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Avidius. 1) Avidius Cassius, Usurpator im J. 175 n. Chr.

I. Quellen. Die Vita des Avidius Cassius von Vulcacius Gallicanus in den Scriptores historiae Augustae enthält eine auffallend grosse Anzahl von Briefen und anderen Actenstücken und ist wegen dieser Eigenart mehrfach auf ihre Quellen und ihre Glaubwürdigkeit hin genauer untersucht worden, vgl. namentlich C. Czwalina De epistularum actorumque quae a scriptoribus historiae Augustae proferuntur, fide atque auctoritate I, Bonn. Diss. 1870, 19–45. C. Rübel De fontibus quattuor priorum hist. Aug. scriptorum I, Bonn. Diss. 1872, 30–36. E. Klebs Rh. Mus. XLIII 1888, 321–346. Das Resultat ist folgendes: 1) Die eingelegten Briefe und Actenstücke sind sämtlich gefälscht. Dies hatte schon Tillemont behauptet und Borghesi (Oeuvres V 434f.) bestätigt. [2379] Waddington dagegen (zu Le Bas III 2212 und zu Borghesi V 437, 11) widersprach. Ausführlich ist es jetzt bewiesen von Czwalina a. a. O. 2). Die auf die gefälschten Actenstücke gegründeten oder sich an sie anschliessenden Teile der Vita, nämlich 1,1–6,4 und 9,6–14,8, sind ebenfalls gefälscht und daher für die Geschichte nicht zu verwerten. 3) Der übrig bleibende Kern der Vita, nämlich 6,5–9,5 (vielleicht mit Ausnahme von 8, 2–6, Rübel 30. 34. Klebs 332), der mit der Darstellung des Iulius Capitolinus in der Vita Marci 24, 6–26, 13. 21, 2 fast ganz übereinstimmt, ist dem zweiten Buch der Vita divi Marci von Marius Maximus entnommen (vgl. Avid. Cass. 6, 6–7. 9, 5; Marc. 25, 10); dieser hatte nämlich den Avidius Cassius nicht in einem besonderen Buche behandelt, sondern einem anderen (der Vita Marci) einverleibt (Hist. Aug. Firm. Saturn. Procul. Bonos. 1, 1). Dieser Kern der Vita ist im allgemeinen glaubwürdig, vgl. Rübel und Klebs aa. OO.

Ausser der Vita des Avidius Cassius selbst sind auch die Lebensbeschreibungen des Marcus, Verus und Commodus zu vergleichen (im folgenden citiert als Cass., Marc., Ver., Comm.). Sonst besitzen wir an schriftlichen Quellen ausser einzelnen abgerissenen Notizen nur noch einen Brief des Rhetors M. Cornelius Fronto an ihn vom J. 165 n. Chr. (Fronto ad am. I 6 p. 178 Naber) und vor allem die Reste der Darstellung des Cassius Dio LXXI 2,2–3,1. 4,2. 17. 22,2–31,1, Bd. V p. 206 Dind. Es sind teils Excerpte, teils Auszüge des Xiphilinos. Vgl. auch Zonar. XII 2–3. Joh. Antioch. frg. 118, FHG IV 582f. Suid. s. ζεῦγμα (= Dio Bd. IV p. 171f. Dind.).

Was die Inschriften betrifft, so wird Avidius Cassius nur genannt als Consul in einem Militärdiplom aus der Zeit des Marcus und Verus (161–169 n. Chr.), CIL III p. 889 = IX 2995, und in sechs griechischen Inschriften als Statthalter Syriens bei Le Bas III 2212. 2237. 2331. 2438. 2525 (= CIG 4544). 2528 (= Napp p. 113f. nr. 34–39).

II. Leben bis zur Empörung. Avidius Cassius war ein Syrer aus Cyrrhus (vgl. auch Dio LXXI 31, 1 und Marc. 25, 12), ein Sohn des (C. Avidius) Heliodorus (Nr. 3), Dio LXXI 22, 2 (und nicht etwa ein Sohn des Avidius Severus, Cass. 1, 1, s. u. Nr. 9). Seinen Vornamen kennen wir nicht. Auch von seinem früheren Leben bis zum Partherkrieg wissen wir nichts. Denn was über seine Abstammung mütterlicherseits von der republicanischen Familie der Cassier (Cass. 1, 1–4), über seinen Empörungsversuch unter Kaiser Pius (Cass. 1, 5), über seinen Sarmatensieg an der Donau (Cass. 4, 6) berichtet wird, steht in den gefälschten Teilen der Vita (vgl. o.) und ist daher zu verwerfen.

Am 6. Mai eines unbestimmten Jahres zwischen 161 und 168 n. Chr. war A. Consul suffectus mit einem . . . Celsus Plancianus, CIL III p. 889 = IX 2995. Borghesi (Oeuvres VI 93ff.) setzt dies Consulat ins J. 161, Napp dagegen (De rebus in Oriente gestis 62) glaubt auch an das Jahr 166 denken zu dürfen. Mir scheint Borghesis Ansicht richtig zu sein, wenn auch nötigenfalls die J. 162 und 163 noch in Betracht kommen. Denn erst im J. 164 scheint A. in den [2380] parthischen Krieg eingegriffen zu haben. Um 163–164 finden wir nämlich noch einen Iulius Verus als Statthalter Syriens (CIL III 199). Dass aber A. nicht als Statthalter Syriens, sondern nur als Comes Augusti am Kriege teilgenommen habe, wie Czwalina 41 und Napp 64 annehmen, ist nicht wahrscheinlich. Vielmehr wird er im J. 164 n. Chr. als Consular und Legat von Syrien nach dem Osten gekommen sein, vgl. auch Mommsen R. G. V 406, 2 und Klebs a. a. O. 333, 1. Aus den Worten eines schlechten Scribenten bei Lucian. hist. conscr. 31, 42 darf nicht geschlossen werden, dass er Legionslegat der Legio III Gallica gewesen sei. Verus vertraute ihm (164 n. Chr.) die Heere an (τὰ στρατεύματα ἐπέτρεψε, Dio LXXI 2, 2), und Cassius hielt bei strenger Mannszucht (Fronto p. 178 Naber) dem andringenden Partherkönig Volagases (148–191 n. Chr.) stand (Dio LXXI 2, 3), ging dann selbst zum Angriff vor, schlug die Parther in der blutigen Schlacht bei Europus am Euphrat aus Syrien hinaus (Lucian. hist. conscr. 20, 29. 28, 37–38), überschritt dann selbst den Euphrat (Suid. s. ζεῦγμα = Dio Bd. IV p. 171f. Dind.) und drang in Mesopotamien vor. Ob er auch an den Kämpfen bei Sura (Lucian. hist. conscr. 29, 40) und Nicephorium (Fronto p. 121 Naber) beteiligt war, ist unklar. Die Stadt Dausara bei Edessa (vgl. Steph. Byz. p. 222 Meineke) wurde genommen (Fronto p. 121 Naber), Edessa selbst musste belagert werden (Lucian. hist. conscr. 22, 30), und auch Nisibis wehrte sich eine Zeit lang (Lucian. hist. conscr. 15, 22). Als aber der Partherkönig von seinen Bundesgenossen im Stich gelassen wurde, zog er sich nach Südosten zurück (Dio LXXI 2, 3); sein Feldherr Osroes durchschwamm auf der Flucht den Tigris (Lucian. hist. conscr. 19, 27).

Cassius verfolgte den Volagases und trieb ihn bis nach Seleukeia und Ktesiphon (Dio LXXI 2, 3). Seleukeia nahm die römischen Soldaten als Freunde auf, wurde aber dann, wie es scheint, des Verrates beschuldigt und von Cassius vollständig zerstört (Ver. 8, 3–4. Dio LXXI 2, 3. Amm. Marc. XIII 6, 24. XXIV 5, 3. Eutrop. VIII 10). Auch die Königsburg des nahen Ktesiphon wurde niedergebrannt (Dio LXXI 2, 3). Diese entscheidenden Siege über die Parther fallen in das J. 165, in dem beide Kaiser den Imperatortitel erneuerten und Verus den Beinamen Parthicus Maximus annahm (vgl. die Münzen und o. Bd. I S. 2294). Cassius sandte seinen Tribunen Iunius Maximus mit der Siegesbotschaft (den litterae laureatae) nach Rom, der den Ruhm des Feldherrn nach Kräften verkündete; er erwähnte, schreibt Fronto an Cassius (p. 178 Naber), itinerum tuorum et disciplinae ad priscum morem institutae ac retentae (vgl. Cass. 6, 5 correcta disciplina), tum in agmine ducendo et manu conserenda strenuissimi vigoris tui et consultissimae opportunitatis. Allein die Rückkehr des Cassius von Seleukeia und Ktesiphon nach Syrien (wohl im J. 166 n. Chr.) war weniger glücklich. Er verlor die meisten seiner Soldaten durch Hunger und Krankheit (wahrscheinlich ist die Pest gemeint, die jetzt vom Orient aus ihren Verheerungszug durch die Welt antrat), gelangte aber doch selbst mit dem Rest seines Heeres nach Syrien, Dio LXXI 2, 4. Zu erwähnen ist noch, dass [2381] Verus ihm, sowie dem Martius Verus auftrug, commentarios quosdam für ihn zu schreiben, aus denen Fronto zum Zweck seiner Kriegsgeschichte mores hominum et censum (sensum?) eorum erkennen sollte (Verus an Fronto p. 131 Naber). Vgl. auch noch Ver. 7, 1. Über den Partherkrieg vgl. ausser Napp a. a. O. besonders Mommsen R. G. V 408. v. Gutschmid Gesch. Irans 148f.

Zur Belohnung für seine glänzenden Waffenthaten im parthischen Kriege erhielt Avidus Cassius (bei der Rückkehr des Verus nach Rom im J. 166 n. Chr.?) zu seiner syrischen Statthalterschaft noch ein grösseres ausserordentliches Commando im Osten, indem ihm Marcus befahl τῆς Ἀσίας ἁπάσης (oder, wie Philostr. vit. sophist. II 1, 13 p. 70 Kayser sagt, τήν ἑῴαν) ἐπιτροπεύειν, Dio LXXI 3, 1. Die Inschriften erwähnen ihn als Legat von Syrien vor dem Tode des Verus (also vor Anfang 169 n. Chr.), Le Bas III 2525; ferner im J. 169, Le Bas 2237. 2438; im J. 170, Le Bas 2331 und im J. 171 n. Chr., Le Bas 2212. Neben oder unter ihm hatten die östlichen Provinzen ihre eigenen Statthalter, so Palaestina im J. 167 den Flavius Boethus (Galen. XIX 16 Kühn), Kappadokien im J. 175 den Martius Verus (Dio LXXI 23, 3), Ägypten im J. 175 den Flavius Calvisius (Dio LXXI 28, 3). Vgl. über die Stellung des Avidius Cassius Marquardt St.-V. I² 421f. Aus Syrien wurde Cassius um 172–173 n. Chr. nach Ägypten geschickt, um den gefährlichen Aufstand der Bucolici zu dämpfen, was ihm auch gelang, Dio LXXI 4. Marc. 21, 2 = Cass. 6, 7; vgl. o. Bd. I S. 2298f. Wenn nun von ihm gesagt wird (Cass. 6, 5), dass er nicht nur in Ägypten, sondern auch in Armenien und Arabien gekämpft habe, so könnte man bei Armenien an eine (freilich unwahrscheinliche) Teilnahme am armenischen Kriege (162–163 n. Chr.) und bei Arabien an eine Episode seines parthischen Feldzuges denken, vgl. Dio LXXI 25, 2: τὸν Ἀραβικὸν τόν τε Παρθικὸν ἐκεῖνον πόλεμον. Cassius erwarb sich durch seine Verwaltung die Zuneigung der Orientalen, besonders der Antiochener (Cass. 6, 6; vgl. Marc. 25, 8. 12; Cass. 9, 1) und Alexandriner (Marc. 26, 3). Als daher sein Name nach seinem Tode auf den Inschriften getilgt werden sollte, geschah es so oberflächlich, dass noch jetzt der Name meist gelesen werden kann, vgl. Waddington zu Le Bas III 2212.

III. Empörung und Tod, 175 n. Chr.

Nach der Darstellung Dios (LXXI 22, 3ff.), die durchaus glaubwürdig klingt (vgl. auch Napp 47), fürchtete die Kaiserin Faustina (Annius Nr. 121) bei einer Krankheit ihres Gemahls, dass er bald sterben, dann ein anderer bei der Unmündigkeit des Commodus sich der Herrschaft bemächtigen und sie selbst dadurch zum Privatleben gezwungen sein würde. Daher forderte sie heimlich den Avidius Cassius als den mächtigsten und angesehensten General auf, wenn Marcus stürbe, mit ihrer Hand die Herrschaft in Besitz zu nehmen. Als nun in der That das Gerücht vom Tode des Kaisers nach Syrien drang, wartete Cassius nicht erst die Bestätigung dieser Nachricht ab, sondern erklärte sich ohne Zögern zum Kaiser (vgl. auch Alex. 1, 7). Und als er bald darauf die Wahrheit erfuhr, wollte oder konnte [2382] er nicht mehr zurücktreten, bemächtigte sich vielmehr des gesamten Gebietes bis zum Taurus und rüstete sich zum Kriege. Mit dieser Darstellung Dios (LXXI 22,3–23,2) stimmen die aus Marius Maximus geschöpften Nachrichten überein (Marc. 24, 6–7 = Cass. 7, 1–3). Nur in dem gefälschten Teile der Vita des Avidius Cassius, der sich auf die erdichteten Briefe der Faustina an Marcus stützt (Cass. 9, 6ff.), wird Faustina in Schutz genommen, wohl sicher mit Unrecht. Es war eine eigenartige Empörung. Cassius liess den Marcus auf Grund der falschen Todesnachricht unter die Divi aufnehmen (Marc. 24, 7 = Cass. 7, 3) und enthielt sich ihm gegenüber jedes schmähenden Wortes (Dio LXXI 27, 1). Auf der anderen Seite klagte Marcus den Gegner nur der Undankbarkeit an (Dio LXXI 23,3–27,1), liess ein in seine Hände gefallenes Briefpacket des Cassius an seine Gesinnungsgenossen sofort verbrennen, ohne es zu öffnen (Amm. Marc. XXI 16, 11), und wies die angebotene Hülfe von Barbaren in dem bevorstehenden Bürgerkriege schroff zurück (Dio Bd. V p. 206 Dind.). Dagegen erklärte der Senat den Usurpator in die Acht und liess seine Güter für die Staatskasse einziehen (Marc. 24, 9 = Cass. 7, 6). Der Sophist Ti. Claudius Atticus Herodes in Athen schrieb ihm einen Brief, der nur die drei Worte enthielt: Ἡρώδης Κασσίῳ • ἐμάνης (Philostr. vit. soph. II 1, 13 p. 70 Kayser). Die Einwohner des Ostens ergriffen meist für Cassius Partei (Marc. 25, 8. 12. 26, 3; Cass. 6, 6. 9, 1; die Christen hielten sich neutral, Tertull. apol. 35; ad Scap. 2); der Praefect Ägyptens, Flavius Calvisius, trat auf seine Seite (Dio LXXI 28, 3); der Iuridicus von Alexandreia (L. Volusius) Maecianus, ein bedeutender Rechtsgelehrter (denn dieser, nicht ein Sohn des Cassius, ist Marc. 25, 4 gemeint, s. u. Nr. 4), war ihm freundlich gesinnt (Marc. 25, 4 = Cass. 7, 4); Kilikier, Syrer, Juden und Ägypter folgten seinen Fahnen (Dio LXXI 25, 1); in Rom hatte er zahlreiche Mitwisser und Freunde (Amm. Marc. XXI 16, 11. Dio LXXI 28, 2. 30, 1. Marc. 25, 5; Cass. 8, 7). Schon ernannte der neue Kaiser einen Praefectus praetorio (Marc. 25, 4 = Cass. 7, 4) und einen Beamten ab epistulis Latinis (Dio LXXII 7, 4). Aber nur drei Monate und sechs Tage dauerte der kurze Herrschaftstraum des Cassius (Dio LXXI 27, 3), nämlich ungefähr von Ende April bis Anfang August 175 n. Chr. Dass in Bezug auf das Jahr nicht mit Waddington (zu Le Bas III 2212) an 172, sondern nur an 175 n. Chr. gedacht werden darf, ergiebt sich namentlich aus dem ganzen Zusammenhang der Ereignisse in der Erzählung Dios, aus dem Todesjahr der Faustina und den Daten in der Vita Commodi 12, vgl. den ausführlichen Nachweis bei Czwalina a. a. O. 31ff. Was die Monate betrifft, so liess Marcus auf die Nachricht vom Aufstande des Cassius sofort seinen Sohn Commodus an die Grenze kommen, um ihm die Toga virilis zu geben (Dio LXXI 22, 2), und Commodus brach zu diesem Zwecke am 19. Mai 175 von Rom ,nach Germanien‘ auf (Comm. 12, 1–3). Daher muss die Erhebung des Cassius im April oder spätestens Anfang Mai 175 n. Chr. stattgefunden haben, vgl. o. Bd. I S. 2300.

Infolge des cassianischen Aufstandes schloss [2383] Marcus in Pannonien einen vorzeitigen Frieden mit den Sarmaten (Iazygen) (Dio LXXI 17. Marc. 24, 5–6) und brach nach dem Osten auf (Marc. 25, 1), um mit den treu gebliebenen Statthaltern, namentlich Martius Verus in Kappadokien (Dio LXXI 23, 3) und Clodius Albinus in Bithynien (Clod. Alb. 6, 2. 10, 9–10), die Empörung niederzuwerfen. Aber schon während der Rüstungen zu diesem Bürgerkriege wurde dem Kaiser der Tod des Cassius gemeldet (Dio LXXI 27, 2). Ein Centurio Antonius, der an ihm vorbeiritt, hatte ihn plötzlich im Nacken verwundet und ein Decurio ihm den Todesstoss gegeben. Sein Haupt brachten die Mörder dem Kaiser; aber schon bevor sie sich näherten, befahl Marcus es irgendwo zu bestatten (Dio LXXI 27, 2–3. 28, 1. Marc. 25, 2–3. Cass. 7,8–8,1). Ein Sohn des Cassius, der sich anderswo befand, wurde gleichfalls getötet (Dio LXXI 27, 3, nach dessen Ausdruck ὁ υἱὸς αὐτοῦ Cassius nur diesen Sohn gehabt zu haben scheint). Über den angeblichen Sohn Maecianus (Marc. 25, 4) s. Nr. 4. Ein anderer Sohn, Heliodorus, wurde deportiert (Marc. 26, 11). Eine Tochter des Cassius, Alexandria, und ihr Gemahl Druncianus (Marc. 26, 12) oder besser Druentianus (Cass. 9, 3, vgl. Cod. Iust. IX 8, 6 not. 3) erhielten die Erlaubnis hinzugehen, wohin sie wollten (Marc. 26, 12 = Cass. 9, 3). Die übrigen Kinder wurden gleichfalls sehr milde behandelt (Marc. 26, 11–12 = Cass. 9, 2–4). Die Anhänger des Cassius wurden von Marcus möglichst geschont (Dio LXXI 27, 4. 28, 2–4. 30, 1. Marc. 25, 5. 8; Cass. 8,7–9,1; Münzen mit Clementia Aug. vom J. 176, Cohen III² nr. 28. 358). Doch wurde bestimmt, dass fortan niemand Statthalter seiner Heimatprovinz werden dürfe, da Cassius als geborener Syrer längere Zeit Syrien verwaltet hatte (Dio LXXI 30,4–31,1); sowie, dass nach dem Tode von Majestätsverbrechern ihr Vermögen confisciert werden sollte (Cod. Iust. IX 8, 6).

Was seinen Charakter betrifft, so ist uns, da wir von den ausführlichen Schilderungen in den gefälschten Teilen der Vita Avidii Cassii absehen müssen, im einzelnen nur wenig bekannt. Am meisten erfahren wir durch den Brief von Fronto (p. 178 Naber) über seine kriegerischen Tugenden. Marcus selbst kann nicht umhin, auch nach seiner Empörung seine hohe Bedeutung anzuerkennen (in den Worten, die ihm Dio LXXI 25, 2 in den Mund legt), und Dio (LXXI 22, 2) rühmt von ihm: ἀνὴρ ἄριστος ἐγένετο καὶ ὁποῖον ἄν τις αὐτοκράτορα ἔχειν εὔξαιτο.

Vgl. über ihn Czwalina a. a. O. 19ff. und E. Napp De rebus imperatore M. Aurelio Antonino in oriente gestis, Bonn. Diss. 1879, 37–50. 57–65.
[P. v. Rohden.]
Nachträge und Berichtigungen

S. 2378ff. zum Art. Avidius:

1) Avidius Cassius. Über seine Familie vgl. Claudius Nr. 141 und 421 a in diesem Suppl.
[Stein.]

Avidius

1) A. Cassius, Usurpator im J. 175 n. Chr.; über seine Familie vgl. Claudius Nr. 141 (S I 319) und Nr. 421a (S 1 322).
[Hans Gärtner.]

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