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Dictator. A. In Rom. Schon die antike Überlieferung ist in Bezug auf die ursprüngliche Veranlassung zur Einführung dieses Amtes wie über Namen und Zeit des ersten Dictators nicht einig, [371] Liv. II 18, 4 nec quo anno nec quibus consulibus .... nec quis primum dictator creatus sit satis constat. Schwegler Röm. Gesch. II 125. Mommsen St.-R. II 141. Nach Livius a. a. O. (danach Cassiod. chron. Eutrop. I 12. Hieron. chron.) nennt die ältere und glaubhaftere Tradition als ersten D. T. Larcius Flavus – das Cognomen ist Rufus beim Chronograph von 354 und Eusebios (Syncellus p. 472) – Consul 253 = 501, Dict. 256 = 498 v. Chr., so auch Cic. de rep. II 56. Dionys. V 71. 73. Anon. (Dio) bei Suid. s. ἵππαρχος. Zonar. VII 14. Euseb. bei Syncell. p. 472. 477, vgl. Varro bei Macrob. Sat. I 8, 1. Andererseits soll es M. Valerius gewesen sein, Sohn des Consul M. Valerius 249 = 505 v. Chr. und Enkel des Volesus Valerius, der aber nicht Consul ward, Liv. II 18, 6. Festus p. 198 s. optima lex. CIL I p. 284. Hinsichtlich der Zeit ist des letztem Dictatur sehr unsicher – O. Müller vermutet zu Festus p. 389 scharfsinnig 253 = 501 v. Chr. –, die des Larcius wird entweder in sein erstes Consulat verlegt (bei Livius und den ihm folgenden Quellen, Eutrop. [s. u.], sowie Joh. Antioch. frg. 45 ἐνάτῳ τῆς ἐλευθερίας ἐνιαυτῷ) oder ein Jahr darnach (so Cic. a. a. O. decem fere annis post primos consules, vielleicht nur eine runde Angabe) oder in sein zweites Consulat (Dionys. a. a. O.) oder auch in das Jahr darnach, Varro bei Macrob. a. a. O., vgl. Liv. II 21, 2. Dionys. VI 1. Trotz dieser Unsicherheit ist zu entnehmen, dass die erste Dictatur in die frühesten Jahre der Republik zu setzen ist. Die Überlieferung macht den Versuch, die erste Dictatur an bestimmte geschichtliche Vorgänge anzuknüpfen, aber die Ansichten über die Veranlassung zur Einführung des Amtes gehen auseinander. Nach Liv. II 18, 3–5 war Ursache die von Latinern und Sabinern drohende Kriegsgefahr, um so mehr als man den Consuln als Anhängern der Tarquinier nicht hätte trauen können (vgl. II 21, 3 A. Postumium, quia collega dubiae fidei fuerit, se consulatu abdicasse; dictatorem inde factum, im Widerspruch zu Dionys. VI 2); ebenso wird bei den von Livius abhängigen Autoren, Eutrop. I 12 nono anno post reges exactos cum gener Tarquinii ad iniuriam soceri vindicandam ingentem collegisset exercitum, nova Romae dignitas est creata quae dictatura appellatur. Oros. II 5. Joh. Antioch. frg. 45 Kriegsnot hervorgehoben, vgl. Suid. s. δικτάτωρ und Dig. I 2, 2, 18 (Pomponius). Dionysius hingegen V 70 (vgl. 73) begründet die Einsetzung damit, dass die Plebs wegen arger Verschuldung den Kriegsdienst verweigert habe, obwohl der Latinerkrieg drohte, das valerische Provocationsgesetz hinderte aber sie zu zwingen: ἐν τοιαύτῃ καταστάσει τῶν κοινῶν ὑπαρχόντων, σκοποῦσα ἡ βουλὴ δι’ οὗ μάλιστα διαπράξεται τρόπου μηδὲν ἔτι νεωτερίσαι τοὺς δημοτικούς, ἔκρινε τὴν μὲν ὑπατικὴν ἐξουσίαν ἀνελεῖν κατὰ τὸ παρόν, ἑτέραν δέ τινα ἀρχὴν ἀποδεῖξαι πολέμου τε καὶ εἰρήνης καὶ παντὸς ἄλλου πράγματος κυρίαν, αὐτοκράτορα καὶ ἀνυπεύθυνον ὧν ἂν βουλεύσηται καὶ πράξῃ. Ähnlich (Cass. Dio bei) Zonar. VII 13: αὖθις δὲ πολέμου παρὰ Λατίνων κατὰ Ῥώμης κεκινημένου οὐκ ἤθελον οἱ πολλοὶ τὰ ὅπλα λαβεῖν, ἀποκοπὴν τῶν χρεῶν ἀξιοῦντες γενέσθαι. καὶ διὰ τοῦτο καινήν τινα ἀρχὴν ἐπ’ ἀμφοτέροις αὐτοῖς τότε πρῶτον οἱ δυνατοὶ κατεστήσαντο. δικτάτωρ ὁ ταύτης [372] ἠξιωμένος ὠνόμαστο und Eusebios. Die Ansicht des Dionysios hatte den Beifall Niebuhrs R.-G. I 590, wurde jedoch von Schwegler II 128ff. bereits eingehend widerlegt; sie beruht so wenig wie die Ausführung des Zonaras auf gesicherter Überlieferung, sondern ist, wie Herzog 718, 2 zutreffend sagt, nur Abstraction aus der Geschichte. Diese Unklarheit wird dadurch nicht behohen, dass Livius II 18, 5 eine etwa zehn Jahre nach den ersten Consuln erlassene lex de d. creando erwähnt, denn die näheren Umstände dieses Einführungsgesetzes (vgl. Dionys. V 70) – Karlowa 212 bezieht dasselbe auf das in den consularischen Commentarien enthaltene commentarium über die Dictatorenwahl – werden nicht mitgeteilt, und der einzige Satz, den Livius aus demselben citiert, dass die Dictatoren zunächst Consulare sein sollten, ist nachweislich falsch (s. u.). Trotz dieses Irrtums möchte ich ein solches Gesetz nicht von vornherein verwerfen, sondern in der Nachricht mit Lange I 585f. und Herzog 128. 718 einen richtigen Kern annehmen, wenn ich auch nicht zu so bestimmten Behauptungen wie ersterer mich entschliessen kann. Mommsens gegenteilige Ansicht, dass die Dictatur ebenso wie das Consulat von Haus aus ein integrierender Bestandteil der republicanischen Gemeindeverfassung Roms sei (St.-R. II 135; Abriss 162; Strafrecht 144, vgl. Karlowa 211: die Dictatur war eine durch die ordentliche Verfassung vorgesehene Magistratur), ist zwar seiner systematischen Entwicklung des Staatsrechts angepasst, verträgt sich aber nicht mit den Berichten über die Errichtung der Republik. Kennen wir auch nicht die Grundacte derselben in ihren Einzelheiten, so dürften doch schwerlich dieser Verfassung, die scharf gegen das Königtum gerichtet war, sofort Bestimmungen einverleibt sein, die für gewisse Fälle eine zeitweilige Erneuerung der alten königlichen Gewalt vorsahen, namentlich angesichts der tarquinischen Restaurationsversuche; Mommsen Staatsr. II 167 erkennt an, dass als Fortsetzung des Königtums weit eher das Consulat als die Dictatur zu betrachten sei. Schwegler II 92 will sogar die Dictatur als Übergangsstufe zwischen Königtum, der lebenslänglichen, unbeschränkten, unverantwortlichen Herrschaft eines einzigen, und Consulat, der nur einjährigen und unverantwortlichen Regierung zweier, auffassen, denn die Römer hätten in ihrer Verfassungsentwicklung alle schroffen Übergänge vermieden, und überdies seien auch in den übrigen latinischen Städten auf die lebenslänglichen Könige jährige Dictatoren gefolgt, vgl. Lange I 584. Nach alledem lässt sich im Anschluss an die Überlieferung nur sagen, dass in den ersten Jahren der Republik und noch vor dem Volkstribunat die Dictatur aus einem nicht näher bekannten Anlasse innerhalb des Rahmens der republicanischen Verfassung geschaffen wurde (Herzog I 718), als sich wegen Schwierigkeiten der äusseren militärischen und vielleicht auch der inneren Lage herausgestellt hatte, dass die neu eingeführte collegiale Form der obersten Staatsgewalt nicht ausreichend functioniere, das Staatswohl deshalb erfordere, in besonders ernsten Zeiten, ohne eine lebenslängliche Spitze des Gemeindewesens wieder einzuführen, ein ausserordentliches in einer Person verkörpertes Amt zu schaffen, [373] eine Ausnahmestellung, dem Königtum zeitweilig an Machtfülle angepasst, ein unbeschränktes und unverantwortliches Imperium, dessen Inhaber unbeengt durch collegiale Hemmnisse seinen Willen und die übertragene Aufgabe durchsetzen konnte und sollte. So stellte sich den Römern selbst die Dictatur der ältesten Zeit noch entgegen, als sie längst ausser Wirksamkeit getreten war: die Proclamation des Kriegsstandrechts, wie wir heute sagen, und in diesem Spiegel sieht die Überlieferung dies Amt; diesen Gesichtspunkt muss man bei Würdigung der mannigfach sich widersprechenden Nachrichten über Entstehung und Ausgestaltung des Amtes im Auge behalten. Cic. de leg. III 9: ast quando duellum gravius discordiaeve civium escunt, oenus ne amplius sex menses, si senatus creverit, idem iuris quod duo consules teneto, isque ave sinistra dictus populi magister esto: equitatumque qui regat habeto pari iure cum eo, quicumque erit iuris disceptator. Orat. Claudi 1, 29 (Lyoner Inschrift CIL XIII 1668 und in Nipperdeys Tacitusausgabe II⁴ 302) dictaturae hoc ipso consulari imperium valentius repertum apud maiores nostros, quo in asperioribus bellis aut in civili motu difficiliore uterentur. Der D. ist also unverantwortlich, Dionys. V 70 (s. o.). VI 38: δικτάτωρ, ὃς ἀνυπευθύνῳ χρώμενος ἐξουσίᾳ. VII 56. VIII 89. Appian. bell. civ. II 23. Plut. Fab. 3; de fort. Rom. 12. Zonar. VII 13. Joh. Antioch. 45. Suid.; keinem D. ist der Process gemacht, denn die Erzählung von der Verurteilung des M. Furius Camillus, Liv. VI 38, gehört so wenig in diesen Zusammenhang wie die Anklagen des L. Manlius VII 4, 1–3 und des C. Maenius IX 26, 20. Lange I 757. Humbert 164. Weil er unverantwortlich und nicht rechenschaftspflichtig war, sollte der D. über Staatsgelder nur nach Genehmigung des Senats verfügen, Liv. ΧΧII 23, 8. Cass. Dio LVII 16. Zonar. VII 13; ob diese Bestimmung aber schon für die älteste Zeit gilt, ist mit Herzog 724 zu bezweifeln, vgl. Willems Le sénat II 331f., nicht jedoch ihre Richtigkeit überhaupt, wie auch Karlowa 215 hervorhebt. Mommsen I 701. II 166. In dieser Beziehung wird die Dictatur ferner mit dem staatsrechtlich sehr verschiedenen Königtum verglichen als eine zeitweise Wiederaufnahme desselben, Cic. de rep. II 56: genus imperii .... proximum similitudini regiae. Liv. VIII 32, 3. Mommsen St.-R. II 168, 1 verweist namentlich auf die allerdings durch die sullanische und caesarische Dictatur beeinflusste Ausdrucksweise der Griechen; im Rechenschaftsbericht des Augustus ist dictatura (3, 2) mit αὐτεξούσιος ἀρχή übersetzt, für Dionysios ist sie V 70 αὐθαίρετος, V 73 αἱρετή τυραννίς, V 71 ἰσοτύραννος ἀρχή, für Appian. bell. civ. I 99 eine τυραννὶς ἀρχὴ … ὀλίγῳ χρόνῳ ὁριζομένη, vgl. Dio (bei Zonar. VII13): τὴν ἐκ τῆς μοναρχίας ὠφέλειαν θέλοντες, ὡς πολὺ ἰσχυούσης ἐς τὰς τῶν πολέμων καὶ τῶν στάσεων περιστάσεις, ἐν ἄλλῳ ταύτην ὀνόματι εἵλοντο. ἦν … ἡ δικτατορία κατά γε τὴν ἐξουσίαν τῇ βασιλείᾳ ἰσόῤῥοπος. Plut. Fab. 4: τυραννικὸν καὶ μέγα τῆς ἀρχῆς κράτος. Joh. Antioch. 45: ὁ δικτάτωρ … τοῖς βασιλεῦσι προσφερέστατος. Suidas. Deshalb ist in der ersten Zeit gegen den D. Provocation unzulässig, Liv. II 18, 8: neque provocatio (s. d.) erat neque ullum usquam nisi in [374] cura parendi auxilium. II 30, 5. III 20, 8. Dionys. V 75. VI 58: καταλελύσθαι ἀφ’ οὗ παρῆλθεν ἡ τοῦ δικτάτορος ἀρχὴ τὸν φύλακα τῆς ἐλευθερίας αὐτοῦ νόμον, ὃς οὔτε ἀποκτείνειν πολίτην ἄκριτον οὐδένα συνεχώρει τοῖς ὑπάτοις … ἔφεσιν δὲ τοῖς βουλομένοις ἐδίδου μεταφέρειν τὰς κρίσεις ἐπὶ τὸν δῆμον. Zonar. VII 13: δικάζειν δὲ καὶ ἀποκτείνειν καὶ οἴκοι καὶ ἐν στρατείαις ἠδύνατο, καὶ οὐ τοὺς τοῦ δήμου μόνους, ἀλλὰ καὶ ἐκ τῶν ἱππέων καὶ ἐξ αὐτῆς τῆς βουλῆς. Dig. Ι 2, 2, 18 (Pomponius): d. a quibus nec provocandi ius fuit et quibus etiam capitis animadversio data est. Lydus de mag. I 37. Mommsen II 163. So ist der D. als Inhaber des militärischen imperium auch im Amtsgebiet domi die geeignete Persönlichkeit, bei inneren Streitigkeiten das Recht des Staates gegen die Widersetzlichkeiten der Bürger zu verteidigen.

Die älteste Benennung war nicht d., sondern magister populi, also Befehlshaber des Fussvolks – der entsprechende Titel des Reiterführers magister equitum ist ständig geblieben – und wurde auch später noch in feierlicher Redeweise verwandt, so in den Auguralbüchern nach Cic. de rep. I 63: in nostris libris vides eum magistrum populi appellari, vgl. Senec. ep. 108, 31. Velius Longus de orthogr. p. 2234 P.: oriri apud antiquos surgere frequenter significabat, ut apparet in eo quod dicitur: consul oriens magistrum populi dicat Cic. de leg. III 9. 10; de fin. III 75. Varro de l. l. V 82. VI 61. Festus p. 198 s. optima lex. Dass auch die Bezeichnung praetor als die des höchstcommandierenden Feldherrn vom D. anfänglich habe gebraucht werden können, vermutet Mommsen 74. 143, als Titel schwerlich, Karlowa 213. Bei den Griechen findet sich αὐτοκράτωρ, Polyb. III 103, 4. Diod. XII 64. XIV 93, 117, στρατηγὸς αὐτοκράτωρ, Polyb. III 86, 7. 87, 8. Diod. XIX 76 (wie Dionys. III 34 auch zwei latinische Dictatoren στρατηγοὶ αὐτοκράτορες εἰρήνης τε καὶ πολέμου nennt), aber meist δικτάτωρ Polyb. III 87. Dionys. V 73, vgl. VI 22. Diod. XII 80. Plut. Fab. 3 u. ö., sowie in der Ehreninschrift für Caesar, CIA III 428. Der spätere Titel D. ist vielleicht in Anlehnung an die gleiche latinische Amtsbezeichnung eingeführt – freilich wäre dann der Name des mit ausserordentlicher Vollmacht bekleideten obersten Staatsbeamten von dem geringfügigen Amte des Bürgermeisters in einem latinischen Städtchen hergenommen – oder weil für die mit rein bürgerlichen Geschäften betrauten Dictatoren die militärische Benennung magister populi nicht passte. Die alten Etymologien sind von Schwegler 122 und Mommsen 144 genauer erörtert; sie beziehen sich entweder auf die Form der Ernennung (s. u.), Cic. de rep. I 63: d. ab eo appellatur qui dicitur. Varro de l. l. VI 61: d. magister populi quod is a consule debet dici. Paeanius I 12. Dionys. V 73. Plut. Marc. 24, was sprachlich unmöglich ist, oder sie leiten d. ab von dictare, Priscian. VIII 14, 78, vgl. Corp. gloss. lat. ed. Götz IV 229, 16. VI 340: imperator qui dictat et ordinat exercitum, unter Hinweis auf dicto audiens Varro V 82: quoi dicto audientes omnes essent und edictum. Dionys. V 73: διὰ τὴν ἐξουσίαν τοῦ κελεύειν ὅτι θέλοι καὶ τάττειν τὰ δίκαιά τε καὶ τὰ καλὰ τοῖς ἄλλοις, ὡς ἂν αὐτῷ δοκῇ. τὰ γὰρ ἐπιτάγματα καὶ τὰς διαγραφὰς τῶν δικαίων τε καὶ [375] ἀδίκων ἠδίκτα οἱ Ῥωμαῖοι καλοῦσιν, vgl. Plut. Marc. 24. Lydus de mag. I 36: οὕτως καλοῦσι τὸν μὴ νόμων γραφαῖς τὰ τῶν ὑπηκόων διατιθέντα πράγματα, οἷα ἐν βραχεῖ τῆς ἀρχῆς παυόμενον. Becker, der gleich Schwegler die sprachlich gerechtfertigte Ableitung von dictare billigt, macht auch auf Liv. VIII 34, 2: dictatoris edictum pro numine semper observatum aufmerksam; sachlich bleibt die gleiche Schwierigkeit, wie Mommsen hervorhebt, denn ‚dictare hat die Bedeutung von regere niemals angenommen‘, und dass die Edicte des D. für sein Amt so charakteristisch gewesen, um den Titel zu geben, ist nicht anzunehmen; da Cato D. allgemein für Oberanführer brauche (Stellen a. a. O.), könne das Wort zuerst wohl denjenigen Oberbeamten bezeichnet haben, dem kein gleichberechtigter College zur Seite stand. – Die Entscheidung, ob die Lage des Staats eine Ernennung des D.s nötig machte, lag zunächst dem Brauche gemäss beim Senat, Liv. IV 17, 23. 26, 4. 56, 8. V 46, 10. VI 11, 10. 38, 3. VII 12, 12. 14. VIII 12, 12. X 11, 4. Cic. de leg. III 9: si senatus creverit. Dionys. V 70. Willems Le sénat II 240. Niebuhrs Ansicht R. G. I 593, veranlasst durch unrichtige Lesung der Festusstelle (magister a populo statt populi), dass der D. zuerst in den Curien gewählt sei, widerlegten bereits Becker Hdbuch II 2, 155. Schwegler II 124. Der Volksversammlung ward im Gegensatz zu dem Einfluss, den sie bei Ernennung der ordentlichen Beamten übt, hier keine Mitwirkung zugestanden, begreiflicherweise, denn wenn die Dictatur den Zweck hat, unmittelbar in Wirksamkeit zu treten, ist eine Berufung und Befragung der Comitien zu umständlich, von nicht vorauszusehenden Störungen und Zufälligkeiten leicht abhängig. Langes Darstellung I 753, dass das Volk durch Annahme der lex de d. creando ein für allemal auf die creatio verzichtet habe und dies um so eher thun konnte, da der Consul gezwungen gewesen, einen Consularen zu ernennen, ist im Hinblick auf die Bemerkungen weiterhin betreffs der Qualification zum D. anfechtbar und durch die Deutung von consulares als Männer aus consularischen Familien nicht annehmbarer geworden. Später ist wohl in Ausnahmezuständen die Volksversammlung zur Mitwirkung berufen worden, so nach der trasimenischen Schlacht 537 = 217 v. Chr.; da den überlebenden Consul der Senatsauftrag, einen D. zu ernennen, nicht erreichen konnte, vollzog das Volk dieselbe, Liv. XXII 8, 5: quia et consul aberat, a quo uno (d.) dici posse videbatur, nec per occupatam armis Punicis Italiam facile erat aut nuntium aut litteras mitti, nec d. populus creare poterat, quod numquam ante eam diem factum erat, dictatorem populus creavit Q. Fabium Maximum et magistrum equitum M. Minucium Rufum. Es bleibt unklar, ob ein Volksbeschluss ausdrücklich diese Abweichung von der Verfassung genehmigte und der Senat zu diesem Zwecke Comitien (ob die Centurien?) durch einen Praetor berufen liess. Dass Fabius D. war, bezeugen auch die Fasten, Polyb. III 87, vgl. Mommsen CIL I p. 288, vgl. St.-R. I 12, 2, so dass Livius weitere abweichende Angabe XXII 31, 10: eo decursum esse, ut a populo crearetur, qui pro dictatore esset, .... augentes titulum imaginis posteros ut qui pro [376] dictatore [fuisset, dictator] crederetur, facile obtinuisse, vgl. Lyd. de mag. I 38, nicht zutreffend sein kann. In der letzten Zeit, ehe die Dictatur ausser Kraft gesetzt ward, sind auch andere Unregelmässigkeiten vorgekommen (Liv. XXII 11, 6: vetustate iam prope obliti eius imperii). Im J. 544 = 210 v. Chr. verlangte der Senat vom Consul M. Laevinus, er oder ein Praetor solle dem Volke die Wahl eines D.s überlassen und die in den Tributcomitien nominierte Persönlichkeit ernennen; der Consul ging darauf nicht ein und verbot auch dem Praetor, dies illegale Verfahren gut zu heissen, aber sein College M. Marcellus wurde veranlasst, nach Rom zu kommen, und willfahrte dem Senat Liv. XXVII 5. Plut. Marc. 24. Dass auf solche Weise die ursprüngliche hohe, vom Volke unabhängige Stellung des D.s beeinträchtigt wurde, ist ein Grund mehr gewesen, von der Ernennung künftig nur noch geringen Gebrauch zumachen. – So lange der Senat diese Ernennung zu veranlassen hatte, stand ihm also das hohe Recht zu die Consuln zu vermögen, zeitweilig ihrer obersten Stellung zu entsagen, und man erwartete diese Fügsamkeit und Unterordnung gegenüber dem Staatswohle nicht vergeblich. Nun war allerdings in der ältesten Zeit der Senat insofern abhängig von den Consuln, als nur diese denselben berufen konnten, also auch wenn es nötig schien, um über eine etwaige Dictatur zu beschliessen. Den Widerstand der Consuln soll der Senat durch Appell an die Tribunen gebrochen haben, Liv. IV 26, 8. 56, 10; meist aber haben sie dem Senat sich nicht versagt, wenn auch manchmal widerwillig, um die eigene Stellung nicht zu schwächen, und seit auch andere Beamte das ius agendi cum patribus hatten wäre die Weigerung nutzlos gewesen. Der Senat hatte aber durchaus nicht das unbedingte Recht, die Ernennung des D.s zu erzwingen, sonst wäre es nicht verständlich, dass die Tribunen drohen die Consuln zu verhaften, Liv. IV 26, 8. 10. Langes Ansicht I 750, dass die Consuln wohl durch eine Sanction der lex de d. creando, welche göttliche Strafe androhte, gezwungen waren, dem S. C. Folge zu leisten, ist nicht begründet.

Der Auftrag des Senats geht an die berufenen Beamten, also gewöhnlich an die Consuln, Liv. II 30, 4. IV 26, 8. 31, 4: cum religio obstaret, ne non posset nisi ab consule dici dictator, augures consulti eam religionem exemere. 56, 10. VII 6, 12. 12, 9: d. dici C. Sulpicium placuit. consul ad id accitus C. Plautius dixit. 19, 9. 26, 11. VIII 12, 2. 15, 5. 17, 3. 23, 13. 29, 9. IX 7, 12. 38, 13. X 11, 4 (dicere, aber lex de d. creando). Sind beide zur Stelle, aber nicht einig, wer die Wahl vollziehen soll – meist verständigte man sich wie Liv. IV 21, 10 zeigt – so entscheidet das Los, IV 26, 11: sors ut d. diceret, nam ne id quidem inter collegas convenerat, T. Quinctio evenit. Waren sie auswärts, so vollzog die Ernennung derjenige, dem zuerst das S. C. kundgethan werden konnte, Liv. VII 21, 9. VIII 23, 13. IX 38, 13, nicht aber, wie Liv. VIII 12, 13 meint, der Consul der zur Zeit die fasces führte. Mommsen St.-R. I 42. Im J. 328 = 426 v. Chr. wurde durch Augurenbeschluss festgelegt, dass die consularis potestas zur Ernennung von Dictatoren berechtige mithin auch den Tribuni mil. consulari potestate solche Ernennung zu gestatten sei, Liv. IV 31, [377] 4 (s. o.), die mehrfach erfolgt ist, IV 46, 11. 57, 6. V 19, 2. VI 2, 5. 11, 10. 28, 3. 38, 3. Über den angeblichen D. des J. 320 = 434 v. Chr. vgl. Mommsen Chronol. 96. Dem Praetor stand das Recht jedoch nicht zu, Liv. XXII 8, 5: quia et consul aberat, a quo uno dici posse videbatur – nec d. populus creare poterat – d. populus creavit (Mommsen CIL I p. 288 tilgt nec–poterat); als Caesar 705 = 49 v. Chr. eine Ernennung so vollziehen liess, verstiess er gegen die Gesetze, Cic. ad Att. IX 15, 3: volet consules roget praetor vel d. dicat, quorum neutrum ius est; sed si Sulla potuit efficere ab interrege ut dictator diceretur, cur hic non possit? Es scheint jedoch, als hätten auch schon in früherer Zeit Praetoren D. ernannt, Plut. Marc. 24: ὁ δικτάτωρ οὐκ ἔστιν ὑπὸ τοῦ πλήθους οὐδὲ τῆς βουλῆς αἱρετός, ἀλλὰ τῶν ὑπάτων τις ἢ τῶν στρατηγῶν προελθὼν εἰς τὸν δῆμον ὃν αὐτῷ δοκεῖ λέγει δικτάτορα; auch bei der oben besprochenen Wahl des Q. Fabius Maximus zum D. 537 = 217 v. Chr. muss der Praetor, der den Vorsitz in den Comitien gehabt haben wird, mit thätig gewesen sein. Dass man aber, wie Mommsen 147 annimmt, damals ,als Regel aufgestellt habe, dass der Consul für sich allein, der Praetor nur unter Mitwirkung der Comitien den D. zu ernennen befugt sei‘, ist schwerlich der Fall. Der Interrex hat die Befugnisse nicht, Dionys. XI 20 irrt in der Wiedergabe der Rede des L. Valerius. Der Senat hat ferner auch oft die ihm für das Amt geeignet scheinende Persönlichkeit vorgeschlagen, Liv. II 30, 4. IV 17, 8: senatus, ut in trepidis rebus, d. dici Mamercum Aemilium iussit. 21, 9. 23, 5. 46, 10: d. ex senatus consulto dictus Q. Servilius Priscus. VII 12, 9: d. dici G. Sulpicium placuit. 26, 11. VIII 17, 3: d. ab consulibus ex auctoritate senatus dictus P. Cornelius Rufinus. IX 29, 3. X 11, 4. XXII 57, 9 u. ö. Griechische Schriftsteller wie Dionys. V 56: δικτάτωρ ὑφ’ ὑμῶν αἱρεθείς. 70. XI 20. Plut. Cam. 39: ἀποδείκνυται δ. ὁ Κάμιλλος ὑπὸ τῆς βουλῆς. 40. Zonar. VII 20: ἡ γερουσία παραυτίκα δ. ἐν τῷ συνεδρίῳ ἀνεῖπε τὸν Κικινάτον sprechen daher missverständlich von einer Wahl und Ernennung des D.s durch den Senat. Ein solcher Vorschlag ist vielmehr nicht als gesetzlich festgelegtes Recht aufzufassen, wenn er auch später ziemlich regelmässig ausgeübt sein mag, und es stand lediglich im Belieben (ut si eis videretur, d. hunc dicerent) des Consuls, ob er dieser Anregung Folge geben wollte oder nicht; öfters sind andere als die gewünschten Ernennungen vollzogen worden, Liv. VII 17, 7. VIII 12, 13. IX 38, 14. Dio frg. 36, 26, vgl. Dionys. VI 39. Somit kann Mommsen 151 mit Recht sagen, ‚dass der D. weder vom Volke noch vom Senat gewählt, sondern von dem ernennenden Beamten nach eigenem Gefallen bestellt werde‘. Daran kann auch nichts ändern, dass P. Claudius Pulcher 505 = 249 v. Chr., unwillig, überhaupt einen D. ernennen zu müssen, den Freigelassenen und Amtsdiener M. Claudius Glicia erkor (Liv. ep. 19 sortis ultimae hominem. Suet. Tib. 2), dem die Anerkennung versagt ward. Allerdings konnte der Senat unschwer durch die Auguren Fehler bei der Ernennung feststellen lassen und dieselbe rückgängig machen, Liv. VIII 15, 6: religio inde iniecta de d. et cum augures vitio creatum videri dixissent, d. magisterque [378] equitum se magistratu abdicarunt. 17, 4. IX 7, 14. Die Consuln zogen daher, wenn eine Gegnerschaft des Senats erwartet werden musste, Ernennung im Lager vor, Liv. VIII 23, 13–17. XXVII 5. Hinsichtlich der Qualification zum D. ist keinesfalls für die frühere Zeit die Nachricht des Livius II 18, 5: consulares legere: ita lex iubebat de dictatore creando lata richtig; die Magistratstafeln und die Tradition über den ersten D., obwohl diese unverkennbare Spuren zeigt, sich jenem Satze anzupassen (Mommsen St.-R. II 142), zeigen schon, dass keineswegs nur Consulare ernannt werden durften (Madvigs 487 verunglückte Interpretation consulares als Nominativ bedarf keiner Widerlegung. Willems Le sénat I 91. II 776). Mommsen CIL I p. 557; St.-R. II 146, 1 giebt Nachweise, bis zum J. 433 = 321 v. Chr. sind die nichtconsularischen Dictatoren in der Mehrzahl; man wird eben zunächst, ohne sich bei der Auswahl so zu binden, die für das Amt in jedem Falle geeignetste Persönlichkeit genommen haben, Liv. IV 26, 11. Nach jenem Jahr sind die Dictatoren fast durchweg gewesene Consuln, Ausnahmen waren C. Poetelius Libo Visolus 441 = 313, Q. Hortensius 465/8 = 289/6, M. Claudius Glicia 505 = 249, M. Minucius Rufus 537 = 217 v. Chr., deren Dictaturen, wie Mommsen bemerkt, allerdings alle mehr oder minder einen oppositionellen Charakter an sich tragen. Ob man aber gesetzlich diese Beschränkung festgelegt oder begründet hat durch eine angeblich im Einführungsgesetz enthaltene Bestimmung, ist nicht auszumachen. Galten also für den D. die gleichen Voraussetzungen in Bezug auf die Qualification wie für den Consul, so ist auch, seit den Plebeiern das Consulat zugänglich geworden, die Dictatur ihnen ermöglicht; der erste plebeische D. ist C. Marcius Rutilus 398 = 356 v. Chr., Liv. VII 17, 6. X 8, 8. – Es ist nicht gestattet, sich selbst zum D. zu ernennen, wohl aber kann der Consul seinen Collegen oder nachher auch einen derzeit amtierenden Praetor als D. erwählen; so waren als Consul D. T. Larcius Flavus (s. ο.), Α. Postumius Albus 258 = 496, Dionys. VI 2 (trotz Liv. II 21, 3), Q. Poblilius Philo 415 = 339, Liv. VIII 12, 13, M. Livius Salinator 547 = 207 v. Chr., Liv. XXVIII 10, 1, als Praetor L. Papirius Cursor 415 = 339 v. Chr., Liv. VIII 12, 2. Die Intercession bei Ernennung ist ausgeschlossen, sowohl die collegiale wie die erst nach der lex de d. creando geschaffene tribunicische. Als der Trib. mil. cons. pot. L. Servilius Ahala 346 = 408 v. Chr. ungeachtet der Gegnerschaft der Collegen und Volkstribunen den D. ernennt, kann solcher Einspruch dies nicht hindern, Liv. IV 57, 5: potiorem sibi collegarum gratia rem publicam fore, et si maneat in sententia senatus, d. nocte proxima dicturum, ac si quis intercedat senatus consulto, auctoritate se fore contentum, nur die Huld der Amtsgenossen opfere er zu Gunsten des Staatswohles;, auch als M. Marcellus im J. 544 = 210 v. Chr., wie erwähnt, die von M. Laevinus verweigerte Ernennung vollzieht, erhebt letzterer keinen Widerspruch; doch dürfte hierauf weniger Gewicht zu legen sein, weil diese Dictatur überhaupt nicht in den normalen Formen zu stande kommt. Mommsen I 287. II 148. Die Ernennung geschieht [379] durch den betreffenden Beamten mündlich, daher meist d. dicere, Stellen s. ο. z. Β. Liv. IV 31, 5. 46, 11. VII 3, 4. 12, 9. 19, 9. 21, 9. 26, 11. VIII 12, 2. 15, 5. 17, 3. 23, 13. 29, 9. X 11, 4. XXII 8, 5 , seltener facere Festus p. 198, legere Liv. II 18, 5 (s. o.), nominare IX 28, 2, creare Liv. II 18, 5. 30, 4. IV 26, 6, also Ausdrücke wie sie auch bei der Consulwahl gebraucht werden, nur dass consulem dicere sich auf die wählende Abteilung (Liv. X 11, 4), d. dicere aber auf den ernennenden Beamten bezieht, vgl. Mommsen II 151, der auch darauf hinweist, dass der schon von Becker hervorgehobene Unterschied zwischen d. dicere und d. creare (durch Volkswahl) besonders bei Liv. XXII 8, 6 (s. o.) und XXII 31, 8. 9: Fabium … Coelius primum a populo creatum d. scribit; uni consuli … ius fuisse dicendi d. hervortritt. Der zu ernennende D. brauchte nicht zur Stelle zu sein. Der Auftrag, einen D. zu ernennen, war in der auf den Senatsbeschluss folgenden Nacht auszuführen; gleich nach Mitternacht erhob sich der Consul, stellte dem altehrwürdigen Brauche gemäss (Schwegler I 387. Mommsen I 105) Auspicien an (Liv. VIII 23, 16. IX 38, 14. Cic. de leg. III 9) und vollzog silentio noctis die Ernennung, Vel. Long. de orthogr. p. 2234 (s. o.). Liv. IV 57, 5: se .. d. nocte proxima dicturum, VIII 23, 15: cum consul oriens de nocte silentio diceret d. IX 38, 14. X 40, 2. Dio frg. 36, 26: νυκτὸς πάντως ἐκ τῶν πατρικίων τὸν δ. ἔδει λέγεσθαι. Dionys. XI 20. Zur Gültigkeit ist weiter erforderlich, dass der Act auf römischem Stadtgebiet (in agro Romano) vollzogen wurde, weshalb früher Consuln zu diesem Zwecke zurückbeordert worden sind, Liv. VII 19, 9. XXII 57. ΧΧΙII 22, 10; später fasste man diese Bestimmung weiter; auch auf erobertem Boden, aber nur innerhalb Italiens (Liv. XXVII 5, 15: consul in Sicilia se M. Valerium Messallam .. d. dicturum esse aiebat; patres extra agrum Romanum – eum autem in Italia terminari – negabant d. dici posse, XXVII 29. 4, vgl. dazu Mommsen II 152, 2) und im Feldlager (Liv. VII 21, 9: dictus in castris; eo enim ad consules s. c. est missum. VIII 23, 16. IX 38, 14. 44, 1) war die Ernennung zulässig. Dass für diese Beschränkung nicht religiöse Grunde allein ausschlaggebend waren, sondern dass man aus Besorgnis, dies Amt könne übermächtig werden (s. u.), an ihr festhielt, ist wahrscheinlich. Lange I 763. Wegen Nichtbeachtung solcher Formalitäten, namentlich, wenn die Auguren begutachteten, dass der D. vitio creatus sei, erlosch die Amtsbefugnis: Liv. VIII 23, 14–17 machen die Tribunen mit Recht darauf aufmerksam, wie schwer es aber bei der Heimlichkeit des Vorgangs sei, ein solches vitium festzustellen, und schliessen daher in diesem Fall: cui non apparere quod plebeius d. sit, id vitium auguribus visum? vgl. VI 38, 9. VIII 15. 6. IX 7, 14. XXII 33, 12. 34, 10.

Der Amtsantritt sollte gewöhnlich in Rom erfolgen, wo der Ernannte die lex curiata de imperio (s. den Art. Curiata lex) nachsuchte, Liv. IX 38, 15: Papirius C. Iunium Bubulcum magistrum equitum dixit atque ei legem curiatam de imperio ferenti triste omen diem diffidit, quod Faucia curia fuit principium. 39, 1: d. postero die auspiciis repetitis pertulit legem; zu V 46 vgl. [380] Mommsen III 41, 1. Schwegler 124 zieht auch hierher Dionys. V 70: ἕνα ἄνδρα, ὃν ἂν ἡ βουλὴ προέληται καὶ ὁ δῆμος ἐπιψηφίσῃ τὴν ἁπάντων ἐξουσίαν παραλαβόντα ἄρχειν. Die Thatsache, dass der D. unmittelbar nach seiner Ernennung Amtshandlungen vornehmen konnte, so die Bestellung des Magister equitum, ist für Mommsen ein Beweis, dass die Zustimmung der Curien ‚wenigstens in älterer Zeit nur üblich, nicht rechtlich notwendig war‘. Auf die Erzählung von Camillus Übernahme der Dictatur in Veii bei Liv. V 46, 11. XXII 14, 11. Plut. Cam. 24. 25. Valer. Max. IV 1, 2 ist weniger Gewicht zu legen; ist in diesem Falle überhaupt die Übertragung des imperium durch eine lex curiata erfolgt, so war persönliches Nachsuchen derselben nicht durchweg nötig und Beantragung durch einen Magistrat zulässig. Schwegler III 264. Dass der Amtsantritt aber in Italien erfolgen musste, blieb Gesetz; daher wird Caesar getadelt, Cass. Dio XLII 21: καίπερ ἔξω τῆς Ἰταλίας ὤν.
An Insignien gebührten dem D. der curulische Sessel, die Praetexta, Liv. ep. 19, und 24 Lictoren also die doppelte Zahl der dem Consul und dem König zukommenden, Polyb. III 87, 7: τῶν μὲν γὰρ ὑπάτων ἑκατέρῳ δώδεκα πελέκεις ἀκολουθοῦσι, τούτῳ δ’ εἴκοσι καὶ τέτταρες. Dionys. Χ 24. Plut. Fab. 4, Appian. b. c. I 100. Dio LIV 1 (nach Lydus de mag. I 37 nur 12). Daher wird auch wohl gesagt, dass der D. an Macht beiden Consuln gleich sei, Cic. de leg. III 9: oenus … idem iuris quod duo consules teneto. Suid. δικτάτωρ ὁ διπλασίαν τὴν ἀρχὴν ἔχων, ὃς παρὰ Ῥωμαίοις δισύπατος καλεῖται, was erst für die Zeit gelten kann, wo die Fasces nicht mehr allmonatlich wechseln, sondern jedem Consul 12 Lictoren vorangehen, Herzog I 691. Mommsen I 383 schliesst aus der Notiz des Liv. ep. 89: Sulla d. factus, quod nemo umquam fecerat, cum fascibus XXIIII processit, dass früher der D. in der Stadt wohl nur 12, ausserhalb des Pomerium aber 24 Lictoren, Sulla in der Stadt ebenfalls so viele gehabt habe. Die Beile werden auch innerhalb der Stadt vorangetragen, Liv. II 18, 8: creato d. primum Romas praeferri secures viderunt. Dionys. V 75: τοῖς ῥαβδούχοις ἐκέλευσεν ἅμα ταῖς δεσμαῖς τῶν ῥάβδων τοὺς πελέκεις διὰ τῆς πόλεως φέρειν.

Dass das Amt mit Erledigung des Auftrages der die Ernennung des D. veranlasst hatte, sein Ende fand, ist klar. Deshalb ist die Frist oft nur wenige Tage gewesen, so Liv. III 29, 7: Quinctius sexto decimo die dictatura in sex menses accepta se abdicavit. Dionys. V 77. X 25. Liv. IV 47, 6. VI 29, 10. IX 18, 13. 34, 13, es galt für Unrecht, trotzdem im Amte zu bleiben, vgl. Liv. IX 34, 12: quem clavi figendi aut ludorum causa d. audacter crees; der 391 = 363 v. Chr. clavi figendi causa zum D. ernannte L. Manlius dankt nach Vollziehung der Ceremonie nicht ab, sondern tritt als d. rei gerundae auf, veranstaltet strenge Werbungen zum Kriege gegen die Herniker, legt erst, als die Tribunen drohen, nieder; Livius wagt nicht zu sagen, dass sie ihn zwingen konnten VII 3, 9: omnibus in cum tribunis plebis coortis seu vi seu verecundia victus d. abiit. Cic. de off. III 112. M. Fabius Buteo hält es nicht für richtig, dass er als D. für sechs Monate ernannt [381] sei, trotzdem er nur den Senat zu ergänzen habe, und legt, vielleicht noch an demselben Tage, nach Erledigung des Auftrags nieder, Liv. XXIII 23, 2. 7 extemplo se magistratu abdicavit. Mommsen I 626. II 161. Danach scheint es nicht, wie man wohl vermutet hat, dass bei solchen wenig Zeit beanspruchenden Dictaturen bei Ernennung bereits zur Pflicht gemacht wurde, sobald als möglich abzudanken, vielmehr setzten die Dictatoren meist ihre Ehre darein, das Geschäft in kürzester Frist zu beenden. Um aber bei Geschäften, die längere Zeit erforderten, nicht die Ausnahmestellung auf Kosten der regelmässigen Magistraturen unbegrenzt währen zu lassen und damit vielleicht einer der republicanischen Staatsverfassung widersprechenden Gewaltherrschaft die Wege zu ebnen, war festgesetzt, dass die Dictatoren längstens sechs Monate im Amte bleiben dürfen, Liv. III 29, 7 (s. o.). IX 34, 12. ΧΧΙII 22, 11. 23, 2. Cic. de leg. III 9 ne amplius sex menses. Dionys. V 70. VII 56. X 25. Appian. b. Hann. 16; b. c. I 3. Cass. Dio XXXVI 34 (17). XLII 21. Zonar. VII 13. Dig. I 2, 2, 18. Lydus de mag. I 36. 37. Diese Begrenzung mag, wie Mommsen vermutet, sich daraus erklären, dass die Dictatoren zunächst in erster Linie Heerführer waren und in der älteren Zeit die Kriege nur in den Sommermonaten geführt wurden. Die in den Fasten durch Dictatoren, aber nicht durch Consuln bezeichneten J. 421 = 333, 430 = 324, 445 = 309, 453 = 301 v. Chr.: hoc anno d. et mag. eq. sine cos. fuerunt sind lediglich eingeschoben, um die durch die nicht officiell verzeichneten Interregnen entstandenen Lücken zu füllen, und begründen einjährige Amtsdauer des D.s ebensowenig wie die Stelle Liv. VI 1, 4: neque eum (M. Furium) abdicare se dictatura nisi anno circumacto passi sunt und Plutarchs Irrtum bezüglich der Jahresdictatur des Camillus, Plut. Cam. 41. Mommsen Chron. 99. 114ff.; St.-R. I 602. II 160. Mommsen (II 160) ist weiter der Ansicht, dass der D. nicht über die Amtszeit des ihn ernennenden ordentlichen Beamten hinaus fungieren durfte, da er nur ein cooptierter College der betreffenden Consuln sei (s. weiterhin) und weil nie ein D. ernannt ist, um das Interregnum zu vermeiden und nach dem Rücktritt der ordentlichen Beamten die Wahlen zu leiten. Diese Endfrist ergebe sich ferner aus den Berichten über die Dictatur des Camillus 364 = 390 v. Chr., der auf Bitte des Senats nach dem Triumph im Amte bleibt und erst anno circumacto (Liv. V 49, 9. VI 1, 4, wie eben erwähnt), also mit dem Schluss des laufenden Amtsjahres abdankt, sowie über die des C. Servilius 532 = 222 v. Chr., welcher comitiorum habendorum causa ernannt die Wahlen wegen Gewitter nicht leiten konnte: itaque cum pridie idus Mart. veteres magistratus abissent, novi suffecti non essent, res publica sine curulibus magistratibus erat, Liv. XXX 39, 5, was nur heissen könne, dass am 14. März die Amtszeit der von Rom abwesenden Consuln wie des D. Servilius ablief. Dem aber ist nicht so, denn wie schon Karlowa 213 sah, leitet nach Abgang der Consuln der doch im Amt befindliche D. und kein Interrex die Wahl der neuen Consuln, Liv. XXX 40. Lange I 758 wendet ferner – abgesehen von der fragwürdigen Zuverlässigkeit [382] der Erzählung von Camillus – mit Recht ein, dass die Consuln des J. 437 = 317 ihr Heer nicht den Consuln des folgenden Jahres, sondern dem exitu anni ernannten D. übergaben, der den Krieg 438 = 316 v. Chr. führte, Liv. IX 21, 1. Madvig 491. Eine Prorogation der D. ist nicht bekannt und wohl schwerlich statthaft gewesen; eine Gewalt, die das Volk nicht geschaffen, konnte nicht durch einen Volksbeschluss verlängert werden, Mommsen II 162.

Mommsens Auffassung der staatsrechtlichen Stellung des D. ist beherrscht von dem Gedanken, dass der D. collega maior der Consuln und Praetoren sei, wie denn auch praetor in ältester Zeit jedes der drei Ämter bezeichne (s. o.) und die Amtsinsignien bis auf die Zahl der Lictoren die gleichen seien (II 75. 153); ‚die Dictatur ist formell angelegt als eine Steigerung des Consulats und selbständig aus diesem entwickelt‘ (II 168). Deshalb hätten die Annalisten über die Einführung der Dictatur geschwiegen, da sie ihnen als Bestandteil des Consulats erschien, die Bestellung sei einfach als Anwendung der Cooptation zu fassen und die Beendigung der consularischen Amtsführung bedinge auch den Rücktritt des dritten Collegen. Weshalb letztere Ansicht unhaltbar scheint, ist oben gesagt, aber auch gegen den fundamentalen Satz, dass dem D. ein dem des Consuls gleiches aber stärkeres imperium zukomme, erheben sich eine Reihe Bedenken, die Lange I 584. 755. Karlowa 213. Herzog 721. Humbert 163 schon teilweise geltend gemacht haben. Dass die Überlieferung nicht ausdrücklich den D. als Collegen des Consuls anerkenne, bemerkt Mommsen selbst, verweist jedoch auf Liv. XXX 24, 3: cum praetor spreturum eum (consulem) litteras suas diceret, d. .... pro iure maioris imperii consulem in Italiam revocavit. VIII 32, 3: cum summum imperium (so auch VI 38, 3) d. sit pareantque ei consules, regia potestas, praetores, iisdem auspiciis quibus consules creati; Pomponius nennt Dig. I 2, 2, 18 den D. maioris potestatis magistratus. Haben Consulat und D. auch in äusseren Dingen manche Ähnlichkeit, so sind sie doch im Wesen schon deshalb verschieden, weil letztere als eine Ausnahmestellung zeitweilig die republicanische Verfassung aufhebt; die Consuln haben auf Befehl der Dictatoren die Pflicht, ohne Lictoren zu erscheinen, Liv. XXII 11, 5. Plut. Fab. 4, obgleich die Praetoren vor den Consuln nur die Fasces zu senken hatten, und können ferner vom D. gezwungen werden abzudanken, Liv. III 29, 2. V 9, 6. Wenn weiter der D. den Consuln gegenüber moderator und magister heisst (Liv. II 18, 6), so spricht das ebenfalls nicht für ein collegiales Verhältnis.

Sobald ein D. ernannt ist, bleiben die Beamten mit geringerem Imperium doch im Amte, werden aber der neuen Gewalt unterstellt; irrtümlich sind die gegenteiligen Behauptungen des Polybios III 87, 8: οὗ κατασταθέντος παραχρῆμα διαλύεσθαι συμβαίνει πάσας τὰς ἀρχὰς ἐν τῇ Ῥώμῃ πλὴν τῶν δημάρχων, des Appian. b. Hann. 12 und Plut. Cam. 5; Ant. 8; quaest. Rom. 81 wie des Dionysios V 70: τοὺς τότε ὑπατεύοντας ἀποθέσθαι τὴν ἐξουσίαν, καὶ εἴ τις ἄλλος ἀρχήν τινα εἶχεν ἢ πραγμάτων τινῶν κοινῶν ἐπιμέλειαν. 72: ὁ Κλοίλιος [383] ἀναγορεύει τε αὐτὸν καὶ τὴν ὑπατείαν αὐτὸς ἐξόμνυται. 77. XI 20. Zahlreiche Stellen zeigen dass die Consuln, später auch die Praetoren, unter den D. fungieren, Liv. II 30, 7: ternae (legiones) datae consulibus, quattuor d. usus. IV 27, 1. 41, 11: consul auspicio d. res prospere gessit. VI 2. VII 11, 8. 25, 11. VIII 32, 3. IX 22, 1. 26. XXVII 6. XXX 24. Mommsen II 156 vermutet nicht unwahrscheinlich, dass sie aber in ältester Zeit sich für den Kreis der dictatorischen Competenz gleichsam als suspendiert betrachtet haben. Zu Liv. III 29, 2. V 9, 6 vgl. Herzog 721, 2. Jedenfalls ist es Sache des D., ob und wie er die Consuln im Felde verwenden will. Der Triumph für einen vom Consul in solcher Stellung errungenen Sieg gebührt deshalb dem D., unter dessen Auspicien er erkämpft ward, Mommsen I 127, 3. Auch Tribunen bleiben im Amte, Liv. VII 3, 9. Polyb. III 87. Plut. Cam. 39; Fab. 9; quaest. Rom. 81, und zwar nicht blos, weil, wie Lange 756 sagt, ihr Fortbestehen durch eine lex sacrata garantiert war. – An die politische Vernunft des römischen Volkes ist selten vergeblich appelliert worden, das tritt auch in der Überlieferung entgegen, trotzdem dieselbe weniger den normalen Verlauf der Dinge als die Kämpfe und Wirren verzeichnet, und der Forderung des Staatswohles, sich für kurze Zeit einer Ausnahmestellung unterzuordnen, ward in älterer Zeit der Gehorsam nicht oft versagt. Nach Ablauf der Dictatur treten, wie schon Becker feststellte, die Beamten ohne weitere Förmlichkeit sogleich wieder in die volle, mit ihrem Amte verbundene Gewalt, Liv. IV 29, 4. 7. ΧΧII 31. Appian. b. Hann. 16. Dionys. V 70.
Dictatoren wurden zu verschiedenen Zwecken eingesetzt; die Competenz ist in der Jahrestafel vermerkt:

a) d. rei gerundete causa Liv. VII 3, 9. VIII 29, 9; belli gerendi causa VIII 40, 2 (s. u.). Fasti Cap., der letzte derartige war M. Iunius Pera 538 = 216 v. Chr.;

b) d. seditionis sedandae et r(ei) g(erundae) c(ausa) im J. 386 = 368 v. Chr. Fasti Cap.;

c) d. clavi figendi causa. Um den vernachlässigten religiösen Brauch, einen Jahresnagel im capitolinischen Tempel an den Iden des September einzuschlagen, zu vollziehen, ward im J. 363 = 391 v. Chr. während einer Pest ein D. ernannt. Aus der Darlegung des Livius VII 3, 4–9 hierüber geht hervor, dass eine lex vetusta priscis litteris verbisque scripta verordnete ut qui praetor maximus sit idibus Septembribus clavum pangat, dass erst die Consuln, dann die D. als Inhaber des höchsten imperium damit betraut wurden und dass in jenem Jahr, als man die alte Sitte wieder erneuerte, ein eigener D. nur dazu ernannt wurde, Unger Philol. ΧΧΧII 531f. O. Jahn Ber. der sächs. Gesellschaft der Wiss. 1855, 106. 110. Ein solcher D. findet sich noch 491 = 263 v. Chr., Fasti Cap., während die der J. 423 = 331 Liv. VIII 18, 12 und 441 = 313 v. Chr. Liv. IX 28, 6. 34, 12 wohl zu streichen sind, Mommsen Chronol. 176f.;

d) d. comitiorum habendorum causa, zum erstenmal 403 = 351 v. Chr., Liv. VII 22, 10, vgl. III 20, 8. VII 9, 3, dann öfter am Schlusse des Amtsjahres oder wenn die Consuln abwesend [384] sind u. a. VII 24, 10. 26, 11. VIII 16, 12. 23 13. IX 7, 12. 44, 2. XXII 33, 11. XXV 2, 3. XXVII 29, 5. XXIX 10, 2. XXX 39, 4. Fasti Cap. 537 = 217 v. Chr. dict. comit. hab. caussa;

e) d. senatus legendi caussa, M. Fabius Buteo 538 = 216 v. Chr. Fasti Cap. dict. sine mag. eq. senat. leg. causa;

f) d. feriarum constituendarum causa 408 = 346 v. Chr., Liv. VII 28, 7 ausserordentlicherweise;

g) d. Latina(rum) fer(iarum) caussa 497 = 257 v. Chr., Fasti Cap. vgl. Liv. IX 34, 12;

h) d. comitiorum ludorumque faciendorum causa 546 = 208 v. Chr., Liv. XXVII 33, 6 ausnahmsweise.

Der d. quaestionibus exercendis, Liv. IX 26 6: quaestiones decretae dictatoremque quaestionibus exercendis dici placuit – ingens erat eius magistratus terror ist Fasti Cap. 314 = 440 v. Chr. als d. rei gerundae caussa bezeichnet, Mommsen II 157, 2. Irrtümlich ist der dict. interregni caus(sa) Fasti Cap. 537 = 217 v. Chr. Mommsen Chronologie 111. Im J. 432 = 322 v. Chr. ist A. Cornelius zum D. ernannt worden, Liv. VIII 40, 2 lässt unbestimmt, zu welchem Geschäfte, nach einer Version belli gerendi causa, nach der andern: ut esset qui ludis Romanis, quia L. Plautius praetor gravi morbo forte implicitus erat, signum mittendis quadrigis daret. Die ursprünglichste Bezeichnung ist d. rei gerundae causa (bei Diod. XIX 72 αὐτοκράτωρ τοῦ πολέμου. XII 64 κατὰ τὸν πόλεμον) gewesen, entsprechend der eigentlichen Competenz; bis 391 = 363 v. Chr. hat es keine andern Dictatoren gegeben, denn der d. seditionis sedandae causa führt auch den Zusatz rei gerundae causa und der d. clavi figendi causa verlangte ebenfalls Feldherr zu sein, Liv. VII 3, 8; wie denn auch jeder D. einen Magister equitum ernennen musste, Mommsen I 157, 4. Die jedesmalige Veranlassung zu Ernennungen für manchmal so geringfügige Zwecke ist nicht klar; man kann vermuten, dass die anderwärts beschäftigten Consuln nicht abberufen werden sollten oder die Sache aber aus sacralen oder sonst welchen Gründen zu wichtig schien, um andern Beamten überlassen zu werden. Jedenfalls ist auf diese Weise das Ansehen der hohen Würde beeinträchtigt worden und es scheint, dass man planmässig die Machtstellung zu untergraben beflissen war. Auch die Dictatoren rei gerendae causa sind mehrfach später nur ernannt worden, um mehr Feldherrn verwenden zu können, Lange I 762. II 67.

Der D. ist, darin wird man Mommsen 158, vgl. Karlowa 214, zustimmen, vor allen Dingen der Oberbefehlshaber der Gemeinde im Kriegsgewesen, wo ein einheitliches Commando dringend erforderlich war: so wird die, wie bemerkt, sechsmonatliche Befristung der D. erklärlich, so die älteste Bezeichnung als magister populi und der Zwang begreiflich, dass der D. sofort einen Magister equitum (s. d.) zu ernennen hat, der ihm zur Seite tritt wie dem König der Tribunus celerum, Liv. IX 38, 15. Lydus de mag. I 14. 37. Viele Stellen Mommsen 174, 8. Abgewichen trotz Dionysios Behauptung V 75 οὐδεὶς εἰς τόδε χρόνου δικτάτωρ αἱρεθεὶς χωρὶς ἱππάρχου τὴν ἀρχὴν διετέλεσεν ist nur Μ. Fabius Buteo 538 = 216 v. Chr. d. sine mag. eq. senat(us) leg(endi) caussa, doch [385] war damals noch ein anderer D. mit Reiterführer vorhanden; der d. sine mag. eq. (Fasti Cap.) M. Claudius Glicia musste abdanken, ehe er die Ernennung vornehmen konnte. Auch die merkwürdige Bestimmung, dass der magister populi kein Pferd besteigen darf, ohne durch Beschluss des Senats oder des Volks die Genehmigung dazu erlangt zu haben, gehört hieher, Plut. Fab. 4: ἀποδειχθεὶς δικτάτωρ Φάβιος … πρῶτον μὲν ᾐτήσατο τὴν σύγκλητον ἵππῳ χρῆσθαι παρὰ τὰς στρατείας· οὐ γὰρ ἐξῆν, ἀλλ’ ἀπηγορεύετο κατὰ δή τινα νόμον παλαιόν, εἴτε τῆς ἀλκῆς τὸ πλεῖστον ἐν τῷ πέζῳ τιθεμένων καὶ διὰ τοῦτο τὸν στρατηγὸν οἰομένων δεῖν παραμένειν τῇ φάλαγγι καὶ μὴ προλιπεῖν, εἴθ’ ὅτι τυραννικὸν εἰς ἅπαντα τἄλλα καὶ μέγα τὸ τῆς ἀρχῆς κράτος ἐστίν, ἔν γε τούτῳ βουλομένων τὸν δικτάτορα τοῦ δήμου φαίνεσθαι δεόμενον. Liv. ΧΧIII 14, 2: d. Μ. Iunius Pera lato ut solet ad populum, ut equum escendere liceret. Zonar. VII 14 beschränkt das Verbot nur auf die Friedenszeit. Eine befriedigende Erklärung des sicher sehr alten Brauches ist nicht zu finden; Mommsen 159 sieht darin ausgesprochen, dass der magister populi seinen Platz beim Fussvolk haben solle, wo es keine berittenen Officiere in älterer Zeit gab; Lange 761 führt ihn wenig wahrscheinlich auf Worte in der königlichen lex curiata zurück, welche den oberpriesterlichen König von dem sacralen Verbote, ein Pferd zu besteigen, entbanden, Willems Le sénat II 335. A. Nissen Beiträge 66–69. Der dem D. geleistete Eid gilt auch den im Amte befindlichen Consuln geschworen, Liv. II 32, 1: quamquam per d. dilectus habitus esset, tamen, quoniam in consulum verba iurassent, sacramento teneri militem rati. Gleich dem Consul hat der D., ehe es Praetoren gab, die iurisdictio inter privatos üben dürfen, wenn er auch kaum Veranlassung dazu gehabt haben mag; nach 387 = 367 v. Chr. ist ihm die freiwillige Gerichtsbarkeit wie den Consuln geblieben, Liv. XLI 9. Lange 756. Mommsen I 190. II 158. Überlegen war die Amtsgewalt des D. (maior potestas [vis] Liv. V 9, 7. VI 11, 9 vgl. VIII 32, 3. XXX 24, 3; d. edictum pro numine semper observatum VIII 34, 2) der der Consuln schon deshalb, weil ein College fehlte; sollte sie in dem einstigen Umfange erhalten werden und zu dem ursprünglichen Zwecke wirksam bleiben, so durften nicht mehrere D. gleichzeitig im Amte sein, Mommsen St.-R. II 148. Gleichwohl ist später, nicht lange vor dem Erlöschen der D., von diesem selbstverständlichen Grundsatze, wie auch sonst vom alten Brauche, abgewichen worden; 537 = 217 v. Chr. wurde dem D. Q. Fabius sein Reiterführer M. Minucius gleichberechtigt beigegeben, also wohl ebenfalls als D., Polyb. III 103: Μάρκον ἐπὶ τοσοῦτον ηὖξον διὰ τὸ συμβεβηκὸς ὥστε τότε γενέσθαι τὸ μηδέποτε γεγονός· αὐτοκράτορα γὰρ κἀκεῖνον κατέστησαν. Liv. ΧΧII 25. CIL Ι p. 556: Hercolei sacrom Μ. Minuci C. f. dictator vovit, und 538 = 216 v. Chr. ist, als M. Iunius Pera als d. rei gerundae causa war, M. Fabius Buteo zum d. senatus legendi c. ernannt worden, der zwar neque duos d. tempore uno, quod numquam antea factum esset, probare se (Liv. XXIII 23, 1) erklärt haben soll, aber seinen Auftrag ausführt, dessen Rechtsgültigkeit nachträglich nicht angefochten wurde, wie [386] Lange 754 meint, nach dem Grundsatze magistratus vitio creatus nihilo setius magistratus. Ferner war das Imperium des D. unumschränkter als das der Consuln, weil es der Intercession (s. d.) und Provocation (s. d.) zunächst nicht unterlag. Während durch die Leges Liciniae 387 = 367 v. Chr. dem Consul das Recht, die Gewalt an den Stadtpraefecten zu mandieren, genommen ward, verblieb es dem D. zugleich mit Übertragung der Fasces, vgl. Mommsen St.-R. I 383. 665. II 162. S. den Art. Praefectus urbi. Auch dem Senate gegenüber ist der D. unabhängiger als der Consul, Polyb. III 87, 7: κἀκεῖνοι μὲν ἐν πολλοῖς προσδέονται τῆς συγκλήτου πρὸς τὸ συντελεῖν τὰς ἐπιβολάς· οὗτος δ’ ἐστὶν αὐτοκράτωρ στρατηγός. Dionys. V 73 nennt den D. πολέμου τε καὶ εἰρήνης καὶ παντὸς ἄλλου πράγματος αὐτοκράτωρ; er thut, was ihm dem Staate heilsam dünkt. Hinsichtlich der Kriegführung war er noch weniger wie der doch auch hierin ziemlich selbständige Consul (Polyb. VI 12, 5) durch Instructionen des Senats gebunden und in der Aushebung neuer Truppen nicht wie der Consul beschränkt, Mommsen II 96. 166.

Andererseits waren auch Cautelen geschaffen, dass die Ernennung von Dictatoren nicht zu häufig und unnötigerweise geschah, ebenso dass die Dictatoren ihre grosse Amtsgewalt nicht missbrauchten. Der Senat mochte sich wohl hüten, ohne dringenden Grund die Einsetzung eines D. zu beschliessen, da er selbst während der Amtstätigkeit des unverantwortlichen D. in den Hintergrund trat. Freilich hat über diese Bedenken nicht selten das Streben gesiegt, im Kampfe der Stände die patricischen Interessen durch D. verfechten zu lassen (s. u.) oder um den senatorischen Wünschen widerstrebende Consuln gefügig zu machen; Beispiele bei Schwegler II 142. Eine wesentliche Garantie gegen Missbrauch war schon die Zeitbeschränkung der Amtsdauer; ward die Frist nicht innegehalten, so konnte auf Grund der Lex Valeria die Anklage wegen affectatio regni drohen. Nicht minder wichtig ist, dass man nur solchen Persönlichkeiten das Amt anvertraute, deren politische Grundsätze und erprobte Tüchtigkeit bekannt waren. Das Amtsgebiet des D. war selbstverständlich gesetzlich nicht beschränkt; gleichwohl hat man sich gescheut, einem solchen einen Feldzug ausserhalb Italiens zu mandieren; nur A. Atilius Calatinus hat 505 = 249 v. Chr. ein solches Commando gehabt, Liv. ep. 19: primus d. extra Italiam exercitum duxit vgl. Dio XXXVI 34 (17): τοῦτο δεινῶς οἱ πατέρες ἡμῶν ἐφυλάξαντο, καὶ οὐκ ἂν εὑρεθείη δικτάτωρ οὐδεὶς ἄλλος πλὴν ἑνὸς ἐς Σικελίαν καὶ ταῦτα μηδὲν πράξαντος αἱρεθείς. Lange 763. Mommsen II 169, 4. Der Grund ist klar: die kurze Amtszeit war zweckwidrig, und vollends bei umfangreichern Kriegsoperationen einen D. über die auf verschiedenen Kriegsschauplätzen thätigen Feldherrn zu setzen, wäre unpraktisch und für die Aufrechthaltung der republicanischen Verfassung schwerlich zuträglich gewesen. Weniger gefährlich schien, die Zahl der Praetoren zu mehren und Consuln wie Praetoren das Imperium zu verlängern.
Die Dictatur hat, wie bereits angedeutet wurde, Wandlungen durchgemacht. Mommsen II 169: ‚die Überlieferung zeigt, wie entschieden die Dictatur als [387] eine dem freien Gemeinwesen fremde, ja feindliche Institution empfunden ward und der Kampf gegen sie nicht ruhte, bis es gelang, sie der Intercession von seiten des tribunicischen Collegiums, der Provocation an die Gemeinde und schliesslich sogar der Volkswahl zu unterwerfen, womit sie dann freilich ihren Zweck verlor und unterging‘. Grossen Volkskreisen musste ein Amt widerwärtig werden, das in den innern Krisen oft als Kampfmittel ausgenutzt worden war; erwähnt sei hiebei nur die Dictatur des M. Valerius 260 = 494 v. Chr., Liv. II 29, 11. 30, 5 plebes adversus se creatum d. videbat. Dionys. VI 38, des L. Quinctius Cincinnatus 296 = 458 v. Chr., Liv. III 29, 6, des A. Cornelius Cossus 369 = 385 v. Chr., Liv. VI 11, 10, des M. Furius Camillus 386 = 368, Liv. VI 38, 3, und des P. Manlius Capitolinus, Liv. VI 38, 10. Lange I 672, des L. Furius Camillus 404 = 350 v. Chr., Liv. VII 24, 11. Schwegler II 581. 641f. Wie man in patricischen Kreisen dachte, zeigt, dass Claudius Pulcher die höhnische Ernennung des Glicia wagen konnte. – In älterer Zeit ist die Intercession dem D. gegenüber unwirksam gewesen, Zonar. VII 13: οὔτ’ ἐγκαλέσαι τις αὐτῷ οὔτ’ ἐναντίον τι διαπράξασθαι ἴσχυεν οὐδὲ οἱ δήμαρχοι, οὔτε δίκη ἐφέσιμος ἐγένετο ἀπ’ αὐτοῦ. 15 vgl. Liv. III 29, 6. VI 16, 3. 38, 9. VIII 34, 6. 35, 5: Q. Fabius .... donatur tribuniciae potestati precarium, non iustum auxilium ferenti. Mommsen St.-R. II 165, 3. Lange I 757. Später jedoch konnten die Volkstribunen den Amtshandlungen des D. berechtigterweise intercedieren, so gegen eine Consulwahl 544 = 210 Liv. XXVII 6, 5: si suum nomen d. acciperet, se comitiis intercessuros; über zweifelhafte Belege aus der frühern Zeit Mommsen II 166, 1. Möglicherweise hatte man bei Einsetzung des Volkstribunats die Frage seiner Stellung gegenüber des D. mit Fleiss nicht entschieden, Herzog 723; den sacrosancten (Liv. VIII 34) Tribunen ist es aber mit der Zeit gelungen, ihrem Intercessionsrecht auch einzelne Dictatoren zu beugen, Liv. VII 3, 9. IX 26, 10. Cic. de off. III 112. Val. Max. V 4, 3. Ob die Drohungen jedesmal wahr gemacht worden sind, ist nicht zu ersehen. Man hat wohl angenommen, dass die Tribunen einschreiten konnten gegen Dictatoren imminuto iure (den Gegensatz zu den d. optima lege d. i. den d. rei gerundae causa vertritt Willems 258. 260), wenn sie sich ein anderes Geschäft, als das in der Ernennungsurkunde erklärte, anmassten, Liv. VII 3. VIII 18. 40. XXIII 23. Seitdem Intercession und Provocation nicht mehr ihre Schranke fanden an dem einst unverantwortlichen D. war das Ansehen des Amtes arg beeinträchtigt, Mommsen R. G. I⁶ 820. Von Bedeutung war ausserdem, dass später die Dictatur der Provocation unterworfen worden ist; nach Festus p. 198: optima lex … in magistro populi facienda, qui vulgo dictator appellatur, quam plenissimum posset ius eius esse significabatur, ut fuit M. Valerii M. f. Volusi nepotis, qui primus magister populi creatus est. postquam vero provocatio ab eo magistratu ad populum data est, quae ante non erat, desitum est adici ‚ut optima lege‘, utpote imminuto iure priorum magistrorum sind dann die Worte ut optima lege (vgl. Liv. IX 34, 11. Cic. de leg. agr. II 29; Philipp. V 45) in dem Ernennungsbeschluss weggelassen [388] worden. Wann dies geschehen, ist nicht mit Sicherheit zu ermitteln. Da die von Mommsen II 164 vgl. I 150, 2 näher besprochenen Berichte aus den J. 315 = 439 Liv. IV 13, 369 = 385 Liv VI 16, 391 = 364 Liv. VII 4, 429 = 325 Liv. VIII 33–35, 440 = 314 v. Chr. Liv. IX 26, wenn sie überhaupt Glaubwürdigkeit verdienen, Dictatoren erwähnen, gegen welche die Provocation unwirksam ist, kann diese Einschränkung des dilatorischen Imperium nicht in dem 305 = 449 v. Chr. beschlossenen valerisch-horazischen Gesetze enthalten gewesen sein (zu Liv. VIII 33, 8 vgl. Herzog 724), welches die Wahl eines unumschränkten Collegiums, wie die Decemvirn, künftig unmöglich machen wollte. Wahrscheinlich ist dieselbe erst 454 = 300 v. Chr. erfolgt, Liv. X 9, 5. Willems 81, 4 bestreitet auf Grund der von Becker II 1, 388 und Nissen 73–78 angezogenen Stellen, dass die Dictatur der Provocation unterworfen wurde, da auch das s. c. ultimum des letzten Jahrhunderts der Republik davon befreit war. Mehr und mehr ist somit das so viel bekämpfte – nicht zum wenigsten, weil dem Volk kein Anteil an der Ernennung des D. zustand – aber im ganzen betrachtet, recht nützliche Amt der Dictatur in den Hintergrund getreten, Mommsen III 1240. Im Notfall sicherte das s. c. ultimum den Consuln die Möglichkeit, im Namen des Staatswohles durchgreifende Massregeln zu treffen. Die Fasti Cap. verzeichnen 538 = 216 v. Chr.: M. Iunius D. f. D. n. Pera dict. rei gerund. caussa als den letzten D. im ursprünglichen Sinne, 552 = 202 v. Chr.: C. Servilius C. f. P. nepos dict. comit. habend. caussa als den letzten mit anderm Auftrage. Gesetzmässig abgeschafft worden ist die Dictatur nicht; sie wird daher unter den zu Recht bestehenden Ämtern noch öfter officiell erwähnt, beispielsweise im bantinischen Gesetz Z. 15 (CIL I p. 45), der Lex Acilia repet. Z. 8 (CIL I p. 58) u. ö., vgl. Liv. XLI 9, 11 (im J. 577 = 177). CIL I 210. Cic. pro Rab. ad iud. 14. Varro l. l. VI 93. Mommsen I 561, 1. So konnten Sulla und Caesar auf den Namen D. zurückgreifen, um ihre völlig anders geartete, der republicanischen Verfassung widerstreitende Gewalt auf Grund besonderer Gesetze aufzurichten. Der Interrex L. Valerius Flaccus beantragte für Sulla 672 = 82 v. Chr eine Competenz als d. rei publicae constituendae Cic. ad Att. IX 15, 3; de leg. agr. III 5ff.; de leg. I 42. Plut. Sull. 33. Caesar ward 706 = 48 v. Chr. vom Praetor Lepidus zum D. ernannt, Caes. b. c. II 21. Cass. Dio XLI 36. Fasti Cap., dann wurde die Machtbefugnis auf zehn Jahre verlängert, bald auf Lebenszeit ausgedehnt. Beide Dictaturen sind deshalb hier nicht näher zu erörtern; vgl. Lange I 764. III² 150f. 418. 429. Madvig I 492f. Humbert 165 und die Art. C. Iulius Caesar, P. Cornelius Sulla (Bd. IV S. 1556). So hat auch die von Μ. Antonius durchgesetzte lex Antonia de dictatura tollenda (Cass. Dio XLIV 51. Liv. ep. 116. Cic. Phil. I 3. 5. V 10) trotz der zur Begründung vorgebrachten Velleitäten nicht der zu Begin der Republik aufgerichteten Ausnahmestellung gelten können.

B. Die latinische Dictatur. In mehreren latinischen Städten ist nicht wie sonst, besonders [389] in den latinischen Colonien, das oberste Gemeindeamt zwei Collegen unter dem Titel duumviri oder praetores übertragen, sondern einem D., so in Aricia (CIL XIV 2169. 4195), Lanuvium (Cic. pro Mil. 27. 45. Ascon. in Mil. p. 27. CIL XIV 2112 dict(ator) III. 2097. 2110. 2121. 2119? vgl. 4178 c allectus in[t]er dictatorios), Nomentum (CIL XIV 3941. 3955 dictator IIII), Tusculum {Liv. III 18, 2. VI 26, 3. Cato orig. fr. 58 bei Prisc. IV 129), ferner in Caere (CIL XI 3615), und der Bürgercolonie Fabrateria vetus (CIL X 3655). Wie Traian das Amt ehrenhalber in Aricia, CIL XIV 2213, übernahm, so auch Hadrian in latinischen Städten, Hist. Aug. Hadr. 19: per latina oppida d. et aedilis et duumvir fuit. Dieser D. ist als Nachfolger der einstigen Könige anzusprechen, deshalb heisst in Alba der oberste Beamte bald rex, bald d., wie Mommsen II 171, 3 zeigt, und der latinische D. ist befugt, die Priester zu ernennen, Ascon. in Mil. p. 32. Cic. pro Mil. 27. 45. Ob aber dieser Namenwechsel unter römischem Drucke vor sich ging, bleibt Vermutung. Das Amt ist jährig, Plut. Rom. 27: τοῦ Πάππου Νομήτορος ἐν Ἄλβῃ τελευτήσαντος αὐτῷ βασιλεύειν προςῆκον εἰς μέσον ἔθηκε τὴν πολιτείαν δημαγωγῶν καὶ κατ’ ἐνιαντὸν ἀπεδείκνυεν ἄρχοντα τοῖς Ἀλβανοῖς. Dionys. V 74: Λικίννιος δὲ παρ’ Ἀλβανῶν οἴεται τὸν δικτάτορα Ῥωμαίους εἰληφέναι, τούτους λέγων πρώτους μετὰ τὸν Ἀμολίου καὶ Νεμέτορος θάνατον ἐκλιπούσης τῆς βασιλικῆς συγγενείας ἐνιαυσίους ἄρχοντας ἀποδεῖξαι τὴν αὐτὴν ἔχοντας ἐξουσίαν τοῖς βασιλεῦσι, καλεῖν δὲ αὐτοὺς δικτάτορας. Dass Tullus die Amtszeit des D. ins dritte Jahr verlängerte, wird von Dionys. III 22. 23. 28 hervorgehoben. Wenn der D. in Alba nur noch als Priester amtiert, so ist deshalb nicht auch den andern municipalen Dictatoren religiöser Charakter beizulegen. Einige Spuren führen auch auf eine weitere Anpassung an die Stadtverfassung mit collegialer Spitze hin; so werden in Caere die zwei ersten Beamten als d. und aedilis iure dicundo praefectus aerari CIL XI 3614, dann ebd. 3593 (vgl. 3615) als dictatores genannt, ebenso in Fidenae, in einer Inschrift aus der Zeit des Gallienus, CIL XIV 4058, wo es schon am Ende der Republik und unter Augustus Duovirn gab, CIL I 1111. Die Annahme Schweglers II 291, dass nach Alba Longas Fall an die Spitze des latinischen Bundes ein D. getreten sei, ist nicht zutreffend; nach Liv. VIII 3, 9 müssen die Leiter zwei praetores gewesen sein, und ebenso sind die von Dionys. III 5, 7. 34. V 61 erwähnten στρατηγοὶ αὐτοκράτορες zu fassen, trotzdem er so im übrigen D. wiedergiebt (s. o.), Mommsen II 171, 2. III 617.

Litteratur. Zu A. Becker Hdbch. der röm. Alt. II 2, 150–181. Schwegler Röm. Gesch. II² 120–131. III 71. 264. Walter Gesch. des röm. R. I³ 209ff. Lange Röm. Alt. I³ 583ff. 749–765. Mommsen St.-R. II³ 141–172. III 1240; Abriss des r. St.-R. 162–163; R.-G. I⁶ 341. Karlowa Röm. R.-Gesch. I 211–216. Herzog Röm. Staatsverf. I 718–729. Madvig Verf. und Verw. des r. St. I 483–494. A. Nissen Beiträge zum röm. Staatsrecht, Strassburg 1885 S. 62–78. Schiller Röm. Altertümer in Iw. Müllers Handbuch IV², 2, 58–60. G. Humbert in Daremberg-Saglio Dictionnaire II 161–166. [390] Mispoulet Instit. politiques I 137–142. Paris 1882. Willems Droit public romain⁶ 256–261. Alb. Dupond De dictatura et de magisterio equitum. Paris 1875. Η. Η. Martin Sur l’origine et le sens primitif du mot dictator. Revue crit. 1875, 127ff. E. Servais La dietature, Paris 1886. Pardon Die röm. Dictatur, Progr. des Luisenstädt. Realgymn. 1884. Schön Die Dictatur des M. Valerius im J. 253, Progr. Ried 1893. F. Haverfield The abolition of the dictatorship. Class. Rev. III 77. Zu B. Chr. G. Lorenz De dictatoribus Latinis et municipalibus, Grimma 1841. Henzen Bull. d. Inst. 1851, 186ff. 1858, 169; Ann. d. Inst. 1859, 193ff. Mommsen St. R. II³ 170ff. III 617; R. G. I⁶ 341. Madvig I 483. II 13. Humbert a. a. O. 166. Liebenam Städteverwaltung 254.

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