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Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις / Konstantinoupolis = "Stadt des Konstantin"), gegründet um 685 v. Chr. als Byzantion, war bis 1930 der Name des heutigen Istanbul. In der Spätantike und im Mittelalter war Konstantinopel die Hauptstadt des Oströmischen Reichs, das "Zweite Rom". Nach der osmanischen Eroberung 1453 dann die Hauptstadt des osmanischen Imperiums. Als Lebenszentrum zweier Weltreiche, an der Schnittstelle zweier Kontinente, besitzt Konstantinopel eine überragende historische und künstlerische Rolle. Über 1500 Jahre wurden von den Ufern des Bosporus die Geschicke der damaligen Menschheit gelenkt. Als Prototyp einer imperialen Stadt ist Konstantinopel vom 4. Jh. bis ins 18 Jh. länger Weltstadt gewesen als beispielsweise Rom (3. Jh. v. Chr.-4. Jh. n. Chr.)

Spätantike und byzantinische Zeit

Konstantinopel und das Oströmische Reich

Wegen der wachsenden Bedeutung der Osthälfte des Römischen Reiches wurde Byzantion 324 vom römischen Kaiser Konstantin I. - an Stelle von Trier - als neue Hauptstadt, als "Neues Rom" (lat.: Nova Roma), geplant und sechs Jahre später, am 11. Mai 330 feierlich eingeweiht. Wenig später nach seinem Tode nannte man sie zu seinen Ehren Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις "Stadt des Konstantin"). Die Stadt wurde auf das Fünffache der ursprünglichen Fläche vergrößert, und wie das Vorbild Rom auf sieben Hügeln errichtet. Auch die politischen und weltlichen Einrichtungen der alten Hauptstadt wurden bis ins Einzelne nachgeahmt. So erhielt Konstantinopel ein Kapitol, ein Hippodrom für 30.000 Zuschauer, ein Forum (Forum Constantini) und eine Hauptverkehrsachse in ost-westlicher Richtung. Trotz seiner Förderung des Christentums ließ der Kaiser auch heidnische Tempel errichten; sein Sohn Constantius II. gewährte dann dem Senat der Stadt dieselben Privilegien, wie sie der römische genoss.

Konstantinopel wurde in der Folge konsequent zum Mittelpunkt von Verwaltung, Wirtschaft und Kultur des Oströmischen Reiches ausgebaut und erfüllte diese Aufgabe (mit Unterbrechung) seit dem späten 4. Jahrhundert bis in die Neuzeit par excellence. Solange Byzanz/Konstantinopel stand, stand auch das (von der modernen Geschichtsschreibung so genannte) Byzantinische Reich. Fiel die Stadt, fiel das Reich ebenso. In Konsequenz der zentralen Stellung wurde Konstantinopel auch zum kirchlichen Mittelpunkt. Der Bischof der Stadt, der sein Amt auf den Apostel Andreas zurückführte, war ab 381 Patriarch und beanspruchte eine herausgehobene Stellung. Auch kulturell lebte die Stadt in der Spätantike auf: Die Hochschule war die jüngste, aber auch größte des Ostreiches und erreichte unter Theodosius I. eine erste Blütezeit, wobei auch die Bibliotheken ausgebaut wurden.

Die Erweiterung Konstantinopels konnte auf Grund der geografischen Lage nur nach Westen hin erfolgen. Bereits Theodosius I. baute die Stadt aus. Seit 412 wurde unter Theodosius II. etwa 500 m westlich der von Konstantin errichteten Stadtmauer eine neue, teilweise noch heute erhaltene Mauer errichtet und so das Areal der Stadt von sechs auf zwölf km² verdoppelt. Die Bevölkerung Konstantinopels wuchs rasch und ab einem gewissen Maß gegen den Willen der Herrscher, doch selbst Zuzugsbeschränkungen vermochten den Zuzug nicht zu verhindern. Die Versorgung der weit über 300.000 Einwohner (zur Zeit Justinians waren es vor Ausbruch der Pest in den 40er Jahren des 6. Jahrhunderts gar zwischen 500.000 und 600.000) stellte die Machthaber zeitweise vor Probleme, insbesondere im 7. Jahrhundert nach dem Verlust der "Kornkammer" Ägypten an die Araber, wodurch die Einwohnerzahl wieder zurückging. Bis etwa 600 gab es in der Stadt übrigens noch zahlreiche Einwohner mit Latein als Muttersprache, wie unter anderem durch Grabinschriften bezeugt wird, erst danach wurde Konstantinopel vollständig gräzisiert.

Um die Warenversorgung sicherzustellen, wurden früh Häfen an der Küste zum Goldenen Horn und zum Marmarameer aus- oder neugebaut. Für die Versorgung der riesigen Hauptstadt mit Trinkwasser wurden mehrere Aquädukte aus dem nordwestlich gelegenen Hügelland errichtet, deren Wasser in mehreren, insgesamt 130.000 m³ fassenden, unterirdischen Zisternen (bspw. der 532 unter Justinian I. fertiggestellten Yerebatan Sarnıçı) gespeichert wurde. Allgemein erfasste die oströmischen Kaiser im 4.-6. Jahrhundert eine auffällige Baulust, von der auch Chalcedon - obwohl es ständig im Schatten von Konstantinopel stand - profitierte. So wurde der Hafen erweitert, sowie Paläste und Kirchen gebaut. Nach den Zerstörungen während des Nika-Aufstandes 532 ließ Justinian I. zahlreiche Gebäude, darunter die Hagia Sophia neu errichten.

Militärisch galt Konstantinopel lange Zeit als uneinnehmbar und als die stärkste Festung der bekannten Welt; zahlreiche Angriffe und Belagerungen scheiterten an dem mehrfach gestaffelten Befestigungswerk der Stadt. Zu einer ersten Bewährungsprobe kam es 626 durch den Angriff der persischen Sassaniden und der mit ihnen verbündeten Awaren. Mit der islamischen Expansion, während der auch die Araber an der dreifachen Mauer der Stadt scheiterten, endete wenige Jahre später die spätantike Phase der Stadt.


Konstantinopel im 15. Jahrhundert


Konstantinopel in mittelbyzantinischer Zeit

Die beiden abgewehrten Belagerungen durch die Araber in den Jahren 674-678 sowie 717/18 stoppten den Vormarsch der Muslime nach Europa und sind ebenso wie die Schlacht bei Tours und Poitiers durch die Franken von welthistorischer Bedeutung. Allerdings wirkte sich der endgültige Verlust der reichen römischen Orientprovinzen nach 636 auch auf die Hauptstadt aus; so entfielen nun die Getreidelieferungen aus Ägypten. Während die Araber im Laufe des 8. bis 10. Jahrhunderts teilweise zurückgedrängt werden konnten, wurden die Bulgaren zur neuen Bedrohung für die Stadt. Zu einer ersten (ebenfalls erfolglosen) Belagerung kam es 813. Die Serie der Angriffe riss auch im 9. und 10. Jahrhundert nicht ab, als Bulgaren und Rus, im Jahr 1090 die Petschenegen, mehrfach den Versuch einer Eroberung Konstantinopels unternahmen. In der Regel führten diese Belagerung zur Verwüstung des thrakischen Umlands der Stadt, und auch das leichter befestigte Chalcedon wurde mehrfach von Persern und Arabern eingenommen, geplündert und zerstört. Infolge dessen sind dort heute kaum noch Spuren der byzantinischen Baukunst zu finden.

Trotz wiederkehrender Stadtbrände, Seuchen und Erdbeben blieb Konstantinopel bis ins Mittelalter eine der wenigen "Weltstädte" (neben Bagdad, Kairo und Córdoba), und die mit Abstand größte und wichtigste christliche Metropole. Unter Justinian hatte sie sie im 6. Jahrhundert wie bereits beschrieben ihre erste und größte Blüte erreicht, die Einwohnerzahl durchbrach damals die 500.000er Marke. Doch bis Mitte des 8. Jahrhunderts ging die Einwohnerzahl nicht zuletzt auf Grund der Araber-Belagerungen zurück, um dann allerdings bis ins 12. Jahrhundert auf angeblich etwa 700.000 Einwohner anzusteigen.

Gebietsverluste infolge militärischer Niederlagen (u.a. in der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071) zwangen die Byzantiner Ende des elften Jahrhunderts, Hilfe im christlichen Westen zu suchen. Dem Vordringen der Normannen über Süditalien bis auf das griechische Festland konnte nur dank der Venezianer Einhalt geboten werden, im Gegenzug wurden ihnen Handelsprivilegien, Zollnachlässe sowie eine Handelsniederlassung in Konstantinopel vertraglich zugesichert. Weitere Hilfsgesuche im Westen führten zum Ausruf des Ersten Kreuzzug durch Papst Urban II., infolgedessen ein Heer aus allen Teilen Westeuropas Richtung Konstantinopel zog, wo im April 1097 die letzten Abteilungen eintrafen. In der Metropole am Bospuros sahen die Kreuzfahrer eine fortschrittliche Infrastruktur, die sie aus keiner ihrer Städte auch nur annähernd kannten. Es gab Aquädukte, Bäder und Kanalisation, Kliniken mit Abteilungen für die unterschiedlichsten Krankheiten, eine große Universität, selbst Polizei und Feuerwehr. Händler aus aller Welt trafen sich auf den Basaren der Stadt, deren großer Reichtum auf dem Überseehandel beruhte. Kaiser Alexios I., der angesichts der barbarisch anmutenden Horden um seine Hauptstadt besorgt war, beeilte sich, das Kreuzfahrerheer auf die asiatische Seite des Bosporus zu befördern. Das gut 50.000 Mann starke Heer eroberte noch im gleichen Jahr die nahe gelegene Sultanats-Hauptstadt Nicäa und zog dann weiter Richtung Jerusalem. Dem dicht bedrängten Konstantinopel war wieder etwas Luft verschafft worden.

Das traditionell freundliche Verhältnis der Byzantiner mit Venedig schlug im 12. Jahrhundert unter Manuel I. Komnenos in Misstrauen, Verachtung und Hass um, nicht zuletzt durch die immer wieder auf byzantinischem Boden ausgetragenen Machtkämpfe der Dogenrepublik mit Pisa und Genua. Die Einheimischen empfanden das anmaßende Auftreten der sog. "Lateiner" als Provokation. Die explosive Stimmung entlud sich 1171 in den "Lateinerpogromen", als die byzantinische Regierung zuerst den Besitz tausender Venezianer konfiszierte und sie anschließlich einkerkerte. Angeblich wurde sogar der anschließend zu Verhandlungen angereiste Enrico Dandolo geblendet. Trotz eines 1177 beschlossenen Friedens beeinträchtigten das Ereignis der "Lateinerpogrome" die Beziehung zwischen Konstantinopel und Venedig nachhaltig. Und so ist es nicht verwunderlich, dass 1202 ein von Venedig ausgerüstetes und vom Dogen Dandolo geführtes Kreuzfahrerheer die Eroberung Konstantinopels in Angriff nahm, unter dem Vorwand, die dortigen Thronstreitigkeiten zu klären. Kaiser Alexios III. floh vor dem anrückenden Heer, und Isaak II. nahm (wieder) Platz auf dem Thron. Die Kreuzfahrer blieben trotz "getaner Arbeit" in der Stadt. Als sie eine Moschee entdeckten - es gab seit 718 infolge der Niederlassung arabischer Händler eine muslimische Gemeinde in Konstantinopel - und sie anzündeten, zerstörte der dadurch entstandene Flächenbrand ein ganzes Stadtviertel.

Nachdem Isaak II. sowie sein Sohn Alexios IV. (unter ungeklärten Umständen) starben und ihnen Alexios V. auf den Thron folgte, wurden die Kreuzfahrer aus der Stadt verwiesen. Diese bereiten daraufhin einen erneuten Angriff auf Konstantinopel vor. Am 13. April 1204 gelang es ihnen, die Stadt von der Seemauer am Goldenen Horn her zu stürmen. Die anschließende Plünderung der Stadt dauerte drei Tage. Viele Einwohner der kosmopolitischen Metropole wurden dabei getötet. Zahlreiche Monumente wurden zerstört, großartige Kunstwerke wurden vernichtet oder geraubt, etliche Bibliotheken niedergebrannt und eine große Anzahl der in Konstantinopel aufbewahrten Heiligenreliquien über ganz Europa zerstreut. So stammen beispielsweise die Skelette der Heiligen Drei Könige, die heute im Dreikönigsschrein im Kölner Dom ruhen, ursprünglich aus Konstantinopel. Von der Zerstörung und Plünderung durch die Venezianer und Kreuzfahrer hat sich Konstantinopel für den Rest des Mittelalters im Grunde nicht wieder erholt.

Die spätbyzantinische Zeit und das Vordringen der Türken


Die Kreuzfahrer zerstückelten das Byzantinische Heerschaftsgebiet und errichteten das sog. Lateinische Kaiserreich. Dieses hielt nur kurz bestand, bereits 1261 eroberte ein Söldnerheer des von geflohenen byzantinischen Familien getragenen Kaiserreiches Nikaia die Stadt im Handstreich zurück. Das Byzantinische Reich wurde in vergleichsweise bescheidenem Umfang wieder hergestellt, verlor aber in der Folge immer weitere Gebiete seines Territoriums. Um 1300 hatte Konstantinopel noch etwa 100.000 Einwohner. Seine Rolle als wichtigstes Handelszentrum des Mittelmeers hatte es an die italienischen Hafenstädte, insbesondere Venedig, verloren. Die Italiener unterhielten Handelsniederlassungen im Stadtteil Pera (heute Beyoğlu) auf der nördlichen, europäischen Seite des Goldenen Horns.

1326 begann mit der Eroberung Bursas durch Osman, einem Heerführer eines kleinen türkischen Stammes, der Siegeszug der Osmanen. In rascher Folge eroberten diese ganz Anatolien und Teile des europäischen Festlandes. Byzanz glich bald einer Insel im Osmanischen Reich. Im 15. Jahrhundert bestand es nur mehr aus dem eigentlichen Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern, die Einwohnerzahl sank auf etwa 40.000 ab.

Mehrere Angriffe auf Konstantinopel blieben erfolglos, bis am 29. Mai 1453 die Stadt unter Mehmet dem Eroberer unter großen Verlusten eingenommen werden konnte (Siehe auch Belagerung von Konstantinopel (1453)). Die Zahl der Toten wird mit 50.000 angegeben. Die zahlenmäßig weit unterlegenen Verteidiger hielten knapp zwei Monate der Belagerung stand, warteten am Ende aber vergeblich auf Hilfe aus Venedig. Die Überlebenden wurden mit Ausnahme der Juden und Genuesen deportiert. Diese konnten dank ihrer umsichtigen Haltung während der Belagerung ihren Privatbesitz retten.

Viele Einwohner und Intellektuelle flohen nach Westeuropa und vor allem Norditalien, und nahmen dabei viele erhalten gebliebene Kopien antiker Schriftstücke mit. Diese verbreiteten sich durch die ungefähr gleichzeitig erfundene Buchdruck-Kunst schnell in Norditalien und lösten eine Welle der "Wiederentdeckung" antiker Denkmodelle und Vorstellungen aus. Diese Wiederentdeckung beschleunigte den vielschichtigen Prozess, der heute als Renaissance bezeichnet wird.

Inzwischen prägten die muslimischen Herrscher, die Konstantinopel zur Hauptstadt ihres Reiches machten, das Stadtbild neu. Unzählige Kirchen, deren bedeutendste die Hagia Sophia war, wurden um Minarette ergänzt und zu Moscheen umgebaut. Bald durften die vertriebenen Griechen und Armenier zurückkehren und prägten das multikulturelle Bild einer im europäischen Vergleich der damaligen Zeit toleranten Metropole bis zum Ende des Osmanischen Reiches.

Osmanische Zeit


Galatabrücke und Goldenes Horn

Nach der Eroberung nannten die Türken die Stadt im Alltagsgebrauch İstanbul, auch wenn der inoffizielle Name bis in die 1920er Jahre weiter Konstantinopel blieb; auch wird bis heute im griechischen Sprachbereich Konstandinúpoli gesagt. Der Name İstanbul (im deutschen Sprachraum früher auch Stambul) leitet sich aus dem griechischen εἰς τὴν πόλι(ν), in der Koine zu is tim boli(n) verschliffen, ab, was in die Stadt bedeutet. Es existieren eine vielzahl von Theorien über die Namensgebung. Jedoch besagt die Legende : Zu Zeiten Sultan 2. nach der Eroberung Konstantinopels flüchteten die Christen aus Angst vor Übergriffen aus der Stadt. Kurz darauf gebot Fatih Sultan Mehmet besonderen Schutz der Christen. Auf den Pferdewagen verbreitet sich dann der Slogan eis ten polin, "in die Stadt". Mit der Zeit wurde dies der Name der Stadt.

Die Stadt wurde Residenz der Sultane und Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Sie behielt neben der politischen große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung und ein internationales Gepräge. Selbst das Patriarchat blieb erhalten, bis 1821 spielten Griechen eine wichtige Rolle. Unter Süleyman dem Prächtigen (1520-1566) war İstanbul die Hauptstadt eines riesigen Reiches, das von Ungarn über Belgrad bis Bagdad und weit nach Nordafrika reichte. Das Osmanische Reich war am Gipfel seiner Macht, was sich in einer Vielzahl von Palästen und Moscheen des Architekten Sinan, des größten osmanischen Baumeister seiner Zeit, widerspiegelt. Bereits damals begann aber der Niedergang. Fehlende Reformen, korrupte Wesire, die Macht der Sultansfrauen sowie die Abschottung gegen moderne Tendenzen bewirkten, dass man trotz einer schönen Fassade im 19. Jahrhundert schließlich vom "kranken Mann am Bosporus" sprach, wenn man das Osmanische Reich meinte.

Ab dem 17. Jahrhundert kam es zu einem massiven Zuzug von Armeniern aus allen Gebieten des Osmanischen Reichs. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten bereits über 220.000 Armenier in Konstantinopel, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt. Es bildete sich eine kulturelle armenische Infrastruktur, die schließlich zu einem literarisch-kulturellen sowie politischen Aufbruch der westarmenischen Gemeinschaft führte. Doch mit dem Ersten Weltkrieg und dem Machtgewinn der "Jungtürken" begann die Verfolgung der Armenier. Am 24. April 1915 kommt es zu einer großangelegten Verhaftungswelle, Auftakt zum Völkermord an den Armeniern. Fast alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurden festgenommen und anschließend deportiert oder gar hingerichtet.

Ein wichtiger Chronist dieser Zeit ist der deutsche Journalist und Schriftsteller Friedrich Schrader, der von 1891 bis 1918 in Konstantinopel lebte und arbeitete.

Imperiale Bauwerke

Als Kaiser Konstantin zwischen 324 und 330 ein neues Zentrum für das römische Reich am alten Byzanz gründetete, sollte dieses allmählich Rom als Hauptstadt ablösen. Um den Gedanken eines Nova Roma Nachdruck zu verleihen, musste dieses dann auch architektonisch ausgebaut werden. Da Konstantinopel zudem von Anfang an christlich geprägt war und das Christentum Staatsreligion wurde, ohne das im Übrigen auf den Kaiserkult verzichtet wurde, bekam Konstantinopel ein durch Votiv- und Gedenksäulen, Foren, Palästen, dem Hippodrom und natürlich zahlreichen christlichen Kirchen geprägtes Aussehen.

Ältestes erhaltenens Baudenkmal Konstantinopels ist die Konstantinssäule. Die ehemals knapp 50 Meter hohe Porphyrsäule bekrönte ursprünglich eine Statue des Helios aus Ilion. Der Kopf des Sonnengottes war von sieben Strahlen umkränzt, in die man Passionsnägel einarbeitete, während das Innere der Statue einen Splitter vom Kreuz Christi barg. Im Jahr 1105 wurde die Statue bei einem Unwetter zerstört und durch ein Kreuz ersetzt. Die Säule wurde zum Symbol der Stadt, und die letzten byzantinischen Chronisten berichten, dass sich am Tag der Eroberung durch Sultan Mehmed II. die Stadtbewohner frühmorgens um sie versammelten, um auf den rettenden Engel des Herrn zu warten.

Neben der Konstantins-Säule bildete vor allem das Hippodrom den Mittelpunkt der Stadt und war Brennpunkt des öffentlichen Lebens. Hier begegneten sich Kaiser und Volk, hier demonstrierte der Kaiser seine Macht und dort finden sich daher auch einige repräsentative Objekte. Entlang der Spina, der Trennmauer zwischen den beiden Richtungsbahnen, um welche die Steitwagen kurvten, stellten Konstantin und seine Nachfolger Standbilder und Denkmäler auf. Darunter ein ägyptischer Obelisk vom Tempel in Karnak und die bronzene Schlangensäule aus dem 6. Jh. v. Chr.

Unter Kaiser Thedosius wurde entlang der Wegstrecke der kaiserlichen Triumphzüge drei Foren erreichtet. Auf dem Forum Tauri stand die Ehrensäule des Kaisers Theodosios, geschaffen nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom. Weitere Säulen sind die Arkadios-Säule, Markian-Säule sowie die Justinian-Säule. Diese jüngste der Säulen ist ebenso wie die Konstantins-Säule aufs engste mit der Geschichte Konstantinopels verbunden. Die 543 eingeweihte 35 m hohe Säule trug ein Reiterstandbild Justinians I. in drei bis vierfacher Lebensgröße. Als Mehmed II. Konstantinopel eroberte, bestanden eine seiner ersten Taten darin, die Statue zu vernichten.

Literatur

  • Friedrich Schrader: Konstantinopel in Vergangenheit und Gegenwart, Tübingen 1917
  • Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion - Konstantinupolis - Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, Tübingen 1977. ISBN 3-8030-1022-5 (Standartwerk zu Stadtentwicklung und Bauten)
  • John Freely; Hilary Sumner-Boyd: Istanbul : ein Führer, 3., durchges. Aufl., München 1986, ISBN 3-7913-0098-9
  • Philip Mansel: Constantinople - City of the world's desire 1453-1924, London 1995. ISBN 0-14-026246-6
  • Wolfgang Müller-Wiener: Die Häfen von Byzantion - Konstantinopolis - Istanbul, Tübingen, 1997, ISBN 3-8030-1042-X
  • Dogan Kuban: Istanbul - an urban history : Byzantion, Constantinopolis, Istanbul, Istanbul 1996, ISBN 975-7306-20-7
  • Stéphane Yerasimos: Konstantinopel, Istanbuls historisches Erbe, Köln 2000, ISBN 3-8290-1896-7
  • Klaus Kreiser: Istanbul : ein historisch-literarischer Stadtführer, München 2001, ISBN 3-406-47191-9

Koordinaten: 41° 0′ 33" N, 28° 58′ 33" O

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