ART

3) Antigonos mit dem Beinamen μονόφθαλμος oder Κύκλωψ (Polyb. V 67, 6. [Luc.] Macrob. 11. Plut. Sertor. 1; Quaest. conv. II 1, 9. Ael. v. h. XII 43), Sohn des Philippos, der gewiss nicht mit dem indischen Satrapen Philippos, dem Sohne des Machatas, Bruder des Harpalos, zu identificieren ist, war geboren kurz vor 380 (Appian. Syr. 55. [Luc.] a. O. Porphyr. b. Euseb. I 247 Schoene). Er war nicht von niederem Stande, wie Ael. v. h. XII 43 berichtet, sondern gehörte wahrscheinlich einem vornehmen makedonischen Geschlechte an, wenngleich sich seine Zugehörigkeit zum elimiotischen Fürstenhause nicht erweisen lässt (vgl. Droysen Hellen. I 1, 87, 2. II 1, 27, 1; anders v. Gutschmid Symb. phil. Bonn. 109, 15). Er führte zuerst unter Alexander das Commando über die Bundesgenossen und erhielt dann die Satrapie von Phrygien (Arrian. anab. I 29, 3; vgl. auch Curt. IV 5, 13). Bei der nach Alexanders Tode durch Perdikkas ausgeführten Teilung der Provinzen im J. 323 wurden ihm ausser Phrygien noch Lykien und Pamphylien zugewiesen (Arrian. succ. Alex. 6. Dexipp. frg. 1. Diod. XVIII 3, 1. Curt. X 10, 2; etwas abweichend Iust. XIII 4, 14).

A. hatte von dem Reichsverweser Perdikkas den Auftrag erhalten, Eumenes bei der Unterwerfung von Kappadokien zu unterstützen, denselben aber nicht ausgeführt (Plut. Eum. 3). Als nun Perdikkas selbst Ariarathes, den Dynasten von Kappadokien, besiegt und den pisidischen Feldzug beendet hatte, zog er A. zur Verantwortung. Dieser aber floh nach Europa zu Antipatros und Krateros, die damals mit dem Krieg gegen die Aitoler beschäftigt waren, und teilte diesen die auf die Erwerbung der Alleinherrschaft gerichteten Pläne des Perdikkas mit. Es kam so namentlich auf des A. Betreiben der Bund gegen den Reichsverweser zustande, dem sich vor allen noch Ptolemaios anschloss (Arrian. succ. Alex. 24. 26. Diod. XVIII 23, 3f. 25, 3f. Iust. XIII 6, 4ff.). A. ging, wie es scheint, sogleich nach Asien zurück, wahrscheinlich durch eine athenische Flotte unterstützt. Von den Städten an der ionischen Küste gut aufgenommen, sammelte er in Verbindung mit den Satrapen von Lydien und Karien, [2407] Menandros und Asandros, gegen Eumenes Streitkräfte und nötigte denselben, sich weiter nach dem Innern zurückzuziehen (Arrian. succ. Alex. frg. Vatic. § 7ff. CIA II 331. Reitzenstein Bresl. phil. Abh. III 3, 34ff.). Dann wandte er sich nach Kypros, um dort die mit Ptolemaios verbündeten kyprischen Fürsten gegen die Feldherrn des Perdikkas zu unterstützen (vgl. Arrian. frg. Vatic. 3. 6; succ. Alex. 30. CIA II 331. Droysen II 1, 135, 2. Koehler Monatsber. Akad. Berl. 1890, 579). Von Kypros aus wurde er nach dem Tode des Perdikkas vom makedonischen Heere zurückgerufen; bei der Teilung von Triparadeisos im J. 321 erhielt er seine früheren Provinzen zurück, wurde aber zugleich mit der Strategie über das Reichsheer in Asien betraut und ihm die Führung des Krieges gegen Eumenes und die übrigen Häupter der perdikkanischen Partei übertragen (Arrian. succ. Alex. 37f. Diod. XVIII 39. Iust. XIII 8, 10). Mit Beginn des J. 320 (Diod. XVIII 40, 1) zog er gegen Eumenes nach Kappadokien. Er gewann, hauptsächlich durch Verrat des Reiterführers des Eumenes, über seinen Gegner bei einem Orte Namens Orkynia (Plut. Eum. 9. Droysen II 1, 158, 2) einen Sieg, der zur Folge hatte, dass der grösste Teil des Heeres des Eumenes zu A. überging. Eumenes selbst flüchtete sich nach einer Bergfeste Nora, die an der Grenze von Lykaonien in Kappadokien gelegen war (Plut. Eum. 10; vgl. Strab. XII 537. Ramsay Asia Min. 308). Nachdem A. diese Festung durch eine völlige Blokade eingeschlossen hatte, wandte er sich gegen die andern Führer der perdikkanischen Partei, vor allen Alketas und Attalos (s. d.), die sich nicht dazu hatten bewegen lassen, mit Eumenes gemeinsame Sache zu machen. In Eilmärschen zog er, im Frühling 319 (vgl. Polyaen. IV 6, 6. Unger S.-Ber. Akad. Münch. 1878 I 408), aus Kappadokien nach Pisidien, überraschte die feindlichen Streitkräfte bei Kretopolis, welches den ‚Klimax‘ genannten, von Pamphylien nach der Hochebene von Milyas führenden Pass (Polyb. V 72, 4) beherrschte, das heutige Padam-aghatsch (über die Lage vgl. Schoenborn Beitr. z. Geogr. Kleinasiens, Posen 1849, 16ff.) und schlug sie völlig; Attalos und andere Führer kamen in seine Gewalt; der grösste Teil des Heeres wurde von A. gewonnen. Alketas fand in Termessos (am heutigen Gulikpasse gelegen, vgl. oben S. 1419) sein Ende (Diod. XVIII 44ff., etwas anders Polyaen. IV 6, 7). Die Kunde von dem Ende des Antipatros, welche A. jetzt erhielt, ermutigte ihn, die auf die Erwerbung der Herrschaft über ganz Asien gerichteten Pläne, die er seit Antritt der Strategie gehegt hatte, entschiedener zu verfolgen. Er strebte danach, die einzelnen Provinzen mit ihm ergebenen Männern zu besetzen und suchte auch mit seinem Hauptgegner Eumenes zu einer Verständigung zu gelangen (Diod. XVIII 41, 4f. 50, 1ff. Plut. Eum. 12. Nep. Eum. 5, 7). Es gelang Eumenes, durch List die Befreiung von der Belagerung zu erreichen, ohne damit doch für die Mitwirkung bei den ehrgeizigen Plänen des A. sich zu verpflichten (Plut. Eum. 12. Diod. XVIII 53, 5. Nep. Eum. 5). A. suchte nun zunächst vor allem die Satrapien des westlichen Kleinasiens, die nicht zu seiner Verfügung standen, sich zu unterwerfen. Gegen Arridaios, den Statthalter [2408] des hellespontischen Phrygien, sandte er ein Heer, gegen Lydien, dessen Satrap Kleitos nach Makedonien zu Polysperchon floh, zog er selbst und gewann Ephesos und eine Reihe von andern Städten im Westen Kleinasiens (Diod. XVIII 52). Im Bündnis mit Kassandros, der zu ihm nach Asien gekommen war, um seine Unterstützung gegen den Reichsverweser Polysperchon zu erlangen, und mit Ptolemaios suchte er nun vor allem Eumenes, der wieder offen für die Sache des Königshauses aufgetreten und von Polysperchon zum Strategen für ganz Asien ernannt und somit Nebenbuhler des A. in seiner eigentlichen Stellung geworden war, zu bekämpfen (Diod. XVIII 58ff.). Durch einen glänzenden Seesieg, den er in der Nähe von Byzantion über Kleitos, der von Polysperchon zum Befehlshaber der königlichen Flotte ernannt worden war, davontrug (Diod. XVIII 72. Polyaen. IV 6, 8), gewann er das Übergewicht zur See und sicherte sich zugleich den Rücken, um in entscheidender Weise Eumenes angreifen zu können. Er brach nach Kilikien auf und setzte von da den Marsch gegen Eumenes fort, der auf diese Kunde die Weiterführung der von ihm in Phoinikien begonnenen Unternehmungen aufgab und, in der Absicht, sich mit den Satrapen der östlichen Provinzen zu verbinden, nach Babylonien marschierte und hier überwinterte. A. nahm die Winterquartiere in Mesopotamien, 318/7, verstärkte seine Rüstungen und zog dann gegen Eumenes, der unterdessen in Susiana seine Vereinigung mit den Statthaltern der oberen Landschaften bewerkstelligt hatte (Diod. XVIII 73. XIX 12ff. 15, 6. 17, 1ff.). Nachdem A. sich mit Seleukos und Peithon, den Satrapen von Babylonien und Medien, verbunden hatte, marschierte er im Hochsommer 317 (Diod. XIX 18, 2) gegen die Feinde, vermochte aber seine Absicht, den Übergang über den reissenden Fluss Kopratas (den heutigen Dizful) zu erzwingen, nicht durchzuführen, sondern wandte sich nordwärts nach Medien, auf dem kürzesten Wege durch das Gebiet der räuberischen Kossaier, welche seinem Heere bei dem Durchmarsche beträchtliche Verluste zufügten (Diod. XIX 18ff. Plut. Eum. 14; über die Wege von Susiana nach Medien vgl. Spiegel Eran. Altertumsk. I 117. III 16f.). Von da zog er dem Eumenes, der sein Heer von Susiana nach Persis geführt hatte, entgegen, wahrscheinlich auf der Strasse, die von Ekbatana über Aspadana (Ispahan) nach Persepolis führt. In der Landschaft Paraitakene kam es zu einer unentschiedenen Schlacht (Diod. XIX 27ff. 34, 7. Nep. Eum. 8, 1). A. bezog darauf in Gadamarta in Medien Winterquartiere (317/6), Eumenes in Gabiene. Die Lage von Gadamarta und Gabiene, das trotz Ungers Widerspruch (Philolog. XXXVII 538, 7) doch wohl mit der von Strabon XV 744f. erwähnten Landschaft identisch ist, lässt sich nicht genau fixieren (vgl. Spiegel III 18, 1 und 2. Droysen II 1, 278, 1. 285, 2). A. griff nun, durch die Wüste marschierend, Eumenes um die Wintersonnenwende 317 (Diod. XIX 37, 3) an; durch einen glücklichen Reiterkampf und einen erfolgreichen Überfall des feindlichen Lagers wurde in dem Heere des Eumenes eine solche Wirkung hervorgebracht, dass die an sich siegreichen Argyraspiden ihren Oberfeldherrn an A. auslieferten, Anfang 316 (Diod. XIX 37ff. Polyaen. IV 6, 11. 13. Plut. Eum. [2409] 15. Nep. Eum. 8f.). Die Chronologie dieser Ereignisse, welche Unger Philol. XXXVII 524ff. aufgestellt hat (vgl. auch S.-Ber. Akad. Münch. 1878 I 381f.), ist unhaltbar; vgl. auch Volquardsen Jahresber. XIX 117f. A. liess, dem Drängen seines Heeres nachgebend, den Eumenes töten; die Argyraspiden, deren Unbotmässigkeit er fürchtete, suchte er durch ihre Verteilung auf einzelne gefährdete Posten unschädlich zu machen. Das gleiche Schicksal, wie Eumenes, hatte Peithon, der Satrap von Medien, der dem A. wertvolle Dienste geleistet hatte, den dieser aber wegen seiner ehrgeizigen Pläne fürchtete (Diod. XIX 46. Polyaen. IV 6, 14). Nach Beendigung des Winterlagers in Medien zog A. nach Persis, nahm hier, um die Landschaften des Ostens sich zu sichern, eine neue Verteilung der Satrapien vor, wobei er dem Satrapen von Persis, Peukestes, der bei den Persern in besonderer Gunst stand, seine Satrapie nahm; mehrere der Statthalterschaften vergab er an Eingeborene (Diod. XIX 46, 5. 55, 1). Über Susiana marschierte er dann nach Babylon; hier kam es zu einem Zerwürfnis mit Seleukos, infolge dessen dieser zu Ptolemaios nach Ägypten floh. A. bezog nach Neubesetzung der Satrapie Babylonien die Winterquartiere (316/5) in Kilikien, wo vor allem auch der Königsschatz in Kyinda in seine Hände fiel (bald nach dem Frühuntergang des Orion, Anfang December 316. Diod. XIX 56, 5). Er konnte sich jetzt als unumschränkten Gebieter von Asien betrachten, wie er denn auch schon verschiedentlich königliche Ehren empfangen hatte. Gegen diese drohende Übermacht des A. bildete sich nun aber ein Bündnis zwischen Ptolemaios, auf den besonders Seleukos eingewirkt hatte, Kassandros und Lysimachos, dem sich auch Asandros anschloss. Die Forderungen der Verbündeten, die auf eine gemeinsame Verteilung der Provinzen und des Königsschatzes lauteten, wies A. ab und traf umfassende Vorbereitungen zum Kriege gegen seine Gegner, Anfang 315 (Diod. XIX 56f.; vgl. auch 85, 3. Appian. Syr. 53. Iust. XV 1, 1ff.). Er machte fast die ganze phoinikische Küste sich unterthänig, liess in verschiedenen Häfen grosse Flottenbauten ausführen und gewann in Griechenland Polysperchon und dessen Sohn Alexandros für sich. Im Besitze des phoinikisch-syrischen Landes und in Verbindung mit der mächtig aufstrebenden Insel Rhodos konnte er hoffen, auch zur See, wo Seleukos an der Spitze einer bedeutenden feindlichen Flotte erschienen war, Herr zu werden. Die einzige Stadt, die ihm an der Küste noch Widerstand leistete, Tyros, musste sich nach einer Belagerung von 1 Jahr und 3 Monaten ergeben (gegen Herbst 314). Indem er die griechischen Staaten für frei erklärte, suchte er einen allgemeinen Abfall von Kassandros zu bewirken und zugleich das moralische Gewicht, welches die Parteinahme und Sympathien der Hellenen immer noch den Machthabern gewährten, für seine Sache in die Wagschale zu werfen (Diod. XIX 58ff. 74, 1ff.; vgl. auch Plut. Demetr. 8). Die nächste Zeit, vornehmlich das J. 313, brachte dem A. bedeutende Fortschritte seiner Herrschaft. Karien, die Satrapie des Asandros, wurde unterworfen; auch die hellenischen Städte in Kleinasien wurden zum Teil für frei erklärt (Diod. XIX 75, 1ff.; vgl. auch Dittenberger Syll. 166, 23); in Griechenland [2410] verbündeten sich namentlich die Aitoler und Boioter, die über die Neugründung Thebens durch Kassandros erbittert waren, mit A. (Diod. XIX 75, 6), sein Feldherr Ptolemaios gewann vor allem in Hellas bedeutende Erfolge und setzte die Befreiung griechischer Städte von den makedonischen Besatzungen fort, 313 und vielleicht noch 312 (Diod. XIX 77); Rhodos schloss zu diesem Zwecke ein förmliches Bündnis mit A.; persönliche Verhandlungen mit Kassandros, denen früher solche mit Ptolemaios vorangegangen waren, scheiterten an den Forderungen des A., der nicht diese Feldherrn Alexanders als selbständige Mächte neben sich anerkennen wollte (Diod. XIX 75, 6; vgl. 64, 8). Die Versuche dagegen, die A. gemacht hatte, auch die griechischen Städte an der Westküste des Pontos im Kampfe um die Unabhängigkeit gegen Lysimachos zu unterstützen, waren misslungen (Diod. XIX 73). Die Absicht, selbst nach dem europäischen Kriegsschauplatz überzusetzen, gab er auf, besonders weil die Byzantier in dem Kampfe zwischen ihm und Kassandros und Lysimachos ihre Neutralität aufrecht erhielten, und bezog, wohl, wie im Jahre zuvor (Diod. XIX 69, 2), in Kelainai in Phrygien die Winterquartiere (313/2, Diod. XIX 77, 7; vgl. 93, 4). Die abweichende Chronologie dieser Vorgänge, wie sie Unger S.-Ber. Akad. Münch. 1878 I 383ff. aufzustellen versucht hat, ist nicht begründet; der Versuch dieses Gelehrten, eine zweimalige Absicht des A., nach Europa überzusetzen, Frühling 312 und Anfang Winters d. J. nachzuweisen, ist meines Erachtens nicht gelungen.

Im J. 312 erlitt die Sache des A. einen schweren Schlag durch den Sieg, welchen Ptolemaios und Seleukos über seinen in Syrien zurückgebliebenen Sohn Demetrios bei Gaza gewannen (Frühjahr 312; vgl. Diod. XIX 80, 5: μεταπεμψάμενος τοὺς ἐκ τῆς χειμάσιας στρατιώτας). Die Folge dieser Niederlage war der Verlust fast der gesamten syrisch-phoinikischen Küste und, was noch wichtiger war, die Begründung der Herrschaft in Babylonien durch Seleukos. Doch trug Demetrios in demselben Jahre einen Sieg über ein Heer des Ptolemaios bei Myus in Syrien davon; er vereinigte sich dann mit seinem Vater, und das Küstenland fiel wieder in die Gewalt des A. zurück; eine Expedition, die in seinem Auftrage noch in diesem Jahre Demetrios gegen die Nabataeer in Arabien unternahm, blieb hingegen resultatlos (Diod. XIX 93ff. Plut. Demetr. 6f. Appian. Syr. 54), und ebenso hatte ein in der Abwesenheit des Seleukos nach Babylonien unternommener Zug des Demetrios nicht den gewünschten Erfolg (Diod. XIX 100, 4ff. Plut. Demetr. 7). Im J. 311 kam es zwischen Ptolemaios, Kassandros, Lysimachos und A. zu einem Frieden, in dem dem Kassandros die Strategie von Europa bis zur Mündigkeit Alexanders, des Sohnes der Roxane, dem Lysimachos die Herrschaft über Thrakien, dem Ptolemaios Ägypten und die angrenzenden Gebiete, dem A. die Strategie für ganz Asien zuerkannt wurde (Diod. XIX 105, 1). Die kurze Dauer dieses Friedens, der vielmehr ein Waffenstillstand war, war abgesehen vom Ehrgeize des A., der ohne Zweifel die herrschende Stellung in der gesamten Alexandermonarchie beanspruchte, vor allem in der Nichtberücksichtigung des Seleukos und der Bestimmung, den griechischen Staaten völlige Autonomie zu gewähren, begründet. Die [2411] bald darauf durch Kassandros erfolgte Beseitigung der Roxane und ihres Sohnes Alexander, der später noch die Ermordung des Herakles, des Sohnes der Barsine, folgte, befreite die Machthaber von der Rücksicht auf das Königshaus, doch brachte der Untergang des Geschlechtes Alexanders mehr den Gegnern des A. als diesem selbst Vorteil, da auf dem Königshause doch immer noch in gewissem Sinne die Einheit des ganzen Reiches, auf dessen Beherrschung der Ehrgeiz des A. gerichtet war, beruht hatte. Im J. 310 begann der Krieg von neuem; die Eröffnung der Feindseligkeiten ging, wie es scheint, von Ptolemaios aus (Diod. XX 19, 3). Die scharfsinnige Vermutung von Droysen II 2, 74ff., dass im J. 311 ein förmlicher Krieg des A. mit Seleukos in Babylonien geführt worden sei, hat doch zu wenig positiven Anhalt. Die Erwerbungen des Ptolemaios in Kilikien waren nicht von Dauer (Diod. XX 19, 4f.). Dagegen erlitt die Macht des A. eine grosse Schädigung durch den Abfall seines Strategen Ptolemaios zu den Gegnern, und in Griechenland gewann der ägyptische Herrscher grosse Erfolge (Diod. XX 19, 2. 27. 37, 1f. Plut. Demetr. 15). Im J. 307 sandte A. seinen Sohn Demetrios mit bedeutender Macht nach Griechenland, um die Befreiung der griechischen Staaten durchzuführen (vgl. auch Plut. apophth. Antig. 16). Damals scheint dieser zu diesem Zwecke einen Vertrag mit Ptolemaios geschlossen zu haben, der aber nicht von langer Dauer war (Suid. s. Δημήτριος. Koehler S.-Ber. Akad. Berl. 1891, 207ff.). Demetrios stürzte in Athen das Regiment des Phalereers Demetrios und stellte die alte Verfassung wieder her, wofür die Athener ihm wie seinem Vater A. die überschwenglichsten Ehren zugestanden (Diod. XX 46. Polyaen. IV 7, 6. Plut. Demetr. 10ff.; gegen die Übertreibungen Plutarchs vgl. Köhler CIA II p. 126. Kirchhoff Herm. II 161ff.). Der Befreiung Athens folgte die von Megara (ungefähr August 307; vgl. Philoch. frg. 144). A. gab seinem Sohne den Auftrag, ein Synedrion der verbündeten hellenischen Staaten zu berufen (Diod. XX 46, 5), nachdem, wie es scheint, schon Ptolemaios mit dem Versuch einer Wiederbelebung der panhellenischen Institutionen in Anknüpfung an den korinthischen Bund vorangegangen war (vgl. Suid. a. O. Koehler Monatsber. Akad. Berl. 1891, 209). Dann aber berief A. Demetrios plötzlich aus Griechenland ab, um die Insel Kypros, die völlig unter die Herrschaft des Ptolemaios geraten war, von diesem loszureissen. Demetrios schlug zunächst den Strategen des Ptolemaios, belagerte dann Salamis und gewann über den aus Ägypten selbst herbeigeeilten Ptolemaios bei dieser Stadt einen entscheidenden Seesieg, der die Unterwerfung der ganzen Insel zur Folge hatte (wohl noch im J. 307). A., der unterdessen am Orontes an der Stelle des späteren Antiocheia das zur Hauptstadt seines Reiches bestimmte Antigoneia gegründet hatte, nahm nun für sich und seinen Sohn Demetrios den Königstitel an; seine Gegner folgten seinem Beispiele (Diod. XX 47–53. Plut. Demetr. 15ff. Appian. Syr. 54).

Nach der Unterwerfung von Kypros unternahm A. im J. 306 einen Feldzug gegen Ägypten, das unter der Herrschaft des Ptolemaios seit Alexanders Tode der Mittelpunkt und die Hauptstütze [2412] aller auf die Gründung von Sonderherrschaften gerichteten Bestrebungen gewesen war. Die Resultatlosigkeit des Unternehmens (Diod. XX 73ff. Paus. I 6, 6) bedeutete einen grossen Erfolg eben dieser Tendenzen. Ich schliesse mich hier im wesentlichen der von Unger S.-Ber. Akad. Münch. 1878 I 392ff. gegen Droysen aufgestellten Chronologie an. Diodor XX 76, 5 scheint doch entschieden darauf hinzuweisen, dass der ägyptische Feldzug noch in die Zeit der Anschwellung des Nils fiel, und es ist somit 73, 3 vom Spätuntergang der Plejaden Anfang April zu verstehen, die Worte 74, 3: κατὰ τὰς χειμερίους περιστάσεις etwas weiter zu fassen und das gesamte Unternehmen in das Frühjahr und den Sommer 306 zu setzen; vgl. auch Volquardsen Jahresber. XIX 73.

In den J. 305 und 304 übertrug A. seinem Sohne Demetrios die Führung des Krieges gegen Rhodos, welches, bisher im Bunde mit A., sich geweigert hatte, ihn bei der Unterwerfung von Kypros gegen Ptolemaios zu unterstützen, und in ähnlicher Weise wie Byzanz seine Neutralität zu behaupten suchte. Nach einjähriger Belagerung schloss Demetrios unter Vermittlung der Aitoler mit den Rhodiern, die namentlich von Ptolemaios Hülfe empfangen hatten, einen Frieden, der ihnen ihre volle Autonomie gewährleistete und die Aufrechterhaltung ihres freundschaftlichen Verhältnisses zu Ptolemaios zusicherte (Diod. XX 81–88. 91–99. Plut. Demetr. 21f. Paus. I 6, 6). Die Entwickelung der Angelegenheiten in Griechenland, die Fortschritte, die hier Kassandros in Verbindung mit Polysperchon gemacht hatte, liessen dem A. die Anwesenheit des Demetrios dort als notwendig erscheinen; vor allem riefen die von Kassandros arg bedrängten Athener, die wohl schon durch Geldmittel von A. unterstützt worden waren (Koehler Athen. Mitt. V 273. Dittenberger Syll. 130, 7), seine Hülfe an. Demetrios führte von 304–302 in einem grossen Teile Griechenlands die Befreiung der Staaten durch, vertrieb die Besatzungen des Kassandros (Diod. XX 100, 5ff. 102f. Plut. Demetr. 23. 25), und es wurde ihm sogar, Ende 303 oder Anfang 302, die Hegemonie von Hellas und die Führung des Krieges gegen Makedonien übertragen (Plut. a. O. 25. Diod. XX 106, 1; die genauere Chronologie ergiebt sich aus Plut. Demetr. 26). Kassandros geriet in solche Bedrängnis, dass er mit A. Unterhandlungen einleitete, die aber an dessen Starrsinn scheiterten; er verband sich nun mit Lysimachos, und beide gewannen die Zusicherung des Seleukos und Ptolemaios, an dem Kriege gegen A. teilzunehmen. Lysimachos begann, von einem Hülfsheer des Kassandros unterstützt, im J. 302 die Unternehmungen in Kleinasien mit einer Reihe von Erfolgen im nordwestlichen und westlichen Kleinasien, wobei der Abfall mehrerer Feldherrn des A. selbst nicht unwesentlich mitwirkte. A. verliess auf diese Nachrichten seine Hauptstadt am Orontes, überschritt den Tauros und zog den Feinden entgegen, die aber dem von A. gewünschten offenen Kampfe auswichen und erst die Ankunft ihrer Verbündeten abwarten wollten. Auf die Kunde von der bevorstehenden Verstärkung der gegnerischen Streitkräfte, namentlich durch Seleukos, sandte A. seinem Sohne Demetrios, welcher in Thessalien in der Nähe von Pherai dem Kassandros gegenüberstand, den Befehl, sich mit [2413] ihm in Kleinasien zu vereinigen. Demetrios schloss einen Vertrag mit Kassandros und setzte mit ansehnlicher Macht nach Kleinasien über, wo er im Winter 302/1 ankam (Diod. XX 111, 3). Seleukos vereinigte sich in Kleinasien mit Lysimachos, während Ptolemaios auf falsche Nachrichten von einer Niederlage seiner Verbündeten aus Koilesyrien nach Ägypten zurückkehrte (Diod. XX 106–113). Im J. 301 kam es in Phrygien bei Ipsos zur Entscheidungsschlacht, in welcher A. Herrschaft und Leben verlor (Plut. Demetr. 28ff. Diod. XXI frg. 2ff. Appian. Syr. 55. Plut. Pyrr. 4; die Zeit der Schlacht lässt sich nicht genau angeben, da hier Diodors zusammenhängender Bericht abbricht, sondern nur ungefähr aus Diod. XX 113, 5 erschliessen). Über die Lage von Ipsos vgl. Hierokl. synekd. 26. Mannert Geogr. d. Gr. u. Röm. VI 3, 108; Ramsay Asia Min. 140. 434 setzt es gleich Iulia.

Litteratur: Droysen Hellenismus III 1. 2. Spiegel Eran. Altertumsk. III. Reuss Hieronymos von Kardia 1876. Schubert Jahrb. f. Philol. Suppl. IX 647ff. Unger S.-Ber. Akad. Münch. 1878 I 368ff.
[Kaerst.]

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