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Delphin. 1) Der D. der Alten ist der gemeine D. (Delphinus delphis L.), der weit grössere Tümmler (Delphinus tursio) ist wahrscheinlich die φάλαινα des Aristoteles (Aubert-Wimmer Arist. Tierkunde I 76), die von Plinius (n. h. IX 34) unter dem Namen thursio beschrieben wird. Die φώκαινα des Aristoteles (hist. an. VI 12, 566 b 9. VIII 13, 598 b 1. Plin. n. h. IX 50. Ael. V 4), die im Schwarzen Meere zu Hause ist und von ihm als kleiner, breiter und blaufarbig beschrieben wird, scheint das Meerschwein oder der Braunfisch (Phocaena communis) zu sein. Im indischen Ocean gab es zwei Arten von D. (Ael. XVI 18), eine wilde mit scharfen Zähnen und eine zahme, welche die Schiffer umschwärmt gleich schmeichelnden Hündchen. Dass die D. bisweilen in den Flussmündungen emporsteigen, wussten die Alten so gut wie die modernen Zoologen (Plin. VIII 91; aus ihm Sol. 143, 19 M. Ammian. Marc. XXII 15, 18. Senec. quaest. nat. IV 11. Isid. XII 6, 11); im Nildelta kämpften sie mit Krokodilen, im Ganges (Artemidor bei Strab. XV 719) und im Dyardanes (Curtius VIII 9, 9) sollen sie gleichfalls vorkommen. Von Aristoteles wird der D. zu den Walen gerechnet (hist. an. I 5, 489 b 2; vgl. Meyer Arist. Tierk. 151f. 289f.); charakteristisch ist für ihn, dass er lebendige Junge gebiert ohne vorangehende Eibildung (hist. an. I 5, 489 a 34. Plin. IX 21. 43. Opp. hal. I 654), die Jungen durch Säugen ernährt (Arist. a. a. O. Opp. hal. I 660. Plin. IX 21. Ael. n. a. X 8), durch die Lunge atmet (Arist. de part. IV 13, 697 a 14. III 6, 669 a 3), Knochen und keine Gräten hat (Arist. hist. an. III 7, 516 b 11. Plin. XI 215). Falsch ist Aristoteles’ Angabe (hist. an. VIII 2, 591 b 25; de part. IV 13. Plin. IX 20), dass das Maul auf der Bauchseite sitze, und ungenau die Notiz, dass sich das Spritzloch am Rücken befinde (hist. an. I 5). In das Gebiet der Fabel gehört die Nachricht, dass sich die Jungen bei drohender Gefahr in dem Rachen der Mutter verstecken (Opp. hal. I 657), und dass er im Falle der Krankheit vom πίθηκος θαλάττιος frisst (Ael. n. a. XV 17 aus Leonidas von Byzanz). Richtig ist dagegen die Angabe, dass er sehr gefrässig ist (Opp. hal. II 551), dass seine schlimmsten Feinde die eigenen Familienglieder sind (Ael. n. a. V 48) und der Fischadler (Keller Tiere des class. Altertums 234), dass ihm sein Ungestüm gefährlich wird, da es ihn auf den Strand treibt (Pankrates bei Athen. VII 283 a. Ael. n. a. XV 23), und dass er häufig den Angriffen grösserer Fische ausgesetzt ist (vgl. Ael. n. a. I 5. Opp. hal. II 560f. Quelle Leonidas von Byzanz, vgl. M. Wellmann [2505] Herm. XXX 161ff.). Was endlich Theophrast ([Arist.] hist. an. IX c. 48, 631 a 8ff.; vgl. Joachim De Theophrasti libris περὶ ζῴων, Bonner. Diss. 1892, 46) von ihrer Zähmbarkeit (Zuneigung zu Menschen in Karien d. h. Iassos und Tarent, vgl. Theophr. bei Plin. IX 28), von ihrer Geselligkeit (vgl. Ael. X 8) und ihrer grossen Schnelligkeit im Schwimmen (vgl. Plin. IX 20. Ael. XII 12. Opp. hal. II 533. Isid. orig. XII 6, 11) berichtet, beruht, Übertreibungen abgerechnet, gleichfalls auf Wahrheit. Der nacharistotelischen Zoologie der Kaiserzeit, die, unter pythagoräischen Einflüssen stehend, von dem Streben geleitet wurde, die Wesensgleichheit von Mensch- und Tierseele zu erweisen, ja das Tier sogar ethisch höher zu stellen, hat der D., der ja nach der Sage erst durch Verwandlung zum Tiere geworden (Porph. de abst. III 16. Opp. hal. I 649. Lucian. dial. mar. 8), reichlich Stoff zur Erhärtung ihrer These gegeben; von seiner Klugheit (Ael. n. a. XI 12. Plut. de soll. anim. c. 26, 977 F; vgl. Theophr. a. a. O.), seiner Achtung gegen die Toten (Theophr. a. a. O., aus ihm Ant. Kar. c. 60. Ael. n. a. XII 6. Opp. hal. II 628f. Plin. IX 33), seiner Liebe zu seinen Jungen (Ael. n. a. I 18. Opp. hal. V 526 nach Leonidas), von seiner Hülfsbereitschaft beim Fischfang (Plin. IX 29f. Ael. n. a. II 8. Opp. hal. V 416f. nach Leonidas) wissen die späteren Zoologen nicht genug zu erzählen. Verschieden von diesen Erzählungen ist die grosse Zahl von Märchen, die sich schon früh an dieses Tier angesetzt haben. A. Marx Griechische Märchen von dankbaren Tieren und Verwandtes (Stuttg. 1889) hat sie eingehend behandelt (5ff.). Das Motiv in allen diesen Märchen ist Dankbarkeit für eine erwiesene Wohlthat oder Liebe. Eines der ältesten D.-Märchen (Archilochos kannte es schon, frg. 114 B.) handelt von Koiranos, der einen oder mehrere D., die sich in Netzen gefangen hatten, loskauft und zum Dank dafür von ihnen bei einem Schiffbruch gerettet wird (Ael. n. a. VIII 3 = Plut. de soll. an. c. 36, 985 C. Phylarch bei Athen. XIII 606 d). An die Stelle der Rettungsthat des D. tritt seine Zähmung in dem von Paus. III 25, 7 erzählten Märchen, das in Poroselene spielt (vgl. Kalkmann Pausanias der Perieget 28). Das Motiv der Liebe kennt schon die voralexandrinische Zeit. Zu Theophrasts Zeiten erzählte man das Märchen in dieser Gestalt an drei verschiedenen Orten: 1. in Naupaktos (Theophr. bei Plin. IX 28. Gell. N. A. VI 8; Achaia hat dafür Philo de anim. c. 67); 2. in Tarent (Held der Sage ist Taras, Theophr. bei Arist. IX c. 48; vgl. Arist. frg. 590); 3. in Karien d. h. in Iassos; vgl. Joachim a. a. O. 46. In hellenistischer Zeit wurde es in mannigfacher Weise ausgeschmückt, und besonders der tragische Ausgang des Liebesverhältnisses in die Erzählung hineingebracht. Das bekannteste Märchen dieser Art knüpft an die karische Stadt Iassos an (Plin. IX 27 aus Hegesidemos = Plut. de soll. anim. c. 36, 985 A B; anders Ael. n. a. VI 15), das auch zur Erhöhung seiner Glaubwürdigkeit mit Alexander d. Gr. in Verbindung gebracht wurde (Duris bei Athen. XIII 606 c. Plin. IX 27). Ähnlich das D.-Märchen von Poroselene in der umgeänderten Form (Dankbarkeit und Liebe sind in ihm zu einem Ganzen verschmolzen), die es [2506] bei Ael. n. a. II 6 und Opp. hal. V 458 hat. (Quelle Leonidas von Byzanz; vgl. M. Wellmann Herm. XXX 169f.). Von der Liebe eines D. zu einem Hirten in Libyen erzählt Opp. hal. 453ff. Solche Märchen waren an den verschiedensten Orten verbreitet, Alexandreia (zur Zeit Ptolemaios II. nach Ael. n. a. VI 15), Amphilochia (Plin. n. h. IX 28), Ios (Ael. n. h. II 6). Auf italischem Boden sind sie gleichfalls häufig, besonders seit der augusteischen Zeit; Plinius (n. h. IX 25) erzählt nach Fabianus, Flavius Alfius und Maecenas eine Geschichte von einem D., der einen Knaben von Baiae nach Puteoli über den Neapler Golf zur Schule trug. In Puteoli ist auch das von Apion berichtete Märchen localisiert (Gell. n. a. VI 8; vgl. Ael. n. h. VI 8). Die Geschichte, welche der ältere Plinius (n. h. IX 26; vgl. Sol. 12, 9) und sein Neffe (ep. IX 33) übereinstimmend erzählen von einem D. an der africanischen Küste bei der Stadt Hippo Diarrytus, der so zutraulich geworden, dass er Menschen aus der Hand gefressen, mit Badenden gespielt habe u. s. w., schliesslich aber von den Einwohnern der Stadt getötet worden sei, mag zum Teil auf Thatsachen beruhen.

Als König der Bewohner des Meeres (Opp. hal. II 539. Ael. n. a. XV 17) ist der D. in Sage, Bild und Lied verherrlicht worden wie kaum ein zweites Tier. Seine grosse Lebhaftigkeit, seine lustigen Spiele, seine geringe Scheu vor den Menschen, und nicht zum wenigsten seine grosse Liebhaberei für Musik, haben die Phantasie der griechischen Dichter angeregt, Pind. Nem. VI 64; Pyth. II 51; frg. bei Plut. de soll. anim. c. 36, 984 C. Eurip. Electra 435 (parodiert von Aristoph. Frösche 1317); Helena 1454. Bei Homer kommt er erst in einem jungen Stück der Odyssee (XII 96) vor. Die D. waren der Sage nach ursprünglich Menschen und erst von dem Seefahrtsdionysos zur Strafe für ihren Verrat verwandelt worden (Hom. hym. VII); daher ihre menschliche Einsicht und Klugheit, daher ihre Liebe zu den Menschen. Den Schiffern sind sie willkommene Boten, da sie ihnen verraten, woher der nächste Wind zu erwarten ist (Artemid. oneirocr. I 16, 110) oder wann Sturm im Anzuge ist (Isid. orig. XVII 6, 11. Lucan. V 552). Die Sage weiss zu erzählen, dass sie Menschen retten und Leichen ans Land tragen, damit sie der Bestattung teilhaftig werden; so wurde Enalos (wohl ursprünglich ein Meergott, vgl. Tümpel Bemerkungen z. gr. Religionsgeschichte 1886, 1ff.), der sich seiner Geliebten nach ins Meer stürzte, von einem D. nach Lesbos getragen (Plut. conv. sept. sap. c. 20; de soll. anim. c. 36). Den Telemach, der als Kind ins Meer gefallen, retteten D. (Plut. de soll. anim. c. 36), daher nahm Odysseus aus Dankbarkeit das Bild eines D. auf seinen Ring und seinen Schild (Stesichoros bei Plut. a. a. O.; δελφινόσημος ist sein Beiname bei Lyk. Alex. 657; vgl. dazu Schol. und Tzetz. Kalkmann Paus. der Perieget 252). Die Lesbier erzählten dasselbe von einer lesbischen Jungfrau (Plut. conv. sept. sap. c. 19). Die Leiche des Hesiod, die Mörder ins Meer geworfen hatten, trugen die dem Apollon heiligen Tiere nach Rhion ans Land (Plut. de soll. anim. c. 36, 984 D; conv. sept. sap. c. 19). Den Leichnam des Melikertes-Palaimon brachte [2507] ein D. nach Korinth (Paus. I 44, 8. II 1, 3), wo er von Sisyphos begraben wurde. Der D. galt als heiliges Tier (Athen. VII 282 E), ein gestrandeter D. war von böser Vorbedeutung (Artemid. a. a. O.; als Motiv verwandt in der kallimacheisehen Elegie von Hero und Leander; vgl. G. Knaack Festgabe für Susemihl 75). Einen D. zu fangen oder gar zu töten galt als Sünde (Opp. hal. V 416. Plut. conv. Sept. sap. c. 19), der Thäter verfiel der Strafe der Götter; fing er sich zufällig in einem Netz, so wurde er freigelassen (Plut. conv. sept. sap. c. 19; de soll. anim. c. 36. Ael. n. a. XI 12).

Naturgemäss ist der D. das Attribut aller Gottheiten des Meeres, vor allem des Gottes, der seinen Namen trägt und dem er seit alters heilig war (Serv. Aen. III 332), des Apollon Delphinios, des alten chalkidischen Seefahrergottes (A. Mommsen Heort. 1. v. Wilamowitz Herm. XXI 105). Apollon wurde selbst in Gestalt eines D. gedacht (Maass Gött. gel. Anz. 1889, 810) und hatte der Sage nach die Kreter, die ihn seit alter Zeit verehrten (Hom. hymn. in Apoll. 394. Plut. de soll. anim. c. 36, 984 B. Hermippos in den Schol. Arat. 316), unter Führung seines Sohnes Eikadios, des κτίστης von Patara (Serv. Aen. III 332), bezw. des Delphos, des Sohnes des Poseidon und der Melantho (Schol. Veron. Verg. Aen. IV 146; vgl. Ovid. met. VI 120. Epaphr. in Schol. Aesch. Eum. 2), von Knossos über das Meer in Gestalt eines D. nach Krisa geführt. Eine Nachbildung dieser Sage scheint die von Soteles und Dionysios zu sein, die, von Ptolemaios Soter nach Sinope geschickt, um die Statue des Sarapis nach Alexandreia zu bringen, von einem D. nach Kirrha geführt werden, wo sie genauere Weisungen von Apollon erhalten (Plut. de soll. anim. c. 36, 984 B. Tac. hist. IV 83f.). Auf einem Vasenbild ist Apollon dargestellt, wie er auf einem geflügelten Dreifuss von Delphinen begleitet über das Meer dahinfährt (Mon. d. Inst. I 46). Seine Hypostasen sind Arion, Eikadios (Ἀπολλων Εἰκάδιος; vgl. Etym. M. 298, 1), Taras, Phalanthos. Die Mythen von Arion, Eikadios, Phalanthos haben die Darstellung eines D.-Reiters (eines Gottes auf einem D., s. dazu Usener Sintflutsagen 138ff.) zur Voraussetzung, die an verschiedenen Orten nachweisbar ist: 1. im Poseidonheiligtum zu Tainaron, auf Arion bezogen (Paus. III 25, 7. Ael. n. a. XII 45); 2. in Korinth (Paus. II 1, 3), auf Melikertes-Palaimon bezogen (Paus. I 44, 8. II 1, 3. Schol. Pind. Isthm. hypoth.), auch auf Arion (Hyg. fab. 194); 3. in Tarent (Prob. zu Verg. Georg. II 176. Arist. frg. 590), auf Taras, den Sohn des Poseidon gedeutet, ursprünglich aber auf Phalanthos gehend, den Führer der lakedaimonischen Colonie nach Tarent, der vor seiner Fahrt nach Italien Schiffbruch gelitten und von einem D. nach Kirrha ans Land getragen sein soll (Paus. X 13, 10). Über Darstellungen auf tarentinischen Münzen vgl. Studniczka Kyrene 175ff. Keller a. a. O. 221. In der Statuengruppe des Onatas, welche von den Tarentinern als Weihgeschenk nach Delphi gestiftet wurde, war zur Seite des Phalanthos ein D. angebracht (Paus. X 13, 10); 4. in Iassos (Ael. n. a. VI 15), auf Hermias gedeutet. Nachbildungen auf Münzen der Stadt (Ael. a. a. O. Plut. de soll. anim. c. 36, 985 A B. Poll. IX 84), [2508] eine Münze mit der Beischrift ΙΑ[σέων] ΕΡΜΙΑΣ (Imhoof-Blumer Monnaies grecques p. 311 nr. 65; vgl. Marx a. a. O. 17); 5. in Puteoli (Gell. n. a. VI 8). Die Musikliebe des D. (φιλόμουσος, φίλαυλος) erklärt sich aus diesem Verhältnis zu Apollon; das Sternbild hat neun Sterne nach der Zahl der Musen (Erat. catast. 160 R. Ovid. fast. II 118). In Rom wurde mit Beziehung auf Apollon von dem Collegium der Quindecemviri sacris faciundis (Orakelbewahrer) am Tage vor dem Opfer ein D. velut symbolum, in feierlichem Aufzuge umhergetragen (Serv. Aen. III 332). Weiter ist der D. das Attribut des Dionysos πελάγιος. Dionysos war es gewesen, welcher die tyrrhenischen Seeräuber, die den jungen Gott geraubt hatten, auf der Fahrt von Ikaria nach Naxos in Delphine verwandelt hatte (Hom. hymn. VII. Ovid. met. III 532. Apollod. III 5, 3. Hyg. fab. 134. Serv. Aen. I 67. Opp. hal. I 649). Die Reliefs, die den Fries des Lysikratesdenkmals (334 v. Chr.) schmücken, haben die Verwandlung zur Darstellung (Müller-Wieseler Denkmäler der alten Kunst I Taf. 37). Die Vase des attischen Malers Exekias in München stellt den epheubekränzten Dionysos auf einem delphinartig geformten Schiffe liegend dar, das zwischen Delphinen dahinfährt (Jahn Vasensammlung König Ludwigs 339). Dionysos und D. auf einer Münze von Eurymenai (vgl. Maass Herm. XXIII 73f.). Der D. steht ferner in Beziehung zur Amphitrite, die dem Poseidon die Delphine hütete (Hora. Od. XII 96f.; am Westgiebel des Parthenon ist sie durch den D. charakterisiert), zu den Nereiden (vgl. den Arionhymnus bei Ael. n. a. XII 45; Skopas schuf das schöne Motiv der delphinreitenden Nereide, Plin. n. h. XXXVI 26; über bildliche Darstellungen vgl. Keller a. a. O. 170. Heydemann Nereiden mit den Waffen des Achill, Halle 1879; der D. als Gottheit angerufen mit den Nereiden Orph. hymn. XXIV Abel), zu Triton, der in der älteren Kunst mit einem D. in der Hand dargestellt wurde (Mon. d. Inst. VI 36. Brückner Athen. Mitt. XV 1890, 100), zu Thetis (Val. Flacc. I 130f. Stat. Achill. I 221f.), vor allem natürlich zu Poseidon, dem πελάγιος (Arist. Ritt. 563; vgl. Opp. hal. I 385). Die Cultbilder zeigen den Gott mit einem D. in der Hand (Erat. cat. 31 p. 158 R.; so tenische und boiotische Münzen; vgl. Keller 221; s. die Darstellung des Poseidon in dem Götterzuge auf der im Capitol. Museum befindlichen Brunnenmündung Helbig Führer I 336) oder einen Fuss auf den D. setzend (Paus. X 36, 8. Hyg. p. a. II 17; vgl. Helbig II 331). Nach der Sage findet ein D. die Amphitrite, die sich vor Poseidon zum Atlas geflüchtet hat (Erat. cat. 31, 158 R. Hyg. a. a. O.), bezw. zu dem Palast des Okeanos (Opp. hal. I 388), in der Gestalt eines D.s berückt er die Melantho, die Tochter des Deukalion und Mutter des Delphos (Tzetz. Lyk. 208. Ovid. met. VI 120), sein Sohn Theseus erhielt von ihm Delphine zu Begleitern in die Tiefe des Meeres auf der Suche nach dem Ring des Minos (Hyg. p. a. II 5). Als heiliges Tier des Poseidon fand er auch im römischen Circus Verwendung, wo am Ende der Spina auf besonderen Gerüsten sieben drehbare Delphine angebracht waren, die nach jedem Umlauf umgedreht wurden und so die Zahl [2509] derselben angaben (über bildliche Darstellungen vgl. Keller 238. Helbig I 258). Auch der Aphrodite, der aus dem Meer geborenen Göttin, ist er heilig. Ein D. soll sie nach ihrer Geburt bei Paphos ans Land getragen haben (Nonn. Dionys. XIII 439f.), sie selbst verwandelt sich in einen D. (Ovid. met. V 331). Über den D. als das Ross der Liebe vgl. Keller 222. Der schwimmende Leander von Delphinen begleitet auf dem Wandbild aus dem Hause der Vettier, Mau Röm. Mitt. XI 17. Aphrodite mit Eros und D. auf Münzen häufig, so auf Münzen von Laodikea, von Mastaura, Anchialos, Apamea; vgl. Riggauer Eros auf Münzen, Leipz. 1880, 13. Eros auf einem D. reitend ist eine der häufigsten Motive der hellenistischen und römischen Kunst, vgl. Keller 222 A. 166f. Dieselbe Darstellung auf Münzen von Paestum, Nikomedia, Perinthus, Deultum, Lampsakos, Tarent, vgl. Riggauer a. a. O. 19f. Die Verstirnung des D. gehört der hellenistischen Poesie an; das Sternbild steht nahe an der Milchstrasse östlich von dem hellen Stern im Adler (s. Nr. 2). In der antiken Fabel (Aesop. fab. 363 H.) und im Sprichwort (Köhler Das Tierleben im Sprichwort 23) begegnet er uns gleichfalls. Über die Verwendung der D.-Figur in der bildenden Kunst und Industrie der Alten vgl. Keller a. a. O. 216f. Auf Münzen ist er häufig zur Bezeichnung blühenden Seehandels, vgl. Keller 217. Gejagt wurde er von den barbarischen Völkern an der Küste des Schwarzen Meeres, von den Thrakern in der Gegend von Byzanz, die ihn mit Harpunen erlegten (Opp. hal. V 519f. Ael. n. a. I 18), und von den Mosynoiken, die sein Fett wie Öl verwandten (Xen. anab. V 4, 28). Das D.-Fleisch wurde eingepökelt (Gal. VI 728. Ael. n. a. XVI 18), es galt als hart (Gal. a. a. O.) und ungesund (Gal. VIII 183). Der Thran wurde mit Wein bei Wassersucht getrunken (Plin. n. h. XXXII 117), mit D.-Fett räucherte man bei hysterischen Erstickungsanfällen (Plin. a. a. O. 129), die Leber des D. sollte bei Wechselfiebern helfen (Plin. a. a. O. 113), die Asche Flechten und Aussatz beseitigen (Plin. a. a. O. 83), die Asche von den verbrannten Zähnen endlich bei Zahnleiden heilsam sein (Plin. a. a. O. 137); vgl. O. Keller Tiere des class. Altertums 211ff.

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