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Gepanzerte Kriegselephanten.

Kriegselefanten waren eine starke, wenngleich auch nicht weitverbreitete, Kriegswaffe in der Militärgeschichte. Es handelt sich in erster Linie um indische Elefanten, seltener um afrikanische, die zu Kriegszwecken bemannt und gerüstet wurden. Dabei wurden ausschließlich männliche Tiere zu Kriegselefanten trainiert, da diese schneller und aggressiver als die weiblichen Tiere sind. Kriegselefanten konnten unterschiedlich ausgerüstete Soldaten wie zum Beispiel Bogenschützen, Lanzenträger oder Speerwerfer tragen. Die Kriegselefanten hatten zudem auf Heere, die sie nicht kannten, eine abschreckende und verunsichernde Wirkung. Vor allem aber stellten sie durch ihr Gewicht auch selbst eine Waffe dar, indem sie den Feind niedertrampelten. Letzteres war in der Armee Karthagos der einzige Zweck der Kriegselefanten, da diese nur von einem einzigen Mann geritten wurden, dessen Aufgabe es war, das Tier zu lenken (was natürlich nicht ausschließt, dass dieser zusätzlich z.B. mit Wurfspeeren ausgerüstet wurde). Das liegt wohl daran, dass die Karthager die vergleichsweise kleinen afrikanischen Waldelefanten verwendeten. Die ursprünglichen Kriegselefanten im alten Indien scheinen aber zumindest von einem zusätzlichen Krieger geritten worden zu sein. Für die Elefanten, die in den Armeen der Diadochen, der Nachfolger Alexanders des Großen kämpften, wurde ein kleiner "Turm" aus Holz und Leder konzipiert, welcher auf dem Rücken des Tieres befestigt wurde. Dieser sollte ursprünglich zwei, später bis zu vier Kämpfer aufnehmen.

Geschichte

Indischer Kriegselefant in einem Relief um etwa 200 v. Chr. [Quelle]

Erste Elefantenzähmungen fanden in der frühen Indus-Kultur vor etwa 4000 Jahren statt. Dabei werden Elefanten bis auf wenige Ausnahmen nicht wirklich domestiziert, sondern stets in freier Wildbahn eingefangen und gezähmt. Dies liegt vor allem im langsamen Wachstum und dem großen Futterbedarf von Elefanten begründet. Aus diesem Grund hat auch keine wirkliche Zucht von Elefantenrassen stattgefunden. Erste Elefantenzähmungen wurden zum Einsatz in der Landwirtschaft in Indien getätigt. Der erste Einsatz von Elefanten zu Kriegszwecken fand etwa um 1100 v. Chr. statt und wird erstmals in alten Sanskrit-Hymnen erwähnt.

Von Indien aus wurden die Elefanten ins Perserreich importiert und in mehreren Feldzügen eingesetzt. Es gilt als wahrscheinlich, dass Europäer erstmalig in der Schlacht von Gaugamela am 1. Oktober 331 v. Chr., in der Alexander der Große gegen die Perser kämpfte, auf Kriegselefanten trafen. Es handelte sich um fünfzehn Tiere, die im Zentrum der persischen Linien postiert waren. Die Elefanten machten einen so großen Eindruck auf die makedonischen Truppen, dass Alexander sich genötigt sah, dem Gott der Angst in der Nacht vor der Schlacht zu opfern. Die Schlacht wurde zu Alexanders größtem Erfolg, die Kriegselefanten hingegen spielten hier keine große Rolle. Im Fortlauf seines Perserzugs erkannte Alexander aber den Nutzen von Kriegselefanten und integrierte solche auch in seine Armee. Fünf Jahre später in der Schlacht am Hydaspes hatte Alexander bereits große Erfahrung im Umgang mit Kriegselefanten und konnte die Schlacht, wenn hier auch ohne eigene Elefanten, für sich entscheiden.

Das Wissen über den militärischen Nutzen von Kriegselefanten verbreitete sich schnell über die damalige Welt. Die Nachfolger Alexanders (Diadochen) verfügten in ihren Kriegen bereits über hunderte von Elefanten: Seleukos I. schloss einen Vertrag mit dem Mauryakönig Chandragupta ab, der ihm im Gegenzug für einige umstrittene Territorien 500 Kriegselefanten überließ. Überhaupt wurden die Elefanten zu einer beliebten Waffe in der hellenistischen Welt. Die Ptolemäer in Ägypten verwendeten afrikanische Elefanten.

Der Afrikanische Elefant ist zwar größer und kräftiger als der Indische, aber er ist auch schwieriger zu zähmen. Sie wurden jedoch in der Schlacht von Raphia eingesetzt, wo Antiochos III. 102 indische Kriegselefanten und Ptolemaios IV. 73 afrikanische Kriegselefanten einsetzte. Möglicherweise handelte es sich dabei aber auch um die kleineren afrikanischen Waldelefanten. Letztere wurden auch von der Armee Karthagos in den Punischen Kriegen eingesetzt.

In den nächsten Jahrhunderten fanden Kriegselefanten auch im Krieg gegen das Römische Reich Verwendung. Die erste Begegnung Roms mit Kriegselefanten fand in der Schlacht von Heraclea 280 v. Chr. statt. Der berühmteste Feldherr, der Kriegselefanten gegen Rom einsetzte, war der Karthager Hannibal. Er konnte sich damit entscheidende Vorteile verschaffen. Berühmt geworden ist in diesem Zusammenhang vor allem die Überquerung der Alpen Hannibals mit den Elefanten im Jahre 218 v. Chr.. In Hannibals letzter Schlacht, der Schlacht von Zama im Jahre 202 v. Chr. wurde jedoch deutlich, dass die Elefanten der Karthager vor den Fanfaren der römischen Kriegstrompeten scheuten. Zudem war ihr Einsatz ineffektiv, da die Römer Gassen für die Elefanten bildeten und somit nur wenige Soldaten niedergetrampelt wurden. 156 Jahre später, in der Schlacht bei Thapsus am 6. Februar 46 v. Chr., bewaffnete Julius Caesar seine Legio V Alaudae mit Äxten und gab Anweisung, auf die Beine der Tiere einzuschlagen. Die Legion war siegreich und wählte fortan den Kriegselefant zu ihrem Wappentier. Die Schlacht bei Thapsus war der letzte große Einsatz von Kriegselefanten in Europa.

Plinius der Ältere berichtet in seinem achten Buch (VIII 1,27), dass Schweine eine effektive Waffe gegen Kriegselefanten sind, da sich die Elefanten durch das Quieken erschrecken lassen. Eine Belagerung der Stadt Megara wurde so beendet, indem die Bewohner Schweine mit Öl übergossen, dieses in Brand steckten und die brennenden, quiekenden Schweine in die gegnerischen Kriegselefanten jagten. Die Elefanten gerieten in Panik.

In der Spätantike setzten, so berichtet uns Ammianus Marcellinus, die Sassaniden teils Kriegselefanten ein. Im Mittelalter wurden jedoch fast keine Kriegselefanten eingesetzt, da die Europäer auch kaum mit diesbezüglich ausgerüsteten Truppen in Kontakt kamen. Karl der Große ritt auf einem Kriegselefanten, Abul-Abbas, ein Geschenk des Kalifen von Bagdad, in seinem Feldzug gegen die Dänen im Jahre 804. Friedrich II. konnte sich während der Kreuzzüge eines Kriegselefanten bemächtigen, der später in der Stadt Cremona verblieb.

Der Einsatz von Kriegselefanten stellte immer wieder eine herausragende Erinnerung in der Geschichte dar. So wird die Geburt Mohammeds beispielsweise nach dem Jahr des Elefanten bemessen – dem Jahr, als afrikanische (aksumitische) Kriegselefanten auf der arabischen Halbinsel bis nach Mekka zogen.

Auf dem indischen Subkontinent kamen Kriegselefanten über einen besonders langen Zeitraum zum Einsatz. Dabei trugen die Elefanten einen hölzernen Aufbau, den Howdah, der Bogenschützen und Speerwerfer schützte. Der Reiter, Mahout genannt, lenkte seinen Elefanten direkt in die gegnerischen Truppen. Bis weit in die Frühe Neuzeit hinein wurden indische Kriegselefanten durch Rüstungen geschützt, bei denen es sich oft um eine Art Schuppenpanzer handelte.

Der Einsatz von Kriegselefanten durch indische Sultanate beendete fast die Serie von Timur Lenks Eroberungen. Im Jahr 1398 stand Timur einer Armee von über einhundert Kriegselefanten gegenüber und verlor fast wegen der bloßen Angst seiner Truppen. Timur konnte nur durch einen Trick gewinnen: er band brennendes Stroh auf den Rücken seiner Kamele, die in die Linien der Inder preschten und die Elefanten in Panik versetzten, die ihre eigenen Herren niedertrampelten. Später verwendete Timur Lenk auch übergroße Krähenfüße zur Verteidigung gegen Kriegselefanten. Er begann aber auch eigene Kriegselefanten in seine Armee zu integrieren und setzte diese im Krieg gegen das Osmanische Reich ein.

Auch in Südostasien wurden Kriegselefanten in den Armeen der historischen Reiche der Khmer (Angkor), der Thai (Sukhothai und Ayutthaya) und der Cham (heute Vietnam) eingesetzt

Taktische Verwendung

Es gibt eine ganze Reihe von Zwecken, zu denen Kriegselefanten eingesetzt werden können. Durch ihre Größe und Kraft sind sie in der Lage, schwere Lasten zu transportieren. In der Schlacht bildeten sie oft das Zentrum der eigenen Linie, wo sie effektiv ebenso offensiv wie auch defensiv eingesetzt werden konnten.

Ein Angriff durch Kriegselefanten konnte eine Geschwindigkeit von 30 km/h erreichen, und ließ sich – im Gegensatz zu einem Angriff mit aus Pferden bestehender Kavallerie – nur sehr schwer durch Infanterie mit Lanzen stoppen. Selbst die Makedonische Phalanx konnte in große Schwierigkeiten kommen. Elefantenangriffe basierten auf purem Krafteinsatz: die Tiere sprengten in die gegnerischen Linien, trampelten die Soldaten nieder und schlugen mit ihrem Rüssel um sich. Die Männer, die nicht niedergetrampelt oder zur Seite geworfen wurden, waren zumindest zurückgedrängt, und die Schlachtordnung des Gegners wurde empfindlich gestört. Zudem war der psychologische Aspekt eines auf Menschen loslaufenden Elefanten nicht zu unterschätzen. Oft brach Panik unter den Soldaten aus. Pferde scheuten oft allein schon wegen des ungewohnten Geruchs von Elefanten. Die dicke Haut der Kriegselefanten machte sie schwer verletzbar, während die Reiter durch die Masse und Höhe der Tiere gut geschützt waren. Hautwunden, die dennoch entstanden, heilen jedoch nach der Schlacht schlechter aus. Unglücklicherweise neigen Elefanten aber auch zu Panik und liefen Amok, wenn sie verletzt waren oder ihr Reiter getötet war. Dann verletzten sie oft auch die eigenen Reihen. Erfahrene römische Infanterie versuchte oft die Rüssel der Elefanten abzutrennen, was eine sofortige Panik bei den Tieren verursachte. Oft wurde auch versucht, die Tiere durch Geplänkel im Vorfeld der Schlacht zu töten bzw. in Panik zu versetzen.

In den Kriegen der Diadochen waren die Kriegselefanten gepanzert und trugen Holzaufbauten, den sogenannten Howdah, auf ihrem Rücken. Sie waren mit zwei bis vier Soldaten besetzt, häufig Bogenschützen und/oder Soldaten, die mit Sarissen, fünf bis sechs Meter langen Piken, bewaffnet waren. Die kleineren Waldelefanten der Karthager waren jedoch zu schwach, um Aufbauten zu tragen.

Zusätzlich zu den Soldaten wurde jeder Elefant von einem Mann mittels eines mit einem Haken versehenen Stabes gelenkt. Er soll aber nicht nur für das Lenken des Tieres verantwortlich gewesen sein, sondern trug auch ein Stemmeisen und einen Hammer bei sich. Das Eisen konnte, falls der Elefant in gefährliche Panik geriet, in das Rückenmark des Tieres geschlagen werden, um es auf diese Weise schnell zu töten.

Kriegselefanten werden oft mit den Panzern des Zweiten Weltkriegs verglichen. Ihre taktischen Verwendungen unterscheiden sich aber so grundsätzlich, dass dieser Vergleich nicht Bestand haben sollte.

Transport von Kriegselephanten, Hannibal , Henri-Paul Motte

Das Verschwinden der Kriegselefanten

Vor allem zoologisch bedingte Nachteile der Elefanten führten dazu, dass sie in moderneren Kriegen nicht mehr effektiv einsetzbar waren. Ihre Unfähigkeit, zwischen eigenen und fremden Kriegern zu unterscheiden, machten sie für Schlachten der ausgehenden Antike und des beginnenden Mittelalters, in denen es seltener klare Phalanx-Ordnungen und mehr bewegliche Kleingruppen gab, ungeeignet, da man sie nicht mehr in eine große Ansammlung von Gegnern lenken und toben lassen konnte. Auch ein schneller Ortswechsel ist mit ihnen nicht möglich, denn ihre Ausdauer ist bei hoher Aktivität sehr viel geringer als die der Pferde. Ein Elefant kann etwa nur zwei Minuten lang rennen und ist dabei langsamer als ein Pferd.

Außerdem sind Elefanten allgemein keine aggressiven Tiere und können nur durch große Hektik und auch Misshandlungen zu destruktiven Verhaltensweisen gebracht werden. Elefantenkühe sind überhaupt nicht dazu zu bewegen, Menschen zu zertrampeln oder mit dem Rüssel zu erschlagen und auch Elefantenbullen beruhigen sich nach einem Wutanfall schnell wieder und stellen dann den Kampf ein, verlassen das Kampfgewühl oder laufen davon.

Kriegselefanten bringen auch logistische Nachteile mit sich, denn sie müssen täglich viele Stunden ungestört mit Fressen verbringen können, während denen sie 150 bis 300 kg Blattwerk und Zweige zu sich nehmen, um ihren Energiebedarf zu decken. Die Nahrung musste vor Ort verfügbar sein. Die Verwendung von Kraftfutter wie Getreideschrot oder Zuckerfrüchte ist, anders als bei Pferden, bei Elefanten aufgrund ihres auf Zellulose eingestellten Verdauungsystems nur bedingt möglich. Es ist deshalb schwer, die Ruhe- und Freßzeiten bei Elefanten wesentlich zu verkürzen. Auch hierin wird eine Parallele zu den Panzern der Neuzeit gesehen, denn auf eine Kampfstunde kommen oft viele Wartungsstunden.

Elefanten sind zudem sehr anfällig gegenüber Wundinfektionen, die sich nach der Schlacht in gemäßigtem Klima einstellen. Schutzumhänge und Panzerungen mussten deshalb zunehmend aufwendiger hergestellt werden und konnten trotzdem nicht mit der Entwicklung von leistungsstärkeren Fernwaffen mithalten. Der Einsatz von Kriegselefanten wurde mit der Verwendung von Schwarzpulver zu militärischen Zwecken im späten 15. Jahrhundert völlig unmöglich, da sie sich durch einen Schuss einer Arkebuse oder Kanone einfach bezwingen ließen.

Als wesentlichster Punkt für das Verschwinden der Kriegselefanten kann ihre geringe Verfügbarkeit angesehen werden. Aufzucht und Ausbildung dauert Jahre und ausgefallene Tiere konnten, anders als Pferde, nur geringfügig ersetzt werden. Historische Quellen lassen darauf schließen, dass die Elefanten bei der Zusammenstellung der Heere im Ursprungsland zusammen gesucht wurden, sich ihre Zahl aber im Laufe der Schlachten stets verringerte. Dem Elefant blieb deshalb das Schicksal der Pferde erspart, die millionenfach in den Kriegen der Neuzeit "verbraucht" wurden. Er stellt heute ein Symbol für Kraft, Intelligenz und vor allem Friedfertigkeit dar.

Griechische und Römische Münzen mit Elephanten Motiv

Römische Münzen, Einsatz von Schweinen gegen Kriegselephanten. Nach einer Legende fürchteten sich die Elephanten in der Schlacht von Asculum vor dem Grunzen der Schweine.

Schlachten

Eine unvollständige Liste von bedeutenden Schlachten, in denen Kriegselefanten zum Einsatz kamen:

Kriegselefanten in Kunst und Kultur

Alexander Münze c. 323 v. Chr. Alexander von der Nike gekrönt, hält ein Blitz in der Hand wie Zeus.

Reiter, wahrscheinlich Alexander der einen Kriegselefanten attackiert wahrscheinlich in der Schlacht gegen Poros, vermutlich eine Inspiration für eine Szene im Alexander Film von O. Stone.

Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling enthält gleich zwei Erzählungen, in denen Kriegselefanten auftauchen, zum einen Toomai, der Liebling der Elefanten und Diener ihrer Majestät.

In Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien kommen große Kriegselefanten vor, die dort Mûmakil oder Olifant genannt werden.

Literatur

  • Robin Lane Fox: Alexander the Great, Penguin Books, 2004, ISBN 0143035134.
  • John Keegan: History of Warfare, Pimlico, 2004, ISBN 184413749X.
  • Adrian Goldsworthy: The Fall of Carthage. The Punic Wars 265–146 BC., Cassell military, 2003, ISBN 0304366420.
  • John Warry: Warfare of the Classical World, University of Oklahoma Press, Paperbacks Edition: 1995, ISBN 0-8061-2794-5

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