ART

4) Die Tochter des Danaos und der Europe, Apd. II 1, 4. Ihr Gatte, den sie in der Hochzeitsnacht ermordet, ist Midamos (? Idas?) oder (?) Polydektor (Hyg. fab. 170) oder Enkelados (Apd. II 1, 5); s. d. Art. Danaides.

Poseidon hatte aus Groll gegen Inachos die Quellen in Argos versiegen lassen. Danaos schickt seine Töchter Wasser zu holen. Unterwegs wirft A. ihren Jagdspiess nach einem Hirsch, trifft aber einen schlafenden Satyr. Der Satyr will sie vergewaltigen, A. ruft den Poseidon zu Hülfe, und dieser verscheucht den Unhold. A. ergiebt sich ihrem Retter, und ihrer Verbindung entspringt Nauplios. Als sie auf Geheiss des Gottes den Dreizack, der im Felsen stecken geblieben war, herauszieht, sprudelt in dreifachem Strahl die später nach ihr benannte Quelle empor (Apd. II 1, 4. Hyg. fab. 169). Oder A. wird auf ihrem Gange von Müdigkeit überwältigt und schläft ein; der Satyr überrascht sie, A. ruft den Poseidon zu Hülfe. Der Schluss der Erzählung wie oben (Hyg. a. O.). Nach einer jüngeren, vereinfachten Form der Sage ist die Begegnung des Poseidon mit A. nur eines von den vielen Liebesabenteuern des Gottes und unterscheidet sich in nichts Wesentlichem von anderen gleichartigen Erzählungen: Poseidon erhascht A., und die Frucht ihrer Liebe ist Nauplios (Luk. dial. mar. 6. Philostr. im. I 8. Prop. II 20, 47ff.; vgl. Pherekydes in Schol. Ap. Rh. IV 1091 [I 134]. Call. lav. Pall. 47f. [2003] Schol. Il. IV 171. Eust. Il. 461 in. Schol. Eur. Or. 54. 127; Phoen. 187. Paus. II 37, 1. IV 35, 2. Strab. VIII 368f. Nonn. Dionys. VIII 240f. XLII 207f. Orph. Arg. 200f. Et. M. s. Πολυδίψιον Ἄργος). Satyrdrama des Aischylos, Aesch. frg. 13–15 N.; Komödie des Nikochares, Meineke Com. gr. fr. I 253.

Die bildlichen Darstellungen der A.-Sage sind zusammengestellt von Overbeck Gr. Kunstmyth. II 368ff.; dazu Arch. Ztg. I 1843, 61. XII 1854, 385. XXV 1867, 89*. XXVIII 1870, 44. Engelmann Arch. Jahrb. V 1890, 171. Münzen: Imhoof-Blumer Monnaies grecques 175, 104; Imhoof-Blumer und Percy Gardner Numismatic commentary on Paus. 52 M. II. 162f. G. G. XVIII–XX. Als Original einer Anzahl unter sich übereinstimmender Darstellungen denkt sich Furtwängler Arch. Jahrb. IV 1889, 52 ein Gemälde etwa aus der 1. Hälfte des 4. Jhdts. Da die sich folgenden einzelnen Momente der alten Sage nicht alle auf demselben Bilde zur Anschauung gebracht werden konnten, griffen die Künstler die Begegnung des Poseidon und der A. als wichtigstes heraus, weil sich daran die Geschichte von dem eponymen Heros von Nauplia schloss. Erst im Anschluss an die Bildwerke wird sich die jüngere vereinfachte Sagenform entwickelt haben. Ahnliche Fälle bespricht Helbig Kampan. Wandmalerei 112ff.
[Escher.]

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