

cohors Praetoria: s. coh. I Augusta Lusitanorum.

cohors I Raetorum hat in der Provinz Raetien selbst, zum mindesten während des 2. Jhdts., gestanden, da sie in den raetischen Diplomen XXXV vom J. 107 und LXXIII vom J. 166 genannt wird. Ob die in der Not. dign. Occ. XXXV 28 zu Parrodunum in Raetien verzeichnete coh. I Herculea Raetorum mit ihr irgendwie zusammenhängt, ist ungewiss; die von Mommsen Ephem. epigr. V p. 179 verglichene I Flavia Raetorum (Not. dign. Occ. XXXV 23) ist eine Ala, keine Cohorte.

cohors I Raetorum (equitata). Neben der raetischen Abteilung dieses Namens scheint mir notwendig eine weitere im Orient anzunehmen zu sein. Arrian ect. 1 zählt nämlich unter den Truppen seines gegen die Alanen mobilgemachten Heeres ausdrücklich ἱππεῖς ... οἱ ἀπὸ τῆς πρώτης Ῥαιτικῆς auf. Es muss demnach unter Hadrian eine coh. I Raetorum equitata in der Provinz Cappadocien gelegen haben, die ihre Reiter für jenen Feldzug abgab. Mit der in der Heimatprovinz stehenden kann sie nicht identisch sein, da diese vor und nach Hadrian im Westen nachweisbar ist und zu einer zeitweiligen Verlegung nach dem Euphrat in der hadrianischen Zeit kein Anlass denkbar ist. Dazu kommt, dass allein schon durch die Existenz von je zwei verschiedenen coh. II und IIII Raetorum auch die von zwei coh. I Raetorum gesichert ist. Welche der beiden Cohorten dann die Praefecten C. Cassius Primus (CIL XII 4232), P. Besius Betuinianus (ebd. VIII 9990) und M. Petronius Honoratus (ebd. VI 1625 a und 1625 b) befehligt haben, lässt sich nicht entscheiden.

cohors II Raetorum c. R. gehörte zum obergermanischen Heere und hat vielleicht schon unter Germanicus an der Schlacht bei Idistaviso teilgenommen (vgl. Tac. ann. II 17). Diplom XIV nennt sie für 82 in Germanien, ebenso die ausdrücklich Germania superior angebenden Diplome XXI. XL. L für 90. 116. 134. Zwei Garnisonorte lassen sich für sie in der Provinz mit Sicherheit nachweisen, als älterer Wiesbaden, woher wir Grabsteine eines Centurio. CIRh 1520, und eines Soldaten, ebd. 1521 (und wohl auch 1522), haben und wo das einem Manne der Cohorte erteilte, den damaligen Praefecten nennende Diplom von 116 gefunden wurde. Später ist die Truppe dann nach der Saalburg verlegt worden, deren Besatzung sie schon um die Mitte des 2. Jhdts. bildete. Ausser Ziegeln von ihr, CIRh 1431 d, sind daselbst die Weihungen der Cohorte für Pius vom J. 139/140, Korr. der Westd. Ztschr. IV 131, und für einen unbekannten Kaiser, ebd. 130, sowie die eines Praefecten, ebd. 1427, und eine andere der Cohorte selbst mit dem Praefecten, Westd. Ztschr. XIV 156, zu Tage getreten, und auch in der dortigen Weihung für Caracalla von 212 n. Chr. einer coh... Antoniniana, CIRh 1424, hat Hammeran Westd. Ztschr. IV 388 den Namen der Cohorte mit Recht eingesetzt, während mir der gleiche Versuch bei dem Inschriftfragment CIRh 1429, 1 (Westd. Ztschr. IV 396) zu unsicher erscheint. Ziegel von ihr von verschiedenen Typen sind dann noch zu Butzbach gefunden, ORL 14, 26. Limesbl. 4, 111. Für die Geschichte der Truppe belanglos ist der Grabstein eines Veteranen aus Laubenheim [327] (CIRh 935). Von den in Obergermanien vorkommenden Inschriften von cohortes Raetorum ohne Angabe einer Nummer wird man vielleicht den Mainzer Soldatengrabstein CIRh 1128 und den gleichen aus Worms ebd. 892 des Fundorts wegen auf die Wiesbadener coh. II Raetorum beziehen dürfen.

cohors II Raetorum. Zu derselben Zeit, während der die coh. II Raetorum c. R. in Germanien gelegen hat, ist eine coh. II Raetorum, die also von ihr notwendig verschieden sein muss (vgl. Hammeran Westd. Ztschr. IV 402), in Raetien selbst bezeugt. Sie findet sich im J. 107 in Diplom XXXV, 166 in Diplom LXXIII und ist dem Platze nach auch mit der (coh.) .. R[ae]torum in dem nach 145 anzusetzenden Diplom LXXIX gemeint. Die einzige Spur von ihr, die sich in der Provinz selbst erhalten hat, sind Ziegel mit II RAET aus Straubing, CIL III 11997. Ob der praef. coh. II Raetorum auf einer Inschrift aus Verona, CIL V 3358, in dieser raetischen oder in der germanischen Cohorte gedient hat, ist unbekannt.

[cohors III Raetorum] ist bis jetzt nicht nach weisbar.

cohors IIII Raetorum (equitata) hat unter Hadrian zusammen mit der I Raetorum (s. d.) in Cappadocien gestanden. Arrian nennt nämlich ect. 1 unter seinen Truppen im Alanenkriege in der Avantgarde ἱππεῖς ... τῆς σπείρης τῆς τετάρτης τῶν Ῥαι⟨τ⟩ῶν, ἧς ἄρχων Δάφνης Κορίνθιος. Die Cohorte, die demnach equitata gewesen sein muss, hat anscheinend nur ihre Reiter an das Expeditionscorps abgegeben, da πεζοί von ihr dann nicht erscheinen. Noch die Notitia dignitatum (Or. XXXVIII 28) verzeichnet die Cohorte in Armenien, d. h. eben in Cappadocien, und giebt als ihre Garnison Analiba an. Sie hat also wohl die ganze spätere Kaiserzeit hindurch in der Provinz gelegen.

cohors IIII Raetorum. Mit der vorigen ist keinesfalls zu identificieren eine coh. IIII Raetorum, die 93 n. Chr. in Moesia superior gelegen (vgl. das neue Diplom aus Bulgarien, Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.) und dann unter Marcus und Commodus am Germanenkriege teilgenommen hat; denn der Officier, der als Praefect einer coh. IIII Raetorum damals decoriert worden ist (CIL VIII 17900), kann sich seine Auszeichnung als Commandeur der orientalischen Cohorte gewiss nicht erworben haben. Die Annahme zweier cohortes IIII Raetorum erweckt aber nicht das mindeste Bedenken, da ja schon zwei cohortes II Raetorum sicher nachgewiesen sind. Ein Praefect, ungewiss welcher der beiden coh. IIII Raetorum, erscheint im Cursus honorum aus Messana, CIL X 6976.

cohors V Raetorum. Nur durch einen Praefecten aus der Zeit Traians oder Hadrians (CIL VIII 8934) bekannt, ohne dass sich über die Provinz, in der sie gestanden hat, etwas vermuten liesse.

cohors VI Raetorum muss in Germania superior und zwar in dessen an Militärdenkmälern ärmeren südwestlichen Teile gestanden haben. Dort sind wenigstens bis jetzt allein directe Spuren von ihr zu Tage getreten, nämlich zu Vindonissa Ziegel (Mommsen Inscr. Helv. 344, 8. 9) und zu Vesontio [328] der Grabstein eines Praefecten (CIL XIII 5382 = Rev. arch. 1861, 391). Einen anderen Praefecten nennt dann noch ein Cursus honorum traianischer Zeit aus Celeia (CIL III 5202). Übrigens verzeichnet auch die Not. dign. Occ. XXXV 27 noch eine coh. VI Valeria Raetorum in Raetien selbst, von der es nicht ausgeschlossen ist, dass sie mit der obigen zusammenhängt.

cohors VII Raetorum equitata (CIL XI 5669. II 3237. Bonn. Jahrb. 101, 183) ist vom 1. bis zum 3. Jhdt. anscheinend ununterbrochen in Germania superior gewesen. Von Diplomen nennen sie dort, bezw. in Germania XI. XIV. XXI. XL. L in den J. 74. 82. 90. 116. 134 n. Chr., sowie ein Cursus honorum aus Spanien (CIL II 3237 praefecto cohortis VII [R]aetorum equitatae in Germania). In der Provinz sind aber bis jetzt erst wenige Denkmäler der Cohorte zu Tage getreten. Es sind dies zunächst Ziegel aus Vindonissa (Mommsen Inscr. Helv. 344, 10), die auf einen Aufenthalt der Truppe am Oberrhein schliessen lassen. Später hatte sie ihr Standquartier in der Gegend von Coblenz, wo in dem Castell Niederberg bei Ehrenbreitstein Ziegel (vgl. Mommsen a. a. O.) und neuerdings auch eine aus der Zeit Caracallas oder Elagabals stammende Inschrift (Bonn. Jahrb. 101, 183) gefunden sind. Die in dem nahe gelegenen Zwischencastell am Fehrbach bei Höhr gefundene Sigillatascherbe (Limesbl. 11, 317) mit der Einritzung coh. VII wird ebenso wie die Ziegel dorther von Dahm mit Recht auf die coh. VII Raetorum als die einzige uns bekannte siebente im obergermanischen Heere bezogen. Auch der Grabstein eines miles ex coh. Raetorum (Bonn. Jahrb. 77, 25 = 73, 156) aus Andernach würde des Fundorts wegen eher auf die VII Raetorum als auf die gleichfalls obergermanische coh. II Raetorum passen. Ein Praefect der Cohorte begegnet in dem Cursus honorum aus Attidium CIL XI 5669 = Orelli 516.

cohors VIII Raetorum c. R. (so nur in Diplom XXXVII) hat nach den Diplomen XIII. XVI und XVII in den J. 80. 84 und 85 in Pannonien gestanden, ist dann aber wohl aus Anlass von Traians Dakerkrieg wegverlegt worden und, nachdem sie an diesem teilgenommen und sich in ihm den Ehrennamen civium Romanorum erworben hatte, in der neuen Provinz verblieben; wenigstens verzeichnet sie unter deren Auxilien das dem J. 110 angehörende Diplom XXXVII. Von da an verschwindet die Cohorte vollständig.

cohors Raetorum et Vindelicorum ist nur im 1. Jhdt. n. Chr. und zwar ausschliesslich in Germania superior nachweisbar, wo je ein Soldatengrabstein von ihr zu Mainz, CIRh 1236, und zu Worms, ebd. 895, gefunden ist. Bereits Mommsen Ephem. epigr. V p. 179 hat eine Stelle aus Tacitus (ann. II 17) herangezogen, wonach sich in der Schlacht bei Idistaviso 16 n. Chr. vom Heere des Germanicus besonders Raetorum Vindelicorumque et Gallicae cohortes hervorgethan haben. Freilich kann es höchstens als möglich bezeichnet werden, dass damit obige Cohorte gemeint ist.

cohortes Raetorum ohne Ziffer finden sich mehrfach, besonders in Obergermanien, wo damit eine der dort stehenden coh. II und VII (eventuell auch VI) Raetorum gemeint sein werden, und zwar wird man CIRh 1128 und 892 wohl der [329] II Raetorum, den Grabstein aus Andernach (Bonn. Jahrb. 77, 25 = 73, 156, vgl. Korr. d. Westd. Ztschr. III 122) lieber der VII Raetorum zuweisen (s. d.). Bei dem von Zangemeister richtig ergänzten Inschriftfragment vom Castell Schierenhof (ORL 64, 7) mit [F]idelis li[brarius coh.] Raet. (vgl. auch den rätselhaften Ziegel ebendaher, a. a. O. 8) wage ich eine bestimmte Beziehung nicht vorzuschlagen. Ganz unmöglich ist eine solche bei den beiden Praefecten im Cursus honorum CIL XI 3101 und 5387 = Grut. 463, 6. Bei der Inschrift aus Holland, CIRh 3 (COH BAETORV PE), und bei der aus Aesica am Hadrianswall, CIL VII 731 (IRAETORV), ist es überhaupt nicht sicher, ob cohortes Raetorum gemeint sind.

cohors Rauracorum: s. coh. I Sequanorum et Rauracorum.

[cohors Rhamae miliaria]: s. coh. miliaria.

cohors I Sagittariorum. Eine Cohorte dieses Namens hat in der frühen Kaiserzeit in Germania superior gestanden und dort zeitweilig bestimmt das Castell von Bingerbrück als Garnison gehabt, wo zwei Grabsteine von Soldaten von ihr zu Tage getreten sind (CIRh 738. 739). Auch aus dem gegenüberliegenden Bingen stammen zwei Grabsteine, der eine, wenn auch ohne Ziffer, eines missicius (Westd. Ztschr. XI 300), der andere (Korr. d. Westd. Ztschr. XVI 37) eines nicht bestimmbaren Angehörigen der Truppe. Von den betreffenden Soldaten ist einer ein geborener Kreter, ein anderer ein Phoinikier. Die von einem Truppenteile ... \ SAGT zu Ehren eines unbekannten Kaisers gesetzte Mainzer Inschrift CIRh 1005 wird kaum auf die coh. I Sagittariorum bezogen werden dürfen.

cohors I Sagittariorum miliaria. Zwei Jahrhunderte nach den rheinischen Denkmälern der vorigen Cohorte taucht eine coh. I Sagittariorum miliaria in Dacien auf, die schwerlich mit jener früheren identisch gewesen ist. Dass sie unter Gordian in Drobetae, dem heutigen Turn Severin, ihren Standort hatte, geht aus der Weihinschrift CIL III 6279 hervor, die sie dem Mars Gradivus dort errichtet hat. Ausserdem sind daselbst Ziegel von ihr, CIL III Suppl. 8074, 23, vgl. p. 2318 = Arch.-epigr. Mitt. XIX 219, gefunden und wird auf einem Familiengrabstein ebendaher (CIL III 1583 = Suppl. 8018) ein imaginifer der Cohorte genannt.

cohors I Aelia Sagittariorum miliaria, equitata (CIL III 5645. 5647). Sie wird in den oberpannonischen Diplomen LX und LXI aus den J. 148 und 149 genannt. Garnison der Cohorte ist Klosterneuburg an der Grenze von Pannonia superior und Noricum gewesen, wo auf drei zum Teil officiellen Weihinschriften (CIL III 5645. 5646. 5647) der Name der Truppe entweder direct genannt ist oder doch mit Sicherheit wiederhergestellt werden kann. Die einzige datierbare von diesen (5647), wo sie aber nur I Ael. Severiana eq. heisst, stammt aus dem J. 230. Ziegel von ihr mit verschiedenen Typen sind längs der ganzen Donaugrenze der Provinz zu Tage getreten, zu Wien, Grossschwechat, Carnuntum, Brigetio, s. CIL III 4664. 11371. 11373. Bormann Arch.-epigr. Mitt. XX 161 will die Cohorte auch in dem Pannonia superior betreffenden Diplom XLVII vom [330] J. 133 erkennen, da dort nicht, wie bisher gelesen war, I Ael. Caes. M(auror.) Sag., sondern (= miliaria) Sag. zu lesen ist. Allerdings bleibt dann der bei der Truppe sonst nie wiederkehrende Name Caes. unerklärt. Wenigstens hinweisen möchte ich auf die auffallende Ähnlichkeit des Namens mit dem der I Aelia Gaes(atorum) miliaria (s. d.).

cohors I Ulpia Sagittariorum (equitata) ist, wie ihr Name beweist, von Traian errichtet worden, und zwar wohl im Orient, da sie Reiter für das aus syrischen, ägyptischen und anderen orientalischen Truppenabteilungen combinierte Detachement des Lollianus zu einem Partherkrieg abgegeben hat (CIL III 600). Ich möchte sie wiedererkennen in der coh. I Sagittariorum, die die Not. dign. Or. XXVIII 40 zu Naithu in Ägypten nennt; das Fehlen des Beinamens Ulpia beweist nichts dagegen, da er in der Notitia dignitatum z. B. genau so bei der coh. II Ulpia Galatarum fehlt.

[cohors II Sagittariorum] haben wir wegen des Vorkommens einer coh. III Sagittariorum anzunehmen.

cohors III Sagittariorum ist vorläufig nur durch den Cursus honorum zweier Praefecten bezeugt (CIL III 335. XIV 3955), von denen der eine die Truppe unter Claudius oder Nero, der andere dagegen im 3. Jhdt. befehligt zu haben scheint.

cohors Sagittariorum: s. coh. I Apamenorum, I Flavia Chalcidenorum, III Cyrenaica, I Flavia Damascenorum miliaria, I Hamiorum, I miliaria Hemesenorum, I Aug. Ituraeorum, Ituraeorum, I miliaria nova Surorum, I Thracum, I Tyriorum.

cohors I Sardorum hat in Sardinien selbst in Garnison gestanden. Wir haben aus der Provincialhauptstadt Carales zwei frühe Grabsteine von Soldaten der Truppe (CIL X 7594. 7591, letzterer allerdings ohne die Nummer) und ausserdem aus Oristano und aus Oschiri, im Innern der Insel, Ziegel mit dem Stempel COHR P S (ebd. 8046, 1 vgl. add.), die Mommsen zweifellos richtig als coh(o)r. p(rima) S(ardorum) erklärt. Endlich scheint die Cohorte auch in der vorläufig nach ungenügender Copie veröffentlichten und daher noch unverständlichen Inschrift von der Westküste Sardiniens, ebd. 8321, gemeint zu sein. Vgl. auch coh. I Gemina Sardorum et Corsorum.

cohors I Gemina Sardorum et Corsorum finden wir in den Diplomen XX und XXVI unter den J. 88 und 96 in der Provinz Sardinien verzeichnet. Wie der Name Gemina beweist, handelt es sich um eine durch Vereinigung zweier älterer Cohorten, und zwar dem Namen nach zu schliessen wohl durch die einer coh. Sardorum und einer coh. Corsorum, entstandene Abteilung. Da wir nun auf der Insel thatsächlich sowohl eine coh. I Sardorum als eine coh. I Corsorum kennen, die später beide verschwinden, so dürfen wir wohl in ihnen die Stammtruppen der coh. I Gemina Sardorum et Corsorum vermuten.

cohors II Sardorum ist nur in den africanischen Provinzen nachweisbar. Vielleicht hat sie ursprünglich in der Provincia Proconsularis gestanden, wo zu Calama der frühe Grabstein eines ihrer Soldaten (CIL VIII 17537, identisch mit 5364, worin [331] nur eine schlechte Copie desselben Steines zu erkennen ist) gefunden wurde. In der späteren Kaiserzeit hat sie dann zum Heere von Mauretania Caesariensis gehört, wo sie aber 107 n. Chr. in Diplom XXXVI noch fehlt. Ihre erste Garnison in der neuen Provinz wird das Castell von Sûr Djuab (das antike Rapidum?) gewesen sein, woher wir nicht weniger als vier Grabsteine von Soldaten der Truppe besitzen (CIL VIII 9198. 9200. 9202. 9207). Später ist die Cohorte dann nach dem Westen der Provinz verlegt worden und zwar nach Altava, wo sie unter Septimius Severus bereits gewesen ist. Dies beweist die dorther stammende Weihung eines dec. al. Thr. praepositus coh. II Sardor. vom J. 208 (ebd. 10949), die Weihung eines anderen praepositus (Cagnat L’ann. épigr. 1891, 5) und eine Ehreninschrift der Truppe selbst für Geta (CIL VIII 9833). Undatiert ist die Weihinschrift eines praefectus cohortis II Sardorum aus Altava, ebd. 9831. An anderen Orten der Provinz sind noch ein Stein eines vexillarius (Bull. trim. 1893, 115 = Cagnat L’ann. épigr. 1893, 67) zu Albulae und eine Weihung eines p(raep. al. expl.) Pom. et (coh. II) Sard. (Bull. trim. 1888, 299 = Cagnat a. a. O. 1889, 54) zu Ain Khial gefunden.

cohors Sardorum. In dem aus der Zeit nach Hadrian stammenden griechischen Cursus honorum aus Sultanhissar in Lydien (Bull. hell. VII 275) wird ein ἔπαρχος σπείρας Σαρδῶν genannt, ohne dass sich eine Vermutung darüber aufstellen liesse, welche der obigen cohortes Sardorum damit gemeint ist.

cohors Scutata civium Romanorum hat ihren Namen, ebenso wie die II Hispanorum Scutata Cyrenaica (s. d.), daher, dass sie statt des von den Auxilien sonst allgemein getragenen Rundschildes den viereckigen Schild der Legionare, das scutum führte. Sie ist bisher nur in Ägypten nachzuweisen. Dort giebt die Not. dign. Or. XXXI. 59 als ihre Garnison Mutheos (Muthi) am Nil in der nördlichen Thebais an, und dazu stimmt gut, dass die Cohorte Wachmannschaften für die von Muthi nicht sehr weit entfernten Steinbrüche am Nil bei Ptolemais Hermiu stellte. Eine Inschrift aus diesen (Ephem. epigr. VII p. 427) bezieht sich anscheinend auf die Ablösung eines derartigen Wachcommandos der coh. Scutata durch Mannschaften der coh. III Ituraeorum. Sonst ist in der Provinz nur noch ein Soldatengrabstein von ihr zu Alexandria gefunden (CIL III Suppl. 6610). Ein Cursus honorum der ersten Kaiserzeit aus Veii (CIL XI 3801 = Orelli 3448) nennt endlich noch einen praef. cohort. Scutatae; dass damit die ägyptische gemeint ist, dürfte um so wahrscheinlicher sein, als der Officier auch seine übrigen militärischen Würden in Ägypten bekleidet hat.

cohors Scutata: s. coh. II Hispanorum Cyrenaica.

cohors I Sebastenorum miliaria ist erst durch das neue Diplom von Syria Palaestina, Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106. bekannt geworden, das ihre Anwesenheit in dieser Provinz für das J. 139 bezeugt.

cohors I Sebastenorum. Eine Inschrift aus Iader (CIL III 2916 vgl. 9984) ist von einem Privatmann zu Ehren seines Freundes L. Geminius Montanus praef. chor. I Sebastenorum gesetzt, ohne [332] dass daraus für die Provinz, in der die Truppe gestanden hat, ein Schluss gestattet wäre. Wenn sie, wie man wegen des Praefecten annehmen müsste, eine quingenaria gewesen ist, würde sie von der vorigen als einer miliaria zu unterscheiden sein.

cohors Septimia: s. coh. I Belgarum.

cohors I Sequanorum et Rauracorum equitata (CIRh 1738. Korr. d. Westd. Ztschr. III 85). Zum obergermanischen Heere gehörend, hat sie zum mindesten zu Ende des 2. Jhdts. in dem Limescastell Miltenberg gelegen, wie die 191 n. Chr. gesetzte Weihinschrift eines Centurionen, CIRh 1740, beweist und ein Ziegel mit dem Stempel der Cohorte (Westd. Ztschr. II 209) sowie das Inschriftfragment CIRh 1744 bestätigen; auch der Stein ebd. 1742 mit eques (?) signifr darf des Fundorts wegen vielleicht auf sie bezogen werden. Eine zeitweilig abcommandierte Vexillation der Truppe hat im nahe gelegenen Castell Schlossau unter einem Legionscenturionen gebaut und dann die Weihung Korr. d. Westd. Ztschr. III 85 gesetzt. Zwei andere Steine der Cohorte, sicher verschleppt, sind, der eine in Frankfurt (Bonn. Jahrb. 53/54, 154), eine sehr zerstörte Weihung vom J. 193, der andere zu Steinbach (CIRh 1738), die interessante Weihung an Minerva der aeneatores coh. I Seq. et Raur. eq.; v. Domaszewski Westd. Ztschr. XIV 29 glaubt, dass letzterer Stein aus Miltenberg stammt, während Schumacher ORL 52, 9 das Castell von Oberscheidenthal als den Fundort ansieht und vermutet, dass die Truppe in diesem ihr Standquartier gehabt habe, bevor sie nach Miltenberg verlegt wurde.

cohors Servia Iuvenalis. In der Inschrift aus Castulo, CIL II 3272, des Q. Cornelius Valerianus, der unter Claudius verschiedene Truppenabteilungen in Thrakien befehligt hatte, wird als letzter Titel im Cursus honorum aufgeführt ... lonen. et chortis Serviae Iuvenalis. Man wird Mommsen beistimmen müssen, wenn er bezweifelt, dass dies eine Truppe des Reichsheeres gewesen ist.

cohors Silau.nensium (?). Dieser rätselhafte Name findet sich auf einem aus Asciburgium in Germania inferior stammenden Grabstein des Bonner Museums (CIRh 230). Der Verstorbene heisst darauf Tib. Iul. Caretis (= Charetis) f. S(e)debdas domo Turo missicius ex coh. SILAV ∥ NENSIV (so steht nach Hettner Katal. d. Bonn. Mus. nr. 101, vgl. Bonn. Jahrb. 59, 155, auf dem Steine). Von den verschiedenen bisher gemachten Erklärungsversuchen befriedigt kein einziger. Jedenfalls wird man wegen des semitischen Namens und der Heimat Tyrus des Soldaten an eine orientalische Truppe zu denken haben.

cohors I Aelia Singularium ist, nach dem Namen zu schliessen, wohl von Hadrian, etwa aus den Singulares des mauretanischen Heeres, formiert worden und hat zweifellos zu Auzia in Mauretania Caesariensis gelegen, woher ihre sämtlichen Inschriften stammen. Es sind mit einer Ausnahme lauter Grabsteine von Soldaten oder von deren Angehörigen, s. CIL VIII 9054. 9055. 9058. 20753 und wohl auch 9056. Unter Kaiser Gallienus war die Cohorte zusammen mit einer vexillatio equitum Maurorum zu einem gemischten Detachement unter dem Befehl des Gargilius Martialis (ebd. 9047) vereinigt, um gegen die aufrührerischen [333] Wüstenstämme die Wacht zu halten, vgl. darüber Cichorius Leipz. Stud. X 319ff.

cohors I Sugambrorum veterana. Das niedermoesische Diplom XXXI nennt unter dem J. 99 eine coh. I Sugambrorum veterana, die sich also von einer jüngeren gleichnamigen Abteilung durch den Beinamen unterscheiden will. Die Cohorte hatte zweifellos schon lange Zeit in Moesien gelegen und ist gewiss dieselbe, von der Tacitus ann. IV 47 spricht. Dort wird aus dem thrakischen Kriege des J. 26 n. Chr., den moesische Truppen führten, berichtet, die Thraker seien turbati receptique subsidio Sugambrae cohortis, quam Romanus promptam ad pericula nec minus cantuum et armorum tumultu trucem haud procul instruxerat. Ziegel der Truppe mit coh. I Sug. ve(t.) besitzen wir aus Gornja Kutlowica in Bulgarien, Arch.-epigr. Mitt. XVIII 106.

cohors I Claudia Sugambrorum findet sich in dem Diplom XLVIII der Provinz Moesia inferior vom J. 134, in dem aber dafür die I Sugambrorum veterana aus Diplom XXXI fehlt. So nahe der Gedanke auch liegen mag, dass beidemal ein und dieselbe Truppe gemeint ist, so spricht dagegen doch, abgesehen von der Namensverschiedenheit, der Umstand, dass der Beiname veterana regelmässig zur Unterscheidung von einer in derselben oder einer benachbarten Provinz stehenden Truppe desselben Namens angenommen wird und demnach schon deshalb die Anwesenheit einer weiteren coh. I Sugambrorum an der unteren Donau durchaus wahrscheinlich sein würde. Das Diplom ist für einen aus Stobi gebürtigen Soldaten der I Claudia Sugambrorum und dessen Kinder ausgestellt und nennt als damaligen Praefecten den M. Acilius Alexander aus Palmyra.

cohors I Sygambr(or)um (equitata) muss unter Traian im Orient gelegen haben, da sie zusammen mit einer ganzen Reihe sicher orientalischer Auxilien zu dem für einen Partherkrieg formierten Cavalleriecorps des Valerius Lollianus Reiter abgiebt (CIL III 600). Falls die beiden moesischen cohortes I Sugambrorum wirklich verschieden sind, wäre es nicht unmöglich, dass darin die I Sugambrorum veterana zu erkennen ist, die von Traian nach dem Orient verlegt worden sein könnte.

[cohors II. III Sugambrorum]. Von beiden Abteilungen fehlen bis jetzt noch jegliche Zeugnisse.

cohors IIII Sugambrorum gehört zu den Besatzungstruppen von Mauretania Caesariensis. Unter diesen verzeichnet sie für 107 n. Chr. Diplom XXXVI, das für einen Soldaten von ihr, einen geborenen Bracarer, ausgestellt ist und wie üblich neben diesem dann noch den damaligen Praefecten angiebt. In der Provincialhauptstadt Caesarea selbst ist die Mehrzahl der Inschriften, die die Cohorte nennen, gefunden, darunter das erwähnte Diplom; gleichwohl braucht Caesarea deshalb nicht notwendig das Standquartier der Truppe gewesen zu sein, da jene Inschriften teils für Provincialstatthalter gesetzt sind (CIL VIII 9363 von einem praef. coh. Sigambrorum praepositus classibus und ebd. 20999), teils abcommandierte Soldaten betreffen (ebd. 9393 Grabstein eines miles ch[o]rtis quarte Sucambrorum pedis sing.); auf dem Fragment Mél. de l’école de Rome 1890, 408 ist nur noch der Name der [334] Cohorte erhalten. Das einzige Denkmal, das eine Anwesenheit der Truppe selbst an der betreffenden Stelle voraussetzen lässt, ist das aus St. Denis du Sig im Westen von Mauretania Caesariensis (Ephem. epigr. V 1051), das sich auf irgendwelche durch die Truppe vorgenommene Bauarbeit bezieht. In dem mauretanischen Cursus honorum des P. Aelius Primianus vom J. 255 (CIL VIII 9045) heisst dieser trib. coh. IIII Syngb.; ein Centurio der Cohorte, der unter Hadrian verabschiedet wurde, erscheint in einem Cursus honorum aus Thuburbo Maius (CIL VIII 853 = 12370). Endlich wird die Truppe noch in der Inschrift Rev. arch. XVII 1891, 13f. 129f. genannt.

cohors I Sunucorum ist vorläufig nur in Britannien bezeugt und zwar durch Diplom XLIII für das J. 124 und durch die Bauinschrift eines Aquaeducts aus der Zeit des Severus und Caracalla (CIL VII 142). Der Fundort der letzteren, Caer Seiont in Wales, an der Küste gegenüber der Insel Anglesey, dürfte das Standquartier der Truppe gewesen sein. Ob die Ziegel aus Ashtead in Surrey mit C.I.S.C (ebd. 1244) und aus Chelmsford in Essex mit C·I·S (Ephem. epigr. III 124) irgendwie mit der c(oh.) I S(unucorum) zusammenhängen, wissen wir nicht. Das einem Soldaten der Cohorte erteilte Diplom XLIII, das ausser diesem, einem geborenen Sunucer, noch den Praefecten nennt, ist zu Stannington, östlich von Manchester, gefunden worden.

cohors Syriaca s. coh. I. II. [III.] IIII Thracum.

cohors [I] Syrorum. Ein Grabstein aus Caesarea in Mauretanien, CIL VIII 21038 = Ephem. epigr. V 995 nennt einen verabschiedeten Soldaten aus einer chorte Surorum. Ob das dieselbe Cohorte ist, von der auf einer Familieninschrift aus der Gegend von Lambaesis (Bull. arch. 1891, 203) ein trib. cohor. I Syrorum genannt wird, ist nicht zu entscheiden. Wahrscheinlich ist es aber, dass die betreffende Cohorte in Mauretanien gelegen hatte, und dass sie dann aus dem früheren dort stehenden numerus Syrorum hervorgegangen ist, halte ich für sehr möglich.

cohors I miliaria nova Surorum sagittariorum ist, wie schon ihr Name beweist, eine spätere Formation, die sich von einer älteren coh. I Surorum (wohl der mauretanischen) durch den Zusatz nova unterscheiden will. Die Truppe ist nur in Pannonien nachweisbar, wo sie im 3. Jhdt. in Ulcisia im Norden der provincia inferior ihr Standquartier gehabt haben muss. Dort sind eine Dedication an Alexander Severus vom J. 230 (CIL III 3638) und eine gleiche an Mammaea (ebd. 3639) sowie die Weihung eines ihrer Leute (ebd. 3640) gefunden, und auch das Fragment 3641 könnte sich auf sie beziehen. Zwei weitere Inschriften sind in dem von Ulcisia nicht weit entfernten Cirpi zu Tage getreten; es sind die Weihung eines signifer aus der Zeit des Severus (ebd. 10581) und ein unbestimmbares Fragment (ebd. 10587), das die coh. I nova … nennt.

cohors I Thebaeorum equitata (CIL III 14147² und die unten aufgeführten griechischen Inschriften). Wie sie ursprünglich in Ägypten formiert worden ist, ist sie auch später dauernd in dieser Provinz verblieben. Sie wird zuerst mit ihrem Praefecten Sex. Pompeius Merula auf der grossen [335] aus dem 1. Jhdt. stammenden Strassenbauinschrift von Koptos, CIL III Suppl. 6627, genannt, wonach u. a. drei ihrer Centurionen zu diesem Werke commandiert waren. Dann erscheint sie 83 n. Chr. in dem ägyptischen Diplom XV und hat 98 n. Chr. zu Syene zusammen mit der coh. I Hispanorum und der II Ituraeorum die Inschrift zu Ehren Traians, CIL III 14147² = Cagnat L’ann. épigr. 1896, 40, gesetzt; ihr Praefect P. Claudius Iustus heisst darin gleichzeitig curator der beiden anderen Cohorten. Auf jeden Fall wird die Truppe damals zu Syene ihr Standquartier gehabt haben. Aber auch noch weiter im Süden des Landes, zu Talmis, sind eine Anzahl Inschriften von ihr (CIG 5053 = Lepsius 97, 438. 5054 = Lepsius 97, 452. 5052. Lepsius 97, 443 und 448) gefunden, merkwürdigerweise alle ausser einer von Reitern gesetzt; es sind Weihungen der Leute für sich bezw. für ihr Pferd mit jeweiliger Angabe der Turma oder Centurie.

cohors II Thebaeorum wird neben der I Thebaeorum in Diplom XV von 83 unter den ägyptischen Auxilien verzeichnet. Die einzige Inschrift, die sie nennt, ist ein anlässlich des Besuches des Praefectus Aegypti am 14. März 95 auf der Memnonssäule eingehauener Vermerk, CIL III 37. Daraus, dass der Praefect der Cohorte T. Attius Musa die Ausführung dieser Inschrift übernimmt, darf wohl geschlossen werden, dass die Truppe damals in nächster Nähe der Memnonssäule ihr Standlager gehabt hat.

cohortes I Thracum begegnen in Inschriften und Diplomen besonders häufig, und es haben offenbar eine ganze Anzahl von Cohorten mit dieser Nummer gleichzeitig nebeneinander bestanden. Die Scheidung zwischen denselben ist nicht immer ganz leicht, und E. Keil De Thracum auxiliis, Berl. 1885, hat in seiner sonst tüchtigen Arbeit meiner Ansicht nach hier nicht immer das Richtige getroffen.

cohors I Augusta Thracum equitata (CIL III 109). Ihre Geschichte ist deshalb schwierig zu reconstruieren, weil sie uns in zwei weit von einander entfernten Provinzen entgegentritt und wir nicht wissen, in welcher von beiden sie zuerst gestanden hatte. Diplom LXXIV nennt sie unter dem 5. Mai 167 in Pannonia inferior, da sie jedoch in allen früheren Diplomen der Provinz fehlt, kann sie erst kurz zuvor dorthin gekommen sein. Nun beweisen aber die beiden Inschriften CIL III 109 und 110 aus Motha im äussersten Osten der Provinz Arabia, dass die Truppe zeitweilig auch dort gewesen ist. Sind diese Steine, wie ich glaube, jünger als das Diplom, so müsste die Cohorte nach 167 von Pannonien in den Orient verlegt worden sein, und man würde dann wohl auch die in der Not. dign. Or. XXXVII 32 zu Asabaia in Arabien verzeichnete coh. I Thracum in ihr wiedererkennen dürfen. Falls dagegen die Inschriften das ältere Zeugnis sind, könnte die Cohorte etwa für den Partherkrieg des Verus nach dem Orient gekommen und nach dessen Beendigung 166 nach Pannonien dislociert worden sein.

cohors I Thracum c. R. Germanica (equitata Diplom LI). Die Cohorte, über die Ritterling Limesbl. 21, 579 handelt (vgl. auch Keil a. a. O. 43f.), lässt sich genauer als viele andere in ihren Schicksalen verfolgen. Schon ihr Name [336] Germanica lässt erkennen, dass sie längere Zeit in Germanien gelegen hat, und in der That nennen sie dort die Diplome XI. XIV. XXI. XL (letztere beide in Germania superior) unter den J. 74. 82. 90. 116. Entweder sie oder die coh. IIII bezw. VI Thracum ist bei Tacitus hist. I 68 gemeint, wonach eine zum germanischen Heere gehörende cohors Thracum 69 n. Chr. den Zug des Caecina gegen die Helvetier mitgemacht hat. Als Standort der Abteilung wird durch zahlreiche Ziegelfunde die Gegend von Neuwied, speciell das Castell Bendorf, erwiesen (Korr. d. Westd. Ztschr. IX 33. Limesbl. 21, 573 und 577. Bonn. Jahrb. 72, 122 und 88, 111), während der Grabstein eines cho. I Trhacu[m (so steht nach Zangemeister Westd. Ztschr. III 250 da) aus Offenburg, CIRh 1684, für die Garnison der Truppe meiner Ansicht nach deshalb nichts beweisen kann, weil der im Alter von über 60 Jahren Verstorbene bei seinem Tode gewiss nicht mehr activ war. Eine Weihung eines Praefecten der Cohorte besitzen wir endlich noch aus Worms, CIRh 897. Den Beinamen c. R. giebt zuerst das Diplom von 116, und wir werden dann nicht fehlgehen, wenn wir die coh. I Thracum c. R., die in Diplom XXXVII vom J. 110 n. Chr. unter den Occupationstruppen von Dakien erscheint, in ihr wiedererkennen. Dann würde die Truppe im J. 100 oder 101, etwa mit der legio I Adiutrix zum Dakerkriege an die Donau abgegangen sein, vielleicht sich während des Krieges den Ehrenbeinamen erworben haben und auch nach der Einrichtung der neuen Provinz noch mehrere Jahre dort verblieben sein. Zwischen 110 und 116 wäre sie dann an den Rhein zurückgekehrt, freilich nur für kurze Zeit. Schon 133 finden wir die Cohorte nämlich nach Diplom XLVII in Pannonia superior, während sie in dem obergermanischen Diplom L von 134 fehlt. Denn dass diese pannonische coh. I Thracum c. R. wirklich jene germanische ist, hat bereits Ritterling aus der germanischen Heimat des Reiters erschlossen, dem das ins J. 138 gehörende Diplom LI von Pannonia superior erteilt ist. Ausser diesen beiden Diplomen führen die Cohorte in der Provinz noch LX, LXI, LXV für die Jahre 148, 149, 154 an und ebenso wohl auch das neu gefundene von 133 (?) Arch.-epigr. Mitt. XX 156. Einen Praefecten aus dieser Zeit nennt Diplom LI. Noch vor dem Markomannenkriege ist die Truppe dann von Oberpannonien nach Pannonia inferior verlegt worden, in dessen Heer sie Diplom LXXIV zu Anfang des J. 167 aufführt. Dass aber diese Verlegung noch unter Pius erfolgt ist, möchte ich daraus schliessen, dass das zwischen 145 und 160 anzusetzende Diplom LXIX bereits zwei coh. I Thracum in der unteren Provinz nennt; es müsste die Dislocation also zwischen 154 und 160 fallen. Erst hier in Niederpannonien finden wir die Cohorte als Germanica bezeichnet; dies erklärt sich einfach dadurch, dass hier noch eine weitere gleichnamige Cohorte lag, von der sie notwendig unterschieden werden musste, während sie in Pannonia superior die einzige coh. I Thracum gewesen war. Gewählt wurde der Beiname dann von ihrem früheren langen Aufenthalt in Germanien. Vielleicht ist sie für Pannonia inferior auch noch in dem zwischen 216 und [337] 247 fallenden Diplom XC genannt; jedenfalls war sie damals noch in der Provinz, in der sie 237 bei Puszta Baracs den Meilenstein CIL III 10639 setzte. Ebendort gefundene Ziegel mit CHO I TC (ebd. 10672) hat v. Domaszewski richtig auf sie bezogen, und wir dürfen dann wohl annehmen, dass das Standlager der Cohorte zeitweilig in jener Gegend gewesen ist. Auch der Familiengrabstein aus Bölcske, ebd. 10299 = 3319, auf dem ein Veteran und ein Soldat der Truppe erscheinen, ist unweit von dort gefunden. In Pannonia secunda verzeichnet schliesslich noch die Not. dign. Occ. XXXII 59 die coh. I Thracum civium Romanorum mit der Garnison Caput Basantis.

cohors I Thracum miliaria nennt das neue Diplom von Syria Palaestina (Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106) im J. 139 unter den Auxilien dieser Provinz. Mit der gleichfalls orientalischen I Thracum Syriaca kann die Cohorte aber nicht identisch sein, weil letztere, die zudem quingenaria war, später nach Moesien verlegt wurde, während die cohors prima miliaria Thracum noch in der Not. dign. Or. XXXVII 31 zu Adittha in Arabien erscheint. Sonst wird noch auf einer Ehreninschrift aus Sevrihissar in Kleinasien (CIG 3132) ein ἔπαρχος σπείρης πρώτης μειλιαργίας Θρακῶν erwähnt, und auch in dem Fragment eines Cursus honorum CIL XII 2535 wird der tribun. coh... ae Thrac... auf sie als die einzige thrakische coh. miliaria zu beziehen und [I miliari]ae Thrac[um] zu ergänzen sein.

cohors I Thracum sagittariorum ist bis jetzt nur aus den beiden Diplomen LXVI und LXVII von Dacia superior bekannt, nach denen sie in den Jahren 157 und 158 in dieser Provinz gestanden hatte.

cohors I Thracum equitata nennt Diplom LXIX zwischen 145 und 160 neben einer anderen coh. I Thracum (vermutlich der Germanica c. R.) in Pannonia inferior, und das in einem Diplom ganz ausnahmsweise beigefügte equitata zeigt, dass dies hier als unterscheidender Zusatz gegen jene andere Cohorte gebraucht ist. Welche von beiden in dem gleichfalls niederpannonischen Diplom XC (zwischen 216 und 247) mit coh... T]hra[c.] gemeint ist, lässt sich nicht entscheiden. Dagegen bezieht sich meiner Ansicht nach gewiss auf sie der Grabstein eines eq. coh. I Thrac. (also eben einer coh. equitata) aus Brigetio, CIL III 4316, der aus einer Zeit stammt, wo Brigetio bereits zu Pannonia inferior, der Provinz eben unserer Cohorte, geschlagen war. Ferner darf ihr wohl der praef. coh. I Thrac. equit. im Cursus honorum, CIL V 4957, zugewiesen werden und ebenso die Weihung eines dec. coh. I Thrac. (also wieder einer equitata) aus Virunum in Noricum, CIL III 4851 = 11541.

cohors I Thracum Syriaca equitata (CIL III Suppl. 8261. 8262. 600?) muss zeitweilig in dem Castell von Ravna in Moesia superior ihre Garnison gehabt haben, da dort ausser dem Grabstein eines Veteranen, CIL III Suppl. 8262, eine officielle Weihung von ihr für ihren Praefecten L. Vecilius Modestus, ebd. 8261, erhalten ist, der darauf als praef. coh. I Thrac. Syr. in Moesia eq. bezeichnet wird; v. Domaszewski bezieht dies richtig auf eine gerade damals erfolgte Verlegung [338] der Cohorte nach Moesien von Syrien her, wo sie, ihrem Namen nach zu schliessen, vorher gelegen hatte. Sie wird dann von derjenigen coh. I Thracum nicht verschieden sein, die nach Diplom XIX im J. 86 in Judaea gestanden und nach CIL III 600 zu dem Cavalleriedetachement des Valerius Lollianus für einen Partherkrieg Reiter gestellt hatte. Dass hier beidemal der Beiname Syriaca fehlt, ist nicht auffällig, da die Cohorte in der Provinz selbst dieses unterscheidenden Zusatzes nicht bedurfte.

cohors I Thracum. Eine solche ohne jeden Beinamen, selbst ohne den Zusatz equitata, begegnet uns in Niedergermanien und Britannien. Aus dem 1. Jhdt. haben wir zwei Grabsteine von Soldaten der Cohorte aus Köln (CIRh 310) und aus Remagen (Zangemeister Westd. Ztschr. XII 281), aber auch die beiden Grabsteine CIRh 414 und 489 aus Köln bezw. Bonn, auf denen Soldaten einer unbezifferten coh. Traecerum bezw. Thraecum genannt werden, dürfen ihr wohl mit gutem Recht zugewiesen werden. Leicht möglich ist es, dass die nach CIG 4536f (vgl. Mommsen Herm. XIX 644f.) vom älteren Plinius befehligte coh. I Thracum eben diese niedergermanische gewesen ist, zumal wir wissen, dass Plinius thatsächlich ein militärisches Commando in Germanien und zwar wahrscheinlich in Germania inferior bekleidet hat. Im 2. Jhdt. finden wir dann eine coh. I Thracum, gleichfalls ohne jeden Beinamen, in Britannien, und bei der so häufigen Verlegung gerade niedergermanischer Truppen nach Britannien werden wir darin wohl jene Kölner Abteilung wiedererkennen dürfen. Ihr Standlager wird längere Zeit das Castell von Bowes, südlich vom Hadrianswall, gewesen sein, wo sie zwischen 193 und 197 n. Chr. ein abgebranntes Bad neu aufgebaut hat (CIL VII 273) und wo sie noch auf einer zweiten Inschrift (ebd. 274) genannt wird. Ihren Namen möchte ich aber auch auf zwei weiteren dortigen Steinen wiederherstellen, nämlich auf der nur hsl. überlieferten Inschrift zu Ehren Hadrians, ebd. 275, wo in dem doch wohl COHITHR ac. stecken dürfte, und in dem Fragment Ephem. epigr. VII 941, wo Z. 2 II TIH wohl gleichfalls [co]h. I Th[rac] bedeutet. Sonst ist in der Provinz nur noch zu Pons Aelius am Hadrianswall ein Stein mit dem Namen der Cohorte (CIL VII 501) gefunden worden; dagegen nennt ein frühestens dem 2. Jhdt. angehörender Cursus honorum aus Tibur (ebd. XIV 3625) einen praef. coh. I Thrac. in Brittann.

cohors II Augusta Thracum hat nach Diplom LXXIV im J. 167 in Pannonia inferior gestanden und wird auch in Diplom LXIX dieser Provinz (zwischen 145 und 160) mit der coh. II Aug … gemeint sein, die in der Namensreihe genau dieselbe Stelle einnimmt wie in Diplom LXXIV die II Augusta Thracum. Da die Truppe in allen früheren Diplomen von Pannonien fehlt, kann sie erst im 2. Jhdt. dorthin verlegt worden sein.

cohors II Gemella Thracum (equitata CIL VIII 2251. 5885?). Wie bereits Schünemann a. a. O. 51 mit Recht aus dem Namen geschlossen hat, muss sie durch Vereinigung zweier verschiedener (vermutlich beides thrakischer) Cohorten gebildet [339] sein. Sie hat in Numidien gelegen und zwar wohl zu Mascula am Nordabhang des Aures, wenigstens sind dort der aus dem Ende des 1. Jhdts. stammende Grabstein eines Reiters (CIL VIII 2251) und die Inschrift eines Praefecten (Mél. d’arch. XIII 510 = Cagnat L’ann. épigr. 1894, 87) gefunden worden. Einen weiteren Soldatengrabstein (CIL VIII 5885), vielleicht auch eines eques, haben wir aus Sila in Numidien, während es bei der Inschrift eines veteranus chor[tis] Traec. aus Karthago (ebd. 14281) nur als möglich bezeichnet werden kann, dass die II Gemella gemeint ist.

cohors II Thracum Syriaca wird nur einmal im Cursus honorum des C. Valerius Florinus aus Praeneste, CIL XIV 2957, erwähnt. Sie muss, wie ihr Name beweist, in der Provinz Syrien gelegen haben. Keil a. a. O. 56 identificiert sie, gewiss richtig, mit der später in Ägypten nachweisbaren coh. II Thracum equitata (s. d.).

cohors II Thracum equitata (Ephem. epigr. VII 967) scheint die ganze Kaiserzeit hindurch in Britannien gelegen zu haben. Diplom XXXII nennt sie dort für 103, und noch in der Not. dign. Occ. XL 50 ist sie zu Gabrosentum am Hadrianswall verzeichnet. Ehe sie letztere Garnison erhielt, muss sie längere Zeit ihr Standquartier zu Moresby an der Westküste von Cumberland gehabt haben, wo eine Weihung von ihr mit Angabe des Praefecten (Ephem. epigr. VII 967), ferner eine Bauinschrift (CIL VII 363) und endlich ein Grabstein (ebd. 364) gefunden sind, den Hübner richtig zu m(il.) coh. I[I T]hrac. [e]q. (nicht quingenariae, wie Keil a. a. O. 53 will) ergänzt. Der Grabstein eines Soldaten, eines geborenen Briganten, aus Mumerills am Piuswall (ebd. 1091) kann aus der Zeit einer vorübergehenden Anwesenheit der Cohorte im Norden, etwa anlässlich eines Krieges, stammen.

cohors II Thracum (equitata Diplom XIX). Dass ausser der vorigen noch eine zweite coh. II Thracum (equitata) bestanden hat, geht aus der Notitia dignitatum hervor, die Or. XXVIII 45 neben der britannischen eine solche in Ägypten zu Muson aufführt. Diese Cohorte hatte wohl im 1. Jhdt. in Judaea gestanden, wo Diplom XIX unter dem J. 86 eine coh. II Thracum verzeichnet, und ist erst später nach Ägypten verlegt worden; von dort haben wir die Inschrift eines m(iles) benef. der Truppe (Cagnat L’ann. épigr. 1893, 12). Ein von Wilcken Bonn. Jahrb. 86, 262 = Griech. Ostrak. 927 veröffentlichtes Ostrakon aus Theben enthält die Quittung für gelieferte Spreu eines Claudius Posidonius ἑκατόνταρχος (so, nicht χιλίαρχος möchte ich die Sigle auflösen) σπείρης β' Θρακῶν aus dem J. 167 und beweist, dass die Cohorte damals in Oberägypten gestanden hat. Dass sie dann noch bis in die späteste Zeit in der Provinz verblieben ist, ersehen wir aus der Notitia dignitatum. Einen Praefecten nennt in üblicher Weise das einem Reiter der Cohorte erteilte Diplom von 86; der Fundort desselben, im äussersten Nordwesten der Provinz Dacia, lässt vermuten, dass der Inhaber später zu den von Traian nach Dakien verpflanzten Colonisten gehört hat. Vgl. auch cohors II Thracum Syriaca.

cohors III Thracum veterana begegnet uns 107 und 166 n. Chr. in den raetischen Diplomen XXXV [340] und LXXIII und ist dem Platz in der Namensfolge nach auch mit der (coh.) III Thr[acum] in dem nach 145 anzusetzenden dortigen Diplom LXXIX gemeint. Ihren Namen veterana trägt sie wie üblich als die ältere zur Unterscheidung von einer gleichnamigen jüngeren Cohorte, und zwar zweifellos von der gleichfalls in Raetien stehenden III Thracum c. R.

cohors III Thracum c. R. ist neben der vorigen in den Diplomen XXXV und LXXIII (hier ist c. R. zu ergänzen) von 107 und 166 verzeichnet und auch in Diplom LXXIX in der coh. III … zu erkennen. Dass sie erst später errichtet worden ist als die III Thracum veterana, beweist deren Beiname. Ob ihr oder jener die Inschrift aus der Gegend von Lauingen in Raetien, CIL III 5880, der Grabstein der Frau eines praef. coh. [III] Thracum, angehört, muss unentschieden bleiben.

cohors III Thracum. Eine solche wird 80 und 84 nach Chr. in Pannonien genannt (Diplom XIII und XVI), da sie aber in allen späteren Diplomen der Provinz fehlt, muss sie bald nachher von dort wegverlegt worden sein. Es liegt dann sehr nahe, sie in einer der beiden raetischen coh. III Thracum wiederzufinden, aber in welcher von beiden, ist ganz ungewiss. Jedenfalls würde die Verlegung nach Raetien dann vor 107 anzusetzen sein, wo Diplom XXXV bereits beide Cohorten in der Provinz verzeichnet. Unmöglich ist eine Entscheidung darüber, welche der verschiedenen coh. III Thracum der in einem Cursus honorum aus Patavium (CIL V 2841) genannte Praefect befehligt hat.

cohors III Augusta Thracum equitata (CIL X 6100) ist nur aus den Cursus honorum zweier ihrer Praefecten, CIL X 6100 und VI 31856 = Cagnat L’ann. épigr. 1888, 66 (Zeit Marc Aurels), bekannt, ohne dass sich etwas über die Garnisonprovinz der Truppe vermuten liesse.

cohors III Thracum (Syriaca?) (equitata?). Zu El-Kantara in Tunis ist der Grabstein eines Soldaten der in der Provinz Africa stehenden coh. I Chalcidenorum gefunden worden (Bull. arch. 1895, 74 = Cagnat L’ann. épigr. 1896, 35); der Mann, ein geborener Palmyrener, heisst darauf q. (ob eq?) coh. III Thra[c]um Syri ten IIII translatus in coh. I Chalci. Dem ganzen Zusammenhange nach ist klar, dass der Soldat zuerst in eine in Syrien liegende coh. III Thracum eingetreten war, und fraglich bleibt es nur, ob auf dem Stein (in) Syri(a) ten(dentis) oder Syriacae anzunehmen ist. In jedem Falle aber dürfen wir dann die Existenz einer coh. III Thracum Syriaca vermuten, die neben den coh. I. II. IIII Thracum Syriacae an sich schon zu erwarten sein würde.

cohors IIII Thracum equitata (CIRh 1290. 1523. CIL II 4212. XIV 3548) stand im 1. Jhdt. in Obergermanien, wo zu Mainz und zu Wiesbaden der Grabstein je eines Reiters von ihr, eines Dans... und eines Bessus (CIRh 1290 und 1523) gefunden sind. Ein anderer Mainzer Grabstein (ebd. 980) nennt zwar nur einen mil. ex coh. Thracum, so dass eine Entscheidung zwischen den zu Mainz nachweisbaren coh. I. IIII. VI Thracum nicht ohne weiteres möglich ist, allein ich führe ihn deshalb unter coh. IIII Thracum an, weil der Mann genau wie der obige [341] Reiter der IIII Thracum aus Mainz ein geborener Dansala ist. Praefecten der Cohorte begegnen mehrfach im Cursus honorum (CIL II 4138. 4212. XIV 3548).

cohors IIII Thracum Syriaca wird von der vorigen durch den Beinamen unterschieden und muss ebenso wie die cohortes I. II. [III] Thracum Syriacae in Syrien gestanden haben. Genannt wird sie nur in den Cursus honorum zweier Praefecten, dem einen aus Pola (Pais CIL Suppl. Ital. I 10), dem anderen aus Malaca (CIL II 1970).

[cohors V Thracum] ist bis jetzt nur wegen der coh. VI Thracum zu vermuten.

cohors VI Thracum (equitata CIRh 990. CIL VII 67. 158 [?]) können wir nacheinander in vier verschiedenen Provinzen nachweisen. Zuerst hat sie in Germanien gelegen, wo zu Mainz der Grabstein eines Reiters (CIRh 990) gefunden ist (vgl. auch IIII Thracum). Dann muss die Cohorte, wie so viele rheinische Auxilien, nach Britannien verlegt worden sein, da uns dort ein dem 1. Jhdt. angehörender Grabstein eines Reiters, CIL VII 67, aus Durocornovium und Bleitesserae (Erkennungszeichen der Soldaten) mit CVITR (ebd. 1269 und Ephem. epigr. III p. 144) erhalten sind. Auch den Grabstein eines Reiters, CIL VII 158, aus Viroconium, nördlich von Durocornovium, auf dem die Nummer der Cohorte nicht mehr erhalten ist, wird man mit Hübner des Fundorts wegen auf die ja gerade als equitata bezeugte coh. VI Thracum beziehen dürfen. Schon aus dem Fehlen der Truppe in allen britannischen Diplomen würde man zu schliessen haben, dass sie die Provinz bald wieder verlassen hat; wenn wir daher 84 und 85 n. Chr. in den pannonischen Diplomen XVI und XVII eine coh. VI Thracum finden, so darf darin wohl bestimmt die britannische wiedererkannt werden, die etwa in den J. 68/69 oder aber nach den Feldzügen des Agricola nach Pannonien verlegt sein könnte. Aber auch hier war ihr Bleiben nur ein kurzes; die Truppe wird Traians Dakerkriege mitgemacht haben und dann zur Besatzung der neuen Provinz verwendet worden sein. Wenigstens fehlt sie in allen späteren pannonischen Diplomen und begegnet uns dafür zwischen 145 und 161 in Diplom LXX in Dacien. Ziegel mit (ob T[hracum] E[quitata] ?) bestätigen ihre Anwesenheit dort zu Magyar Egregy (CIL III Suppl. 8074, 24). Je ein Praefect von ihr wird CIL X 1777 und CIRh 1099 im Cursus honorum genannt.

cohors Thracum. Eine coh. Thracum, die mit keiner der bisher behandelten identisch zu sein scheint, begegnet uns in einer griechischen Inschrift aus Pantikapaion in der Krim (Latyschew II 290). Es ist der Grabstein eines geborenen Thrakers, der κεντυρίων ὁ καὶ πρίνκιψ σπείρας Θρακῶν heisst. Mögen nun die römischen Besatzungstruppen des bosporanischen Reichs, wie zumeist angenommen wird und wie es auch für die Legionare feststeht, vom niedermoesischen Heere dorthin abcommandiert worden sein, oder mögen, wie ich eher glaube, bestimmte Auxiliarregimenter ständig dort stationiert gewesen sein, so ist doch die vorstehende Cohorte schon deshalb von den oben besprochenen zu unterscheiden, weil eine coh. Thracum unter den Auxilien von [342] Moesia inferior überhaupt nicht vorkommt. Es könnte die Cohorte z. B. sehr wohl die bisher noch fehlende coh. V Thracum sein.

cohortes Thracum. Mehrfach werden, zumal auf unvollständig erhaltenen Inschriften, cohortes Thracum erwähnt, ohne dass es bei dem Fehlen der Ziffer möglich wäre, eine Beziehung auf eine bestimmte der bekannten vorzuschlagen. Es ist dies der Fall bei dem Fragment eines Cursus honorum aus Apulum (CIL III 1163), bei dem Grabstein eines imag. … aus Aquileia (ebd. V 953), sowie bei einem Mainzer Grabstein (Körber Inschr. d. Mainz. Mus. III 46), auf dem aber auch ala ergänzt werden kann. Über zwei weitere germanische Grabsteine s. unter I Thracum und IIII Thracum.

cohors nova Tironum ist eine nur auf spanischen Inschriften erwähnte und anscheinend nicht zum Reichsheer gehörende provinciale Truppe, die, weil sie nur zu Tarraco vorkommt, vielleicht dort gelegen hat. So ehrt CIL II 4138 der Conventus Tarraconensis einen praef. chor. novae Tironum, praef. orae maritumae, während ebd. 4224 ein anderer praef. chor. novae Tironum orae maritumae heisst. Dieselbe Abteilung scheint auch ebd. 4264 und 4266 gemeint zu sein, wo ein praef. choort. I et orae marit. und ein praef. orae maritumae cohortis I et II erscheinen. Bei den von Mommsen Ephem. epigr. V p. 249 noch herangezogenen Inschriften 4213 und 4189 dürfte dagegen die Beziehung zu wenig sicher sein.

cohors Torquata: s. coh. I Breucorum bis Torquata ob v(irtutem) appell(ata).

cohors Traiana: s.coh. I Ulpia Ougernorum c. R.

cohors Treverorum equitata (CIRh 1549). Aus dem Limescastell Zugmantel stammt die interessante Bauinschrift vom J. 223 (CIRh 1549), die von einer Truppe: .. Treveror(um Alexandriana Severiana) EO devota gesetzt ist. Wenn hier, wie doch wohl nicht bezweifelt werden kann, EO als EQ(uitata) zu lesen ist, kommt einzig eine Cohorte in Betracht (vgl. Schünemann a. a. O. 55), und ich kann Zangemeister (Limesbl. 16, 432) nur zustimmen, wenn er auf diese dann den freilich nicht mehr vorhandenen, vom Zugmantel stammenden Ziegel mit angeblich COH·III·TR (CIRh 1550 c) bezieht. Ebenso wird der Cohorte der dortige Stein ebd. 1548 angehören. Nun sind neuerdings auch in dem nahe gelegenen Castell Holzhausen zwei Inschriften einer Treverercohorte gefunden worden, die Hettner (Arch. Anz. 1898, 26) überzeugend auf dieselbe Truppe bezieht. Die eine ist eine Weihung der c... Treverorum an Mars, die andere ist von ihr im J. 213 zu Ehren Caracallas gesetzt. Wenn auf dieser die Cohorte co[h. A]nton[in]iana Tre(verorum) heisst, so kann der in so ungewöhnlicher Weise vorangestellte Beiname Antoniniana gewiss, wie Hettner es erklärt, auf eine Errichtung der Truppe durch einen Kaiser Antoninus und zwar dann doch wohl nur durch Caracalla hindeuten sollen. Einen bleibenden Beinamen möchte ich jedoch darin nicht erkennen, denn auf der nur 10 Jahre jüngeren Inschrift vom Zugmantel (s. o.), auf der offenbar alle Namen der Cohorte verzeichnet waren, kann er, wie die Raumverhältnisse lehren, nicht [343] mit dagestanden haben. Dagegen haben Hettner und Zangemeister mit ihrer Vermutung, dass der oben erwähnte Ziegel nicht III TR sondern geboten haben wird, sicher das Richtige getroffen.

[cohors Trimov .. oder Trimach .. wurde früher aus dem schwer lesbaren Offenburger Grabstein CIRh 1684 erschlossen, allein dort steht vielmehr, wie Zangemeister (vgl. Ephem. epigr. V p. 244) zeigt, I TRHACVm (s. I Thracum Germanica)].

cohors Trumplinorum wird nur ein einzigesmal in der frühen Inschrift CIL V 4910 aus dem in den Alpen liegenden Gebiete der Trumpliner selbst genannt, die einem principi Trumplinorum praef. [c]ohort. Trumplinorum [s]ub C. Vibio Pansa legato – wie Mommsen ausführt, schwerlich dem Consul von 43 – gesetzt ist.

cohors I Tungrorum miliaria. Bei Tacitus ist seit dem J. 69 mehrfach von zwei cohortes Tungrorum die Rede, die stets miteinander operierend gewiss nicht verschieden sind von den beiden durch viele Inschriften später in Britannien bezeugten cohortes I und II Tungrorum miliariae. Tacitus erwähnt sie zuerst hist. II 14, wonach Fabius Valens beide im Frühjahr 69 zum Schutze der von Othos Flotte bedrohten Gallia Narbonensis dorthin sandte. Wir werden daraus schliessen dürfen, dass die Cohorten bis dahin zum germanischen Heere gehört hatten. Schon an dem ersten für die Vitellianer ungünstigen Gefecht (ebd. 14) waren auserlesene Mannschaften von ihnen beteiligt, an dem zweiten unmittelbar darauf erfolgenden nehmen sie vollzählig teil, verlieren beide den Praefecten im Kampfe und ziehen sich dann mit den übrigen Truppen nach Antipolis zurück, ebd. 15 und 28. Der Schauplatz dieser Gefechte war, wie II 15 zeigt, die Küstenstrecke zwischen Antipolis und Albigaunum. Gerade auf dieser Strecke ist nun zu Vintium das der früheren Kaiserzeit angehörende (s. Mommsen Ephem. epigr. V p. 175) Fragment anscheinend eines Soldatengrabsteines gefunden, das die coho(rs) pr(ima) T... nennt (CIL XII 16). Blanc und Hirschfeld haben dies gewiss richtig auf die ja gerade in jener Gegend nachgewiesene coh. I Tungrorum bezogen, und die Inschrift wird dann eben aus der Zeit ihres dortigen Aufenthaltes stammen. In der Folgezeit sind beide Cohorten nach Britannien verlegt worden, wo sie schon 83 n. Chr. zum Heere des Agricola gehören und sich in der Schlacht am Berge Graupius besonders auszeichnen (Tac. Agr. 36). Weiterhin lässt sich nun an der Hand der Inschriften die Geschichte jeder der beiden Abteilungen für sich verfolgen. Die coh. I Tungrorum nennen die Diplome XXXII und XLIII für 103 und 124 unter den Auxilien der Provinz, und dass sie noch bis in die späte Kaiserzeit dort verblieben ist, zeigt die Notitia dignitatum, die sie Occ. XL 40 zu Borcovicium am Hadrianswall verzeichnet. Diese Garnison hatte die Truppe offenbar schon seit langer Zeit innegehabt, da alle ihre Inschriften mit Ausnahme von zweien dort gefunden sind. Der Mehrzahl nach sind es Weihungen teils der Cohorte mit oder ohne Angabe des Praefecten (CIL VII 633. 635. 638. 639. 640. 653), teils von Praefecten allein (642. 651), ferner die Grabsteine eines medicus Ordinarius [344] (690) und eines mil. bf. praef. (691). Vielleicht gehören der Truppe auch die beiden Weihinschriften von Praefecten ohne Namen der Truppe aus Borcovicium (641 und 655) an, ebenso wie die dortigen Ziegel mit Orfi (ebd. 1227), die eventuell I T(ungr.) gelesen werden könnten. Zwei Inschriften der Cohorte sind dann weiter im Norden in Schottland gefunden worden; die eine (ebd. 1099) aus Castlecary am Piuswall beweist, dass die Truppe unter Kaiser Pius am Bau dieses Walles mit gearbeitet hat, die andere (1084) aus Cramond bei Edinburg ist eine Weihung der Cohorte; es darf hier die überlieferte Ziffer I keinesfalls mit Hübner zu II geändert werden. Auffällig ist, dass die Cohorte ebenso wie die II Tungrorum als miliaria statt unter Tribunen unter Praefecten steht.

cohors II Tungrorum miliaria equitata c. L. Die einzige nachweisbare Truppe, die den Beinamen civiwm Latinorum führt. Über ihre früheren Schicksale in Italien und Britannien s. unter I Tungrorum. In letzterer Provinz ist die Cohorte dann, wie zahlreiche Inschriften von ihr beweisen, bis ins 3. Jhdt. geblieben. Die meisten von diesen sind zu Blatum Bulgium nördlich vom Hadrianswall gefunden, wo demnach längere Zeit das Standquartier der Truppe gewesen sein muss; dass das bereits unter Pius der Fall war, zeigt eine Inschrift von ihr zu Ehren dieses Kaisers vom J. 153 (Cagnat L’ann. épigr. 1897, 59). Die übrigen dortigen Steine sind Weihungen teils der Cohorte selbst (CIL VII 1071. Cagnat a. a. O. 1897, 60), teils der in ihr dienenden cives Raeti (CIL VII 1068), sowie pagi Vellaus (ebd. 1072) und Condrustis (1073), endlich eines Soldaten (1074) und eines Freigelassenen für seinen Herrn, einen praef. co[h. II] Tun. (1064 – die Ziffer ist hier mit Sicherheit zu ergänzen); schliesslich ist noch der Grabstein eines Tribunen von ihr (ebd. 1078) dort erhalten. Vier weitere Inschriften der Truppe sind zu Petrianae am Hadrianswall gefunden, darunter drei officielle Weihungen der Cohorte (ebd. 879. 880. 882) und das Fragment 894; 882 stammt aus dem J. 241, und wir haben daher wohl anzunehmen, dass die Abteilung, nachdem sie zuerst in Blatum Bulgium gestanden hatte, später von dort nach Petrianae verlegt worden ist. Auch sie ist, obwohl miliaria, ebenso wie ihre Schwestertruppe, die I Tungrorum, von Praefecten befehligt worden; Tribunen nennt nur der späte Stein 1078, der aus einer Zeit stammt, wo bereits allen Cohortenbefehlshabern der Tribunentitel verliehen war.

cohors Tungrorum. Ausser den beiden stets miteinander genannten cohortes Tungrorum erwähnt Tacitus noch einmal eine einzelne coh. Tungrorum (hist. IV 16). Danach war der erste grosse Sieg des Civilis auf dem Rhein (etwa Juni 69) hauptsächlich dadurch herbeigeführt worden, dass eine coh. Tungrorum zu Civilis überging. Die eben noch im Frühjahr 69 in Oberitalien bei der Armee des Vitellius befindlichen beiden coh. Tungrorum können schwerlich jetzt schon wieder am Niederrhein angenommen werden. Ausserdem darf doch wohl als sicher gelten, dass, als Vespasian nach Beendigung des Krieges eine grosse Anzahl der am Aufstand beteiligten Truppenteile cassierte, er diese mit besonders schwerer Schuld [345] belastete Cohorte in allererster Linie aufgelöst haben wird. Da jene anderen beiden aber später noch in Britannien nachweisbar sind, werden wir neben ihnen eine weitere tungrische Cohorte annehmen müssen.

cohors I Tyriorum sagittariorum gehörte 99 n. Chr., wie Diplom XXX zeigt, zum Heere von Moesia inferior. Ein Praefect von ihr begegnet in dem Cursus honorum aus Salonae, CIL III 8716, wo coh. ITYR, wie mir sicher scheint, nicht als coh. Ityr., sondern nur als coh. I Tyr. gelesen werden darf. Die coh. Tyriorum sagittariorum, von der ein Praefect auf einem Steine aus Perusia (ebd. XI 1934) genannt wird, wird von der moesischen coh. I Tyriorum wohl nicht verschieden sein.

cohortes Ubiorum. Solche müssen sich im J. 69 im untergermanischen Heere befunden haben. Tacitus berichtet nämlich hist. IV 28, es seien, als Civilis das Land der Ubier wegen ihrer Treue gegen die Römer verwüsten liess, caesae cohortes eorum in vico Marcoduro incuriosius agentes, quia procul ripa aberant. Mit der später in den Donauprovinzen nachweisbaren ubischen Cohorte können diese, wenn sie damals wirklich niedergehauen worden sind, nicht identisch sein, wohl aber wäre es möglich, dass zwei Praefecten, die auf Inschriften des 1. Jhdts. begegnen, je eine dieser germanischen Cohorten befehligt haben. Dies gilt besonders von dem praef. cohort. Ubiorum peditum et equitum im Cursus honorum CIL X 4862, der, anscheinend eben in diesem Commando, von Augustus und Tiberius decoriert worden ist; wenigstens würde letzteres auf eine am Rhein stehende Cohorte am ehesten passen. Dieselbe Truppe ist dann wohl auch in dem Cursus honorum aus Aquileia (Pais CIL Suppl. Ital. I 185) gemeint, wo sie coh. Ubior. equitata heisst.

cohors [I] Ubiorum hat nach dem Cursus honorum CIL X 6015 (praef. coh. Ubior. Moes. infer.) in Niedermoesien gestanden, wo sie auch Diplom XXXI im J. 99 verzeichnet. In allen weiteren Diplomen der Provinz fehlt sie, da aber dafür im 2. Jhdt. eine gleichnamige Truppe in Dacien erscheint, werden wir annehmen dürfen, dass die Cohorte erst Traians Dakerkriege mitgemacht hatte und dann in der neuen Provinz als Besatzung verblieben war. Diplom LXVI nennt offenbar sie ([I] VLBIOR.) 157 n. Chr. unter den Auxilien von Dacia superior, und zusammen mit einer Anzahl von diesen scheint sie auch die Kaiserinschrift zu Veczel CIL III 1343 gesetzt zu haben, denn die Varianten der beiden Abschriften von Z. 8 (coh.) VE (so Mommsen) oder VS (so Torma) führen doch wohl auf eine (coh.) VB. Ziegel der Cohorte mit C·I·VB· sind im Osten der Provinz zu Tage getreten zu Székely-Udvárhely, zu Dicsö-Szent-Márton und zu Burghallen (CIL III Suppl. 8074, 25); die im Südwesten von Dacien, zu Zsuppa, Sarmizegetusa, Szent-György-Vályas gefundenen Ziegel mit CIV möchte ich dagegen lieber auf die coh. I Vindelicorum miliaria (s. d.) beziehen. Die Weihinschrift an Hercules, CIL III 1571, die ein praef. coh. I Ubior. zu Herkulesbad gesetzt hat, wird natürlich bei einem nur vorübergehenden Badeaufenthalt daselbst errichtet sein. Denkbar wäre es endlich, dass die Ziegel mit COH V (CIL III 1702) aus dem Donaucastell Golubatz in Moesia [346] superior der Truppe angehören, dagegen scheint mir eine Beziehung der Inschrift ebd. 1187 auf sie, die Mommsen annimmt, sehr unsicher. Auffällig ist, dass die Cohorte mit einziger Ausnahme des Steines CIL III 1571 und der Ziegel stets ohne Nummer genannt wird.

[cohors I Ulpia ?]. Eine solche muss schon wegen des Vorkommens einer II Ulpia angenommen werden, wenn auch kein directes Zeugnis sie nennt. Höchstens könnte vielleicht eine karische Inschrift vom J. 129 (Bull. hell. IX 341) auf sie bezogen werden, die ein ἔπαρχ(ος ...) ΛΟΥΛΠΙΑ … zu Ehren Hadrians gesetzt hat. Neben der von den Herausgebern gebotenen Ergänzung λεγιῶνος λ', die mir wegen des ἔπαρχος weniger wahrscheinlich ist, wäre nämlich auch noch die zu σπείρης α' Οὐλπίας denkbar. Freilich könnte damit dann auch eine der verschiedenen cohortes I Ulpiae Afrorum, Galatarum u. s. w., gemeint sein, soweit diese nicht miliariae waren. Dass auf dem Steine aus Salonae CIL III Suppl. 8762 nicht mit Hirschfeld coh. I [U]lp., sondern wohl eher I [A]lp. herzustellen ist, ist unter coh. I Alpinorum dargelegt worden.

cohors II Ulpia equitata c. R. (?) liest Mommsen in der schlecht überlieferten Inschrift aus Byllis, CIL III 600, wo verschiedene orientalische Truppenkörper aufgezählt werden, aus deren Reitern sich das für einen Partherkrieg formierte Cavalleriecorps des Valerius Lollianus zusammensetzte. Wiedererkennen möchte ich die Truppe in einer Papyrusurkunde vom 10. October 159 (BGU 142), einer Epikrisis des praef. classis Alexandrinae, in der ein Mann ἐκ σπείρης β' Οὐλπία(ς) ἱππεὺ[ς] τύρμης Ἀπο[λ]λιναρίου erscheint. Es handelt sich also um eine in Ägypten stehende Cohorte und zwar gleichfalls um eine equitata; man wird dann einfach die obige anzunehmen haben, und nicht wie die Herausgeber eine bisher überhaupt gar nicht nachzuweisende coh. II Ulpia Afrorum. Was für eine Truppe in dem verlorenen, ungenügend copierten Cursus honorum aus Massilia (IGI 2433) gemeint ist, wo ein πραιφεκ. σπειρ. β' Οὐλπ. ΥΡΙΑ genannt ist, ist bisher noch nicht gelungen festzustellen.

cohors Ulpia: s. coh. I Afrorum, I Brittonum miliaria, I Traiana Cugernorum c. R., I Dacorum, I. II. [III] Galatarum, I Flavia Hispanorum miliaria c. R., I Pannoniorum c. R. miliaria, [I]. II. III Paphlagonum, I. II. III. [IIII]. V. [VI] Petraeorum, I Sagittariorum.

cohors Usiporum. Von dieser Abteilung, die anscheinend überhaupt nur wenige Monate bestanden hat, erfahren wir einzig durch Tacitus. Er erzählt Agr. 28, dass sie im Sommer 83 aus Germanien, wo sie neu formiert worden war, nach Britannien übergesetzt werden sollte, dass aber unterwegs die Rekruten revoltierten, den sie befehligenden Officier und die eingestellten alten Mannschaften niedermachten und auf den Transportschiffen flüchteten; ausführlich berichtet er dann ihre weiteren Schicksale. Dasselbe erzählt ganz entstellt und ohne den Namen der Cohorte Dio LXVI 20, 2.

cohors Valeria: s. coh. I Breucorum, [III Bracarum].

cohors I Vangionum miliaria equitata (CIL VII 1003) ist zwar direct nur in Britannien bezeugt, [347] doch darf aus Tac. ann. XII 27 wohl geschlossen werden, dass sie vorher in Germania superior gestanden hatte. Bei dem Chattenkriege des J. 50 n. Chr. lässt nämlich der Legat dieser Provinz auxiliares Vangionas ac Nemetas addito equite alario einen Angriff auf den Feind machen. Die ganze Darstellung beweist, dass es sich hier um Auxiliarcohorten handelt, und da eine andere vangionische Cohorte nicht bekannt ist, wird man an die spätere britannische I Vangionum zu denken haben. Auf der Insel ist diese zunächst durch die beiden Diplome XXXII und XLIII für die Jahre 103 und 124 nachgewiesen, dann aber durch eine grosse Anzahl von Inschriften des 2. und 3. Jhdts., die uns vor allem eine ganze Reihe von Tribunen kennen lehren. Mit zwei Ausnahmen sind diese sämtlich zu Habitancium gefunden, dem einen der nordwärts vor den Hadrianswall vorgeschobenen starken Auxiliarposten, und schon hierdurch allein ist der Platz als langjähriges Standquartier der Cohorte erwiesen; eine directe Bestätigung bieten noch die Bauinschriften CIL VII 1003 (aus der Regierung des Septimius Severus), 1007 und 1010. Eine Weihung für Caracalla, ebd. 1002, ist von der Cohorte gemeinsam mit den Raeti Gaesati und den exploratores gesetzt, die, gleichfalls zu Habitancium stationiert, wie 987 und 988 schliessen lassen, dem Tribunen der coh. I Vangionum unterstanden zu haben scheinen. Die übrigen Inschriften sind Weihungen von Tribunen, so 986 (derselbe Officier wie 1003). 980 und 994 (beidemal derselbe Tribun wie 988). Eine weitere Anzahl von Weihinschriften aus Habitancium, die einen Tribunen ohne Angabe seiner Truppe nennen (982. 984. 985. 991. 992. 993. 1005), hat bereits Hübner mit Recht auf die I Vangionum als die einzige dort nachweisbare coh. miliaria bezogen; bei dem 985 genannten ist der Beweis dafür direct zu erbringen, da derselbe Mann 1007 als Tribun der Vangionen bezeichnet wird. Wiederherstellen möchte ich den Namen der Truppe auch in dem Fragment einer Bauinschrift (1009) als [coh. I Vang.] mil. c(ui) praeest M. Peregrinius Super trib. Aus der nahen Wallstation Cilurnum haben wir endlich den Grabstein der Tochter des Fabius Honoratus trib. coh. I Vangion. (588), aus dem aber auf Anwesenheit der Truppe selbst dort nicht geschlossen werden darf. Ob Ephem. epigr. VII 845 auf dem Grabstein aus Camulodunum [coh.] I Va[ngionum] oder I Va[rdullorum] zu ergänzen ist, bleibe dahingestellt.

[cohors I Varcianorum] muss aus der II Varcianorum gefolgert werden.

cohors II Varcianorum equitata (CIL V 875). C. Minicius Italus heisst in seinem Cursus honorum aus Aquileia, CIL V 875, praef. coh. II Varc. eq., während in der neu gefundenen, denselben Mann betreffenden Inschrift aus Alexandria (Cagnat L’ann. épigr. 1893, 91) von der betreffenden Charge nur noch (praef. coh.) … or erhalten ist. Dies führt auf die von Mommsen für die erste Inschrift zwar hingeworfene, aber ausdrücklich nicht von ihm vertretene Ergänzung coh. II Varcianorum, und an dieser wird nicht mehr gezweifelt werden dürfen, seit in den Bonner Jahrbüchern 81, 112 der vorher CIRh 664 unvollständig [348] und ungenügend wiedergegebene Brohler Stein von Klein in besserer Abschrift veröffentlicht ist. Es ist dies eine Weihung an den Hercules Saxanus eines coh. ∣∣ IVARCAN, und es hat demnach wirklich eine coh. Varcianorum bestanden und zwar im niedergermanischen Heere. Dass die Ziffer aber thatsächlich zu II ergänzt werden muss, lehrt uns eine gleichfalls untergermanische Weihinschrift aus Köln, CIRh 315, die von einem mil. coh. II Var. sing. cos. gesetzt ist. Brambachs Ergänzung dieser als II Var(dullorum) ist, ganz abgesehen davon, dass eine solche Cohorte nicht nachweisbar ist, zu verwerfen und auch hier vielmehr die in der Provinz nunmehr nachgewiesene II Varcianorum einzusetzen. Endlich möchte ich eine coh. Varcianorum auch noch in dem unvollständig erhaltenen Cursus honorum aus Bovianum CIL IX 2564 erkennen, in dem ein [praef. coh… ]ianorum vorkommt. Da nämlich der einzige Cohortenname mit dieser Endung eben Varcianorum ist, würde nur an unsere II Varcianorum oder an die noch nicht nachgewiesene I Varcianorum zu denken sein.

cohors I Fida Vardullorum c. R. equitata miliaria ist eine der am häufigsten auf Inschriften genannten Cohorten des britannischen Heeres. Sie erscheint in den Diplomen der Provinz aus den J. 98 (XXIX), 105 (XXXIV), 124 (XLIII ), 146 (LVII) und hat ihr Standquartier zunächst wohl in Lanchester südlich vom Hadrianswall gehabt, wo zwei Weihungen von ihr (CIL VII 440 und 435) sowie die eines ihrer Tribunen (431, vgl. 440) gefunden sind. Die Mehrzahl ihrer Inschriften stammt aber aus Bremenium, dem nördlich vor den Wall vorgeschobenen Posten, wo früher die coh. I Lingonum gelegen hatte; da nun letztere Cohorte (s. d.) später gerade in Lanchester nachweisbar ist, haben wohl, als im Laufe der Zeit eine stärkere Besetzung der Festungen im Norden notwendig wurde, beide Abteilungen ihre Garnisonen unter einander getauscht, und ist die coh. miliaria zu Bremenium an die Stelle der quingenaria getreten. In Bremenium wird die Cohorte als bleibende Besatzung vor allem durch die Bauinschriften CIL VII 1045 und 1046 erwiesen, die sich auf einen in den Jahren 219/223 erfolgten Wiederaufbau eines Ballistarium durch die Truppe beziehen; eine andere Bauinschrift s. ebd. 1051. Ausserdem besitzen wir dorther eine grössere Anzahl von Weihungen teils von der Cohorte, teils von ihren Tribunen für die Kaiser Caracalla von 215 n. Chr. (ebd. 1043), für Elagabal (1039), für Gordian (1030), für einen unbestimmbaren Kaiser (1044), für genius und signa der Cohorte (1031) von einem Tribunen. Auch die mehrfach auf Inschriften von Bremenium ohne Angabe ihrer Truppe genannten Tribunen (vgl. 1034. 1035. 1037. 1038. 1052. 1056) werden der I Vardullorum als der einzigen dort nachweisbaren von Tribunen befehligten Cohorte angehören: für den 1035 begegnenden Caecilius Optatus lässt sich dies aus 1039 beweisen; der Rufinus 1038 ist, nach dem Namen seiner Gemahlin Lucilla zu schliessen, vielleicht derselbe Officier, für den 1054 gesetzt ist. Endlich ist noch ein Stein aus Castlecary am Piuswall (ebd. 1096) anzuführen, eine Weihung der Cohorte an Silvan unter dem Praefecten Trebius Verus (derselbe Mann wohl auch ebd. 1124 aus Stirling gemeint). Dass hier im Gegensatz [349] zu den zahlreichen uns bekannten Tribunen der Cohorte ein Praefect erscheint, ist auffällig, findet aber eine Parallele in dem auf einer africanischen Inschrift, CIL VIII 5532, erwähnten prae[f]. coh. primae fidae Vardulorum, die sich zweifellos auf die britannische Abteilung bezieht, während in dem Fragment aus Mevania, ebd. XI 5038, das Mommsen allerdings richtig auf die Cohorte bezieht, praef. nicht auf diese, sondern auf eine andere Truppe geht. Schliesslich möchte ich noch auf Ziegel aus Germania inferior mit COH·T·FID hinweisen (CIRh 60 d). Brambach glaubt zwar, es sei dies verlesen statt COH·T·FLA, allein als ebenso möglich ist es doch zu bezeichnen, dass die T FID Vard. gemeint ist; sie würde dann aus Germania inferior nach Britannien gekommen sein.

[cohors I Vasconum]. Tacitus erzählt hist. IV 33, wie unter coh. II Vasconum näher dargelegt ist, von dem tapferen Verhalten, das 69 n. Chr. im Kriege gegen Civilis Vasconum lectae a Galba cohortes bewiesen hatten. Es müssen also damals zum mindesten zwei cohortes Vasconum beteiligt gewesen sein, und man wird daher neben der inschriftlich bezeugten coh. II Vasconum eine schon durch die Ziffer der letzteren erforderte coh. I Vasconum anzunehmen haben. Diese war dann gleichfalls 68 von Galba in Spanien formiert, später an den Rhein geschickt und hatte sich dann dort ausgezeichnet. Von ihren weiteren Schicksalen wissen wir jedoch nichts.

cohors II Hispana Vasconum c. R. equitata (CIL II 1086) ist als einzige inschriftlich vorkommende coh. Vasconum zweifellos eine der von Galba 68 n. Chr. in Spanien ausgehobenen (s. unter I Vasconum), die dann im folgenden Jahre zum Kriege gegen Civilis nach Germanien dirigiert worden waren und gerade im rechten Moment eintrafen, um dem in schwierigem Gefecht gegen die Bataver kämpfenden Heere des Vocula durch einen energischen Rückenangriff Luft zu verschaffen und den Sieg zu entscheiden. Ihren Ehrenbeinamen c. R. wird sie wohl eben für jene Heldenthat erhalten haben. Noch im letzten Drittel des 1. Jhdts. ist die Truppe dann nach Britannien verlegt worden, wo sie uns 105 in Diplom XXXIV begegnet und wo sie der Cursus honorum eines Unbekannten CIL II 1086 aus Ilipa ausdrücklich nennt (in Britan[nia praef. coh.] II Vasconum equit). Ein anderer Praefect erscheint im Cursus honorum CIL XII 3183, wo die Cohorte II Hispana Vasconum civium Romanorum heisst. Endlich ist meiner Ansicht nach ihr Name auch in dem Veroneser Cursus honorum CIL V 3376 / 3377 zu ergänzen, wo nur noch ... CON CIVIVM ROM ... TANNIA ANN VII erhalten ist. Mommsen dachte an einen curator con(ventus) civium Rom(anorum) und wollte danach ein Legionstribunat einsetzen, allein dies ist schon des Raumes wegen unmöglich. Es ist wohl einfach zu ergänzen [praef. coh. II Vas]con. civium Rom[anorum in Bri]tannia, ann(is) VII. Inschriften der Truppe sind in Britannien selbst bis jetzt noch nicht zu Tage getreten.

cohors velox s. coh. I Augusta Nerviana.

cohors Veniaesum s. coh. Carietum et Veniaesum.

cohors Veterana s. coh. I Aquitanorum, I Hispanorum, I Sugambrorum, III Thracum. [350]

cohors II Veterana ...iorum. In seinem nur hsl. überlieferten, dem 1. Jhdt. angehörenden Cursus honorum aus Hasta, CIL V 7567, heisst P. Vergilius Paullinus: praef. chortis II VFERA ...iorum exercitus … Mommsen hat darin richtig VETERA[nae erkannt, ergänzt dann aber weiter praeposito vexillar]iorum exercitus … Dafür reicht jedoch der Raum nicht aus, und es wird vielmehr in ...iorum der Name eines Volksstammes stecken. Die Auswahl ist dann nicht gross, da es sich nur um ein Volk handeln kann, das cohortes II stellte und für dessen Namen nur sechs Buchstaben fehlen würden. Die einzige, die diese Bedingungen erfüllte, dürfte eine coh. II Pannoniorum sein. Bei dem Stein aus Thugga, CIL VIII 15529 (praefecto … [vete]ranae in Syria), ist es unsicher, ob überhaupt eine cohors und nicht etwa eine ala, z. B. die I Gaetulorum veterana gemeint ist.

cohors Veteranorum s. coh. III Brittonum.

cohors Victrix s. coh. I Breucorum Valeria Victrix.

cohors I Vindelicorum miliaria ist in dem für einen ihrer Soldaten erteilten Diplom LXVI vom J. 157 unter den Auxilien von Dacia superior verzeichnet. Thatsächlich ist dieses Diplom in der Provinz zu Zsuppa gefunden worden, und auch auf der gemeinsamen Inschrift einer Reihe dacischer Cohorten aus Veczel CIL III 1343 steht als erster Name der der coh. I Vindelicorum. Ihr möchte ich ferner die bisher auf die coh. I Ubiorum bezogenen Ziegel mit C·I·V zuweisen, die im südwestlichen Dacien, zu Sarmizegetusa (Arch.-epigr. Mitt. I 124. VI 142), Szent-György Vályas (ebd. IX 243) und vor allem zu Zsuppa (CIL III 8074, 25) zu Tage getreten sind, demselben Orte, woher ja auch das Diplom der Cohorte stammt. Für die frühere Geschichte der Truppe gestatten vielleicht Name und Heimat des im Diplom genannten Soldaten, des Bar Simso(n) Callistenis f. aus Caesarea, einen Schluss. Da dieser Israelit schwerlich in eine im fernen Siebenbürgen stehende Truppe eingestellt sein wird, werden wir eine zeitweilige Anwesenheit der Cohorte in Palaestina anzunehmen haben, und da der Diensteintritt des Mannes gerade in der Zeit von Hadrians Judenkrieg fallen muss, wäre es denkbar, dass die coh. I Vindelicorum entweder damals überhaupt im Orient gestanden hat, oder aber für den jüdischen Krieg zeitweilig dorthin geschickt worden war. Einen Tribunen von ihr ausser dem im Diplom vermerkten nennt noch der Cursus honorum aus Venafrum CIL X 4873. Ob sich der Grabstein eines Angehörigen der coh.] I Vind. (ebd. III 3562) aus Aquincum auf unsere Cohorte bezieht, die dann auch einmal in Pannonien gestanden haben könnte, oder etwa auf eine unbekannte coh. I Vindelicorum quingenaria, bleibt ungewiss. Noch unsicherer ist die Zugehörigkeit des Veteranen einer unbezifferten vindelicischen Cohorte, auf dessen in der Nähe von Ingolstadt gefundenem Grabstein Mommsen den Namen der Truppe erkannt hat (CIL III 5905 = 11906).

[cohors II und III Vindelicorum] fehlen vorläufig noch.

cohors IIII Vindelicorum ist eine der am häufigsten bezeugten Cohorten des obergermanischen Heeres. In diesem (bezw. im germanischen) nennen [351] sie die Diplome XI, XXI, L für 74, 90 und 134, und auch in Diplom XL von 116 wird ihr Name mit Sicherheit ergänzt. Die einzigen Inschriften von ihr sind der Frankfurter Votivstein unbekannten Fundorts, CIRh 1439, den einer ihrer Soldaten errichtet hat, und drei aus dem Standlager der Truppe Grosskrotzenburg stammende kleinere Stücke, nämlich ein Bronzetäfelchen mit der Weihung eines Centurio (Limesbl. 16, 440), ein anderes solches Täfelchen (ebd. 441) und ein Fragment, CIRh 1434, auf dem ich in FI IIII VI co]h. III Vi[nd.] wiedererkennen möchte. Um so grösser ist die Zahl von Ziegeln mit dem Stempel der Cohorte, die an den verschiedensten Stellen der Provinz – ich zähle deren mehr als 20 – zu Tage getreten sind. Es erklärt sich dies nach Wolff damit, dass die Ziegeleien von Grosskrotzenburg, in denen die Cohorte mit ihrem Stempel brannte, auch noch andere Castelle mit Baumaterial versorgten. Die Fundstätten verteilen sich auf die ganze Linie von Niederbieber bis nach Miltenberg, und es sind darunter u. a. die Limescastelle von Heddesdorf, Niederbieber, Augst, Ems, Holzhausen, Saalburg, Langenhain, (Alteburg, Arzbach), Echzell, Rükkingen, Grosskrotzenburg, Stockstadt, Niedernberg, Obernburg, Miltenberg. Von Orten, die rückwärts des Limes liegen, seien (Altwied), Wiesbaden, Mainz und Friedberg genannt. Die angeblich auf raetischem Boden zu Salzbrunn bei Kempten gefundenen Ziegel der Cohorte (Ephem. epigr. IV 636) sind, wie Haug Bonn. Jahrb. 69, 144 nachgewiesen hat, aus Obergermanien dorthin verschleppt.

cohors Vindelicorum s. coh. Raetorum et Vindelicorum.

[cohors Vocontiorum konnte man früher wohl (vgl. z. B. Bd. I S. 1270) aus Hist. Aug. trig. tyr. 3 erschliessen, wo in einem Schreiben des Valerianus ein tribunatus Vocontiorum genannt wird. Allein nachdem die in die Kaiserbiographien eingelegten Urkunden als gefälscht erwiesen sind, fällt das Zeugnis und damit die coh. Vocontiorum überhaupt weg.]

cohors I Campestris Voluntaria (oder Voluntariorum) c. R. (mit vollem Namen nur CIL III 3237 genannt) hat im 2. und 3. Jhdt. in Pannonia inferior gelegen. Zuerst nennt sie dort das in die Zeit zwischen 145 und 160 fallende Diplom LXIX, wo zwar nur ... P VOL CR erhalten, aber der Name sicher zu ergänzen ist. Dann begegnet uns im stadtrömischen Cursus honorum CIL VI 3520 ein trib. coh. primae Voluntariae Campanarum in Pan⟨n⟩onia inferiore, und aus der Provinz selbst haben wir eine offizielle Weihung der Cohorte vom J. 212 aus Sirmium (ebd. III 3237), die gesetzt ist cur. ag. P. Ael. Valerio, trib. ex vet. Dass die Truppe wahrscheinlich mit der früher in Dalmatien nachweisbaren coh. I Camp. identisch ist, wurde bereits unter dieser ausgeführt.

cohors I Italica c. R. Voluntariorum s. coh. I Italica.

[cohors II Voluntariorum] s. coh. II Italica c. R. Voluntariorum.

[cohors III Voluntariorum], ob in der coh. III Camp. (s. d.) zu erkennen?

cohors IIII Voluntariorum c. R. Ausdrücklich bezeugt ausser durch den Cursus honorum [352] eines Tribunen CIL III Suppl. 8737 nur durch die beiden Diplome von Pannonia superior LX und LXI, wonach sie 148 und 149 in dieser Provinz gestanden hat; Bormann Arch.-ep. Mitt. XX 161 will ihren Namen freilich auch noch in Diplom LI von 138 ergänzen, doch ist dies sehr unsicher. Die von Brambach auf die Cohorte bezogenen Ziegel aus Germanien, CIRh 1750, gehören vielmehr der IIII Aquitanorum (s. d.) an.

[cohors V Voluntariorum] fehlt; vgl. übrigens coh. V Gemina c. R.

[cohors VI Voluntariorum] fehlt gleichfalls noch, wenn sie nicht etwa mit der coh. VI Ingenuorum (s. d.) zusammenhängt. Hirschfeld möchte zwar in einem Inschriftfragment aus Salonae, CIL III 8747 = 2069, coh. VI V[ol.] ergänzen, allein v. Domaszewski hat darin wohl richtiger die coh. VI V[igilum] erkannt. Über einen Stein aus Heddesdorf mit COH· VI s. coh. VI Ingenuorum.

[cohors VII Voluntariorum], ob = coh. VII Campestris (s. d.)? Vgl. auch CIL XI 4749 unter coh. VIII Voluntariorum.

cohors VIII Voluntariorum können wir vom 1. bis ins 3. Jhdt. in Dalmatien nachweisen, unter dessen Auxilien sie schon 93 n. Chr. in Diplom XXIII erscheint. Zahlreiche Inschriften von ihr sind in der Provinz vorhanden, da diese sich aber auf nicht weniger als zehn verschiedene Fundorte verteilen, ist es schwierig, über Geschichte und Dislocation der Truppe ein klares Bild zu gewinnen. Die ältesten Steine dürften die aus Andetrium sein, zwei wohl noch dem 1. Jhdt. angehörende Soldatengrabschriften (CIL III 2745 [hier nur coh. VIII genannt] und 9782); von dort haben wir auch allein Ziegel der Cohorte (ebd. 10182). Dann führt eine Gruppe von Denkmälern in den äussersten Süden von Dalmatien, wo zu Doclea die Weihung (ebd. 12679 – es steht zwar nur coh. Vol. da, doch ist sicher die VIII gemeint) und zu Epidaurum der Grabstein eines Soldaten (ebd. 1743) sowie der der Freigelassenen eines Centurio (1742) gefunden sind. Weiter nach Norden zu folgt Narona mit dem Grabstein eines beneficiarius (1808) und Kutac mit dem eines Soldaten (6365 = 8490). Beinahe die Hälfte aller Denkmäler der Truppe stammt aus der Hauptstadt Salonae oder deren allernächster Umgebung, so dass ein längerer Aufenthalt der Cohorte dort und zwar, nach den Namen der Soldaten zu schliessen, im 2. und 3. Jhdt. unbedingt angenommen werden muss. Es sind zunächst eine Reihe von Grabsteinen, teils von Soldaten (2002. 2045. 2052. 8728. 8751. 8757), teils von deren Angehörigen (2039. 8729. 8775), dann zwei mit Sicherheit auf die Cohorte zu beziehende Fragmente (8776 und 8777). Aus der unmittelbaren Nachbarschaft von Salonae besitzen wir den Grabstein eines Veteranen und seiner Frau (9708) aus Tragurium und den eines bucinator (8522) aus der Gegend von Epetium. Endlich ist auch Dehninium als zeitweiliger Standort der Cohorte anzunehmen, da dort die Weihung eines Centurio vom J. 245 (2706 = 9724), der Grabstein, den ein Soldat unter Caracalla oder Elagabal seinem Kinde setzte (9732), ein Soldatengrabstein (Cagnat L’ann. épigr. 1895, 14) und ein unbestimmbares Fragment (ebd. 1895, 15) gefunden sind. Aus der [353] Gegend von Cačak im Binnenlande besitzen wir weiter die Weihinschrift eines Centurionen vom J. 197 (8336 = 6321) und von unbekanntem dalmatischen Fundort den Stein 3163. Möglicherweise könnte der Cohorte auch die Inschrift aus Vicus Martis Tudertis (CIL XI 4749) angehören, wo mil. coh. VII.. R Volunt. erhalten ist; da nämlich der Bruch durch die Zahl geht, kann ebensowohl VIII wie VII oder VIIII dagestanden haben. Dagegen bezieht sich der Stein eines miles cho. Campanae (CIL III 8693) aus Salonae wohl nicht, wie Mommsen glaubt, auf die VIII Voluntariorum, sondern auf die dalmatische coh. I Camp. (s. d.). In der Notitia dignitatum ist Or. XXXVII 33 zu Valtha in Arabien eine coh. VIII Voluntaria verzeichnet. Dass dies eine alte Truppe ist, kann nicht bezweifelt werden; da aber die Annahme zweier verschiedener coh. VIII Voluntariorum ausgeschlossen sein dürfte, muss die dalmatische Cohorte in der späteren Kaiserzeit nach dem Orient verlegt worden sein, jedoch nicht vor 245, in welchem Jahre sie noch in Dalmatien nachzuweisen ist.

[cohortes VIIII. X. XI. XII Voluntariorum] sind aus dem Vorkommen von Voluntariercohorten mit höheren Nummern mit Sicherheit zu erschliessen, doch besitzen wir vorläufig noch keinerlei Denkmäler von ihnen.

[cohors XIII Voluntariorum]. Auf eine solche bezieht Mommsen zweifelnd die nur in ungenügender Copie vorliegende Weihinschrift aus Moesia superior, CIL III 6321 (vom J. 267?), in der COL XIII VOT überliefert ist.

[cohors XIIII Voluntariorum] ist anzunehmen, wenn auch bis jetzt noch keine Inschriften von ihr gefunden sind.

cohors XV Voluntariorum gehörte zum niedergermanischen Heere und hat unter Septimius Severus zu Roomburg in Holland gelegen, als – ungewiss ob unmittelbare – Nachfolgerin der dortigen coh. Lucensium (s. d.), deren Stein aus traianischer Zeit CIRh 6 a sie in den J. 196/198 für ihre Bauinschrift eines armamentarium ebd. 6 b benutzte. Auch Ziegel (ebd. 140 h) bezeugen ihre Anwesenheit am Niederrhein, während ihr die Weihung aus Brohl, in der Klein Bonn. Jahrb. 81, 115 ihren Namen ergänzen will, schwerlich gehört. Ebensowenig dürfen die beiden stadtrömischen Grabsteine von milites coh. XV, Leuten italischer Herkunft (CIL VI 3641. 3642), mit Henzen auf die XV Voluntariorum, sondern, wie bereits Mommsen Ephem. epigr. V p. 245 erkannt hat, nur auf die stadtrömische coh. XV (bez. X) urbana bezogen werden. Ein Tribun der Cohorte begegnet in dem Cursus honorum CIL X 4579.

[cohors XVI und cohors XVII Voluntariorum] fehlen.

cohors XVIII Voluntariorum c. R. ist in den oberpannonischen Diplomen LI. LX. LXI. LXV für die Jahre 138. 148. 149. 154 verzeichnet, ohne dass bis jetzt eine Inschrift von ihr in der Provinz gefunden wäre. Einzig auf einer Weihung aus Moesia superior, CIL III Suppl. 8162 = 6302, nennt sich ein Officier trib. coh. XIIX Vol. c. R. et translat... in coh. I Ulp. Pan. eq.; ein ganz sicherer Schluss für die Geschichte der Truppe lässt sich daraus nicht gewinnen, wenn es auch den Anschein hat, als wäre die Cohorte damals in [354] Moesien stationiert gewesen. Angeblich findet sich ihr Name noch in einer gallischen Inschrift CIL XIII 1159 = Espérandieu Poitou p. 185f. u. 396, dem Grabstein eines mil. coh. XVIII Vol. Allein da der Text zweifellos interpoliert ist, dürfte hier wohl eher an die Lyoner coh. XVIII ⟨urb.⟩ (vgl. Tac. hist. I 64. Mommsen Hermes XVI 643f. Hirschfeld CIL XIII p. 250) zu denken sein.

cohors XVIIII Voluntariorum liest Hübner auf dem Stein aus Uxellodunum CIL VII 383, während Mommsen Ephem. epigr. V p. 249 dafür XVIII giebt. Eine Entscheidung ist schwer zu treffen, denn dem Augenschein nach (XV,III) sind beide Erklärungen zulässig; ich neige aber deshalb mehr zu XVIIII, weil sonst das untere Zeichen völlig unverständlich wäre. Es handelt sich in der Inschrift um einen in dieser Eigenschaft auch aus den dortigen Weihungen ebd. 384 und 385 bekannten Praefecten der zu Uxellodunum stehenden coh. I Hispanorum, der den Stein wohl anlässlich seines Avancements zum Tribunen der betreffenden Voluntariercohorte errichtet hat.

[cohors XX Voluntariorum] ist bisher noch nicht bezeugt.

cohors XXI [Voluntariorum?]. Zu Heddesdorf in Germania inferior ist ein Stein mit COH· XXI gefunden worden. Die Möglichkeit, hierin eine coh. Voluntariorum zu erkennen, scheint mir um so näher zu liegen, als auch die germanischen cohortes XXIIII und XXVI Voluntariorum sich auf ihren Ziegeln öfters nur COH XXIIII und COH XXVI nennen, und Mommsen z. B. die gleichartigen pannonischen Ziegel (s. coh. XXIII Vol.) ebenfalls auf eine Voluntariercohorte bezieht. Dann könnte der neuerdings zu Heddesdorf gefundene Grabstein eines trib. mil. coh. … (Bonn. Jahrb. 102, 187), der den Beweis dafür liefert, dass wirklich eine von Tribunen befehligte Auxiliarcohorte zu Heddesdorf gelegen hat, von einem Commandeur eben der coh. XXI Voluntariorum herrühren. Endlich wäre vielleicht noch in Erwägung zu ziehen, ob nicht auch die soeben von Bodewig Limesbl. 31, 839 veröffentlichte Inschrift aus Heddesdorf der Cohorte zuzuweisen ist, die meiner Ansicht nach etwa [in honore]m d(omus) d(ivinae) et co[h. XXI] Vo[l...] M. Albinius Auli fi[l. C]lassician[us c]oh. s(upra) s(criptae) gelesen werden könnte.

[cohors XXII Voluntariorum] ist bis jetzt noch nicht nachgewiesen.

cohors XXIII [Voluntariorum] erschliesst Mommsen Ephem. epigr. IV 547 p. 158 mit Recht aus Ziegeln von Savaria in Pannonia superior, die C X X III, also co(h.) XXIII, bieten.

cohors XXIIII Voluntariorum c. R. hat lange Zeit in Obergermanien gestanden, wo Ziegel und Inschriften von ihr an einer ganzen Reihe von Orten zu Tage getreten sind. Zunächst scheint sie in der Gegend von Heidelberg in Garnison gelegen zu haben, wo im Castell Heidelberg-Neuenheim und zu Ladenburg Ziegel mit COH XXIIII (CIRh 1708 add. p. XXXI. Bonn. Jahrb. 79, 30. Arch. Anz. 1898, 22. Baumann Röm. Denkst. i. Mannh. nr. 130) und zu St. Leon die Weihinschrift eines Centurionen der Cohorte (CIRh 1700) gefunden sind. Später muss die Truppe dann nach Württemberg verlegt worden sein, wo sie in dem Limescastell [355] Murrhardt noch im 3. Jhdt. gestanden hat. Dies beweisen die Inschriften, die sie dort zu Ehren der Iulia Augusta (ORL 44, 9) und des Alexander Severus (ebd. 10) gesetzt hat, ferner die Tempelbauinschrift eines Tribunen (CIRh 1568), der Grabstein eines Soldaten (ebd. 1570) und die mit Recht auf sie bezogenen Ziegel (ORL 44, 13). Auch aus dem mit Murrhardt correspondierenden Castell der zweiten Castelllinie, dem von Benningen, haben wir die Weihung eines Tribunen (CIRh 1596). Dazu treten noch vereinzelt als Fundstätten von Ziegeln der Truppe die Castelle von Oberscheidenthal (ORL 52, 13), Würzberg (ORL 49, 9. CIRh 1393, vgl. Westd. Ztschr. VIII 63) und Heddernheim (Baumann a. a. O. 130).

cohors XXV Voluntariorum c. R. Westd. Ztschr. I 257 und 383 wird eine Inschrift der coh. XXV Vol. c. R. aus Baden-Baden erwähnt. Wenn der Text sicher ist, würde die Cohorte also zusammen mit der coh. XXVI Vol. c. R. dort gestanden haben. Eine Erwähnung der Truppe könnte eventuell noch in einer Inschrift aus Tarraco CIL II 4258 gefunden werden, wo Hübner Suppl. p. 1124, zweifelnd aber gewiss richtig, coh. XXV [Vol]unt[a]riae ergänzt, nur darf man nicht mit ihm an eine Abteilung der Provincialmiliz denken.

cohors XXVI Voluntariorum c. R. Alle ihre Denkmäler deuten auf Germania superior als Standort der Truppe. Dort sind zunächst im Gebiet des Oberrheins mehrfach Ziegel von ihr zu Vindonissa, bei Zurzach, zu Schaffhausen und in dem nahe gelegenen Beringen zu Tage getreten (Mommsen Inscr. Helv. 344, 11. Korr. d. Westd. Ztschr. VI 1), während andere neuerdings zu Bechtersbohl entdeckt wurden (Schumacher N. Heidelb. Jahrb. VIII 103). Als sichere Garnison der Cohorte wird dann aber Baden-Baden erwiesen, wo ausser Ziegeln (CIRh 1673 c) auch mehrere Inschriften von ihr gefunden sind, nämlich der Grabstein eines Soldaten (ebd. 1659), die Weihung eines Centurionen (1667), ein Brunnenstein mit der Aufschrift coh. XXVI Vol. c. R. (1662) und eine Platte mit dem gleichen Texte (Nass. Ann. XIII 230). Unbekannten Fundorts aber gleichfalls aus dem Grossherzogtum Baden sind die CIRh 2062 erwähnten Ziegel. Endlich haben wir die Grabschrift eines Tribunen aus Patrae. CIL III 506, und den von einem Soldaten der Cohorte seinem als Praetorianer verstorbenen Bruder gesetzten Grabstein aus Praeneste, CIL XIV 2952.

[cohortes XXVII. XXVIII. XXVIIII Voluntariorum] fehlen vorläufig noch.

cohors XXX Voluntariorum stand in Germania superior, wie der Cursus honorum eines Tribunen von ihr (CIL III Suppl. 6758) aus Ancyra ausdrücklich besagt. Die einzige Inschrift, die die Cohorte ausserdem noch nennt, ist die Weihung eines ihrer Angehörigen (wohl eines Tribunen) [coh.] tricensimae [Vo]luntariorum vom Grossen St. Bernhard (CIL V 6891 = Mommsen Inscr. Helv. 37). Auf dem moesischen Stein CIL III 6302, wo früher trib. coh. XXX Vol. c. R. gelesen wurde, steht vielmehr XIIX Vol., vgl. ebd. Suppl. 8162.

[cohors XXXI Voluntariorum] ergiebt sich aus der folgenden Truppe. [356]

cohors XXXII Voluntariorum c. R. Auch sie hat zum germanischen Heere gehört und zwar zu dem der oberen Provinz. Ihre Garnison ist Heddernheim gewesen, wie der von Brambach richtig auf sie bezogene Grabstein eines Soldaten (CIRh 1480) und die Inschrift eines Centurionen (ebd. 1467) beweisen; in nächster Nähe von Heddernheim sind zu Praunheim gleichfalls ein Soldatengrabstein (Korr. d. Westd. Ztschr. I 2) und die Grabschrift CIRh 1496 gefunden, die ein Angehöriger der Cohorte seinem Kinde gesetzt hat. Ziegel der Truppe besitzen wir aus dem Limescastell Ober-Florstadt (Limesbl. 8, 241). Die Thatsache endlich, dass wir zwei Inschriften von ihr, die eines neunzigjährigen Veteranen (CIL III 4006) und den Grabstein eines medicus coh. (ebd. 10854) aus der Gegend von Siscia haben, kann auf keinem Zufall beruhen und nötigt zu der Annahme, dass die Cohorte zeitweilig auch in Pannonia superior gelegen hatte. Tribunen von ihr begegnen mehrfach in Cursus honorum, so CIL III 386. IX 5835. 5836. XI 1937, dagegen bezieht sich CIL III 320 wohl nicht auf sie (s. coh. XXXIII Vol.).

cohors XXXIII Voluntariorum c. R. möchte ich aus dem Cursus honorum aus Amastris (CIL III 320) erschliessen. Mommsen liest zwar dort XXXII, jedoch der Text der drei allein erhaltenen Abschriften des Steines giebt XXXIII, XXX·II, XXX…, und dies führt doch wohl vielmehr auf eine coh. XXXIII Voluntariorum, die zwar anderweit nicht bezeugt ist, aber nicht das mindeste Bedenken erwecken kann. Auffallend ist nur, dass in der Inschrift das Commando als erstes vor dem Legionstribunat, also an Stelle der Cohortenpraefectur steht.

cohors Voluntariorum. Mehrfach erscheinen auf unvollständig erhaltenen Inschriften cohortes Voluntariorum oder civium Romanorum, ohne dass es möglich wäre, eine bestimmte von diesen wiederzuerkennen. So finden wir Tribunen auf dem Steine aus der Gegend von Cedia in Numidien (Cagnat L’ann. épigr. 1889, 91) und dem aus Bologna (CIL XI 709); eine coh. … c. R. Volunt. p. f. s. unter VII Campestris. Wie es mit den praef. cohortium civium Romanorum quattuor in Hispania (ebd. 6344) steht, ist unklar.

Bei der Sammlung des Materials für den vorstehenden Artikel, für den im ganzen kaum zehn Monate zur Verfügung standen, hat mich mein Schüler, Dr. Paul Trommsdorff, in der aufopferndsten und dankenswertesten Weise unterstützt. So hat er für die in den Provinzen Ägypten, Africa, Numidien und Mauretanien stehenden Cohorten den gesamten Stoff excerpiert, und vor allem auch sämtliche noch nicht ausgegebenen Druckbogen des Corpus Inscriptionum Latinarum durchgesehen; für die Erlaubnis zu deren Benutzung bin ich den Herausgebern, Mommsen, Hirschfeld, v. Domaszewski, Hülsen, Dessau, Bormann und Zangemeister zu grossem Dank verpflichtet, Zangemeister ausserdem noch dafür, dass er gestattet hat, in die Scheden der germanischen Ziegel Einsicht zu nehmen.

Durch das soeben von Novotny (Benndorf-Festschrift 267f.) veröffentlichte Diplom vom J. 106, das für einen Soldaten einer coh. I Astu[rum] ausgestellt ist, ist jetzt ein Aufenthalt der Cohorte in Noricum für die Zeit Traians ausdrücklich bezeugt.

[Cichorius.]

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