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Seleukia-Ktesiphon, (arabisch: المدائن, al-Mada’in = die Städte, persisch: تيسفون Tisfun, auch als Beit-Ardaschir bekannt), war eine Doppelstadt im heutigen Irak, die aus den zusammenwachsenden Städten Seleukia am Tigris und Ktesiphon gebildet wurde. Die Doppelstadt war Hauptresidenz der Könige der Parther und der Sassaniden. Die Herkunft des Namens (eigentlich ein griechischer Personenname) ist unklar.

Geschichte

Seleukia am Tigris (griechisch: Seleukeia), am rechten Ufer des Flusses Tigris gelegen, ist von Seleukos I. nahe der alten Stadt Opis gegründet und zur Hauptstadt des Seleukidenreiches erhoben worden. Die Stadt wird unter anderem von Tacitus (Annalen, 6, 42) und Plinius dem Älteren beschrieben. Tacitus bemerkte vor allem, dass Seleukia eine mächtige mit Mauern geschützte Stadt sei.

300 Bürger der Stadt bildeten einen Senat, dem gegenüber eine Volksvertretung stand; allerdings griff Artabanos II. in die Selbstverwaltung der Stadt ein, nachdem Seleukia Tiridates III. unterstützt hatte. Die Stadt war auch in parthischer Zeit weitgehend griechisch geblieben und blühte aufgrund der günstigen Lage weiter auf; die Bevölkerung soll in die Hunderttausende gegangen sein, wobei dort neben Griechen und Makedonen vor allem Juden und Syrer lebten, später auch zunehmend Parther. Es kam aber auch immer wieder zu Aufständen gegen die Parther, besonders nachdem die Partherkönige in der Nachbarschaft von Seleukia Vologesias gründeten und förderten.

Ende 165 wurde Seleukia von römischen Truppen unter dem Kommando des Avidius Cassius gestürmt und geplündert, was das Ende für das einstige Zentrum des Hellenismus in Mesopotamien bedeutete. Bereits Septimius Severus fand auf seinem Partherfeldzug die Reste der Stadt praktisch unverteidigt vor; dennoch wurden in der Stadt noch zur Zeit Vologaeses' VI. Münzen geprägt. Seleukia war unter anderem der Geburtsort von Diogenes von Babylon und Seleukos von Seleukia.

Ktesiphon – der Name ist rein griechisch –, das an einer wichtigen Handelsroute lag, befindet sich ca. 35 km südöstlich von Bagdad am linken Ufer des Tigris gegenüber von Seleukia (siehe oben). Die Parther erhoben Ktesiphon, welches bereits seit der Zeit der Seleukiden bekannt war, als Gegenstück zum griechischen Seleukia zur Winterresidenz und befestigten es schließlich, auch wenn Seleukia weiterhin eine wichtige Rolle spielte. Nach Ammianus Marcellinus (23, 6, 23) soll dies unter Vardanes (38 bis ca. 45) geschehen sein. Allerdings bezeichnet schon Tacitus (Annalen, 6, 44) die Stadt als Residenz von Tiridates III. (ein parthischer Usurpator, der im Jahr 36 zeitweise Mesopotamien besetzte)

Die Stadt (man müsste genauer sagen: Städte, da es sich um ein Konglomerat von Orten handelte) entwickelte sich unter den Sassaniden, die Seleukia-Ktesiphon ebenfalls als Hauptstadt nutzten (Istakhr und andere Orte wurden im Sommer genutzt, wenn das Klima in Seleukia-Ktesiphon zu unangenehm wurde, doch blieb Seleukia-Ktesiphon Hauptresidenz), aber zusätzlich vergrößerten, zu einer wahrhaftigen Großstadt, die wohl um die 500.000 Einwohner hatte. Sie wurde mehrmals von den Römern erobert bzw. belagert (zuletzt 591), konnte von ihnen aber nie gehalten werden.

Nach der persischen Niederlage in der Schlacht von Kadesia (siehe Islamische Expansion) wurde die Stadt 637 n. Chr. von den Arabern erobert und teilweise zerstört, war jedoch in omayadischer Zeit neben der islamischen Neugründung Kufa ein Zentrum der Schia. Der islamische Gouverneur Seleukia-Ktesiphons Salmān al-Fārisī ist eine bedeutende Figur der islamischen Gnosis. Mit der Gründung Bagdads 762 verfiel Seleukia-Ktesiphon endgültig.

Seleukia-Ktesiphon war auch Zentrum der christlichen Kirche Persiens (Assyrische Kirche des Ostens). Spätestens 410 führt der Bischof als Großmetropolit der Kirche Persiens den Titel Katholikos. Ihm waren alle Metropoliten Mesopotamiens sowie alle Kirchen des Ostens (Persien, Indien, später auch Zentralasien und China) untergeordnet. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts wurde auch der Sitz des Katholikos nach Bagdad verlegt.


Ausgrabungen

Grabungen fanden in Seleukia 1927–1932 und 1936–1937 von der University of Michigan statt, wobei vor allem eine große Insula untersucht worden ist. In diesem Häuserblock fanden sich teilweise sehr reich ausgestattete Wohneinheiten. Es konnten vier Schichten (von ca. 300 v. Chr. bis 200 n. Chr.) unterschieden werden. Die Ausgrabungsergebnisse sind in mehreren Bänden vorgelegt worden. Von 1964 bis 1989 grub hier auch eine italienische Mission der Universität Turin. Sie fanden unter anderem ein Gebäude, das anscheinend in seleukidischer Zeit als Staatsarchiv benutzt worden ist. 30 000 Siegelabdrücke in Ton konnten dort ausgegraben werden, fast alle in einem rein griechischen Stil gehalten. Das Gebäude ging anscheinend bei der parthischen Eroberung um 150 v. Chr. in Flammen auf. Sondagen haben schließlich gezeigt, dass die Stadt von zwei Kanälen, ein ost-westlicher und ein nord-südlicher durchkreuzt wurde.

Die Identifizierung von Ktesiphon ist umstritten. Genau neben Seleukia befindet sich eine große runde Stadtanlage, die meist als Ktesiphon bezeichnet wird. Deutsche Ausgrabungen an dem Ort haben bisher nur partherzeitliche Grabanlagen, jedoch keine parthischen Siedlungsschichten zu Tage gefördert. Italienische Ausgrabungen fanden ein Handwerksviertel. Alle hier gefundenen Siedlungsreste datieren in die Zeit der Sassaniden, darunter befinden sich auch die Reste einer christlichen Kirche. Diese Stadt (oder Stadtteil) ist daher mit Veh-Ardashir, einer Gründung von Ardaschir I. identifiziert worden. Ein endgültiger Beweis für diese Identifizierung steht jedoch noch aus.

Etwas nördlich dieser runden Stadtanlage fanden sich bei irakischen Grabungen frühislamische Häuser, die teilweise reich mit Stuckaturen dekoriert waren und ein gehobenes Wohnniveau für diese Zeit belegen.

Die einzige heute noch vor Ort zu sehenden Ruine ist der sassanidische (wohl von Chosrau I. erbaute oder fertig gestellte) Palast Taq-e Kisra, der vor allem durch sein gewagtes Gewölbe bemerkenswert ist. Der Palast liegt in einem Siedlungsgebiet außerhalb der großen runden Stadtanlage.


Literatur

  • Jens Kröger: Ctesiphon. In: Encyclopaedia Iranica, Bd. 6, S. 446–448.
  • Mariamaddalena Negro Ponzi: Al-Ma'in: Problemi di Topografia. In: Mesopotamia XL (2005), S. 145–169.

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