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Demothoinia (δημοθοίνια, aus δῆμος und θοίνη zusammengesetzt) heisst die Volksbewirtung, Volksspeisung (Poll. I 34. VI 8. IX 10). Das Wort scheint nachclassisch zu sein, denn zuerst wird es gebraucht bei Aristoteles (π. κόσμ. 400 b 21), dann bei Lukian (Phalar. I 3); auch auf Inschriften erscheint es in Athen gar nicht, sonst sehr selten (CIG 2347 k. 2374 e. 2880. 4039. IGS I 2712. IGIns. III 335 B von Thera. Bull. hell. XV 199 aus dem Tempel des Zeus Panamaros), wie es scheint, nur aus der Kaiserzeit. Damit soll nicht behauptet werden, dass das Wort von Aristoteles neu geschaffen worden sei, nur als Terminus technicus darf es wenigstens bis gegen Ende des 4. Jhdts. nicht gelten und aus gutem Grunde; die Volksspeisungen waren sehr einfach, ob sie von einem einzelnen Bürger ausgingen, dem sie als besondere Leiturgie (ἑστίασις, s. d.) von Staatswegen auferlegt wurden, oder als Opferschmäuse vom Staate selbst ausgerichtet waren (δεῖπνα δημοτελῆ, Plut. pr. vir. 5 p. 77 e), in diesem Falle beschränkten sie sich auf die Verteilung des Opferfleisches unter die Bürger (κρεανομία) nach ihren Abteilungen, in Athen nach den Demen (CIA II 163), nur in Ausnahmefällen und auf besonderen Beschluss wurde Wein verabreicht, und auch dies geschah mittels Beiträgen aus der Demencasse (CIA II 570). Erst aus viel späterer Zeit der Römerherrschaft sind Documente vorhanden, die eine wirkliche Bewirtung des Volkes, und zwar nicht auf die Bürger beschränkt, bezeugen, so dass das Opfer ganz in den Hintergrund tritt, und erst diese Schmäuse, sei es vom Staate, sei es von reichen Privatleuten – das war die Regel – veranstaltet, können den Namen D. beanspruchen, obgleich auch für sie Hestiasis die gewöhnliche Bezeichnung bleibt; so ist mit D. in der Inschrift des Priesters Aristippos aus dem Tempel des Zeus Panamaros (Bull. hell. XV 199), bei welcher dem Volke δεῖπνα ἀποφόρητα verteilt werden, augenscheinlich nichts anderes gemeint, als was in den zahlreichen Ehreninschriften seiner Collegen mit dem Wort Hestiasis bezeichnet wird. Wie weit die Liberalität bei einer (ausdrücklich so genannten) D. gehen konnte, davon giebt ein glänzendes Beispiel in Akraiphiai der auch sonst bekannte Epameinondas des Epameinondas Sohn zur Zeit des Kaisers Nero, indem er, und zwar zu wiederholtenmalen und mehrere Tage hintereinander ausser den Bürgern die Beisassen (πάροικοι), die zufällig anwesenden Fremden und die Bürgerkinder, ja sogar bisweilen die erwachsenen Sclaven zu Gaste lud, während seine Gattin wenigstens bei einer besonders feierlichen Gelegenheit die Bürger-Frauen und -Mädchen nebst [194] ihren Sclavinnen bewirtete, wobei ,Fleischportionen, Frühstücke, Mittagessen, Süssigkeiten, grosse Gebäckstücke, alter Wein, Geld für Zukost u. s. w.‘ zur Verteilung gelangten (IGS I 2712). Dass bisweilen die D. als eine Art kyklischer Leiturgie den reicheren Bürgern auferlegt wurde, scheint das Inschriftfragment aus Thera (IGIns. III 335 B) zu beweisen, welches einen Namenkatalog bietet, wobei jedem derselben ein ἐδημοθοίνησεν vorhergeht – also eine Liste von (wahrscheinlich) jährigen ,Volksbewirtern‘. Im Munde der Christen bekam D. die Bedeutung ,Festtag‘ (was übrigens auch in der obenerwähnten Inschrift aus dem Tempel des Zeus Panamaros vorzüglich passen würde), Theodoret. hist. eccl. 3. Weiteres unter Hestiasis.
[v. Schoeffer.]

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft

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