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Agenor (Ἀγήνωρ, -ορος). 1) Ein Herrschername allgemeiner Bedeutung, der es nicht zu mythischer Persönlichkeit, sondern nur zu genealogischer Existenz gebracht hat. Zu Hause in der argivischen Sage, kam er früh mit argivischen Colonisten nach dem Osten und von hier als Ahnherr phoinikischer Colonisten nach dem Mutterlande zurück. Die genealogische Construction unterschied zahlreiche Träger des Namens. Die ursprünglichsten sind jedenfalls die peloponnesischen: In Argos, aus dem Geschlecht des Phoroneus, a) nach Apollodor II 1, 2 (Hyg. fab. 145) Sohn des Ekbasos (Phoroneus-Niobe-Argos I-Ekbasos-Agenor), Vater des Argos Panoptes (-Iasos-Io); b) nach Paus. II 16, 1ff. sind Söhne von Argos I Peirasos und Phorbas, Sohn des Phorbas Triopas, Söhne des Triopas Iasos und Agenor(-Krotopos-Sthenelas-Gelanor, von Danaos abgesetzt); c) nach Hellanikos frg. 37 (Schol. und Eustath. zu Il. III 75) Sohn des Triopas, Bruder des Pelasgos und Iasos. Erinnerung an das argivische Stemma ist es, wenn Apollodor III 5, 6 einen Sohn des Amphion und der Niobe A. nennt.

[774] Wahrscheinlich von Argos aus gelangt der Name d) nach Arkadien, wo nach Apollodor III 7, 5 A., ein Sohn des Phegeus, seine verlassene Schwester Arsinoe an Alkmaion rächt; e) nach Achaia, wo nach Paus. VII 18, 3 der Grossvater des Patreus, ein Enkel des Areus, A. heisst.

Auch in die aetolische Genealogie ist, ungewiss wie alt, A. mehrfach verflochten: f) Nach Asios (Codd. Areios) bei Paus. III 13, 5 ist A. Sohn des Pleuron, Vater des Thestios, Grossvater der Leda, nach Apollodor I 7, 7 ist er Enkel des Aitolos, Sohn des Pleuron und Vater des Porthaon und der Demonike, Grossvater des Thestios (von Ares). Wahrscheinlich ist hier für Demonike Demodoke zu lesen (Demodike in den Schol. Apollon. Rhod. I 146), dann würde hierher Hesiod. frg. 58 Rz. gehören (Schol. B zu Il. XIV 200. Od. I 98), wo eine sonst unbekannte vielumfreite Tochter des A., Demodoke, vorkommt (die Verse gehören trotz des ausdrücklichen Katalogcitats wohl zu einer Eoee; auch Stoll in Roschers Mythol. Lexikon hat die Combination gemacht unter Demodike und Demodoke, aber nicht unter A.). Nach Hygin fab. 244 heisst ein Sohn des Thestios, Oheim des Meleagros, wieder A. Die Schol. zu Eur. Phoen. 160 nennen den Argiver Talaos einen Sohn des A. (Sohnes des Kalydon, Enkels des Pleuron).

g) Durch die Wanderungen der argivischen Io wird dann A. in verjüngter Auflage nach Ägypten und Phoinikien verpflanzt, und von hier aus wieder Urheber der angeblichen phoinikischen Colonieen in Griechenland. Schon Hesiod erzählte diese Sage in den Katalogen ausführlich, welche bei Späteren mit zahlreichen aber unwesentlichen genealogischen Abweichungen häufig erwähnt wird. Vgl. über die orientalischen Stemmata Hesiods E. Maass De Aeschyli Supplicibus. Greifsw. 1890 p. 31ff. Nach Hesiod. frg. 56 Rz. (Schol. Apollon. Rhod. II 178) war A. Vater des Phoinix und Grossvater des Phineus (der nach Hellanikos frg. 38 sein Sohn war). Nach Apollodor II 1, 4 und III 1, 1 (Schol. Il. I 42) zeugt Epaphos, der Sohn der Io von Zeus, mit der Memphis die Libye, diese gebiert von Poseidon A. und Belos, A. zeugt mit Telephassa die Europa, den Kadmos, Phoinix und Kilix, nach Hellanikos a. a. O. ausserdem den Phineus, nach Paus. V 25, 7 (nach Euripides) noch den Thasos. Nach der geraubten Europa sendet A. die Söhne aus, welche unverrichteter Sache nicht zurückzukehren wagen, Kadmos gründet Theben, die andern die nach ihnen benannten Reiche. Euripides im Phrixos (frg. 819 Nauck²) scheint Kilix, Phoinix und Thasos als Söhne genannt zu haben, Herodot IV 147 und VII 91 erwähnt die phoinikische Colonisation von Thera durch Membliaros, einen Verwandten des Kadmos, und Kilikiens durch Kilix, seinen Bruder. Nach den Schol. zu Eur. Phoen. 247 ist A. Sohn, nicht Bruder, des Belos und infolge dessen Bruder, nicht Vater, des Phoinix, beide Söhne der Io. Als Gemahlin des A. erscheint statt Telephassa auch Argiope oder Antiope oder Tyro, als sein Sohn neben den andern auch Syros (Hyg. fab. 178. 179. Johannes Antioch. bei Müller FHG IV p. 544, 15). Ein abweichendes altes Stemma hat [775] Pherekydes frg. 40 in den Scholien zu Apollon. Rhod. III 1185: A. zeugt mit Damno, der Tochter des Belos, den Phoinix und die Isaie, welche Aigyptos, und die Melie, welche Danaos heiratet, dann zeugt er mit Argiope, der Tochter des Neilos, den Kadmos. Nach Hyg. fab. 170 ist Agenor Aigyptide mit der Danaide Euippe, nach Apollodor II 1, 5 mit der Danaide Kleopatra vermählt. Nach Serv. Aen. I 338. 641 ist A. auch Ahnherr der Dido. Buttmann (Mythologus I 232ff.) nahm die östliche Herkunft des A. als ursprünglich, fasste auch den Namen (= Χνᾶς) als semitisch und identisch mit Kanaan. Es kann aber als sicher betrachtet werden, dass die bisher besprochenen Träger des Namens im Grunde identisch sind, dass der Heros jedenfalls peloponnesisch-griechischen Ursprungs ist und wahrscheinlich von Argos aus nach Arkadien und Aitolien und auch nach dem Osten und von dort zurück gewandert ist, wenn auch in sehr früher Zeit, ganz ähnlich wie Phineus.

h) Sohn des Akestor, Nachkomme des Aias, Vorfahr des Miltiades, den Pherekydes bei Marcellinus V. Thuk. § 2 (frg. 20) erwähnt. Rein dichterischen Ursprungs endlich ist i) der A. der Ilias, einer der zahlreichen Söhne des Troers Antenor und der Theano (über diesen vgl. v. Sybel Mythologie der Ilias s. v.). Er ist einer der tapfersten Troer, aber ohne mythisch bedeutsame Thaten. IV 467 tötet er den Abanten Elephenor, XXI 596 stellt er sich dem Achilleus, wird von Apollon gerettet, der dann in seiner Gestalt Achilleus von Hektor ablockt. In der kleinen Ilias des Lesches verwundet er Lykomedes, Sohn des Kreon, und fällt selbst von Neoptolemos (frg. 12 und 15 Kinkel = Paus. X 25, 5 und 27, 1). Seinen (?) Sohn Echeklos tötet Achilleus Il. XX 474. Ein schwindelhaftes Autoschediasma ist A. Vater des Sipylos bei Ps.-Plutarch de fluv. 9, 4.
[Dümmler.]

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