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Pharos von Ostia

Ostia Antica war einst als Ostia die ursprüngliche Hafenstadt des antiken Rom und möglicherweise dessen erste Kolonie. Die Ruinen der Stadt liegen ca. 23 km südwestlich von Rom an der Mündung des Tiber. Der Name Ostia leitet sich von lat. os, „die Mündung“ bzw. von ostium, „der Eingang“, womit die Tibermündung gemeint ist, ab.

Geschichte

Ostia wurde nach einer marmornen Inschrift des 2. Jahrhunderts n. Chr. vom vierten König von Rom, Ancus Marcius, im 7. Jahrhundert v. Chr. als erste römische Kolonie gegründet.[1] Die bisherigen archäologischen Befunde reichen allerdings nicht weiter als in das 4. Jahrhundert v. Chr. zurück; die ältesten erhaltenen Gebäude wie etwa das Castrum (Militärlager) und das Capitol datieren aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.

Ostia war ursprünglich ein Militärlager, von dem aus sowohl Rom geschützt und verteidigt als auch der Seehandel kontrolliert werden konnte. Mit letzterem entwickelte sich das Militärlager bald zur Hafenstadt und zu einem starken Stützpunkt der Flotte Roms. Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. war es einer der Haupthafen Roms und wird in dieser Funktion mehrmals in historischen Berichten genannt. So wurde 217 v. Chr. die Versorgung der Armee gegen Hanibal in Spanien von Ostia aus verschifft und 211 v. Chr. fuhr von hier Gnaeus Cornelius Scipio Calvus nach Spanien um gegen die Karthager zu kämpfen. Im Jahr 87 v. Chr. wurde die Stadt im Bürgerkrieg von Gaius Marius und seinen Soldaten geplündert. Unter Augustus setzte eine verstärkte Bautätigkeit ein. Unter ihm wurde ein erstes Theater und ein daneben liegender Geschäftsplatz erbaut. Unter Tiberius wurde das Forum eingerichtet. Bereits um die Zeitenwende verlandete das Meer vor Ostia. Unter Claudius wurde schließlich ein großer, künstlicher Seehafen gegraben, der im Jahr 54, unter Nero eingeweiht wurde. Der Hafen wurde unter Trajan erweitert. Obwohl dieser Hafen (Portus) in einiger Entfernung von der eigentlichen Stadt lag, führte er nicht dazu, dass Ostia verlassen wurde oder sich das Zentrum der Stadt verschob. Beim Hafen befanden sich zunächst anscheinend nur Lagergebäude und Verwaltungseinheiten, während Ostia das eigentliche städtische Zentrum blieb.



Geschichte

Ostia wurde nach einer marmornen Inschrift des 2. Jahrhunderts n. Chr. vom vierten König von Rom, Ancus Marcius, im 7. Jahrhundert v. Chr. als erste römische Kolonie gegründet.[1] Die bisherigen archäologischen Befunde reichen allerdings nicht weiter als in das 4. Jahrhundert v. Chr. zurück; die ältesten erhaltenen Gebäude wie etwa das Castrum (Militärlager) und das Capitol datieren aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.

Ostia war ursprünglich ein Militärlager, von dem aus sowohl Rom geschützt und verteidigt als auch der Seehandel kontrolliert werden konnte. Mit letzterem entwickelte sich das Militärlager bald zur Hafenstadt und zu einem starken Stützpunkt der Flotte Roms. Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. war es einer der Haupthafen Roms und wird in dieser Funktion mehrmals in historischen Berichten genannt. So wurde 217 v. Chr. die Versorgung der Armee gegen Hanibal in Spanien von Ostia aus verschifft und 211 v. Chr. fuhr von hier Gnaeus Cornelius Scipio Calvus nach Spanien um gegen die Karthager zu kämpfen. Im Jahr 87 v. Chr. wurde die Stadt im Bürgerkrieg von Gaius Marius und seinen Soldaten geplündert. Unter Augustus setzte eine verstärkte Bautätigkeit ein. Unter ihm wurde ein erstes Theater und ein daneben liegender Geschäftsplatz erbaut. Unter Tiberius wurde das Forum eingerichtet. Bereits um die Zeitenwende verlandete das Meer vor Ostia. Unter Claudius wurde schließlich ein großer, künstlicher Seehafen gegraben, der im Jahr 54, unter Nero eingeweiht wurde. Der Hafen wurde unter Trajan erweitert. Obwohl dieser Hafen (Portus) in einiger Entfernung von der eigentlichen Stadt lag, führte er nicht dazu, dass Ostia verlassen wurde oder sich das Zentrum der Stadt verschob. Beim Hafen befanden sich zunächst anscheinend nur Lagergebäude und Verwaltungseinheiten, während Ostia das eigentliche städtische Zentrum blieb.

Ostia erlebte vor allem im 2. Jahrhundert seine größte Blüte. Aus dieser Periode stammen die meisten öffentlichen, aber auch privaten Gebäude. Die Hafenstadt hatte in dieser Zeit circa 50.000 Einwohner. Gerber, Seilmacher, Schiffbauer und Händler ließen sich in der Hafenstadt nieder. Wichtigstes Handelsgut war Getreide, das aus Afrika nach Rom eingeführt wurde. Mit Beginn der 3. Jahrhunderts setzte eine gewisse Stagnation ein. Der Niedergang beschleunigte sich, als Kaiser Konstantin Ostia 314 die Stadtrechte nahm und es zusammen mit Portus, das sich zur eigenständigen Stadt entwickelt hatte, der Stadt Rom als Portus Romae eingemeindete.

Seit der Antike war Ostia Bischofssitz (z. B. Gerald von Ostia). Die Mutter des heiligen Augustinus von Hippo, Monika starb dort 388 auf der Heimreise nach Nordafrika. Augustinus gibt in diesem Zusammenhang eine Beschreibung des Lebens im antiken Ostia in seinen Confessiones. Aus alter Tradition befindet sich in Ostia die Titelkirche des Dekans des Kardinalskollegiums, des Kardinalbischofs von Ostia.


In der Völkerwanderungszeit war Ostia kaum mehr bewohnt. Einige hundert Meter östlich entstand im 9. Jahrhundert an Tiber und Via Ostiense unter Papst Gregor IV. ein neuer befestigter Vorort Gregoriopoli zur Bewachung von Flussmündung und Straße, der im 15. Jahrhundert durch eine Burg verstärkt wurde, die als Zollstätte für den neubelebten Handel diente. Da jedoch der Tiber bei einer großen Überschwemmung 1557 seinen Flusslauf verlagerte, wurde auch Gregoriopoli bedeutungslos. In der Folge verlegte man die Zollstelle an das westliche Ende des antiken Ostia. Die Torre Bonacina genannte Anlage wurde möglicherweise auf den Resten des antiken Leuchtturms von Ostia errichtet.

1613 ließen die Päpste den über Porto führenden trajanischen Tiberkanal (Fossa Traiana, heute Kanal von Fiumicino genannt), wieder schiffbar machen, worauf Ostia endgültig jede Bedeutung verlor.

Anfang des 19. Jahrhunderts wohnten im Gebiet von Ostia antica nur noch einige hundert Sträflinge, die in der Landwirtschaft eingesetzt wurden.

Das moderne Ostia befindet sich aufgrund von Verlandung unter dem Namen Lido di Ostia etwa 3 km weiter südwestlich am Meer.


Politisches und Kommerzielles Leben in der Stadt

Die städtische Verwaltung von Ostia war ähnlich wie in anderen Städten des römischen Reiches organisiert. An der Spitze standen jeweils zwei für ein Jahr erwählte Duoviri. In der republikanischen Zeit und in der frühen Kaiserzeit dominierten einige wenige anscheinend alteingessene Familien das politische Leben in der Stadt. Ein gewisser Gaius Cartilius Poplicola hielt im 1. Jahrhundert v. Chr. achtmal das Amt des Duovir. In der frühen Kaiserzeit dominierten die Familie des Publius Lucilius Gamala. Mehrere Familienmitglieder, die teilweise identische Namen trugen, besetzten das Amt über drei Generationen (unter Augustus, im Jahr 19, vielleicht im Jahr 33 n. Chr. und unter Hadrian). Im 2. Jahrhundert scheinen immer mehr Freigelassene, wie Marcus Licinius Privatus an Einfluss gewonnen zu haben. Im 4. Jahrhundert hatte Ostia seinen Status als Stadt verloren, war aber der Wohnort einiger bedeutender Senatoren.

Als Hafen von Rom hatte die Stadt aber einige Institutionen, die dieser Stadt eigen waren. Eine dieser Organisationen war die Annona, deren Aufgabe es war, Rom mit Nahrung zu versorgen. Dieses waren privaten Unternehmen, die vom Staat kontrolliert und von diesem später übernommen wurden. An der Spitze der Annona stand der Quaestor, der dem Präfekten der Annona von Rom unterstand. Der Quaestor überwachte die Verschiffung und Verteilung von Waren. Er kontrollierte deren Qualität und arrangierte Zahlungen an private und staatliche Unternehmen.

In der Stadt gab es auch verschiedene Vereinigungen (Corporationes) von Handwerkern, die die Schiffe reparierten, die Speicher unterhielten und andere Aufgaben hatten. Es wird sich dabei aber nicht um Vereinigungen der eigentlichen Handwerker, sondern um Zusammenschlüsse von deren Vorgesetzten gehandelt haben, die ihre Interessen in diesen Vereinigungen vertraten. Sie hatten Versammlungshäuser in der Stadt und hinterließen zahlreiche Inschriften und Monumente


Die öffentlichen Bauten der Stadt

Tempel

Die Stadt besaß eine Reihe von bedeutenden Tempeln. Es kann dabei zwischen eher staatlichen Gotteshäusern wie dem Kapitol und eher privaten Anlagen wie den zahlreichen Mithräen unterschieden werden.

Der bedeutendste Tempel von Ostia war sicherlich das Kapitol, das den römischen Hauptgöttern Jupiter, Juno und Minerva geweiht war. Es befindet sich im Stadtzentrum, nördlich vom Forum. Der Bau wurde unter Hadrian errichtet und misst 35 × 15,5 m. Er war wohl immer sichtbar und hat deshalb auch stark unter Steinraub gelitten. Schon für das 15. Jahrhundert gibt es Berichte, dass Marmor von dort fortgetragen wurde. Der Tempel stand auf einem hohen Podium. 21 Stufen führten zu dem eigentlichen Tempel hinauf. Vor ihm stand ein marmorner Altar mit einen Waffenfries.

Der Tempio Rotondo („Rundtempel“) wurde schon 1802 bis 1804 ergraben und ist heute leider schlecht erhalten. Er besteht aus einem großen Vorhof und dem eigentlichen Tempelbau, der rund angelegt ist. Der Tempel wurde wohl unter Severus Alexander (222-235 n. Chr.) oder Gordian III. (238–244 n. Chr.) errichtet. Sein prominenter Ort in der Mitte der Stadt und seine Größe lassen keinen Zweifel daran, dass es ein wichtiger Tempel der Stadt war. Im runden Tempel befinden sich sieben Nischen, sicherlich für Statuen. Im Tempel wurden Plastiken von Severus Alexander und Gordian III. gefunden, so dass vermutet wurde, dass der Bau dem Kaiserkult diente.


Thermen

Als große Stadt hatte Ostia eine Reihe von bedeutenden Thermenanlagen, die teilweise reich mit Marmor, Mosaiken und Skulpturen ausgestattet waren. Einige von ihnen scheinen sogar durch kaiserliche Unterstützung erbaut worden zu sein. Vielerorts kann beobachtet werden, dass Thermen getrennte Bereiche für Männer und Frauen hatten; dies ist bisher für keine dieser Anlagen in Ostia belegt.

Die größten Thermen, in der Mitte der Stadt gelegen, waren die Terme del Foro (Forumsthermen). Sie wurden um 160 n. Chr. vom Prätorianerpräfekten Gavius Maximus erbaut und bis zum Ende des 4. Jahrhunderts mehrmals renoviert. Der Bau war einst reich ausgestattet, die Wände bis zu einer Höhe von drei Metern mit Marmor verkleidet. Die Fußböden hatten schwarz-weiße Mosaiken.

Die Mithrasthermen wurden in hadrianischer Zeit erbaut und im frühen 4. Jahrhundert verändert. Die Wände des Baues waren mit Portraitbüsten dekoriert, die vielleicht die Personen darstellten, die den Bau finanzierten. Besonders gut erhalten sind die unterirdischen Wasserversorgungsinstallationen. Hier stand einst ein großes Rad, das mit einem zweiten verbunden war, an dem Eimer hingen und Wasser aus einer Zisterne in das Bad beförderten. Das Rad wurde von einem Sklaven betrieben, wobei in einer Stunde ca. 1000 Liter Wasser transportiert werden konnten.

Die Thermen des Neptun im östlichen Teil der Stadt sind unter Hadrian erbaut worden, der diesen Bau auch finanziell unterstützte. Sie ersetzten ältere Thermen an der selben Stelle. Der Bau besteht aus dem eigentlichen Bad und einer großen Palästra. Die Thermen des Neptun sind vor allem durch ihre reiche Ausstattung an schwarz-weißen Mosaiken bekannt.

Die Thermae Maritimae (Seebad) liegen etwas außerhalb der Stadtmauern, nahe der Porta Marina. Der Name ist der antike, der in diesem Fall überliefert ist. Der Bau wurde unter Trajan begonnen und unter Hadrian fertiggestellt. Es gibt Belege, dass diese Thermen noch im 6. Jahrhundert n. Chr. im Betrieb waren. Der Bau hat ebenfalls eine Palästra und war reich mit schwarz-weißen Mosaiken dekoriert. Bemerkenswert ist vor allem ein Mosaik mit der Darstellung von Athleten.

Neben diesen großen Thermen gab es noch zahlreiche kleinere, wie z.B. die Thermen der Sieben Weisen, einige von diesen mögen nur privat genutzt worden sein, doch ist dies im Einzelfall oft schwer zu entscheiden.


Das Theater

Das Theater steht am Decumanus Maximus in der Mitte der Stadt. Von einer Inschrift ist bekannt, dass ein erster Bau unter Augustus von Agrippa errichtet wurde. Die Reste des jetzigen Baues stammen aus dem späten 2. Jahrhundert. Eine lange Inschrift berichtet, dass der Bau im Jahr 196 von Septimius Severus und Caracalla renoviert wurde. Das Theater ist aus Ziegeln erbaut. Die halbrunde Fassade orientierte sich auf den Decumanus Maximus. Davor standen zwei Nymphäen, während sich hinter der Fassade im Halbrund unter den Zuschauerreihen 16 Läden befanden. Der Zuschauerraum und der Bühnenbereich waren einst reich mit Marmor verkleidet. Die Orchestra hatte einen marmornen Fußboden und die Bühne fünf Nischen, die auch mit Säulen aus Marmor geschmückt waren. Davon ist heute so gut wie nichts mehr erhalten. Das Theater wurde noch im späten 4. Jahrhundert renoviert. Der Bau in seiner heutigen Form wurde nach der Ausgrabung restauriert und wird weiterhin für Aufführungen genutzt.


Andere öffentliche Gebäude

Das Forum befand sich im Zentrum der Stadt. Es wurde vor allem unter Hadrian an der Stelle eines älteren Forums neu erbaut. Unter Hadrian und später wurde der Platz von vier bedeutenden Gebäuden dominiert. Im Norden stand das Kapitol, im Süden der Tempel der Roma und des Augustus, im Südwesten die Basilika und im Nordwesten die Curia. Der Decumanus Maximus teilte das Forum in zwei Hälften. Der ganze Platz war einst reich mit Statuen geschmückt. Alle angrenzenden Gebäude hatten Säulengänge zum Forum hin.

Westlich des Forums befand sich die Curia, in der sich der Stadtrat (ordo decurionum) traf. Sie bestand aus dem eigentlichen Versammlungssaal (11,50 × 12,00 m) und einem Vestibül mit Säulen aus Granit und einer Treppe mit sieben Stufen. Auf beiden Seiten des Versammlungssaales gab es jeweils einen offenen Korridor, durch den Licht in das Gebäude fiel. Der Bau, dessen Funktion lange in der Forschung umstritten war, ist unter Domitian oder Trajan errichtet worden.

Durch Inschriften sind mehrere Feuer bezeugt, die die Stadt erfassten. Aus diesem Grund gab es eine gut organisierte Feuerwehr. Die Kaserne der kaiserlichen Stadt- und Feuerwache (Caserma dei Vigili) wurde unter Domitian errichtet, unter Hadrian aber völlig neu erbaut. Die Kaserne besteht aus einem großen Hof, der von einer Portikus umgeben ist, hinter der sich wiederum die Räume befinden, in denen die Feuerwehrleute lebten. Zu der Anlage gehörten Latrinen und auch Bäder. An der Westseite des Hofes gegenüber dem Haupteingang stand ein Tempel für den Kaiserkult. Er datiert in das Jahr 207 n. Chr. und war mit Mosaiken ausgestattet. Die Kaserne wurde um 250 n. Chr. aufgegeben.

Der Platz der Corporationen (Piazzale delle Corporazioni (II,VII,4) befindet sich direkt hinter dem Theater und wurde mit diesem unter Augustus erbaut. Er ist ca. 110 × 80 m groß. Der Platz wird von einer Portikus gerahmt, hinter der sich wiederum 70 kleine Räume befinden. In diesen und davor fanden sich viele Mosaiken mit Hinweisen auf Handel. Die Inschriften nennen Corporationen, Schiffer und Händler. In der Mitte des Platzes wurde unter Domitian ein Tempel errichtet. Die Funktion dieser Anlage ist unsicher. Vielleicht handelt es sich um Büros von Organisationen anderer Hafenstädte, in denen der Handel diskutiert und besprochen wurde. Tatsächlich werden in den Inschriften auf den Mosaiken Orte wie Alexandria oder Sabratha genannt.


Speicher

Als Haupthafen von Rom hatte Ostia eine Reihe von großen Speicheranlagen (horreum), in denen Getreide, Wein, Öl und andere Waren zwischengelagert wurden, bevor man sie in die Hauptstadt verschiffte. Die Speicher wurde in der Regel nach dem gleichen Grundmuster erbaut. Es gab einen großen Innenhof mit Säulen, um den sich einzelne Speicherräume befanden. Einige dieser Anlagen hatten wohl mehrere Stockwerke.

Die wichtigsten Speicher, die Grandi Horrea lagen im Zentrum der Stadt und wurden schon unter Claudius errichtet und in der Folgezeit mehrmals renoviert und erweitert. Es ist errechnet worden, dass der ca. 100 × 100 m große Bau 5660 bis 6960 Tonnen Getreide fassen konnte, womit man ca. 17.300 Menschen ein Jahr lang mit Getreide versorgen konnte. Das Gebäude ist heute schlecht erhalten, entspricht aber dem oben genannten Schema, wobei sich auch im Innenhof weitere Speicherräume befanden.

Die Horrea Epagathiana et Epaphroditiana sind eindeutig als Speicher identifiziert, da sich dieser Name auf einer Inschrift über dem Eingang des Gebäudes befindet. Der Bau gehörte den Freigelassenen Epagathus und Epaphroditus und datiert um 145 bis 150 n. Chr. Der Speicher ist vergleichsweise klein, ist aber im Hof mit Mosaiken ausgestattet und besitzt Türen mit ausgeklügelten Verschlusssystemen, so dass hier eventuell wertwolle Waren gelagert wurden. Der Bau ist noch heute gut erhalten.


Wohnbebauung

In Ostia lässt sich besonders gut die Entwicklung der römischen Hausarchitektur von der späten Republik bis in das vierte Jahrhundert verfolgen.

In der späten Republik und frühen Kaiserzeit entsprachen die Häuser in Ostia ungefähr dem Typ, den man auch aus Pompeii als Atriumhaus kennt und der von Vitruv beschrieben wurde. Das Haus des Jupiter, des Donnerers (Domus di Giove Fulminatore) ist eines der wenigen Beispiele aus dieser Zeit. Der Eingang des Hauses wurde von zwei Läden flankiert. Von dort gelangte man in das Atrium mit einem Impluvium aus Marmor. Um das Atrium waren alle Räume des Hauses angeordnet. Das Haus hatte einst auch ein Peristyl, das aber später überbaut wurde. Das Haus wurde mehrmals umgebaut, doch behielt es seinen Grundplan bis in das 4. Jahrhundert.

Am Ende des ersten Jahrhunderts erlebte Ostia den Beginn seiner Blütezeit und viele neue Bürger zogen in die Stadt. Dadurch wurde der Grund und Boden begrenzt und teuer und es wurden neue Haustypen benötigt. Hier ist vor allem die Insula zu nennen. Es handelt sich um ein mehrstöckiges Mietshaus, in dem eine große Zahl an Bewohner untergebraucht werden konnte. Die meisten Atriumhäuser der Stadt wurde nun abgerissen und durch solche Mietshäuser ersetzt. Sie bestehen meist aus mehreren Stockwerken und waren aus Ziegel und Zement erbaut. Während sich das Atriumhaus vollkommen nach innen um das Atrium orientierte und auch von dort das Licht bezog, waren die Mietshäuser durch große Fenster, die auf die Straße schauten, gekennzeichnet. Die Zimmer waren meist entlang eines Ganges angeordnet, wobei größere Wohneinheiten auch oftmals ein besonders großes Zimmer hatten, das sich in der Regel am Ende einer Raumflucht befand. Viele dieser Mietshäuser waren überraschend luxuriös ausgestattet und deuten auf einkommensstarke Bewohner (z. B. Casa dei Dipinti, Domus di Giove e Ganimede). Ärmere Bevölkerungsschichten mögen in einem Zwischengeschoss über ihren Läden, die sich überall finden, oder in den Obergeschossen der Mietshäuser gelebt haben. Gleichzeitig gab es aber weiterhin auch Einzelhäuser (domus) für sehr wohlhabende Familien. Der Plan dieser Bauten entspricht weitestgehend den Atriumhäusern, wobei aber das Atrium nun von einem Peristyl ersetzt wurde.

Die Mietshäuser erlebten in Ostia im zweiten Jahrhundert ihre Blütezeit. Im dritten Jahrhundert scheinen viele Bewohner die Stadt verlassen zu haben. Die Mietshäuser verfielen und wurden nicht weiter repariert oder wieder aufgebaut. Im vierten Jahrhundert wurden wieder zahlreiche neue Wohnbauten errichtet, wobei in dieser Zeit kein Platzmangel mehr herrschte und das Einzelhaus wieder dominierte. Viele von ihnen sind reich ausgestattet und demonstrieren den Wohlstand ihrer Bewohner. Diese Häuser haben meist nur ein Geschoss und orientierten sich ganz nach innen. Typisch sind jetzt vor allem in das Haus gebaute Nymphäen (vgl. Haus von Cupido und Psyche), die fast die Hälfte der Hausfläche einnehmen konnten.


Ausgrabungen

Die Ruinenstadt zählt heute zu den bedeutendsten Ausgrabungsstätten der römischen Welt. Etwa zwei Drittel des antiken Stadtgebietes sind bislang ausgegraben. Man kann die überdurchschnittlich gut erhaltenen Reste des Forums sowie des Theaters, von Thermen, Latrinen, Gräbern, mehrstöckigen Mietshäusern Handelsvertretungen, Bäckereien, Färbereien, Tavernen und Bordellen und der Stadtmauer sowie einen Friedhof vor dem Stadttor an der Via Ostiense nach Rom besichtigen. In vielen Bauten sind noch die Fußbodenmosaiken erhalten.

In der Welthandelsstadt waren viele verschiedene Religionen vertreten, so gab es neben Jupiter, Juno und Minerva geweihten Tempeln auch viele Kultstätten, die dem persischen Gott Mithras (z.B. Mitreo delle Terme del Mitra) geweiht waren, eine jüdische Synagoge und mehrere christliche Gebetsstätten. Außer der längst bekannten christlichen Basilika wurde vor kurzem auch die ursprüngliche Bischofskirche von Archäologen aufgespürt.

Themistokles Zeichnung mit der Themistokles-Herme von Ostia als Vorbild

Das Museum im Ausgrabungsgelände zeigt bedeutende Funde, darunter die Themistokles-Herme von Ostia.



Anmerkungen

  1. ↑ Meiggs, op. cit.: S. 16; siehe auch: Ennius, Annales II, Fragment 22

Literatur

  • G. Calza, G. Begatti: Ostia, Istituto Poligrafico dello Stato, Roma 1977
  • Russell Meiggs: Roman Ostia. 2. Auflage. Clarendon Press, Oxford 1973, ISBN 0-19-814810-0
  • Christer Bruun (Hrsg.): Ostia e Portus nelle loro relazioni con Roma. Inst. Romanum Finlandiae, Rom 2002 (Acta Instituti Romani Finlandiae, 27), ISBN 952-532304-8

Weblinks

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