ART

Bovillae (Bohillae Non. 122 M. und Schol. Perg. VI 55 wegen der albernen Etymologie von hillae = intestina bovis; die Griechen Βοΐλλαι; Einwohner Bovillani und Bovillenses, Βοϊλλανός Dionys. und Steph. Byz.), Stadt in Latium an der Via Appia, 11 mp. von Rom, galt als Colonie von Alba Longa (Diod. frg. l. VII. Origo gentis Roman. 17) und wird in der Liste der dreissig latinischen Bundesstädte bei Dionys. V 61 aufgeführt. Dass die Bovillani am Feste auf dem Mons Albanus teilnahmen, bezeugt Cic. pro Planc. 23; schon in späterer republicanischer Zeit bestand die Fiction, dass die sacra von Alba Longa nach B. übertragen seien; namentlich scheinen die virgines Vestales Albanae (CIL XIV 2410. VI 2712) in oder bei B. ihren Kult verwaltet zu haben (Ascon. ad Milon. 17). Auch das sacrarium der aus Alba Longa hergeleiteten gens Iulia befand sich in B. (Inschrift aus dem 2. Jhdt. v. Chr oder der sullanischen Zeit CIL XIV 2387) und wurde von Tiberius 16 n. Chr. wiederhergestellt (Tacit. ann. II 41). Das ludicrum circense Iuliae [799] gentis apud Bovillas erwähnt Tacit. ann. XV 23, wahrscheinlich wurde dasselbe abgehalten unter Leitung der sodales Augustales, die in B. ihr Amtslocal hatten (Fasten derselben, grossenteils in den Ruinen von B. gefunden, CIL VI 1984–1996. XIV 2388–2404). Auf Grund dieser Anknüpfung an Alba bezeichnen sich daher die Einwohner mehrfach als Albani Longani Bovillenses (CIL XIV 2405. 2406. 2409. 2411. VI 1851). In der Geschichte wird B. eigentlich nur (denn die Erstürmung von B. durch Coriolan, von welcher Dionys. VIII 20 und Plut. Cor. 20 erzählen, ist legendarisch und der angebliche Triumph über B. bei Florus I 5, 6 eine rhetorische Phrase) erwähnt wegen der Schlägerei zwischen den Leuten des Milo und des Clodius (52 v. Chr.), bei welcher letzterer getötet wurde (Appian. b. c. II 21. Cic. pro Mil. 17; ad Att. V 13, 1. Liv. epit. 107. Vellei. II 47). In wie weit die Angabe des Liber coloniarum 231 auf Wahrheit beruht, dass B. in sullanischer Zeit mit Mauern umzogen sei und eine Veteranencolonie bekommen habe, ist nicht auszumachen. In der Kaiserzeit hatte es municipale Verfassung (quattuorviri iure dicundo CIL VI 1851. XIV 2413) und erfreute sich als Vorort von Rom (suburbanae B. Propert. IV 1, 33. Ovid. fast. III 667) einer ziemlichen Blüte, wie auch die bedeutenden bei der Osteria delle Fratocchie ausgegrabenen Reste (Circus, Theater u. a., s. Canina Via Appia I 202–216; Edifizj di Roma antica VI tav. 51) bezeugen. Als Station der Via Appia (die schon 293 v. Chr. bis B. mit Lavapflaster versehen war, Liv. X 47, 4), wird es aufgeführt auf der Tab. Peut. und Geogr. Rav. IV 34 p. 277; gelegentlich erwähnt noch bei Suet. Aug. 100. Martial. II 6, 2. Tacit. hist. IV 2. 46. Plin. III 63. Aber der fundus Bovillanus (Var. Bovilianus, Bombilianus) bei Cic. ad Qu. fr. III 1, 2. 3 hat mit B. nichts zu thun, sondern lag in der Gegend von Arpinum. Lateinische Inschriften aus B. CIL XIV 2387–2425; vgl. Nibby Dintorni di Roma² I 302–313. Bormann Altlatinische Chorographie 159–164.
[Hülsen.]
Nachträge und Berichtigungen

S. 798, 47 zum Art. Bovillae:

Zwei stadtrömische Inschriften (Not. d. scavi 1886, 383, 215 = CIL VI 33 946. Not. d. scavi 1894, 280 = CIL VI 33 950) erwähnen Wagensiege Bovillis. Vgl. noch Nissen Ital. Landesk. II 585f.
[Hülsen.]

Bovillae

Latin. Stadt. (L) S I.
[Hans Gärtner.]

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft

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