ART

2) Das Wort wurde dann in übertragenem Sinne mitunter für verschiedene Werkzeuge mit zwei Zacken oder Spitzen, wie die Schere (Verg. epigr. X [VIII] 9), den zweiflügeligen Anker (Plin. VII 209. Corp. Gloss. L. IV 407, 2), regelmässig aber als Substantiv für den Karst, d. h. die zweizinkige Hacke, gebraucht, während raster oder rastrum in der Regel eine mehrzinkige Hacke bezeichnete. Heute nennt man den Karst in Italien (und Spanien) bidente, dessen Eisen etwa einer zweizipfligen Fahne ähnlich sieht, aber wohl auch etwas anders gestaltet sein kann. Auf einem römischen Grabmal ist ein ländlicher Arbeiter mit einem B. in der Hand abgebildet, dessen Eisen zunächst mit einer Seite quer am Stiel befestigt ist und dann in zwei ziemlich weit von einander abstehende, schwach gebogene, spitze Zinken ausläuft (Abb. bei Daremberg et Saglio Dict. I 709 fig. 854 nach Fabretti Inscr. ant. p. 574). Eine antike Gemme zeigt einen ermüdeten, sich auf eine Hacke mit zwei gebogenen Zinken stützenden, gefesselten Amor; diese unterscheidet sich aber wesentlich von der vorigen, sofern der Stiel wie beim capreolus zwischen dem spitzen Winkel, in welchem hier die Zinken zusammenstossen, hindurchgeht und die Enden der Zinken nicht spitz, sondern in Schneiden auslaufen (Abb. ebd. fig. 855). Auch auf andern Gemmen werden mythologische Personen, wie Saturnus und Psyche, den B. haltend und bisweilen ebenfalls gefesselt dargestellt (vgl. E. Saglio a. a. O. 709, 5). Unter diesen Darstellungen findet sich, auch ein B., welcher der angegebenen heutigen Form gleicht (Abb. bei Rich Ill. Wörterb. d. r. Altert., übers. von C. Müller 1862, S. 78). Ein in Mainz gefundenes Karsteisen aus römischer Zeit ähnelt fast einer geschlossenen Kneifzange; durch den oberen ringförmigen Teil war in horizontaler Richtung der Stiel hindurchgegangen (Abb. bei L. Lindenschmit Die Altert. unserer heidn. Vorzeit III Taf. IV 23). In heutigen Griechisch heisst der Karst τὸ δικέλλι oder τζαπί, wovon das letztere Wort aus dem spätgriechischen τζάπιον (Corp. Gloss. L. III 262, 62) hervorgegangen ist. Mit bidens identificiert wird in den mittelalterlichen Glossarien δίκελλα (Corp. Gloss. L. II 29, 52. 277, 33. III 204, 54. 440, 31) oder δίκελλον (edb. 23, 40. 326, 1), auch διόδους (ebd. 262, 60). Nun soll σμινύη (Aristoph. av. 602; nub. 1486. 1500; bei Eust. Il. II 267. Plat. rep. II 370 d. Xen. Cyr. VI 2, 34. 36; vgl. Nic. ther. 386. Ed. Diocl. 15, 44) oder σμινύς (Aristoph. bei Poll. X 173) oder σμινύδιον (ebd. VII 148) attisch gewesen sein, nämlich σμινύη von den Attikern nach Galenos (XVIII 2, 424) statt δίκελλα, nach Moiris [429] (p. 345 ed. Piers.) statt σκαφεῖον und ἀξίνη πλατεῖα gesagt sein. Doch wurde σμινύη eben verschieden erklärt, teils als δίκελλα, teils als ἀξίνη (Tim. gloss. p. 233), teils auch als σκαφεῖον (Phot. lex. Suid. Eust. a. a. O.) oder σκαφίδιον (Hes.), am genauesten als σκαφίον d. h. Hacke oder ἀξίνη ἐκ τοῦ ἑτέρου μέρους δικελλοειδής, also als eine Axt, welche auf einer Seite karstähnlich war (Schol. Plat. a. a. O.). Da σμινύη auch neben δίκελλα genannt wird (Poll. X 129. Alciphr. III 24, 3) und sich letzteres auch bei den Attikern findet, so scheint doch ein kleiner Unterschied in der Bedeutung zwischen beiden Wörtern obgewaltet zu haben. In den Geoponica findet sich übrigens σμινύη nicht. Die δίκελλα war ein ländliches Werkzeug (Poll. X 129. Ed. Diocl. 15, 48), mit welchem man das Land umgrub (Soph. Ant. 250. Ps.-Phocyl. 158 [146]. Bekk. anecd. I 240, 3) wie mit dem Pfluge (Aischyl. bei Steph. Byz. s. Ἄβιοι; vgl. Suid.) oder besser als mit diesem (Theophr. c. pl. III 20, 8), wenigstens in gebirgigen, stürmischen, regnerischen oder nördlichen Gegenden (Geop. II 23, 12), wo nur ein tiefgehender Pflug Ersatz schaffen kann (Geop. III 11, 8), während sich für einen leichteren Boden mehr der Pflug eignet (Geop. II 23, 5). Von den Römern wurde der B. neben dem Pfluge gebraucht (Tib. I 10, 49. II 3, 6. Ovid. fast. IV 694. 927. Masur. Sabin. Dig. XXXIII 7, 8 pr.), er allein, um Dorngebüsch auszuroden (Lucret. V 208), oder auf steinigem Boden (Plin. XVIII 46) oder im Garten (Iuv. III 228). Besonders aber wurden δίκελλα und B. beim Umgraben des Weingartens angewandt (Verg. ge. II 355. 400. Col. III 13, 3. IV 5, 5. 14, 1. 18, 8. V 5, 3; de arb. 12, 2. Geop. V 3, 2. 25, 4. 42, 1); dabei sollten die Zinken 3 Fuss lang sein (Plin. XVII 159). Ebenso sollte eine junge Baumpflanzung mit der δίκελλα umgegraben werden (Geop. X 81, 1); auch Dünger, welcher ein Jahr aufbewahrt war, damit umgearbeitet (Geop. XII 4, 5). Unkraut sollte im Juli mit kupfernen B. ausgerodet werden (Pall. VIII 5), wobei aber auch noch andere dem Aberglauben eigene Massregeln zu beobachten waren. Endlich gebrauchten auch die Soldaten den B. zum Aufwerfen von Gräben (Veget. r. mil. II 25).
[Olck.]

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